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Popkultur

Zeitsprung: Am 14.1.1969 kommt Dave Grohl zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.1.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Kinder der Neunziger dürften sich ein Leben ohne Dave Grohl kaum vorstellen können. Mit Kurt Cobain und Nirvana führt er die Grunge-Bewegung an, mit den Foo Fighters stellt er sein eigenes Rock-Imperium auf die Beine. Immer wieder unternimmt der Tausendsassa Ausflüge in fremde musikalische Gefilde und macht mit herzerwärmenden Aktionen von sich reden. Am 14. Januar 1969 kommt der Wunsch-Schwiegersohn des Rock’n’Roll in Ohio zur Welt.


Hört hier in die besten Songs der Foo Fighters rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Kindheit

Grohl wächst als Sohn der Lehrerin Virginia Jean und des Journalisten James Harper auf. Im Alter von zwölf Jahren nimmt er zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand, hat vom Musikunterricht jedoch schnell genug und bringt sich das Spielen stattdessen auf eigene Faust bei. Ein Jahr später legt seine Cousine Tracy den entscheidenden Grundstein für seine musikalischen Vorlieben, indem sie ihn mit Punk in Berührung bringt. Bereits während der High School spielt Grohl in zahlreichen Gruppen wie Mission Impossible und macht sich ein weiteres Instrument, das Schlagzeug, gefügig. Als einen seiner Haupteinflüsse nennt er Led Zeppelin-Trommler John Bonham.


Scream

Seine erste größere Band findet Grohl mit 17. So spielt er bei Scream aus Washington, D.C. vor, als deren Schlagzeuger seinen Posten räumt. Um für den Job in Betracht gezogen zu werden, gibt Grohl an, bereits 20 Jahre alt zu sein. Der junge Trommler erhält zu seiner eigenen Überraschung den Zuschlag und steigt ein. Eine schwerwiegende Entscheidung, denn sie bedeutet den Schulabbruch des jungen Musikers. Mit der Gruppe veröffentlicht Grohl einige Livealben und die Studioplatten No More Censorship (1988) und Fumble (1993, aufgenommen 1989). Für den Song Gods Look Down übernimmt er das Gesangsmikro. Während seiner Zeit mit Scream entwickelt der Schlagzeuger eine Leidenschaft für die Melvins und freundet sich mit der Band an. Als Scream 1990 die Westküste entlang touren, bringt Melvins-Mastermind Buzz Osborne, ein großer Scream-Fan, zwei seiner Freunde mit zu einer Show: Kurt Cobain und Krist Novoselic.



Nirvana

Einige Monate später lösen sich Scream auf. Grohl steht ohne Job da und fragt Buzz Osborne um Rat. Der wiederum erzählt ihm, dass eine junge Band namens Nirvana gerade auf Drummer-Suche ist. Osborne gibt seinem Kumpel ein paar Telefonnummern, und wenig später steigt Grohl in die Gruppe ein, die sich in den folgenden Jahren zur größten Grunge-Band aller Zeiten entwickeln soll. Er trommelt auf der zweiten Platte, dem legendären Nevermind (1991), doch in das Songwriting lässt sich Kurt Cobain nur bedingt reinreden. Das ändert sich auch auf dem Nachfolger  In Utero (1993) nicht. Zwar steuern Grohl und Bassist Novoselic vereinzelt Ideen bei, doch bei den meisten Songs ist Cobain als alleiniger Autor vermerkt. Mit seinem Tod am 5. April 1994 endet auch die Nirvana-Geschichte.


Foo Fighters

Grohl weiß zunächst nicht, was jetzt passieren soll. Er nimmt ein Demo mit 15 Songs auf, für das er fast alle Spuren selbst einspielt. Er überlegt sogar, ob er zukünftig als Session-Trommler für andere Bands arbeiten soll. So spielt er in der US-amerikanischen Fernsehsendung Saturday Night Live mit Tom Petty & The Heartbreakers. Petty fragt ihn anschließend, ob er der Gruppe beitreten möchte, gibt ihm dann allerdings den Tipp, sich auf die Foo Fighters zu konzentrieren. Ein guter Ratschlag, wie wir heute wissen. Auch als Ersatz für Pearl Jam-Schlagzeuger Dave Abbruzzese ist Grohl im Gespräch, den Zuschlag erhält Jack Irons, der gerade die Red Hot Chili Peppers verlassen hat. Grohl entscheidet sich für eine eigene Karriere, möchte aber nicht solo durchstarten und stellt eine Band zusammen. Einen Plattenvertrag mit Capitol Records kann er schnell eintüten. Statt ein Debüt aufzunehmen, lässt er sein Demo professionell abmischen. Es erscheint 1995 als erstes Album der Foo Fighters.



