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Popkultur

Zeitsprung: Am 14.1.1969 kommt Dave Grohl zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Kinder der Neunziger dürften sich ein Leben ohne Dave Grohl kaum vorstellen können. Mit Kurt Cobain und Nirvana führt er die Grunge-Bewegung an, mit den Foo Fighters stellt er sein eigenes Rock-Imperium auf die Beine. Immer wieder unternimmt der Tausendsassa Ausflüge in fremde musikalische Gefilde und macht mit herzerwärmenden Aktionen von sich reden. Am 14. Januar 1969 kommt der Wunsch-Schwiegersohn des Rock’n’Roll in Ohio zur Welt.


Hört hier in die besten Songs der Foo Fighters rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Kindheit

Grohl wächst als Sohn der Lehrerin Virginia Jean und des Journalisten James Harper auf. Im Alter von zwölf Jahren nimmt er zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand, hat vom Musikunterricht jedoch schnell genug und bringt sich das Spielen stattdessen auf eigene Faust bei. Ein Jahr später legt seine Cousine Tracy den entscheidenden Grundstein für seine musikalischen Vorlieben, indem sie ihn mit Punk in Berührung bringt. Bereits während der High School spielt Grohl in zahlreichen Gruppen wie Mission Impossible und macht sich ein weiteres Instrument, das Schlagzeug, gefügig. Als einen seiner Haupteinflüsse nennt er Led Zeppelin-Trommler John Bonham.


Scream

Seine erste größere Band findet Grohl mit 17. So spielt er bei Scream aus Washington, D.C. vor, als deren Schlagzeuger seinen Posten räumt. Um für den Job in Betracht gezogen zu werden, gibt Grohl an, bereits 20 Jahre alt zu sein. Der junge Trommler erhält zu seiner eigenen Überraschung den Zuschlag und steigt ein. Eine schwerwiegende Entscheidung, denn sie bedeutet den Schulabbruch des jungen Musikers. Mit der Gruppe veröffentlicht Grohl einige Livealben und die Studioplatten No More Censorship (1988) und Fumble (1993, aufgenommen 1989). Für den Song Gods Look Down übernimmt er das Gesangsmikro. Während seiner Zeit mit Scream entwickelt der Schlagzeuger eine Leidenschaft für die Melvins und freundet sich mit der Band an. Als Scream 1990 die Westküste entlang touren, bringt Melvins-Mastermind Buzz Osborne, ein großer Scream-Fan, zwei seiner Freunde mit zu einer Show: Kurt Cobain und Krist Novoselic.



Nirvana

Einige Monate später lösen sich Scream auf. Grohl steht ohne Job da und fragt Buzz Osborne um Rat. Der wiederum erzählt ihm, dass eine junge Band namens Nirvana gerade auf Drummer-Suche ist. Osborne gibt seinem Kumpel ein paar Telefonnummern, und wenig später steigt Grohl in die Gruppe ein, die sich in den folgenden Jahren zur größten Grunge-Band aller Zeiten entwickeln soll. Er trommelt auf der zweiten Platte, dem legendären Nevermind (1991), doch in das Songwriting lässt sich Kurt Cobain nur bedingt reinreden. Das ändert sich auch auf dem Nachfolger  In Utero (1993) nicht. Zwar steuern Grohl und Bassist Novoselic vereinzelt Ideen bei, doch bei den meisten Songs ist Cobain als alleiniger Autor vermerkt. Mit seinem Tod am 5. April 1994 endet auch die Nirvana-Geschichte.


