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Popkultur

Die musikalische DNA von The Carpenters

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Richard und Karen Carpenter

Es gibt eigentlich nur drei Sorten von Bands: Solche die Hotelzimmer kaputtmachen, solche die selbst kaputt gehen und solche, auf die beides zutrifft. Kaum zu glauben, dass selbst das Geschwisterpaar Carpenter in eine diese Kategorie, namentlich die zweite, fällt. Denn die Geschichte von Richard und Karen Carpenter ist nicht nur eine von Welterfolgen und großen musikalischen Momenten, sondern auch vielen persönlichen Tiefs. Karens Tod nach ihrer langjährigen Magersucht im Jahr im Februar 1983 markierte das Ende einer Ära. Ihr Bruder, selbst über lange Zeit von den Dämonen seiner Drogensucht heimgesucht, sollte das Ableben seiner Schwester schwer treffen.


Hört euch hier die musikalische DNA von The Carpenters als Playlist an und lest weiter:

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Nein, bei den Carpenters war nicht alles so harmonisch wie es klang oder aussah. Selbst Lester Bangs, der berühmteste aller Rockjournalisten, machte dem Duo unerwartete Zugeständnisse. Die beiden Geschwister würden viel konservativer wirken, als sie es eigentlich seien, schrieb der Rolling Stone-Autor. Er hatte – wie so oft – Recht. Wusstet ihr, dass der Carpenters-Hit Mr. Guder eine Abrechnung mit einem Disneyland-Manager desselben Namens ist? Der hatte die beiden hochkant rausgeschmissen, als sie während eines Engagements zeitgenössische Pop-Musik statt wie gefordert olle Kamellen für ihr Publikum spielten. Dem gefiel das zwar, nur eben der Parkleitung nicht.

Aber so waren die Carpenters nun mal: Sie wollten der Welt lieber etwas Gutes tun. Oft hieß das, dass die beiden alten Songs ein völlig anderes Gewand anzogen. Mit Richards genialem Talent für Arrangements und Karens ebenso sanfter wie eindringlicher Stimme holten sie das allerbeste aus einer Vielzahl von Fremdkompositionen heraus. Den Song Goodbye To Love schrieb Richard sogar in Anlehnung an einen Bing Crosby-Film, in welchem die Hauptfigur mit dem Erfolg eines Stücks mit eben jenem Titel hadert, welches aber im Film nicht zu hören war. Also schrieb Richard ihn kurzerhand selbst. Was das talentierte Geschwisterpaar außerdem inspirierte, erfahren wir mit Blick auf ihre musikalische DNA.


1. Sergei Rachmaninoff – Liebesleid

Richard Carpenter ist ein Meister an den Tasteninstrumenten und ein genialer Arrangeur. Sein Handwerk hat er von der Pieke auf gelernt. Tschaikowski, Red Nichols, Spike Jones und Sergei Rechmaninoff standen bei dem Knirps auf dem Lehrplan, während sich seine Schwester als Tänzerin im Ballett umtrieb.

Mit Rachmaninoff versuchte er schon früh einen der schwierigsten Komponisten überhaupt zu meistern. Die Kompositionen des russischen Spätromantikers gelten als extrem komplex. Kein Problem für Richard, der noch später in seiner Karriere das Warsaw Concerto von Richard Addinsell, welches wiederum auf den Arbeiten Rachmaninoffs basierte, live interpretieren sollte.


2. Les Paul & Mary Ford – How High The Moon

Die Geschwister Karen und Richard pflegten von Kindesbeinen an ein enges Verhältnis und tauschten sich auch bald rege über Musik aus. Insbesondere die Hits von Les Paul und Mary Ford hatten es ihnen angetan. Nachdem Richard im Alter von neun frustriert seinen Klavierunterricht schmiss, brachte er sich das Spielen nach Gehör bei und nahm erst wieder mit elf Jahren den Unterricht auf, bevor er mit 14 zur Yale School of Music zugelassen wurde.

