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Popkultur

Rockin’ Movies: Die 15 besten Filmsoundtracks

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The Big Lebowski

In der Welt der Filme gibt es nicht nur bewegte Bilder, sondern auch eine ganze Menge großartige Musik. Ob Pulp Fiction, Easy Rider oder The Big Lebowski: Kein echter Kinoklassiker kommt ohne die passende Untermalung aus. Wir haben 15 großartige Soundtracks zusammengestellt.

von Timon Menge

Hier könnt ihr die größten Soundtrack-Hits anhören:

Help!

Mit ihrem zweiten Spielfilm Help! legen die Beatles 1965 nicht nur eine weitere Klamauk-Komödie vor, sondern auch einige neue Songs. Das gleichnamige Album erscheint eine Woche nach Leinwandstart, Kinogänger*innen kommen also etwas früher in den Genuss des frischen Materials. Über die große Leinwand flimmern John, Paul, George und Ringo heute zwar nur noch in Ausnahmefällen, aber der Streifen und der dazugehörige Soundtrack machen auch im Heimkino Spaß. Versprochen.

Anspieltipps: Help!, The Night Before, Ticket To Ride, Act Naturally, You’ve Got To Hide Your Love Away

High Fidelity

Die Verfilmung des gleichnamigen Romanklassikers von Nick Hornby erzählt die Geschichte eines Plattenladeninhabers in Chicago (im Buch: London), der in der Liebe einfach kein Glück hat. Und dann hängen auch noch ständig die beiden Loser Dick (Todd Louiso) und Barry (Jack Black) in seinem Geschäft rum. Zum Glück bleiben ihm die großartigen Platten von Bruce Springsteen oder der 13th Floor Elevators. Und am Ende klappt’s irgendwie auch mit der Liebe.

Anspieltipps: You’re Gonna Miss Me (The 13th Floor Elevators), Everybody’s Gonna Be Happy (The Kinks), Oh! Sweet Nuthin’ (The Velvet Underground), Dry The Rain (The Beta Band), Who Loves The Sun (The Velvet Underground)

Easy Rider

Das Regiedebüt von Dennis Hopper mutierte 1969 zum Stimmungsbild einer ganzen Generation freiheitsliebender Motorradfahrer. So beleuchtet der Film die Schwachpunkte der gar nicht so freien Vereinigten Staaten von Amerika und legt damit einen Finger in die Wunde der sowieso schon turbulenten Sechziger. Dazu gehört natürlich auch revolutionäre Musik, zum Beispiel von Steppenwolf.

Anspieltipps: The Pusher (Steppenwolf), Born To Be Wild (Steppenwolf), The Weight (The Band), Wasn’t Born To Follow (The Byrds), If 6 Was 9 (The Jimi Hendrix Experience)

American Graffiti

George Lucas kennen wir in erster Linie als Star-Wars-Macher. Vor all den Weltraumschlachten und -explosionen steht aber der Film, der den Weg dorthin ebnete, nämlich American Graffiti. Dabei handelt es sich um eine Art Autobiografie, die von Lucas’ Jugend während der Fünfziger erzählt. Dazu gibt es den passenden Soundtrack, sodass man sich gleich in einen altmodischen US-amerikanischen Diner zurückversetzt fühlt und ein paar Pancakes bestellen möchte.

Anspieltipps: Why Do Fools Fall In Love (Frankie Lymon & The Teenagers), Fannie Mae (Buster Brown), Ain’t That A Shame (Fats Domino), You’re Sixteen, You’re Beautiful (And You’re Mine) (Johnny Burnette), Love Potion No. 9 (The Clovers)

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Oh Brother, Where Art Thou?

In ihrer Mississippi-Adaption von Homers Odyssee erzählen die Coen-Brüder die Geschichte der drei Gauner Ulysses Everett McGill (George Clooney), Pete (John Turturro) und Delmar (Tim Blake Nelson). Das Trio befindet sich zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise der Dreißiger auf der Flucht vor dem Gesetz und lernt dabei nicht nur hinterlistige Bibelverkäufer, sondern auch traumhaft singende Sirenen kennen. Die und eine ganze Menge toller Folk- und Countrysongs findet man auch im Soundtrack zum Streifen.

