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Popkultur

Wein mit George W. Bush und fünf weitere Eddie-Vedder-Anekdoten

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Foto: Kevin Winter/Getty Images for Citi

Eddie Vedder kennt man nicht nur in seiner Funktion als Pearl-Jam-Frontmann und feinfühliger Solokünstler, sondern auch für seine verrückten Show-Einlagen und sein soziales Engagement. Zu seinem Geburtstag haben wir sechs Anekdoten aus dem Leben des US-amerikanischen Musikers zusammengestellt.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Lightning Bolt anhören, das aktuellste Studioalbum von Pearl Jam:

1. Für einen seiner spektakulärsten Stage Dives klettert er auf einen Kamera-Schwenkarm — und unterhält sich fast 30 Jahre später noch einmal mit dem Kameramann.

Zu Beginn der Neunziger kommt kaum ein Pearl-Jam-Konzert ohne besondere Show-Einlage von Eddie Vedder aus. So auch 1992 beim legendären Pinkpop-Festival in den Niederlanden: Weil ihm ein normaler Stage Dive bei jenem Auftritt nicht reicht, klettert Vedder kurzerhand auf den Schwenkarm einer Kamera, lässt sich sich über das Publikum fahren und springt genüsslich in die Menge.

Als die Band 2018 an den „Tatort“ zurückkehrt, erinnert sich Vedder auf der Bühne an den Vorfall: „Jemand hat mir eine Postkarte mit einem Foto von meinem Sprung ins Publikum geschickt. Darauf ist auch der Kameramann zu sehen und er sieht aus, als wolle er mich töten. Dazu hätte er jedes Recht gehabt. Ich hatte ihn seitdem nicht wieder gesehen, aber nun habe ich diese Postkarte in meinem Flur hängen, die mich immer wieder daran erinnert und ich habe mich gefragt, ob er wohl immer noch angepisst ist. Als wir kürzlich in Amsterdam waren, habe ich jemanden getroffen, der Kontakt zu ihm herstellen konnte. Er ist seit Januar in Rente und hat mir eine völlig andere Geschichte erzählt. Ich habe die ganze Zeit gedacht, dass er sauer auf mich war, aber er hat nur die Leute angebrüllt, die den Schwenkarm hochgehalten haben. Hätte er das nicht getan, wären wir zu Boden gegangen.“

2. Vedder kritisiert George W. Bush auf der Bühne — und zieht damit den Unmut seiner eigenen Fans auf sich.

Dass sich Eddie Vedder gerne politisch äußert, ist bekannt. So auch am 30. April 2003, als Pearl Jam ein Konzert in New York geben. Ex-Präsident George W. Bush hat die US-amerikanische Armee gerade den Irak angreifen lassen, Vedders Wut kocht über. Schon vorher war der Sänger in den Schlagzeilen gelandet, weil er das US-Staatsoberhaupt im Rahmen einer Show in Denver angegriffen hatte. An jenem Abend in New York setzt er allerdings noch einen drauf.

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Den Einstieg markiert eine Cover-Version des Little-Steven-Klassikers I Am A Patriot — ein Song, den Pearl Jam zwar schon mehrfach interpretiert haben, der an jenem Abend aber natürlich eine ganz neue Bedeutung erhält. Während der zweiten Zugabe gibt Vedder dann Vollgas: Mit einer silbernen Jacke und einer Bush-Maske bekleidet, tanzt er auf die Bühne, Pearl Jam stimmen den Song Bu$hleaguer an. Zum Singen nimmt Vedder die Maske ab und hängt sie an seinen Mikrofonständer, zwischendurch füttert er den Kunststoff-Bush mit Wein. Einige der Zuschauer finden das allerdings gar nicht lustig, skandieren laut „USA!“ und werfen Vierteldollarmünzen auf die Bühne. Vedder reagiert: „Ich sehe das genauso. USA. Alle von uns sollten darüber abstimmen können, wie die USA repräsentiert werden. Bush hat uns diese Stimme nicht gegeben.“

3. Durch den Into The Wild-Soundtrack merkt er, dass er erwachsen geworden ist.

Als Regisseur (und Schauspieler) Sean Penn an seinem Aussteigerfilm Into The Wild arbeitet, möchte er unbedingt, dass Eddie Vedder den Soundtrack dazu schreibt. Der hat Interesse, schaut sich eine Rohfassung des Streifens an und liefert nur wenige Tage später die ersten Songs bei Penn ab. Auch danach klappt die Zusammenarbeit wie am Schnürchen. So berichtet Vedder später, Penn habe ihm jede Menge Freiheit beim Songwriting gegeben und dass zwischen den beiden Künstlern ein großes Vertrauen geherrscht habe. Außerdem seien ihm die Songs leicht von der Hand gegangen: „Ich musste nicht viele Entscheidungen treffen. Es gab bereits eine Geschichte und fertige Szenen.“

