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Popkultur

Die musikalische DNA von Elton John

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Reginald Kenneth Dwight, das ist doch kein Name für einen Popstar! Bei Elton John aber denken wir an ausgefallene Brillen, viele Federn und die schönsten Songs der Welt. Elton John ist seit fast einem halben Jahrhundert eine Konstante in einem unsteten Business, ein Popstar ohne viele Skandale und dafür mit viel Einfühlungsvermögen. Wer fühlt sich denn bei den Worten “My gift is my song and this one’s for you“ nicht angesprochen? Wer kann Candle In The Wind hören, ohne dass sich dabei die Armbehaarung stramm zieht? Elton John hat seit Beginn seiner Karriere die seltene Fähigkeit an den Tag gelegt, große Emotionen in noch größere Melodien zu verpacken und blieb seiner Exzentrik zum Trotz doch immer ein nahbarer Künstler, der uns nach wie vor in unserem Leben begleitet.


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Ein leichtes Leben hatte Reginald Kenneth Dwight indes nicht immer. Schon früh in seiner Karriere schien er fast über seinem Ruhm zu zerbrechen, die Presse verfolgte ihn geradezu wegen seiner Homosexualität und der sozial engagierte Künstler musste sich im Laufe der Zeit von immer mehr geliebten Menschen verabschieden, ob nun Freddie Mercury oder Lady Diana, welcher er die vielleicht schönste musikalische Ehrerbietung der Pop-Geschichte widmete. Das aber wird mit Blick auf Johns umfassendes Schaffen deutlich: Jeder Schicksalsschlag kann auch immer die Grundlage für überragende Kunst sein. Zwischen klassischen Klavierkompositionen, fetzigem Rock und zeitgemäßen Pop zieht John nach wie vor alle Register und der Erfolg gibt ihm Recht. Seine Songs sind unsterblich und sogar seine Soundtrack-Arbeiten wie zu König der Löwen sind aus dem kulturellen Gedächtnis nicht mehr wegzudenken. Höchste Zeit, einen Blick auf seine eigenen Einflüsse zu werfen. Wie klingt wohl die musikalische DNA von Elton John? Na, so vielseitig wie er selbst natürlich!

1. Elvis Presley – Heartbreak Hotel

Mehr noch als andere Stars ist Elton John immer auch Fan geblieben. Über seine Karriere hinweg zeigte er sich stets offen für und begeistert von neuen Sounds, die er selbst in seine Musik integrierte, wenn er nicht gerade hoffnungsvollen Talenten Schützenhilfe leistete. Angefangen hat alles in einem musikalisch interessierten Elternhaus: Die Dwights deckten sich regelmäßig mit Platten ein, die auch den jungen Reginald faszinierten. Seine liebste aber? „Oh mein Gott, das ist eine schwierige Frage“, stöhnte er 2011 in einem Interview, als der Interviewer von ihm wissen wollte, welche Platte denn für ihn die beste aller Zeiten sei. „Die Platte, die dem am nächsten kommt und die mein Leben auf immer verändert hat, ist wohl Heartbreak Hotel“, antwortete er. „Es hat eine völlig neue Welt eröffnet und war revolutionär in einer Art und Weise, mit der wir uns noch immer auseinandersetzen. Die 78er, die meine Mutter an diesem Tag aus dem Plattenladen mitbrachte, war wirklich unglaublich.“ Starke Worte, aber wer würde angesichts der Wichtigkeit eines Elvis Presley ernsthaft widersprechen? So wissen wir zumindest, woher das Rock-Interesse des kleinen Reginald her rührte.