Von Paul und Ford lernten die beiden, mit Overdubs zu arbeiten und ihre Gesangsspuren nach dem Einsingen im Studio zusammenzuführen. Insbesondere Karen stach als Sängerin hervor und wurde als „One-Take-Wonder“ bezeichnet, weil sie gewöhnlich nur einen einzigen Versuch für den perfekten Lauf brauchte. So konnte das ungleiche Geschwisterpaar sein Talent bündeln – Les Paul und Mary Ford hatten es vorgemacht!


3. The Beatles – Ticket To Ride

Die erste Geige oder besser gesagt die ersten Tasten spielte aber stets Richard. 1963 zog die Carpenter-Familie sogar nach Downey, Los Angeles, um ihm bessere Aufstiegschancen im Musikbusiness zu ermöglichen. Zunächst aber musste der Jungspund auf Ochsentour gehen und bei Hochzeiten oder in der Kirche die Orgel bedienen. Auch das war dem rebellischen Teenager jedoch zu langweilig. Nicht selten spielte er neu arrangierte Beatles-Stücke statt langweiliger Messelieder!

So vermutlich kam es dazu, dass die Carpenters auf ihrem Debütalbum eine ungewöhnliche Cover-Version von Ticket To Ride von den Pilzköpfen präsentierten. Aus dem hymnischen Beat-Stück war plötzlich eine einfühlsame, getragene Ballade geworden! Es sollte die Durchbruchssingle der Geschwister werden und sogar ihre erste LP konnte sich nach einer Umbenennung in Ticket To Ride besser verkaufen als zuvor. Wenn das der Pastor wüsste!


4. Dave Brubeck Quartet – Take Five

Das Talent Richards an den Tasteninstrumenten und seine Fähigkeiten als Arrangeur machten aber immer nur die eine Hälfte der Carpenters-Magie aus. Die andere wurde von Karen beigesteuert, die dem Duo weit mehr als nur ihre Stimme lieh. Schon in High-School-Zeiten fand die junge Musikerin heraus, dass ihre Talente am besten auf dem Schlagzeugschemel aufgehoben waren.

1964 investierten die Eltern in ihre Fähigkeiten und kauften ihr ein Ludwig-Schlagzeug, nachdem sie ein ebenfalls trommelnder Freund dazu bewegt hatte. Karen dankte es ihnen, indem sie sich schon bald einen Namen als Jazz-Drummerin machte. Ihre zweifellos größte Inspiration war das Dave Brubeck Quartet, deren Songs wie Take Five sie trotz ihrer Komplexität mit verblüffender Leichtigkeit zu meistern wusste. Sogar ihr Set-Up orientierte sich an dem von Brubecks Drummer Joe Morello.


5. Frank Sinatra – Girl From Ipanema

Der Jazz war es auch, der für Karen und Richard den Ausgangspunkt ihres ersten ernsteren Unterfangens bedeutete. 1965 gründeten sie gemeinsam mit dem Klassenkameraden Wes Jacobs das Richard Carpenter Trio, bei dem sie erstmals mit den Aufnahmetechniken experimentierten, für welche die Carpenters wenig später berühmt werden sollten. Auch spielten sie fleißig Konzerte und erprobten so ihre Bühnenfähigkeiten. 1966 ging es für das Trio sogar auf die Bretter des weltbekannten Hollywood Bowl, wo sie mit einer eigenen Komposition sowie einer Interpretation des Bossa Nova-Standards Girl From Ipanema aus der Feder von Antônio Carlos Jobim auftraten. Girl From Ipanema ist wohl am bekanntesten in seiner Interpretation durch Frank „Ol’ Blue Eyes“ Sinatra.

Das Richard Carpenter Trio sollte Erfolg haben und den „Battle Of The Bands“-Wettbewerb im Hollywood Bowl gewinnen, was sogleich mit ihrem ersten Plattenvertrag belohnt wurde. Unter ihren ersten Aufnahmen fanden sich auch Interpretationen von Beatles-Songs (Every Little Thing) und, na klar, Frank Sinatra (Strangers In The Night). Nur dem Label gefiel das nicht und schon war die Karriere des aufstrebenden Trios wieder vorbei…


6. Dionne Warwick – (They Long To Be) Close To You

Sei’s drum, die Carpenters haben es ja trotzdem geschafft. Durchschlagen konnten sie sich nämlich bestens. Ihre größten Hits stammten indes zumeist nicht aus eigener Feder. Stattdessen vermochten es Karen und Richard, unerfolgreichen Songs ein neues Leben einzuhauchen und die Originale zu übertrumpfen. Oder an wen denkt ihr bei den Zeilen „Why do birds suddenly appear / ev’ry time you are near“? Na klar, die Carpenters.

