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Popkultur

Deep Purple – The House of Blue Light: Satanische Krönung oder im Schatten von Perfect Strangers?

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Es kommt nicht jeden Tag vor, dass sich die Geister von Musikpresse und Fans bei einem neuen Album so sehr scheiden. Bei Deep Purples 12. Studioalbum und dem zweiten nach ihrer Reunion ist das so. Die einen sagen, The House of Blue Light  (Originalrelease: 12. Januar 1987) sei ein Meisterwerk, das Comeback-Album Perfect Strangers, das die Band nach acht Jahren Pause 1984 aufgenommen hatte, dagegen ein feuchter Waschlappen. Die anderen schwärmen, Perfect Strangers sei die satanische Krönung Deep Purples gewesen, danach könne und sollte nichts mehr kommen. Wie es manchmal so ist, muss ein wenig Zeit vergehen, damit sich die Spreu vom Weizen und der flüchtige Zeitgeist von substantieller Begeisterung trennen lassen.


 

Ein bisschen stehen diese Konflikte auch für das große Ganze. Denn kaum eine andere Band hat gleichermaßen so begeistert, so enttäuscht und derart große Qualitätsunterschiede in ihren Werken produziert wie die Heavy Metal Pioniere aus Hertford, England. Nicht nur unverschämt laut waren die Briten, nein, sie wechselten auch ständig das Line-Up, schmissen Musiker aus der Band, versuchten es mit anderen, holten die Rausgeschmissenen wieder, stritten und prügelten sich. Deep Purple haben es mit dem wechselnden Line-Up so weit getrieben, das sie eigene Bezeichnungen dafür benötigten, namentlich Mark I, II, III und IV. Würde man der Musik diese Bruchlinien nicht anhören, wäre tatsächlich schwarze Magie im Spiel.



Auf The House of Blue Light spielen Deep Purple in der zweiten (Mark II) und erfolgreichsten Formation, mit Ian Gillan (Gesang), Jon Lord (Orgel), Roger Glover (Bass), Ian Paice (Drums) und Ritchie Blackmore (Gitarre).

Drei Jahre zuvor war die eigentlich schon totgesagte Band wie Phoenix aus der Asche gestiegen und hatte mit Perfect Strangers ein Album hingelegt, über das zumindest alle redeten, die Mehrzahl doch eher positiv bis euphorisch. Nun saßen die fünf Engländer wieder im Olymp des Hard Rocks und brauchten gute Ideen, um ihren wiedergewonnenen Ruhm zu verteidigen.

Man hört es gleich zu Beginn des Albums: Deep Purple baden geradezu im Sound der 80er Jahre, wollen ihm eine eigene Signatur und vor allem eine Deep-Purple-Hitsingle á la Smoke on the Water entreißen. Der ersten Hälfte des Albums hört man diese Dringlichkeit an und ebenso eine gewisse Ähnlichkeit zu Rainbow, der anderen Band von Gitarrist Ritchie Blackmore. Wobei die Single Call of the Wild schon mal gut ins Ohr geht.


Deep-Purple-1998


Der Text ist aus heutiger Sicht rührend altmodisch. Wie das lyrische Ich da bei der Telefonauskunft anruft (Englisch: Operator)…ja, sowas gab es mal:

Operator I’m looking for a girl

You’ve got to help me get through

I don’t know much about her

So I’m relying on you

She got rhythm but no sense of timing

She likes living but she’s got no address

Operator you’ve got to get me out of this mess

Let me tell you about her

And I’ve got to see again that gypsy child

Operator this is the call of the wild


Schaut euch hier das Musikvideo zu Deep Purples Call of the Wild an:

Mit The Spanish Archer und Strangeways, zwei von östlichen Harmonien geprägte Songs, wird das Album richtig gut. Strangeways mit seinem Stakkato-Piano und seiner ausladenden Gitarrenstimme hat diese gewisse Armageddon-Atmosphäre. Wobei das Ganze auch ein bisschen wirkt, als hätte jemand (Ritchie, Roger und Ian) ein paar Pilze gegessen und dann einen Song geschrieben.

Have you seen the headlines

Princess engaged

3 million out of work

But that’s on the 2nd page

The alien has landed

Finger in his ear

Can’t hear a word I am saying

But that ain’t such a bad idea

Der Aufnahmeprozess gestaltete sich durch persönliche Auseinandersetzungen der Bandmitglieder und hohe Erwartungen an das neue Album schwierig. Blackmore sagte, viele Songs seien mehrfach aufgenommen worden und das Abmischen ein Krampf gewesen.


Ian Gillan

Ian Gillan


Und Ian Gillan gab zu, die Streitereien hätten die vormals gute Gruppendynamik zerstört: “The House Of Blue Light hat ein paar gute Songs, aber es fehlt einfach was. Ich höre den Spirit der Band nicht mehr.” Nicht nur der Geist sei verloren gegangen, sagt Gillan. Man sei wie ein Fußballteam gewesen, das aus lauter Superstars bestanden hätte, die nicht wussten, wie man im Team spielte. Deep Purple, quasi der FC Bayern München unter den Bands?

Mag auch die Retrospektive der Band selbst nicht so schmeichelhaft ausfallen, das Album hat wirklich gute Momente. Ja, es gibt kein “Smoke on the Water” auf der Platte. Aber ein “Smoke on the Water” gibts halt auch nur einmal. Konsequenterweise fand The House Of Blue Light über die Jahre verdientermaßen treue Fans.


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