2. Georg Friedrich Händel – Harpsichord Suite No. 1 in A Major, HWV. 426: II. Allemande

Noch früher allerdings setzte das Ehepaar Dwight den Filius ans Klavier: Mit stolzen drei Jahren begann er, die ersten Kniffe am Piano zu lernen und konnte schon innerhalb eines Jahres ein Stück von Winifred Atwell rein nach dem Gehör nachspielen. Ein Mythos? Vielleicht, aber nicht der einzige dieser Art: Mit elf Jahren gewann er ein Junior-Stipendium für die Royal Academy of Music und überzeugte seinen Lehrer dort mit einer exakten Interpretation einer Komposition Georg Friedrich Händels, die er kurz zuvor gehört hatte. Absolutes Gehör, phonografisches Gedächtnis – noch was? Die Ambitionen zumindest legte der kleine Reginald angeblich nicht an den Tag: „Ich habe es gehasst, zur Academy zu gehen“, gab er einst zu Protokoll und gestand, seine Zeit lieber im U-Bahnnetz Londons verbracht zu haben als im Klassenzimmer. Die rebellische Attitüde mag er sich vielleicht aber selbst angedichtet haben: Laut seinen Lehrern war Elton John ein überdurchschnittlicher Schüler, der sogar neben der Ausbildung im Konservatorium Extrastunden bei einem Klavierlehrer nahm! Also doch ein Streber, wie? Immerhin einer, der schon früh Jerry Lee Lewis nachahmte – so viel Revolution muss sein!

3. Ray Charles – Ain’t That Love

Die gute Ausbildung allerdings war noch lange nicht alles, der junge Pianist musste sich schon noch einen Namen machen. Als Reggie – die etwas coolere Version seines Vornamens! – trat der damals Fünfzehnjährige regelmäßig in einem lokalen Pub auf, wo er neben frühen Eigenkompositionen auch Klassiker von Ray Charles aufspielte. Mit dem blinden Pionier des Soul-Sounds verbindet Elton John einiges. „Ironischer Weise war mein erster Fernsehauftritt in den USA im Jahr 1970 bei der Andy Williams Show mit Mama Cass und Ray Charles“, erinnerte er sich in einem Interview. „Und ich musste ein Duett eines Stevie-Wonder-Songs mit Ray machen. Er spielte ein weißes Piano und ich ein schwarzes. Ich war so nervös, weil ich mit meinem absoluten Idol auftritt, einem meiner Lieblingsmenschen auf dieser Welt!“

Charles aber brachte den damals noch unerfahrenen Songwriter mit seiner charmanten Art auf den Boden der Tatsachen zurück und der Auftritt wurde ein voller Erfolg. Die Wege der Beiden sollten sich noch häufiger kreuzen, tatsächlich ist der letzte von Charles aufgenommene Song ein Cover von Elton Johns Sorry Seems To Be The Hardest Word. „Er war schwach“, erinnerte sich John an eine bewegende Aufnahmesession. „Aber er hatte dieses Feuer in der Stimme, weißt du, dieses Ray-Charles-Feuer. Die Leute im Studio waren den Tränen nah und ich hatte einen ziemlichen Kloß im Hals. Ich habe alles, was er mir an diesem Tag sagte, auf einer separaten CD gespeichert, die Gespräche, die wir hatten. Du arbeitest nicht jeden Tag mit einem Typen wie diesem zusammen.“ Wohl wahr!

4. Patti LaBelle – Lady Marmalade

Seine eigene Soul Sister fand Elton John in Patti LaBelle, in deren Vorprogramm er mit seiner damaligen Band Bluesology spielte. In Londoner Clubs schlugen sich die Band und LaBelles Bluebelles die Nächte beim Kartenspielen um die Ohren, wobei sich Bluesology regelmäßig über den Tisch ziehen ließen! Es legt sich eben niemand ungestraft mit einer echten Lady Marmelade an. Seine Dankbarkeit äußerte Elton John lange nach seinem Durchbruch mit einem ganz besonderen Geschenk. „Sie hatten kein Geld und ich habe in meiner Wohnung gekocht, sie eingeladen und gefüttert“, erinnert sich LaBelle an die harte Frühphase. „Elton klaute mir damals meine Tupperware! Aber er ersetzte sie später mit einem großen Diamantring, den ich jetzt zuhause habe.“ Kein schlechtes Tauschgeschäft für LaBelle! Wie Ray Charles übrigens setzten sich die Beiden für eine Coverversion eines Elton-John-Stücks zusammen und vertonten seine erste Hit-Single Your Song neu, der Startschuss für seinen Welterfolg. Nicht nur LaBelles Tupperware aber nahm der junge Reggie aus seiner Londoner Zeit mit, sondern lieh sich auch von seinen Bluesology-Kollegen Elton Dean und Long John Baldry etwas. Ratet mal, was!