Die Handlung des Films beschäftigt sich nach einer wahren Geschichte mit dem Charakter Christopher McCandless, der sich nach seinem erfolgreichen Studium aus der Gesellschaft verabschiedet und schließlich nach Alaska reist. Eine Sache beunruhigt Vedder in diesem Zusammenhang, wie er einräumt: „Es war erschreckend, wie leicht es mir gefallen ist, mich in seine Lage hineinzuversetzen. Ich habe mich dabei ziemlich unwohl gefühlt, weil ich dachte, dass ich nun erwachsen bin.“

4. Bei einem Konzert trinkt er Rotwein aus dem Schuh eines Fans.

Im Juni 2014 geben Pearl Jam vor 24.000 Zuschauern ein Akustik-Konzert in Stockholm, als ein weiblicher Fan ein Schild mit der Aufschrift „Bitte signiere meinen Schuh.“ in die Luft hält. Vedder sieht das, weist das Publikum auf den Wunsch hin und kommentiert ihn folgendermaßen: „Du hast dir den Falschen ausgesucht.“ Das möchte die Menge allerdings nicht hinnehmen und ruft „Unterschreib den Schuh! Unterschreib den Schuh!“ Vedder bittet die weibliche Zuschauerin darum, ihre Sneaker auf die Bühne zu schmeißen und lässt sie wissen, dass sie ihm nicht hätte vertrauen sollen.

Nach dem Song Just Breathe unterschreibt er einen der Schuhe und bittet einen Security-Mitarbeiter darum, ihn gemeinsam mit einer Flasche Wein zurückzugeben. Anschließend öffnet Vedder eine weitere Weinflasche und erklärt: „Ich setze noch einen drauf.“ Dann schüttet er etwas Wein in den Schuh und trinkt daraus. Das Publikum und der Rest der Band lachen. Vedder hat gewonnen, keine Frage. Und das in einem Micky-Maus-T-Shirt. Nachdem er ausgetrunken hat, wirft er auch den zweiten Schuh zurück ins Publikum.

5. Er unterbricht eine Show, um einen Querschläger aus dem Publikum anzumeckern.

Im August 2016 geben Pearl Jam ein Konzert im Wrigley-Field-Stadion in Chicago, als Eddie Vedder plötzlich die Show unterbricht, ins Publikum zeigt und ruft: „Hey! Hey, mein Herr, nimm deinen Finger aus dem Gesicht dieser Frau, motherfu****! Alle Augen sind auf dich gerichtet, scher dich hinaus!“ Von den Fans hagelt es Applaus. Anschließend begleitet der Security-Dienst den Störenfried vor die Tür des Baseball-Stadions. Was genau er verbrochen hat, bleibt ungeklärt, doch es hat Vedder offensichtlich so sehr gestört, dass der sich genötigt sah, sein Konzert zu unterbrechen.

6. 27 Jahre nach einer besonderen Begegnung trifft er einen weiblichen Fan in den Niederlanden wieder.

2019 erzählt Vedder dem Publikum bei einem Konzert in Amsterdam von einem speziellen Zusammentreffen. So habe er 1992 in Utrecht eine Frau namens Valeska Custers kennengelernt und sie nach dem Konzert in einem Café getroffen. Dort habe er sich stundenlang intensiv mit ihr unterhalten. Anschließend habe sie ihn auf dem Gepäckträger eines Fahrrads ins Hotel gebracht. „Ich bin mir relativ sicher, dass ich sie heute noch wieder erkennen würde“, sagt er im Anschluss.

Genau dazu bekommt er wenig später die Gelegenheit. Ein Journalist der niederländischen Zeitung Het Parool berichtet über die Geschichte und kann Custers ausfindig machen.  Im Anschluss gibt sie der Zeitung ein Interview, in dem sie erzählt, dass es sich für sie angefühlt habe, als sei Vedder ihr Seelenverwandter. Sie habe mehrfach versucht, ihn noch einmal zu treffen, allerdings erfolglos. Das fällt wiederum einem Mitglied von Vedders Band auf. Danach gehen die Dinge ihren Weg: Vedders Tourmanager lädt Custers zum Konzert nach Brüssel ein und nach 27 Jahren treffen sich die beiden wieder. Über die Wiederbegegnung berichtet Het Parool natürlich ebenfalls.

Zeitsprung: Am 25.3.1995 stirbt Pearl Jam-Sänger Eddie Vedder fast beim Surfen.

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