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Popkultur

Die musikalische DNA von Janis Joplin

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„Sie wagt es, anders zu sein”“, schrieb das Käseblatt der Universität von Austin im US-amerikanischen Bundesstaat im Jahr 1962 über eine Studentin, die das Anderssein neu definieren sollte. „Sie läuft barfuß, wenn es ihr gefällt, trägt Levis zum Unterricht, weil sie bequemer sind und trägt eine Autoharp mit sich herum für den Fall, dass sie den Drang verspürt, einen Song zu singen. Ihr Name ist Janis Joplin.“ Joplin stach schon immer aus der Masse heraus wie ein Mittelfinger aus der Faust. „Ich war eine Außenseiterin“, erinnerte sie sich an ihre Schulzeit. „Ich las, malte, dachte. Ich habe Schwarze nicht gehasst.“ Kein Wunder, dass ein solcher Freigeist in die weite Welt hinaus wollte, anstatt im engstirnigen Texas zu bleiben. Joplin verließ die Heimat bald und wurde zu einem der größten Stars ihrer Zeit. Bis ihr Leben mit nur 27 Jahren ein viel zu frühes Ende fand.

In nur kurzer Zeit prägte Joplin mit ihrem unvergleichlichen Stimmregister den Sound einer ganzen Generation, ohne sich dabei sonderlich um ihren Ruhm zu scheren. Sowieso ist die Musik der Sängerin mehr als unbekümmert. „Ich denke nicht wirklich nach“, gab Joplin zu Protokoll, als sie der Talk-Show-Host Dick Cavett fragte, was während ihrer Auftritte in ihrem Kopf vorging. „Ich versuch lediglich, was zu fühlen.“ Vor allem aber fühlte ihr Publikum etwas: Schmerz, Liebe, Leidenschaft. An Joplins Ausdrucksfähigkeiten konnte sich zu ihrer Zeit neben Joe Cocker vielleicht niemand messen. Was die Sängerin aber so besonders machte, das erfahren wir mit Blick auf ihre musikalische DNA. Die enthält einen Stilmix, so einzigartig wie Joplin selbst.

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Hör dir hier Janis Joplins musikalische DNA als Playlist an und lies weiter:


1. Roger Miller – Me And Bobby McGee

„Das ist ein Song von einem guten Freund von mir, einem Songwriter aus Vegas. Er wird sehr erfolgreich sein, ich gebe ihm gut ein Jahr dafür“, ist Joplin auf einer Live-Aufnahme zu hören, bevor sie ihren wohl größten Hit Me And Bobby McGee anstimmt. Gemeint war Kris Kristofferson, der das Stück – wie der Großteil ihrer erfolgreichsten Singles handelte es sich um ein Cover – mit Fred Foster zusammen geschrieben hatte.

Das Konzert, bei dem Joplin diese Worte sagte, wurde 1970 aufgenommen. Ein Jahr später war Kris Kristofferson immer noch kein Weltstar und sie selbst tot. Es bleibt ihre Version von Me And Bobby McGee. Ausgerechnet ein waschechter Country-Song sollte den Spirit der Hippie-Zeit am besten einfangen. Es brauchte für die richtige Version nur die passende Stimme. Roger Miller, für den Kristofferson und Foster das Stück geschrieben hatten, war einfach zu brav. Joplin aber hauchte dem Stück die notwendige Melancholie und Lebenslust ein.


2. Joan Baez – In The Quiet Morning

Dass sich Joplin als Südstaatlerin dem Country und auch dem Folk zuwand, das dürfte niemanden überrascht haben. Aber sie fand ebenso in der Folk-Tradition ihres Landes Inspiration, insbesondere in ihrer Gegenwart. Joan Baez gehörte zu den großen Stars dieser Tage und gilt als die Speerspitze des Folk-Revivals in den sechziger Jahren. Sie war auch eine gute Bekannte von Joplin, der sie mit ihrem Cover von Mimi Baez Farinas In The Quiet Morning nach dem Tod der Freundin einen denkwürdig schönen Song widmete.

