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Popkultur

Die musikalische DNA von James Blake

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Auf einem kleinen Underground-Label anfangen und im Studio von Beyoncé enden, das scheint eigentlich undenkbar. Es beschreibt aber ziemlich genau den Verlauf von James Blakes Karriere. Obwohl, so fair müssen wir natürlich sein: Blake hat natürlich viel mehr zu bieten als eine verblüffende Erfolgsgeschichte. In einer Zeit, als die Charts von unmotivierten EDM-Acts und inhaltsleerem Hochglanz-Pop dominiert wurden, stand er neben Bands wie The XX oder Animal Collective an der Speerspitze von einem neuen Sound, der die Grenzen der Pop-Musik auslotete.


Hier bekommst du einen Vorgeschmack von James Blakes musikalischer DNA, folge dem Listen-Button für die ganze Playlist:


Der britische Kulturtheoretiker Mark Fisher schrieb vor einigen Jahren über Blake, dass seine Musik einem Gespenst gleiche, das im Verlaufe seiner Platten immer mehr Form annähme. Das ist eine schöne und sicher auch passende Metapher für das, was zwischen Blakes ersten EPs für Dance-Labels wie Hemlock, Hessle Audio und R&S hin zu seinen großen Charterfolgen passiert ist. Allerdings heißt das nicht, dass sich Blake in irgendeiner Weise verbogen hätte, im Gegenteil. Er erst hat es möglich gemacht, sphärische Klaviermusik mit fetten Bässen zu kombinieren und auf Mainstream-Releases mit Gesang auf eine Weise zu experimentieren, wie sie zuvor höchstens in der Avantgarde üblich war.

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James Blake hat die Pop-Welt verändert und tut das es weiterhin. Doch es gab einige, die ihm dabei geholfen haben. Seine zahlreichen Kollaborationen allein beweisen, dass er sich anderswo inspirieren lässt. Was und wer ihn genau beeinflusst hat, das erfahren wir mit Blick auf seine musikalische DNA.


1. Art Tatum – Blue Skies

Klavierwerke lautet der Titel einer von Blakes frühen EPs, die seinen Ruf als innovativen Songwriter in der Bass-Szene zementierten. Tatsächlich scheint es auf den ersten Blick so, als sei Blake die Musik bereits in die Wiege gelegt worden: Als Kind erhielt er Pianounterricht, bald darauf ging es an die renommierte Goldsmiths Universität in London und schnell machte er mit seinen ersten Releases die Indie-Presse verrückt. Das Klavier stand definitiv am Anfang seiner Karriere und begleitet ihn bis heute.

Doch sein Verhältnis zu dem Instrument ist ein schwieriges. „Von früh auf wusste ich, dass die klassische Musik nichts für mich ist“, erzählte er in einem Interview. „Ich habe höchstens von der Harmoniklehre profitiert. Art Tatum hat eine Menge klassisches Klavier gespielt, aber jemand wie Vladimir Horovitz – einer der besten Pianisten der Welt – sah seine Konzerte und hatte Angst vor dem Können Tatums. Als ich das las, wusste ich, dass klassische Musik nicht mein Endziel sein konnte.“ Blake wollte weiter gehen und schrieb sich mit Tatums beeindruckender Fähigkeit im Hinterkopf, musikalische Welten aufeinander prallen zu lassen, am Goldsmiths ein.


2. Digital Mystikz – Give Jah Glory

Dort erlebte er allerdings eine grobe Enttäuschung. „Ich fühlte mich wie im falschen Boot“, gab er resigniert zu Protokoll. Zu steif und zu konventionell fand er den Unterricht, den er dort erhielt. Viel aufregender war es, als er 2007 erstmals auf einer Party mit dem neuen Sound des britischen Dance-Undergrounds in Berührung kam: Dubstep. Auf einer Party in Brixton legte ein DJ Stücke von den Digital Mystikz und anderen Pionieren des trockenen Bass-Sounds auf. Er spielte damit zwar den Dancefloor leer, zumindest ein Gast aber blieb mit offenem Mund dort stehen. Blake war fasziniert von dem, was er da hörte.

