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Popkultur

Die musikalische DNA von Paul McCartney

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Als sich im Jahr 1954 zwei Teenager im englischen Speke auf dem Weg zur Schule kennenlernten, war noch nicht abzusehen, was die nächsten 16 Jahre für sie bringen würden. Paul McCartney erinnert sich eher verschämt daran, wie er George Harrison damals begegnete. Er sei arrogant gewesen, erzählt er einst in einem Interview, weil Harrison ein Jahr jünger als er war. Hätten sie damals nur gewusst, dass das Schicksal sie für fast ein halbes Jahrhundert zusammenschweißen sollte!

McCartneys Arroganz von damals sei entschuldigt. Nicht nur wird er in den folgenden Jahrzehnten Harrison allen erdenklichen Respekt zukommen lassen, er schreibt auch die wohl einfühlsamsten Songs aller Zeiten. Selbst inmitten einer Truppe von Genies, Seite an Seite mit genialen Songwritern wie John Lennon und Harrison, steht McCartney immer noch unerreicht für sich. Was er den Kollegen stets voraus hat, ist aber natürlich nicht das Alter. Sondern ein einmaliges Ohr für die perfekte Melodie, das sich mit einem ausgeprägten Interesse für Musik jeglicher Couleur paart. Kaum zu glauben, dass er sich das alles selbst beigebracht hat.

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„Ich denke, mein musikalischer Ansatz ähnelt dem eines Höhlenmenschen, der ohne Ausbildung gemalt hat“, sagte McCartney einmal. Eine seltsame Aussage, oder? Einerseits stimmt es natürlich, dass er kein musikalisches Training im klassischen Sinne vorzuweisen hat und laut Selbstaussage nicht mal Noten lesen kann. Andererseits hat McCartney einiges dadurch gelernt, dass er sich intensiv mit der Musik anderer auseinandergesetzt hat. Ein Blick auf die musikalische DNA Paul McCartneys zeigt uns, wer ihm was beigebracht hat und was er letztlich daraus gemacht hat. Denn aus dem schnoddrigen Teenie von damals wurde ein Songwriter, wie ihn die Welt zuvor noch nicht gehört hatte.

1. Slim Whitman – All Kinds Of Everything

Alle fangen mal klein an und auch Paul McCartney macht da keine Ausnahme. Zum Glück hatte er einen musikalischen Vater, der selbst als Trompeter und Pianist in diversen Jazz-Bands aktiv war und den Sohnemann stets dazu ermutigte, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Klavierstunden lehnte Paul aber ab, es ging für ihn bestens nach Gehör! Auch die Trompete, die ihm sein Vater zum 14. Geburtstag schenkte, war schnell Geschichte, als der Rock’n’Roll Pauls Leben betrat. Er tauschte sie gegen eine Akustikgitarre ein.

So zumindest konnte er beim Musizieren auch singen. Nur machte ihm die Gitarre Probleme, weil sie für Rechtshänder gemacht war. Was tun? McCartney fand die Lösung in einem Musikmagazin, genauer gesagt auf einem Foto, das Slim Whitman zeigte. Der spielte auch auf einer Gitarre für Rechtshänder, hatte aber die Saiten anders herum aufgezogen. Eine Offenbarung für den jungen Paul, der schon bald darauf das Instrument meistern und seine ersten Songs darauf schreiben sollte. Der jodelnde Folk-Barde Whitman wurde übrigens noch von einem anderen Beatle als Inspiration genannt: George Harrison.

2. James Jamerson – Bernadette (Bass Line)

Wenn wir an Paul McCartney denken, dann haben wir eher selten eine Gitarre und vielmehr einen Bass vor Augen. Der Beatle gilt nicht ohne Grund als einer der innovativsten Bassisten aller Zeiten. Das liegt unter anderem daran, dass er sich nicht nur von Rock’n’Roll inspirieren ließ – beispielsweise bediente er sich für I Saw Her Standing There großzügig bei I’m Talking About You von Check Berry –, sondern auch vom Motown-Sound und Jazz. Lange bevor McCartney gemeinsam mit Motown-Legende Stevie Wonder im Jahr 1982 den unvergesslichen Hit Ebony & Ivory aufnahm, sog er den Soul in sich auf.