Geschrieben hat den Song (They Long To Be) Close To You allerdings ein anderer: Burt Bacharach. Die gemeinsame Komposition mit Hal David wurde zuerst von Richard Chamberlain mit mäßigem Erfolg eingesungen, bevor Dionne Warwick das Stück bekannt machte. Zum Welterfolg allerdings brachten es erst die Carpenters 1970 mit ihrer Interpretation. Sie hauchten dem Stück das gewisse Etwas ein. Insbesondere Karen natürlich, die darauf eine ihrer besten Gesangsleistungen ablieferte.


7. Joe Cocker – Superstar (Live At The Fillmore East 1970)

Zeit ihrer Karriere bewiesen die Carpenters ein unvergleichliches Gespür für das ungenutzte Potenzial, das in fremden Kompositionen schlummerte. Mit Superstar von Bonnie Bramlett und Leon Russell allerdings hatten sie sich ordentlich etwas vorgenommen: Zuerst erschien der Song nämlich auf dem Live-Album Mad Dogs & Englishmen von Joe Cocker, gesungen wurde er dort von Rita Coolidge. Eine ganz schöne Herausforderung!

Die Carpenters aber meisterten sie. Ein paar Kompromisse mussten sie dennoch machen. Nicht nur klang der Song als solcher glatter, auch die Lyrics mussten sie ändern: Aus „I can hardly wait to sleep with you again“ machten sie „I can hardly wait to be with you again“. Aus ihrem Saubermann-Image war eben kein Ausbrechen. Das wurde ihnen beiden zum Verhängnis.


8. Ella Fitzgerald – My Funny Valentine

Unter der heilen Fassade des erfolgreichen Geschwisterpaars nämlich brodelte es schon lange. 1979 ließ sich Richard schließlich wegen seiner Drogenabhängigkeit einweisen. Seine Schwester stritt derweil ab, an Magersucht zu leiden und verweigerte jede Behandlung. Da ihr Bruder sich eine Pause gönnte, um neue Kraft zu sammeln und seine Dämonen ein für alle Mal zu verbannen, wollte Karen die Zeit lieber für ihr erstes Solo-Album nutzen. Es sollte ihr einziges werden und in einem kreativen Desaster enden. Erst 13 Jahre nach ihrem Tod erschien die Platte, deren Produktion fast eine halbe Million Dollar verschlungen hatte.

Während sich Richard langsam wieder ans Spotlight annäherte, ging es mit Karens Gesundheit Anfang der achtziger Jahre rapide bergab. Einer ihrer letzten Karrierehöhepunkte war ein gemeinsames Medley mit Ella Fitzgerald im Rahmen des Carpenters-TV-Specials Music, Music, Music im Jahr 1980. Gemeinsam sangen die beiden ein unvergessliches Duett mit vielen Klassikern und Standards aus Fitzgeralds Repertoire wie etwa My Funny Valentine.


9. Dusty Springfield – Son Of A Preacher Man

Bis heute kümmert sich Richard um das Erbe seiner 1983 an den Folgen ihrer Magersucht verstorbenen Schwester. Leicht werden ihm aber weder die Verwaltung des Nachlasses noch die ersten Schritte als Solo-Künstler nach Karens Tod gefallen sein. Mit Karen ging nicht nur seine Schwester und engste Vertraute, sondern auch seine beste musikalische Partnerin. Die beiden hatten sich ergänzt wie sonst kaum jemand. Das ließ sich nicht ersetzen.

