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Popkultur

Joe Cocker: Entfesselte Leidenschaft mit Reibeisenstimme

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John Robert ‘Joe’ Cocker OBE war nicht nur einer der anständigsten, ehrlichsten und liebenswürdigsten Menschen in der Welt des Rock’n’Roll, sondern wohl auch eine der unverwechselbarsten R&B-Stimmen. Seine charakteristische Reibeisenstimme war voller Leidenschaft und zeugte von einem Leben, das immer haarscharf an der Grenze zu Selbstzweifeln und Kapitulation geführt wurde. Über die Jahre bekam er eine Menge großartiger Coversongs angeboten, durchlebte aber auch viele Pechsträhnen. Doch Cocker war ein Kämpfer.


Hört euch hier einen Vorgeschmack der besten Songs von Joe Cocker an:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

Mit seiner fast zerbrochen wirkenden Interpretation des in Ringo Starrs Original eigentlich recht sonnig klingenden Beatles-Songs With a Little Help from My Friends gelangte er zu Ruhm. Das dazugehörige Album und ein bahnbrechender Auftritt beim Woodstock Festival machten den jungen Joe Ende der Sechziger zu einem echten Superstar. Für sein Duett mit Jennifer Warnes auf Up Where We Belong erhielt er nicht nur einen Grammy, sondern erreichte mit der Single auch Platinstatus. Seine Arbeit mit der Grease Band und sein Intermezzo als Frontmann der berühmt-berüchtigten Mad Dogs and Englishmen-Tourneen verschafften ihm für immer einen Platz in den Geschichtsbüchern und verhalfen ihm zu absolutem Kultstatus.


Schaut euch hier einen Ausschnitt von dem legendären Woodstock Konzert an:


Aus Sheffield stammend, stieß er sich in den dortigen Arbeiterlokalen die Hörner ab – zunächst als Drummer und dann, eher zögerlich, als Sänger. Ray Charles und Skifflemusik zählten genauso zu seinen Einflüssen wie Merseybeat, aber seine erste Single wurde dennoch ein Cover von John Lennons I’ll Cry Instead, mit dem jungen Jimmy Page an der Gitarre. Mit seiner Band The Avengers kam Joe auf keinen grünen Zweig, aber als er sich unter dem Namen The Grease Band mit Chris Stainton und Jimmy Smith zusammentat und sie von Impresario und Produzent Denny Cordell unter Vertrag genommen wurden, ging es bergauf. Cockers neue Version von With a Little Help from My Friends schrammte die britischen Top 10 und sorgte für ordentlich Rückenwind für sein Debütalbum, das den gleichen Titel trug.



Auf dem Album befinden sich großartige Versionen des Traffic-Songs Feeling Alright und von Bob Dylans I Shall Be Released und Just Like a Woman. Die fantastischen musikalischen Beiträge von Tony Visconti, Albert Lee, Stevie Winwood und Spooky Tooth-Drummer Mike Kellie waren das Sahnehäubchen. Aber was sich wirklich ins Gedächtnis einbrannte, war der schwermütige Gesang, unterstützt durch die Souldivas Brenda Holloway, Merry Clayton und anderen. Die exzellenten Kritiken und beeindruckenden Verkäufe verschafften Cocker Respekt und die verdiente Aufmerksamkeit. 1969 erschien seine zweite Platte. Sie hieß einfach nur Joe Cocker! und profitierte von der Großzügigkeit Paul McCartneys und George Harrisons, die ihm die Songs She Came In Through The Bathroom Window und Something anboten, noch bevor diese auf dem Abbey Road Album erschienen. Auch Let It Be war ein Outtake von einer Studiosession und Joes einflussreiche Freunde sorgten dafür, dass sein zweites und mit Hilfe der amerikanischen Spezialisten Clarence White, Milt Holland und Sneaky Peter Kleinow entstandenes Album den amerikanischen Markt im Sturm eroberte. Tracks wie Delta Lady – geschrieben von Cockers baldigem Komplizen Leon Russell – und ein weiteres Dylan-Cover, Dear Landlord, waren maßgeschneidert für Cockers Liveauftritte mit der gequälten Körpersprache. Außerdem machten sie auch im aufkommenden FM-Radio eine ausgezeichnete Figur.