„Den größten Einfluss auf mein Bassspiel hatte James Jamerson, der auf vielen meiner Lieblingsplatten von Motown mitgespielt hat“, verriet McCartney in einer Fan-Fragerunde. Fast lässt sich auch eine Parallele zwischen den beiden ziehen, agierten sie doch stets deutlicher im Vordergrund als ihre Bandgenossen. Jamerson mag zwar heutzutage als einer der einflussreichsten Bassisten aller Zeiten gelten, im Spotlight war das Funk Brothers-Mitglied  jedoch selten zu finden. Dabei sind doch Basslines wie die von Bernadette von den Four Tops für die Ewigkeit geschrieben, wie dieser Instrumental-Mix des Stücks deutlich zeigt.

3. Buddy Holly – Peggy Sue

Der Soul-Sound Detroits war aber bei weitem nicht das einzige, was schon früh aus den USA nach Großbritannien herüber schwappte, bevor die vier jungen Beatles selbst die „British Invasion“ anführen sollten. Der US-Amerikaner Buddy Holly sollte in seiner kurzen Karriere – nur 22 Jahre alt wurde der Gitarrist, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam – für immer seinen Fingerabdruck auf dem Rock’n’Roll hinterlassen. Er inspirierte auch eine kleine Skiffle-Group aus Liverpool, deren ersten vierzig Songs laut einem ihrer Mitglieder von Holly beeinflusst gewesen sein. Genau, die Rede ist natürlich von den Beatles und McCartney, der als einer der größten Holly-Fans weltweit gilt. Selbst der Name der Beatles leitete sich von Hollys Band ab, den Crickets.

1971 kaufte McCarty die Veröffentlichungsrechte an Hollys gesamten Katalog und führte 1976 anlässlich des vierzigsten Geburtstags des Idols die jährliche „Buddy Holly Week“ in England ein. Seitdem wird er immer wieder als Experte herangezogen und spricht gerne über das Rock-Genie. Neben Songs wie That’ll Be The Day, das die Beatles – damals noch unter dem Namen The Quarrymen – schon früh in ihrer Karriere coverten, war es vor allem ein Song wie Peggy Sue, den McCartney immer noch gerne live spielt, der die jungen Pilzköpfe nachhaltig beeindrucken sollte. Besonders sehenswert ist es, wie er sich bei einer Studiosession mit Ronnie Wood die Gitarre schnappt und während einer kleinen Jam-Session die harmonischen Feinheiten des Songs diskutiert.

4. Carl Perkins – Blue Suede Shoes

Selbst Buddy Hollys Karriere wäre vielleicht aber nie möglich gewesen, hätte er sich nicht eines Tages nach einem Konzert mit Elvis Presley ein Herz gefasst. Im Vorprogramm vom absoluten King Of Rock zu spielen, bewirkt eben Wunder. Auch McCartney und die Beatles haben Elvis einiges zu verdanken. Der wiederum aber hatte auch seine Idole, darunter den kauzigen Rockabilly-Sänger Carl Perkins, der den von Elvis berühmt gemachten Song Blue Suede Shoes geschrieben hatte. „Gäbe es Carl Perkins nicht, die Beatles würden nicht existieren!“, sagte McCartney selbst.

Wie schon bei Buddy Holly war es wohl der abenteuerliche Stilmix, für den Perkins einstand. Blues, Country, Pop, das alles in einem einzelnen Song zu hören, war 1955 noch im wahrsten Sinne unerhört. Aber die Beatles und McCartney waren auf der Suche nach dem Unkonventionellen. Sie fanden es in Perkins. Ob das heißen soll, dass Elvis ihnen nicht weiter wichtig war? Schließlich ist er nicht mal auf dem Sgt. Pepper-Cover zu sehen! Iwo, winkte McCartney ab. „Elvis ist einfach zu wichtig und zu weit über allen anderen, um ihn zu erwähnen“, beschwichtigte er die Nachfragen. „Er war mehr als ein Pop-Sänger, er war Elvis the King!“ Warum Perkins aber darauf nicht aufgeführt wird…?

5. Little Richard – Long Tall Sally

Naja, zumindest waren Elvis und Perkins nicht allein – selbst Little Richard findet sich nicht auf dem wohl ikonischsten Cover-Artwork der sechziger Jahre! Dabei war es doch ein Little Richard-Song, mit dem McCartney seine Bühnenkarriere begann: Bei einer Talentshow stand er das erste Mal auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und spielte Long Tall Sally, den auch die Beatles später coverten. Auch nach seiner Beatles-Karriere blieb McCartney dem Idol treu und spielte dasselbe Stück auf Tour mit seiner Band Wings.