Später in seiner Karriere sollte er den Digital Mystikz mit einem Cover von ihrem Anti-War Dub Tribut zollen. Zuerst aber begann er in seiner Unizeit die Partyreihe Bass Society zu organisieren, in deren Rahmen er dem sich gleichermaßen aus wolkigem Dub und harter Tanzmusik speisendem Genre ein Zuhause gab. DJs wie Skream oder Benga gaben sich dort die Klinke in die Hand und Blake begann den Sound in seine eigene Musik einzuarbeiten. Die klang aber bei weitem nicht so heavy wie die Tunes der Digital Mystikz. Sondern fragil, fragmentarisch und feinsinnig.


3. Mount Kimbie – Bave’s Chord

Blakes erste EP Air & Lack Thereof erschien 2009 auf dem Dubstep-Label Hemlock, unterschied sich aber maßgeblich von dem, was in den Clubs von London zu dieser Zeit den Dancefloor dominierte. Zart, filigran und, ja, gespenstisch klangen die melancholischen Skizzen darauf. Das Release weckte sofort das Interesse des legendären Radio-DJs Gilles Peterson, der Blake prompt zu sich in die Show einlud, um einen Mix beizusteuern.

Dessen Tracklist las sich ungemein eklektisch: Otis Redding, Joanna Newsom, afrikanische Musik und natürlich Dubstep-Tunes spielte Blake in seinem umjubelten Mix. Darunter fand sich auch ein Stück von Mount Kimbie, Bave’s Chord. Wie Blake hob das englische Duo den Dubstep-Sound auf ein neues Level. Langsamer, melodiöser klang ihre Interpretation des Genres. Post-Dubstep war geboren. Die Zuschreibung sollte sowohl Blake als Mount Kimbie, die nach wie vor mit dem Kollegen befreundet sind, lange nicht mehr loslassen. Ihre innovative Musik allerdings versperrte sich allen Kategorisierungsversuchen.


4. Feist – The Limit To Your Love

Seinen endgültigen Durchbruch feierte Blake im Jahr darauf mit einer Cover-Version von The Limit To Your Love. Der Song der kanadischen Sängerin Feist – bekannt als Mitglied des Kollektivs Broken Social Scene und für ihren Hitsong 1234 aus dem Jahr 2007 – brachte genau die dezenten Soul-Einflüsse mit, die auch in Blakes Musik auszumachen sind. Seine Version des Stücks allerdings war noch reduzierter als schon Original, pulsierte zwischen brummenden Bässen, dezenten Hip Hop-Grooves und zarten Klavierparts.

Limit To Your Love ist ein ungewöhnlicher Song, dessen intime Atmosphäre in Blakes Schlafzimmerstudio eine eigenwillige Magie entfaltete. Obwohl die Charterfolge des Stücks bescheiden ausfielen, so konnte sich der junge Songwriter damit doch über die Grenzen Großbritanniens hinaus einen Namen machen. Vor allem gelang es ihm, selbst Feist für sich zu überzeugen. „Er hat mit seiner Musik einen ganz eigenen Kosmos erschaffen“, schwärmte sie 2011 in einem Interview. „Seine Version von Limit To Your Love ist keine Kopie, sondern im Grunde ein neuer Standard wie Fly Me To The Moon von Frank Sinatra.“ Ein gewagtes Statement, keine Frage. Sie sollte aber Recht behalten.


5. Sam Cooke – (What A) Wonderful World

Die souligen Untertöne in Feists The Limit To Your Love waren wie gemacht für Blake, der selbst viel Soul-Musik in sich aufgesogen hat. Anders wäre sein Gesangsstil auch kaum zu erklären. Denn obwohl Blake insbesondere zu Beginn seiner Karriere seine Stimme liebend gern verfremdete, zerstückelte und manipulierte: Im Kern steht sein melismatischer Gesangsstil voll in der Tradition von Motown und Co.