Foo Fighters

Grohl weiß zunächst nicht, was jetzt passieren soll. Er nimmt ein Demo mit 15 Songs auf, für das er fast alle Spuren selbst einspielt. Er überlegt sogar, ob er zukünftig als Session-Trommler für andere Bands arbeiten soll. So spielt er in der US-amerikanischen Fernsehsendung Saturday Night Live mit Tom Petty & The Heartbreakers. Petty fragt ihn anschließend, ob er der Gruppe beitreten möchte, gibt ihm dann allerdings den Tipp, sich auf die Foo Fighters zu konzentrieren. Ein guter Ratschlag, wie wir heute wissen. Auch als Ersatz für Pearl Jam-Schlagzeuger Dave Abbruzzese ist Grohl im Gespräch, den Zuschlag erhält Jack Irons, der gerade die Red Hot Chili Peppers verlassen hat. Grohl entscheidet sich für eine eigene Karriere, möchte aber nicht solo durchstarten und stellt eine Band zusammen. Einen Plattenvertrag mit Capitol Records kann er schnell eintüten. Statt ein Debüt aufzunehmen, lässt er sein Demo professionell abmischen. Es erscheint 1995 als erstes Album der Foo Fighters.



Während der nächsten Dekaden baut Grohl seine Band zu einer der größten Alternative Rock-Gruppen aller Zeiten auf. Der Durchbruch erfolgt 1997 mit The Colour And The Shape, aus dem die Hits Everlong, My Hero und Monkey Wrench hervorgehen. Im Jahr 2000 nehmen die Foo Fighters eine Coverversion des Pink Floyd-Stücks Have A Cigar auf — gemeinsam mit Queen-Gitarrenlegende Brian May. Es kommt zu weiteren Kooperationen. Zum Beispiel steuert May Gitarrenparts zum Foo Fighters-Song Tired Of You bei. Mit One By One (2002), In Your Honor (2005), Echoes, Silence, Patience & Grace (2007), Wasting Light (2011), Sonic Highways (2014) und Concrete And Gold (2017) veröffentlichen die Foo Fighters in den Jahren danach kein einziges Album, das nicht mindestens Platz drei der US-Charts erreicht.



Am 20. Mai 2015 treten die Foo Fighters in der allerletzten Folge der Late Show with David Letterman auf. Die Band spielt den Song Everlong, Lettermans Lieblingslied. Ein weiteres, durchaus einzigartiges Karriere-Glanzlicht gelingt Dave Grohl im November 2002, als er sich selbst von Platz eins der Billboard Modern Rock-Hitliste verdrängt. Führte bis dato You Know You’re Right von Nirvana, belegt nun All My Life von den Foo Fighters die Pole Position. Man könnte sagen: Grohl entthront sich selbst.



Ein Thron kommt auch 2015 ins Spiel, als er während einer Show in Schweden von der Bühne fällt und sich das Bein bricht. Grohl verschwindet kurz, spielt das Konzert aber trotz großer Schmerzen zu Ende. Zwar müssen die Foo Fighters die restliche Europatour absagen, doch damit die US-Termine nicht das gleiche Schicksal erfahren, sorgt Grohl für eine Lösung: Er lässt sich einen Thron entwerfen, auf den er sich während der Konzerte setzen kann. Dieser kommt erstmals am 4. Juli 2015 zum Einsatz. Auf der Videoleinwand laufen dazu Bilder von Grohls Sturz und von Röntgenaufnahmen seines Beinbruchs. Doch nicht nur das: Am 1. April 2016 schreibt der Thron ein weiteres Mal Rockgeschichte. Als sich Axl Rose von Guns N’ Roses eine ähnliche Verletzung zuzieht, verleiht Dave Grohl seine bescheidene Sitzgelegenheit und wird so indirekt Teil der ersten Tour von Axl Rose, Slash und Duff McKagan seit fast 20 Jahren.



Weitere Projekte

Überhaupt: Wo Rock’n’Roll draufsteht, mischt Dave Grohl mit. Ein besonderes Denkmal setzt er sich mit Probot, einem All-Star-Metal-Projekt, für das er über Jahre hinweg Stars wie Lemmy Kilmister von Motörhead, Cronos von Venom, King Diamond, Scott Weinrich von The Obsessed oder Max Cavalera von Sepultura verpflichtet und ihnen Songs auf den Leib schneidert, die sie genauso gut selbst hätten schreiben können. Das gleichnamige Album erscheint 2004 und verschafft Dave Grohl eine Menge Respekt, auch über die eigene Fangemeinde hinaus.