Während der nächsten Dekaden baut Grohl seine Band zu einer der größten Alternative Rock-Gruppen aller Zeiten auf. Der Durchbruch erfolgt 1997 mit The Colour And The Shape, aus dem die Hits Everlong, My Hero und Monkey Wrench hervorgehen. Im Jahr 2000 nehmen die Foo Fighters eine Coverversion des Pink Floyd-Stücks Have A Cigar auf — gemeinsam mit Queen-Gitarrenlegende Brian May. Es kommt zu weiteren Kooperationen. Zum Beispiel steuert May Gitarrenparts zum Foo Fighters-Song Tired Of You bei. Mit One By One (2002), In Your Honor (2005), Echoes, Silence, Patience & Grace (2007), Wasting Light (2011), Sonic Highways (2014) und Concrete And Gold (2017) veröffentlichen die Foo Fighters in den Jahren danach kein einziges Album, das nicht mindestens Platz drei der US-Charts erreicht.



Am 20. Mai 2015 treten die Foo Fighters in der allerletzten Folge der Late Show with David Letterman auf. Die Band spielt den Song Everlong, Lettermans Lieblingslied. Ein weiteres, durchaus einzigartiges Karriere-Glanzlicht gelingt Dave Grohl im November 2002, als er sich selbst von Platz eins der Billboard Modern Rock-Hitliste verdrängt. Führte bis dato You Know You’re Right von Nirvana, belegt nun All My Life von den Foo Fighters die Pole Position. Man könnte sagen: Grohl entthront sich selbst.



Ein Thron kommt auch 2015 ins Spiel, als er während einer Show in Schweden von der Bühne fällt und sich das Bein bricht. Grohl verschwindet kurz, spielt das Konzert aber trotz großer Schmerzen zu Ende. Zwar müssen die Foo Fighters die restliche Europatour absagen, doch damit die US-Termine nicht das gleiche Schicksal erfahren, sorgt Grohl für eine Lösung: Er lässt sich einen Thron entwerfen, auf den er sich während der Konzerte setzen kann. Dieser kommt erstmals am 4. Juli 2015 zum Einsatz. Auf der Videoleinwand laufen dazu Bilder von Grohls Sturz und von Röntgenaufnahmen seines Beinbruchs. Doch nicht nur das: Am 1. April 2016 schreibt der Thron ein weiteres Mal Rockgeschichte. Als sich Axl Rose von Guns N’ Roses eine ähnliche Verletzung zuzieht, verleiht Dave Grohl seine bescheidene Sitzgelegenheit und wird so indirekt Teil der ersten Tour von Axl Rose, Slash und Duff McKagan seit fast 20 Jahren.



Weitere Projekte

Überhaupt: Wo Rock’n’Roll draufsteht, mischt Dave Grohl mit. Ein besonderes Denkmal setzt er sich mit Probot, einem All-Star-Metal-Projekt, für das er über Jahre hinweg Stars wie Lemmy Kilmister von Motörhead, Cronos von Venom, King Diamond, Scott Weinrich von The Obsessed oder Max Cavalera von Sepultura verpflichtet und ihnen Songs auf den Leib schneidert, die sie genauso gut selbst hätten schreiben können. Das gleichnamige Album erscheint 2004 und verschafft Dave Grohl eine Menge Respekt, auch über die eigene Fangemeinde hinaus.


Weitere Kooperationspartner des musikalischen Multitalents: Tenacious D, Queens Of The Stone Age, Nine Inch Nails, Garbage, Juliette And The Licks, David Bowie, Paul McCartney, The Prodigy und Ghost, um nur einige wenige zu nennen. Sogar in der Muppet-Show tritt Grohl auf und leistet sich ein Schlagzeugduell mit dem „Tier“.



Im Juli 2009 erfährt die Öffentlichkeit, dass Grohl, Desert-Rock-Legende Josh Homme und Led Zeppelin-Bassist John Paul Jones ein gemeinsames Projekt namens Them Crooked Vultures gegründet haben. Das Debüt der Gruppe erscheint im folgenden November. Innerhalb kürzester Zeit stürmt das Trio die Billboard-Charts und sahnt sogar einen Grammy ab. In späteren Interviews erzählen die Musiker immer wieder, dass ein zweites Album in Planung sei, doch ein Nachfolger bleibt bis heute außer Sicht.