Als Richard vier Jahre später mit seinem ersten Solo-Album zurückkehrte, fanden sich darauf viele Gastsängerinnen, doch die Carpenters-Magie fehlte. Neben einem Stück mit Dionne Warwick allerdings stach zumindest Something In Your Eyes heraus, der gemeinsame Song mit Dusty Springfield. Obwohl Springfields ungleich rauchigere Stimme nicht an Karens herankam: So ging es auch.


10. Sonic Youth – Tunic (Song For Karen)

Den Carpenter-Geschwistern wurde ihre Karriere über ein Image aufgezwängt, unter deren Last sie letztlich zerbrochen sind. Dabei hatten sie sich doch, wie wir gesehen haben, oft genug die Konventionen aufgelehnt. Das erkannten Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre sogar Bands aus der US-Indie Rock-Szene, die dem Duo 1994 mit der Compilation If I Were A Carpenter ein Denkmal setzten.

Neben Shonen Knife, den 4 Non Blondes und der irischen Band The Cranberries waren auch Sonic Youth mit einem Stück vertreten. Es war nicht das erste Mal, dass sie Karen Carpenter ihren Tribut zollten: Tunic (Song For Karen) vom 1990 erschienenen Album Goo war der Sängerin gewidmet. Was die wohl zu dem krachigen Sechs-Minuten-Song gesagt hätte? Wir werden es leider nie erfahren…


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Popkultur

„I Am The Greatest“: Wie Muhammad Ali den Rap miterfand

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Foto: Len Trievnor /Getty Images

Vor wenigen Tagen hätte Muhammad Ali seinen 80. Geburtstag gefeiert. 1963, noch als Cassius Clay, veröffentlicht er das Spoken-Word-Album I Am The Greatest und nimmt darauf viel von dem vorweg, was in den Siebzigern in New York als Rap entstehen sollte.

von Björn Springorum

Im August 1963 ist Cassius Clay noch weit von der Boxlegende entfernt, die er auf ewig bleiben wird. Dennoch hat er sich einen Namen als junger Boxer mit einer Menge Talent gemacht: Zwischen seinem professionellen Debüt im Oktober 1960 und August 1963 kann er in 19 Kämpfen 19 Siege einfahren – 15 davon durch Knockout.

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Als beliebt kann man Clay damals nicht unbedingt bezeichnen. In all seinen Kämpfen macht er sich über seine Gegner lustig, bezeichnet den ehrwürdigen Madison Square Garden als „zu klein für mich“ und etabliert den Trash-Talk im Sport, der später vor allem im Wrestling zum Nonplusultra gehören wird. Die ganze Zeit über ist ihm klar: Wer eine große Klappe hat, muss auch liefern.

Das hat er vor. Im Februar 1964 steht die Weltmeisterschaft im Schwergewicht an, Cassius Clay wird gegen Sonny Liston antreten. Liston, gute zehn Jahre älter als Clay, ist ein gefürchteter Boxer mit krimineller Vergangenheit und engen Beziehungen zur Mafia. Und Clay? Hat im August 1963 keine bessere Idee als seinen Trash-Talk in Albumform zu veröffentlichen.

Rap-Pionier mit großer Klappe

I Am The Greatest ist im Grunde ein absurdes Album. Aufgenommen live vor einem 200 Kopf starken Publikum bei Columbia Records in New York, glorifiziert sich Cassius Clay nach allen Regeln der Kunst, teilt gegen seine bisherigen Gegner aus und provoziert seinen Gegner Sonny Liston. All das, so darf man durchaus bewundernd sagen, geschieht so eloquent, timingsicher und pointiert als wäre Clay kein 21-jähriger Box-Hitzkopf sondern ein versierter Stand-Up-Comedian.

Aufgeteilt in acht Runden, liefert Clay mit I Am The Greatest allerdings nicht nur eine unterhaltsame Spoken-Word-Abrechnung. Sondern einen frühen Vorläufer von Hip-Hop oder Battle-Rap. Clays Flow ist weniger Rezitation als Rap, funky Sprechgesang in einer sehr frühen Form, durchzogen von Themen, die bis heute allgegenwärtig im Hip-Hop sind: Die eigene Größe, Konkurrenz, das Dissen von allen und jedem, Selbstüberschätzung und gesellschaftlicher Kommentar.

