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Popkultur

Die 15 berühmtesten Alter Egos der Musikgeschichte

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Seit Hunderten von Jahren erfinden Musiker Künstlernamen und sogar neue Identitäten als Teil ihres öffentlichen Auftritts. Für einige war es nur für ein einziges Album. Als z. B. die Beatles ihr Pilzkopf/Boyband Image ablegen und als ernsthafte Künstler wahrgenommen werden wollten, riefen sie Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band ins Leben. Andere kreierten ihren eigenen Mythos – wie ein gewisser Bob Zimmermann, der seinen angeblich unmodernen Nachnamen gegen den viel hipper klingenden Bob Dylan und eine passende Troubadour-Vergangenheit eintauschte.

Wieder andere ergaben sich dem Druck der Musikbranche. Als man Simon & Garfunkel sagte, dass ihre Namen zu “folkloristisch klangen”, gingen sie als “Tom And Jerry” ins Studio. Und manche waren von Anfang an zum Scheitern verurteilt, wie z. B. Chris Gaines, die Rockstar-Inkarnation von Garth Brooks.

Egal ob Country, Rock, Jazz oder Hip-Hop – diese Kunstfiguren stehen für einen ganz bestimmten Moment in der Entwicklung eines Künstlers. Wir haben hier eine kleine Auswahl der bekanntesten Alter Egos von den 1950ern bis heute zusammengestellt.


1. George Clinton: Starchild/ Dr Funkenstein/ Mr Wiggles


George Clinton hat mehr als nur ein Alter Ego erschaffen: Mit der von ihm begründeten Mythologie des P-Funk kreierte er ein ganzes Universum, das dem Afrofuturismus Tür und Tor öffnete. Seine zwei zukunftsweisenden Bands Funkadelic und Parliament gehörten beide zu Clintons Kosmologie, die auch galaktisch aussehende Tänzer, Kostüme und ein echtes Raumschiff auf der Bühne beinhaltete. Clinton war sein Leben lang von Science Fiction begeistert und das zeigte sich in Figuren wie Starchild (inspiriert von 2001: A Space Odyssey) und Doctor Funkenstein (der Clintons Faszination für die Klontechnologie entsprang). Weitere Inkarnationen waren z. B. Mr Wiggles, ein rappender Unterwasser-DJ, Sir Nose D’Voidoffunk, Lollipop Man und viele mehr.


2. David Bowie: Ziggy Stardust/ Aladdin Sane/ Thin White Duke


Ein anderer Künstler, der sich von den Sternen inspirieren ließ, war David Bowie. Seiner bisexuellen Alien-Glamrock-Figur Ziggy Stardust setzte er 1972 mit dem Konzeptalbum The Rise And Fall of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars ein Denkmal. Da er aber nicht bis in alle Ewigkeit mit Ziggy assoziiert werden wollte, beendete er dessen Existenz und wurde zu Aladdin Sane, einer härteren und bösartigeren Figur, zu der ihn die düstere Dekadenz Amerikas inspiriert hatte. Nur wenig später stellte Bowie seine dritte Identität vor: Der Thin White Duke war ein verrückter Aristokrat, der Ähnlichkeit mit Bowies Rolle als menschenähnliches Alien Thomas Jerome Newton im Film The Man Who Fell To Earth hatte. Mit dem Duke und dessen gelegentlich recht kontroversen Äußerungen brachte sich Bowie gelegentlich in brenzliche Situationen, verwies aber immer darauf, dass er nicht dafür verantwortlich war, was der Duke sagte.