Zu einem besonders denkwürdigen Abend kommt es im Oktober 2018, als Krist Novoselic, Gitarrist Pat Smear und Dave Grohl im Rahmen des von Grohl und den Foo Fighters kuratierten Cal Jam-Festivals einige Nirvana-Songs spielen. Zwar kommt es bereits 2014 zu einer Reunion, als Nirvana in die Rock And Roll Hall Of Fame eingeführt werden, doch der Gig vier Jahre später dürfte vor allem den vor Ort anwesenden Fans Freudentränen in die Augen getrieben haben. Da Kurt Cobain aus offensichtlichen Gründen nicht dabei sein kann, singen John MacCaulay von Deer Ticks und Joan Jett.



Mensch und Musiker

1994 heiratet Grohl die Fotografin Jennifer Youngblood, 1997 wird die Ehe geschieden. 2003 folgt Ehe Nummer zwei, diesmal mit Jordyn Blum. Das Paar hat drei Kinder. Experten schätzen Grohls Vermögen auf 260 Millionen US-Dollar, womit er der drittreichste Drummer der Welt wäre, gleich nach Ringo Starr und Phil Collins. Auch sein soziales Engagement dürfte im direkten Vergleich für einen der ersten Plätze taugen. So spricht er sich regelmäßig gegen Drogenmissbrauch aus und tritt für die Rechte homo- und transsexueller Menschen ein. Als zwei australische Minenarbeiter im Jahr 2006 in Beaconsfield verunglücken, lädt er sie nach deren Rettung zu einer Foo Fighters-Show ein. Einer der beiden nimmt das Angebot an, und Grohl bereitet anlässlich des Besuchs den Song Ballad Of The Beaconsfield Miners vor. 2007 erscheint das Stück auf Echoes, Silence, Patience & Grace.



Obwohl er bis heute keine einzige Note lesen kann, gehört Dave Grohl zu den bedeutendsten Rockmusikern der vergangenen Dekaden. Nicht nur, dass er mit Nirvana maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Grunge und der Rockmusik im Allgemeinen nimmt; mit den Foo Fighters legt er auch eine Zweitkarriere hin, deren steilen Verlauf er wohl selbst nicht vorhersehen konnte. Hoffen wir, dass er uns noch lange erhalten bleibt und auch in den kommenden Jahrzehnten nichts von seiner scheinbar endlosen Kreativität einbüßt. Herzlichen Glückwunsch!



Titelfoto: Andreas Lawen, Fotandi [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

Zeitsprung: Am 19.11.1994 steigt Dave Grohl beinahe in die Band von Tom Petty ein.

Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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Popkultur

„Pictures At Eleven“ wird 40: Robert Plants Neuanfang mit Phil Collins

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Robert Plant
Titelfoto: Fin Costello/Getty Images

Um ein Haar wäre Robert Plant nach dem Ende von Led Zeppelin Lehrer an einer Waldorfschule geworden. Dann entscheidet er sich doch für die Musik, hört auf Phil Collins und veröffentlicht vor 40 Jahren sein Solodebüt Pictures At Eleven.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Pictures At Eleven anhören:

Der tragische Tod von Jon Bonham am 25. September 1980 besiegelt auch das Ende von Led Zeppelin. Die geplante USA-Tournee wird abgesagt, statt ihren Schlagzeuger zu ersetzen, geben Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones ihre Auflösung bekannt. Am 4. Dezember 1980 tragen sie die größte und wichtigste Rockband der Siebziger mit einem Statement zu Grabe, das nur mit Led Zeppelin unterzeichnet wird: „Wir möchten verkünden, dass der Verlust unseres engen Freundes und die tiefe Harmonie zwischen und uns unserem Manager dazu geführt haben, dass wir nicht so weitermachen können wir bisher“, heißt es in dem offiziellen Schreiben.

Rudolf Steiner statt Rock‘n‘Roll

Led Zeppelin lösen sich auf, und für einige Zeit sieht es so aus, als würde Robert Plant die Musik an den Nagel hängen. Die zwölf Jahre als Frontmann von Led Zeppelin haben ihn reich und berühmt gemacht, aber natürlich auch ordentlich an seine Grenzen gebracht. Niemand feierte auf Tourneen zuvor derartige Exzesse wie Led Zeppelin. Plant will Lehrer werden und folgt der Rudolf-Steiner-Philosophie – hierzulande besonders durch die Waldorfschulen bekannt. Und irgendwie passt dieser holistische Ansatz doch auch zu diesem Sänger und Texter, der sich immer schon an den Mysterien der Welt abgearbeitet hat, aber auch ein gutes Fantasy-Buch wie Tolkiens Der Herr der Ringe oder walisische Mythologie zu schätzen wusste.