5. The Beatles – Lucy In The Sky With Diamonds

Während Elton John und Patti LaBelle die Karten auf die Tische siffiger Bars knallten, eroberte eine britische Band nonchalant die ganze Welt. Die Beatles bewiesen, dass selbst die USA nicht vor dem Charme britischer Pop-Musik gefeit war und legten damit vielleicht auch einen Grundstein für Johns Erfolg in Übersee. So oder so wurden die Beatles natürlich auch zum Maßstab für den aufstrebenden Künstler. John Lennon wurde sogar zu seinem musikalischen Partner. 1974 fanden sich die Beiden im Studio für ein Cover von Lucy In The Sky With Diamonds zusammen und spielten später zusammen im Madison Square Garden auf, wo sie noch andere Stücke aufführten.

Es sollte John Lennons letzter großer Live-Auftritt vor seinem tragischen Tod im Jahr 1980 sein. Ein Gig, für den Elton John einiges an Überredungskunst aufwenden musste. „Eines Tages“, erinnerte sich Lennon in einem Interview, „rief Elton an und sagte: Weißt du noch, als du mir versprochen hast… Nicht, dass ich irgendeinem Agenten etwas versprochen hätte und so war ich dann in der Zwickmühle. Ich musste auf die Bühne!“ Ein Highlight ihrer Freundschaft, in deren Verlauf Elton John sogar Pate von Lennons Sohn Sean wurde. Und nicht sein einziger Auftritt mit einem Beatle: 1997 spielte er gemeinsam mit Paul McCartney und anderen Hey Jude auf dem Benefizkonzert Music For Montserrat.

6. The Who – Pinball Wizard

Mitte der Siebziger wurde Elton John zu einem der gefragtesten Songwriter seiner Zeit. Selbst die destruktiven The Who klopften bei ihm an und Pete Townshend fragte, ob der Sänger nicht eine Rolle im Film Tommy spielen wollte. John nahm auch eine Coverversion vom Song Pinball Wizard auf, die im Film zu hören ist und einmal mehr Johns Leidenschaft für knackigen Rock unterstrich. Eine ganz besondere Ehre erwies ihm die Firma Bally Technologies, die eine Captain-Fantastic-Pinballmaschine herstellte, die eine Illustration von Elton John in seinem ausgefallenen Filmaufzug zeigte! Mehr als nur eine Fußnote der Musik- und Filmgeschichte, denn 1989 brachten The Who das Album anlässlich seines 20. Jubiläums erneut auf die Bühne. Mit dabei war natürlich auch Elton John und selbst dessen alte Freundin Patti LaBelle half bei der opulenten Neuaufführung aus. The Who revanchierten sich nur wenig später mit einem Cover von Elton Johns Saturday Night’s Alright (For Fighting), einem Song ganz nach dem Geschmack der Rowdies, die anders als ihr exaltierter Kumpel nicht unbedingt pflegeleicht waren!

7. Guns’n’Roses – November Rain

Obwohl er vor allem für seine zarten Balladen bekannt wurde, schlummert in Sir Elton John ein beinharter Rocker. Selbst bei der Metalband Saxon und den Wüstenrockern von Queens Of The Stone Age half er bereits aus! Eine ganz besonders enge Beziehung pflegt er zur Band Guns N’ Roses, deren Sänger Axl Rose wohl einer der größten Elton-John-Fans überhaupt ist. „Für mich wie auch für andere ist wohl niemand inspirierender als Elton John gewesen“, sagte er in einer Rede anlässlich der Aufnahme Johns in die Rock’n’Roll Hall Of Fame. Besonders lobte Rose das Engagement des Idols gegen AIDS und „seinen Mut darin, die Triumphe und Tragödien seines Privatlebens offenzulegen“. 1992 standen sie gemeinsam auf der Bühne, um bei den MTV Video Music Awards Guns N’ Roses’ unsterblichen Song November Rain aufzuführen. In dem Stück wird John sicherlich seine eigene Handschrift gehört haben, seine enge Freundschaft zu Axl Rose aber legt nahe, dass der Einfluss auch umgekehrt wirkte.

