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Popkultur

Zeitsprung: Am 14.1.1969 kommt Dave Grohl zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Kinder der Neunziger dürften sich ein Leben ohne Dave Grohl kaum vorstellen können. Mit Kurt Cobain und Nirvana führt er die Grunge-Bewegung an, mit den Foo Fighters stellt er sein eigenes Rock-Imperium auf die Beine. Immer wieder unternimmt der Tausendsassa Ausflüge in fremde musikalische Gefilde und macht mit herzerwärmenden Aktionen von sich reden. Am 14. Januar 1969 kommt der Wunsch-Schwiegersohn des Rock’n’Roll in Ohio zur Welt.

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Hört hier in die besten Songs der Foo Fighters rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Kindheit

Grohl wächst als Sohn der Lehrerin Virginia Jean und des Journalisten James Harper auf. Im Alter von zwölf Jahren nimmt er zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand, hat vom Musikunterricht jedoch schnell genug und bringt sich das Spielen stattdessen auf eigene Faust bei. Ein Jahr später legt seine Cousine Tracy den entscheidenden Grundstein für seine musikalischen Vorlieben, indem sie ihn mit Punk in Berührung bringt. Bereits während der High School spielt Grohl in zahlreichen Gruppen wie Mission Impossible und macht sich ein weiteres Instrument, das Schlagzeug, gefügig. Als einen seiner Haupteinflüsse nennt er Led Zeppelin-Trommler John Bonham.


Scream

Seine erste größere Band findet Grohl mit 17. So spielt er bei Scream aus Washington, D.C. vor, als deren Schlagzeuger seinen Posten räumt. Um für den Job in Betracht gezogen zu werden, gibt Grohl an, bereits 20 Jahre alt zu sein. Der junge Trommler erhält zu seiner eigenen Überraschung den Zuschlag und steigt ein. Eine schwerwiegende Entscheidung, denn sie bedeutet den Schulabbruch des jungen Musikers. Mit der Gruppe veröffentlicht Grohl einige Livealben und die Studioplatten No More Censorship (1988) und Fumble (1993, aufgenommen 1989). Für den Song Gods Look Down übernimmt er das Gesangsmikro. Während seiner Zeit mit Scream entwickelt der Schlagzeuger eine Leidenschaft für die Melvins und freundet sich mit der Band an. Als Scream 1990 die Westküste entlang touren, bringt Melvins-Mastermind Buzz Osborne, ein großer Scream-Fan, zwei seiner Freunde mit zu einer Show: Kurt Cobain und Krist Novoselic.



Nirvana

Einige Monate später lösen sich Scream auf. Grohl steht ohne Job da und fragt Buzz Osborne um Rat. Der wiederum erzählt ihm, dass eine junge Band namens Nirvana gerade auf Drummer-Suche ist. Osborne gibt seinem Kumpel ein paar Telefonnummern, und wenig später steigt Grohl in die Gruppe ein, die sich in den folgenden Jahren zur größten Grunge-Band aller Zeiten entwickeln soll. Er trommelt auf der zweiten Platte, dem legendären Nevermind (1991), doch in das Songwriting lässt sich Kurt Cobain nur bedingt reinreden. Das ändert sich auch auf dem Nachfolger  In Utero (1993) nicht. Zwar steuern Grohl und Bassist Novoselic vereinzelt Ideen bei, doch bei den meisten Songs ist Cobain als alleiniger Autor vermerkt. Mit seinem Tod am 5. April 1994 endet auch die Nirvana-Geschichte.


Foo Fighters

Grohl weiß zunächst nicht, was jetzt passieren soll. Er nimmt ein Demo mit 15 Songs auf, für das er fast alle Spuren selbst einspielt. Er überlegt sogar, ob er zukünftig als Session-Trommler für andere Bands arbeiten soll. So spielt er in der US-amerikanischen Fernsehsendung Saturday Night Live mit Tom Petty & The Heartbreakers. Petty fragt ihn anschließend, ob er der Gruppe beitreten möchte, gibt ihm dann allerdings den Tipp, sich auf die Foo Fighters zu konzentrieren. Ein guter Ratschlag, wie wir heute wissen. Auch als Ersatz für Pearl Jam-Schlagzeuger Dave Abbruzzese ist Grohl im Gespräch, den Zuschlag erhält Jack Irons, der gerade die Red Hot Chili Peppers verlassen hat. Grohl entscheidet sich für eine eigene Karriere, möchte aber nicht solo durchstarten und stellt eine Band zusammen. Einen Plattenvertrag mit Capitol Records kann er schnell eintüten. Statt ein Debüt aufzunehmen, lässt er sein Demo professionell abmischen. Es erscheint 1995 als erstes Album der Foo Fighters.