Er wird sogar zur Ausbildung zugelassen, überlegt es sich dann aber doch noch mal anders. Und legt 1982 den Grundstein für eine Solokarriere, die zwar bei Weitem nicht mit den exorbitanten Erfolgen von Led Zeppelin mithalten kann; dafür beflügelt ihn die neugefundene Freiheit, endlich einmal nicht nur auf seinen Brustkorb, seine Haare und seinen Banshee-Gesang reduziert zu werden. Und dafür müssen wir einem gewissen Phil Collins danken. Der ist im Jahr zuvor ebenfalls erstmals als Solokünstler in Erscheinung getreten und hat mit Face Value ordentlich vorgelegt. Jetzt ermutigt er die Hard-Rock-Sirene, es mal als Solitär zu versuchen und stellt ihm gleich noch seine Dienste als Drummer in Aussicht.

„Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst.“

Robert Plant erinnert sich viele Jahre später daran: „Eines Tages kontaktierte mich ein Schlagzeuger und sagte: ‚Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst. Es war Phil Collins. Seien Karriere nahm gerade richtig Fahrt auf und er war total beseelt und positiv und wusste mich zu ermutigen. Niemand konnte sich ausmalen, wie schwierig es damals für mich war, nach allem, was passierte, einen anderen Weg einzuschlagen.“

Das Problem ist ja aber nicht nur ein fehlender Schlagzeuger, sondern auch ein fehlender Komponist. Das war bislang natürlich immer eher Jimmy Pages reich gewesen. Es bringt aber natürlich Vorteile mit sich, der Rockgott der Siebziger schlechthin gewesen zu sein: Robert Plants Adressbuch ist voller spannender Menschen mit einem gerüttelt Maß an Talent und großem Interesse, am ersten Alleingang des Sängers mitzuwirken. Mit dem Gitarristen Robbie Blunt findet er nicht nur ein Bandmitglied, sondern auch einen begabten Komponisten, der sich darauf versteht, gemeinsam mit Plant ein Album zu schreiben, das gleichzeitig nah am Led-Zep-Sound ist und zugleich neue Aromen einbaut.

Befreiungsschlag

Was ab September 1981 in den Rockfield Studios in Wales entsteht, ist ein hervorragendes Hard-Rock-Album mit elektronischen Anleihen, angetrieben von den Schlagzeugern Phil Collins und Cozy Powell und ausgerichtet an Plants mächtigen Schreien. Vielleicht enthält es kein Stairway To Heaven oder kein Kashmir; dafür bietet es einige Songs, die man sich in einem anderen Band-Setup auch auf einem Album von Led Zeppelin vorstellen könnte. Gewollt war das nicht, so Page: „Ich habe viel Schmerzen und Mühen auf mich genommen, meinen eigenen Sound zu kreieren“, sagte er mal. „Irgendwann mitten in den Aufnahmen fragte ich einend er Tontechniker, der auch mit Zeppelin auf Tour war: ‚Ist es zu nah dran? Denn wenn es zu nah ist, hören wir auf!‘ Und er sagte: ‚Aber nein, die Stimmung ist eine völlig andere.‘“ Die Stimmung vielleicht schon. Dennoch sind Slow Dancer und Burning Down On One Side 1982 willkommene Refugien für die immer noch geschockten Zeppelin-Fans.

Sicher spielen Collins und Powell anders als Bonham, sicher hat Robbie Blunts expressiver Stil nichts von Jimmy Page. Doch die Melodien, die epische Breite, die orientalische Verspieltheit und der massive, harte Sound, all das findet sich auch auf Pictures At Eleven. Letzten Endes kann man sich eben immer nur so weit von seinen Schatten lösen wie man es selbst fertig bringt. Für Plant wird das Album zum Befreiungsschlag. Er singt, er komponiert, er produziert – und legt den Grundstein für eine Solokarriere, die auch noch 40 Jahre später blüht.

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Zeitsprung: Am 28.6.2010 verklagt der Folk-Musiker Jake Holmes Led Zeppelin.