Im Interview-Band Your Song Changed My Life des NPR-Journalisten Bob Boilen gesteht Blake in Bezug auf seine Anfangstage, dass er mit seinen gesanglichen Leistungen oftmals unzufrieden war: „Ich hatte das Gefühl, dass meine Stimme noch wachsen könnte“, ließ er sich in dem 2016 erschienenen Buch zitieren. Alles änderte sich mit dem Album Overgrown, für das er sich Inspiration beim Soul-Pionier Sam Cooke holte. Der (What A) Wonderful World-Sänger habe ihm beigebracht, seine Songs von der Hookline her aufzubauen, sagte Blake damals.


6. Aaliyah – Are You That Somebody

Vom Soul führte eine direkte Verbindungslinie zum R’n’B-Sound der neunziger Jahre. Der 1988 geborene Blake war gerade zehn Jahre alt, als Kelis Caught Out There und Aaliyah die Timbaland-Produktion Are You That Somebody veröffentlichten. Wie sehr ihn das offenkundig prägte, zeigte sich bereits auf seiner zweiten Veröffentlichung, der EP CMYK, dessen Titelstück Vocal-Samples aus beiden Stücken in einen umwerfenden Dialog integriert.

Insbesondere Aaliyah scheint es Blake angetan zu haben: Auch das Stück I’ll Try von derselben Veröffentlichung sampelt ihren Überhit Try Again. Allerdings wird es nicht allein der Gesang der viel zu früh verstorbenen Künstlerin gewesen sein, von dem sich Blake inspirieren ließ. Die innovativen Kunstgriffe ihres Produzentens Timbaland hinterließen ebenso ihre Spuren in seinem Werk.


7. Beyoncé – Crazy In Love

„Ich bin damit aufgewachsen, Timbaland und seine Produktionen zu hören“, gab Blake auch dem deutschen Magazin GROOVE gegenüber zu Protokoll. „Dazu gehört auch Destiny’s Child, also liebe ich sie schon, seitdem ich ein Kind bin. Musikalisch hat sie mich mein ganzes Leben lang begleitet.“ Wer gemeint war? Na klar, Beyoncé! An ihrem konzeptuellen Meisterwerk Lemonade beteiligte er sich, indem er am Opener Pray You Catch Me mitschrieb und mit seinem charismatischen Gesang den von ihm produzierten Song Forward prägte.

Bevor er später mit Beyoncés Gatten Jay Z ins Studio ging, musste sich Blake aber noch vor einem anderen Mitglied der Knowles-Carter-Familie beweisen: Bei den Aufnahmen zu Lemonade war auch Tochter Blue Ivy zugegen. Jedes Mal, wenn er die Hook von Forward sang, stimmte die Kleine sofort mit ein. „So weißt du, dass es eingängig ist“, soll Beyoncé jubiliert haben. Merke: Es lässt sich noch von Kids im Kindergartenalter einiges lernen!


8. Kanye West – Slow Jamz (feat. Twista und Jamie Foxx)

À propos kindisch: Kanye West dürfen wir in dieser Aufzählung natürlich ebenso wenig vergessen. Nur zwei Jahre nach seinem internationalen Durchbruch fand sich Blake unvermittelt in dessen Gesellschaft wieder und wurde von dem Detroiter Giftzwerg mehr als nur umschmeichelt: Yeezy bezeichnete den zurückhaltenden Briten doch glatt als seinen Lieblingssänger. West hatte kurz zuvor mit Jay Z das Album Watch The Throne veröffentlicht und bereitete sich auf sein bis dato ambitioniertestes Werk vor, Yeezus.

Wie viel Blake wohl von dem Rapper und Produzenten mitgenommen hat? Wir wissen es nicht. Und leider auch nicht, wie es wohl geklungen hätte, wenn Blakes Plan für ein West-Feature auf The Colour In Anything aufgegangen wäre. „Ich weiß nicht genau, wie ich erklären soll, was da schief ging“, sagte er verknirscht. „Ich wollte Kanye auf dem Song Timeless dabei haben, aber die Strophe kam uns einfach nicht. Dann veränderte sich die Grundstimmung des Albums und ich schätze mal, es hätte einfach nicht mehr gepasst.“ Wie so ein gemeinsamer Slow Jam der beiden wohl geklungen hätte?