Während der nächsten Dekaden baut Grohl seine Band zu einer der größten Alternative Rock-Gruppen aller Zeiten auf. Der Durchbruch erfolgt 1997 mit The Colour And The Shape, aus dem die Hits Everlong, My Hero und Monkey Wrench hervorgehen. Im Jahr 2000 nehmen die Foo Fighters eine Coverversion des Pink Floyd-Stücks Have A Cigar auf — gemeinsam mit Queen-Gitarrenlegende Brian May. Es kommt zu weiteren Kooperationen. Zum Beispiel steuert May Gitarrenparts zum Foo Fighters-Song Tired Of You bei. Mit One By One (2002), In Your Honor (2005), Echoes, Silence, Patience & Grace (2007), Wasting Light (2011), Sonic Highways (2014) und Concrete And Gold (2017) veröffentlichen die Foo Fighters in den Jahren danach kein einziges Album, das nicht mindestens Platz drei der US-Charts erreicht.



Am 20. Mai 2015 treten die Foo Fighters in der allerletzten Folge der Late Show with David Letterman auf. Die Band spielt den Song Everlong, Lettermans Lieblingslied. Ein weiteres, durchaus einzigartiges Karriere-Glanzlicht gelingt Dave Grohl im November 2002, als er sich selbst von Platz eins der Billboard Modern Rock-Hitliste verdrängt. Führte bis dato You Know You’re Right von Nirvana, belegt nun All My Life von den Foo Fighters die Pole Position. Man könnte sagen: Grohl entthront sich selbst.



Ein Thron kommt auch 2015 ins Spiel, als er während einer Show in Schweden von der Bühne fällt und sich das Bein bricht. Grohl verschwindet kurz, spielt das Konzert aber trotz großer Schmerzen zu Ende. Zwar müssen die Foo Fighters die restliche Europatour absagen, doch damit die US-Termine nicht das gleiche Schicksal erfahren, sorgt Grohl für eine Lösung: Er lässt sich einen Thron entwerfen, auf den er sich während der Konzerte setzen kann. Dieser kommt erstmals am 4. Juli 2015 zum Einsatz. Auf der Videoleinwand laufen dazu Bilder von Grohls Sturz und von Röntgenaufnahmen seines Beinbruchs. Doch nicht nur das: Am 1. April 2016 schreibt der Thron ein weiteres Mal Rockgeschichte. Als sich Axl Rose von Guns N’ Roses eine ähnliche Verletzung zuzieht, verleiht Dave Grohl seine bescheidene Sitzgelegenheit und wird so indirekt Teil der ersten Tour von Axl Rose, Slash und Duff McKagan seit fast 20 Jahren.



Weitere Projekte

Überhaupt: Wo Rock’n’Roll draufsteht, mischt Dave Grohl mit. Ein besonderes Denkmal setzt er sich mit Probot, einem All-Star-Metal-Projekt, für das er über Jahre hinweg Stars wie Lemmy Kilmister von Motörhead, Cronos von Venom, King Diamond, Scott Weinrich von The Obsessed oder Max Cavalera von Sepultura verpflichtet und ihnen Songs auf den Leib schneidert, die sie genauso gut selbst hätten schreiben können. Das gleichnamige Album erscheint 2004 und verschafft Dave Grohl eine Menge Respekt, auch über die eigene Fangemeinde hinaus.


Weitere Kooperationspartner des musikalischen Multitalents: Tenacious D, Queens Of The Stone Age, Nine Inch Nails, Garbage, Juliette And The Licks, David Bowie, Paul McCartney, The Prodigy und Ghost, um nur einige wenige zu nennen. Sogar in der Muppet-Show tritt Grohl auf und leistet sich ein Schlagzeugduell mit dem „Tier“.



Im Juli 2009 erfährt die Öffentlichkeit, dass Grohl, Desert-Rock-Legende Josh Homme und Led Zeppelin-Bassist John Paul Jones ein gemeinsames Projekt namens Them Crooked Vultures gegründet haben. Das Debüt der Gruppe erscheint im folgenden November. Innerhalb kürzester Zeit stürmt das Trio die Billboard-Charts und sahnt sogar einen Grammy ab. In späteren Interviews erzählen die Musiker immer wieder, dass ein zweites Album in Planung sei, doch ein Nachfolger bleibt bis heute außer Sicht.