Anspieltipps: Big Rock Candy Mountain (Harry McClintock), You Are My Sunshine (Norman Blake), I Am A Man Of Constant Sorrow (The Soggy Bottom Boys), Didn’t Leave Nobody But The Baby (Emmylou Harris, Alison Krauss, Gillian Welch), In The Jailhouse Now (The Soggy Bottom Boys)

Kings Of Rock

Mit ihrem Meisterwerk Kings Of Rock haben Tenacious D dem 21. Jahrhundert eine brüllend komische Rockoper verschafft. So erklärt der Streifen nicht nur das Mordskonzept des Duos, sondern besticht auch durch einen hervorragenden Soundtrack, der größtenteils aus den Federn der beiden Hauptdarsteller Jack Black und Kyle Gass stammt. Es gibt aber auch Gastauftritte von Meat Loaf, Ronnie James Dio und Dave Grohl.

Anspieltipps: Kickapoo, Classico, Master Exploder, Car Chase City, Beelzeboss (The Final Showdown)

Pulp Fiction

Die Musik für seinen Megaerfolg Pulp Fiction wählt Regisseur Quentin Tarantino größtenteils aus seiner eigenen Plattensammlung aus. Klassisch für seine Filme: Er spielt nicht nur passende Musik ein, sondern schafft eine Verbindung zwischen Szene und Soundtrack. So tanzen Uma Thurman und John Travolta den Twist zu Chuck Berrys You Never Can Tell, und die Autofahrt unter Heroineinfluss von Filmcharakter Vincent Vega wird von den düsteren Tönen der Surf-Rock-Band The Centurians begleitet.

Anspieltipps: Misirlou (Dick Dale & His Del-Tones), Jungle Boogie (Kool & The Gang), Let’s Stay Together (Al Green), Bullwinkle – Pt. II (The Centurians), You Never Can Tell (Chuck Berry)

The Departed

Dass Regisseur Martin Scorsese ein echter Musikspezialist ist, hat er nicht nur mit seinem Gangsterdrama The Departed unter Beweis gestellt. Bei diesem Streifen mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon und Jack Nicholson in den Hauptrollen hat er sich allerdings selbst übertroffen. So finden sich neben den eigens komponierten Stücken von Howard Shore auch Titel von Roger Waters, den Beach Boys und den Rolling Stones auf dem Soundtrack.

Anspieltipps: Sail On, Sailor (The Beach Boys), Let It Loose (The Rolling Stones), One Way Out (The Allman Brothers Band), I’m Shipping Up To Boston (Dropkick Murphys), Tweedle Dee (LaVern Baker)

Radio Rock Revolution

In dieser britischen Musikkomödie mit dem Originaltitel The Boat That Rocked geht es um einen Piratensender, der in den Sechziger Jahren von der Nordsee aus Rockmusik auf das Festland sendet. Dementsprechend fällt auch der Soundtrack nach unser aller Geschmack aus. Unter anderem an Bord: The Kinks, The Turtles, Martha Reeves & The Vandellas, The Beach Boys, Jeff Beck, The Who, The Troggs, The Hollies und The Tremoloes. Da sagen wir nur: Arrrrrr!

Anspieltipps: All Day And All Of The Night (The Kinks), Wouldn’t It Be Nice (The Beach Boys), The Letter (The Box Tops), Friday On My Mind (The Easybeats), My Generation (The Who)

Rock And Roll Highschool

Eigentlich befindet sich der Punk schon wieder auf dem Sterbebett, als Rock And Roll High School erscheint — zumindest im Mainstream. Dennoch funktioniert der Ramones-Streifen bis heute hervorragend und bietet einen bunt gemischten Soundtrack. So legen die US-Punks für ihren Film nicht nur selbst Hand an, sondern bauen auch Songs von Nick Lowe, Brian Eno, Brownsville Station, Chuck Berry und Alice Cooper ein.

Anspieltipps: Rock ’n’ Roll High School (The Ramones), Ramones Medley (The Ramones), Smokin’ In The Boys Room (Brownsville Station), School Days (Chuck Berry), School’s Out (Alice Cooper)

Singles

Die romantische Komödie Singles beleuchtet das Leben einer Gruppe Jugendlicher aus der Generation X in Seattle, während sich der Grunge auf seinem Zenit befindet. Passend dazu wurde der entsprechende Soundtrack zusammengestellt. Ob Alice In Chains, Pearl Jam, Mudhoney oder Soundgarden: Hier versammelt sich fast alles, was im Genre Rang und Namen hat. Durch Beteiligungen von Paul Westerberg und der Jimi Hendrix Experience kommen auch die Vorreiter des Grunge nicht zu kurz.

