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Popkultur

Die musikalische DNA von Simple Minds

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Don’t you forget about… them! Die Simple Minds sind nach gut 40 Jahren im Musikbusiness immer noch Alive And Kicking. Und das, obwohl sich der Kern der Band aus Glasgow über die Jahre durchaus dezimiert hat: Von den Gründungsmitgliedern sind lediglich Jim Kerr und Charlie Burchill dabei, die aktuell von Andy Gillespie an den Keys, dem 1982 dazu gestoßenen Drummer Mel Gaynor und Ged Grimes am Bass unterstützt werden. Die stetigen Besetzungswechsel allerdings hatten ohne Zweifel auch ihr Gutes: Wie keine andere Band konnten die Simple Minds dezente Kurskorrekturen vornehmen und sich neue musikalische Felder erschließen.


Hört euch hier die musikalische DNA von Simple Minds in einer Playlist an und weiter:


Beeinflusst vom Punk-Sound der Endsiebziger widmete sich die Band erst rumpeliger Musik, bevor sie inspiriert von Kraftwerk, Post-Punk und New Wave im Aufkommen der britischen Synth Pop-Szene berühmt wurden – allem voran mit (Don’t You) Forget About Me natürlich. Ein zweifelhafter Erfolg für die Band, welche den Song bekanntermaßen selbst nicht geschrieben hatte. Keith Forsey und Steve Schiff waren die Masterminds hinter dem slicken Stück Musikgeschichte, das mit dem Film Breakfast Club weltberühmt wurde und der Band immer noch nachhängt. Nein, damit hatten es die Simple Minds nicht immer leicht. Denn wer will schon als ewiges One-Hit-Wonder gelten, wenn dieser Hit nicht aus der eigenen Feder stammt? Erst recht, wenn böse Zungen die Band in späteren Jahren als langweiligen U2-Rip-Off abtaten?


Schaut euch hier das offizielle Musikvideo zu Simple Minds Song Dont’t You (Forget About Me) an und lest weiter:


Dennoch haben die Schotten stets das Beste draus gemacht und sich aller Widrigkeiten zum Trotz oben gehalten. Was die Simple Minds auf ihrem langen Weg inspiriert hat, das erfahren wir mit Blick auf ihre musikalische DNA.


1.Generation X – Your Generation

Vor den Simple Minds gab es Johnny & The Self-Abusers. Gegründet wurden sie 1977 in Glasgow von Alan Cairnduff, der sich gerne als schottischer Malcom McLaren inszenieren wollte und die Band doch prompt aufgab, um seinen Kumpel John Milarky ans Ruder zu lassen. Der fand sich mit Jim Kerr und Charlie Burchill zusammen, zwei Sandkastenfreunden, die noch den Drummer Brian McGee sowie den Bassisten Tony Donald mit anschleppten. Komplettiert durch Allan McNeill als drittem (!) Gitarristen im Bunde, spielte die Band im April desselben Jahres ihren ersten Gig im Vorprogramm von den aufstrebenden Punkhelden Generation X, an deren Mikro ein gewisser Billy Idol zugange war. Noch bevor Generation X mit Dancing With Myself einen Riesenhit landen konnten und Billy Idol schicksalsträchtig zwei Songwriter abblitzen ließ, die ihm ein Stück namens (Don’t You) Forget About Me anboten, spielte seine Band schnoddrigen Punk im Sex Pistols-Stil, der Pop-Potenzial und Mitsingchöre aufwies. In Richtung Pop zog es auch die restlichen Mitglieder von Johnny & The Self-Abusers, nachdem Milarky und McNeill (übrigens nicht zu verwechseln mit dem späterem Simple Minds-Keyboarder Mick McNeil) sich verabschiedeten, um The Cuban Heels zu gründen. Von denen haben wir seitdem nichts mehr gehört, von der anderen Band allerdings schon.


