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Popkultur

Die musikalische DNA von Simple Minds

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Don’t you forget about… them! Die Simple Minds sind nach gut 40 Jahren im Musikbusiness immer noch Alive And Kicking. Und das, obwohl sich der Kern der Band aus Glasgow über die Jahre durchaus dezimiert hat: Von den Gründungsmitgliedern sind lediglich Jim Kerr und Charlie Burchill dabei, die aktuell von Andy Gillespie an den Keys, dem 1982 dazu gestoßenen Drummer Mel Gaynor und Ged Grimes am Bass unterstützt werden. Die stetigen Besetzungswechsel allerdings hatten ohne Zweifel auch ihr Gutes: Wie keine andere Band konnten die Simple Minds dezente Kurskorrekturen vornehmen und sich neue musikalische Felder erschließen.


Hört euch hier die musikalische DNA von Simple Minds in einer Playlist an und weiter:


Beeinflusst vom Punk-Sound der Endsiebziger widmete sich die Band erst rumpeliger Musik, bevor sie inspiriert von Kraftwerk, Post-Punk und New Wave im Aufkommen der britischen Synth Pop-Szene berühmt wurden – allem voran mit (Don’t You) Forget About Me natürlich. Ein zweifelhafter Erfolg für die Band, welche den Song bekanntermaßen selbst nicht geschrieben hatte. Keith Forsey und Steve Schiff waren die Masterminds hinter dem slicken Stück Musikgeschichte, das mit dem Film Breakfast Club weltberühmt wurde und der Band immer noch nachhängt. Nein, damit hatten es die Simple Minds nicht immer leicht. Denn wer will schon als ewiges One-Hit-Wonder gelten, wenn dieser Hit nicht aus der eigenen Feder stammt? Erst recht, wenn böse Zungen die Band in späteren Jahren als langweiligen U2-Rip-Off abtaten?


Schaut euch hier das offizielle Musikvideo zu Simple Minds Song Dont’t You (Forget About Me) an und lest weiter:


Dennoch haben die Schotten stets das Beste draus gemacht und sich aller Widrigkeiten zum Trotz oben gehalten. Was die Simple Minds auf ihrem langen Weg inspiriert hat, das erfahren wir mit Blick auf ihre musikalische DNA.


1.Generation X – Your Generation

Vor den Simple Minds gab es Johnny & The Self-Abusers. Gegründet wurden sie 1977 in Glasgow von Alan Cairnduff, der sich gerne als schottischer Malcom McLaren inszenieren wollte und die Band doch prompt aufgab, um seinen Kumpel John Milarky ans Ruder zu lassen. Der fand sich mit Jim Kerr und Charlie Burchill zusammen, zwei Sandkastenfreunden, die noch den Drummer Brian McGee sowie den Bassisten Tony Donald mit anschleppten. Komplettiert durch Allan McNeill als drittem (!) Gitarristen im Bunde, spielte die Band im April desselben Jahres ihren ersten Gig im Vorprogramm von den aufstrebenden Punkhelden Generation X, an deren Mikro ein gewisser Billy Idol zugange war. Noch bevor Generation X mit Dancing With Myself einen Riesenhit landen konnten und Billy Idol schicksalsträchtig zwei Songwriter abblitzen ließ, die ihm ein Stück namens (Don’t You) Forget About Me anboten, spielte seine Band schnoddrigen Punk im Sex Pistols-Stil, der Pop-Potenzial und Mitsingchöre aufwies. In Richtung Pop zog es auch die restlichen Mitglieder von Johnny & The Self-Abusers, nachdem Milarky und McNeill (übrigens nicht zu verwechseln mit dem späterem Simple Minds-Keyboarder Mick McNeil) sich verabschiedeten, um The Cuban Heels zu gründen. Von denen haben wir seitdem nichts mehr gehört, von der anderen Band allerdings schon.


2. David Bowie – Jean Genie

„He’s so simple minded he can’t drive his module / He bites on the neon and sleeps in the capsule / Loves to be loved, loves to be loved“, singt David Bowie im Song Jean Genie von seinem bahnbrechenden Aladdin Sane-Album. Damit wurde er zum Namensgeber für die neu gegründete Band, die aus der Asche von Johnny & The Self-Abusers entstand: die Simple Minds. Der exzentrische, sich ständig wandelnde Pop-Star wurde zu einem Fixpunkt im Simple Minds-Kontinuum. Selbst nachdem die Band fast zu Bruch gegangen wäre und sich Jim Kerr schon nach Italien zurückgezogen hatte, um dort ein Hotel zu gründen, wurde ein Bowie-Song zum Soundtrack ihres Comebacks: Das 2001 veröffentlichte und parallel zur LP Cry aufgenommene Cover-Album Neon Lights versammelte neben Stücken von Van Marrison, Patti Smith oder Kraftwerk auch eine Simple Minds-Version von The Man Who Sold The World, welche die Band noch heute regelmäßig zum Besten gibt. Einen nur wenig größeren Helden fand die Band in T. Rex-Mastermind Marc Bolan, dem die Band 2014 via Facebook mit den vielsagenden Worten „Vor Bowie gab es Bolan. Vor Bolan? Nichts.“ huldigte. Den Namen allerdings hatten sie sich vom Thin White Duke geliehen.