3. XTC: The Dukes Of Stratosphear

Das Alter Ego dieser lange sträflich vernachlässigten, britischen Band war mehr aus einem Scherz entstanden als aus einer künstlerischen Vision heraus. Nachdem der Auftrag als Produzent des Mary Margaret O’Hara Abums Miss America ins Wasser gefallen war, entschieden sich XTC-Frontmann Andy Partridge und Produzent John Leckie, die gezahlte Entschädigung von Virgin in ein paar psychedelische Tracks zu investieren, die zwar aus der Feder von Partridge und Colin Moulding stammten, für XTC aber zu experimentell waren. So entstand eine geheimnisvolle neue Band namens The Dukes Of Stratosphear und ihre zwei Alben 25 O’Clock und Psonic Psunspot verkauften sich sogar besser als die unter dem Namen XTC veröffentlichten Platten. Jedes Bandmitglied erhielt ein Alias und trug ein psychedelisches Outfit. Damit war der Zirkus komplett. Viele glaubten wirklich, dass es sich um eine echte Band handelte. Die Krönung war, dass ihr Debütalbum am 1. April 1985 erschien. Für XTC waren die Dukes “die Band, in der wir als Teenager alle spielen wollten.”


4. Hank Williams: Luke The Drifter

Für viele Künstler dienten diese Tarnnamen als Spielfeld für besonders eigenwillige und vielleicht befremdliche Aktionen. Der legendäre Countrymusiker Hank Williams allerdings kreierte sein moralisierendes Alter Ego Luke The Drifter, um gute Taten zu vollbringen und weise Ratschläge zu erteilen. Seit seinem Aufstieg erwartete das Publikum, dass alle seine Platten einen typischen, einheitlichen “Hank Williams Sound” aufwiesen. Deshalb rief Williams Luke The Drifter ins Leben, der über ernstere Themen wie gesellschaftliche Probleme singen konnte, ohne Konsequenzen zu fürchten. Viele dieser “Talking Blues”-Songs enthielten nachdenkliche Geschichten und Erzählungen. Von Hank Williams’ insgesamt 150 Songs erschienen nur 14 unter dem Pseudonym Luke The Drifter und keiner davon schaffte es zu seinen Lebzeiten in die Charts.


5. David Johansen: Buster Poindexter

Es erinnerte beinahe an eine Rückbildung, als der Mann, der teilweise für den Heavy Metal-Look und Punkrock-Sound verantwortlich ist, den Schritt vom Frontmann in Frauenkleidern bei den New York Dolls zu einem modernen Catskills Loungesänger machte. Nach dem Ende der Dolls, trennte sich David Johansen auch von seinen Netzstrumpfhosen und Makeup, legte stattdessen einen Smoking an, föhnte sich die Haare und wurde zu einem leicht affektierten Loungesänger namens Buster Poindexter. Diese Neuerfindung war erstaunlich erfolgreich, was zum Teil sicherlich an seinem Cover von Hot Hot Hot lag; und an den vier nachfolgenden Platten. Nach einer Weile hatte Johansen aber genug von Buster und begann 2004 wieder Musik unter seinem eigenen Namen und mit den wieder vereinten New York Dolls zu machen.


6. Julian “Cannonball” Adderley: Buckshot La Funke

Lange bevor Prince wegen eines Disputs mit Warner Bros seinen Namen in ein unaussprechliches Symbol änderte, gingen bereits viele Jazzkünstler unter Pseudonymen ins Studio, um vertragliche Verpflichtungen zu umgehen. Viele Musiker legten sich einen Decknamen zu, um mit anderen Künstlern zusammen arbeiten zu können. Aber anders als in anderen Fällen änderten sie nicht ihren Sound. Der Altsaxophonist Julian “Cannonball” Adderley war bei Mercury Records unter Vertrag, als er unter dem Pseudonym Buckshot La Funke für ein Blue Note Projekt ins Studio ging (ein Name, der wiederum als Inspiration für ein weiteres Alter Ego-Projekt diente: Branford Marsalis Hip-Hop Jazz Gruppe Buckshot LeFonque). Und Adderley war kein Einzelfall. So trat Charlie Parker z. B. als Charlie Chan auf, der Trompeter Fats Navarro als Slim Romero, Eric Dolphy als George Lane, Antonio Carlos Jobim als Tony Brzail, usw.


