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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.8.1969 besucht Bob Dylan ein misslungenes Klassentreffen.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.8.1969.

von Christof Leim und Tom Küppers

Die einen sehen darin eine willkommene Gelegenheit zu erfahren, was alte Freunde so treiben, andere empfinden sie als den blanken Horror: Klassentreffen. Als der Folk-Poet Bob Dylan zehn Jahre nach seinem High School-Abschluss in seiner Geburtsstadt Hibbing, Minnesota eine solche Veranstaltung besucht, steckt darin weit mehr Symbolkraft, als man auf den ersten Blick vermuten möchte.


Hier gibt es die größten Dylan-Klassiker zu hören:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Dylanologen kennen für jede Lebenslage ein Zitat des Meisters. Über das kleine Städtchen Hibbing im amerikanischen Norden schrieb er etwa in seinem Gedicht My Life In A Stolen Moment schon 1963 mit verklausulierter Ironie:

Hibbing’s got the biggest open pit ore mine in the world
Hibbing’s got souped-up cars runnin’ full blast on a Friday night
Hibbing’s got corner bars with polka bands
You can stand at one end of Hibbing’s main drag
An’ see clear past the city limits on the other end
Hibbing’s a good ol’ town

Zwei Jahre später wird er in einem Interview deutlicher: „Als ich von da weg ging, wusste ich eines ganz genau: Ich muss hier raus, und ich werde nicht mehr zurückkommen.“ Warum Dylan am 2. August 1969 zusammen mit seiner damaligen Frau Sara wieder in seine alt Heimat reist, verwundert also. Fest steht aber, dass er seinen Geburtsort seitdem nie mehr offiziell besucht hat.



Schauen wir zurück: 1956, Dylan ist gerade im besten Teenager-Alter, veranstaltet die Schule einen kleine Talentshow. Der junge Musiker entscheidet sich, einen Song seines großen Idols Little Richard zu interpretieren. Doch die anderen lachen Bob aus, der Direktor schließt sogar während der Darbietung wieder den Vorhang. „Man darf nicht vergessen, dass wir damals noch Kinder waren“, erzählt die ehemalige Mitschülerin Sharon Kepler später dem britischen Telegraph. „Wir konnten noch nichts mit Musik anfangen, bei der geschrien und auf das Klavier eingedroschen wird.“ Diverse Biografen behaupten, genau diese Ablehnung und Verspottung habe den Grundstein für Dylans legendäre Grantler-Attitüde gelegt. Kepler widerspricht: „Er wurde auch nicht anders behandelt als andere.“

Zehn Jahre nach dem Abschluss hat sich allerdings einiges geändert: Dylan gilt inzwischen als großer amerikanischer Künstler, dem Kritiker und Fans zu Füßen liegen. Bei der Zusammenkunft der alten Schulkollegen nimmt er deshalb eine Sonderstellung ein. „Ich erinnere mich, dass Bob in einer Ecke stand und die Leute zu ihm hinkamen, um seine Hand zu schütteln“, erinnert sich Frau Kepler. „Ich hätte es schöner gefunden, wenn er sich einfach zu seinen alten Klassenkameraden gesetzt hätte.“ Dieses Verhalten stößt einigen Ehemaligen so sauer auf, dass es zu einem Wortgefecht kommt. Die Folge: Das Ehepaar Dylan sucht das Weite und wird bis heute nicht mehr vor Ort gesichtet.

Heute haben Bewohner von Hibbing versucht, ihren Frieden mit dem berühmtesten Sohn der Stadt zu schließen. Von Dylan signierte Jahrbücher (eine uramerikanische Schultradition) wechseln für horrende Summen den Besitzer, der Versuch, mit den Dylan Days einen entsprechenden Event zu etablieren, scheitert. Die örtliche Bücherei hortet unzählige Zeitungsartikel, Magazincover, Tonträger, Fotos und andere Erinnerungsstücke. Sogar eine kleine Führung gab es, bei der das Geburtshaus des Barden oder die Musikalienhandlung, in der er einst seine erste Mundharmonika erworben hatte, besichtigt wurden. Ausgerechnet die Besucherführerin sorgt für ein finales Bonmot: „Viele fragen sich, wie Bob Dylan so in der High School war. Aber ganz ehrlich: Der Basketballprofi Kevin McHale ist viel beliebter.“ Da hilft dann wohl auch ein Literaturnobelpreis nicht…



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