3. Roxy Music – For Your Pleasure

Neben Glam Rock-Stars wie Bolan und Bowie wurden aber auch abwegige Musikstile für die junge schottische Band schnell wichtig. Ihr zweites Album Real To Real Cacophony aus dem Jahr 1979 zeigte sich stark vom aufkommenden Post-Punk-Sound beeinflusst und experimentierte mit dessen Faible für satte Dub-Sounds, schräge Synthesizer-Einsätze und minimalistischen Songstrukturen. Real To Real Cacophony wird noch heute von vielen Fans – darunter auch prominenten Vertretern aus der Indie-Szene – als das beste Simple Minds-Album bezeichnet. Die Experimentierphase der Band war vor allem auch durch ihre Identitätssuche bedingt. „Jim war die ganze Zeit am Schreiben, versuchte Lyrics und verschiedene Gesangsstile aus“, erinnerte sich Produzent John Leckie. „Er klang damals noch ziemlich anders.“ Wie Bryan Ferry nämlich, fand die Musikpresse schon damals. Dessen Band Roxy Music sollte Kerr und seine Kollegen noch länger beschäftigten, denn auch die exaltierten Rocker coverten die Simple Minds auf Neon Lights: Das Stück For Your Pleasure klang bei ihnen aber schon deutlich anders als noch zu Post-Punk-Zeiten und die Simple Minds schon wenig später viel elektronischer.


4. Peter Gabriel – Biko (Live)

Billy Idol, David Bowie, Bryan Ferry – fehlt noch wer? Klar, wir dürfen natürlich Peter Gabriel nicht vergessen. Der ehemalige Genesis-Frontmann dürfte die Band nicht allein zu ihren ausgefallenen Bühnenkostümen in Anfangstagen inspiriert haben, er nahm sie auch früh unter seine Fittiche, das heißt mit auf Tour. „Wir waren solche Riesenfans von ihm und so froh, dabei zu sein“, erinnerte sich Jim Kerr. „Obwohl wir eine Nacht in Brüssel von der Bühne gebuht wurden. Und die restliche Zeit herunter geheult. Geheult!“ Die frühe Unterstützung durch den damals schon als Weltstar bekannten Gabriel war es eventuell auch, die den Simple Minds im Jahr 1981 zu ihrem ersten Hit verhalf, Love Song. Darauf experimentierten sie immer noch fröhlich, verlegten sich allerdings lieber auf elektrisierende Sequencer-Sounds statt (absichtlich) zerfahrene Songstrukturen. Kein Wunder, dass der Song auch bei einem breiteren Publikum Anklang fand. Die gemeinsame Geschichte von Gabriel und den Schotten endete dort jedoch nicht. Sein ehemaliger Bassist John Giblin half für drei Alben bei den Simple Minds aus und schließlich standen 1988 sie gemeinsam mit Gabriel bei einem Konzert zu Ehren von Nelson Mandela auf der Bühne, um gemeinsam mit dem Freund dessen Song Biko zu performen. Auch der eigens für das Konzert geschrieben Song Mandela Day erklomm als B-Seite der Single Ballad of the Streets im Januar des Folgejahres die Charts. Gabriel scheint wohl ein echter Glücksbringer zu sein!