Anspieltipps: Would? (Alice In Chains), Breath (Pearl Jam), Seasons (Chris Cornell), Birth Ritual (Soundgarden), Overblown (Mudhoney)

Into The Wild

In Sean Penns Aussteigerdrama Into The Wild kehrt der 22-jährige Student Christopher McCandless der Gesellschaft den Rücken und verschwindet in die Natur. Die passende Musik zum Trip liefert Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder in Form seines ersten Soloalbums. Für den Song Guaranteed erhält er auch gleich einen Golden Globe Award.

Anspieltipps: No Ceiling, Hard Sun, Society, The Wolf, Guaranteed

Billy Elliott – I Will Dance

Die Geschichte des kleinen Billy Elliott gehört zu den schönsten Filmerzählungen aller Zeiten. Vor der Kulisse des britischen Bergarbeiterstreiks Mitte der Achtziger hat er nur eines im Kopf: Ballett. Sein Vater muss sich derweil mit existenzielleren Fragen beschäftigen und möchte den Sohnemann vor allem lieber boxen sehen. Da ist Streit vorprogrammiert. Musikalisch untermalt wird das liebevolle Familiendrama vor allem von T. Rex und Marc Bolan, doch auch andere Gruppen wie The Clash sind vertreten.

Anspieltipps: Cosmic Dancer (T. Rex), Get It On (T. Rex), I Love To Boogie (T. Rex), London Calling (The Clash), Children Of The Revolution (T. Rex)

Crazy Heart

In Crazy Heart spielt Jeff Bridges den abgehalfterten Countrystar Bad Blake, der sich mit Kneipenauftritten über Wasser hält und unter einem ausgewachsenen Alkoholproblem leidet. Mit viel Feingefühl erzählt der Film von den Schattenseiten des Musikgeschäfts, enttäuschter Liebe und persönlichen Problemen. Für die Musik zum Streifen sorgen Bridges selbst sowie Nebendarsteller Colin Farrell. Außerdem an Bord: bekannte Countrymusiker wie Townes Van Zandt und Ryan Bingham.

Anspieltipps: Somebody Else (Jeff Bridges), I Don’t Know (Ryan Bingham), Fallin’ & Flyin’ (Colin Farrell, Jeff Bridges), Gone, Gone, Gone (Colin Farrell), The Weary Kind (Ryan Bingham)

The Big Lebowski

Auch in The Big Lebowski spielt Jeff Bridges die Hauptrolle und hat mit seiner Darstellung des „Dude“ ein echtes Popkulturphänomen geschaffen. Gegenbehauptungen sind „vielleicht deine Meinung, Mann“. Zum großen Erfolg des Films trug auch der Soundtrack bei, der vor allem auf unbekannte Perlen großer Künstler wie Bob Dylan, Captain Beefheart, Elvis Costello oder Kenny Rogers setzt.

Anspieltipps: The Man In Me (Bob Dylan), Her Eyes Are A Blue Million Miles (Captain Beefheart), My Mood Swings (Elvis Costello), I Got It Bad And That Ain’t Good (Nina Simone), Just Dropped In (To See What Condition My Condition Is In) (Kenny Rogers & The First Edition)

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Popkultur

PJ Harveys Debüt „Dry“ wird 30: Die Wiedergeburt der Patti Smith

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PJ Harvey
Foto: Getty Images

Berstend intensiv, körperlich, kompromisslos: Vor 30 Jahren peitscht uns eine junge, unverfrorene PJ Harvey ihr wegweisendes Debüt Dry um die Ohren. Mitten im Grunge-Bohei wird die Welt Zeuge einer englischen Kulturrevolution.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Dry von PJ Harvey anhören:

Musik und Bildende Kunst gingen für Polly Jean Harvey schon immer Hand in Hand. Die 1969 in Bridport an der südenglischen Küste geborene Sängerin, Künstlerin und Multiinstrumentalistin lernt früh Gitarre und Saxofon, kultiviert aber auch ein ausgewachsenes Interesse an visueller Kunst. Dennoch gibt sie in den Achtzigern erst mal der Musik den Vorzug: Sie spielt in einer Instrumental-Combo und in einer Folk-Band, ehe sie 1988 bei Automatic Dlamini einsteigt und dort unwissentlich die Weichen für ihre Zukunft stellt.