Zu einem besonders denkwürdigen Abend kommt es im Oktober 2018, als Krist Novoselic, Gitarrist Pat Smear und Dave Grohl im Rahmen des von Grohl und den Foo Fighters kuratierten Cal Jam-Festivals einige Nirvana-Songs spielen. Zwar kommt es bereits 2014 zu einer Reunion, als Nirvana in die Rock And Roll Hall Of Fame eingeführt werden, doch der Gig vier Jahre später dürfte vor allem den vor Ort anwesenden Fans Freudentränen in die Augen getrieben haben. Da Kurt Cobain aus offensichtlichen Gründen nicht dabei sein kann, singen John MacCaulay von Deer Ticks und Joan Jett.



Mensch und Musiker

1994 heiratet Grohl die Fotografin Jennifer Youngblood, 1997 wird die Ehe geschieden. 2003 folgt Ehe Nummer zwei, diesmal mit Jordyn Blum. Das Paar hat drei Kinder. Experten schätzen Grohls Vermögen auf 260 Millionen US-Dollar, womit er der drittreichste Drummer der Welt wäre, gleich nach Ringo Starr und Phil Collins. Auch sein soziales Engagement dürfte im direkten Vergleich für einen der ersten Plätze taugen. So spricht er sich regelmäßig gegen Drogenmissbrauch aus und tritt für die Rechte homo- und transsexueller Menschen ein. Als zwei australische Minenarbeiter im Jahr 2006 in Beaconsfield verunglücken, lädt er sie nach deren Rettung zu einer Foo Fighters-Show ein. Einer der beiden nimmt das Angebot an, und Grohl bereitet anlässlich des Besuchs den Song Ballad Of The Beaconsfield Miners vor. 2007 erscheint das Stück auf Echoes, Silence, Patience & Grace.



Obwohl er bis heute keine einzige Note lesen kann, gehört Dave Grohl zu den bedeutendsten Rockmusikern der vergangenen Dekaden. Nicht nur, dass er mit Nirvana maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Grunge und der Rockmusik im Allgemeinen nimmt; mit den Foo Fighters legt er auch eine Zweitkarriere hin, deren steilen Verlauf er wohl selbst nicht vorhersehen konnte. Hoffen wir, dass er uns noch lange erhalten bleibt und auch in den kommenden Jahrzehnten nichts von seiner scheinbar endlosen Kreativität einbüßt. Herzlichen Glückwunsch!



Titelfoto: Andreas Lawen, Fotandi [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

Zeitsprung: Am 19.11.1994 steigt Dave Grohl beinahe in die Band von Tom Petty ein.

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Popkultur

„I Am The Greatest“: Wie Muhammad Ali den Rap miterfand

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Foto: Len Trievnor /Getty Images

Vor wenigen Tagen hätte Muhammad Ali seinen 80. Geburtstag gefeiert. 1963, noch als Cassius Clay, veröffentlicht er das Spoken-Word-Album I Am The Greatest und nimmt darauf viel von dem vorweg, was in den Siebzigern in New York als Rap entstehen sollte.

von Björn Springorum

Im August 1963 ist Cassius Clay noch weit von der Boxlegende entfernt, die er auf ewig bleiben wird. Dennoch hat er sich einen Namen als junger Boxer mit einer Menge Talent gemacht: Zwischen seinem professionellen Debüt im Oktober 1960 und August 1963 kann er in 19 Kämpfen 19 Siege einfahren – 15 davon durch Knockout.

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Als beliebt kann man Clay damals nicht unbedingt bezeichnen. In all seinen Kämpfen macht er sich über seine Gegner lustig, bezeichnet den ehrwürdigen Madison Square Garden als „zu klein für mich“ und etabliert den Trash-Talk im Sport, der später vor allem im Wrestling zum Nonplusultra gehören wird. Die ganze Zeit über ist ihm klar: Wer eine große Klappe hat, muss auch liefern.

Das hat er vor. Im Februar 1964 steht die Weltmeisterschaft im Schwergewicht an, Cassius Clay wird gegen Sonny Liston antreten. Liston, gute zehn Jahre älter als Clay, ist ein gefürchteter Boxer mit krimineller Vergangenheit und engen Beziehungen zur Mafia. Und Clay? Hat im August 1963 keine bessere Idee als seinen Trash-Talk in Albumform zu veröffentlichen.