9. Bon Iver – Skinny Love

Immerhin konnten wir uns auf demselben Album über den Auftritt eines guten Kanye-Kumpanen freuen: Die dicke Freundschaft zwischen dem Autotune-Folk-Barden Bon Iver und dem Autotune-Rapper Kanye West gehört wohl zu den skurrilsten der Pop-Geschichte. Parallel dazu aber hatten sich Blake und Justin Vernon – so der bürgerliche Name des US-Amerikaners – bereits schon kennen und schätzen gelernt. 2011 debütierte das gemeinsame Stück Fall Creek Boys Choir, dem wenige Jahre später I Need A Forest Fire folgen sollte.

Ähnlich wie Blake zwei Jahre nach ihm landete Vernon 2008 mit der Platte For Emma, Forever Ago einen Überraschungserfolg in der weltweiten Indie-Community und kam bald im Mainstream an. Anders als Blake aber wurde seine Musik darüber zunehmend verschrobener und brach mit den vormals noch recht konventionellen Folk-Strukturen seiner Songs. Dass die beiden sich somit aber stets in der Mitte treffen konnten, das steht fest. Erst recht im Gesangsregister!


10. Frank Ocean – Pilot Jones

Vernon und Blake gehören aller Experimentierfreude zum Trotz eher zu den Freunden der ruhigen Tönen. „Ich bin das Gegenteil von Punk“, sagte Blake gegenüber dem britischen Guardian. „Ich habe eine ganze Generation zum Schweigen gebracht.“ Ein krasses Statement! Ganz unrecht hat der feinfühlige Brite allerdings nicht: Seit er seinen globalen Siegeszug aufnahm, ist es in der Pop-Welt etwas stiller geworden. Davon profitierten wiederum andere, so auch Frank Ocean.

Ocean überraschte im Umfeld der rüpeligen Rap-Crew Odd Future mit einem beseelten R’n’B-Entwurf, den er nach Veröffentlichung seines Durchbruchmixtapes Nostalgia, Ultra auf der Platte Channel Orange verfeinern konnte. Die gedämpften Beats und der zarte Falsettgesang auf Stücken wie Pilot Jones legten nahe, dass Ocean das eine oder andere Ohr auf das Schaffen von Blake geworfen hatte. Auf seinem Album Blonde erst allerdings kam zusammen, was zusammen gehörte: Blake unterstützte den US-Amerikaner auf mehreren Songs mit seinen Songwriterqualitäten und, wie sollte es auch anders sein, seiner enigmatischen Stimme.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:


Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.



Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”



Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”




Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Poster für das Schulkonzert, ausgestellt im Metalli-Museum während der Europatour 2017 – Pic: Christof Leim

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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Popkultur

Zum Start der Open-Air-Saison: Die 10 ikonischsten Festivalauftritte aller Zeiten

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FREDDIE MERCURY
Titelfoto: Steve Rapport/Getty Images

David Bowie um fünf Uhr morgens, Kurt Cobain im Rollstuhl, Bob Dylan elektrisch: Diese zehn Festivalgigs haben Musikgeschichte geschrieben. Und stimmen ein auf die erste Freiluftsaison seit 2019.

von Björn Springorum

1. Bob Dylan – Newport Folk Festival, 1965

„Judas!“ Viel mehr muss man zu Dylans berüchtigtem Auftritt beim Newport Folk Festival 1965 nicht sagen. Er wagt es doch tatsächlich, eine elektrische Gitarre zu spielen. Skandal, Zeter und Mordio! Unnötig zu erwähnen, dass sein Auftritt brillant und seine Attitüde schon damals bewundernswert renitent ist.

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2. Jimi Hendrix – Monterey, 1967

Alles beginnt 1967 in Monterey. Es ist eines der ersten Rock-Festivals überhaupt (schlanke zwei Jahre vor Woodstock), es ist das erste große Konzert der Jimi Hendrix Experience in den USA und es ist das Epizentrum des Summer of Love. Am 18. Juni 1967 will das 24-jährige Wunderkind Hendrix, diese Mischung aus Feuerpriester, Sexgott und Jahrtausendkünstler, beweisen, ws in ihm steckt – und zündet während des Gigs einfach mal seine Gitarre an . Seine Anbetung der Flammen sieht nicht nur verdammt eindrucksvoll aus, sie hat auch einen PR-Zweck: Clever übertrumpft er damit The Who, die anschließend spielen und zum Finale natürlich wieder ihre Gitarre zerdeppern.

