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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.11.2003 bekommt Joey Ramone seine eigene Straßenecke in New York.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.11.2003.

von Christof Leim und Tom Küppers

In der Regel genießen Fans eines Musiker seine Kunst einfach nur. Woran sich überhaupt nichts Verwerfliches finden lässt. Manchmal heißt Fan-Sein allerdings, mit einer solchen Leidenschaft an etwas zu glauben, dass man bereit ist dafür, Berge zu versetzen. Dem Enthusiasmus von Maureen Wojciechowski verdankt Ramones-Sänger Joey Ramone eine posthume Ehrung: Nach ihm wurde ein Platz im East Village seiner geliebten Heimatstadt New York benannt.


Hört hier in die größten Kracher der Ramones rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Mit Joeys Tod am 15. April 2001 sind die legendären Punk-Urväter Ramones Geschichte. Der für den 19. Mai geplante „Joey Ramone Birthday Bash“ gerät somit eher zu einer Trauerfeier. Am Ende des Abends fasst die damals knapp zwanzig Jahre alt Maureen jedoch einen Entschluss: Sie hat die Idee, die Straßenecke an der Bowery und 2nd Street zum Joey Ramone Place zu erklären. Dem Autor und Superfan Jari-Pekka Laitio-Ramone (heißt tatsächlich so) erklärt sie die Gründe: „Niemand kann Joey Ramone jemals ersetzen. Er hat uns beigebracht, dass es keine Schande ist, anders zu sein. Außerdem war er einer der nettesten Menschen, die ich je kennenlernen durfte. Ich wollte einen Ort schaffen, an dem sich New York an ihn erinnert.“

Die Ramones 1976 in voller Fahrt – Credit: Bandit

Die Wahl der ansonsten unauffällig wirkenden Straßenecke ist wohl bedacht, denn genau hier im East Village befindet sich das Epizentrum der frühen Ramones. Der legendäre Club CBGBs liegt eben so nur einen Steinwurf entfernt wie das Apartment von Band-Intimus Arturo Vega. Joey Ramone selbst wohnt und lebt bis zu seinem letzten Tag ebenfalls in der Gegend und ist regelmäßiger Teil des lebhaften Straßenbildes.

Joey in typischer Pose – Credit: Dawkeye

Maureen rührt eifrig die Werbetrommel für ihr Vorhaben und fordert ihre Unterstützer dazu auf, sich telefonisch mit Stadträtin Rosie Mendez in Verbindung zu setzen, die für derartige Dinge verantwortlich sei. Diese meldet sich ein paar Tage später tatsächlich zurück und veranlasst aufgrund der großen Anzahl der Anrufe den nötigen Papierkram sowie weitere Anhörungen. Im Oktober findet sich dann ein Ausschuss zusammen, um über die Angelegenheit zu beraten. Maureen hat zwar prominente Fürsprecher, darunter Joeys Mutter Charlotte und Ramones-Cover-Zeichner John Holmstrom, doch von den acht Ausschussmitgliedern haben nur zwei jemals von der Band gehört. Also erzählt Maureen in aller Ausführlichkeit von der Musik der Band, von Punkrock und CBGBs sowie der Bedeutung des Ganzen für das Viertel. Offenbar mit Erfolg.

Denn einen Monat später stimmt der Gemeinderat einstimmig für ihren Antrag. Bis zur feierlichen Umbenennung dauert es wegen diverser bürokratischer Hürden noch, doch am 30. November 2003 ist es soweit. Im Beisein von Megastars wie Regisseur Jim Jarmusch und Musiker Steven Van Zandt von Springsteens E Street Band wird das Straßenschild mit der Aufschrift „Joey Ramone Place“ feierlich enthüllt.



Die durch spezielles Merchandise erzielten Umsätze kommen gemeinnützigen Zwecken im East Village zugute. Doch das reicht einigen Fans nicht: Tatsächlich wird das Schild in den folgenden Jahren immer wieder entwendet und hält zeitweise den zweifelhaften Rekord des am häufigsten gestohlenen Straßenschildes von New York City. 2010 wird dann entschieden, das Teil einfach in sechs Meter Höhe anzubringen. „Gut, jetzt muss man Basketball-Profi sein um das Ding sehen zu können“, lacht Schlagzeuger Marky Ramone in der New York Post. „Aber jedes Mal wenn ich das Schild sehe, freue ich mich. Weil ich finde, dass Joey nach ganz oben gehört. Ein wirklich schöner Tribut an den Frontmann, der das Genre namens Punkrock begründet hat“.


Header-Foto Credit: Plismo

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