Wichtiger noch als Little Richards exaltiertes Auftreten und sein legendäres Gitarrenspiel war wohl seine Stimme. McCartney ahmte den Falsetto-Gesang des US-Amerikaners nach und gab sogar zu, I’m Down von den Beatles extra geschrieben zu haben, um sich im selben Register zu versuchen! Selbst bei einem Auftritt mit den verbliebenen Nirvana-Mitgliedern im Jahr 2013 spielte McCartney Long Tall Sally. Ein Song, der ihn zweifelsohne sein ganzes Leben lang begleitet.

6. The Beach Boys – God Only Knows

Es waren aber nicht immer nur bereits etablierte Helden, die sich maßgeblich auf das Schaffen der Beatles im Allgemeinen und auf McCartney im Speziellen auswirkten. Mit Beach Boys verbindet die Band ein produktiver Konkurrenzkampf, der sich über mehrere Alben erstreckte. Beide Bands liebäugelten in den Sechzigern stark mit der aufkommenden Psychedelic Rock-Welle und nahmen sich im Studio alle möglichen Freiheiten. McCartney lobte den Beach Boys-Mastermind Brian Wilson, „weil er ungewöhnliche Wege ging.“ Mehr als einmal sollten sich ihre eigenen Pfade überkreuzen.

Alles gipfelte im Jahr 1966, als beide Bands mit ihren bis dahin ambitioniertesten Alben ins Rampenlicht traten: Revolver von den Beatles einerseits, Pet Sounds von den Beach Boys andererseits. Angestachelt von den revolutionären Aufnahmemethoden Wilsons machten sich die Beatles sogleich daran, die kalifornischen Kollegen mit Sgt. Pepper zu übertrumpfen. Dabei war doch für Wilson selbst ein voriges Beatles-Album der Maßstab gewesen: Rubber Soul. Der Wetteifer beider Bands und ihrer Mitglieder hinderte sie allerdings nicht daran, Freundschaft zu schließen. Noch im Jahr 2002 trafen McCartney und Wilson auf der Bühne zusammen, um God Only Knows, dem zentralen Stück von Pet Sounds gemeinsam aufzuführen.

7. John Cage – Williams Mix

Sgt. Pepper markierte den Beginn eines neuen Zeitalters und das nicht nur für McCartney und seine Band, sondern auch für Pop im Allgemeinen. Plötzlich war viel mehr erlaubt als je zuvor und das Studio wurde zum Instrument. Die Grundlagen dafür legten sie allerdings schon früher. Schon Mitte der sechziger Jahre hatte Paul angefangen, mit Tonbändern zu experimentieren und nahm Stimmen oder Instrumente auf, die er dann im Loop abspielte. Ein Stück, auf dem diese Experimente zu hören sind, ist Tomorrow Never Knows von Revolver. Die Inspiration dafür lieferten Avantgarde-Komponisten wie der Deutsche Karlheinz Stockhausen oder der US-Amerikaner John Cage.

Die Liebe zu Cages revolutionären Musikexperimenten war es übrigens auch, die Yoko Ono und die Beatles zusammen brachte. Zuerst soll sie McCartney nach Manuskripten gefragt, weil sie gerade an einem Buch über Cage arbeitete. Der konnte nicht weiterhelfen und verwies auf den Kollegen Lennon. Wir wissen ja, wie die Geschichte ausging! McCartneys Interesse für avantgardistische Musik verließ ihn hingegen nicht, wie das 2000 erschienene Album Liverpool Sound Collage bewies, worauf er die Collagetechniken von damals in neuem Gewand wieder aufleben ließ. Es wäre vermutlich nie so weit gekommen, hätte er nicht Stücke wie das zwischen 1951 und 1953 von Cage produzierte Williams Mix zu hören bekommen.

