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Popkultur

Zeitsprung: Am 24.8.1979 läuft der Ramones-Film „Rock’n’Roll High School“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 24.8.1979.

von Christof Leim und Tom Küppers

Gegen Ende der Siebziger Jahre befindet sich die Musikwelt in ziemlich unruhigen Gewässern. Die große Disco-Welle flaut langsam ab, auch wenn Rocker Rod Stewart mit dem tanzbaren wie Do Ya Think I’m Sexy einen Nummer-Eins-Hit landet. Dafür klopft der Sound der New Wave immer vehementer an die Tür, der Hard Rock mutiert langsam, aber sicher zum Heavy Metal, und Punk, eben noch das ganz große Ding, droht schon wieder in Vergessenheit zu geraten.


Die Ramones. Ihre größten Songs. Grundschulwissen. Hier reinhören:

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Die 1974 in New York gegründeten Ramones gehören zu den Vorreitern dieser jungen Musikrichtung und haben durch ihre frühen Europa-Konzerte Gruppen wie den Sex Pistols oder The Clash gezeigt, wie man mit drei, maximal vier Akkorden jede Menge tollen Lärm machen und Aussagen transportieren kann. (Zugegeben: Knallharte politische Themen halten erst später Einzug, doch auf ihren frühen Alben Rocket To Russia und Road To Ruin schlagen die Ramones sehr wohl gesellschaftskritische Töne an.)

In ihrer amerikanischen Heimat vergrößern die vier Ramones – Sänger Joey, Gitarrist Johnny, Bassist und kreativer Kopf Dee Dee sowie der frisch eingestiegene Schlagzeuger Marky – durch konsequentes Touren ihre Anhängerschaft. Der ganz große Erfolg lässt jedoch auf sich warten; die Verkaufszahlen sind akzeptabel, verursachen aber keine Jubelstürme. Die Ramones sind eben nichts für Gelegenheitshörer, sondern zählen auf eine eingeschworene und treue Fangemeinde, die ihnen ermöglicht, bis an ihr Karriereende Dekaden später sagenhafte 2263 Konzerte zu spielen und Rocker aller Genres inspirieren.

1, 2, 3, 4: The Ramones – Pic: Plismo

Zu diesen Anhängern gehört Ende der Siebziger auch ein gewisser Allan Arkush, ein aufstrebender Regisseur, der im Umfeld des von der Kritik zum „Papst des Pop-Kinos“ ausgerufenen Produzenten Roger Corman seine ersten Erfahrungen macht. Der wiederum sucht nach einer Idee, wie er das Genre des Teenie-Films mit zeitgemäßer Musik verbinden kann. Es gibt mehrere Ansätze, doch erst als sich die Geschichte rund um eine Schule voller Rockfans herauskristallisiert, wird es konkret. Zusammen mit dem Autoren Joseph McBride entsteht ein Drehbuch, das unter anderem vorsieht, dass das Schulgebäude zum großen Finale in die Luft gejagt wird. Als Corman nach dem phänomenalen Erfolg von Saturday Night Fever plant, das ganze Ding unter dem Titel Disco High zu verpacken, widerspricht Arkush: „Zu Disco-Musik kann man doch keine Schule explodieren lassen!“ Klingt vernünftig, finden wir.



Schlussendlich einigt man sich also auf die Rock ‘n’ Roll High School. Die Suche nach der passenden Band gestaltet sich anfangs recht schwierig. Namen wie Cheap Trick, Todd Rundgren oder The Tubes stehen zur Debatte, doch Arkush beraumt ein Treffen mit den Ramones-Managern Linda Stein und Danny Fields an. „Das passte einfach zu gut“, erklärt Arkush später. Als er die Sache mit der explodierenden Schule erwähnt, und hinzufügt, dass die Band währenddessen den Titeltrack spielen soll, sind die beiden vollends begeistert. Die Musiker sind ebenfalls schnell an Bord, also steht dem Beginn der Dreharbeiten nichts mehr im Wege.



Dass die Ramones nicht die besten Schauspieler sind, trägt nur zum Charme des Ganzen bei. Alleine die Traumsequenz, in der die Protagonistin Riff Randall (P. J. Soles) zum Song I Want You Around die vier Ramones im Badezimmer begrüßt, kann alles.



Doch was ihre Kernkompetenz angeht, liefern die Ramones richtig ab. Der eigens komponierte Titelsong gehört zu den großen Hits der Band, und die Energie der Liveszenen sucht ihresgleichen. Dafür lässt der Regisseur die Band gleich drei Mal nacheinander auftreten, tauscht aber jedes Mal das Publikum aus.



Gedreht wird überwiegend auf dem Gelände der bereits geschlossenen Mount Carmel High School in South Central Los Angeles. Dass das Gebäude ohnehin abgerissen werden soll, passt den Machern hervorragend in den Kram: Sie können die Sprengung einfach mitfilmen. Dass die Explosionen dabei so heftig ausfallen, dass viele der am Set Agierenden vor lauter Schreck geflüchtet sein sollen, kann man anhand der Schlussszenen sehr gut nachvollziehen (etwa bei 1:55 Min.).



Trotz recht guter Kritiken wie in der renommieren New York Times verläuft der Start am 24. August 1979 recht stockend, doch mit der Zeit entwickelt sich der Film zum Kultklassiker. Das liegt auch am dazugehörigen Soundtrack, auf dem neben den vier lederbejackten Protagonisten noch Alice Cooper, Devo und Chuck Berry vertreten sind. Und Zeilen wie „Wissen ihre Eltern, dass sie die Ramones sind?“ sind natürlich legendär.



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