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Popkultur

Die musikalische DNA von Joe Cocker

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Guns N'Roses

Als Joe Cocker am 22. Dezember 2014 von uns ging, verließ uns damit die vielleicht markanteste Stimme der Rock-Geschichte. Mehr noch fehlt seitdem jemand, der Rock und Soul zur perfekten Synthese führt, wie er es vorgemacht hatte. Es fehlen ebenso diese krampfigen Armbewegungen, dieses schlängelnde Einswerden des Körpers mit der Musik, das John Belushi so meisterhaft nachahmen konnte. Es fehlt jemand, der die rohe Gewalt der wildesten Gefühle durch ein Mikro presst, als ginge es um sein Leben – und das seines Publikums.

Joe Cocker ist unersetzlich, keine Frage. Und vielleicht sollten wir gar nicht erst darüber nachdenken, wer ihm nachfolgen könnte. Sondern uns lieber darauf konzentrieren, wo er seine Spuren hinterlassen hat. Wir werden sehen, dass sein Einfluss weiter reicht als angenommen. Was ihn selbst inspirierte? Das schien immer mehr als offensichtlich, denn viele von Cockers großen Hits wurden ursprünglich von anderen geschrieben. Aber genau das machte ihn aus: Cocker war ein Schüler, der seine Meister reihenweise übertrumpfte. Welchen Song er auch anfasste, er gehörte danach plötzlich ihm und fast schien, als wäre das nie anders gewesen. Was ihn jedoch ebenso auszeichnete, war sein Respekt vor den eigenen Idolen, deren Material er auf ein neues Level hob. Seine eigene musikalische DNA ist nicht weniger als eine Liebesbekundung an diejenigen, die mit ihrer Musik sein Leben bereichert haben wie er unseres.


Hör dir hier Joe Cockers musikalische DNA als Playlist an und lies weiter:


1. The Beatles – I’ll Cry Instead

Fangen wir statt mit Joe Cockers musikalischer Früherziehung mit dem Offensichtlichen an: Ja, es gab da dieses Beatles-Cover und ja, er hat es gerade 25jährig auf dem berühmtesten Festival der Welt in einer Version gesungen, die noch in 50 Jahren genauso für Gänsehaut sorgen wird wie sie es heute tut. With A Little Help From My Friends ist jedoch bei weitem nicht er einzige Beatles-Song, dem sich Cocker im Laufe seiner Karriere annahm. Fünf Jahre vor seinem ikonischen Woodstock-Auftritt debütierte er mit seiner Interpretation von I’ll Cry Instead auf dem legendären Label Decca und fuhr einen eher bescheidenen Erfolg ein. Was ein Unterschied doch fünf Jahre machen können! Wer von Cocker nur die größten Hits kennt, der wird ihn allerdings auf dem I’ll Cry Instead kaum erkennen: Der Song ist sehr nah am Original gehalten, nur ein leichtes Kratzen in Cockers Stimme verrät ihn. Auf seiner Version von With A Little Help From My Friends jedoch hatte ein einzigartiger Sänger sich selbst gefunden und beeindruckte damit auch Paul McCartney, der komplett überwältigt war, als ihm Cocker und Produzent Denny Cordell ihre Version der Ringo Starr-Komposition vorspielten. „Er hat diesen Song total in eine Soul-Hymne verwandelt und ich bin ihm auf immer dafür dankbar“, so McCartney. Dagegen verblasst I’ll Cry Again wohl. Wichtig aber war diese Aufnahme noch in ganz anderer Hinsicht.


