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Popkultur

Andy Warhol – Zwischen Pop-Art Ikone und Schüchternheit

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Zeitsprung in die 50er Jahre.

Die Ära der Pop Art

Die Zeit der Werbung ist angebrochen und gaukelt den Menschen Wunsch- und Traumwelten vor, die nie erreicht werden können. In der Kunst entsteht eine Gegenbewegung: Pop Art. Sie fordert eine absolute Realität, also klar definierbare Gegenstands-Elemente, um die Gesellschaft zu irritieren und von diesen Wunschwelten zu lösen: ob Roy Lichtensteins Look Mickey oder Keith Harrings Subway Drawings. Einer der dies bis an den Zenit geführt hat, ist gleichzeitig einer der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste Vertreter dieser Ära: Andy Warhol.

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Gründungsvater der Factory

Geboren 1928 in Pittsburgh (USA) als Sohn einer verarmten Bauernfamilie studierte er in seiner Heimatstadt Pittsburgh Gebrauchsgrafik und zog direkt nach seinem Abschluss nach New York. Dort schlug er sich zunächst mit Gelegenheitsjobs durch, bis er mit seiner Methode „drop and dripping“ die Grundlage für den Siebdruck legte und zu einem der bekanntesten Grafikdesigner Manhattans wurde.

1962 gründete Warhol die Factory und schuf damit sein eigenes Experimentierfeld für Kunst und Musik in verschiedenen Fabrikhallen New Yorks. Hier probten u.a. auch Lou Reed und The Velvet Underground, von denen Warhol von Anfang an begeistert war. Für sie übernahm er sämtliche visuelle Gestaltungen: das Cover des Albums The Velvet Underground & Nico mit der Banane oder ihre Outfits bei Live-Auftritten bestehend aus uniformer, schwarzer Kleidung und dunklen Sonnenbrillen. Er inszenierte sie mit damals skandalösen und einzigartigen Lightshows. Exploding Plastic Inevitable hieß diese Reihe von Performances, die er mit der Rockgruppe und Nico von 1966 bis Mitte 1967 aufführte. Warhol war es auch, der die Sängerin mit der Band zusammenbrachte. Zu dieser Zeit versuchte er sich auch als Musikproduzent, eine Zeit, die er in seinem Film A Symphony Of Sound dokumentierte.

The-Velvet-Underground---Nico-45th-Anniversary

100 Cover-Artworks von Warhol

Warhol kreierte nahezu 100 Cover-Artworks – das erste im zarten Alter von 21 Jahren für Carlos Chávez’ A Program of Mexican Music. Mit Vladimir Horowitz machte er auch vor der Klassik nicht halt, Count Basie inszenierte er 1955 in Tinte. Seine Liebe zur experimentellen Fotografie kommt auch bei den Covergestaltungen durch. John Wallowitchs Album Artwork This is John Wallowitsch zeigt eine Fotoserie, bei der nur der Rumpf abgebildet wird, und John Cales Album The Academic in Peril überzieht er mit Dias. Das Sticky Fingers Cover der Rolling Stones ist in dieser Reihe sicherlich eines seiner bekanntesten. Provokativ ist ein echter Reißverschluss eingearbeitet.

The-Rolling-Stones-Sticky-Fingers

 

Jede*r war bei ihm

Eine weitere Leidenschaft Warhols war der Film. Nachdem die Factory umgezogen war, schuf er mitten in Manhatten ein riesiges Loft – einen Ort, der zum magischen Anziehungspunkt der New Yorker Bohème avancierte. Egal ob Musiker*in oder Schauspieler*in, bekannt oder weniger bekannt – alle versammelten sich dort. Darunter Mick Jagger, Bob Dylan oder Debbie Harry. Vermutlich inspirierte ihn diese Atmosphäre unterschiedlicher Persönlichkeiten zu seinen Screen Tests. Warhol setzte dazu Künstler*innen in einen Raum und ließ sie drei Minuten mit der Kamera allein (bis der Film durchgelaufen war). Somit zwang er die Protagonist*innen sich mit sich selbst und dem Objektiv auseinander zu setzen. Die Ergebnisse sowie die angewandten Techniken wurden zu besonderen Werken der zeitgenössischen modernen Kunst.

Debbie Harry, vielen auch unter dem Band Pseudonym Blondie bekannt, war oft in der Factory. Sie und Warhol verband eine innige Freundschaft mit großem Respekt voreinander, was sich in zahlreichen gemeinsamen Projekten wiederspiegelt. In Andy Warhol TV, einer Sendung, die in den 80er Jahren auf einem New Yorker Privatsender ausgestrahlt wurde, konnte man sie sehen.

Schaut euch hier einen kurzen Ausschnitt von Fifteen Minutes mit Deborah Harry an:

Scheue Persönlichkeit

In der für MTV USA produzierten Sendung Fifteen Minutes, wirkte sie in der vierten Ausgabe sogar als Protagonistin mit. Darüber hinaus portraitierte er sie. Die Debbie Harry-Bilder werden immer noch als eine der gekonntesten Celebrity-Darstellungen überhaupt gesehen. Die vier unterschiedlichen Versionen hängen alle im Warhol Museum in Pittsburgh. Geschätzt werden die Werke pro Bild auf bis zu 5 Millionen Pfund.

1968 wurde Andy Warhol Opfer eines Attentats der radikalen Frauenrechtlerin Valerie Solanas. Mehrere Schüsse trafen ihn, aber er überlebte. Dies hatte zunehmend Einfluss auf seinen Umgang mit den Factory-Mitarbeitern und -Besuchern. Er zog sich immer weiter zurück und konzentrierte sich zunehmend auf seine eigenen Arbeiten. Das Attentat wurde 1996 unter dem Titel I Shot Andy Warhol verfilmt.

Als Mensch war Andy Warhol introvertiert und scheu. Dazu rastlos und umtriebig. Er fotografierte, filmte, zeichnete und konzipierte unentwegt, Tag und Nacht. Am 22. Februar 1987 starb er unter bis heute ungeklärten Gründen in New York.

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