8. Claudio Monteverdi – Sì dolce è’l tormento

Nicht aber allein für die sogenannte Neue Musik, sondern auch für die Klassik hat McCartney etwas übrig. Das wissen wir aber eigentlich schon lange. Spätestens seit Eleanor Rigby, um genau zu sein. Selbst klassische Gesangsstile probierte McCartney aus, wie auf der Beatles-Interpretation von Bésame Mucho zu hören ist. Je weiter seine Karriere voran schritt, desto intensiver beschäftigte sich McCartney mit klassischen Kompositionen. 1991 schrieb er ein Stück für die Royal Liverpool Philharmonic Society, er kollaborierte mit dem Komposnisten Carl Davis für Liverpool Oratorio und veröffentlichte 2006 das Album Ecce Cor Meum – und noch viel mehr!

Wie passt es aber zusammen, dass jemand, der laut eigener Aussage ein selbstgelernter Musiker ist, der nicht einmal Noten lesen kann, plötzlich Werke für ganze Orchester schreibt? Erneut lautet die Antwort: McCartney hat intensiv zugehört. Bach hätten die Beatles früher studiert, sagte er während einer Fragerunde und behauptete zugleich, dass sich viele von Claudio Monteverdis Stücken anhörten wie von den jungen Beatles geschrieben. „Er kannte nicht viele Akkorde“, frotzelte McCartney über den italienischen Barockkomponisten. Zugleich gestand McCartney aber, selbst nicht sonderlich viel über klassische Musik zu wissen und sagte weiter, dass genau das ein Segen sei. „Wenn ich mich zum Schreiben hinsetze, habe ich nichts im Kopf“, hieß es. „Was ganz gut ist, denke ich, denn so wird es hoffentlich origineller.“

9. Blind Willie Johnson – Let Your Light Shine On Me

Avantgarde, Klassik und seit den neunziger Jahren auch Electronica: Kein Zweifel, Paul McCartneys Interessen sind nicht nur breit gefächert, sie orientieren sich auch am Puls der Zeit. Trotzdem war es eine kleine Überraschung für viele Fans, als sich der Ex-Beatle mit dem Killing Joke-Mitglied Youth unter dem Namen The Fireman zusammen schloss. Killing Joke nahmen 1979 als Post-Punk-Band ihren Anfang und gehörten damit zu einer Welle von Bands, die dem rotzigen Punk-Sound ein Requiem sangen, wie auch der erste Song von Killing Jokes selbstbetiteltem Debüt hieß.

Von den ersten kratzigen Synthesizer-Klängen war Killing Joke ein Album, das vieles anders klingen ließ als zuvor, eine Platte, die der „No Future“-Attitüde von Punk ein lautes „Anything Goes!“ entgegen setzte. Kein Wunder eigentlich, dass McCartney sich davon beeindrucken ließen. Denn hatten die Beatles nicht in den sechziger Jahren genau dasselbe gemacht? Erst 1993 jedoch rief er Youth an, weil er nach Remixen für sein Album Off The Ground suchte. Er fand einen Kollaborationspartner für das vielleicht ungewöhnlichste Projekt seiner Karriere als Musiker. Trotzdem gedachte er dabei auch seiner Wurzeln im Blues: Das Fireman-Stück Light From Your Lighthouse basiert auf einem Song von Blind Willie Johnson, Let Your Light Shine On Me.

10. Rihanna – Bitch Better Have My Money

So wie es unmöglich ist, Paul McCartneys gesamte musikalische DNA erschöpfend zu beleuchtend, ohne darüber gleich eine ganze Dissertation zu schreiben, so schwierig ist es ebenfalls, seinen Einfluss auf die Musikgeschichte adäquat zu beleuchten. Wir machen es uns heute mal einfach und sagen: Alles, was nach 1966 geschrieben und aufgenommen wurde, wäre ohne McCartneys Schaffen so nicht möglich gewesen. Das erstreckt sich selbstverständlich genauso auf das zeitgenössische Pop-Geschehen.

