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Popkultur

Zeitsprung: Am 14.12.1977 läuft „Saturday Night Fever“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.12.1977.

von Timon Menge und Christof Leim

Das Musikdrama Saturday Night Fever verschafft 1977 nicht nur Schauspieler John Travolta den Durchbruch, sondern auch den Bee Gees. Die drei Brüder steuern sechs Songs zur Filmmusik bei und erhalten dadurch Zugang zum ganz großen Mainstream-Publikum. Mit mehr als 45 Millionen verkauften Einheiten und einem Grammy für das „Album Of The Year“ markiert der Soundtrack den Zenit der Disco-Musik.

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Hört hier in den Soundtrack von Saturday Night Fever rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Die Inspiration für den Film liefert der Zeitungsartikel Tribal Rites Of The New Saturday Night des britischen Journalisten Nik Cohn. Die Reportage entsteht, weil das New York Magazine ihn mit der Aufgabe betraut, die US-amerikanische Disco-Szene zu por­t­rä­tie­ren. Für die Recherche besucht er den Club 2001 Odyssey in Brooklyn. 20 Jahre später räumt er ein, dass seine Story einen großen fiktionalen Anteil enthält. So habe er sich für Vincent, den Hauptcharakter seiner Geschichte, vor allem an einen befreundeten Mod aus den Sechzigern erinnert. Als Drehbuchvorlage taugt der Artikel trotzdem.



Die Handlung: John Travolta spielt Tony Manero, einen jungen Mann aus der New Yorker Arbeiterklasse, der seine Wochenenden in der Disco verbringt. Umgeben von Freunden, Alkohol und Musik entflieht er dort seinem Job, seinen Eltern sowie der rauen Nachbarschaft im multikulturellen Schmelztiegel Brooklyn. Die weibliche Hauptrolle der Stephanie Mangano spielt Karen Lynn Gorney. Die beiden beginnen, für den Tanzwettbewerb in ihrer Stammdiskothek zu trainieren und kommen sich dabei natürlich näher.



Durch dieses ausgewählte Setting und die feinfühlige Darstellung einer Jugend auf der Suche nach Eskapismus verdeutlicht der Film, was Disco-Musik eigentlich ist: eine Subkultur. So entsteht das Genre vor allem in afro-, latein- und italoamerikanischen sowie schwul-lesbischen Clubs im New York City der Sechziger und bahnt sich erst in der zweiten Hälfte der Siebziger Stück für Stück den Weg in den Mainstream. Der Soundtrack zu Saturday Night Fever, erscheint am 15. November 1977 und beschleunigt diesen Vorgang maßgeblich, nicht zuletzt dadurch, dass er die Disco-Musik von ihren Ecken und Kanten befreit. Er verkauft sich bis heute über 45 Millionen Mal und gilt als der erfolgreichste Film-Soundtrack alles Zeiten. Er wird sogar mit dem Grammy für das „Album Of The Year“ bedacht und hält sich unglaubliche 24 Wochen lang ununterbrochen auf Platz eins der US-Hitparade. Erst im März 1980, nach 120 Wochen, verlässt die Platte die Billboard-Charts. Auch in Deutschland steht die Scheibe ganz oben.



Das führt dazu, dass Ende der Siebziger so ziemlich alles in einer Disco-Version veröffentlicht wird, sogar die Titelmelodie der Science Fiction-Reihe Star Wars. Lustigerweise ebnet ausgerechnet George Lucas, der Erfinder des Sternenspektakels, der Filmmusik zu Saturday Night Fever den Weg: Er durchbricht das Schema der eigens für das Kino komponierten Orchesterwerke und stellt für sein Frühwerk American Graffiti schlicht Songs der Fünfziger und Sechziger zusammen. Der Hintergrund: Der Streifen spielt im Jahr 1962, und Lucas möchte diese Zeit möglichst authentisch abbilden.

Den Bee Gees verhilft Saturday Night Fever zum entscheidenden Karriereschub. Ganze sechs Song steuert die Gruppe zum Soundtrack bei: Stayin’ Alive, How Deep Is Your Love, Night Fever, More Than A Woman, Jive Talkin’ und You Should Be Dancing. Damit retten die drei Brüder ihre bisherige Folk Pop-Karriere ins neue Jahrzehnt. Als Drahtzieher fungiert Robert Stigwood, seines Zeichens nicht nur Produzent des Films, sondern auch Manager der Gruppe. Erst als der Streifen bereits abgedreht ist, bringt er seine Schützlinge ins Spiel: „Am Anfang waren die Bee Gees gar nicht an dem Film beteiligt“, erinnert sich Hauptdarsteller John Travolta. „Da habe ich noch zu Stevie Wonder und Boz Scaggs getanzt.“ Der Rest des Soundtracks besteht aus Stücken von Künstlern wie KC & The Sunshine Band oder Kool & The Gang.

Die „Kings Of Disco“: Barry, Robin und Maurice Gibb von den Bee Gees.)

Nicht nur die Bee Gees profitieren von der Welle. Ob Leo Sayer mit You Make Me Feel Like Dancing, Donna Summer und ihr Über-Song I Feel Love oder ABBA mit Dancing Queen: Disco dominiert die Hitparaden — sehr zum Leidwesen einiger Rocker, wie ihr hier nachlesen könnt. Dabei springen selbst die Rolling Stones, Kiss, Queen und Rod Stewart auf den Zug auf und veröffentlichen Songs wie Miss You, I Was Made For Lovin’ You, Another One Bites The Dust und Do Ya Think I’m Sexy.



Bis heute bietet Saturday Night Fever einen Einblick in das kurzlebige Phänomen Disco und lässt die Zuschauer in die Glanzzeit der Glitzeranzüge und „Boogie Shoes“ eintauchen. Zwischen 2000 und 2010 erlebt das Genre sogar ein Revival: Bands wie die Scissor Sisters interpretieren den Sound auf ihre eigene Weise und feiern damit kurzfristig große Erfolge. Interessant bleibt die Erkundung der tatsächlichen Ursprünge der Szene in Untergrundnischen und im Soul, doch das ist eine andere Geschichte…


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