Bevor sie in Gedenken an Joplin aber die traurigen Zeilen „The poor girl, tossed by the tides of misfortune“ sang, erlebte sie mit der zwei Jahre jüngeren Rockröhre aber unvergessliche Momente. Das erste Mal trafen sich die beiden ungleichen Sängerinnen im Jahr 1968 auf dem legendären Newport Folk Festival. Joplins Road-Manager John Byrne Cook erinnerte sich in seinem Buch über Joplin an eine unangenehme Begegnung. Besser kamen die beiden schon auf ihrem nächsten Festivalzusammentreffen zurecht: Bei einem Helikopterflug zum Woodstock-Gelände lud Baez die zwei Jahre jüngere Kollegin zum Teetrinken bei ihrer Familie ein. „Tee!? Was für Whiskeymarken habt ihr zuhause?“, soll die Antwort gelautet haben.


3. Grateful Dead – Turn On Your Lovelight (Live)

Unhöflich? Vielleicht, aber Baez hat es keineswegs so aufgenommen. Sie wusste ja auch ganz genau, wen sie da fragte: Joplin war für ihren Konsum berüchtigt. Sie war eben anders als die zurückhaltende Baez ein Kind der Flower-Power-Bewegung und somit, sagen wir mal experimentierfreudig. Mit ihrer Band Big Brother and the Holding Company wohnte sie bisweilen gemeinsam in einem Haus in kommunenartigen Verhältnissen und feierte wilde Partys mit der Band Grateful Dead, der vielleicht ikonischsten aller Hippie-Bands.

Kaum etwas ist legendärer als die orgiastischen Grateful Dead-Konzerte, die auf unzähligen Mitschnitten verewigt wurden. Wusstet ihr aber, dass auch Joplin mit der Band auf der Bühne stand? Am 7. Juni 1969 performte sie gemeinsam mit der Band eine 20-minütige Version von Turn On Your Lovelight, einem Rhythm and Blues-Song von Bobby Bland aus dem Jahr 1961. Sie sang das Stück gemeinsam mit Ron „Pigpen“ McKernan, einem Gründungsmitglied der Band, mit dem Joplin in einer kurzen Beziehung war und der wie sie tragischer Weise in den „Club 27“ eintrat. Das exzessive Rockstar-Leben hatte nicht allein Joplin ruiniert: Die Siebziger forderten reihenweise Opfer.


4. Jimi Hendrix – Woodstock Improvisation

Eines der bekanntesten ist wohl Jimi Hendrix. Wie Joplin und Pigpen verstarb der geniale Gitarrist mit nur 27 Jahren, nur 16 Tage vor Joplin. Nicht auszudenken, wie viel fantastische Musik die beiden der Welt noch hätten schenken können! Das Schicksal aber hatte andere Pläne für die beiden, die zuerst im Jahr 1967 beim Monterey Pop Festival die Bühne teilten und sich nur wenig später bei einem Gedenkkonzert für den im April des Folgejahres erschossenen Martin Luther King wiedersahen.

Die Wege der beiden Ausnahmegenies sollten sich im Laufe ihrer kurzen Karrieren häufiger kreuzen. Nicht allein bei Woodstock, wo Joplin gemeinsam mit Joan Baez aus Joe Cockers Van dem Kollegen dabei zusah, eines der legendärsten Konzerte aller Zeiten zu geben. Was das für ein Anblick gewesen sein muss! Und wie es wohl geklungen hätte, wenn die beiden ihre Talente vereint hätten? Obwohl sich hartnäckige Gerüchte halten, nach denen Hendrix auf einer Version von Summertime zu hören ist, konnte das nie bestätigt werden. Wir werden ja aber noch mal tagträumen dürfen…


5. Eddie Head and his Family – Down On Me

Ihre Inspiration fand Joplin aber nicht allein bei ihren Kollegen und Zeitgenossen, sondern auch in der reichhaltigen Tradition afroamerikanischer Musik. Joplin, die wie unter anderem auch Baez eine Vertreterin schwarzer Bürgerrechte war, beschäftigte sich parallel zu Country, Folk und Rock unter anderem mit Gospel. Am bekanntesten dürfte wohl ihre Version des Traditionals Down On Me sein, dessen frühste Aufnahme aus dem Jahr 1930 stammt.