Überlebensgroß

Wenige Hip-Hop-Größen sind frei von Clays Einfluss. Denn selbst wenn sie für seine legendärsten Kämpfe zu jung waren, kommt in den Siebzigern niemand an Clay/Ali vorbei: Wiederholungen seiner Kämpfe, Rollen in Comics, Dokumentationen – der Einfluss des Boxers ist überlebensgroß. „Ohne Muhammad Ali gäbe es kein Mama Said Knock You Out“, so sagte LL Cool J mal über sein viertes Album bei Def Jam. Man schaue sich zudem nur mal den Titel von Runde fünf des Albums an, Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. Ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man hier eine Inspiration für Eminems Will The Real Slim Shady Please Stand Up erkennen möchte.

Nach Clays Sieg gegen Liston veröffentlicht Columbia die Single mit den Tracks I Am The Greatest und Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. In der allgemeinen Box-Euphorie des Jahres wird die Single zum Dauerbrenner und Gesprächsthema. Man bringt ihn sogar dazu, ein solides Cover von Ben E. Kings Song Stand By Me aufzunehmen, um seine Popularität noch weiter auszuschlachten.

Zusammenarbeit mit Frank Sinatra

Klar, danach ging es mit seinem Ruf für weite Teile der USA den Bach runter, als er sich seinem Einzug nach Vietnam widersetzt und unter seinem neuen Namen Muhammad Ali zum Islam konvertiert; 1976 gibt es dennoch ein Comeback von ihm in Albumform. Unter dem bizarren Namen The Adventures Of Ali And His Gang Vs. Mr. Tooth Decay veröffentlicht Muhammad Ali ein mindestens ebenso bizarres Album über Mundhygiene, mit dem Kinder zu mehr Zahnpflege gebracht werden sollen.

Und das ist noch nicht alles: Neben vielen weiteren Persönlichkeiten aus der Welt des Sports und des Entertainment taucht auch Frank Sinatra als Sprecher eines Ladenbesitzers auf dem Album auf. Was zur Hölle da passiert war? Wissen wir auch nicht, aber das Album bekommt 1977 doch tatsächlich eine Grammy-Nominierung… das kann sonst auch kein Boxer von sich behaupten.

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Haben Led Zeppelin jemals in Wheaton gespielt?

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Titelfoto: Chris Walter/WireImage/Getty Images

„"Der Legende nach sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 ein Konzert in Wheaton (Maryland) gegeben haben. Gerade einmal 55 Menschen könnten bestätigen, dass die Show wirklich stattgefunden hat, denn so klein soll das Publikum an jenem Abend gewesen sein. Ein paar Dinge bleiben allerdings bis heute mysteriös …

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch das Debüt von Led Zeppelin anhören:

Als Led Zeppelin Ende Dezember 1968 in die Vereinigten Staaten reisen, um ihre erste Tour auf amerikanischem Boden zu absolvieren, stehen den Briten große Dinge bevor. So tritt die Band im Rahmen ihrer ersten US-Tour nicht nur mehrfach im legendären Whisky A Go Go in Los Angeles auf sowie im fast genauso legendären Fillmore West in San Francisco. Nein, Led Zeppelin veröffentlichen am 12. Januar 1969 auch ihr Debütalbum in den US. Etwa eine Woche später ereignet sich in Maryland eine kuriose Geschichte. Das heißt … Ereignet sie sich wirklich?

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Eine Show ohne Beweise

Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Detroit sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 in einem Jugendzentrum in Wheaton spielen. Gerade einmal 55 Leute tauchen auf; das kleinste Publikum in der Karriere der Band. So lautet zumindest die Legende, denn physische Beweise für die Show gibt es nicht. Keine Eintrittskarten, keine Plakate, keine Fotos: Es ist, als hätte das Konzert nie stattgefunden. Die Musiker selbst sind nach weit mehr als 600 Konzerten wahrscheinlich froh, wenn sie sich an die Meilensteine erinnern. Gibt es denn gar keine Indizien? Doch, die gibt es.

