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Popkultur

Die musikalische DNA von Snow Patrol

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Was so eine richtige Rockband ist, fängt ganz unten an. Snow Patrol können genau sagen, wann sie ihren eigenen Tiefpunkt erreichten: Kurz vor Veröffentlichung ihres dritten Albums Final Straw spielte die Band im kleinen Städtchen High Wycomb in einem Pub, der es sogar in die britische Fernsehsendung The Hardest Pubs in Britain schaffte. „Wir kommen da an und werden in den VIP-Bereich geführt – der ironischerweise genauso aussah wie der Rest. Jemand hatte ‚VIP-Bereich‘ auf die Rückseite einer Chips-Box geschrieben“, lachte Drummer Jonny Quinn in einem Interview über das folgende Desaster. „Die veranstalteten da auch Pole Dancing und ich erinnere mich noch daran, wie sie die Stangen abmontierten, damit wir Platz hatten. Der Ansager stellte uns vor mit den Worten: ‚Kommt schon, zeigt ein bisschen Begeisterung für diese Jungs – sie sind extra aus Nordirland und Schottland hergekommen!‘“


Hör hier in die musikalische DNA von Snow Patrol rein:

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Nur wenig später landeten Snow Patrol mit Run ihren ersten Hit und feierten 2006 ihren internationalen Durchbruch dank Grey’s Anatomy. Im Finale der zweiten Staffel des bahnbrechenden Krankenhaus-Dramas lief der Song Chasing Cars, der ihnen zwei Grammy-Nominierungen (als Bester Song 2006 und Bester Rock-Song 2007) einbrachte und der 2009 von der Phonographic Performance Limited als meistgespielter Song Großbritanniens des vergangenen Jahrzehnts verkündet wurde, bevor er im selben Monat beim Fernsehsender Channel 4 in einer Zuschauerabstimmung als bester Song der Nullerjahre gewählt wurde.

Nicht nur mit ihrer Hauptband, auch in anderen Bereichen können Gary Lightbody, Jonny Quinn, Nathan Connolly, Paul Wilson und Johnny McDaid punkten. Keine Frage: Snow Patrol haben zwar klein angefangen, sind aber groß rausgekommen. Ihr Erfolgsrezept? „Eine Mischung aus Melodien und Ehrlichkeit“, nennt es Frontmann Lightbody. Ehrlichkeit lässt sich nicht lernen, alles andere schon. Werfen wir also einen Blick auf die musikalische DNA der Band, um herauszufinden, welche Musik sie durch gute wie durch schlechte Zeiten begleitet und inspiriert hat.


1. Cream – Strange Brew

„Merkt euch den Namen. Und merkt euch, wo ihr ihn zuerst gelesen habt“, jubilierte das Weihnachtsbulletin an der schottischen Universität von Dundee im Dezember 1994. Welche Band gemeint war? Shrug! Nie gehört? Kein Wunder: Schon bald sollte sich das Trio, das an diesem Abend neben zehn eigenen Stücken auch Cover-Versionen von den Lemonheads, Radiohead, David Bowie, Grant Lee Buffalo und dem Blues-Helden Leadbelly spielte, umbenennen. Erst in Polar Bear, dann in Snow Patrol.

Dass nicht nur Pop-Idole wie Bowie oder Indie-Bands wie Radiohead und die Lemonheads, sondern auch Blues auf dem Programm standen, verwundert nicht weiter. Snow Patrol-Drummer Jonny Quinn ist ein erklärter Fan von Ginger Baker, dem legendären Schlagzeuger von Cream. Sogar in einer Band namens Disraeli Gears spielte Quinn zeitweise – benannt war die Kombo nach einem Cream-Album. Als veritable Supergroup sollten Eric Clapton, Jack Bruce und Baker einen monumentalen Sound etablieren, der Snow Patrol zweifelsohne geprägt hat.