7. Paul McCartney: Percy Thrillington

Nach der Veröffentlichung von Ram 1971 produzierte Paul McCartney eine Bigband Instrumental Version des gesamten Albums und brachte diese 1977 unter dem geheimnisvollen Namen Percy Thrillington heraus. Paul McCartney und seine Frau Linda erfanden diese Figur und gingen sogar noch weiter: In britischen Zeitungen platzierten sie Anzeigen zu Thrillingtons Aktivitäten und erfanden eine detaillierte Hintergrundgeschichte für den Begleittext des Albums. Paul McCartney sprach nie über die Identität von Percy Thrillington. Erst bei einer Pressekonferenz im Jahr 1989 erzählte er die Wahrheit. Auch später benutzte McCartney immer wieder Pseudonyme für seine experimentelleren Nebenprojekte wie z. B. seine Electronica-Produktionen unter dem Namen The Firemen – eine Kollaboration mit dem Produzenten Youth.


8. Prince: Camille

Princes unveröffentlichte Alben sind fast genauso berühmt wie die, die er herausgebracht hat. Der einzige Trost ist, dass  es ein Teil des archivierten Materials doch noch auf einige der offiziellen Alben geschafft hat. So war es z. B. bei Camille, dem 1986 erschienenen, selbstbetitelten Debüt einer geschlechtsunspezifischen Kunstfigur. Prince hatte bekanntermaßen nie ein Problem damit, seine Falsettstimme einzusetzen (oder seine Alter Egos wie Jamie Starr, Tora Tora und Alexander Nevermind). Für Camille allerdings nahm er den Gesang extra mit einer langsameren Geschwindigkeit auf und passte ihn dann der höheren Tonlage an, um eine weiblich klingende Stimme zu bekommen. Die meisten Tracks von Camille erschienen 1987 auf Sign O’ The Times, darunter z. B. ‘Strange Relationship’, ‘If I Was Your Girlfriend’ und dessen B-Seite ‘Shockadelica’. Die Figur Camille war auch der Motor hinter einer weiteren auf Eis gelegten Veröffentlichung, The Black Album, auf dem zwei weitere Alter Egos des Künstler auftauchen: Bob George und Spooky Electric.


9. Eminem: Slim Shady

Im Hip-Hop gibt es eine ganze Menge Alter Egos, so kann Kool Keith insgesamt 58 davon vorweisen, die er über die Jahrzehnte kreiert hat. Und Eminem startete erst so richtig durch, als 1997 auf der The Slim Shady EP und 1999 auf der The Slim Shady LP sein bösartiges Alter Ego Slim Shady die Bühne betrat. In einem Interview sagte er: “Jeder hat zwei Seiten. Slim Shady ist einfach eine wütende Seite von mir, mit der ich Dampf ablassen kann.” So schreibt Marshall Mathers über das Vatersein, Eminem predigt über die Schattenseiten des Ruhms und Slim ist die sadistische, bösartig witzige Seite mit der schnellen Zunge, die ihn berühmt und den Medien das Leben schwer gemacht hat.


10. Leon Russell: Hank Wilson

Im Laufe seiner jahrzehntelangen Karriere arbeitete Leon Russell mit allen großen Namen der Musikwelt und wechselte auf seinen Hitalben mühelos zwischen Rock’n’Roll, Blues und Gospel. Country faszinierte ihn zwar auch schon immer, aber es dauerte bis 1973, dass er unter dem Pseudonym Hank Wilson eine Sammlung von Bluegrass- und Country Standards mit dem Titel Hank Wilson’s Back! herausbrachte.


Schaut euch hier ein Leon Russel Video mit dem Song Jambalaya an und lest weiter:


Heute ist das Album wenig bekannt, aber einer der Tracks, ‘Roll In My Sweet Baby’s Arms’, schaffte es sogar in die Billboard 100. Später nahm Russell unter seinem eigenen Namen ein Country-Duettalbum mit Willie Nelson auf und kehrte dann 1984 als Hank Wilson mit dem Album Hank Wilson, Vol. II zurück. Eine dritte Collection mit Country Covern, Hank Wilson, Vol. 3: Legend In My Time, folgte 1999.