2. Led Zeppelin – Communication Breakdown

Bedeutend war I’ll Cry Again nämlich nicht nur, weil sich Cocker dafür zum ersten Mal im Studio versuchte. Auch die beiden Sessionmusiker an den Gitarren sollten keinen unerheblichen Einfluss auf die Musikgeschichte haben. Beim Namen von Big Jim Sullivan wird vielleicht nicht bei allen sofort der Groschen fallen, doch handelte es sich um den vielleicht gefragtesten Gitarristen der sechziger Jahre. Mehr Ruhm noch sollte der andere Gitarrist werden, den damals alle als „Little Jim“ kannten. Sein bürgerlich, vollständiger Name: James Patrick Page, auch Jimmy genannt. Nachdem Page 1966 bei den Yardbirds einstieg und bevor er drei Jahre später als Kopf einer Band namens Led Zeppelin deren erste LP veröffentlichte, half er seinem Kumpel ein weiteres Mal im Studio aus. Bei welchem Song, fragt ihr euch? Kann doch nur einer sein! Richtig, auch Jimmy Page ist auf der Studioversion – nicht jedoch der wesentlich bekannteren Live-Interpretation aus Woodstock – an der Gitarre zu hören und spielte auch auf vier anderen Songs des ebenfalls With A Little Help From My Friends betitelten Debütalbum Cockers mit. Kaum zu glauben, dass Page nur ein Jahr nach dem soulgetränkten Beatles-Cover seine neue Band mit Songs wie Communication Breakdown der Weltöffentlichkeit vorstellte! Aber so ist Page eben: wandelbar durch und durch.


3. Lonnie Donegan – The Battle Of New Orleans

Eine Verwandlung erfuhr auch ein Musiker, der zu Cockers frühen Idolen zählte. Tony Donegan gehörte einer älteren Generation als Cocker an, der in seiner Kindheit die Geburtsstunde der Pop-Musik und die Blütezeiten von Buddy Holly und anderen zu Kindheits- und Teenagerzeiten erlebte. Donegan war ein Fan von klassischem Blues und Jazz, dem melancholischen Sound des Mississippi-Deltas. Nachdem ihm 1952 die Ehre zukam, als Support für seinen eigenen Helden Lonnie Johnson zu spielen, benannte er sich um und machte als Lonnie Donegan den Weg für den sogenannten Skiffle-Sound frei. Skiffle bezog seine Inspiration vor allem aus den Musiktraditionen der USA, brachte Folk und Country mit dem aufkommenden Rhythm and Blues beziehungsweise Rock’n‘Roll zusammen. Songs wie The Battle Of New Orleans klangen in der Version des „King Of Skiffle“ zwar eigensinnig und deutlich von der britischen Music Hall-Tradition geprägt, aber auch überraschend authentisch. So authentisch, dass ihm sogar Charterfolge in den USA vergönnt waren. Donegan war solange der kommerziell erfolgreichste britische Musiker seiner Zeit, bis ihm vier Rotznasen aus Liverpool den Rang abliefen. Aber das ist eine andere Geschichte. Dass Cocker, der Donegan bei einer Gedenkfeier anderthalb Jahre nach dessen Tod im November 2002 Tribut zollte, von dieser Mischung fasziniert war, verwundert kaum. Donegan brachte endlich zwei Welten zusammen, für die Cocker leidenschaftlich fieberte.


4. Elvis Presley – One Night

Bevor Joe Cocker selbst den Soul in den britischen Rock übertragen sollte und somit ähnlich Verdienstvolles leistete wie Donegan vor ihm, fing auch er klein an. Noch ehe er mit seiner Debüt-Single floppte und in der Folge eine Auszeit von der Musik nahm, trat er als Teenager der Band Cavaliers bei. Wie Donegan legte er sich ein Bühnenpseudonym zu und entschied sich für Vance Arnold. Arnold in Anlehnung auf den Country-Sänger Eddy Arnold und Vance… Tja, nun ja. So gut seine Stimme gewesen sein mag, mit dem Gehör schien es damals zumindest noch gehapert haben: Eigentlich hatte sich Cocker nach der von Elvis Presley im Film Jailhouse Rock verkörperten Figur benennen wollen. Doch die hieß nicht Vance – sondern Vince! Wir schieben das einfach mal auf den Unterschied zwischen amerikanischem und britischem Englisch. Jedenfalls: Natürlich hinterließ der King of Rock nicht nur von der Leinwand aus einen bleibenden Eindruck auf den jüngeren Sänger, der ihm mit Cover-Versionen seinen Respekt bekundete. Dass seine Wahl ausgerechnet auf One Night fiel, ist nur einleuchtend. Hören wir einfach mal auf den ersten Stimmeinsatz Presleys: Der kratzige, konturierte Quasi-Schrei des Kings wartete doch geradezu darauf, dass sich Cocker an ihm messen würde! Was meint ihr: Wem ist’s besser gelungen?