Die Version von Eddie Head and his Family stellt so etwas wie eine musikalische Querverbindung dar, nimmt sie doch gleichermaßen Elemente aus dem klassischen Gospel, der Country-Musik und dem Blues auf. Kein Wunder, dass Joplin die Nummer zusagte. Ihre eigene Version mit Big Brother and the Holding Company kanalisiert all diese musikalischen Aspekte in einer treibenden Rock-Nummer, dessen spiritueller Flair von Joplins meisterhafter Gesangsleistung getragen wird.


6. Big Mama Thornton – Ball N’ Chain

Dass Joplin einen dermaßen durchmischten Musikgeschmack hatte, erklärt sich unter anderem mit ihrer Rolle als Außenseiterin. Noch zu Schulzeiten freundete sich mit einer Gruppe von Gleichgesinnten an, durch die sie an ihre ersten Blues-Platten kam. Ma Rainey, Lead Belly und Bessie Smith standen auf dem Programm. Nur wenig später begann Joplin, selbst zu singen und bereicherte die Welt um eine Blues-Interpretation, wie sie zuvor noch nicht gehört wurde.

Joplin aber hatte für ihren einzigartigen Klang eindeutige Vorbilder und schämte sich nicht, das zuzugeben. Im Gegenteil! Ihre Coverversion von Big Mama Thorntons Ball N’ Chain bedeutete eine Verbeugung vor der Blues-Legende, deren Stimme ganz ähnliche Gänsehauteffekte hervorrief wie später Joplins. Die leider nur als Live-Aufnahmen erhältlichen Cover-Versionen Joplins zeichnen sich wie auf dem Monterey Pop Festival durch einen entgrenzten Rock-Sound aus, der den satten Blues Big Mama Thorntons mit der Hippie-Mentalität der späten Sechziger vereinte.


7. Bessie Smith – Nobody Knows You When You’re Down And Out

Kaum eine Sängerin hat Joplin aber dermaßen geprägt wie Bessie Smith. Nachdem die aufstrebende Sängerin zuerst im Teenage-Alter in Berührung mit der Musik der vielseitigen Künstlerin kam, nahm sie ihren Mut zusammen und versuchte sich selbst am Mikro. „Sie hat mir die Luft gezeigt und wie ich sie füllen kann“, sagte Joplin in schwärmerischen Tönen von Smith. „Sie ist der Grund, warum ich überhaupt mit dem Singen begonnen habe.“ Nicht selten soll sie in ihrem Freundeskreis behauptet haben, die wiedergeborene Smith höchst selbst zu sein.

Wie Joplin später war die 1937 verstorbene Smith eine musikalische Grenzgängerin, die den Sound des Delta Blues ins Radio brachte. Was Smith auszeichnete, waren ihre ausdrucksstarken Phrasierungen. Um sich trotz der damals noch recht bescheidenen Aufnahmetechnik Gehör zu verschaffen, brauchte es im Studio gehörigen Druck. Smith brachte genau den mit. Nur logisch, dass Joplin sich daran ein Beispiel nehmen sollte. Denn insofern war sie wohl wirklich die Wiedergeburt von Bessie Smith oder zumindest ihre einzig wahre musikalische Erbin.


8. Otis Redding – I Can’t Turn You Loose

Vom bittersüßen Jazz-Blues der großen Smith führt ein direkter Weg zum Soul-Sound, der sich in den sechziger Jahren etablierte. Der tragisch früh verstorbene Otis Redding gehörte zu den Stars des Labels Stax und schaffte, was zu seiner Zeit nur wenigen schwarzen Künstlern vergönnt war: Seine Musik wurde auch auf weißen Radiostationen gespielt und machte sich in den Charts prächtig.

Joplin sah Redding zuerst im Jahr 1966 live und sollte schon im Jahr später mit ihm auf dem für sie so schicksalsträchtigen Monterey Pop Festival die Bühne teilen. Reddings Einfluss auf die Musik der Kollegin kann kaum unterschätzt werden. Hatte Smith ihr das Singen beigebracht, so lehrte er sie, wie sich „ein Song pushen ließ anstatt einfach nur mit der Stimme drüber zu glitschen“, wie Joplin es selbst ausdrückte. Was sie damit meint, zeigt sich unter anderem in einem Live-Mitschnitt ihrer Kozmic Blues Band aus dem Jahr 1969: Nach einer regulären Coverversion fängt sie an mit ihrer Band zu jammen. So klingt das, wenn ein Song wirklich gepusht wird!