8. QueenBohemian Rhapsody

Es war nicht das einzige Mal, dass Rose und John gemeinsam auf der Bühne standen. Nur wenige Monate zuvor hatten die beiden Musiker gemeinsam einem ganz besonderen Star ihre Ehre erwiesen: Freddie Mercury. Beim Freddie Mercury Tribute Concert interpretierten sie neben anderen Artists Songs aus dem Queen-Backkatalog neu, darunter auch Bohemian Rhapsody. Keine leichte Aufgabe, handelt es sich doch um einen der komplexesten Rock-Songs der Musikgeschichte! Schwer wird es für Elton John sicherlich auch deswegen gefallen sein, weil Freddie Mercury an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung verstorben war – eben jener Epidemie, deren Bekämpfung sich Elton John verschrieben hatte.

Es war nur einer von vielen Schicksalsschlägen, die Elton Johns Karriere begleiten sollten: 1997 feierte er noch mit einer opulenten Party gemeinsam mit den verbleibenden Queen-Mitgliedern seinen 50. Geburtstag und musste doch im selben Jahr noch zwei geliebte Menschen beerdigen: Gianni Versace und Lady Di. Freddie Mercury begleitete er sogar bis zum Ende hin. „Es war so schmerzhaft und traumatisierend, ihn so zu sehen“, erinnerte sich ein sichtlich bewegter Elton John in einem Fernsehinterview. Kurz nach Mercurys Tod im November 1991 erhielt John noch ein letztes Geschenk des Freundes: ein Gemälde von Henry John Tuke. „Er wollte es mir zu Weihnachten schenken, starb aber einen Monat zuvor. Die Art von Person war er.“ Uns ist da wohl was ins Auge geflogen…

9. Nina Simone – To Be Young, Gifted and Black

Im Kampf gegen AIDS setzte sich Elton John vor allem musikalisch ein. Gemeinsam mit Dionne Warwick, Gladys Knight und Stevie Wonder etwa nahm er das Stück That’s What Friends Are For auf, dessen Einnahmen an die AIDS-Forschung gingen. Der Song wurde ein Erfolg und unterstrich erneut Johns enge Verbindungen zu den Legenden Schwarzer Musik. Gospel, Jazz, Funk und Soul wurden für den Engländer zu Eckpfeilern seines einzigartigen Sounds. Tatsächlich war John sogar der erste weiße Künstler, der in der legendären Fernseh-Show Soul Train zu Gast war! John selbst wurde nicht müde, seine Schwarzen Vorbilder zu würdigen. Marvin Gaye coverte er etwa und vertonte sogar Nina Simones To Be Young, Gifted And Black neu. „Sie war die Diva der Diven“, schwärmte er  von der Sängerin. „Als Musiker und Songwriter gesprochen, war sie meiner Meinung nach die größte Künstlerin des 20. Jahrhunderts“, sagte er sogar. „Sie nahm in einer Zeit auf, als die Leute sich Gehör verschaffen und wütend sein mussten und sie blieb wütend, bis sie starb.“ Ehrfurchtsvolle Worte für eine Künstlerin, die Elton John nicht nur ihrer Musik wegen schätzte, sondern die er ebenso für ihr politisches Engagement für die Schwarze Bevölkerung der USA bewunderte.