5. Grace Jones – Nightclubbing

Punk, Post-Punk, Glam- und Prog-Rock beziehungsweise Art Pop – das scheint den Sound der Simple Minds doch bisher nur sehr unzureichend zu erklären, oder? Natürlich waren auch beispielsweise The Velvet Underground oder die New York Dolls Vorbilder für die schottischen Jungs. Ihren tanzbaren Pop-Sound der achtziger Jahre allerdings lieh sich nicht nur von Kraftwerk und New Wave, sondern ebenso aus Soul- und Disco-Musik einige Kniffe – vor allem deren elektronisch angehauchte Version. Jim Kerr beispielsweise zählt Stevie Wonders kongeniale LP Innervisions als eines seiner Lieblingsalben und betonte, dass die Platte ihm nach Ende der goldenen Motown-Zeiten neue Hoffnung in politische Pop-Musik einimpfte. Garniert mit dezenten Synthie-Sounds natürlich! Noch deutlicher wurden die elektronischen Elemente im Werk von Grace Jones, deren funkigen Disco-Hybride vom Album Nightclubbing die Simple Minds während einer USA-Tour kennenlernten. Kerr erinnert sich besonders lebhaft ein Konzert der flamboyanten Künstlerin in San Francisco. „Das war damals, als sie die Sache mit dem King Kong-Kostüm abzog und alles. Was für ein Bild!“ Und die Musik dazu erst! „Wir liebten diese Sounds, und das soll echt was heißen, weil wir uns sonst nur selten einig waren, was auf unsere Playlist gehörte“, so Kerr.


6. Pretenders – Precious

Die fabelhafte Grace Jones war zu den Hochzeiten von Kerrs Band allerdings nicht die einzige Frau in seinem Leben. Eine andere wurde noch weitaus wichtiger für ihn und das nicht nur im persönlichen Leben. „Chrissie Hynde ist offensichtlich sehr wichtig für mich, das aber lange bevor ich sie geheiratet und lange nachdem ich mich von ihr habe scheiden lassen“, betonte Kerr in einem Interview. „Ich war und bin immer noch ein großer Fan.“ Bevor die US-Amerikanerin 1978 die Pretenders gründete, arbeitete sie sogar an der Geburtsstätte britischer Punk-Kultur, dem Klamottenladen SEX von Vivienne Westwood und Malcom McLaren. Kerr erinnert sich an sie aber vor allem als Musikjournalistin, die fachkundig über Punk schrieb und in die er sich verknallte, ohne sie jemals getroffen zu haben! Als es hieß, dass die schillernde Persönlichkeit eine Band gründen wollte, habe das die halbe Szene amüsiert, erinnert sich Kerr. Niemand wollte sie damals ernstnehmen. Sie wurden alle eines besseren belehrt. Als die Pretenders ihr selbstbetiteltes Debütalbum mit Singles wie Stop Your Sobbing veröffentlichten, hing der Punk-Szene die Kinnlade herunter. „Ich war einfach nicht auf diese Stimme vorbereitet“, sagte Kerr über das The Kinks-Cover. Auf eine Ehe mit der freigeistigen Hynde wohl allerdings auch nicht: Nur sechs Jahre lang blieben die beiden verheiratet. Immerhin aber hat der Ex-Gatte nur lobende Worte für die Pretenders-Frontfrau über.


7. U2 – Pride (In The Name Of Love) (Live)

Andere dagegen hatten nicht unbedingt lobende Worte für die Simple Minds über! Deren flächiger Rock-Sound und selbst ihr politisches Engagement veranlasste die Kritik dazu, sie als die „schottischen U2“ abzutun. Der Vergleich ist zumindest ist insofern angebracht, als dass beide ungefähr zur selben Zeit gegründet wurden, anders als viele andere Bands ihrer Zeit nicht direkt aus London oder Manchester kamen und… Ja, das war es eigentlich schon. Andere Verbindungen sind sehr direkt und aus dem (gegenseitigen!) Respekt wurde nie ein Hehl gemacht. Das Simple Minds-Erfolgsalbum Once Upon A Time beispielsweise wurde von Tommy Iovine produziert, der zuvor schon mit U2 zusammengearbeitet hatte und 1988 – wohlgemerkt drei Jahre später – an deren sechstes Album Rattle and Hum Hand anlegte. Tatsächlich kreuzten sich die Pfade beider Bands ständig und U2 selbst haben mindestens fünf Simple Minds-Songs gecovert. 1985 trat Frontmann Bono dafür sogar gemeinsam mit den Schotten in ihrer Glasgow vors Mikro, um mit ihnen New Gold Dream zu singen. Nicht das einzige Mal, dass er die Freunde auf der Bühne begleiten durfte. Wen wundert’s also, wenn sich auch die Simple Minds von U2 inspirieren ließen. Oder besser gefragt: Wen schert’s?