Sonic Youth drängen sich ins Bild

Mit John Parish und Rob Ellis lernt sie in dieser Band zwei wichtige Figuren kennen, die sie auf ihrem Weg in ihre ruhmreiche Solokarriere begleiten werden. Zunächst versucht es Harvey aber mal als Band: 1991 ist für sie Schluss bei Automatic Dlamini, mit den beiden Mitglieder Rob Ellis and Ian Oliver (später ersetzt von Steve Vaughan) gründet sie das Trio PJ Harvey. Zur selben Zeit kommt es zu einer Kräfteverschiebung in ihrem musikalischen Spektrum: Sonic Youth drängen Folk und Blues ein wenig an den Rand, ihre Lust an verzerrter, roher, pulsierender Gitarrenagonie erwacht.

Sie ziehen nach London, wo Harvey ein Studium der Bildhauerei in Betracht zieht. Die Sache mit der Musik, sie traut ihr irgendwie noch nicht so ganz. Selbst als ihrer ersten Single Dress viel Aufmerksamkeit zuteil wird und sie im Zuge dessen sogar von Radiogott John Peel protegiert wird, ist sich die damals 22-Jährige nicht sicher, ob eine musikalische Karriere eine Zukunft hat. Deswegen klinge ihr Debüt Dry auch so wie es klingt, sagte sie 2004: „Dry war meine allererste Chance, ein Album zu machen, und ich dachte damals, es wäre meine letzte. Also steckte ich alles in diese Songs, was ich hatte.“

Reinkarnation der Punk-Urmutter

Dry ist ein bemerkenswert extremes Album. Metallischer Bass, versengender Gitarrensound, dumpfe Percussions, dazu Cello, Kontrabass und diese Stimme. Das hier war nicht eine weitere Alternative-Rock-Band mit einer Frau am Mikrofon. Das war eine Wachablösung, eine Kampfansage an das Patriarchat des Rock’n’Roll. Mehr als jeder andere Vergleich zieht deswegen der mit Patti Smith: PJ Harvey als Reinkarnation der Punk-Urmutter, feministisch, intellektuell, weiblich, einschüchternd talentiert. Dry als das Horses der Neunziger – ein furioses, feminines, poetisches Aufbäumen voller schwerer Gitarren und versengender Lyrik.

Und nicht nur das: Dry ist zudem voller grandioser Songs. Dress als erste Single wirkt schon wie ein krachiges Leuchtfeuer, getoppt von Sheela-Na-Gig, einem dieser Stücke, die heute ebenso emblematisch für die Neunziger stehen könnten wie, sagen wir, Smells Like Teen Spirit. Das abschließende Water hingegen zeigt früh in ihrer Karriere ihre Rolle als Rockmusikerin und Poetin in Personalunion – der Wesenszug also, der auf künftigen Werken sehr viel stärker zum Vorschein kommt.

Schroffer Vorstoß

PJ Harvey ist näher an der feministisch-existentialistischen Poesie von Silvia Plath oder Virginia Woolfe als am Klischee dauerbesoffener Kunstschaffender, ist Lichtjahre entfernt von sinnentleerten Rock-Bands in knappen Höschen. Diese Erniedrigung überlässt sie gern anderen. Sie ist eine hochgebildete Denkerin, eine Intellektuelle in der politische Zeitgeschehen und Mythos kollidieren. Ihre Waffe sind gleichermaßen ihr Stift, ihre Stimme und ihre Gitarre, ihr Debüt ein schroffer Vorstoß in eine Welt, die bislang eher eine andere Art von Frontfrau gewöhnt war. Sie war Engländern, vielleicht liegt es ja auch ein bisschen daran. Doch wo Courtney Love am einen Ende des Spektrums thront, nimmt Harvey liebend gern das andere Ende ein.

Nicht, dass sich PJ Harvey mit ihren Reizen zurückhält, nicht, dass sie nicht sexy, lasziv kann. Ihre Persona und ihre Musik – allen voran ihre allererste jemals veröffentlichte Single Dress – machen aber vom Fleck weg eines klar: Wenn du dich so kleiden willst, dann tu es für dich. Und nicht, um jemand anderem zu gefallen. Nur weil sie eine Frau mit einer Gitarre ist, wollte PJ Harvey nie gefeiert werden, wollte sie nie auf dem Cover eines Magazins landen. Wenn schon, dann bitteschön wegen ihrer Musik. Mission erfolgreich, kann man 30 Jahre später sagen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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