Rap-Pionier mit großer Klappe

I Am The Greatest ist im Grunde ein absurdes Album. Aufgenommen live vor einem 200 Kopf starken Publikum bei Columbia Records in New York, glorifiziert sich Cassius Clay nach allen Regeln der Kunst, teilt gegen seine bisherigen Gegner aus und provoziert seinen Gegner Sonny Liston. All das, so darf man durchaus bewundernd sagen, geschieht so eloquent, timingsicher und pointiert als wäre Clay kein 21-jähriger Box-Hitzkopf sondern ein versierter Stand-Up-Comedian.

Aufgeteilt in acht Runden, liefert Clay mit I Am The Greatest allerdings nicht nur eine unterhaltsame Spoken-Word-Abrechnung. Sondern einen frühen Vorläufer von Hip-Hop oder Battle-Rap. Clays Flow ist weniger Rezitation als Rap, funky Sprechgesang in einer sehr frühen Form, durchzogen von Themen, die bis heute allgegenwärtig im Hip-Hop sind: Die eigene Größe, Konkurrenz, das Dissen von allen und jedem, Selbstüberschätzung und gesellschaftlicher Kommentar.

Überlebensgroß

Wenige Hip-Hop-Größen sind frei von Clays Einfluss. Denn selbst wenn sie für seine legendärsten Kämpfe zu jung waren, kommt in den Siebzigern niemand an Clay/Ali vorbei: Wiederholungen seiner Kämpfe, Rollen in Comics, Dokumentationen – der Einfluss des Boxers ist überlebensgroß. „Ohne Muhammad Ali gäbe es kein Mama Said Knock You Out“, so sagte LL Cool J mal über sein viertes Album bei Def Jam. Man schaue sich zudem nur mal den Titel von Runde fünf des Albums an, Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. Ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man hier eine Inspiration für Eminems Will The Real Slim Shady Please Stand Up erkennen möchte.

Nach Clays Sieg gegen Liston veröffentlicht Columbia die Single mit den Tracks I Am The Greatest und Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. In der allgemeinen Box-Euphorie des Jahres wird die Single zum Dauerbrenner und Gesprächsthema. Man bringt ihn sogar dazu, ein solides Cover von Ben E. Kings Song Stand By Me aufzunehmen, um seine Popularität noch weiter auszuschlachten.

Zusammenarbeit mit Frank Sinatra

Klar, danach ging es mit seinem Ruf für weite Teile der USA den Bach runter, als er sich seinem Einzug nach Vietnam widersetzt und unter seinem neuen Namen Muhammad Ali zum Islam konvertiert; 1976 gibt es dennoch ein Comeback von ihm in Albumform. Unter dem bizarren Namen The Adventures Of Ali And His Gang Vs. Mr. Tooth Decay veröffentlicht Muhammad Ali ein mindestens ebenso bizarres Album über Mundhygiene, mit dem Kinder zu mehr Zahnpflege gebracht werden sollen.

Und das ist noch nicht alles: Neben vielen weiteren Persönlichkeiten aus der Welt des Sports und des Entertainment taucht auch Frank Sinatra als Sprecher eines Ladenbesitzers auf dem Album auf. Was zur Hölle da passiert war? Wissen wir auch nicht, aber das Album bekommt 1977 doch tatsächlich eine Grammy-Nominierung… das kann sonst auch kein Boxer von sich behaupten.

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Adriano Celentano: Stammt der erste Rap-Song der Welt aus Italien?

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Haben Led Zeppelin jemals in Wheaton gespielt?

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Titelfoto: Chris Walter/WireImage/Getty Images

„"Der Legende nach sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 ein Konzert in Wheaton (Maryland) gegeben haben. Gerade einmal 55 Menschen könnten bestätigen, dass die Show wirklich stattgefunden hat, denn so klein soll das Publikum an jenem Abend gewesen sein. Ein paar Dinge bleiben allerdings bis heute mysteriös …

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch das Debüt von Led Zeppelin anhören:

Als Led Zeppelin Ende Dezember 1968 in die Vereinigten Staaten reisen, um ihre erste Tour auf amerikanischem Boden zu absolvieren, stehen den Briten große Dinge bevor. So tritt die Band im Rahmen ihrer ersten US-Tour nicht nur mehrfach im legendären Whisky A Go Go in Los Angeles auf sowie im fast genauso legendären Fillmore West in San Francisco. Nein, Led Zeppelin veröffentlichen am 12. Januar 1969 auch ihr Debütalbum in den US. Etwa eine Woche später ereignet sich in Maryland eine kuriose Geschichte. Das heißt … Ereignet sie sich wirklich?