8. Noel McLoughlin – She Moved Through The Fair

Zumal die Simple Minds sich auch mit der Kultur von U2s Heimatland intensiv beschäftigt haben. Als A-Seite ihrer Ballad Of The Streets verarbeitete das Stück Belfast Child einen keltischen Folk-Song namens She Moved Through The Fair. Obwohl sich Belfast Child anders als Sunday, Bloody Sunday von U2 nicht mit einem bestimmten Ereignis befasst, so wurde es doch unter dem Eindruck einer Gräueltat geschrieben. Am 8. November 1987 explodierte im nordirischen Enniskillen während einer Gedenkfeier und tötete zwölf Menschen. Die Simple Minds arbeiteten zu dieser Zeit mit Produzenten Trevor Horn am Album Street Fighting Years und waren schockiert von dem Vorfall. „Wir haben einfach drauf los geschrieben“, erinnerte sich Kerr, der selbst irische Wurzeln hat. Bassist John Giblin spielte die Melodie von She Moved Through The Fair über 20 Minuten, während Kerr die neuen Lyrics verfasste – begeistert vom Einfallsreichtum des Kollegen. „Ich fragte ihn: ‚Wann hast du das komponiert?‘“, lachte Kerr in einem Radiointerview. „Und er sagte: ‚Vor zweihundert Jahren, du Witzbold!‘“ So entstand Belfast Child und wurde ein mehr als unwahrscheinlicher Riesenerfolg, denn schließlich ist der Song mehr als sechseinhalb Minuten lang! Kerrs Vater aber konnte sich freuen: Der hatte seinem Filius von Anfang an eingebläut, dass sich nur mit Folk und Country die Hitparade stürmen ließe. Dieses Mal sollte er recht behalten.


9. Bob Dylan – Tangled Up In Blue

Dabei hatten die Simple Minds doch bis zur Veröffentlichung von Belfast Child eigentlich recht wenig mit Folk am Hut gehabt. Selbst einem Genie wie Bob Dylan war Kerr nicht sonderlich zugetan. „Dylans Akustik-Musik war echt nicht mein Ding“, gab er zu. Auf dessen Erfolgsalbum Blood On The Tracks stieß er im Haus seiner ersten Freundin. „Sie hatte Eltern, die eher Bohème drauf waren, um es mal so zu formulieren. Sie standen total auf Dylan und Blood On The Tracks war damals ein Riesending, weil es so etwas wie ein Comeback-Album auf Columbia war.“ Die Platte lief folglich im Elternhaus der Freundin rauf und runter, Kerr musste sich zwangsläufig damit befassen. Gefallen fand er vor allem am Opener Tangled Up In Blue, insbesondere an Dylans außerordentliches Talent als Texter beeindruckte ihn. „All diese Zeilen kommen auf dich zu und jede ist wie ein Gemälde für sich, an dem ich anhalten konnte, um darüber nachzudenken.“ Ein poetisches Lob für einen echten Poeten! Kein Wunder, dass sich Kerr mit Dylan noch anfreunden konnte, Blood On The Tracks mittlerweile zu seinen Lieblingsalben zählt und mittlerweile selbst gerne die Klampfe spielt.


10. Manic Street Preachers – Of Walking Abortion

Das neu gefundene Faible für akustische Klänge in der Simple Minds-Spätphase ist nur ein Indikator für die stilistische Bandbreite, welche die Band im Laufe von vier Jahrzehnten durchlaufen hat. So inspirierten sie wiederum auch selbst eine Vielzahl von Bands und Solo-KünstlerInnen, die ihre Stücke etwa für Hip Hop-Tracks sampelten oder aber sich im wütenden Frühwerk der Schotten verloren. „Die Simple Minds waren wie kristallene Götter für mich“, gab etwa James Dean Bradfield nebulös zu Protokoll. Der Manic Street Preachers-Frontmann war noch in der Grundschule, als die Simple Minds ihre ersten Alben veröffentlichten und legte sich sein erstes Album allerdings viel später zu. Über Empires And Dance aus dem Jahr 1980 sagte er: „Ich kaufte es, weil ich den Song I Travel in einer alten Radio 1-Session gehört hatte und nicht mit der Band vereinbaren konnte, die (Don’t You) Forget About Me gemacht hatten.“ Bradfield gab selbst zu, dass er das von Fans und Kritik übersehen Album in das zuerst ebenso erfolglose Manic Street Preachers-Album The Holy Bible einfließen lassen wollte und gnadenlos dran scheiterte. Statt hartem synthetischen Sound gab es bei den Manic Street Preachers stattdessen viel Gitarrenkrach und tolle Melodien zu hören! Das war doch wiederum ganz im Sinn der frühen Simple Minds.