10. Eminem – Stan (feat. Dido)

Im Hip Hop lebte die Schwarze Protestkultur einer Nina Simone weiter und folgerichtig interessierte sich auch Elton John für den Sound, der von der New Yorker Bronx aus die Welt eroberte. „Ich will mit Pharrell Williams, Timbaland, Snoop, Kanye, Eminem arbeiten und sehen, was passiert“, gab er einst kampfeslustig zu Protokoll. Gesampelt wurden seine Songs tatsächlich von Kanye West, 2Pac, Mary J. Blidge, Raekwon, Aloe Blacc, Action Bronson, Jadakiss und vielen, vielen anderen. Überraschender Weise aber kam er ausgerechnet Eminem am nächsten! Genau, der weiße Rapper, der des Öfteren mit homophoben Aussagen auf sich aufmerksam machte, stand 2001 bei den Grammy Awards gemeinsam mit Elton John auf der Bühne, um seinen Song Stan zu performen! „Natürlich kannte ich Elton John“, sagte er MTV gegenüber im Jahr 2004. „Ich hatte keine Ahnung, dass er schwul ist. Ich wusste nichts über sein Privatleben. Es war mir egal.“ Den gemeinsamen Auftritt verstand Eminem als Statement, Elton John wurde für ihn ein enger Vertrauter und musikalisches Vorbild. Ganz so glaubhaft fanden einige Eminems Distanzierung von seinen homophoben Lyrics trotzdem nicht: Wieder und wieder fiel er mit verachtenden Kommentaren in seinen Songs auf.

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Popkultur

Eine Nacht im Bordell: Die lieblose Hochzeit von Ike und Tina Turner

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Ike & Tina Turner
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Die Ehe von Ike und Tina Turner war durch zahlreiche Tiefpunkte geprägt. Aggression, körperliche Gewalt, Betrug: Von süßem Eheleben kann wohl kaum die Rede sein. Doch wie kam es eigentlich zu der Hochzeit? Und was zur Hölle dachte sich Ike, als er Tina in der Hochzeitsnacht in ein Bordell schleppte?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Ike & Tina Turner anhören:

Mit mehr als 100 Millionen verkauften Platten gehört Tina Turner zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ike Turner hat im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere keine 100 Millionen Platten verkauft. Stattdessen war er kokainsüchtig und hat Tina verprügelt. Dass die beiden unter diesen Umständen ein Paar waren, ist kaum zu glauben. Am 26. November 1962 gaben sich Ike und Tina sogar das Ja-Wort und heirateten. Es war der unschöne Beginn einer unschönen Ehe, die trotz aller Schwierigkeiten 14 Jahre andauerte. Doch wie kam es dazu? Wie sah der Hochzeitstag aus und wie gestaltete sich die Zeit als Ehepaar? Ein Rückblick.

Ike und Tina Turners Hochzeit: Tina hat Angst, nein zu sagen

Als sich Ike und Tina kennenlernen, ist Tina gerade einmal 17 Jahre alt. Sie sieht ihn 1956 bei einem Auftritt seiner Band Kings Of Rhythm, später tritt auch sie der Gruppe bei. Schon bald geht das Duo unter dem Namen Ike And Tina Turner Revue auf Tour. Tina steht mit ihren energiegeladenen Auftritten im Zentrum der Show. Ikes Aggression und seinen Jähzorn lernt sie zu jener Zeit bereits kennen. Dennoch entwickelt sich der sieben Jahre ältere Musiker zu einer Art Mentor für Tina und die beiden landen gemeinsam ihre ersten Hits. Als Ike ihr einen Antrag macht, weiß Tina, dass eine Hochzeit nicht die beste Idee wäre — doch sie hat Angst, nein zu sagen.

Für die Hochzeit reisen Ike und Tina ins damals schon schmucklose Tijuana hinter der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze. In dem Ort, der zu jener Zeit vor allem für seine günstigen Bordelle und Express-Hochzeiten bekannt ist, unterschreiben Ike und Tina einen Wisch in einem schmuddligen Hinterzimmer und sind fortan verheiratet. Kein „Ja, ich will“, keine Glückwünsche. Nur ein Stück Papier. „Ich hatte damals nicht viel Hochzeitserfahrung“, gibt Tina im Interview mit der britischen Daily Mail zu Protokoll. „Doch ich wusste, dass Hochzeiten irgendwie emotional und glücklich sein sollten.“ Ike hat allerdings andere Pläne für den Abend — und schleppt Tina in ein Bordell.