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Eine Show ohne Beweise

Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Detroit sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 in einem Jugendzentrum in Wheaton spielen. Gerade einmal 55 Leute tauchen auf; das kleinste Publikum in der Karriere der Band. So lautet zumindest die Legende, denn physische Beweise für die Show gibt es nicht. Keine Eintrittskarten, keine Plakate, keine Fotos: Es ist, als hätte das Konzert nie stattgefunden. Die Musiker selbst sind nach weit mehr als 600 Konzerten wahrscheinlich froh, wenn sie sich an die Meilensteine erinnern. Gibt es denn gar keine Indizien? Doch, die gibt es.

„Ich kann mich absolut nicht daran erinnern.“

Ruft man die offizielle Website von Led Zeppelin auf, findet man dort eine „Concert Timeline“. In dem Archiv ist auch der Auftritt im „Wheaton Youth Center“ hinterlegt, allerdings mit dem Vermerk „unbestätigtes Gerücht“. Scrollt man auf der Website ein wenig herunter, findet man die Kommentarspalte. Ein Nutzer namens Gary schreibt dort: „Ich bin hinter dem Wheaton Youth Center aufgewachsen, habe dort als Teenager rumgehangen und Billard gespielt, aber ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass Led Zeppelin dort gespielt hätten. Ich habe auch noch nie gehört, dass dort irgendjemand über Led Zeppelin gesprochen hätte.“

„Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an das Konzert.“

Damit scheint die Frage geklärt. Oder? Ein anderer Nutzer namens Len Jaffe glaubt, sich an das Konzert zu erinnern: „Ich habe damals als Angestellter bei Joe Goldberg’s Variety Records in der Nähe vom Wheaton Plaza gearbeitet. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an dieses Konzert. Ich bin eines Abends nach der Arbeit im Wheaton Youth Center gewesen, um The Small Faces mit … Rod Stewart zu sehen! Vielleicht war ich auch bei der Led-Zep-Show, aber ich würde nicht darauf schwören.“

Iggy Pop und Erdnussbutter

Eine weitere Spur führt zu Sharon Ward Ellis, die das Jugendzentrum früher leitete. Laut Washington Post könne sie sich zwar daran erinnern, dass sie Iggy Pop dazu aufgefordert habe, sich während seiner Show im Wheaton Youth Centre keine Erdnussbutter auf die Brust zu schmieren. An ein Konzert von Led Zeppelin könne sie sich aber nicht erinnern.

Ruth Lynn Youngwirth, eine regelmäßige Besucherin des Jugendzentrums in Wheaton, habe laut Washington Post ein Sammelalbum hervorgekramt, in dem sie einige Konzerte zwischen 1967 und 1972 dokumentiert habe. Der Led-Zeppelin-Auftritt käme darin nicht vor. „Wenn sie hier waren, erinnere ich mich nicht daran“, so Youngwirth.

„Die meisten Geschichten ergeben Sinn.“

Zuversichtlicher ist Jeff Krulik, der Macher des Films Led Zeppelin Played Here (2013), in dem er sich der Frage widmet, ob das Konzert nun stattgefunden hat oder nicht. Für die Dokumentation sammelte er viele Erinnerungen von Anwohnern sowie Fans, die denken, dass das Konzert stattgefunden hat, und kommt laut dem US-Radiosender WAMU zu dem Schluss: „Die meisten Geschichten ergeben Sinn“, kommentiert der Regisseur seine Recherche. Einige Zuschauer:innen hätten ihm erzählt, Led Zeppelin seien wegen der Akustik und des kleinen Publikums frustriert gewesen. Das höre sich für ihn glaubhaft an, denn am Abend vorher hätte die Band in Detroit gespielt und somit 600 Kilometer Fahrt hinter sich gehabt.

Auch in Zukunft ein Rock’n’Roll-Mythos

Ob Led Zeppelin am 20. Januar 1969 wirklich in Wheaton vor nur 55 Zuschauer*innen aufgetreten sind, wird sich wohl nicht mehr abschließend klären lassen, sofern mehr als 50 Jahre später nicht doch noch ein physischer Beweis für die Show auftaucht. Bis dahin werden wir uns damit abfinden müssen, dass die Lage unklar ist — und dass die Antwort auf die Frage, ob Led Zeppelin dort gespielt haben, vor allem davon abhängt, wen man fragt.