11.  Nicki Minaj: Roman Zolanski

Hip-Hop tendiert grundsätzlich dazu, sich sehr ernstzunehmen. In dieser Szene ist Nicki Minaj ein wahres Chamäleon und kreiert diverse Kunstfiguren mit Perücken, Verkleidungen und eigenen Hintergrundgeschichten. Mittlerweile gibt es sogar eine eigene Wiki-Seite, um über jede auf dem Laufenden zu bleiben. Die wichtigste (und Minajs favorisierte) Figur ist Roman Zolandski, ein exaltierter, britischer Homosexueller, der wahnsinnig schnell spricht und vor Kontroversen nicht zurückschreckt. Seine erste Performance war auf Trey Songzs Hit Bottoms Up. Ab da taucht er auch auf anderen von Minajs Hits auf, darunter z. B. Roman’s Revenge, Roman Holiday und Roman Reloaded. Seine Mutter, Martha Zolandski, ist ein weiteres von Minajs Alter Egos. Daneben gibt es noch Harajuku Barbie, Female Weezy (Lil Waynes weiblicher Gegenpart), Point Dexter und über zehn andere.


12. 2Pac: Makaveli

Was als eine Figur mit begrenzter Lebensdauer begann, wurde zu einer der berüchtigsten Verschwörungstheorien der Musikwelt. Angeblich entwickelte 2Pac eine Faszination für Niccolo Machiavelli, den Philosophen aus dem Florenz des 16. Jahrhunderts, als er dessen Werke im Gefängnis las. Deshalb legte er sich das Alter Ego Makaveli zu. Auf seinem Album All Eyez On Me betritt Makaveli zum ersten Mal die Bildfläche. Mit dem 1996, wenige Monate nach den tödlichen Schüssen auf Tupac, veröffentlichten The Don Killuminati: The 7 Day Theory wurde er unsterblich. Das provokative Album nährte in den folgenden Jahrzehnten Gerüchte, dass Pac die Schießerei in Las Vegas irgendwie überlebt und seinen Tod vorgetäuscht hatte – genauso wie Machiavelli es in seiner politischen Abhandlung The Prince angekündigt hatte.


13. Herman Blount: Sun Ra

Einige Alter Egos existieren nur für einen Auftritt, andere für ein Album oder ein paar Jahre. Aber keines kann es mit dem künstlerischen Engagement des legendären Jazzkomponisten, Keyboarders und Bandleaders Sun Ra aufnehmen, der sich tatsächlich für einen Engel vom Planeten Saturn hielt – auf und abseits der Bühne. In einer Doku sagte er: “Da ich mich selbst nicht als Teil der Menschheit verstehe, bin ich ein spirituelles Wesen.” Herman Blount wurde 1914 in Birmingham, Alabama, geboren und machte sich zunächst in Chicago als Arrangeur von Fletcher Henderson einen Namen, bevor er sich komplett neu erfand, seinen “Sklavennamen” ablegte und gegen Sun Ra eintauschte. Es dauerte nicht lange, da war aus seinen “Space Trios” die große Arkestra Band entstanden, die kreuz und quer durchs Land reiste und sogar zu einer waschechten, musikalischen Kommune mit “Ra Houses” wurde.


14. Damon Albarn: Murdoc von Gorillaz

Da sie vom Pop-Einheitsbrei auf MTV die Nase voll hatten und im Bereich Hip-Hop experimentieren wollten, erfanden Blur-Frontmann Damon Albarn und sein Mitbewohner, der Illustrator Jamie Hewlett, 1998 die animierte Band Gorillaz. Genau wie viele der anderen Künstler nutzte Albarn diese Anonymität, um Musik zu machen, die er nicht mit Blur hätte veröffentlichen können. Das Zeichentrickprojekt hatte ständig wechselnde, absonderliche “Mitglieder” und setzte sich mit der Single Clint Eastwood 2001 auch in den Charts durch.


15. Will Oldham: Bonnie “Prince” Billy

Im Laufe seiner äußerst produktiven Karriere mit bisher schon über 50 Veröffentlichungen hat Will Oldham immer wieder Pseudonyme benutzt. Mit jedem Album schraubte er ein wenig am Namen, da seiner Ansicht nach die Musik wichtiger ist als die Identität des Urhebers. Er veröffentlichte als Palace Brothers, Palace Songs, Palace Music und Palace und blieb ab 1999 bei Bonnie “Prince” Billy. Die Idee kam von Bonnie Prince Charlie, dem berühmten englischen “Thronprätendenten” aus dem 18. Jahrhundert. Das Alter Ego wurde zu einer Ikone des Indierock und repräsentiert gewissermaßen seine kommerzielle Seite. Oder, wie er es in einem Interview ausdrückte: “ein Brill Gebäude oder ein Songwriter aus Nashville, der Songs mit Strophen, Refrains und Überleitungen singt.”

