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Popkultur

Die musikalische DNA von The Carpenters

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Richard und Karen Carpenter

Es gibt eigentlich nur drei Sorten von Bands: Solche die Hotelzimmer kaputtmachen, solche die selbst kaputt gehen und solche, auf die beides zutrifft. Kaum zu glauben, dass selbst das Geschwisterpaar Carpenter in eine diese Kategorie, namentlich die zweite, fällt. Denn die Geschichte von Richard und Karen Carpenter ist nicht nur eine von Welterfolgen und großen musikalischen Momenten, sondern auch vielen persönlichen Tiefs. Karens Tod nach ihrer langjährigen Magersucht im Jahr im Februar 1983 markierte das Ende einer Ära. Ihr Bruder, selbst über lange Zeit von den Dämonen seiner Drogensucht heimgesucht, sollte das Ableben seiner Schwester schwer treffen.


Hört euch hier die musikalische DNA von The Carpenters als Playlist an und lest weiter:


Nein, bei den Carpenters war nicht alles so harmonisch wie es klang oder aussah. Selbst Lester Bangs, der berühmteste aller Rockjournalisten, machte dem Duo unerwartete Zugeständnisse. Die beiden Geschwister würden viel konservativer wirken, als sie es eigentlich seien, schrieb der Rolling Stone-Autor. Er hatte – wie so oft – Recht. Wusstet ihr, dass der Carpenters-Hit Mr. Guder eine Abrechnung mit einem Disneyland-Manager desselben Namens ist? Der hatte die beiden hochkant rausgeschmissen, als sie während eines Engagements zeitgenössische Pop-Musik statt wie gefordert olle Kamellen für ihr Publikum spielten. Dem gefiel das zwar, nur eben der Parkleitung nicht.

Aber so waren die Carpenters nun mal: Sie wollten der Welt lieber etwas Gutes tun. Oft hieß das, dass die beiden alten Songs ein völlig anderes Gewand anzogen. Mit Richards genialem Talent für Arrangements und Karens ebenso sanfter wie eindringlicher Stimme holten sie das allerbeste aus einer Vielzahl von Fremdkompositionen heraus. Den Song Goodbye To Love schrieb Richard sogar in Anlehnung an einen Bing Crosby-Film, in welchem die Hauptfigur mit dem Erfolg eines Stücks mit eben jenem Titel hadert, welches aber im Film nicht zu hören war. Also schrieb Richard ihn kurzerhand selbst. Was das talentierte Geschwisterpaar außerdem inspirierte, erfahren wir mit Blick auf ihre musikalische DNA.


1. Sergei Rachmaninoff – Liebesleid

Richard Carpenter ist ein Meister an den Tasteninstrumenten und ein genialer Arrangeur. Sein Handwerk hat er von der Pieke auf gelernt. Tschaikowski, Red Nichols, Spike Jones und Sergei Rechmaninoff standen bei dem Knirps auf dem Lehrplan, während sich seine Schwester als Tänzerin im Ballett umtrieb.

Mit Rachmaninoff versuchte er schon früh einen der schwierigsten Komponisten überhaupt zu meistern. Die Kompositionen des russischen Spätromantikers gelten als extrem komplex. Kein Problem für Richard, der noch später in seiner Karriere das Warsaw Concerto von Richard Addinsell, welches wiederum auf den Arbeiten Rachmaninoffs basierte, live interpretieren sollte.


2. Les Paul & Mary Ford – How High The Moon

Die Geschwister Karen und Richard pflegten von Kindesbeinen an ein enges Verhältnis und tauschten sich auch bald rege über Musik aus. Insbesondere die Hits von Les Paul und Mary Ford hatten es ihnen angetan. Nachdem Richard im Alter von neun frustriert seinen Klavierunterricht schmiss, brachte er sich das Spielen nach Gehör bei und nahm erst wieder mit elf Jahren den Unterricht auf, bevor er mit 14 zur Yale School of Music zugelassen wurde.

Von Paul und Ford lernten die beiden, mit Overdubs zu arbeiten und ihre Gesangsspuren nach dem Einsingen im Studio zusammenzuführen. Insbesondere Karen stach als Sängerin hervor und wurde als „One-Take-Wonder“ bezeichnet, weil sie gewöhnlich nur einen einzigen Versuch für den perfekten Lauf brauchte. So konnte das ungleiche Geschwisterpaar sein Talent bündeln – Les Paul und Mary Ford hatten es vorgemacht!