5. The Box Tops – The Letter

Die USA wurden im Laufe seiner Karriere ein ständiger Fixpunkt für Cocker. Von dort bezog er viel Inspiration und dort wollte er es auch selber schaffen, nachdem die sogenannte „British Invasion“ durch Bands wie die Beatles und die Rolling Stones schon lange abgeflaut war. Seine erste Tour im Jahr 1969 wurde zwar dank seines denkwürdigen Woodstock-Auftritts durch den größtmöglichen Erfolg gekrönt, in den Charts aber machte sich das erst später bemerkbar. Es war die Mad Dogs & Englishmen-Tour, welche ihm seinen ersten Top Ten-Erfolg verschaffte. Vorab veröffentlichte er die Proberaumaufnahme seiner Version von The Box Tops’ The Letter, das er auch auf der Bühne während der 48 Konzerte zum Besten gab und auf dem Mad Dogs & Englishmen-Live-Album verewigte. Ein zweifelhafter Abschluss einer der schwierigsten Phasen, die der damals noch junge Sänger durchleben musste. Cockers zweite Tour in den Staaten verlangte ihm einiges ab und schlug sich stark auf seine Gesundheit sowie seine Psyche nieder. Cocker verfiel zunehmend dem Alkohol und war von Depressionen ebenso geplagt wie ihm die ständigen Zerwürfnisse mit Bandleader Leon Russell zusetzten. Da erscheint es rückblickend geradezu zynisch, dass sein erster Erfolg in den Hitparaden der USA das Cover eines One-Hit-Wonders war! Denn von den Box Tops war nach ihrem Nummer-Eins-Erfolg im Jahr 1967 kaum mehr etwas zu hören. Zum Glück erging es Cocker da besser.


6. Ray Charles – I’ve Got A Woman

Der Blue-Eyed Soul der Box Tops kam für den britischen Sänger wohl wie gerufen. Wie zuvor Donegan stellte die kurzlebige Band eine Art Vermittlungsinstanz zwischen den Wurzeln eines Genres und seiner Interpretation durch Künstler aus einem anderen Kulturkreis dar. Denn als der Soul aus dem Geiste von Ray Charles’ zeitlosem Klassiker I’ve Got A Woman geboren wurde, herrschten in den USA noch eine strikte Trennung zwischen weißen und schwarzen KünstlerInne sowie ihren jeweiligen Fans. Was aus heutiger Sicht bizarr klingt, verhinderte damals maßgeblich die Verbreitung von verschiedenen Musikstilen über die rassistisch gezogenen Grenzen im Publikum. In Großbritannien aber hielten sie es nicht so streng und Welterfolge wie The Letter trugen ebenso dazu bei, dass der Soul-Sound auf die eine oder andere Art den großen Teich überquerte. Cocker aber spürte ihm wesentlich früher bis auf die Wurzeln nach und fand in Ray Charles schon 1959 den Sänger, an welchem er sich zeitlebens messen musste. Der Einfluss von Charles auf Cocker ist unmöglich zu leugnen und nur schwierig in seinem vollen Umfang zu bemessen. Wer Cocker sagt, muss auch Charles sagen. Der Rockhistoriker Glenn Gass ließ sich sogar dazu hinreißen, Cocker als „Ray Charles auf Acid“ zu bezeichnen. Acid oder nicht: Spätestens mit seiner Version von Unchain My Heart eiferte der britische Schüler seinem amerikanischen Meister erfolgreich nach.