Es gibt unzählige Beispiele von Alter Egos in der Musikwelt – von Don Van Vliets Captain Beefheart über Green Days The Network und Stevie Wonders Eivets Rednow. Welche findet Ihr am besten? Sagt es uns in den Kommentaren!


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Eine Nacht im Bordell: Die lieblose Hochzeit von Ike und Tina Turner

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Ike & Tina Turner
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Die Ehe von Ike und Tina Turner war durch zahlreiche Tiefpunkte geprägt. Aggression, körperliche Gewalt, Betrug: Von süßem Eheleben kann wohl kaum die Rede sein. Doch wie kam es eigentlich zu der Hochzeit? Und was zur Hölle dachte sich Ike, als er Tina in der Hochzeitsnacht in ein Bordell schleppte?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Ike & Tina Turner anhören:

Mit mehr als 100 Millionen verkauften Platten gehört Tina Turner zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ike Turner hat im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere keine 100 Millionen Platten verkauft. Stattdessen war er kokainsüchtig und hat Tina verprügelt. Dass die beiden unter diesen Umständen ein Paar waren, ist kaum zu glauben. Am 26. November 1962 gaben sich Ike und Tina sogar das Ja-Wort und heirateten. Es war der unschöne Beginn einer unschönen Ehe, die trotz aller Schwierigkeiten 14 Jahre andauerte. Doch wie kam es dazu? Wie sah der Hochzeitstag aus und wie gestaltete sich die Zeit als Ehepaar? Ein Rückblick.

Ike und Tina Turners Hochzeit: Tina hat Angst, nein zu sagen

Als sich Ike und Tina kennenlernen, ist Tina gerade einmal 17 Jahre alt. Sie sieht ihn 1956 bei einem Auftritt seiner Band Kings Of Rhythm, später tritt auch sie der Gruppe bei. Schon bald geht das Duo unter dem Namen Ike And Tina Turner Revue auf Tour. Tina steht mit ihren energiegeladenen Auftritten im Zentrum der Show. Ikes Aggression und seinen Jähzorn lernt sie zu jener Zeit bereits kennen. Dennoch entwickelt sich der sieben Jahre ältere Musiker zu einer Art Mentor für Tina und die beiden landen gemeinsam ihre ersten Hits. Als Ike ihr einen Antrag macht, weiß Tina, dass eine Hochzeit nicht die beste Idee wäre — doch sie hat Angst, nein zu sagen.

Für die Hochzeit reisen Ike und Tina ins damals schon schmucklose Tijuana hinter der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze. In dem Ort, der zu jener Zeit vor allem für seine günstigen Bordelle und Express-Hochzeiten bekannt ist, unterschreiben Ike und Tina einen Wisch in einem schmuddligen Hinterzimmer und sind fortan verheiratet. Kein „Ja, ich will“, keine Glückwünsche. Nur ein Stück Papier. „Ich hatte damals nicht viel Hochzeitserfahrung“, gibt Tina im Interview mit der britischen Daily Mail zu Protokoll. „Doch ich wusste, dass Hochzeiten irgendwie emotional und glücklich sein sollten.“ Ike hat allerdings andere Pläne für den Abend — und schleppt Tina in ein Bordell.