9. Erma Franklin – Piece of My Heart

Die Beschäftigung mit Soul äußerte sich auf verschiedene Weisen in Joplins Werk. Mit am bekanntesten dürfte ihr Song Piece Of My Heart sein, einer ihrer größten Hits, und wie einige andere eine Coverversion. Ursprünglich wurde er von Erma Franklin eingesungen, die unverständlicher Weise immer noch im Schatten ihrer großen Schwester Aretha steht, bei der sie ihr einzigartiges Talent als Backgroundsängerin verschwendete.

Piece Of My Heart immerhin trug dazu bei, dass Franklin etwas mehr Aufmerksamkeit zukam. Sogar einen Grammy bekam sie dafür. Es sollte jedoch ihr einziger großer Erfolg sein und die meisten werden bei der markanten Gesangsmelodie wohl doch zuerst an Joplins leidenschaftliches Kreischen denken. Dabei hatte sie mit ihren Coverversionen doch selbst stets nur ihren Vorbildern danken wollen. Eine eigentlich traurige Ironie des Schicksals.


10. Nina Simone – Stars (Live at Montreux)

Joplin hat im Laufe ihrer kurzen Karriere viele Künstlerinnen gecovert, ist in den vergangenen Jahrzehnten oft gecovert worden und einige Songs wurden ihr gewidmet. Die Resultate variierten, am besten aber hat es Nina Simone gemacht. Wie, werdet ihr euch fragen, wieso weiß ich nichts davon, dass Simone einen Song über die große Joplin geschrieben hat? Das aber genau ist der Punkt: Sie hat genau das nicht getan. Was in ihrem Fall die größtmögliche Respektsbekundung überhaupt ist.

„Ihr wisst, dass ich 35 Alben eingespielt habe, und siebzig kursieren als Bootleg“, erzählte sie ihrem Publikum bei ihrem legendären Auftritt auf dem Montreux Jazz Festival im Jahr 1976. „Oh, jeder hat sich sein Stück von mir genommen. Und gestern habe ich hier Janis Joplins Film gesehen. Und was mich am meisten verstört hat, und ich habe sogar angefangen, einen Song darüber zu schreiben, aber entschied mich, dass ihr dessen nicht wert seid. Weil ich schätze, dass ihr des Festivals wegen hier seid. Jedenfalls, was mich schmerzte war, mitanzusehen, wie hart sie gearbeitet hat. Weil sie süchtig war, und nicht nach Drogen. Sie war süchtig nach einem Gefühl und sie ist vor Leichen aufgetreten.“ Starke, richtige Worte. „Stars, they come and go“, nur Joplins Musik bleibt uns ewig erhalten.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:


Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.



Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”



Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”




Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Poster für das Schulkonzert, ausgestellt im Metalli-Museum während der Europatour 2017 – Pic: Christof Leim

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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Popkultur

Zum Start der Open-Air-Saison: Die 10 ikonischsten Festivalauftritte aller Zeiten

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FREDDIE MERCURY
Titelfoto: Steve Rapport/Getty Images

David Bowie um fünf Uhr morgens, Kurt Cobain im Rollstuhl, Bob Dylan elektrisch: Diese zehn Festivalgigs haben Musikgeschichte geschrieben. Und stimmen ein auf die erste Freiluftsaison seit 2019.

von Björn Springorum

1. Bob Dylan – Newport Folk Festival, 1965

„Judas!“ Viel mehr muss man zu Dylans berüchtigtem Auftritt beim Newport Folk Festival 1965 nicht sagen. Er wagt es doch tatsächlich, eine elektrische Gitarre zu spielen. Skandal, Zeter und Mordio! Unnötig zu erwähnen, dass sein Auftritt brillant und seine Attitüde schon damals bewundernswert renitent ist.

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2. Jimi Hendrix – Monterey, 1967

Alles beginnt 1967 in Monterey. Es ist eines der ersten Rock-Festivals überhaupt (schlanke zwei Jahre vor Woodstock), es ist das erste große Konzert der Jimi Hendrix Experience in den USA und es ist das Epizentrum des Summer of Love. Am 18. Juni 1967 will das 24-jährige Wunderkind Hendrix, diese Mischung aus Feuerpriester, Sexgott und Jahrtausendkünstler, beweisen, ws in ihm steckt – und zündet während des Gigs einfach mal seine Gitarre an . Seine Anbetung der Flammen sieht nicht nur verdammt eindrucksvoll aus, sie hat auch einen PR-Zweck: Clever übertrumpft er damit The Who, die anschließend spielen und zum Finale natürlich wieder ihre Gitarre zerdeppern.