2. Belle and Sebastian – The Fox in the Snow

Doch waren es auch die ruhigen Töne, denen die Band immer schon etwas abgewinnen konnte. Belle and Sebastian gehören zu den aufstrebenden Bands der Musikszene in Glasgow, als Snow Patrol bei ihrem Label Jeepster unterschrieben. Ein Jahr, bevor Snow Patrol mit ihrer EP Starfighter Pilot unter neuem Namen debütierten, landeten Belle and Sebastian mit dem zurückhaltenden Sound von Songs wie Fox in the Snow in Indie-Kreisen einen kleinen Hit. Sie wurden bekannt genug, um auch den aufstrebenden Kollegen von Snow Patrol ungewollt auf die Sprünge zu helfen: Angeblich gaben die sich gerne als Belle and Sebastian-Mitglieder aus, um sich den Eintritt in Clubs zu sparen…

Das Kollektiv um Stevie Jackson hat es ihnen offenkundig nicht übel genommen: Noch heute sind beide Bands gut befreundet und 2014 revanchierte sich Quinn sogar, indem er die Band beim Snow Patrol-Verlag Polar Patrol einen Vertrag unterschreiben ließ. Zudem halfen die Mitglieder einander immer wieder aus, wenn buchstäblich Not am Mann war – Richard Colburn beispielsweise saß auch schon bei den Kumpels auf dem Schemel. Das ist eben das Schöne an Snow Patrol: Sie sind sich selbst und ihren Wurzeln in der Independent-Szene treu geblieben.


3. Bright Eyes – You Will. You? Will. You? Will. You? Will.

Das zeigt sich ebenfalls in der Wahl der zahlreichen Coverversionen, welche die nordirisch-schottische Band im Laufe ihrer Karriere eingespielt haben. Vom schüchternen Twee-Sound Belle and Sebastians ist es nicht sehr weit zum Sadcore der Band Low, deren Song Just Like Christmas sie 2006 für die Weihnachts-Compilation Kevin & Bean’s Super Christmas des US-amerikanischen Radiosenders KROQ-FM neu einspielten. Belle and Sebastian und Low nehmen für ihre Musik gerne Folk-Elemente auf, die auch Snow Patrol keinesfalls fremd sind.

Einer der einflussreichsten Folk-Interpreten ist Conor Oberst, besser bekannt als Bright Eyes. Den Song You Will. You? Will. You? Will. You? Will. covern Snow Patrol auch noch gerne auf ihren Shows. „Ich liebe Bright Eyes, weil er einer der ehrlichsten, eloquentesten, intelligentesten Sänger ist, die ich je gehört habe“, erzählte Lightbody 2004 dem britischen Guardian. „Als ich das erste Mal das Album Lifted [Or The Story Is In The Soil, Keep Your Ear To The Ground] hörte, wollte ich heulen und die Gitarre hinschmeißen. Nach ein paar mehr Durchläufen allerdings war es eher inspirierend denn einschüchternd.“ Puh, gerade noch mal gut gegangen!


4. John Lennon – Isolation

Ja, obwohl Snow Patrol gerne als Stadion-Rock-Band abgetan werden: Im Zentrum ihrer Musik steht immer gutes und manchmal auch abenteuerliches Songwriting. Gelernt haben sie das nicht allein von ihren Kollegen und Zeitgenossen, sondern ebenso den ganz Großen. Neben Low und den Bright Eyes hat die Band auch John Lennon gecovert, genauer gesagt seinen Song Isolation vom Album Plastic Ono Band.

Die Veröffentlichung geschah natürlich ganz im Sinne des Imagine-Sängers: Zuerst war Isolation in der Snow Patrol-Version auf dem Charity-Sampler Make Some Noise und zwei Jahre später auf dem Lennon-Tribute-Album Instant Karma: The Amnesty International Campaign to Save Darfur zu hören. Kein Wunder, ist das sozialpolitische Engagement der Band bestens dokumentiert.