2. David Bowie – Jean Genie

„He’s so simple minded he can’t drive his module / He bites on the neon and sleeps in the capsule / Loves to be loved, loves to be loved“, singt David Bowie im Song Jean Genie von seinem bahnbrechenden Aladdin Sane-Album. Damit wurde er zum Namensgeber für die neu gegründete Band, die aus der Asche von Johnny & The Self-Abusers entstand: die Simple Minds. Der exzentrische, sich ständig wandelnde Pop-Star wurde zu einem Fixpunkt im Simple Minds-Kontinuum. Selbst nachdem die Band fast zu Bruch gegangen wäre und sich Jim Kerr schon nach Italien zurückgezogen hatte, um dort ein Hotel zu gründen, wurde ein Bowie-Song zum Soundtrack ihres Comebacks: Das 2001 veröffentlichte und parallel zur LP Cry aufgenommene Cover-Album Neon Lights versammelte neben Stücken von Van Marrison, Patti Smith oder Kraftwerk auch eine Simple Minds-Version von The Man Who Sold The World, welche die Band noch heute regelmäßig zum Besten gibt. Einen nur wenig größeren Helden fand die Band in T. Rex-Mastermind Marc Bolan, dem die Band 2014 via Facebook mit den vielsagenden Worten „Vor Bowie gab es Bolan. Vor Bolan? Nichts.“ huldigte. Den Namen allerdings hatten sie sich vom Thin White Duke geliehen.


3. Roxy Music – For Your Pleasure

Neben Glam Rock-Stars wie Bolan und Bowie wurden aber auch abwegige Musikstile für die junge schottische Band schnell wichtig. Ihr zweites Album Real To Real Cacophony aus dem Jahr 1979 zeigte sich stark vom aufkommenden Post-Punk-Sound beeinflusst und experimentierte mit dessen Faible für satte Dub-Sounds, schräge Synthesizer-Einsätze und minimalistischen Songstrukturen. Real To Real Cacophony wird noch heute von vielen Fans – darunter auch prominenten Vertretern aus der Indie-Szene – als das beste Simple Minds-Album bezeichnet. Die Experimentierphase der Band war vor allem auch durch ihre Identitätssuche bedingt. „Jim war die ganze Zeit am Schreiben, versuchte Lyrics und verschiedene Gesangsstile aus“, erinnerte sich Produzent John Leckie. „Er klang damals noch ziemlich anders.“ Wie Bryan Ferry nämlich, fand die Musikpresse schon damals. Dessen Band Roxy Music sollte Kerr und seine Kollegen noch länger beschäftigten, denn auch die exaltierten Rocker coverten die Simple Minds auf Neon Lights: Das Stück For Your Pleasure klang bei ihnen aber schon deutlich anders als noch zu Post-Punk-Zeiten und die Simple Minds schon wenig später viel elektronischer.


4. Peter Gabriel – Biko (Live)

Billy Idol, David Bowie, Bryan Ferry – fehlt noch wer? Klar, wir dürfen natürlich Peter Gabriel nicht vergessen. Der ehemalige Genesis-Frontmann dürfte die Band nicht allein zu ihren ausgefallenen Bühnenkostümen in Anfangstagen inspiriert haben, er nahm sie auch früh unter seine Fittiche, das heißt mit auf Tour. „Wir waren solche Riesenfans von ihm und so froh, dabei zu sein“, erinnerte sich Jim Kerr. „Obwohl wir eine Nacht in Brüssel von der Bühne gebuht wurden. Und die restliche Zeit herunter geheult. Geheult!“ Die frühe Unterstützung durch den damals schon als Weltstar bekannten Gabriel war es eventuell auch, die den Simple Minds im Jahr 1981 zu ihrem ersten Hit verhalf, Love Song. Darauf experimentierten sie immer noch fröhlich, verlegten sich allerdings lieber auf elektrisierende Sequencer-Sounds statt (absichtlich) zerfahrene Songstrukturen. Kein Wunder, dass der Song auch bei einem breiteren Publikum Anklang fand. Die gemeinsame Geschichte von Gabriel und den Schotten endete dort jedoch nicht. Sein ehemaliger Bassist John Giblin half für drei Alben bei den Simple Minds aus und schließlich standen 1988 sie gemeinsam mit Gabriel bei einem Konzert zu Ehren von Nelson Mandela auf der Bühne, um gemeinsam mit dem Freund dessen Song Biko zu performen. Auch der eigens für das Konzert geschrieben Song Mandela Day erklomm als B-Seite der Single Ballad of the Streets im Januar des Folgejahres die Charts. Gabriel scheint wohl ein echter Glücksbringer zu sein!