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Popkultur

„White Christmas“, „All I Want For Christmas Is You“ und mehr: Verrückte Fakten zu den größten Weihnachtssongs

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Mariah Carey
Foto: Gilbert Carrasquillo /Getty Images

Sie dudeln im Radio auf und ab, beschallen Weihnachtsmärkte und Cafés: Hättet ihr diese Dinge über Evergreens wie Last Christmas, All I Want For Christmas Is You oder White Christmas gewusst?

von Björn Springorum

Auf wenige Dinge ist so sehr Verlass wie das pünktliche Aufschlagen von Last Christmas und All I Want For Christmas Is You deutlich vor dem ersten Advent. Weihnachtssongs sind Fluch und Segen zugleich, Boten einer schönen Zeit für die einen und Geißel des schlechten Geschmacks für die anderen – Stichwort #whamageddon. Zu welchem Lager man auch zählt: Vorbei kommt dieser Tage niemand an ihnen. Da lohnt mal ein Blick auf die erstaunlichen Geschichten hinter fünf der erfolgreichsten Weihnachtssongs aller Zeiten.

1. All I Want For Christmas Is You (1994)

Eine der erfolgreichsten Singles aller Zeiten ist in gerade mal 15 Minuten entstanden. So kurz sollen Mariah Carey und Walter Afanasieff für das Songwriting dieser Nummer gebraucht haben. Bewusst angelehnt an den Ronettes-Sound der Sechziger, braucht All I Want For Christmas Is You kommerziell gesehen deutlich mehr Zeit als für seine Entstehung. Der Grund: Der Song wurde anfangs nicht offiziell als reguläre Single ausgekoppelt und konnte deswegen auch nicht in den Charts notieren. Das ändert sich, als 1998 die Regularien angepasst werden. Damals beginnt die erstaunliche Erfolgsgeschichte des Songs: Am 21. Dezember 2019 – 25 Jahre nach Veröffentlichung – steht der Song erstmals ganz oben in den US-Charts. 16 Millionen Exemplare sind mittlerweile verkauft, unzählige Streaming-Rekorde gebrochen. Geschätzte 60 Millionen gibt es an Royalties allein für diesen Song, Mariah Carey allein verdient grob geschätzt 2,5 Millionen US-Dollar pro Jahr mit All I Want For Christmas Is You. Nicht übel – dafür, dass sie den Songs anfangs gar nicht aufnehmen wollte.

2. Santa Claus Is Comin’ To Town (1934)

Auch dieser Song gehört zu Weihnachten wie schlechter Glühwein: Erstmals 1934 von einem Banjo-Spieler namens Harry Reser aufgeführt, hat sich Santa Claus Is Comin’ To Town zum weihnachtlichen Pflichtprogramm entwickelt. Liegt natürlich auch an seiner erstaunlichen Haltbarkeit und Attraktivität für andere Künstler: In den letzten knapp 80 Jahren haben sich über 200 Künstler*innen an diesem Klassiker von J. Fred Coots und Haven Gillespie versucht – und nicht unbedingt unbekannte, um es mal so zu sagen: Unter anderem gibt es Versionen von Bing Crosby, Mariah Carey, Neil Diamond, Bruce Springsteen, Frank Sinatra, Bill Evans, Chris Isaak, The Temptations, The Carpenters, Michael Bublé und den Jackson 5. Am ehesten denkt man bei Santa Claus Is Comin’ To Town aber wahrscheinlich an den Boss und seine unvergleichliche Version. Die entstand gemeinsam mit der E Street Band am 12. Dezember 1975, wurde aber erst 1982 auf dem Sesamstraße-Album In Harmony 2 veröffentlicht und steigt seit 2002 regelmäßig hoch in die Charts ein. Springsteen-Konzerte im November und Dezember kommen ebenfalls nie ohne diese Nummer aus.

3. Last Christmas (1984)

Irgendwann im Sommer 1984 wird George Michael plötzlich vom Geist der Weihnacht heimgesucht. Er und sein Wham!-Kollege Ridgeley sind gerade bei Michaels Eltern zu Besuch, als ihn die winterliche Muse küsst: Er rauscht in sein altes Kinderzimmer und schreibt dort mal so eben einen der größten, wenn auch polarisierendsten Weihnachtshits aller Zeiten. Die Nummer wird zum Erfolg und schnell auch zum unverzichtbaren Weihnachtslied. Nur die Nummer Eins in den britischen Charts bleibt Last Christmas vergönnt – bis 2021, mehr als 36 Jahre nach der Veröffentlichung. Den Gesamterlös des Songs spendet Wham! vorbildlich dem Kampf gegen die verheerende Hungerkrise in Äthiopien. Bei über sechs Millionen verkauften Singles kommt da einiges zusammen.