7. The Beach Boys – Forever (A Capella Mix)

Im August 1983 durfte Cocker sogar mit Charles für einen Song die Bühne teilen. Kurz zuvor hatte Cocker noch zwei Grammys für sein Duett mit Jennifer Warnes auf Up Where We Belong vom Soundtrack zum Film Ein Offizier und Gentleman eingeheimst. Nun zeigte er sich wirklich ganz oben und dort, wo er hingehörte: Anlässlich zu dessen 40. Bühnenjubiläum performte er Seite an Seite mit Charles You Are So Beautiful, seinen großen Hit aus dem Jahr 1975. Aber Moment: sein großer Hit? Das stimmt nicht ganz, denn wie so viele von Cockers Signature-Tunes stammte auch You Are So Beautiful aus der Feder anderer. Zuerst aufgenommen hatte das Stück Billy Preston, der die gemeinsam mit Bruce Fisher geschriebene Nummer ein Jahr vor Cocker auf der LP The Kids & Me veröffentlichte. Cockers Produzent Jim Price erst nahm das Tempo aus dem Song und machte daraus die Gänsehautballade, die wir heute kennen. Neben Preston und Fisher war ein weiterer Musiker an der Entstehung des Originals beteiligt. Auf einer Party schrieben Preston und der Beach Boy Dennis Wilson die Grundlagen der Komposition, für die Wilson offiziell niemals einen Credit bekommen soll. Immerhin aber sang er den Song bei Beach Boys-Auftritten ohne Instrumentalbegleitung, wie es etwa auf dem Live-Album The Beach Boys: An American Band dokumentiert ist. Sein außergewöhnliches Talent für Vocal-Arrangements hatte er schon zuvor mit Songs wie Forever bewiesen. Im A Capella-Mix des Stücks zeigt sich sein Spürsinn für feine Dynamiken, die auch You Are So Beautiful prägen.


8. Muddy Waters – I’ve Got My Mojo Working (Live)

Obwohl Cocker im Alter von 15 Jahren seinen „Gott“ – so sagte er selbst – in Ray Charles gefunden hatte, blieb er genauso den Musikern treu, die sich in seinem Freundeskreis größerer Beliebtheit erfreuten. „Ich habe bisher 23 Alben gemacht, vielleicht schaffe ich insgesamt 30. Darunter sollte ein Blues-Album sein“, sagte er zwei Jahre vor seinem Tod. „Aber noch hat keine Plattenfirma die Kröte geschluckt. Sie wollen Joe, den Pop-Sänger.“ Dass es dazu nicht kam, ist zwar tragisch. Vielleicht aber können wir es verkraften. Denn aus jeder Phrase von Cockers Stimme triefte der Blues. Neben Rhythm and Blues-Genies wie Chuck Berry, Little Richard und Jerry Lee Lewis fand er schon früh auch zu Künstlern wie John Lee Hooker, Lightnin’ Hopkins, Howlin’ Wolf oder Muddy Waters. Ein Muddy Waters-Song war es auch, der Cocker auf den Hamburger Pianisten Joja Wendt brachte. Der verdiente sich in der Szenekneipe Sperl ein paar Kröten dazu und spielte eines denkwürdigen Abends einige Blues-Klassiker, während der Star gemütlich sein Bier schlürfte. Von Wendts Interpretation von I’ve Got My Mojo Working war Cocker so begeistert, dass er den Musiker sofort einen Platz im Vorprogramm seines Hamburg-Gigs am folgenden Tag verschaffte. Echte Blues-Kenner halten eben zusammen.