Weitere Kooperationspartner des musikalischen Multitalents: Tenacious D, Queens Of The Stone Age, Nine Inch Nails, Garbage, Juliette And The Licks, David Bowie, Paul McCartney, The Prodigy und Ghost, um nur einige wenige zu nennen. Sogar in der Muppet-Show tritt Grohl auf und leistet sich ein Schlagzeugduell mit dem „Tier“.



Im Juli 2009 erfährt die Öffentlichkeit, dass Grohl, Desert-Rock-Legende Josh Homme und Led Zeppelin-Bassist John Paul Jones ein gemeinsames Projekt namens Them Crooked Vultures gegründet haben. Das Debüt der Gruppe erscheint im folgenden November. Innerhalb kürzester Zeit stürmt das Trio die Billboard-Charts und sahnt sogar einen Grammy ab. In späteren Interviews erzählen die Musiker immer wieder, dass ein zweites Album in Planung sei, doch ein Nachfolger bleibt bis heute außer Sicht.



Zu einem besonders denkwürdigen Abend kommt es im Oktober 2018, als Krist Novoselic, Gitarrist Pat Smear und Dave Grohl im Rahmen des von Grohl und den Foo Fighters kuratierten Cal Jam-Festivals einige Nirvana-Songs spielen. Zwar kommt es bereits 2014 zu einer Reunion, als Nirvana in die Rock And Roll Hall Of Fame eingeführt werden, doch der Gig vier Jahre später dürfte vor allem den vor Ort anwesenden Fans Freudentränen in die Augen getrieben haben. Da Kurt Cobain aus offensichtlichen Gründen nicht dabei sein kann, singen John MacCaulay von Deer Ticks und Joan Jett.



Mensch und Musiker

1994 heiratet Grohl die Fotografin Jennifer Youngblood, 1997 wird die Ehe geschieden. 2003 folgt Ehe Nummer zwei, diesmal mit Jordyn Blum. Das Paar hat drei Kinder. Experten schätzen Grohls Vermögen auf 260 Millionen US-Dollar, womit er der drittreichste Drummer der Welt wäre, gleich nach Ringo Starr und Phil Collins. Auch sein soziales Engagement dürfte im direkten Vergleich für einen der ersten Plätze taugen. So spricht er sich regelmäßig gegen Drogenmissbrauch aus und tritt für die Rechte homo- und transsexueller Menschen ein. Als zwei australische Minenarbeiter im Jahr 2006 in Beaconsfield verunglücken, lädt er sie nach deren Rettung zu einer Foo Fighters-Show ein. Einer der beiden nimmt das Angebot an, und Grohl bereitet anlässlich des Besuchs den Song Ballad Of The Beaconsfield Miners vor. 2007 erscheint das Stück auf Echoes, Silence, Patience & Grace.



Obwohl er bis heute keine einzige Note lesen kann, gehört Dave Grohl zu den bedeutendsten Rockmusikern der vergangenen Dekaden. Nicht nur, dass er mit Nirvana maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Grunge und der Rockmusik im Allgemeinen nimmt; mit den Foo Fighters legt er auch eine Zweitkarriere hin, deren steilen Verlauf er wohl selbst nicht vorhersehen konnte. Hoffen wir, dass er uns noch lange erhalten bleibt und auch in den kommenden Jahrzehnten nichts von seiner scheinbar endlosen Kreativität einbüßt. Herzlichen Glückwunsch!



Titelfoto: Andreas Lawen, Fotandi [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

Zeitsprung: Am 19.11.1994 steigt Dave Grohl beinahe in die Band von Tom Petty ein.

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Zeitsprung: Am 6.12.1994 erscheint „Vitalogy“ von Pearl Jam auf CD und Kassette.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1994.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

1994 markiert den Wendepunkt für den Grunge: Nach Kurt Cobains Tod wenden sich die Medien gegen die Rock-Bewegung, während sich Pearl Jam im kalten Krieg mit Ticketmaster befinden. Die Jungs aus Seattle wagen mit Vitalogy den Befreiungsschlag und ebnen den Weg für Meisterwerke wie Yield. Am 6. Dezember 1994 erscheint das Album regulär auf CD…

Hört hier in Vitalogy rein: 