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Mad Dogs and Englishmen – die Tour, der Film, das Album – war eine Supergroup und ein Ereignis, das mit größtmöglichem Rummel und wie ein kompletter Rock’n’Roll-Zirkus mit Akrobaten, Jongleuren, Groupies und diversen Figuren zweifelhafter Reputation über die Bühne ging. Es ist ein Doppelalbum mit zahlreichen Highlights, insbesondere das Blue Medley, auf dem sich Cocker einer Reihe alter Soulklassiker annimmt, und Superstar, das von Russell und Bonnie Bramlett geschriebene Stück, auf dem Mad Dog Rita Coolidge komplett von der Leine gelassen wird. Diese Momentaufnahme von Cockers Karriere gilt als eines der faszinierendsten Werke von 1970. Nach den Wirren des Intermezzos mit den Mad Dogs war das Album Joe Cocker (1972) eine Rückkehr zur Normalität. I Can Stand a Little Rain und Jamaica Say You Will fallen allerdings wieder durch die Beiträge von Megastars wie Randy Newman, Produzent und Hornist Jim Price und einer Sequenz bemerkenswerter Aufnahmen eines reifer gewordenen Joe Cocker. Stingray (1976) ist eines von Joe Cockers esotherischeren Alben. Unter den Gästen finden sich Namen wie Eric Clapton und Peter Tosh und der lockere Reggae-Vibe passt ganz gut in die Zeit. Der Reggae-Rhythmus kann durchaus abgenutzt klingen, aber Joe Cocker geht mit dem Groove sehr ungezwungen um.


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Auf dem tollen Sheffield Steel (1982) begibt sich Joe Cocker auf die Bahamas, wo er zusammen mit den Compass Point All-stars – darunter Sly and Robbie, Wally Badarou und MIkey Chung – einige Goodies ausgräbt. Joes Songauswahl ist wie immer beispiellos. Er covert Dylan und Newman, Andy Fraser, Jimmy Cliff, The Meters, Winwood und Jimmy Webb und macht sich ihre Song zu eigen.

Diese Qualitäten setzen sich auch auf dem spirituelleren Hymn for my Soul (2007) fort – eine weitere großartige Sammlung von Klassikern, diesmal unter Anderem aus der Feder von George Harrison, Stevie Wonder, John Fogerty und Percy Mayfield, sowie vertrauten Namen wie Dylan und John und Paul. Die Zusammenarbeit mit Ethan Johns verleiht Joe Cocker einen frischeren Sound und so nimmt er sich mit neuer Energie Stevies You Haven’t Done Nothin’ an und verhilft Georges Beware of Darkness zu seiner besten Interpretation seit dem Original. Es ist auch eine Freude, ihn wieder mit den besten Musikern im Rücken zu hören: Heartbreaker Benmont Tench am Piano, Greg Leisz an der Pedal Steel und Jim Keltner an den Drums.


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Außerdem erwähnenswert ist z. B. The Anthology. Auf dieser fantastischen 2CD-Compilation findet sich seine frühe Decca Single I’ll Cry Instead und das schwer zu findende Marjorine, und weitere Hits und Klassiker. Wem diese Sammlung bisher entgangen ist, der sollte sie sich unbedingt zu Gemüte führen. Es ist ein beeindruckender Überblick über eine unvergleichliche musikalische Laufbahn aus der Zeitspanne von 1964 bis 1982. Darüber hinaus gibt es natürlich die 20th Century Masters – The Millennium Collection: Best of Joe Cocker.

Joe Cocker ist einer der wahren Helden der britischen Rockmusik und einer der wenigen Künstler, die man schon nach einem halben Takt erkennt. Wir meinen, er findet nicht genug Beachtung und ist in den letzten Jahren sogar ein wenig in Vergessenheit geraten. Darum wollen wir ihm jetzt den ihm gebührenden Respekt zollen. Joe hat so viel von sich gegeben. Geben wir ihm etwas zurück.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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Popkultur

„Pictures At Eleven“ wird 40: Robert Plants Neuanfang mit Phil Collins

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Robert Plant
Titelfoto: Fin Costello/Getty Images

Um ein Haar wäre Robert Plant nach dem Ende von Led Zeppelin Lehrer an einer Waldorfschule geworden. Dann entscheidet er sich doch für die Musik, hört auf Phil Collins und veröffentlicht vor 40 Jahren sein Solodebüt Pictures At Eleven.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Pictures At Eleven anhören:

Der tragische Tod von Jon Bonham am 25. September 1980 besiegelt auch das Ende von Led Zeppelin. Die geplante USA-Tournee wird abgesagt, statt ihren Schlagzeuger zu ersetzen, geben Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones ihre Auflösung bekannt. Am 4. Dezember 1980 tragen sie die größte und wichtigste Rockband der Siebziger mit einem Statement zu Grabe, das nur mit Led Zeppelin unterzeichnet wird: „Wir möchten verkünden, dass der Verlust unseres engen Freundes und die tiefe Harmonie zwischen und uns unserem Manager dazu geführt haben, dass wir nicht so weitermachen können wir bisher“, heißt es in dem offiziellen Schreiben.