5. Grace Jones – Nightclubbing

Punk, Post-Punk, Glam- und Prog-Rock beziehungsweise Art Pop – das scheint den Sound der Simple Minds doch bisher nur sehr unzureichend zu erklären, oder? Natürlich waren auch beispielsweise The Velvet Underground oder die New York Dolls Vorbilder für die schottischen Jungs. Ihren tanzbaren Pop-Sound der achtziger Jahre allerdings lieh sich nicht nur von Kraftwerk und New Wave, sondern ebenso aus Soul- und Disco-Musik einige Kniffe – vor allem deren elektronisch angehauchte Version. Jim Kerr beispielsweise zählt Stevie Wonders kongeniale LP Innervisions als eines seiner Lieblingsalben und betonte, dass die Platte ihm nach Ende der goldenen Motown-Zeiten neue Hoffnung in politische Pop-Musik einimpfte. Garniert mit dezenten Synthie-Sounds natürlich! Noch deutlicher wurden die elektronischen Elemente im Werk von Grace Jones, deren funkigen Disco-Hybride vom Album Nightclubbing die Simple Minds während einer USA-Tour kennenlernten. Kerr erinnert sich besonders lebhaft ein Konzert der flamboyanten Künstlerin in San Francisco. „Das war damals, als sie die Sache mit dem King Kong-Kostüm abzog und alles. Was für ein Bild!“ Und die Musik dazu erst! „Wir liebten diese Sounds, und das soll echt was heißen, weil wir uns sonst nur selten einig waren, was auf unsere Playlist gehörte“, so Kerr.


6. Pretenders – Precious

Die fabelhafte Grace Jones war zu den Hochzeiten von Kerrs Band allerdings nicht die einzige Frau in seinem Leben. Eine andere wurde noch weitaus wichtiger für ihn und das nicht nur im persönlichen Leben. „Chrissie Hynde ist offensichtlich sehr wichtig für mich, das aber lange bevor ich sie geheiratet und lange nachdem ich mich von ihr habe scheiden lassen“, betonte Kerr in einem Interview. „Ich war und bin immer noch ein großer Fan.“ Bevor die US-Amerikanerin 1978 die Pretenders gründete, arbeitete sie sogar an der Geburtsstätte britischer Punk-Kultur, dem Klamottenladen SEX von Vivienne Westwood und Malcom McLaren. Kerr erinnert sich an sie aber vor allem als Musikjournalistin, die fachkundig über Punk schrieb und in die er sich verknallte, ohne sie jemals getroffen zu haben! Als es hieß, dass die schillernde Persönlichkeit eine Band gründen wollte, habe das die halbe Szene amüsiert, erinnert sich Kerr. Niemand wollte sie damals ernstnehmen. Sie wurden alle eines besseren belehrt. Als die Pretenders ihr selbstbetiteltes Debütalbum mit Singles wie Stop Your Sobbing veröffentlichten, hing der Punk-Szene die Kinnlade herunter. „Ich war einfach nicht auf diese Stimme vorbereitet“, sagte Kerr über das The Kinks-Cover. Auf eine Ehe mit der freigeistigen Hynde wohl allerdings auch nicht: Nur sechs Jahre lang blieben die beiden verheiratet. Immerhin aber hat der Ex-Gatte nur lobende Worte für die Pretenders-Frontfrau über.


7. U2 – Pride (In The Name Of Love) (Live)

Andere dagegen hatten nicht unbedingt lobende Worte für die Simple Minds über! Deren flächiger Rock-Sound und selbst ihr politisches Engagement veranlasste die Kritik dazu, sie als die „schottischen U2“ abzutun. Der Vergleich ist zumindest ist insofern angebracht, als dass beide ungefähr zur selben Zeit gegründet wurden, anders als viele andere Bands ihrer Zeit nicht direkt aus London oder Manchester kamen und… Ja, das war es eigentlich schon. Andere Verbindungen sind sehr direkt und aus dem (gegenseitigen!) Respekt wurde nie ein Hehl gemacht. Das Simple Minds-Erfolgsalbum Once Upon A Time beispielsweise wurde von Tommy Iovine produziert, der zuvor schon mit U2 zusammengearbeitet hatte und 1988 – wohlgemerkt drei Jahre später – an deren sechstes Album Rattle and Hum Hand anlegte. Tatsächlich kreuzten sich die Pfade beider Bands ständig und U2 selbst haben mindestens fünf Simple Minds-Songs gecovert. 1985 trat Frontmann Bono dafür sogar gemeinsam mit den Schotten in ihrer Glasgow vors Mikro, um mit ihnen New Gold Dream zu singen. Nicht das einzige Mal, dass er die Freunde auf der Bühne begleiten durfte. Wen wundert’s also, wenn sich auch die Simple Minds von U2 inspirieren ließen. Oder besser gefragt: Wen schert’s?