3. The Beatles – Ticket To Ride

Die erste Geige oder besser gesagt die ersten Tasten spielte aber stets Richard. 1963 zog die Carpenter-Familie sogar nach Downey, Los Angeles, um ihm bessere Aufstiegschancen im Musikbusiness zu ermöglichen. Zunächst aber musste der Jungspund auf Ochsentour gehen und bei Hochzeiten oder in der Kirche die Orgel bedienen. Auch das war dem rebellischen Teenager jedoch zu langweilig. Nicht selten spielte er neu arrangierte Beatles-Stücke statt langweiliger Messelieder!

So vermutlich kam es dazu, dass die Carpenters auf ihrem Debütalbum eine ungewöhnliche Cover-Version von Ticket To Ride von den Pilzköpfen präsentierten. Aus dem hymnischen Beat-Stück war plötzlich eine einfühlsame, getragene Ballade geworden! Es sollte die Durchbruchssingle der Geschwister werden und sogar ihre erste LP konnte sich nach einer Umbenennung in Ticket To Ride besser verkaufen als zuvor. Wenn das der Pastor wüsste!


4. Dave Brubeck Quartet – Take Five

Das Talent Richards an den Tasteninstrumenten und seine Fähigkeiten als Arrangeur machten aber immer nur die eine Hälfte der Carpenters-Magie aus. Die andere wurde von Karen beigesteuert, die dem Duo weit mehr als nur ihre Stimme lieh. Schon in High-School-Zeiten fand die junge Musikerin heraus, dass ihre Talente am besten auf dem Schlagzeugschemel aufgehoben waren.

1964 investierten die Eltern in ihre Fähigkeiten und kauften ihr ein Ludwig-Schlagzeug, nachdem sie ein ebenfalls trommelnder Freund dazu bewegt hatte. Karen dankte es ihnen, indem sie sich schon bald einen Namen als Jazz-Drummerin machte. Ihre zweifellos größte Inspiration war das Dave Brubeck Quartet, deren Songs wie Take Five sie trotz ihrer Komplexität mit verblüffender Leichtigkeit zu meistern wusste. Sogar ihr Set-Up orientierte sich an dem von Brubecks Drummer Joe Morello.


5. Frank Sinatra – Girl From Ipanema

Der Jazz war es auch, der für Karen und Richard den Ausgangspunkt ihres ersten ernsteren Unterfangens bedeutete. 1965 gründeten sie gemeinsam mit dem Klassenkameraden Wes Jacobs das Richard Carpenter Trio, bei dem sie erstmals mit den Aufnahmetechniken experimentierten, für welche die Carpenters wenig später berühmt werden sollten. Auch spielten sie fleißig Konzerte und erprobten so ihre Bühnenfähigkeiten. 1966 ging es für das Trio sogar auf die Bretter des weltbekannten Hollywood Bowl, wo sie mit einer eigenen Komposition sowie einer Interpretation des Bossa Nova-Standards Girl From Ipanema aus der Feder von Antônio Carlos Jobim auftraten. Girl From Ipanema ist wohl am bekanntesten in seiner Interpretation durch Frank „Ol’ Blue Eyes“ Sinatra.

Das Richard Carpenter Trio sollte Erfolg haben und den „Battle Of The Bands“-Wettbewerb im Hollywood Bowl gewinnen, was sogleich mit ihrem ersten Plattenvertrag belohnt wurde. Unter ihren ersten Aufnahmen fanden sich auch Interpretationen von Beatles-Songs (Every Little Thing) und, na klar, Frank Sinatra (Strangers In The Night). Nur dem Label gefiel das nicht und schon war die Karriere des aufstrebenden Trios wieder vorbei…


6. Dionne Warwick – (They Long To Be) Close To You

Sei’s drum, die Carpenters haben es ja trotzdem geschafft. Durchschlagen konnten sie sich nämlich bestens. Ihre größten Hits stammten indes zumeist nicht aus eigener Feder. Stattdessen vermochten es Karen und Richard, unerfolgreichen Songs ein neues Leben einzuhauchen und die Originale zu übertrumpfen. Oder an wen denkt ihr bei den Zeilen „Why do birds suddenly appear / ev’ry time you are near“? Na klar, die Carpenters.

Geschrieben hat den Song (They Long To Be) Close To You allerdings ein anderer: Burt Bacharach. Die gemeinsame Komposition mit Hal David wurde zuerst von Richard Chamberlain mit mäßigem Erfolg eingesungen, bevor Dionne Warwick das Stück bekannt machte. Zum Welterfolg allerdings brachten es erst die Carpenters 1970 mit ihrer Interpretation. Sie hauchten dem Stück das gewisse Etwas ein. Insbesondere Karen natürlich, die darauf eine ihrer besten Gesangsleistungen ablieferte.