5. Beyoncé – Crazy In Love (feat. Jay-Z)

Wer Snow Patrol sagt, meint in der Regel einen epischen und emotionalen Rocksound. Wer allerdings von Snow Patrol redet, darf von ihrem langjährigen Produzenten Jacknife Lee nicht schweigen und auch nicht vergessen, dass einige Mitglieder der Band sich auch kräftig im Pop- und sogar Dance-Geschäft umtreiben. Wusstet ihr, dass Lightbody Just Say Yes zuerst für Nicole Scherzinger schrieb, bevor ihre Gruppe Pussycat Dolls den Song nochmals aufnahm? Snow Patrol selbst veröffentlichten ihn erst 2009 auf ihrer Anthologie Up to Now.

Als DJ-Veteran legt Lightbody tatsächlich auch gerne House oder Hip Hop auf, manchmal gemischt mit Rock. Das allein erklärt nicht nur die subtilen elektronischen Einschläge auf ihren Platten, insbesondere den vom Dance-Produzenten Lee produzierten. Sondern auch, warum sie mit About You Now und Crazy in Love sogar Stücke von den Sugababes und Beyoncé nachgespielt haben! Auch ihr Crazy In Love-Cover war auf Up to Now zu hören. Natürlich aber im Rock-Gewand – typisch Snow Patrol!


6. Nirvana – Territorial Pissings

Trotz ihrer sehr breiten Vorlieben sind Snow Patrol dem Rock immer treu geblieben. Ihre einzigartigen Laut-Leise-Dynamiken, die Songs wie Chasing Cars den notwendigen Drive verleihen, lassen schließlich nicht ohne Grund an die großen Hits der Grunge-Ära denken. Tatsächlich gehört Nirvana zu einem der Haupteinflüsse der Band. Besonders Songwriter Lightbody ist von der Band um Kurt Cobain nach wie vor begeistert.

„Als ich Nevermind hörte, explodierte mir der verfickte Kopf“, fluchte er vor Freude. „Zuerst hörte ich die erste Seite, es war eine Kassette, und mein Kumpel ging zum Essen aus und hörte sie sich während der Mittagspause an. Nach der Schule saßen wir gemeinsam im Bus und er gab mir einen Kopfhörer und Territorial Pissings lief und es war wie eine Explosion.“ Der Teilzeit-Metalhead Lightbody, der vorher vorm Spiegel zu AC/DC posiert hatte, war von da an Feuer und Flamme für Nirvana. Nevermind stellt er immer noch auf einen Thron. „Diese Platte hat alles umgehauen, deswegen sitze ich hier, wegen ihr wollte ich überhaupt in einer Band sein.“ Starke Worte!


7. Super Furry Animals – Something 4 the Weekend

Die rohe Energie von Nirvana kam wie ein warmer Regenschauer über die nordirische Einöde, in welcher Lightbody aufwuchs. Doch sie allein war nicht alles, was ihn als Songwriter prägte. „Wenn Nirvana mich dazu gebracht haben, die Gitarre aufzunehmen, dann waren es die Super Furry Animals, die mich darüber nachdenken ließen, was ich damit zum Ausdruck bringen konnte“, sagte er in einem Interview. „Ich denke, dass sie die Beatles unserer Generation sind.“ Auch das: starke Worte.

Dabei ist die walisische Psychedelic-Band nie weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus bekannt geworden. Das Quintett aus Cardiff hat aber tausende von Bands mit ihrem Einfallsreichtum und ihren wagemutigen Songwriting-Experimenten beeinflusst. Für Lightbody und seine Kollegen gehören Alben wie Fuzzy Logic, Radiator oder Guerilla zu dem Besten, was die britische Musikszene je hervorgebracht hat. „Ich prügel mich mit jedem auf der Straße, der da Einspruch erhebt!“, so Lightbody. Fordert ihn besser nicht heraus!


8. U2 – Mysterious Ways

Andere Bands waren weniger innovativ, übten aber einen noch größeren Einfluss auf die Musikgeschichte aus als die Super Furry Animals. U2 sind vielleicht der ideale Kompromiss: Ihr Sound wagte einiges, ihr Songwriting war dennoch gradlinig und belohnt wurden sie mit ewigem Ruhm. Zu ihren Fans zählen natürlich auch Snow Patrol, deren eigene Alben häufig an denen der Idole gemessen wurden. 2005 gingen sie sogar mit der irischen Band gemeinsam auf Tour, als diese mit ihrer LP How to Dismantle an Atomic Bomb die Stadien dieser Welt abklapperten.