„Lives opened and trashed / Look, Ma, watch me crash“ intoniert Eddie Vedder im Opener Last Exit und fasst damit schon ziemlich gut zusammen, was da so in der Welt von Pearl Jam vor sich geht. Als Teil der Grunge-Szene von Seattle kommen sie mit ihrem Debüt Ten trotz kommerziellem Durchbruch nicht wirklich gut an, die Folgeplatte Vs. (1993) zementiert dafür ihren Platz zwischen Nirvana, Soundgarden und Alice In Chains. So sehr, dass der daraus resultierende Erfolg die Gruppe in eine schwere Sinnkrise stürzt. Dazu noch der Medienrummel um Kurt Cobains Suizid sowie eine Extraportion Streitigkeiten um Konzertpreise((LINK)) mit Ticketmaster. Kurzum: Der Boden unter den Bandgrundmauern wackelt.

Vorsicht, rissig

Die Aufnahmen für das dritte Album entstehen während der Tour zu Vs., die Sänger (und nun auch Gitarrist) Vedder, Bassist Jeff Ament, den Gitarristen Stone Gossard und Mike McCready und Schlagzeuger Dave Abbruzzese einiges abverlangt. Abbruzzese darf gegen Ende der Aufnahmen den Abflug machen, denn seine Kritik am Ticketmaster-Konflikt stößt auf. McCready wiederum merkt, dass sein Kokain- und Alkoholproblem die Gruppe gefährdet: „Nach dem die Band durchgestartet war, befand ich mich in meiner eigenen kleinen Welt.“ Er checkt zwischen Aufnahmen und Veröffentlichung in die Entzugsklinik ein.

An den Drums übernimmt Vedder-Vertrauter und ehemaliger Red Hot Chili Pepper Jack Irons, der positive Energie in den Laden bringt. Die braucht es dringend, denn der Sänger, der hier verstärkt die kreativen Zügel in die Hand nimmt, gerät nun mit Gossard aneinander. Für ersteren stellt der Führungswechsel eine natürliche Konsequenz dar: „Das war keine feindliche Übernahme. Ich fand, dass alle unsere Veröffentlichungen stellvertretend für mich standen. Da ich sowas wie das Gesicht der Band wurde, musste ich auch musikalisch mehr repräsentiert werden“, erzählt er später in der Dokumentation Pearl Jam Twenty

Lebenszeichen

Diese Kehrtwende äußert sich auch in, sagen wir mal, etwas wundersameren Werken wie Hey Foxymophandlemama, That’s Me, einer Soundcollage mit Äußerungen von Insassen einer Nervenklinik. Dagegen stehen aber Stücke wie das unangepasste Spin The Black Circle, Immortality und das wunderbare Better Man, die das umstrittene Album zu einem wichtigen Punkt der Bandgeschichte machen.

Ganz bewusst veröffentlichen Pearl Jam das Ding zunächst am 22. November 1994 auf Vinyl und für die damals gängigen Formate CD und Kassette gibt’s ein zweiwöchiges Embargo. Das zahlt sich aus, denn Vitalogy hält bis zur Veröffentlichung von Jack Whites Lazaretto 2014 den Rekord für die meisten Vinylverkäufe innerhalb einer Woche. Ab dem Nikolaustag 1994 stehen dann auch CDs und Kassetten zum Verkauf. Wie Kollege Chris Cornell in der Doku treffend bemerkt: „Amerikanische Rockbands lösen sich auf. Pearl Jam schafften es zusammenzubleiben.“ Vitalogy entpuppte sich dabei als der Kitt der beginnenden Risse.

Zeitsprung: Am 30.6.2000 passiert Schlimmes bei einer Pearl Jam-Show in Roskilde.