9. Nina Simone – Don’t Let Me Be Misunderstood

Obwohl Cocker, ob nun im Soul oder im Blues, gerne an die Wurzeln ging, war er doch zugleich ein experimentierfreudiger Musiker. Sein Album Sheffield Steel verblüffte selbst eingefleischte Fans mit Reggae-Rhythmen. Als Ausgangsmaterial dienten Klassiker von Cocker-Helden wie dem von ihm oft gecoverten Bob Dylan, dem mit einer ähnlich unverwechselbaren Stimme ausgestatteten Stimme Randy Newman oder Soul-Giganten wie Marvin Gaye und Bill Withers. 1996 wiederholte Cocker das Experiment mit einer Komposition, die sich schon seit With A Little Help From My Friends in seinem Repertoire befand. Darauf hatte er damals den Nina Simone-Klassiker Don’t Let Me Be Misunderstood als sanfte Rock-Nummer interpretiert. 27 Jahre später ließ er in der Neuaufnahme die Riddims hüpfen. Ein ebenso überraschender wie folgerichtiger Ansatz, den Cocker indes schon mindestens ein anderer Künstler vorgemacht hatte. Eric Burdon, der erst mit The Animals und später mit dem Funk-Projekt War bekannt wurde, spielte neben der psychedelisch angehauchten Animals-Version hin und wieder Don’t Let Me Be Misunderstood als Reggae-Nummer nach. Und letztlich war genau das schon in den perfekt eingesetzten Offbeats des Simone-Originals schon vorher angelegt. Typisch Cocker: Eine Tradition voranzutreiben bedeutete bei ihm immer auch, dem Ursprung des Originals nachzuforschen.


10. 2Pac feat. Dr. Dre – California Love

Damit stellte Cocker auch immer eine Ausnahme im Musikgeschäft dar. Denn dass ein weißer Künstler sich bei traditionell schwarzen Musikgenres bedient, wird nicht immer gern gesehen. Wieso? Nun, von der strikten Segregation in den USA war vorhin schon die Rede. Einigen Künstlern – darunter auch die ebenfalls in dieser Liste vertretenen Led Zeppelin und sogar Elvis Presley – wurde vorgeworfen, die durch die Musikindustrie strukturell benachteiligte Musik schwarzer KünstlerInnen auszubeuten und ihnen nicht, wie Cocker es so freimütig tat, die notwendige Anerkennung zukommen zu lassen. Mit dem Aufkommen der Sampling-Technik wendete sich das Blatt allerdings. Hip Hop-Artists rissen kurze Bruchteile von Songs aus ihrem Kontext und fügten sie in ihre eigene Musik ein. Ein Cocker-Song erfreute sich dabei besonders großer Beliebtheit. Woman On Woman von seinem selbstbetitelten Album ist ein Funk-Stück, auf welchem Cocker die Grenzen seines Falsettgesangs austestete. Nicht aber seine Stimme, sondern das markante Piano-Riff des Songs wurde zum Dauerbrenner der Hip Hop-Szene. Zu hören war es bei den Ultramagnetic MCs, EPMD und sogar dem Turntable-Genie Madlib, der die kurze Passage in extrem verfremdeter Version als Grundlage für einen Track seines Rapper-Alias Quasimoto verwendete. Viele werden aber bei den bouncenden Akkorden zuerst an 2Pac und Dr. Dre denken, die aus dem Sample das Fundament ihres Megaerfolgs California Love strickten. So kam es dazu, dass Cocker im Jahr 1995 einem jungen Rapper indirekt zum internationalen Durchbruch verhalf. Ist das nicht eigentlich eine schöne Versöhnungsgeste?


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Zeitsprung: Am 6.2.1998 kommt Falco bei einem Autounfall ums Leben.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.2.1998.

von Christof Leim

“Österreichs einzigen Popstar von Weltrang” hat ihn einmal jemand genannt: Hans Hölzel alias Falco. Am 6.2.1998 stirbt er bei einem Autounfall in Übersee.

Hier könnt ihr euch die Greatest Hits von Falco anhören:

Falco kommt als Johann „Hans“ Hölzel 1957 in Wien zur Welt. Schon früh wird eine hohe musikalische Begabung und sogar ein absolutes Gehör festgestellt. Anfangs spielt er Gitarre, später dann Bass in Jazz-Bands. Ein Musikstudium am Wiener Konservatorium lässt er nach einem Semester links liegen, um „richtiger Musiker“ zu werden. Anfang und Mitte der Achtziger fährt Falco dann fette Erfolge ein mit Songs wie Der Kommissar und Jeanny. Rock Me Amadeus schaffte es sogar als einziges deutschsprachiges Lied an die Spitze der US-Charts. In den Neunzigern wird es jedoch sehr still um den Musiker.