8. Noel McLoughlin – She Moved Through The Fair

Zumal die Simple Minds sich auch mit der Kultur von U2s Heimatland intensiv beschäftigt haben. Als A-Seite ihrer Ballad Of The Streets verarbeitete das Stück Belfast Child einen keltischen Folk-Song namens She Moved Through The Fair. Obwohl sich Belfast Child anders als Sunday, Bloody Sunday von U2 nicht mit einem bestimmten Ereignis befasst, so wurde es doch unter dem Eindruck einer Gräueltat geschrieben. Am 8. November 1987 explodierte im nordirischen Enniskillen während einer Gedenkfeier und tötete zwölf Menschen. Die Simple Minds arbeiteten zu dieser Zeit mit Produzenten Trevor Horn am Album Street Fighting Years und waren schockiert von dem Vorfall. „Wir haben einfach drauf los geschrieben“, erinnerte sich Kerr, der selbst irische Wurzeln hat. Bassist John Giblin spielte die Melodie von She Moved Through The Fair über 20 Minuten, während Kerr die neuen Lyrics verfasste – begeistert vom Einfallsreichtum des Kollegen. „Ich fragte ihn: ‚Wann hast du das komponiert?‘“, lachte Kerr in einem Radiointerview. „Und er sagte: ‚Vor zweihundert Jahren, du Witzbold!‘“ So entstand Belfast Child und wurde ein mehr als unwahrscheinlicher Riesenerfolg, denn schließlich ist der Song mehr als sechseinhalb Minuten lang! Kerrs Vater aber konnte sich freuen: Der hatte seinem Filius von Anfang an eingebläut, dass sich nur mit Folk und Country die Hitparade stürmen ließe. Dieses Mal sollte er recht behalten.


9. Bob Dylan – Tangled Up In Blue

Dabei hatten die Simple Minds doch bis zur Veröffentlichung von Belfast Child eigentlich recht wenig mit Folk am Hut gehabt. Selbst einem Genie wie Bob Dylan war Kerr nicht sonderlich zugetan. „Dylans Akustik-Musik war echt nicht mein Ding“, gab er zu. Auf dessen Erfolgsalbum Blood On The Tracks stieß er im Haus seiner ersten Freundin. „Sie hatte Eltern, die eher Bohème drauf waren, um es mal so zu formulieren. Sie standen total auf Dylan und Blood On The Tracks war damals ein Riesending, weil es so etwas wie ein Comeback-Album auf Columbia war.“ Die Platte lief folglich im Elternhaus der Freundin rauf und runter, Kerr musste sich zwangsläufig damit befassen. Gefallen fand er vor allem am Opener Tangled Up In Blue, insbesondere an Dylans außerordentliches Talent als Texter beeindruckte ihn. „All diese Zeilen kommen auf dich zu und jede ist wie ein Gemälde für sich, an dem ich anhalten konnte, um darüber nachzudenken.“ Ein poetisches Lob für einen echten Poeten! Kein Wunder, dass sich Kerr mit Dylan noch anfreunden konnte, Blood On The Tracks mittlerweile zu seinen Lieblingsalben zählt und mittlerweile selbst gerne die Klampfe spielt.


10. Manic Street Preachers – Of Walking Abortion

Das neu gefundene Faible für akustische Klänge in der Simple Minds-Spätphase ist nur ein Indikator für die stilistische Bandbreite, welche die Band im Laufe von vier Jahrzehnten durchlaufen hat. So inspirierten sie wiederum auch selbst eine Vielzahl von Bands und Solo-KünstlerInnen, die ihre Stücke etwa für Hip Hop-Tracks sampelten oder aber sich im wütenden Frühwerk der Schotten verloren. „Die Simple Minds waren wie kristallene Götter für mich“, gab etwa James Dean Bradfield nebulös zu Protokoll. Der Manic Street Preachers-Frontmann war noch in der Grundschule, als die Simple Minds ihre ersten Alben veröffentlichten und legte sich sein erstes Album allerdings viel später zu. Über Empires And Dance aus dem Jahr 1980 sagte er: „Ich kaufte es, weil ich den Song I Travel in einer alten Radio 1-Session gehört hatte und nicht mit der Band vereinbaren konnte, die (Don’t You) Forget About Me gemacht hatten.“ Bradfield gab selbst zu, dass er das von Fans und Kritik übersehen Album in das zuerst ebenso erfolglose Manic Street Preachers-Album The Holy Bible einfließen lassen wollte und gnadenlos dran scheiterte. Statt hartem synthetischen Sound gab es bei den Manic Street Preachers stattdessen viel Gitarrenkrach und tolle Melodien zu hören! Das war doch wiederum ganz im Sinn der frühen Simple Minds.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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