McCartney teilte sich nicht nur mit einem globalen Megastar wie Taylor Swift die Bühne, er kollaborierte im Jahr 2015 auch mit Kanye West und Rihanna für die Single FourFiveSeconds. Eine Überraschung für Fans von allen dreien. Ein Rapper, eine R’n’B-Sängerin und ein Ex-Beatle – was für eine Kombination! West und McCartney hatten sich schon 2014 für das Stück Only One zusammen geschlossen, Rihanna aber verliebte sich während der gemeinsamen Aufnahmen mit West zu ihrem Album ANTI in die Komposition. „Wenn du die Lyrics liest, ist es ein komplett anderer Songs als der, den du hörst“, schwärmte sie von der West-McCartney-Kollaboration. „Die Musik ist unbeschwert, aber der Text ist laut und voll auf die Fresse!“ Damit kennt sich die Bitch Better Have My Money-Sängerin ja bestens aus…

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10 Songs, die jeder Beatles-Fan kennen muss

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Popkultur

Der „Star Wars“-Soundtrack von John Williams: Die vielleicht beste Filmmusik aller Zeiten

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John Williams
Foto: Janet Knott/The Boston Globe via Getty Images

Pew, pew! Bei dieser Lautmalerei haben Star-Wars-Fans sofort den Weltraum-Cowboy Han Solo vor Augen, wie er mit einem Blaster fiese Sturmtruppler erledigt. Die Krieg-der-Sterne-Reihe lebt aber nicht nur von ihren großartigen Sound-Effekten. Auch die legendäre Filmmusik von John Williams verhalf der Sci-Fi-Seifenoper zu weltweiter Berühmtheit. Was viele nicht wissen: Um den Komponisten für sein Filmprojekt zu gewinnen, rief Regisseur George Lucas sogar seinen Erzrivalen Steven Spielberg an.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack von Star Wars IV: Eine neue Hoffnung anhören:

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …“ Wenn diese Worte in Blau auf der Kinoleinwand erscheinen, wissen wir: Gleich geht es los. In nur wenigen Sekunden wird die vielleicht berühmteste Fanfare der Welt ertönen. Das Star-Wars-Logo wird das gesamte Bild einnehmen und anschließend immer kleiner und kleiner werden. Ein kurzer Lauftext wird uns erklären, wie die Voraussetzungen für die folgende Geschichte lauten. Und wir dürfen uns auf mindestens 120 Minuten voller Weltraumschlachten, Fantasiewesen und Kindheitserinnerungen freuen. Mit seinem Star-Wars-Universum hat Regisseur George Lucas eine Hollywood-Welt erschaffen, die bereits die fünfte Generation in Folge begeistert. Seinen Anfang nahm der galaktische Erfolg am 25. Mai 1977. Doch beginnen wir noch ein wenig weiter vorne.

Der StarWars-Soundtrack: Klassik-Pomp statt Jazz-Minimalismus

Sein Filmdebüt gibt Star-Wars-Erfinder George Lucas im Jahr 1971 mit der Science-Fiction-Dystopie THX 1138. Schon als er den Streifen fertigstellt, denkt er über eine weniger ernstgemeinte Weltraumgeschichte im Stil des Comic-Helden Flash Gordon nach. Gedacht, getan: Nach seiner zweiten Produktion American Graffiti (1973) widmet sich Lucas dem neuen Projekt mit dem Titel „Star Wars“. Schon im März 1976 hat er den ersten Teil der Weltraum-Saga im Kasten. Was noch fehlt, ist die passende Musik dazu. Zeitgenössische Komponisten wie Henry Mancini orientieren sich für Lucas’ Geschmack zu sehr am Jazz, er wünscht sich den Pomp der klassischen Musik. Steven-Spielberg-Komponist John Williams scheint genau der Richtige für den Job zu sein — also bittet Lucas seinen Erzrivalen Spielberg um ein wenig Schützenhilfe bei der Kontaktaufnahme.

Kurze Zeit später schaut Williams in Lucas’ kleinem Büro in Hollywood vorbei und bespricht mit dem jungen Filmemacher, was zu tun ist. Williams schaut sich den ersten Star-Wars-Film allein in einem Vorführraum an und geht anschließend mit Lucas jede Szene einzeln durch. Lucas wünscht sich die Grundstimmung des austro-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold und den Bombast von Gustav Holsts Die Planeten. Damit widersetzt er sich dem allgemeinen Trend, denn gegen Ende der Siebziger gibt es in Science-Fiction-Filmen vor allem minimalistische Elektro-Sounds zu hören. Etwa 90 Minuten Filmmusik schreibt Williams für den gut zweistündigen Streifen. Wenige Monate später nimmt er den Soundtrack mit dem London Symphony Orchestra auf — und hat dabei eine Menge Spaß.