3. The Who – Woodstock, 1969

Müßig eigentlich, eine einzelne Performance aus diesem schlammigen, lysergischen, chaotischen Fieberwahn herauszulösen. Weil man aber so gut wie immer Hendrix und seinen verzerrten Abgesang auf die Nationalhymne heranzieht, entscheiden wir uns heute mal für The Who, die am Morgen des 17. August 1969 um halb sechs auf die Bühne gehen. Egal, Zeit und Raum waren da längst abgeschafft. Die wilde, sehr körperliche, laute und aggressive Show von The Who resultiert aus der schlechten Stimmung der Band. Die bekommt Aktivist Abbie Hoffman zu spüren, der sich erst Pete Townshends Mikro schnappt und dann von Townsheds Gitarre von der Bühne geprügelt wird. Randnotiz: Für ein Festival des Friedens gab es für die Nummer unpassend viel Applaus. Als The Who von der Bühne gehen, lassen sie eine zerstörte Gitarre und dröhnendes Bass-Feedback zurück. The Who – immer schon wilder und gefährlicher als alle anderen.

4. Led Zeppelin – Bath, 1970

Am Sonntag, den 28. Juni 1970, machen Led Zeppelin der Rock’n’Roll-Welt klar, dass es keine Grenzen für sie gibt. In nur zwölf Monaten wurden sie von einer moderat bekannten Rockband zu Göttern. 150.000 Menschen kamen in die englische Küstenstadt, überwiegend wegen Led Zep. Die nutzen ihre Headliner-Position für ein langes Set, mit dem sie ihrer Heimat ihren Superstar-Status mal gehörig unter die Nase reiben wollen. Und das mit Gusto, Bravado und Grandezza tun.

5. David Bowie – Glastonbury, 1971

Manchmal lohnt es sich, sehr lang wach zu bleiben. Oder sehr früh aufzustehen. Bei David Bowies Glastonbury-Stunt 1971 waren das gerade mal 12.000 Menschen. Die aber kommen am 23. Juni 1971 um fünf Uhr morgens in den Genuss eines einzigartigen Akustik-Sets, bei dem Bowie nach dem Erfolg von Space Oddity seine Wandlungsfähigkeit mal so richtig aufblitzen lässt und Songs wie Oh! You Pretty Things in Unplugged-Versionen spielt.

6. Queen – Live Aid, 1985

Man kann darüber streiten, ob U2s improvisierter Auftritt oder Queens straffes, ökonomisches Medley der eigentliche Höhepunkt des megalomanischen Benefiz-Spektakels Live Aid ist. Fakt ist: Queens 20 Minuten haben die größere Signalwirkung. Die Band hat sich wieder zusammengerauft, Mercurys Stimme überstrahlt alles und Bohemian Rhapsody ist einer dieser Musikmomente für die Ewigkeit.

7. Nirvana – Reading, 1992

1992 werden Nirvana von der Wirklichkeit eingeholt. Der Grunge-Traum wird zum Albtraum, eine aus Rebellion und Antithese gestartete Bewegung wird vom Mainstream ausgeschlachtet – Boulevardpresse inklusive, die Kurt Cobain 1992 als abgehalfterten Junkie darstellen. Cobain reagiert mit gewohnt zynischem Gespür für eine Situation und lässt sich in einem Rollstuhl auf die Bühne schieben. Die Show danach geht in die Annalen ein – anarchisch, kraftvoll, versengend.

8. Manic Street Preachers – Reading, 1994

1994 treten die Manic Street Preachers ohne ihren Gitarristen Richey Edwards auf. Der befindet sich nach einem Selbstmordversuch damals im Krankenhaus, die Band zieht eine der größten Shows ihrer Karriere als Trio durch und legt sich mächtig ins Zeug. Es ist nur der Anfang der Tragödie rund um Edwards: Am 1. Februar 1995, einen Tag vor ihrer USA-Tournee, verschwindet er spurlos. Mehrfach wollen ihn Menschen gesehen haben – auf Goa, Fuerteventura. Doch er taucht nie wieder auf und wird 2008 offiziell für tot erklärt. Wenige Monate zuvor stehen die Manic Street Preachers wieder in Reading auf der Bühne – und widmen ihm ihr Set.

