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Die Geschichte von Eddie, dem berühmtesten Metal-Maskottchen der Welt

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Eddie live on stage. Foto: Pete Still/Redferns/Getty Images

Iron Maiden sind größer als das Leben selbst, eine zum Mythos gewordene Band, die dem großen Buch des Heavy Metal einige seiner wichtigsten Kapitel hinzugefügt hat. Mitverantwortlich für diesen gottgleichen Status ist Band-Maskottchen Eddie, seit 40 Jahren eine Art Extra-Maiden.

von Björn Springorum

Eddie – das bekannteste Maskottchen der Rockgeschichte?

Dies ist die Geschichte von Eddie the Head, dem berühmtesten, beliebtesten und unverwüstlichsten Maskottchen der Heavy-Metal-Geschichte. Eddie gehört seit Jahrzehnten zu Iron Maiden wie der Privatjet und die Twin Guitars, ist ein festes und unverzichtbares Mitglied, dessen legendäre Fratze jedes der 16 Maiden-Studioplatten ziert. Verzeihung, Eddie. Dessen Konterfei meinten wir natürlich.

Die Ursprünge von Eddie liegen tief im Nebel der britischen Heavy Metal-Geschichte verborgen. Was wir wissen: Eddies erstes Auftauchen findet noch vor der Veröffentlichung des Debüts Iron Maiden im April 1980 statt. Irgendwann in den ersten Februartagen des Jahres 1980 befinden sich die damals weitgehend unbekannten Iron Maiden auf der Metal for Muthas-Tournee quer durch Großbritannien. Benannt nach einer NWOBHM-Compilation, treten Maiden neben Bands wie Motörhead, Saxon, Praying Mantis oder Diamond Head auf.

Jeder fängt mal klein an

So eine erste Tour, die soll natürlich Eindruck machen. Also lassen sie sich von einem Kumpel ihres Lichttechnikers Dave Beazley eine Pappmachémaske anfertigen, laut Beazley ein Abdruck seines eigenen Gesichts. Die recht kleine Maske hängt am Backdrop und hat ihren großen Auftritt immer zum Ende des Sets, als Iron Maiden ihre Bandhymne Iron Maiden anstimmen. Mittels einer Aquariumpumpe wird sogar Kunstblut aus Eddies Mund gepumpt, dennoch ist Eddie in diesem frühen Stadium doch eher charmant als eindrucksvoll.

Beasley entwirft daraufhin eine deutlich größere Maske, diesmal aus Glasfaser, mit leuchtenden Augen und dem schönen Gimmick, roten Qualm aus dem Mund in die Welt zu pusten. Schon besser. Fehlt nur noch ein Name, um diesem frühen Kumpel der Band noch ein wenig mehr Persona zu verleihen. Der findet sich doch tatsächlich auf dem Grund eines Witzes, was nur auf den ersten Blick unangemessen scheint. So finster und grausig Eddie nach außen hin wirkt: Im Herzen teilt er zweifellos den trockenen britischen Humor mit seinen Bandkollegen.

Gitarrist Dave Murray zumindest schwört, dass dieser Witz bei der Taufe ihres geliebten Sidekicks Pate gestanden hat:

A wife had a baby, but it was born with only a head and no body. „Don’t worry“, says the doctor.„Bring him back in five years time, and we’ll probably have a body for him’. So five years go by, and there’s Eddie the ‘Ead, as his parents have called him, sitting on the mantelpiece, when in walks his dad. „Son“, he says, „today’s a very special day. It’s your fifth birthday, and we’ve got a very special surprise for you.“ „Oh no“, says Eddie. „Not another fucking hat!“

Eddie the Head, benannt nach einem makabren Witz über einen kleinen Jungen ohne Körper? Fällt auch nur Londonern ein. Und ist der Beginn einer nie dagewesenen Karriere. Plattenfirma und Management sind vollkommen besessen von der Idee, das Maskottchen ins Zentrum aller visuellen Produkte zu stellen, ihn regelrecht zum Leben erwecken als entstamme er den Laboren des Doktor Frankenstein.

Eddie wird langhaarig

Es ist der große Auftritt von Derek Riggs. Damals gerade mal Anfang 20, wird der Autodidakt aus Portsmouth durch Manager Rod Smallwood mit Iron Maiden zusammengebracht. Ihre Wahl fällt auf eine Zeichnung mit dem Titel Electric Matthew Says Hello, eigentlich gedacht für eine Punk-Platte. Kurzerhand bekommt die Kreatur längere Haare, fertig ist das erste Albumcover.

Eddies erster Auftritt auf einem Cover

Am 14. April 1980 glotzt uns Eddie erstmals von einem Album entgegen, nachdem er auf der Vorabsingle Running Free noch in den Schatten verborgen ist – es ist der Beginn einer langen Partnerschaft mit Riggs, die sich über Referenzwerke wie The Number Of The Beast oder Powerslave erstreckt und bis in die Neunziger hinein anhält.

Die Sache mit Thatcher

Eddie hat da längst ein Eigenleben entwickelt, taucht als lebender Charakter auf der Bühne auf oder erhebt sich als zehn Meter große Mumie weit über dem lauten Geschehen. Er ist mal ein mumifizierter ägyptischer Gott (Powerslave), mal der Patient einer Nervenheilanstalt (Piece Of Mind), mal ein Untoter (Live After Death). Immer aber bleibt er der Herr der Lage, Dreh- und Angelpunkt der Maiden-Artworks. Längst gibt es eine gewaltige Merchandise-Kollektion, ein Videospiel, Actionfiguren und seltene Statuen. Eddie hat es ganz nach oben geschafft.

So rasant sein Aufstieg auch ist: Er bleibt nicht ohne Kontroversen. Auf ihrer zweiten Single Sanctuary, veröffentlicht im Mai 1980, kauert Eddie über der Leiche von Margaret Thatcher, mit dem angeblich satanischen Artwork zu The Number Of The Beast machte man dann sehr schnell christliche Konservative auf sich aufmerksam, die in den USA Maiden-Platten verbrennen. Logische Konsequenz: Iron Maiden werden noch beliebter. Und Eddie, der lacht sich wahrscheinlich immer noch ins Fäustchen. Schön, dass wir dich haben, Kumpel – auf die nächsten 40!

Eddie über der toten Margaret Thatcher

Zeitsprung: Am 29.9.1986 trumpfen Iron Maiden erneut auf mit „Somewhere In Time“.

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