Eine Hochzeitsnacht im Bordell

„Man kann sich nicht vorstellen, was er für ein Mensch war“, erzählt Tina im Interview. „Ein Mann, der seine Frau gleich nach der Vermählung zu einer pornografischen Live-Sex-Show mitnimmt. Ich habe dort gesessen, ihn aus dem Augenwinkel beobachtet und mich gefragt: ‚Findet er das wirklich gut? Wie kann er nur?’ Es war alles sehr hässlich. Der männliche Darsteller war unattraktiv und scheinbar impotent, und das Mädchen … Nun, sagen wir einfach, dass das Ganze eher gynäkologisch war, weniger erotisch. Ich habe mich elend gefühlt und war den Tränen nahe, aber es gab kein Entkommen. Wir sind nicht gegangen, bis Ike fertig war — und er hatte dort viel Spaß.“

Nach der Hochzeit redet sich Tina die Ehe schön. „Am nächsten Tag habe ich vor den Leuten geprahlt“, berichtet die Sängerin. „Ich habe gesagt: ‚Ratet mal, was passiert ist! Oh, Ike hat mich mit nach Tijuana genommen, wir haben gestern geheiratet!‘ Ich habe mir eingeredet, dass ich glücklich war, und für kurze Zeit war ich es auch. Für mich hatte der Gedanke, verheiratet zu sein, eine Bedeutung. Für Ike war es eine weitere Transaktion.“ Die Ehe des Paares ist von Ikes Gewaltausbrüchen und seiner Drogensucht überschattet. Ganze 14 Jahre geht es so, bevor Tina im Jahr 1976 die Scheidung einreicht. Seit 2013 ist sie mit Musikmanager Erwin Bach verheiratet und lebt in der Schweiz.

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15 Jahre Kapitulation: Tocotronics „Statement gegen diese schreckliche Emo-Kultur“

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Tocotronic
Foto: Jakubaszek/Getty Images

Mehr Musiktheater als Musik: Mit Kapitulation legen Tocotronic 2007 den zweiten Teil ihrer Berlin-Trilogie vor. Und zementieren ihren Ruf als magische Gitarrenvisionäre der Gesellschaftstheorie.

von Björn Springorum

hier könnt ihr euch Kapitulation anhören:

Nach dem Klassiker Pure Vernunft darf niemals siegen gönnen sich Tocotronic 2006 eine Pause von sich selbst. Seit dem Debüt Digital ist besser 1995 haben sie sieben Platten veröffentlicht, ein hohes Tempo, dazu Konzerte, Festivals in halb Europa und den USA. Urlaub steht dennoch nicht Agenda für die Propheten der Hamburger Schule: Sänger und Prediger Dirk von Lowtzow, Bassist Jan Müller und der recht neue Gitarrist Rick McPhail vollenden Soloplatten, verwirklichen sich abseits der mittlerweile gefestigten Pfade von Deutschlands wichtigster Rockband.

Der ahnungsvolle Geist der Rockmusik

Diesen Ruf hat man sich mit viel harter Arbeit und unglaublicher Musik erarbeitet. Spätestens seit K.O.O.K. (1999) sind die Diskursrocker von der lauten, verzerrten Schrammelband zum ahnungsvollen Geist geworden, zu beschwörenden Gitarrenalchemisten, deren Musik eine tiefe Magie entströmt und deren Texte eher vergeistigte Mantren im Geiste eines Michel Focault sind, durchzogen von griffigen Slogans, die die Band auf zahlreiche Tattoos oder Jutebeutel gebracht hat.

2007 setzen sie im Studio Chez Chèrie in Berlin-Neukölln ihre mit Pure Vernunft darf niemals siegen begonnene Berlin-Trilogie fort – eine Hommage an David Bowie freilich, eine Verbeugung vor den ganz großen Denkern der Rockmusik. Zu denen zählen Tocotronic auch. Aus der einstigen Studi-Band mit Cordhose, Trainingsjacke und Seitenscheitel ist ein Phänomen geworden, ein gesellschaftliches Ereignis. Einige Jahrzehnte nach Ton, Steine, Scherben gibt es wieder eine deutsche Band, die weiß, wo die Wunden der Gesellschaft liegen, und zielgenau den Finger hineinlegt.