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Popkultur

10 Songs von Little Richard, die man kennen sollte

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Little Richard
Foto: Getty Images

„Wop bop a loo bop a lop bom bom“! Wenn diese Laute ertönen, wissen wir alle: Gleich legt Little Richard los, der Architekt des Rock’n’Roll, der Miterfinder dessen, was wir alle so sehr lieben. Die folgenden zehn Songs geben einen Einblick in die jahrzehntelange Karriere des virtuosen Künstlers.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Little Richard anhören:

Zur Welt kam Little Richard am 5. Dezember 1932 in Macon, Georgia. Sein bürgerlicher Name: Richard Wayne Penniman. Als Schwarzer, homosexueller Mann, dürfte er es im Süden der USA mehr als nur schwer gehabt haben. Umso beeindruckender ist sein Lebenswerk, das aus unsterblichen Songs wie Tutti Frutti, Long Tall Sally, Good Golly, Miss Molly, Lucille und Rip It Up besteht. (Mehr dazu gleich.) Elvis Presley, Paul McCartney, Mick Jagger, Elton John, John Fogerty, Bob Dylan: Sie alle schauten und schauen zu ihm auf. Immerhin 87 Jahre wurde Little Richard alt. Am 9. Mai 2020 verstarb er in Tullahoma, Tennessee an den Folgen einer Knochenkrebserkrankung. Sein musikalisches Vermächtnis bleibt uns zum Glück erhalten.

1. Tutti Frutti (1955)

Little Richards größter Hit entsteht quasi aus Wut. Bei Aufnahme-Sessions im September 1955 regt sich der Künstler nämlich darüber auf, dass sich die animalische Energie seiner Live-Auftritte nicht so recht auf Band bannen lässt, also setzt er sich verärgert ans Piano. „Wop bop a loo bop a lop bom bom“, ruft er und haut wütend in die Tasten. Produzent Robert Blackwell möchte das Stück sofort aufnehmen.

2. Long Tall Sally (1956)

Was ein gut gepflegtes Adressbuch alles bewirken kann. Damit sie die Krankenhausrechnungen für ihre Tante Mary bezahlen kann, entwickelt Radio-DJ Honey Chile in den Fünfzigern die Grundidee für den Song Long Tall Sally und bietet das Stück Little Richards Produzent Robert Blackwell an. Der arbeitet die Komposition mit Richard weiter aus — und ein Hit war geboren!

3. Slippin’ And Slidin’ (1956)

Buddy Holly, die Beatles, Otis Redding, Shakin’ Stevens: Sie alle haben diesen Song gecovert oder zumindest öffentlichkeitswirksam zum Besten gegeben. Entstanden ist die Nummer im Februar 1956; ursprünglich diente sie als B-Seite für Long Tall Sally. Doch Slippin’ And Slidin’ markiert einen von Little Richards größten Hits, der bis heute auf zahlreichen Rock’n’Roll-Playlisten zu finden ist.

4. Rip It Up (1956)

„Well, it’s Saturday night, and I just got paid“ — Mit diesen Worten beginnt der nächste von Richards wichtigsten Songs. Zugegeben, allzu viel Tiefgang hat die Nummer nicht. Es geht im Wesentlichen darum, an einem Samstagabend zu feiern, sein Geld zu verjubeln und Mädels aufzureißen. Es handelt sich allerdings um einen Rock’n’Roll-Klassiker, der auch von Elvis Presley gecovert wurde.

5. Ready Teddy (1956)

Das gleiche gilt für Ready Teddy, der im Sommer 1956 auf der B-Seite von Rip It Up zu finden war. „I’m ready ready ready to rock’n’roll“, verkündet Richard in dem Song. Als hätten wir je daran gezweifelt! Einen seiner größten Auftritte hatte das Stück am 9. September 1956, als Elvis Presley Ready Teddy für 60 Millionen Fernsehzuschauer*innen in der Ed Sullivan Show zum Besten gab.

6. Lucille (1957)

Lucille ist nicht nur der Name von B.B. Kings Gitarre, sondern auch der Titel eines der größten Hits von Little Richard. Komponiert wurde das Stück von ihm selbst und einem Herrn namens Albert Collins, bei dem es sich allerdings nicht um den gleichnamigen Bluesgitarristen handelt. 1994 dichtete Richard den Song von Lucille in Rosita um und besang damit die gleichnamige Figur in der Sesamstraße.