Kurz vor der musikalischen Rückkehr

Doch 1998 nimmt er ein neues Album namens Out Of The Dark (Into the Light) auf. Angeblich hört er es vor seinem Tod über eine Stunde in seinem Auto, um die Reihenfolge der Songs zu bestimmen. Damals hält er sich gerade in Dominikanischen Republik auf. Gegen 16:40 Uhr an jenem 6. Februar verlässt der Sänger ein Restaurant namens Turist Disco, das an einer Straße zwischen den Städten Villa Montellano und Puerto Plata liegt. Als er vom Parkplatz fährt, kracht ein Reisebus ungebremst mit 100 km/h in seinen schwarzen Mitsubishi Pajero-Geländewagen. Der Musiker stirbt sofort, zwei Wochen vor seinem 41. Geburtstag. 

Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass Falco nicht nur mit einem Blutalkohol von 1,5 Promille unterwegs war, sondern auch Kokain und Cannabis konsumiert hatte. Ein tragisches Ende für „Österreichs einzigen Popstar von Weltrang“, wie einmal genannt wurde. Out Of The Dark (Into the Light) erscheint am 27. Februar 1998, drei Wochen nach seinem Tod, und erreicht in Deutschland, Österreich und der Schweiz die obersten Plätze der Charts.

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Zeitsprung: Am 29.3.1986 landet Falco auf Platz eins der US-Charts

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.2.1935 kommt Alex Harvey zur Welt.

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Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.2.1935.

von Timon Menge und Christof Leim

Besonders geradlinig verläuft die Karriere von Alex Harvey und seiner Sensational Alex Harvey Band nicht. Dennoch gehört der schottische Musiker zu den bekannteren Gesichtern der britischen Rockmusik der Siebziger. Heute hätte er Geburtstag gefeiert. 

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Alex Harvey anhören: 

Das Licht der Welt erblickt Alexander James Harvey am 5. Februar 1935 in einem Arbeiterstadtteil von Glasgow. Bevor er seinen Weg als professioneller Musiker einschlägt, jobbt er unter anderem als Kellner und als Dachdecker. Zeitweise graviert er sogar Grabsteine. Zu Beginn der Fünfziger begeistert er sich für Dixieland-Jazz und Skiffle, bevor er ab 1954 selbst die Bühnenbretter betritt.

Im Vorprogramm der Beatles

Ab 1958 reist Harvey mit seiner Big Soul Band durch England und Deutschland. Schnell entwickelt er sich zu einem der Aushängeschilder der britischen R&B-Szene, obwohl er auch Rocksongs zum Besten gibt. So spielt er am 20. Mai 1960 mit seiner Big Beat Band im Vorprogramm von Johnny Gentle And His Group. Hinter dem Kürzel „His Group“ verbirgt sich niemand Geringeres als die späteren Beatles, die zu jener Zeit noch aus John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Tommy Moore bestehen. Es handelt sich um den ersten Termin einer siebentägigen Schottland-Tour.

Hier tourt Alex Harvey mit. Eigentlich heißen die Beatles zu jener Zeit aber noch The Silver Beetles. Wer hat George sofort erkannt?, Foto: Buchcover

Gegen Ende der Sechziger versucht er es als Solokünstler, doch der Durchbruch bleibt aus. Der folgt dann zu Beginn der Siebziger, nach einem kleinen Umweg als Session-Musiker für die Londoner Inszenierung des Musicals Hair. Denn jetzt gründet er die Sensational Alex Harvey Band.