Rudolf Steiner statt Rock‘n‘Roll

Led Zeppelin lösen sich auf, und für einige Zeit sieht es so aus, als würde Robert Plant die Musik an den Nagel hängen. Die zwölf Jahre als Frontmann von Led Zeppelin haben ihn reich und berühmt gemacht, aber natürlich auch ordentlich an seine Grenzen gebracht. Niemand feierte auf Tourneen zuvor derartige Exzesse wie Led Zeppelin. Plant will Lehrer werden und folgt der Rudolf-Steiner-Philosophie – hierzulande besonders durch die Waldorfschulen bekannt. Und irgendwie passt dieser holistische Ansatz doch auch zu diesem Sänger und Texter, der sich immer schon an den Mysterien der Welt abgearbeitet hat, aber auch ein gutes Fantasy-Buch wie Tolkiens Der Herr der Ringe oder walisische Mythologie zu schätzen wusste.

Er wird sogar zur Ausbildung zugelassen, überlegt es sich dann aber doch noch mal anders. Und legt 1982 den Grundstein für eine Solokarriere, die zwar bei Weitem nicht mit den exorbitanten Erfolgen von Led Zeppelin mithalten kann; dafür beflügelt ihn die neugefundene Freiheit, endlich einmal nicht nur auf seinen Brustkorb, seine Haare und seinen Banshee-Gesang reduziert zu werden. Und dafür müssen wir einem gewissen Phil Collins danken. Der ist im Jahr zuvor ebenfalls erstmals als Solokünstler in Erscheinung getreten und hat mit Face Value ordentlich vorgelegt. Jetzt ermutigt er die Hard-Rock-Sirene, es mal als Solitär zu versuchen und stellt ihm gleich noch seine Dienste als Drummer in Aussicht.

„Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst.“

Robert Plant erinnert sich viele Jahre später daran: „Eines Tages kontaktierte mich ein Schlagzeuger und sagte: ‚Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst. Es war Phil Collins. Seien Karriere nahm gerade richtig Fahrt auf und er war total beseelt und positiv und wusste mich zu ermutigen. Niemand konnte sich ausmalen, wie schwierig es damals für mich war, nach allem, was passierte, einen anderen Weg einzuschlagen.“

Das Problem ist ja aber nicht nur ein fehlender Schlagzeuger, sondern auch ein fehlender Komponist. Das war bislang natürlich immer eher Jimmy Pages reich gewesen. Es bringt aber natürlich Vorteile mit sich, der Rockgott der Siebziger schlechthin gewesen zu sein: Robert Plants Adressbuch ist voller spannender Menschen mit einem gerüttelt Maß an Talent und großem Interesse, am ersten Alleingang des Sängers mitzuwirken. Mit dem Gitarristen Robbie Blunt findet er nicht nur ein Bandmitglied, sondern auch einen begabten Komponisten, der sich darauf versteht, gemeinsam mit Plant ein Album zu schreiben, das gleichzeitig nah am Led-Zep-Sound ist und zugleich neue Aromen einbaut.

Befreiungsschlag

Was ab September 1981 in den Rockfield Studios in Wales entsteht, ist ein hervorragendes Hard-Rock-Album mit elektronischen Anleihen, angetrieben von den Schlagzeugern Phil Collins und Cozy Powell und ausgerichtet an Plants mächtigen Schreien. Vielleicht enthält es kein Stairway To Heaven oder kein Kashmir; dafür bietet es einige Songs, die man sich in einem anderen Band-Setup auch auf einem Album von Led Zeppelin vorstellen könnte. Gewollt war das nicht, so Page: „Ich habe viel Schmerzen und Mühen auf mich genommen, meinen eigenen Sound zu kreieren“, sagte er mal. „Irgendwann mitten in den Aufnahmen fragte ich einend er Tontechniker, der auch mit Zeppelin auf Tour war: ‚Ist es zu nah dran? Denn wenn es zu nah ist, hören wir auf!‘ Und er sagte: ‚Aber nein, die Stimmung ist eine völlig andere.‘“ Die Stimmung vielleicht schon. Dennoch sind Slow Dancer und Burning Down On One Side 1982 willkommene Refugien für die immer noch geschockten Zeppelin-Fans.

Sicher spielen Collins und Powell anders als Bonham, sicher hat Robbie Blunts expressiver Stil nichts von Jimmy Page. Doch die Melodien, die epische Breite, die orientalische Verspieltheit und der massive, harte Sound, all das findet sich auch auf Pictures At Eleven. Letzten Endes kann man sich eben immer nur so weit von seinen Schatten lösen wie man es selbst fertig bringt. Für Plant wird das Album zum Befreiungsschlag. Er singt, er komponiert, er produziert – und legt den Grundstein für eine Solokarriere, die auch noch 40 Jahre später blüht.

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Zeitsprung: Am 28.6.2010 verklagt der Folk-Musiker Jake Holmes Led Zeppelin.

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