Steven Spielberg fürchtet, dass er zu kurz kommt

„So etwas wie der Star-Wars-Soundtrack macht Musikern große Freude“, erzählt Williams später in einem Interview. „Da hat man die Gelegenheit zu Fanfaren und Tuschen. Das ist mir sehr willkommen. Wir konnten das London Symphony Orchestra dafür gewinnen. Sie ließen all die ernste Musik hinter sich und kamen in die Denham Studios. Sie holten die Blasinstrumente raus und wir hatten eine Menge Spaß mit Trommelwirbeln und Tuschen.“ George Lucas, der für die Aufnahmen mit dem London Symphony Orchestra extra nach Europa reist, schwärmt ebenfalls: „Die Musik war einer der Teile des Films, die noch viel besser geworden sind, als ich es erwartet habe.“ Voller Begeisterung ruft Lucas seinen Konkurrenten Steven Spielberg an und spielt ihm per Telefon eine halbe Stunde des Soundtracks vor. Als Spielberg die Star-Wars-Musik hört, bekommt er Muffensausen.

John Williams und Star Wars: eine Erfolgsgeschichte mit Bestand

Der Hintergrund von Spielbergs Bedenken: Gleich nach Lucas möchte auch er selbst wieder mit Williams zusammenarbeiten, und zwar für seinen nächsten Film Unheimliche Begegnung der dritten Art. Doch nun fürchtet er, dass der Komponist sein ganzes Pulver verschossen hat. Unrecht hat er damit nicht. Ob die Titelmusik, die rührenden Klänge zu Obi-Wan Kenobis Tod, die jazzigen (und brüllend komischen) Sounds der Cantina Band oder das große Finale am Ende des ersten Star-Wars-Films: Williams findet stets den richtigen Ton, um die Weltraum-Saga standesgemäß zu untermalen. So sehr, dass er heute gar nicht mehr aus der Star-Wars-Welt wegzudenken ist und auch die Musik für die Episoden 5, 6, 1, 2, 3, 7, 8 und 9 beisteuert. Dabei entstehen viele weitere legendäre Werke, von denen eins besonders herausragt: der Imperiale Marsch.

Ob der Einzug Darth Vaders, der lustige Auftritt zuhause im Bademantel oder der Anruf der unliebsamen Schwiegermutter: Noch heute erfreut sich der Imperiale Marsch aus dem zweiten Star-Wars-Film größter Beliebtheit. Auch die Ewok-Partymusik am Ende des dritten Films, die Liebeshymne Across The Stars aus Episode 2 oder Rey’s Theme aus Episode 7 haben ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern der Filmmusik. Gelegentlich gibt Williams in der Musik sogar Hinweise auf den weiteren Verlauf der Handlung, zum Beispiel wenn er in Anakin’s Theme aus Episode 1 auch den Imperialen Marsch zitiert und damit auf Anakin Skywalkers anstehende Verwandlung vom lieben kleinen Jungen zum dunklen Lord Darth Vader anspielt. Solche Momente zeigen, wie eng die Star-Wars-Filme mit Williams’ Musik verbunden sind.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.5.1975 kommt die ehemalige Fugees-Sängerin Lauryn Hill zur Welt.

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Lauryn Hill
Foto: Sony BMG/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.5.1974.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Einmal Weltstar und zurück: Kaum eine Frau prägt den Hip-Hop in den Neunzigern so wie Lauryn Hill. Zunächst mit den Fugees, später als Solokünstlerin lässt sie die Grenzen zwischen Hip-Hop, R&B und Soul verschwimmen und wird zur Schlüsselfigur im Neo-Soul. Zwanzig Jahre später kennt man sie aber auch für Starallüren und Steuerhinterziehung. 

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Hört euch hier das Erfolgsalbum The Score von Fugees an:

Am 26. Mai 1975 erblickt Lauryn Noelle Hill in New Jersey das Licht der Welt. Die Musikalität wird ihr in die Wiege gelegt: Ihre Mutter spielt Klavier, der Vater singt in Nachtclubs und auf Hochzeiten. Ständig tönt Musik durchs Haus, allen voran Stevie Wonder, Aretha Franklin und Gladys Knight. Zu Schulzeiten wagt Hill vor einem Basketballspiel den ersten Schritt auf die Bühne und singt die US-Nationalhymne. Ihre Version von The Star-Spangled Banner kommt so gut an, dass eine Aufnahme davon auch bei darauffolgenden Spielen zum Einsatz kommt. 