7. Keep A-Knockin’ (1957)

Auch mit seiner erfolgreichen Single Keep A-Knockin’ trat Little Richard im Fernsehen auf, diesmal in der der Familien-Sitcom Full House. Inhaltlich beschäftigt sich die Nummer je nach Version mit einem Liebhaber, der vor verschlossener Tür steht — entweder, weil schon jemand anderes zu Besuch ist, oder, weil er sich daneben benommen hat. Ob es sich um einen autobiografischen Song handelt, können wir nur erahnen.

8. Good Golly, Miss Molly (1958)

Den Ausruf Good Golly, Miss Molly hörte Little Richard zum ersten Mal bei Jimmy Pennick, einem DJ aus den Südstaaten. Das Intro für den gleichnamigen Song entlieh Richard laut eigener Aussage dem Stück Rocket 88 von Ike Turner. „Ich mochte das Stück immer schon“, erzählte er mal in einem Interview. „Und ich habe das Riff oft für meine Konzerte benutzt. Als wir eine Einleitung gesucht haben, passte das einfach.“

9. Get Down With It (1967)

Diesen Song kennt ihr möglicherweise vor allem von den britischen Glam-Rockern Slade. Doch Noddy Holder und Co. entdeckten das Stück bloß, weil Little Richard es vor ihnen gecovert hatte. „Jahrelang , bis zum Ende unserer Karriere, war das der Song, mit dem wir unsere Sets vor den Zugaben beendeten“, erzählt Holder in einem aktuellen Interview mit Classic Rock. Die Vorarbeit dafür leistete Little Richard.

10. Mockingbird Sally (1972)

Bei Mockingbird Sally handelt es sich weder um das bekannteste, noch um das wichtigste Lied von Little Richard. Doch die Nummer ist vor allem eins: ein richtig guter Rock’n’Roll-Song. 1972 veröffentlicht, gehört das Stück schon zum Spätwerk des Künstlers. Begeisterung im Mainstream konnte Richard zu jener Zeit kaum noch entfachen. Doch seine Bedeutung für die Musikgeschichte kann gar nicht überschätzt werden.

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Zeitsprung: Am 14.9.1955 nimmt Little Richard „Tutti Frutti“ auf.

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Zeitsprung: Ab 5.12.1981 definieren Black Flag mit „Damaged“ das Hardcore-Genre.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.12.1981.

von Peter Hesse und Christof Leim

Am 5. Dezember 1981 lassen Black Flag mit neuem Sänger Henry Rollins ihr ungestümes Debütalbum Damaged auf die Welt los. In der Folgezeit werden die kalifornischen Krachmacher zu wichtigen Vertretern des Punk Rock, auch weil sie die Idee des DIY, des „Do-It-Yourself“, wie wenige beherzigen und umsetzen. Ihr Sound ist ebenso frisch: Hardcore nennt sich diese Variante, weil sie den Punk Rock noch aggressiver, schneller und ungestümer spielen. Die Szene steht applaudierend daneben und beklatscht die Scheibe als Meilenstein.

Hier könnt ihr euch Damaged von Black Flag anhören:

Punk ist nicht nur Punk, weil man bunte Haare hat. Der Masterplan dahinter umfasst mehr. Henry Rollins, Black-Flag-Frontmann von 1981 bis 1986, erklärt das in einer Radiosendung so: „Du bist gegen das Establishment? Gründe eine Band! Du kannst kein Instrument spielen? Schaff dir das drauf! Du hast kein Label, keinen Grafiker und niemanden, der Konzerte bucht? Auch das kannst du dir mit Fleiß und in kompletter Eigenregie draufschaffen.“

Vielseitige Inspirationen

Mit dieser Do-It-Yourself-Maxime – „Sei dein eigener ideologischer Macher!“ – fühlt sich Bandchef Greg Ginn als Gitarrist, Songwriter und Texter sehr wohl. Zunächst heißt seine Truppe noch Panic, die ersten professionellen Gehversuche als Black Flag datieren auf den Spätsommer 1978. Geprobt wird in einer Garage in Hermosa Beach, einem kleinen Kaff im Süden von Kalifornien. Privat schwört Ginn auf Black Sabbath und die Scorpions, im weiteren Verlauf der Achtziger lässt er sich von der Freejazz-Avantgarde eines Glenn Branca oder dem Jazzrock des Mahavishnu Orchestra inspirieren. 