9. Oasis – Glastonbury, 1994

Ihr Triumph von 1994 zeigt, wie schön es gewesen wäre, wenn Oasis ihre Egos im Griff gehabt hätten. Ihre bis dato größte Show ist das Ereignis, das sie zu überlebensgroßen Rockstars macht – mit allen Konsequenzen. Es ist aber auch die Show, die zeigt, wie es dazu kommen konnte: Die Band ist nicht gut, sondern genial, alles passt, hier wird spürbar Geschichte geschrieben.

10. Amy Winehouse – Glastonbury, 2004

Im verregneten Sommer 2004 ist Amy Winehouse noch einen Quantensprung von dem zerstörerischen Ruhm entfernt, der sich ab Back To Black aus der Spur bringen und letztendlich vernichten wird Ein halbes Jahr zuvor war ihr Debüt Frank erschienen, ein vielbeachtetes Werk zwischen Soul, Pop und Jazz, das bei ihrem Glastonbury-Debüt 2004 schon viele Freunde hatte. Die standen im Matsch und sahen eine junge, fröhliche, zufriedene Amy Winehouse, die sang als gäbe es nichts natürlicheres auf der Welt. Das tat sie drei Jahre später auch noch. Nur die Fröhlichkeit, die war dann schon verschwunden.

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Zeitsprung: Am 18.8.1969 beendet Jimi Hendrix das legendäre Woodstock Festival.

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Popkultur

Der Boss kommt: Bruce Springsteen spielt drei Deutschlandkonzerte!

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Bruce Springsteen
Foto: Jamie Squire/Getty Images

2023 wird ein guter Sommer: Bruce Springsteen & The E Street Band kommen nächstes Jahr im Juni und Juli für drei Open-Air-Shows nach Deutschland. Freuen können sich Düsseldorf, Hamburg und München.

von Björn Springorum

Es sind die ersten Live-Dates von Bruce Springsteen und seiner E Street Band seit Abschluss der „The River“-Tour von 2016, mit der er in München und Berlin Halt machte: Für den Sommer 2023 haben der Boss und seine Kollegen jetzt eine endlich mal wieder eine ordentliche Europatour angekündigt. Und zu feiern gibt es viel: Seit ihrer letzte Reise durch die Alte Welt sind mit Western Stars und Letter To You bereits zwei neue, ganz hervorragende Springsteen-Platten erschienen.

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„Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen“

Hier die genauen Daten für Deutschland:

21.06.2023 Düsseldorf, Merkur Spiel Arena

15.07.2023 Hamburg, Volksparkstadion

23.07.2023 München, Olympiastadion

Im deutschsprachigen Ausland kommen zudem Zürich (13. Juni) und wien (18. Juli) in den Genuss einer Audienz beim Boss. Der Vorverkauf für alle Shows startet am 3. Juni 2022, um zehn Uhr morgens. Springsteen selbst kommentiert diese frohe Kunde wie folgt: „Nach sechs Jahren freue ich mich, endlich wieder unseren großartigen und loyalen Fans zu begegnen. Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen. Wir sehen euch da draußen im nächsten Sommer und darüber hinaus!“

Die aktuell E-Street-Band-Besetzung liest sich derzeit wie folgt: Roy Bittan (Piano, Synthesizer) Nils Lofgren (Gitarre), Patti Scialfa (Gitarre, Gesang), Garry Tallent (Bass), Stevie Van Zandt (Gítarre, Gesang), Max Weinberg (Drums), Soozie Tyrell (Violine, Gitarre, Gesang), Jake Clemons (Saxophon) und Charlie Giordano (Keyboards).

Allgemeiner Vorverkaufsstart:

Fr., 03.06.2022, 10:00 Uhr

www.livenation.de/artist-bruce-springsteen-and-the-e-street-band-1975

www.ticketmaster.de

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Zeitsprung: Am 3.5.1984 erscheint „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen.

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