Eine Hochzeitsnacht im Bordell

„Man kann sich nicht vorstellen, was er für ein Mensch war“, erzählt Tina im Interview. „Ein Mann, der seine Frau gleich nach der Vermählung zu einer pornografischen Live-Sex-Show mitnimmt. Ich habe dort gesessen, ihn aus dem Augenwinkel beobachtet und mich gefragt: ‚Findet er das wirklich gut? Wie kann er nur?’ Es war alles sehr hässlich. Der männliche Darsteller war unattraktiv und scheinbar impotent, und das Mädchen … Nun, sagen wir einfach, dass das Ganze eher gynäkologisch war, weniger erotisch. Ich habe mich elend gefühlt und war den Tränen nahe, aber es gab kein Entkommen. Wir sind nicht gegangen, bis Ike fertig war — und er hatte dort viel Spaß.“

Nach der Hochzeit redet sich Tina die Ehe schön. „Am nächsten Tag habe ich vor den Leuten geprahlt“, berichtet die Sängerin. „Ich habe gesagt: ‚Ratet mal, was passiert ist! Oh, Ike hat mich mit nach Tijuana genommen, wir haben gestern geheiratet!‘ Ich habe mir eingeredet, dass ich glücklich war, und für kurze Zeit war ich es auch. Für mich hatte der Gedanke, verheiratet zu sein, eine Bedeutung. Für Ike war es eine weitere Transaktion.“ Die Ehe des Paares ist von Ikes Gewaltausbrüchen und seiner Drogensucht überschattet. Ganze 14 Jahre geht es so, bevor Tina im Jahr 1976 die Scheidung einreicht. Seit 2013 ist sie mit Musikmanager Erwin Bach verheiratet und lebt in der Schweiz.

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AC/DC, Tina Turner, Aerosmith: Die erfolgreichsten Comebacks der Musikgeschichte

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Popkultur

15 Jahre Kapitulation: Tocotronics „Statement gegen diese schreckliche Emo-Kultur“

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Tocotronic
Foto: Jakubaszek/Getty Images

Mehr Musiktheater als Musik: Mit Kapitulation legen Tocotronic 2007 den zweiten Teil ihrer Berlin-Trilogie vor. Und zementieren ihren Ruf als magische Gitarrenvisionäre der Gesellschaftstheorie.

von Björn Springorum

hier könnt ihr euch Kapitulation anhören:

Nach dem Klassiker Pure Vernunft darf niemals siegen gönnen sich Tocotronic 2006 eine Pause von sich selbst. Seit dem Debüt Digital ist besser 1995 haben sie sieben Platten veröffentlicht, ein hohes Tempo, dazu Konzerte, Festivals in halb Europa und den USA. Urlaub steht dennoch nicht Agenda für die Propheten der Hamburger Schule: Sänger und Prediger Dirk von Lowtzow, Bassist Jan Müller und der recht neue Gitarrist Rick McPhail vollenden Soloplatten, verwirklichen sich abseits der mittlerweile gefestigten Pfade von Deutschlands wichtigster Rockband.

Der ahnungsvolle Geist der Rockmusik

Diesen Ruf hat man sich mit viel harter Arbeit und unglaublicher Musik erarbeitet. Spätestens seit K.O.O.K. (1999) sind die Diskursrocker von der lauten, verzerrten Schrammelband zum ahnungsvollen Geist geworden, zu beschwörenden Gitarrenalchemisten, deren Musik eine tiefe Magie entströmt und deren Texte eher vergeistigte Mantren im Geiste eines Michel Focault sind, durchzogen von griffigen Slogans, die die Band auf zahlreiche Tattoos oder Jutebeutel gebracht hat.

2007 setzen sie im Studio Chez Chèrie in Berlin-Neukölln ihre mit Pure Vernunft darf niemals siegen begonnene Berlin-Trilogie fort – eine Hommage an David Bowie freilich, eine Verbeugung vor den ganz großen Denkern der Rockmusik. Zu denen zählen Tocotronic auch. Aus der einstigen Studi-Band mit Cordhose, Trainingsjacke und Seitenscheitel ist ein Phänomen geworden, ein gesellschaftliches Ereignis. Einige Jahrzehnte nach Ton, Steine, Scherben gibt es wieder eine deutsche Band, die weiß, wo die Wunden der Gesellschaft liegen, und zielgenau den Finger hineinlegt.