4. Do They Know It’s Christmas (1984)

Das ist die Nummer, die Last Christmas 1984 davon abhält, die Spitze der britischen Charts zu erklimmen: Do They Know It’s Christmas von Bob Geldorf und Midge Ure ist eine der bekanntesten Benefiz-Singles aller Zeiten. Und ein echter Allstar-Coup: Aufgenommen an nur einem einzigen Tag am 24. November 1984 im Londoner Stadtteil Notting Hill, kommt die als Band Aid bezeichnete Supergroup an diesem Tag erstmals hinterm Mikro zusammen: Unter anderem singen Bono, Siobhan Fahey, Phil Collins, Boy George, Paul Weller. Sting und wieder George Michael (der damit auf Platz eins und zwei der britischen Single-Charts thront) gegen den Hunger in Äthiopien. Und sammeln ordentlich Geld ein: Die Single verkauft sich knapp zwölf Millionen Mal. Aus den von Geldorf erhofften 70.000 Pfund werden innerhalb eines Jahres acht Millionen. Kritik gibt es dennoch: Der Text spiele mit westlichen Vorurteilen und Afrikaklischees und würde die Vielfalt Afrikas unter den Teppich kehren.

5. White Christmas (1942)

1940 setzt sich Irving Berlin hin und schreibt einen Song über eine nostalgische, romantisierte Vorstellung von Weihnachten. Ja, das hat man auch schon 1942 gemacht. Sie kommt in den Soundtrack zum Film Holiday Inn und bekommt prompt den Oscar für den besten Filmsong. „Es ist nicht nur der beste Song, den ich je geschrieben habe, sondern auch der beste Song, den irgendjemand anders je geschrieben hat“, soll er seiner Sekretärin gesagt haben. Nicht gerade beschieden, aber irgendwie auch nicht ganz falsch. Zumindest hinsichtlich seines Erfolgs: Am 29. Mai 1942 nimmt Bing Crosby den Song in schlanken 18 Minuten auf, hält aber nicht viel davon. 80 Jahre später wissen wir: Er unterschätzt die Nostalgie der Menschen. White Christmas ist die erfolgreichste Single aller Zeiten! Zwar sprechen wir heute meist von der 1947-er Neuaufnahme (das Original wurde zu oft gespielt und beschädigt), aber das ist nebensächlich: Mit über 50 Millionen verkauften Exemplaren steht White Christmas ganz oben an der Spitze. Über 500 verschiedene Versionen in zahlreichen Sprachen sind mittlerweile entstanden. Und weil er damals schon nostalgisch war, wirkt er auch mit seinen 80 Jahren alterslos.

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„Happy Xmas (War Is Over)“: Wie der Protestsong zu einem Weihnachtsklassiker wurde

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Popkultur

Die 15 besten Weihnachtsgeschenke für Rockfans

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Weihnachtsgeschenk
Foto: Getty Images

Weihnachten nähert sich in großen Schritten. Du weißt immer noch nicht so recht, was du deinen rock-affinen Liebsten schenken sollst? Kein Problem — wir haben da ein paar Ideen!

1. Bono — Surrender: 40 Songs, One Story

U2-Frontmann Bono veröffentlichte im November 2022 seine Memoiren — und darin erzählt einer der größten Frontmänner der Rockgeschichte, wie Paul aus Dublin zu Rockstar und Weltbürger/Weltretter Bono wurde. Ein spannendes Buch, das nicht nur die Anfänge U2s beleuchtet, sondern Bono auch als selbstironischen, reflektierten Zeitgenossen zeigt.

(Hier für 20,99 Euro)

 2. Guns N’ Roses — Use Your Illusion Super Deluxe 12-LP Box

Use Your Illusion

Was für einen Nachfolger macht man nach einem Mega-Debüt wie Appetite For Destruction? Am bestengleich zwei neue Longplayer! Use Your Illusion I + II, das sind zwei Alben, die nur so überquellen. Opulent, rockig, dreckig, hochglanzproduziert, bluesy, überladen, rotzig — alles zugleich, alles auf Maximum. Im November 2022 öffneten Axl, Slash & Co. das Bandarchiv und veröffentlichten ein Boxset, das Fans der Gunners das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. 97 Tracks auf 12 LPs, davon 63 unveröffentlicht — mit Blu-ray, Buch, Lithografien und jeder Menge Goodies… und das alles natürlich im stylischen Boxset. Das mega ausführliche Boxset gibt es bei uns im uDiscover Store — übrigens auch als günstigere 7-CD-Box.