Insbesondere U2s atemberaubende Live-Shows, die nun wirklich keine Kosten oder Mühen scheuen, haben es der nordirisch-schottischen Gruppe angetan. Dass Snow Patrol zu Protokoll gaben, gerne eine Tourdokumentation nach dem Vorbild von Rattle and Hum zu drehen, überrascht da ebenso wenig wie ihre Coverversion von Mysterious Ways von U2s Überalbum Achtung Baby. Weniger bekannt ist der Snow Patrol-Remix, den Johnny McDaid 2010 für den U2-Song Unknown Caller anfertigte. So oder so: Die Band konnte ihren Helden mehr als nah kommen.


9. Oasis – Wonderwall

Dasselbe gilt auch für eine andere Band, mit der sich Snow Patrol ständig vergleichen lassen mussten: Oasis. Was Wonderwall für die eine Generation britischer Teenager war, das sollte Anfang des dritten Jahrtausends Chasing Cars werden. Nicht selten wurde Snow Patrol deshalb der Stempel Britpop aufgedrückt, den Oasis Seite an Seite mit Bands wie Blur geprägt hatten. Gestört hat es Lightbody, McDaid, Quinn sowie ihre Mitstreiter Nathan Connolly und Paul Wilson anscheinend nie.

2009 durften sie sogar einspringen, als Oasis ihren Gig beim V Festival im englischen Chelmsford wegen einer Erkrankung Liam Gallaghers absagen mussten. „Die großen Oasis sollten jetzt hier stehen“, rief Lightbody den enttäuschten Fans zu und bat sie, den Ersatz doch bitte nicht auszubuhen. Typisch britisch! Als Trostpflaster spielten Snow Patrol in ihrer Zugabe gleich zwei Oasis-Klassiker, Wonderwall und Champagne Supernova. Wer hätte da noch zu buhen gewagt? Mitsingen war angesagt!


10. Foy Vance – Guiding Light (feat. Ed Sheeran)

Kritischer wird für eingefleischte Snow Patrol-Fans schon die Tatsache sein, dass McDaid Ed Sheeran zu seinen engsten Vertrauten zählt. Rockstars und Pop-Größen, das passt doch meistens nicht zusammen! Nun, die beiden schert es offensichtlich nicht. Im Gegenteil: Sie kommen bestens miteinander klar und das allein ist alles, was zählt.

So gut sind die Songwriting-Partner befreundet, dass sie sogar dasselbe Tattoo haben. Dazu gibt es eine rührende Geschichte: Der ursprünglich von Foy Vance verfasste Song Guiding Light, aus dem der auf Irisch übertragene Spruch „Nuair is gá dom filleadh abhaile, is tú mo réalt eolais“ („Wenn ich nach Hause muss, bist du mein führendes Licht“) stammt, wurde von McDaid und Sheeran für John McDaid senior neu eingespielt. Der Legende nach hat die McDaid-Familie das Stück dem kranken Vater auf dem Sterbebett vorgespielt. Nicht nur die Musik von Snow Patrol schafft Verbindungen.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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Popkultur

40 Jahre „I Can’t Stand Still“: Don Henleys Erste nach den Eagles

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Don Henley
Foto: Pete Cronin/Getty Images

Vor 40 Jahren veröffentlicht Don Henley sein erstes Album ohne die Eagles. I Can’t Stand Still zeigt ihm auf dem Cover neben einem Toaster am Küchentisch. Inhaltlich ist es eine knackige Abrechnung.

von Björn Springorum

Man darf sich zurecht fragen, was es mit einem macht, wenn man in der erfolgreichen US-amerikanischen Rockband aller Zeiten spielt. Wenn man die meisten ihrer Hits im Tandem mit Glenn Frey schreibt und Songs wie Hotel California auch noch selbst singt. Für Don Henley ist nach neun Jahren Eagles klar: Man macht Musik. Was denn sonst? Die Band bricht nach den schwierigen Aufnahmen zu The Long Run und einer kräftezehrenden Tour auseinander, neun Jahre Vollgas, Drogen und Weltruhm gehen eben nicht spurlos an einem vorüber.