Musik gegen den Optimierungswahn

Tocotronic tun das auf Kapitulation indes keineswegs laut, markig oder aufbrausend. Konträr zur militärischen Symbolik in Albumtitel und vielen Texten nehmen die Musiker in wenigen Tagen ein Album gegen den Optimierungswahn unserer Zeit auf – live und in fiebrigen Sessions. Kapitulation als Ultima Ratio gegen Pragmatismus und Effizienz. „Kapitulation ist eine Verführung zur Geistesabwesenheit“, wird die Zeit dazu sagen. Von Lowtzow konkretisiert das 2007 in einem Interview mit der taz: „Es ist in Vergessenheit geraten, dass es einmal eine künstlerische Strategie gab, nichts zu tun. Und die möchten wir formulieren als Antithese zu diesem Leistungsimperativ, der neuerdings in dieser Gesellschaft herrscht. Das Unproduktive wird unterschätzt.“

Wie Herman Melvilles Bartleby sind auch Tocotronic im Müßiggang zuhause – bei aller gefühlten Effizienz ihrer vielen Alben und Touren mache man als Band anscheinend „nur ein Fünftel von dem, was andere machen.“ Das Mantra „Ich möchte lieber nicht“ geistert auch durch dieses Album, eine kurze griffige Geste der Entsagung. Musikalisch indes möchten sie. Und wie: Tocotronic verwandeln sich auf Kapitulation weiter in diese entrückte Rock-Band, der ein schwer fassbarer, beschwörender, kafkaesker Zauber innewohnt. Zwölf Songs, zwölf Indie-Schmuckkästchen, denen man sich auch heute nur schwer entziehen kann. Zeitlos im besten Sinne ist das, was Tocotronic hier machen, längst in einer ganz eigenen Liga und nicht nur in Deutschland einzigartig. Das hypnotische Mein Ruin, der Befehl Verschwör dich gegen dich, die zarte Antithese zu glücklichen Pärchen-Eskapismus-Balladen, Harmonie ist eine Strategie oder der wüste Ausbruch Sag alles ab, der dann natürlich mit einer Extraportion Trotz als Single ausgekoppelt wird: Hier kann man einer der schlausten Bands Deutschlands in den Kopf schauen. Musik als Unterricht.

Immer noch Punk

Da ist der Wechsel vom dichtgemachten Hamburger Indie-Label L’Age D’Or zum Major Vertigo nur konsequent: Diese Band ist längst viel zu wichtig, um sie nicht größtmöglich zu inszenieren. Punks bleiben Tocotronic im Herzen dennoch. Sie zielen gegen das System, klinken sich aus aus den Erwartungshaltungen, die man an das Individuum stellt. Zudem möchte Vordenker und Texter von Lowtzow Kapitulation auch als „Statement gegen diese schreckliche Emo-Kultur“ verstanden wissen. Gejammer gibt es bei den Hamburgern nicht. Punk ist das schon eher. Wenn auch 2007 längst nicht mehr mit Tempo, Geschwindigkeit und Schrammeleien.

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45 Jahre „Slowhand“: Eric Claptons furioses Comeback nach Heldensturz und Heroin

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Eric Clapton
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Wer ein Album mit einem Hattrick aus Cocaine, Wonderful Tonight und Lay Down Sally eröffnet, hat ein Comeback verdient: Vor 50 Jahren feuert Eric Clapton seine Karriere neu an und liefert mit Slowhand den definierenden Moment seiner Laufbahn als Solitär.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Slowhand anhören:

Das Blöde an Gitarrenhelden und musikalischen Heiligen ist ja: Sie weilen derart hoch oben in himmlischen Sphären, dass so ein Fall ganz schön tief sein kann. In den Siebzigern passiert genau das Eric Clapton. Nachdem er ab 1963 erst durch die Yardbirds, dann durch die Bluesbreakers, Cream, Blind Faith und Derek And The Dominoes zu einem der fleißigsten, besten und berühmtesten Gitarristen der Sechziger wurde, versucht er es 1970 solo. Muss ja so kommen, viel mehr kann Clapton im Bandkorsett nicht erreichen.