7. Joe Cocker – Superstar (Live At The Fillmore East 1970)

Zeit ihrer Karriere bewiesen die Carpenters ein unvergleichliches Gespür für das ungenutzte Potenzial, das in fremden Kompositionen schlummerte. Mit Superstar von Bonnie Bramlett und Leon Russell allerdings hatten sie sich ordentlich etwas vorgenommen: Zuerst erschien der Song nämlich auf dem Live-Album Mad Dogs & Englishmen von Joe Cocker, gesungen wurde er dort von Rita Coolidge. Eine ganz schöne Herausforderung!

Die Carpenters aber meisterten sie. Ein paar Kompromisse mussten sie dennoch machen. Nicht nur klang der Song als solcher glatter, auch die Lyrics mussten sie ändern: Aus „I can hardly wait to sleep with you again“ machten sie „I can hardly wait to be with you again“. Aus ihrem Saubermann-Image war eben kein Ausbrechen. Das wurde ihnen beiden zum Verhängnis.


8. Ella Fitzgerald – My Funny Valentine

Unter der heilen Fassade des erfolgreichen Geschwisterpaars nämlich brodelte es schon lange. 1979 ließ sich Richard schließlich wegen seiner Drogenabhängigkeit einweisen. Seine Schwester stritt derweil ab, an Magersucht zu leiden und verweigerte jede Behandlung. Da ihr Bruder sich eine Pause gönnte, um neue Kraft zu sammeln und seine Dämonen ein für alle Mal zu verbannen, wollte Karen die Zeit lieber für ihr erstes Solo-Album nutzen. Es sollte ihr einziges werden und in einem kreativen Desaster enden. Erst 13 Jahre nach ihrem Tod erschien die Platte, deren Produktion fast eine halbe Million Dollar verschlungen hatte.

Während sich Richard langsam wieder ans Spotlight annäherte, ging es mit Karens Gesundheit Anfang der achtziger Jahre rapide bergab. Einer ihrer letzten Karrierehöhepunkte war ein gemeinsames Medley mit Ella Fitzgerald im Rahmen des Carpenters-TV-Specials Music, Music, Music im Jahr 1980. Gemeinsam sangen die beiden ein unvergessliches Duett mit vielen Klassikern und Standards aus Fitzgeralds Repertoire wie etwa My Funny Valentine.


9. Dusty Springfield – Son Of A Preacher Man

Bis heute kümmert sich Richard um das Erbe seiner 1983 an den Folgen ihrer Magersucht verstorbenen Schwester. Leicht werden ihm aber weder die Verwaltung des Nachlasses noch die ersten Schritte als Solo-Künstler nach Karens Tod gefallen sein. Mit Karen ging nicht nur seine Schwester und engste Vertraute, sondern auch seine beste musikalische Partnerin. Die beiden hatten sich ergänzt wie sonst kaum jemand. Das ließ sich nicht ersetzen.

Als Richard vier Jahre später mit seinem ersten Solo-Album zurückkehrte, fanden sich darauf viele Gastsängerinnen, doch die Carpenters-Magie fehlte. Neben einem Stück mit Dionne Warwick allerdings stach zumindest Something In Your Eyes heraus, der gemeinsame Song mit Dusty Springfield. Obwohl Springfields ungleich rauchigere Stimme nicht an Karens herankam: So ging es auch.


10. Sonic Youth – Tunic (Song For Karen)

Den Carpenter-Geschwistern wurde ihre Karriere über ein Image aufgezwängt, unter deren Last sie letztlich zerbrochen sind. Dabei hatten sie sich doch, wie wir gesehen haben, oft genug die Konventionen aufgelehnt. Das erkannten Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre sogar Bands aus der US-Indie Rock-Szene, die dem Duo 1994 mit der Compilation If I Were A Carpenter ein Denkmal setzten.