3. The Who – Woodstock, 1969

Müßig eigentlich, eine einzelne Performance aus diesem schlammigen, lysergischen, chaotischen Fieberwahn herauszulösen. Weil man aber so gut wie immer Hendrix und seinen verzerrten Abgesang auf die Nationalhymne heranzieht, entscheiden wir uns heute mal für The Who, die am Morgen des 17. August 1969 um halb sechs auf die Bühne gehen. Egal, Zeit und Raum waren da längst abgeschafft. Die wilde, sehr körperliche, laute und aggressive Show von The Who resultiert aus der schlechten Stimmung der Band. Die bekommt Aktivist Abbie Hoffman zu spüren, der sich erst Pete Townshends Mikro schnappt und dann von Townsheds Gitarre von der Bühne geprügelt wird. Randnotiz: Für ein Festival des Friedens gab es für die Nummer unpassend viel Applaus. Als The Who von der Bühne gehen, lassen sie eine zerstörte Gitarre und dröhnendes Bass-Feedback zurück. The Who – immer schon wilder und gefährlicher als alle anderen.

4. Led Zeppelin – Bath, 1970

Am Sonntag, den 28. Juni 1970, machen Led Zeppelin der Rock’n’Roll-Welt klar, dass es keine Grenzen für sie gibt. In nur zwölf Monaten wurden sie von einer moderat bekannten Rockband zu Göttern. 150.000 Menschen kamen in die englische Küstenstadt, überwiegend wegen Led Zep. Die nutzen ihre Headliner-Position für ein langes Set, mit dem sie ihrer Heimat ihren Superstar-Status mal gehörig unter die Nase reiben wollen. Und das mit Gusto, Bravado und Grandezza tun.

5. David Bowie – Glastonbury, 1971

Manchmal lohnt es sich, sehr lang wach zu bleiben. Oder sehr früh aufzustehen. Bei David Bowies Glastonbury-Stunt 1971 waren das gerade mal 12.000 Menschen. Die aber kommen am 23. Juni 1971 um fünf Uhr morgens in den Genuss eines einzigartigen Akustik-Sets, bei dem Bowie nach dem Erfolg von Space Oddity seine Wandlungsfähigkeit mal so richtig aufblitzen lässt und Songs wie Oh! You Pretty Things in Unplugged-Versionen spielt.

6. Queen – Live Aid, 1985

Man kann darüber streiten, ob U2s improvisierter Auftritt oder Queens straffes, ökonomisches Medley der eigentliche Höhepunkt des megalomanischen Benefiz-Spektakels Live Aid ist. Fakt ist: Queens 20 Minuten haben die größere Signalwirkung. Die Band hat sich wieder zusammengerauft, Mercurys Stimme überstrahlt alles und Bohemian Rhapsody ist einer dieser Musikmomente für die Ewigkeit.

7. Nirvana – Reading, 1992

1992 werden Nirvana von der Wirklichkeit eingeholt. Der Grunge-Traum wird zum Albtraum, eine aus Rebellion und Antithese gestartete Bewegung wird vom Mainstream ausgeschlachtet – Boulevardpresse inklusive, die Kurt Cobain 1992 als abgehalfterten Junkie darstellen. Cobain reagiert mit gewohnt zynischem Gespür für eine Situation und lässt sich in einem Rollstuhl auf die Bühne schieben. Die Show danach geht in die Annalen ein – anarchisch, kraftvoll, versengend.

8. Manic Street Preachers – Reading, 1994

1994 treten die Manic Street Preachers ohne ihren Gitarristen Richey Edwards auf. Der befindet sich nach einem Selbstmordversuch damals im Krankenhaus, die Band zieht eine der größten Shows ihrer Karriere als Trio durch und legt sich mächtig ins Zeug. Es ist nur der Anfang der Tragödie rund um Edwards: Am 1. Februar 1995, einen Tag vor ihrer USA-Tournee, verschwindet er spurlos. Mehrfach wollen ihn Menschen gesehen haben – auf Goa, Fuerteventura. Doch er taucht nie wieder auf und wird 2008 offiziell für tot erklärt. Wenige Monate zuvor stehen die Manic Street Preachers wieder in Reading auf der Bühne – und widmen ihm ihr Set.