(Hier für 498,99€)

3. BAP — Bap Vinyl Box Vol. 3 (2001-2011)

Wolfgang Niedecken lud in letzter Zeit vermehrt zur Vinyl-Retrospektive und widmete jedem Jahrzehnt von BAP eine Vinyl-Box. Zuletzt erschien mit Volume 3 eine Rückschau auf die 2000er-Jahre. Fünf Alben auf je zwei 180-Gramm-LPs, dazu schöne Artworks, Prints, Texte und Faksimiles. Für Fans von BAP ein Muss!

(Hier für 173,99 Euro)

4. 101 Rock Stories: Anekdoten, Exzesse und wilde Geschichten von Christof Leim

Warum wollte Axl Rose einst David Bowie verhauen? Was verbindet AC/DC mit einem Serienkiller? Und was haben Faith No More mit dem Fall der Berliner Mauer zu tun? — Diesen (und etlichen weiteren Fragen) geht uDiscover-Autor Christof Leim in seinem Buch 101 Rock Stories: Anekdoten, Exzesse und wilde Geschichten nach. Der Musiker und Musikjournalist gräbt tief in der Schatzkiste der Rock’n’Roll-Geschichten — und sorgt für ein kurzweiliges Lesevergnügen. 

(Hier für 14 Euro)

 5. Peter Frampton — Do You Feel Like I Do? A Memoir

Vor wenigen Wochen sagte die US-amerikanische Rock-Ikone Peter Frampton seinen deutschen Fans mit den letzten Deutschlandkonzerten seiner Abschiedstournee Lebewohl. Wie bewegt seine Karriere war, lässt sich in seinen Memoiren nachlesen, die Ende 2021 erschienen sind.

(Hier für 15,59 Euro)

6. Heavy Metal Ukulele

UkuleleHeavy Metal funktioniert auch auf der Ukulele — das beweist dieses Prachtstück in Flying-V-Form. Wieso nicht mal Thunderstruck, Raining Blood und Enter Sandman auf der Uke zum Besten geben — unter dem Weihnachtsbaum, wo sonst?

(Hier für 37,20 €)

7. Slayer-Wein

Slayer-Fan, aber zugleich auch Reben-Feinspitz? Bekennende Weinliebhaber*innen kommen mit dem Slayer Reign In Blood Red auf ihre Kosten. Der Cabernet Sauvignon stammt, wie Araya & Co., aus Kalifornien — und passt hervorragend zum musikalischen Oeuvre der Herren.

(Hier für 9,59 Euro)

8. Rolling-Stones-Baumwollbeutel

Wie soll man eigentlich die ganzen Weihnachtsgeschenke nach Hause tragen? Am besten stilecht im Rolling-Stones-Baumwollbeutel mit dem ikonischen Zungen-Logo. Hier findet von exklusiven CDs und LPs bis zu T-Shirts und anderen Goodies so einiges Platz!

(Hier für 9,99 Euro)

9. Marshall Bluetooth Lautsprecher

Marshall LautsprecherKeine richtige Stereoanlage da? Kein Problem, mit der richtigen Bluetooth-Lautsprecherbox lässt sich auch ganz unkompliziert via Bluetooth gut Musik hören. Wer dabei nicht auf den klassischen Retro-Rocklook verzichten möchte, findet einige tolle Modelle von Marshall, zum Beispiel wie den Acton II. Der überzeugt mit druckvollem Sound und edlem Look!

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10. AKG Kopfhörer

Gute Kopfhörer sind für jeden Musikfan ein absolutes Muss — denn so lässt sich auch ohne sündteure Boxen Musik im hochwertigen Klang genießen. Die Auswahl an guten Kopfhörern ist groß, wir entscheiden uns an dieser Stelle für die AKG K-612, einfach weil sie gute Allrounder sind und auch fürs Studio taugen!

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Im Februar 2022 veröffentlichen Inhaler ihr neues Studioalbum Cuts & Bruises. Die Wartezeit kann man aber auch mit ihrem Debüt It Won’t Always Be Like This überbrücken, das es im uDiscover Store als LP-Version gibt.

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12. Schallplatten-Reinigungsset

Natürlich muss die eigene Plattensammlung auch gepflegt werden. Um dem edlen Vinyl die Liebe zukommen zu lassen, die es verdient, empfehlen wir ein Vinyl-Reinigungsset.

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13. Squier Jazzmaster Gitarre

Squier JazzmasterWer gerne E-Gitarre lernen möchte, muss keineswegs gleich zu teuren Marken greifen. Fender etwa hat mit seiner kostengünstigen Tochterfirma Squier einige fabelhafte Modelle im Sortiment, die sich wahrlich nicht vor deutlich teureren Gitarren nicht verstecken müssen. Etwa die 40th Anniversary Jazzmaster, die nicht nur toll aussieht, sondern auch exzellent klingt.