Neben Shonen Knife, den 4 Non Blondes und der irischen Band The Cranberries waren auch Sonic Youth mit einem Stück vertreten. Es war nicht das erste Mal, dass sie Karen Carpenter ihren Tribut zollten: Tunic (Song For Karen) vom 1990 erschienenen Album Goo war der Sängerin gewidmet. Was die wohl zu dem krachigen Sechs-Minuten-Song gesagt hätte? Wir werden es leider nie erfahren…


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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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Popkultur

40 Jahre „I Can’t Stand Still“: Don Henleys Erste nach den Eagles

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Don Henley
Foto: Pete Cronin/Getty Images

Vor 40 Jahren veröffentlicht Don Henley sein erstes Album ohne die Eagles. I Can’t Stand Still zeigt ihm auf dem Cover neben einem Toaster am Küchentisch. Inhaltlich ist es eine knackige Abrechnung.

von Björn Springorum

Man darf sich zurecht fragen, was es mit einem macht, wenn man in der erfolgreichen US-amerikanischen Rockband aller Zeiten spielt. Wenn man die meisten ihrer Hits im Tandem mit Glenn Frey schreibt und Songs wie Hotel California auch noch selbst singt. Für Don Henley ist nach neun Jahren Eagles klar: Man macht Musik. Was denn sonst? Die Band bricht nach den schwierigen Aufnahmen zu The Long Run und einer kräftezehrenden Tour auseinander, neun Jahre Vollgas, Drogen und Weltruhm gehen eben nicht spurlos an einem vorüber.

Zwischen 1971 und 1980 ist Henley nur im Bandverbund aktiv, ins neue Jahrzehnt startet er als Solitär. Nun, nicht ganz, Henley, mittlerweile 33, ist gerade mit Stevie Nicks liiert, gemeinsam veröffentlichen die beiden 1981 Leather And Lace, ein ordentlicher Erfolg, der Don Henley auch eines zeigt: Es kann eben auch ohne die Eagles funktionieren.

Ganz allein geht es dann doch nicht

Eines wird ihm aber auch bewusst: So ganz allein wird das auch nichts. Also tut er sich mit dem Produzenten und Komponisten Danny Kortchmar zusammen, ein renommierter Starmacher, kaum älter als Henley und fast im Alleingang für den archetypischen Singer/Songwriter-Sound der Siebziger verantwortlich. Carly Simon, James Taylor, Carole King, Graham Nash oder Neil Young, alle arbeiteten schon mit ihm.

Für Don Henley wird Kortchmar nicht nur ein Produzent, sondern gleich ein Bandkollege. Gemeinsam arbeiten sie zwischen Januar und Mai 1982 an I Can’t Stand Still, einem Werk, das als Verlängerung der Eagles angesehen werden kann. Und auch wenn es kein Wunder ist, dass das Album so kurz nach dem Absturz der Adler noch das Echo seiner Vergangenheit in sich herumträgt: Schon vor 40 Jahren legt er die Saat für eine ebenso produktive wie beeindruckende Solokarriere.

Feldzug gegen die Medien

Musikalisch gibt es das, was Fans damals von ihm erwarten, stark unterstrichen von Keyboards, Synthesizern oder weiteren nicht ganz unbekannten Gästen wie Steve Lukather (Toto), Joe Walsh (sein alter Eagles-Kumpan) oder Bass-Titan Bob Glaub; lyrisch hingegen dreht Henley ordentlich auf. Deutlich mehr als bei den Eagles macht er seiner Desillusionierung Luft, singt in Dirty Laundry gegen die Oberflächlichkeit und Sensationsgeilheit der Medien an und landet damit gleich seinen ersten dicken Solohit. Pikant: Henley nutzt auch autobiografische Details für den Song und spielt auf die Berichterstattung rund um seine eigene Festnahme 1980 an, als man eine unter Drogen stehende 16-Jährige bei ihm zuhause in Los Angeles aufgriff. Also, welche damalige Zeitung da nicht groß berichten würde…

Springsteen spielt auf seiner Hochzeit

Ist aber nicht alles: Johnny Can’t Read geht mit dem desolaten Zustand des US-amerikanischen Bildungssystems hart ins Gericht, im Titeltrack thematisiert er recht trocken und ohne Melodrama Beziehungsprobleme. I Can’t Stand Still mag deswegen weniger eine musikalische Überraschung sein. Wohl aber eine inhaltliche, die den großen Rockstar plötzlich als kritischen Beobachter der Gesellschaft ausweist.

Geplant oder nicht: 1982 legt Don Henley eine Solokarriere, die auf Building The Beast (1984) merklich in Gang kommt und bis Cass County (2015) bislang fünf Soloalben und Evergreens wie The Boys Of Summer hervorgebracht hat. Hinter Ringo Starr, Phil Collins und Dave Grohl gilt er außerdem als viertreichster Drummer der Welt. Man kann es auch so ausdrücken: Wenn auf deiner Hochzeit unter anderem Bruce Springsteen, Sting, Shreyl Crow und Tony Bennett auftreten, dann hast du das eine oder andere richtig gemacht.

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Das Ende der Unschuld: Die Geschichte von „Hotel California“

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