Ready Or Not: Die Fugees sind geboren

Anfang der Neunziger trifft Lauryn Hill in der High School erst auf Prakazrel „Pras“ Michel, dann auf Wyclef Jean. Gemeinsam gründen sie mit Fugees eine Band, die die Musikwelt gehörig auf den Kopf stellt: Hills soulige Stimme vervollständigt Wyclef Jeans Raps mühelos, während Pras mit lyrischem Genie für die richtigen Lines sorgt. Ihr frischer Sound verleiht dem bis dahin meist düsteren Hip-Hop geschmeidige R&B- und Soul-Akzente und begeistert Fans unterschiedlicher Musikgenres gleichermaßen. 

1993 unterschreibt das Trio einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Obwohl das erste gemeinsame Album kein kommerzieller Erfolg wird, bekommen sie eine zweite Chance: 135.000 Dollar investiert die Gruppe in das Booga Basement; ein Studio, das sie eigens im Keller von Wyclef Jeans Onkel aufbauen. Jean beschreibt die Stimmung als entspannt: „Es gab keinen Druck. Wir haben einfach Musik gemacht, und dann wurde etwas Erstaunliches daraus.“

Vom Studiokeller in den Hip-Hop-Olymp

Tatsächlich wird The Score zum Riesenerfolg. Neben politischen Texten und einzigartigen Beats beeindruckt auch der Aufbau des Albums: Wie der Soundtrack eines Musicals erzählen die Songs eine Geschichte. Vor allem die Singles Fu-Gee-La, Killing Me Softly und Ready Or Not verhelfen den Dreien zum Welterfolg. Das Nummer-eins-Album verkauft sich über 18 Millionen Mal, erhält zahlreiche Auszeichnungen und gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Hip-Hop-Alben aller Zeiten.

Doch auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Karriere beschließt das Trio, getrennte Wege zu gehen. Als Grund für den Split nennt Wyclef Jean später die turbulente Beziehung zu Lauryn Hill, die für ihn weit mehr als nur Bandkollegin gewesen sein soll. Die Trennung tut Hills Karriere keinen Abbruch: Nur ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes veröffentlicht sie im August 1998 das Soloalbum The Miseducation Of Lauryn Hill und manifestiert sich damit endgültig als anerkannte Neo-Soul-Größe. Auf dem Album verarbeitet sie das Erlebte: Während I Used To Love Him von Hills Beziehung zu Wyclef Jean handelt, spricht sie in To Zion über die Liebe zu ihrem Sohn und die Entscheidung, das Kind zu behalten, nachdem ihr zur Abtreibung geraten wurde, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Der Erfolg gibt ihr Recht – The Miseducation Of Lauryn Hill schießt auf Platz eins der US-Charts. 1999 gewinnt Lauryn Hill als erste weibliche Künstlerin fünf Grammys, darunter auch Auszeichnungen in den Kategorien „Album des Jahres“ und „Beste neue Künstlerin“.

Der tiefe Fall

Trotz dieses kometenhaften Karrierebeginns folgt schnell die Ernüchterung. Vier Musiker, die an der Entstehung von Hills Album beteiligt waren, behaupten, für ihre Arbeit nicht angemessen entlohnt worden zu sein und ziehen vor Gericht. Eine Reunion der Fugees scheitert ebenfalls, nach Abbruch einer gemeinsamen Tour im Jahr 2007 sagt Pras: „Eher treffen sich Osama Bin Laden und Bush auf einen Kaffee, bevor ich noch einmal mit Lauryn Hill arbeite.“ 2013 wird die Künstlerin wegen Steuerhinterziehung zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Während Hill früher für ihr Talent bekannt war, macht die mittlerweile fünffache Mutter heute vor allem durch divenhaftes Verhalten von sich reden. Konzertbesucher der vergangenen Jahre berichten von brüchigen Vocals, verkürzten Konzerten und stundenlangen Verspätungen. In der Szene bleibt ihr Werk dennoch unangetastet: Künstlerinnen und Künstler wie Cardi B, Nicki Minaj und Drake nennen Hill als Inspiration und samplen ihre Songs bis heute.

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Zeitsprung: Am 11.12.1964 wird Soulsänger Sam Cooke erschossen.

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Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:

Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.

Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”

Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”

Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Historische Premiere

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

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Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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