Black Flag 1983 in London – Pic: Erica Echenberg/GettyImages.

Doch als musikalische Ziehväter gelten in der frühen Black-Flag-Phase vor allem die Stooges und die Ramones. „Wir haben nicht so viel in Genres gedacht“, erinnert sich Ginn. Mit dem ersten Sänger Keith Morris besucht er 1976 ein Konzert der Ramones in Los Angeles. „Nachdem wir sie gesehen hatten, war ich mir sicher: Wenn die das können, dann können wir das auch.“ 

Dreckig und ungestüm

Drei EPs bringen Black Flag von 1979 bis 1981 unter die Leute, Ende 1981 steht dann das Line-up für die erste vollständige Langspielplatte. Dabei sind: Greg Ginn (Leadgitarre), Dez Cadena (Rhythmusgitarre), Chuck Dukowski (Bass) und Robo (Schlagzeug), am Gesang ein Neuzugang namens Henry Rollins, heute unter anderem als Solokünstler, Autor und Spoken-Word-Held bekannt.

Diese Mannschaft nimmt mit dem ungestümen Selbstvertrauen der frühen Jugend in den Unicorn Studios am Santa Monica Boulevard in West-Hollywood das erste Album auf: Damaged. Die Stimmung in der Band ist gut in dieser Zeit; die fünf Mitglieder leben während der Arbeiten wie eine Punk-Rock-Kommune in einem anderen Teil des Studiogebäudes, wo sie auch die Songs einstudieren.

Die Lösung zur Tragödie

Als Markenzeichen des Black-Flag-Debüts erweist sich im betont brachialen Wall-Of-Sound-Klang vor allem der Gitarrenton von Greg Ginn. Seine Riffs und Soli klingen auf Stücken wie Gimmie Gimmie Gimmie oder What I See immer wie eine Mischung aus Distortion-Orgie, Autounfall und Blitzeinschlag. Dieses dreckige Grundriffing wird später im Death und Black Metal noch oft zitiert werden.

Die Texte bei Stücken wie Six Pack, Thirsty & Miserable oder TV Party drehen sich dabei um Alltagsbeschreibungen; im Song Depression singt Rollins gegen die bösen Geister in seinem Kopf an. Sein Selbstverständnis als Songschreiber beschreibt er so: „Iggy Pop sagte mal, dass Rock’n’Roll die Lösung für die menschliche Tragödie sein soll und dass Bands verzweifelt versuchen, dieses Problem zu lösen. Das habe ich auch irgendwie probiert.“ Seine Sensibilität stilisiert er mit vielen Kraftausdrücken,  – die Live-Konzerte werden zu ungestümen Brachialdarbietungen. 

Vom Untergrund in die Legendengalerie

Das Album erscheint am 5. Dezember 1981 über SST Records, das Ginn erneut in bester DIY-Manier neben Black Flag gegründet hatte. Hier erscheinen auch die ersten Lärmereien von Anti-Mainstream-Bands wie Minutemen, Hüsker Dü, Meat Puppets, Soundgarden, Sonic Youth und Dinosaur Jr. Damaged markiert damals nach ein paar Singles und EPs die erst siebte Veröffentlichung auf Label.

Anfangs beschränkt sich die Wirkung der Platte erwartungsgemäß auf die Punk-Szene und den Untergrund. Doch im Laufe der Jahre wird Damaged in der Punk-Weltgemeinde zusehends als Genreklassiker verehrt. Der Rolling Stone etwa schreibt: „Black Flag haben den L.A.-Hardcore definiert mit den brutalen Gitarren und dem angepissten Geschrei von Henry Rollins, insbesondere auf TV Party und Rise Above. Heute noch hören Punks diese Platte, und heute noch finden Eltern das fürchterlich.“ So muss es sein.

Zeitsprung: Am 30.11.2003 bekommt Joey Ramone seine eigene Straßenecke in New York.

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