„Ich kann mich absolut nicht daran erinnern.“

Ruft man die offizielle Website von Led Zeppelin auf, findet man dort eine „Concert Timeline“. In dem Archiv ist auch der Auftritt im „Wheaton Youth Center“ hinterlegt, allerdings mit dem Vermerk „unbestätigtes Gerücht“. Scrollt man auf der Website ein wenig herunter, findet man die Kommentarspalte. Ein Nutzer namens Gary schreibt dort: „Ich bin hinter dem Wheaton Youth Center aufgewachsen, habe dort als Teenager rumgehangen und Billard gespielt, aber ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass Led Zeppelin dort gespielt hätten. Ich habe auch noch nie gehört, dass dort irgendjemand über Led Zeppelin gesprochen hätte.“

„Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an das Konzert.“

Damit scheint die Frage geklärt. Oder? Ein anderer Nutzer namens Len Jaffe glaubt, sich an das Konzert zu erinnern: „Ich habe damals als Angestellter bei Joe Goldberg’s Variety Records in der Nähe vom Wheaton Plaza gearbeitet. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an dieses Konzert. Ich bin eines Abends nach der Arbeit im Wheaton Youth Center gewesen, um The Small Faces mit … Rod Stewart zu sehen! Vielleicht war ich auch bei der Led-Zep-Show, aber ich würde nicht darauf schwören.“

Iggy Pop und Erdnussbutter

Eine weitere Spur führt zu Sharon Ward Ellis, die das Jugendzentrum früher leitete. Laut Washington Post könne sie sich zwar daran erinnern, dass sie Iggy Pop dazu aufgefordert habe, sich während seiner Show im Wheaton Youth Centre keine Erdnussbutter auf die Brust zu schmieren. An ein Konzert von Led Zeppelin könne sie sich aber nicht erinnern.

Ruth Lynn Youngwirth, eine regelmäßige Besucherin des Jugendzentrums in Wheaton, habe laut Washington Post ein Sammelalbum hervorgekramt, in dem sie einige Konzerte zwischen 1967 und 1972 dokumentiert habe. Der Led-Zeppelin-Auftritt käme darin nicht vor. „Wenn sie hier waren, erinnere ich mich nicht daran“, so Youngwirth.

„Die meisten Geschichten ergeben Sinn.“

Zuversichtlicher ist Jeff Krulik, der Macher des Films Led Zeppelin Played Here (2013), in dem er sich der Frage widmet, ob das Konzert nun stattgefunden hat oder nicht. Für die Dokumentation sammelte er viele Erinnerungen von Anwohnern sowie Fans, die denken, dass das Konzert stattgefunden hat, und kommt laut dem US-Radiosender WAMU zu dem Schluss: „Die meisten Geschichten ergeben Sinn“, kommentiert der Regisseur seine Recherche. Einige Zuschauer:innen hätten ihm erzählt, Led Zeppelin seien wegen der Akustik und des kleinen Publikums frustriert gewesen. Das höre sich für ihn glaubhaft an, denn am Abend vorher hätte die Band in Detroit gespielt und somit 600 Kilometer Fahrt hinter sich gehabt.

Auch in Zukunft ein Rock’n’Roll-Mythos

Ob Led Zeppelin am 20. Januar 1969 wirklich in Wheaton vor nur 55 Zuschauer*innen aufgetreten sind, wird sich wohl nicht mehr abschließend klären lassen, sofern mehr als 50 Jahre später nicht doch noch ein physischer Beweis für die Show auftaucht. Bis dahin werden wir uns damit abfinden müssen, dass die Lage unklar ist — und dass die Antwort auf die Frage, ob Led Zeppelin dort gespielt haben, vor allem davon abhängt, wen man fragt.

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Zeitsprung: Am 9.1.1944 kommt Jimmy Page von Led Zeppelin zur Welt.