Heldensturz und Heroin

Die Karriere läuft einigermaßen an, wird aber von Drogen und gebrochenen Herzen torpediert. Er verfällt zu gleichen Teilen George Harrisons Frau Pattie Boyd und dem Heroin, zieht sich zurück, macht einen desolaten Auftrott bei Harrisons Concert For Bangladesh. Einer der strahlenden, mythischen Helden der Sechziger, so scheint es, wurde gestürzt. 1974 kämpft er sich aus der Dunkelheit zurück und veröffentlicht, jetzt mit Boyd an seiner Seite, sein Comeback 461 Ocean Boulevard. Der Trick: Mehr Songs, weniger Experimente.

Der Plan geht auf, doch die Nachfolgewerke There’s One in Every Crowd (1975) und No Reason To Cry (1976) sind wieder vergleichsweise ziellos und aufgebläht. Merkt er selbst und verschanzt sich mit seiner fast durchgehend US-amerikanisch besetzten Liveband im Mai 1977 in den Londoner Olympic Studios, wo sein fünftes Soloalbum Slowhand entsteht. Es soll sein definierendes Kapitel als Solitär werden. Und das hat direkt mit seinen Mitmusiker*innen zu tun: Sie bringen den originär amerikanischen Blues und Soul, dem Clapton seit Tag eins nacheifert, auf sein Album – mühelos, authentisch und mit unkompliziertem Groove. „Ich als Engländer kann mich diesem Sound nur annähern“, sagt Clapton mal dazu. „Doch die Band ist eine Tulsa-Band. Die kann gar nicht anders.“

Clapton und der Anti-Drogen-Song

Slowhand, benannt nach dem Spitznamen, den er 1964 vom Yardbird-Manager Giorgio Gormelsky bekam, beherzigt die Lektionen von 461 Ocean Boulevard, gibt sich eingängig, radiofreundlich und bleibt mit Ausnahme des Neunminüters The Core in allen Songs unter der Fünf-Minuten-Marke. Außerdem wagt Clapton deutlich mehr Eigeninitiative und packt viel weniger Cover-Songs als sonst auf die Platte. Einer wird dann aber gleich zu seinem infamen Signature-Song: Seine Interpretation von J.J. Cales Cocaine wird in Argentinien zensiert und in Folge vieler negativer Stimmen in den nächsten Jahren sehr selten live gespielt. Irgendwie konnte Eric Clapton niemanden davon überzeugen, dass wir es hier mit einem Antidrogensong zu tun haben. Na ja… „If your day is gone, and you want to ride on, cocaine – don’t forget this fact, you can’t get it back, cocaine“ klingt jetzt nicht gerade sehr kritisch.

Unaufdringlich virtuos

Was Slowhand auszeichnet, ist diese unaufdringliche Virtuosität. Clapton muss niemandem mehr etwas beweisen und macht einfach das, was er kann: Die Gitarre zum Strahlen bringen. Mit Wonderful Tonight spendiert er dem Album zudem einen seiner bekanntesten Songs – eine Ode an Pattie Boyd, inspiriert von ihrem gemeinsamen Besuch eines Paul-McCartney-Konzerts 1976. Sweet. Die dritte große Nummer nach Cocaine und Wonderful Tonight ist natürlich der Country-Kracher Lay Down Sally, den Clapton gemeinsam mit Backgroundsängerin Macy Levy und Gitarrist George Terry schreibt. Gemeinsam formen sie das Triptychon, das Slowhand eröffnet und fast eigenmächtig zum Erfolg führt.

Slowhand inszeniert eine Band, die ganz genau weiß, was sie tut. Die ganz genau weiß, dass sie starkes Material in einigen hellen Momenten im Studio eingespielt hat. Der lockeren Klasse der Songs schadet nicht mal, dass Clapton laut Produzent Glyn Johns fast durchgehend alkoholisiert war. Aufrecht erhalten kann Slowhand dieses gute Blatt jedoch nicht: Die nächsten Platten sind allesamt halbherzige Versuche. Erst mit dem von Phil Collins produzierten August (1986) geht es langsam wieder bergauf, gekrönt von MTV Unplugged (1992), das ihn endgültig konsolidierte.

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