Musik gegen den Optimierungswahn

Tocotronic tun das auf Kapitulation indes keineswegs laut, markig oder aufbrausend. Konträr zur militärischen Symbolik in Albumtitel und vielen Texten nehmen die Musiker in wenigen Tagen ein Album gegen den Optimierungswahn unserer Zeit auf – live und in fiebrigen Sessions. Kapitulation als Ultima Ratio gegen Pragmatismus und Effizienz. „Kapitulation ist eine Verführung zur Geistesabwesenheit“, wird die Zeit dazu sagen. Von Lowtzow konkretisiert das 2007 in einem Interview mit der taz: „Es ist in Vergessenheit geraten, dass es einmal eine künstlerische Strategie gab, nichts zu tun. Und die möchten wir formulieren als Antithese zu diesem Leistungsimperativ, der neuerdings in dieser Gesellschaft herrscht. Das Unproduktive wird unterschätzt.“

Wie Herman Melvilles Bartleby sind auch Tocotronic im Müßiggang zuhause – bei aller gefühlten Effizienz ihrer vielen Alben und Touren mache man als Band anscheinend „nur ein Fünftel von dem, was andere machen.“ Das Mantra „Ich möchte lieber nicht“ geistert auch durch dieses Album, eine kurze griffige Geste der Entsagung. Musikalisch indes möchten sie. Und wie: Tocotronic verwandeln sich auf Kapitulation weiter in diese entrückte Rock-Band, der ein schwer fassbarer, beschwörender, kafkaesker Zauber innewohnt. Zwölf Songs, zwölf Indie-Schmuckkästchen, denen man sich auch heute nur schwer entziehen kann. Zeitlos im besten Sinne ist das, was Tocotronic hier machen, längst in einer ganz eigenen Liga und nicht nur in Deutschland einzigartig. Das hypnotische Mein Ruin, der Befehl Verschwör dich gegen dich, die zarte Antithese zu glücklichen Pärchen-Eskapismus-Balladen, Harmonie ist eine Strategie oder der wüste Ausbruch Sag alles ab, der dann natürlich mit einer Extraportion Trotz als Single ausgekoppelt wird: Hier kann man einer der schlausten Bands Deutschlands in den Kopf schauen. Musik als Unterricht.

Immer noch Punk

Da ist der Wechsel vom dichtgemachten Hamburger Indie-Label L’Age D’Or zum Major Vertigo nur konsequent: Diese Band ist längst viel zu wichtig, um sie nicht größtmöglich zu inszenieren. Punks bleiben Tocotronic im Herzen dennoch. Sie zielen gegen das System, klinken sich aus aus den Erwartungshaltungen, die man an das Individuum stellt. Zudem möchte Vordenker und Texter von Lowtzow Kapitulation auch als „Statement gegen diese schreckliche Emo-Kultur“ verstanden wissen. Gejammer gibt es bei den Hamburgern nicht. Punk ist das schon eher. Wenn auch 2007 längst nicht mehr mit Tempo, Geschwindigkeit und Schrammeleien.

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10 Songs, die jeder Hamburger kennen muss

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Popkultur

45 Jahre „Slowhand“: Eric Claptons furioses Comeback nach Heldensturz und Heroin

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Eric Clapton
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Wer ein Album mit einem Hattrick aus Cocaine, Wonderful Tonight und Lay Down Sally eröffnet, hat ein Comeback verdient: Vor 50 Jahren feuert Eric Clapton seine Karriere neu an und liefert mit Slowhand den definierenden Moment seiner Laufbahn als Solitär.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Slowhand anhören:

Das Blöde an Gitarrenhelden und musikalischen Heiligen ist ja: Sie weilen derart hoch oben in himmlischen Sphären, dass so ein Fall ganz schön tief sein kann. In den Siebzigern passiert genau das Eric Clapton. Nachdem er ab 1963 erst durch die Yardbirds, dann durch die Bluesbreakers, Cream, Blind Faith und Derek And The Dominoes zu einem der fleißigsten, besten und berühmtesten Gitarristen der Sechziger wurde, versucht er es 1970 solo. Muss ja so kommen, viel mehr kann Clapton im Bandkorsett nicht erreichen.