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Zeitsprung: Ab 25.1.2000 erklärt uns Britney Spears die Halbleiterphysik. Quasi.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.1.2000.

von Christof Leim

Britney Spears taucht hier bei uDiscover ja eher selten auf. Richtig so, wie der abgeneigte Rocker sicher gerne bestätigt. Wir würden auch nie öffentlich zugeben, dass es von der Dame vielleicht sogar ein oder zwei ganz nette Liedchen gibt. Die hat übrigens oft ein schwedischer Hard Rocker namens Max Martin geschrieben, aber das ist eine andere Geschichte. (Und das mit den „netten Liedchen“ muss unter uns bleiben.) Frau Spears jedenfalls taugt für die meisten Freunde der geschmackssicheren Klassiker höchstens als schlechtes Beispiel. Oder eben als Erklärhilfe für die Wunder der Halbleiterphysik. Bitte was?

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Hört hier die besten Songs von Britney Spears. Wenn ihr euch traut.

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ja, richtig gelesen: Halbleiterphysik. Wie wir alle wissen, sind Halbleiter Festkörper, deren Leitfähigkeit zwischen der von elektrischen Leitern und Nichtleitern liegt. Damit kann man dann Computerchips und CD-Player bauen, vermutlich sogar einen Flux-Kompensator oder den Todesstern. Allerdings muss man dazu erstmal verstehen, wie sich diese lustigen kleinen Dinger gefügig machen lassen. Um das zu erklären, hat der Doktorand Carl Hepburn von der Universität Essex am 25. Januar 2000 eine spezielle Website registriert: Britney’s Guide To Semi-Conductor Physics.

Neben Bildchen und Songtexten der Sängerin findet sich hier eine Enthüllung: „Nicht viele Leute wissen, dass Britney Spears eine Expertin im Gebiet der Halbleiterphysik ist. Weil sie mehr tun will als nur zu singen und zu schauspielern, wird sie euch auf den nächsten Seiten durch die Grundlagen führen, die es möglich gemacht haben, ihre tolle Musik in digitalem Format zu hören.“

Die Physik der Halbleiter: Jetzt ist plötzlich alles klar! – Quelle: www.britneyspears.ac

Es folgen Erklärungen zu Quantentöpfen, Zustandsdichten und der Schrödinger-Gleichung. (Ja, das ist der mit der toten Katze. Oder doch nicht tot. Weiß man ja nicht.) All das wird garniert mit Fotos der Sängerin. Und manchmal kombiniert Hepburn die beiden Welten sogar für seine Erklärungen: Einmal folgt der Kragen von Britneys Oberteil einer Parabel, die das Leitungsband von Elektronen in einem Halbleiter beschreibt (fragt nicht), ein andermal beschreiben ihre Beine Energieniveau einer Quantenbarriere (ernsthaft, fragt nicht, zumindest nicht uns). Es gibt sogar ein “Lip-Glossar der Halbleiterphysik”. Insgesamt geht es wissenschaftlich richtig derbe zur Sache, wobei immerhin der schöne Satz fällt: “Diamonds might be a girl’s best friend, but their crystalline structure is closely related to the zincblende structure“. Wie poetisch… zumindest für Sheldon Cooper.

Irgendwas mit Energieniveaus – Quelle: www.britneyspears.ac

Kein Wunder also, dass die versteckten Qualitäten von Miss Spears durch die Nachrichten gehen. So greifen MTV und die BBC die Sache auf, das Fachmagazin Scientific American schreibt: „Hier findet einer der sonderbarsten Ansätze der letzten Zeit, Wissenschaft zu vermitteln, statt. Und es handelt sich ganz sicher um die einzige Website, die Promofotos und haarige Gleichungen verbindet, und zwar in einer einzigartigen Mischung aus Physik und ‚Physique‘“.

Carl Hepburn selbst schreibt auf der Seite seiner Universität: „Ich habe Britney Spears genutzt, um zu zeigen, dass Physik auch Spaß macht. Die meisten der benutzten Bilder von Britney haben irgendwie mit Physik zu tun.“

Ein Stellungnahme von Frau Prof. Spears liegt nicht vor.


Zeitsprung: Am 16.8.1958 kommt die „Queen Of Pop“ Madonna zur Welt.

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