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Mal unter dem Weihnachtsbaum mit ein paar Metal-Motiven bei Oma und Opa anecken? Wir hätten da ein paar Ideen — beispielsweise dieses Shirt der deutschen Metallegenden Kreator.

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Großer Sale im uDiscover-Store: Die Empfehlungen der Redaktion

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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.12.1994 erscheint „Vitalogy“ von Pearl Jam auf CD und Kassette.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1994.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

1994 markiert den Wendepunkt für den Grunge: Nach Kurt Cobains Tod wenden sich die Medien gegen die Rock-Bewegung, während sich Pearl Jam im kalten Krieg mit Ticketmaster befinden. Die Jungs aus Seattle wagen mit Vitalogy den Befreiungsschlag und ebnen den Weg für Meisterwerke wie Yield. Am 6. Dezember 1994 erscheint das Album regulär auf CD…

Hört hier in Vitalogy rein: 

„Lives opened and trashed / Look, Ma, watch me crash“ intoniert Eddie Vedder im Opener Last Exit und fasst damit schon ziemlich gut zusammen, was da so in der Welt von Pearl Jam vor sich geht. Als Teil der Grunge-Szene von Seattle kommen sie mit ihrem Debüt Ten trotz kommerziellem Durchbruch nicht wirklich gut an, die Folgeplatte Vs. (1993) zementiert dafür ihren Platz zwischen Nirvana, Soundgarden und Alice In Chains. So sehr, dass der daraus resultierende Erfolg die Gruppe in eine schwere Sinnkrise stürzt. Dazu noch der Medienrummel um Kurt Cobains Suizid sowie eine Extraportion Streitigkeiten um Konzertpreise((LINK)) mit Ticketmaster. Kurzum: Der Boden unter den Bandgrundmauern wackelt.

Vorsicht, rissig

Die Aufnahmen für das dritte Album entstehen während der Tour zu Vs., die Sänger (und nun auch Gitarrist) Vedder, Bassist Jeff Ament, den Gitarristen Stone Gossard und Mike McCready und Schlagzeuger Dave Abbruzzese einiges abverlangt. Abbruzzese darf gegen Ende der Aufnahmen den Abflug machen, denn seine Kritik am Ticketmaster-Konflikt stößt auf. McCready wiederum merkt, dass sein Kokain- und Alkoholproblem die Gruppe gefährdet: „Nach dem die Band durchgestartet war, befand ich mich in meiner eigenen kleinen Welt.“ Er checkt zwischen Aufnahmen und Veröffentlichung in die Entzugsklinik ein.

An den Drums übernimmt Vedder-Vertrauter und ehemaliger Red Hot Chili Pepper Jack Irons, der positive Energie in den Laden bringt. Die braucht es dringend, denn der Sänger, der hier verstärkt die kreativen Zügel in die Hand nimmt, gerät nun mit Gossard aneinander. Für ersteren stellt der Führungswechsel eine natürliche Konsequenz dar: „Das war keine feindliche Übernahme. Ich fand, dass alle unsere Veröffentlichungen stellvertretend für mich standen. Da ich sowas wie das Gesicht der Band wurde, musste ich auch musikalisch mehr repräsentiert werden“, erzählt er später in der Dokumentation Pearl Jam Twenty

Lebenszeichen

Diese Kehrtwende äußert sich auch in, sagen wir mal, etwas wundersameren Werken wie Hey Foxymophandlemama, That’s Me, einer Soundcollage mit Äußerungen von Insassen einer Nervenklinik. Dagegen stehen aber Stücke wie das unangepasste Spin The Black Circle, Immortality und das wunderbare Better Man, die das umstrittene Album zu einem wichtigen Punkt der Bandgeschichte machen.

Ganz bewusst veröffentlichen Pearl Jam das Ding zunächst am 22. November 1994 auf Vinyl und für die damals gängigen Formate CD und Kassette gibt’s ein zweiwöchiges Embargo. Das zahlt sich aus, denn Vitalogy hält bis zur Veröffentlichung von Jack Whites Lazaretto 2014 den Rekord für die meisten Vinylverkäufe innerhalb einer Woche. Ab dem Nikolaustag 1994 stehen dann auch CDs und Kassetten zum Verkauf. Wie Kollege Chris Cornell in der Doku treffend bemerkt: „Amerikanische Rockbands lösen sich auf. Pearl Jam schafften es zusammenzubleiben.“ Vitalogy entpuppte sich dabei als der Kitt der beginnenden Risse.

Zeitsprung: Am 30.6.2000 passiert Schlimmes bei einer Pearl Jam-Show in Roskilde.

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