Heldensturz und Heroin

Die Karriere läuft einigermaßen an, wird aber von Drogen und gebrochenen Herzen torpediert. Er verfällt zu gleichen Teilen George Harrisons Frau Pattie Boyd und dem Heroin, zieht sich zurück, macht einen desolaten Auftrott bei Harrisons Concert For Bangladesh. Einer der strahlenden, mythischen Helden der Sechziger, so scheint es, wurde gestürzt. 1974 kämpft er sich aus der Dunkelheit zurück und veröffentlicht, jetzt mit Boyd an seiner Seite, sein Comeback 461 Ocean Boulevard. Der Trick: Mehr Songs, weniger Experimente.

Der Plan geht auf, doch die Nachfolgewerke There’s One in Every Crowd (1975) und No Reason To Cry (1976) sind wieder vergleichsweise ziellos und aufgebläht. Merkt er selbst und verschanzt sich mit seiner fast durchgehend US-amerikanisch besetzten Liveband im Mai 1977 in den Londoner Olympic Studios, wo sein fünftes Soloalbum Slowhand entsteht. Es soll sein definierendes Kapitel als Solitär werden. Und das hat direkt mit seinen Mitmusiker*innen zu tun: Sie bringen den originär amerikanischen Blues und Soul, dem Clapton seit Tag eins nacheifert, auf sein Album – mühelos, authentisch und mit unkompliziertem Groove. „Ich als Engländer kann mich diesem Sound nur annähern“, sagt Clapton mal dazu. „Doch die Band ist eine Tulsa-Band. Die kann gar nicht anders.“

Clapton und der Anti-Drogen-Song

Slowhand, benannt nach dem Spitznamen, den er 1964 vom Yardbird-Manager Giorgio Gormelsky bekam, beherzigt die Lektionen von 461 Ocean Boulevard, gibt sich eingängig, radiofreundlich und bleibt mit Ausnahme des Neunminüters The Core in allen Songs unter der Fünf-Minuten-Marke. Außerdem wagt Clapton deutlich mehr Eigeninitiative und packt viel weniger Cover-Songs als sonst auf die Platte. Einer wird dann aber gleich zu seinem infamen Signature-Song: Seine Interpretation von J.J. Cales Cocaine wird in Argentinien zensiert und in Folge vieler negativer Stimmen in den nächsten Jahren sehr selten live gespielt. Irgendwie konnte Eric Clapton niemanden davon überzeugen, dass wir es hier mit einem Antidrogensong zu tun haben. Na ja… „If your day is gone, and you want to ride on, cocaine – don’t forget this fact, you can’t get it back, cocaine“ klingt jetzt nicht gerade sehr kritisch.

Unaufdringlich virtuos

Was Slowhand auszeichnet, ist diese unaufdringliche Virtuosität. Clapton muss niemandem mehr etwas beweisen und macht einfach das, was er kann: Die Gitarre zum Strahlen bringen. Mit Wonderful Tonight spendiert er dem Album zudem einen seiner bekanntesten Songs – eine Ode an Pattie Boyd, inspiriert von ihrem gemeinsamen Besuch eines Paul-McCartney-Konzerts 1976. Sweet. Die dritte große Nummer nach Cocaine und Wonderful Tonight ist natürlich der Country-Kracher Lay Down Sally, den Clapton gemeinsam mit Backgroundsängerin Macy Levy und Gitarrist George Terry schreibt. Gemeinsam formen sie das Triptychon, das Slowhand eröffnet und fast eigenmächtig zum Erfolg führt.

Slowhand inszeniert eine Band, die ganz genau weiß, was sie tut. Die ganz genau weiß, dass sie starkes Material in einigen hellen Momenten im Studio eingespielt hat. Der lockeren Klasse der Songs schadet nicht mal, dass Clapton laut Produzent Glyn Johns fast durchgehend alkoholisiert war. Aufrecht erhalten kann Slowhand dieses gute Blatt jedoch nicht: Die nächsten Platten sind allesamt halbherzige Versuche. Erst mit dem von Phil Collins produzierten August (1986) geht es langsam wieder bergauf, gekrönt von MTV Unplugged (1992), das ihn endgültig konsolidierte.

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