Zwischen 1971 und 1980 ist Henley nur im Bandverbund aktiv, ins neue Jahrzehnt startet er als Solitär. Nun, nicht ganz, Henley, mittlerweile 33, ist gerade mit Stevie Nicks liiert, gemeinsam veröffentlichen die beiden 1981 Leather And Lace, ein ordentlicher Erfolg, der Don Henley auch eines zeigt: Es kann eben auch ohne die Eagles funktionieren.

Ganz allein geht es dann doch nicht

Eines wird ihm aber auch bewusst: So ganz allein wird das auch nichts. Also tut er sich mit dem Produzenten und Komponisten Danny Kortchmar zusammen, ein renommierter Starmacher, kaum älter als Henley und fast im Alleingang für den archetypischen Singer/Songwriter-Sound der Siebziger verantwortlich. Carly Simon, James Taylor, Carole King, Graham Nash oder Neil Young, alle arbeiteten schon mit ihm.

Für Don Henley wird Kortchmar nicht nur ein Produzent, sondern gleich ein Bandkollege. Gemeinsam arbeiten sie zwischen Januar und Mai 1982 an I Can’t Stand Still, einem Werk, das als Verlängerung der Eagles angesehen werden kann. Und auch wenn es kein Wunder ist, dass das Album so kurz nach dem Absturz der Adler noch das Echo seiner Vergangenheit in sich herumträgt: Schon vor 40 Jahren legt er die Saat für eine ebenso produktive wie beeindruckende Solokarriere.

Feldzug gegen die Medien

Musikalisch gibt es das, was Fans damals von ihm erwarten, stark unterstrichen von Keyboards, Synthesizern oder weiteren nicht ganz unbekannten Gästen wie Steve Lukather (Toto), Joe Walsh (sein alter Eagles-Kumpan) oder Bass-Titan Bob Glaub; lyrisch hingegen dreht Henley ordentlich auf. Deutlich mehr als bei den Eagles macht er seiner Desillusionierung Luft, singt in Dirty Laundry gegen die Oberflächlichkeit und Sensationsgeilheit der Medien an und landet damit gleich seinen ersten dicken Solohit. Pikant: Henley nutzt auch autobiografische Details für den Song und spielt auf die Berichterstattung rund um seine eigene Festnahme 1980 an, als man eine unter Drogen stehende 16-Jährige bei ihm zuhause in Los Angeles aufgriff. Also, welche damalige Zeitung da nicht groß berichten würde…

Springsteen spielt auf seiner Hochzeit

Ist aber nicht alles: Johnny Can’t Read geht mit dem desolaten Zustand des US-amerikanischen Bildungssystems hart ins Gericht, im Titeltrack thematisiert er recht trocken und ohne Melodrama Beziehungsprobleme. I Can’t Stand Still mag deswegen weniger eine musikalische Überraschung sein. Wohl aber eine inhaltliche, die den großen Rockstar plötzlich als kritischen Beobachter der Gesellschaft ausweist.

Geplant oder nicht: 1982 legt Don Henley eine Solokarriere, die auf Building The Beast (1984) merklich in Gang kommt und bis Cass County (2015) bislang fünf Soloalben und Evergreens wie The Boys Of Summer hervorgebracht hat. Hinter Ringo Starr, Phil Collins und Dave Grohl gilt er außerdem als viertreichster Drummer der Welt. Man kann es auch so ausdrücken: Wenn auf deiner Hochzeit unter anderem Bruce Springsteen, Sting, Shreyl Crow und Tony Bennett auftreten, dann hast du das eine oder andere richtig gemacht.

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Das Ende der Unschuld: Die Geschichte von „Hotel California“

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