Die großen Erfolge

Mit der Gruppe bleibt Harvey während der gesamten Siebziger erfolgreich, steigt von 1976 bis 1978 allerdings kurzzeitig aus. Schon auf dem Debüt Framed (1972) liefert die Band Granaten wie Midnight Moses und den Titelsong Framed aus der Feder des Songschreiber-Duos Jerry Leiber und Mike Stoller ab. Zeitgleich erobert der Glam Rock das Vereinigte Königreich und später auch den Rest Europas. Harvey und seine Mitmusiker greifen den Stil auf. So entdeckt er zu jener Zeit sein legendäres, schwarz-weiß-gestreiftes Shirt. Gitarrist Zal Cleminson setzt noch einen drauf und tritt in Pantomime-Schminke und gelb-grünem Overall auf.

Mit einer Coverversion des Tom-Jones-Songs Delilah landet die Band 1975 einen Top-Ten-Hit, auch der Song The Boston Tea Party (1976) feiert große Erfolge. 1978, kurz nach Harveys Rückkehr, erscheint mit Rock Drill das letzte Album der Band. Im Anschluss veröffentlicht er zwei weitere Soloplatten und geht ab 1979 wieder auf Tour. Doch leider stirbt Alex Harvey am 4. Februar 1982 einen Tag vor seinem 47. Geburtstag an Herzversagen. Er hinterlässt zwei Söhne, einen aus jeder seiner beiden Ehen.

Zeitsprung: Am 9.1.1975 endet die Geschichte der Beatles offiziell

 

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Popkultur

10 Songs von Alice Cooper, die man kennen sollte

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Alice Cooper
Foto: Grant Lamos IV/Getty Images

Schock-Schminke, Schauer-Schlangen und schreckenerregende Songtexte: Alice Cooper hat den Schockrock zwar nicht erfunden, doch er hat ihn als erster auf die Spitze getrieben. Seit knapp 60 Jahren steht er nun auf der Bühne. Diese zehn Songs gruseln uns bis heute — auf die gute Art!

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Alice Cooper anhören:

Ob Vincent Damon Furnier schon bei seiner Geburt am 4. Februar 1948 geschminkt war, ist nicht überliefert — doch wir gehen davon aus. Die Geschichte seiner ersten großen Band Alice Cooper reicht bis ins Jahr 1964 zurück. „In der Highschool haben uns alle gehasst“, erinnert er sich in einem Interview mit der Schweizer Illustrierten. „Sehr lange Zeit mochte uns wirklich niemand.“ Das ändert sich Anfang der Siebziger, denn mit ihrer Single I’m Eighteen gelingt Alice Cooper der Durchbruch. In Windeseile erobert die Gruppe die Musikwelt; ab Mitte der Siebziger spielt Furnier seine Rolle als Alice Cooper solo weiter. „Ich wollte einen Charakter spielen, der so ist, wie ich mir den besten Rockstar aller Zeiten vorstelle“, erzählt er. „Also habe ich Alice so kreiert, wie ich das wollte: ein bisschen böse, lustig, total gruselig, aber auch elegant. Alice ist mein allerliebster Rockstar.“ Unserer auch! Das sind seine zehn besten Songs.

1. I’m Eighteen (1970)

„I’m eighteen and I like it“ — Selten wurde die Volljährigkeit mit mehr Begeisterung besungen. Ursprünglich handelte es sich bei I’m Eighteen um eine achtminütige Jam-Session, doch Produzent Bob Ezrin überredete Alice Cooper dazu, den Song auf drei Minuten einzudampfen. Zum Glück — acht(zig)minütige Jam-Sessions gab es in den Sechzigern nun wirklich genug.

2. Under My Wheels (1971)

Bei Under My Wheels handelt es sich um die erste Single vom vierten Alice-Cooper-Album Killer (1971). Seitdem hat er das Stück auf wirklich jeder(!) Tour zum Besten gegeben, weshalb Under My Wheels Platz drei von Coopers meistgespielten Live-Songs belegt. 1988 nahm Cooper die Nummer übrigens noch einmal auf, und zwar mit Guns N’ Roses. Im Gegenzug ist Cooper auch in The Garden von Use Your Illusion I zu hören.