9. Oasis – Glastonbury, 1994

Ihr Triumph von 1994 zeigt, wie schön es gewesen wäre, wenn Oasis ihre Egos im Griff gehabt hätten. Ihre bis dato größte Show ist das Ereignis, das sie zu überlebensgroßen Rockstars macht – mit allen Konsequenzen. Es ist aber auch die Show, die zeigt, wie es dazu kommen konnte: Die Band ist nicht gut, sondern genial, alles passt, hier wird spürbar Geschichte geschrieben.

10. Amy Winehouse – Glastonbury, 2004

Im verregneten Sommer 2004 ist Amy Winehouse noch einen Quantensprung von dem zerstörerischen Ruhm entfernt, der sich ab Back To Black aus der Spur bringen und letztendlich vernichten wird Ein halbes Jahr zuvor war ihr Debüt Frank erschienen, ein vielbeachtetes Werk zwischen Soul, Pop und Jazz, das bei ihrem Glastonbury-Debüt 2004 schon viele Freunde hatte. Die standen im Matsch und sahen eine junge, fröhliche, zufriedene Amy Winehouse, die sang als gäbe es nichts natürlicheres auf der Welt. Das tat sie drei Jahre später auch noch. Nur die Fröhlichkeit, die war dann schon verschwunden.

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Zeitsprung: Am 18.8.1969 beendet Jimi Hendrix das legendäre Woodstock Festival.

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Popkultur

Der Boss kommt: Bruce Springsteen spielt drei Deutschlandkonzerte!

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Bruce Springsteen
Foto: Jamie Squire/Getty Images

2023 wird ein guter Sommer: Bruce Springsteen & The E Street Band kommen nächstes Jahr im Juni und Juli für drei Open-Air-Shows nach Deutschland. Freuen können sich Düsseldorf, Hamburg und München.

von Björn Springorum

Es sind die ersten Live-Dates von Bruce Springsteen und seiner E Street Band seit Abschluss der „The River“-Tour von 2016, mit der er in München und Berlin Halt machte: Für den Sommer 2023 haben der Boss und seine Kollegen jetzt eine endlich mal wieder eine ordentliche Europatour angekündigt. Und zu feiern gibt es viel: Seit ihrer letzte Reise durch die Alte Welt sind mit Western Stars und Letter To You bereits zwei neue, ganz hervorragende Springsteen-Platten erschienen.

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„Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen“

Hier die genauen Daten für Deutschland:

21.06.2023 Düsseldorf, Merkur Spiel Arena

15.07.2023 Hamburg, Volksparkstadion

23.07.2023 München, Olympiastadion

Im deutschsprachigen Ausland kommen zudem Zürich (13. Juni) und wien (18. Juli) in den Genuss einer Audienz beim Boss. Der Vorverkauf für alle Shows startet am 3. Juni 2022, um zehn Uhr morgens. Springsteen selbst kommentiert diese frohe Kunde wie folgt: „Nach sechs Jahren freue ich mich, endlich wieder unseren großartigen und loyalen Fans zu begegnen. Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen. Wir sehen euch da draußen im nächsten Sommer und darüber hinaus!“

Die aktuell E-Street-Band-Besetzung liest sich derzeit wie folgt: Roy Bittan (Piano, Synthesizer) Nils Lofgren (Gitarre), Patti Scialfa (Gitarre, Gesang), Garry Tallent (Bass), Stevie Van Zandt (Gítarre, Gesang), Max Weinberg (Drums), Soozie Tyrell (Violine, Gitarre, Gesang), Jake Clemons (Saxophon) und Charlie Giordano (Keyboards).

Allgemeiner Vorverkaufsstart:

Fr., 03.06.2022, 10:00 Uhr

www.livenation.de/artist-bruce-springsteen-and-the-e-street-band-1975

www.ticketmaster.de

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Zeitsprung: Am 3.5.1984 erscheint „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen.

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