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Zeitsprung: Ab 25.1.2000 erklärt uns Britney Spears die Halbleiterphysik. Quasi.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.1.2000.

von Christof Leim

Britney Spears taucht hier bei uDiscover ja eher selten auf. Richtig so, wie der abgeneigte Rocker sicher gerne bestätigt. Wir würden auch nie öffentlich zugeben, dass es von der Dame vielleicht sogar ein oder zwei ganz nette Liedchen gibt. Die hat übrigens oft ein schwedischer Hard Rocker namens Max Martin geschrieben, aber das ist eine andere Geschichte. (Und das mit den „netten Liedchen“ muss unter uns bleiben.) Frau Spears jedenfalls taugt für die meisten Freunde der geschmackssicheren Klassiker höchstens als schlechtes Beispiel. Oder eben als Erklärhilfe für die Wunder der Halbleiterphysik. Bitte was?

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Hört hier die besten Songs von Britney Spears. Wenn ihr euch traut.

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ja, richtig gelesen: Halbleiterphysik. Wie wir alle wissen, sind Halbleiter Festkörper, deren Leitfähigkeit zwischen der von elektrischen Leitern und Nichtleitern liegt. Damit kann man dann Computerchips und CD-Player bauen, vermutlich sogar einen Flux-Kompensator oder den Todesstern. Allerdings muss man dazu erstmal verstehen, wie sich diese lustigen kleinen Dinger gefügig machen lassen. Um das zu erklären, hat der Doktorand Carl Hepburn von der Universität Essex am 25. Januar 2000 eine spezielle Website registriert: Britney’s Guide To Semi-Conductor Physics.

Neben Bildchen und Songtexten der Sängerin findet sich hier eine Enthüllung: „Nicht viele Leute wissen, dass Britney Spears eine Expertin im Gebiet der Halbleiterphysik ist. Weil sie mehr tun will als nur zu singen und zu schauspielern, wird sie euch auf den nächsten Seiten durch die Grundlagen führen, die es möglich gemacht haben, ihre tolle Musik in digitalem Format zu hören.“

Die Physik der Halbleiter: Jetzt ist plötzlich alles klar! – Quelle: www.britneyspears.ac

Es folgen Erklärungen zu Quantentöpfen, Zustandsdichten und der Schrödinger-Gleichung. (Ja, das ist der mit der toten Katze. Oder doch nicht tot. Weiß man ja nicht.) All das wird garniert mit Fotos der Sängerin. Und manchmal kombiniert Hepburn die beiden Welten sogar für seine Erklärungen: Einmal folgt der Kragen von Britneys Oberteil einer Parabel, die das Leitungsband von Elektronen in einem Halbleiter beschreibt (fragt nicht), ein andermal beschreiben ihre Beine Energieniveau einer Quantenbarriere (ernsthaft, fragt nicht, zumindest nicht uns). Es gibt sogar ein “Lip-Glossar der Halbleiterphysik”. Insgesamt geht es wissenschaftlich richtig derbe zur Sache, wobei immerhin der schöne Satz fällt: “Diamonds might be a girl’s best friend, but their crystalline structure is closely related to the zincblende structure“. Wie poetisch… zumindest für Sheldon Cooper.

Irgendwas mit Energieniveaus – Quelle: www.britneyspears.ac

Kein Wunder also, dass die versteckten Qualitäten von Miss Spears durch die Nachrichten gehen. So greifen MTV und die BBC die Sache auf, das Fachmagazin Scientific American schreibt: „Hier findet einer der sonderbarsten Ansätze der letzten Zeit, Wissenschaft zu vermitteln, statt. Und es handelt sich ganz sicher um die einzige Website, die Promofotos und haarige Gleichungen verbindet, und zwar in einer einzigartigen Mischung aus Physik und ‚Physique‘“.

Carl Hepburn selbst schreibt auf der Seite seiner Universität: „Ich habe Britney Spears genutzt, um zu zeigen, dass Physik auch Spaß macht. Die meisten der benutzten Bilder von Britney haben irgendwie mit Physik zu tun.“

Ein Stellungnahme von Frau Prof. Spears liegt nicht vor.


Zeitsprung: Am 16.8.1958 kommt die „Queen Of Pop“ Madonna zur Welt.

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