3. School’s Out (1972)

Keinen Song hat Alice Cooper häufiger live gespielt: Mehr als 2.900(!) Mal war School’s Out auf den Konzerten des Schockrockers zu hören, also quasi acht Jahre lang jeden Tag einmal. Dass Cooper und sein Publikum so viel Freude an dem Stück haben, überrascht nicht. Schließlich hat er selbst einmal gesagt: „Die beiden schönsten Zeiten des Jahres sind der Weihnachtsmorgen und der Beginn der Sommerferien.“

4. No More Mr. Nice Guy (1973)

Wer hinter diesem Titel Autobiografisches vermutet, ist auf dem richtigen Weg. In No More Mr. Nice Guy beschäftigt sich Cooper mit den Reaktionen der Kirchengruppe seiner Mutter auf seine mitunter okkult-gruseligen Bühnenauftritte. „Jetzt gibt es keinen Weg zurück“, meint er mit dem Titel. Gut so! Was hätten wir in den vergangenen Jahrzehnten bloß ohne unsere Tante Alice gemacht.

5. He’s Back (The Man Behind The Mask) (1986)

Ganze 13 Jahre liegen zwischen dem vierten und dem fünften Song unserer Liste. 13 Jahre, in denen Alice Cooper erfolgreich solo durchstartete, aber auch heftig abstürzte. An manche seiner Alben aus den Achtzigern kann er sich aufgrund seines Drogen- und Alkoholkonsums noch nicht einmal erinnern. Dieser Titel passt also zu seinem Mini-Comeback 1986 — und zum Soundtrack des Films Freitag der 13. Teil VI – Jason lebt.

6. Poison (1989)

Wann immer es um die größten Rockhymnen aller Zeiten geht, darf dieser Song nicht fehlen. In den Achtzigern hatte sich Alice Cooper durch seine Alkohol- und Drogeneskapaden beinahe selbst ins Aus geschossen, doch mit seinem 18. Studioalbum Trash gelang ihm der große Sprung zurück in den Mainstream. Bis heute handelt es sich um seine erfolgreichste Platte — und das nicht zuletzt aufgrund großer Hits wie Poison.

7. Bed Of Nails (1989)

Auch Bed Of Nails stammt von Coopers Über-Album Trash und geriet gleich hinter Poison zum zweiterfolgreichsten Song der Platte. Komponiert hat Cooper das Stück zusammen mit seinem Ex-Bassisten Kane Roberts, seinem Produzenten Desmond Child sowie mit Diane Warren, die nicht nur für Rockgrößen wie Elton John, Tina Turner und Aerosmith tätig war, sondern auch für Popstars wie Whitney Houston und Britney Spears.

8. Hey Stoopid (1991)

Hey Stoopid gehört nicht nur zu Alice Coopers berühmtesten Songs, sondern der Meister des Schockrock begrüßte für das Stück auch jede Menge Gaststars im Studio. Slash, Ozzy Osbourne, Steve Vai, Joe Satriani: Sie alle geben sich in der Nummer die Klinke in die Hand und unterstützen ihren Kumpel Alice bei seinem Rock’n’Roll-Auftrag. Die Botschaft des Songs: „Hey Dummerchen, lass das mit den Drogen doch einfach sein …“.

9. Snakebite (1991)

Wie oft Alice Cooper im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere von Schlangen gebissen wurde, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Doch wir wissen, dass es sich bei Snakebite um einen seiner allerbesten Songs handelt! Inhaltlich ist die Nummer quasi vertonter Machismo. „My face is tattooed in your shoulder / Your name is scratched into my bike“, singt Cooper darin. Na dann …

10. Feed My Frankenstein (1991)

Wer den Rockfilmklassiker Wayne’s World kennt, liebt bestimmt auch Feed My Frankenstein von Alice Cooper. Vor der legendären „Wir sind unwürdig!“-Szene besuchen die beiden Chaoten Wayne und Garth in dem Streifen nämlich ein Konzert des Schockrockers und kommen in den Genuss seiner damals brandneuen Single. Heute gehört die Nummer zu Coopers späten Klassikern — aus gutem Grund!

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Sechs Anekdoten, die nur aus dem Leben von Alice Cooper stammen können

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