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Popkultur

Reich und sexy: Das sind die erfolgreichsten Alben aller Zeiten!

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Elton John
Foto: Michael Webb/Getty Images

70 Millionen verkaufte Einheiten von einem einzigen Album, eine sagenhaft erfolgreiche Best-Of und 38-mal Platin: Hier kommen die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Platten aller Zeiten.

von Björn Springorum

Natürlich werden immer weniger physische Tonträger verkauft. Natürlich verliert das Album als Format weiter an Bedeutung. Natürlich ist Erfolg Ansichtssache. Die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Mega-Sellern der Musikgeschichte werden dadurch aber nicht weniger beeindruckend. Im Gegenteil. Vorhang auf für das Big Business.

10. Grease: The Original Soundtrack From The Motion Picture (1978)

Verkäufe: 38 Millionen

Ein Soundtrack-Album unter den zehn meistverkauften Platten aller Zeiten? Ja! Spoiler: Und es wird nicht das einzige bleiben! 1978 veröffentlicht, ging die Musik zu Travolta-Dauerbrenner bis heute rund 38 Millionen Mal über die Ladentische. Die Single You‘re The One That I Want ging vielerorts auf die Eins, Barry Gibb von den Bee Gees greift dem Soundtrack kompositorisch unter die Arme, die Filmband Sha Na Na stand schon in Woodstock auf der Bühne.

9. Bee Gees – Saturday Night Fever (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

Soundtrack, die zweite. Und John Travolta, die zweite. Der Disco-Kracher der Bee Gees wird 40 Millionen Mal verkauft und hat bis heute allein in den USA. 16 Mal Platin eingeheimst. Damit bekommt man eine ganze Wand dekoriert. Ganze 24 Wochen stand der Soundtrack ohne Unterbrechung an der Spitze der US-amerikanischen Charts und löste 1977 einem schweren Disco-Boom aus, der sich in Schockwellen über die ganze Welt ausbreitete. Stayin‘ Alive und Night Fever stellen den Grammy sicher – und machen Saturday Night Fever zum einzigen Disco-Album, das diesen Preis gewinnen konnte.

8. Fleetwood Mac – Rumours (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

1977 ist ein gutes Jahr für Albenverkäufe. Neben den 40 Millionen Platten von Saturday Night Fever gehen gleich noch mal so viel von Fleetwood Macs Beziehungsdrama Rumours weg. Hitzige Streitereien, kiloweise Koks, Hits am Fließband und alle 20 Minuten neue Saiten für die Gitarre: Ein megalomagisches Werk, eine gigantische Soap Opera – und eine der besten Rock-Platten aller Zeiten.

7 . Shania Twain – Come On Over (1997)

Verkäufe: 40 Millionen

Das jüngste Album in der Top Ten der Bestseller ist auch schon wieder 25 Jahre alt. Und wird wahrscheinlich auf ewig das jüngste bleiben: Irgendwie schafft es Shania Twain 1997 mit ihrem dritten Album Come On Over, rund 40 Millionen Exemplare loszuwerden. Es ist das meistverkaufte Country-Album aller Zeiten, das meistverkaufte Album aus Kanada und das in den USA meistverkaufte Album einer Frau. Wow.

6. Eagles – Hotel California (1976)

Verkäufe: 42 Millionen

Die Eagles toppt niemand. Sie ist die einzige Band, die gleich mit zwei Platten in der Top Ten der meistverkauften Alben vertreten ist. Ihr Meisterwerk Hotel California von 1976 gilt unbestritten als eine der besten Rock-Platten aller Zeiten und wurde bislang rund 42 Millionen Mal verkauft. Das Ende der Unschuld, thematisiert im weltverändernden Titeltrack, dazu mit New Kid In Town oder Life In The Fast Lane gleich zwei weitere Klassiker – 1976 läuft es für die Eagles mehr als rund, zwei Grammys sind der Lohn. Gut, neben den vielen Millionen an Tantiemen, versteht sich.

5. Pink Floyd – The Dark Side Of The Moon (1973)

Verkäufe: 44 Millionen

Ach, die Siebziger. Da konnte man selbst mit einem progerssiven, visionären, fordernden Meisterwerk zum Rockstar werden. Genau so ging es mit Pink Floyd, die 1973 mit The Dark Side Of The Moon von vielbeachteten Rock-Tüftlern zu Superstars werden und in die Stratosphäre geschossen werden. Oder noch weiter. 44 Millionen Alben können sie von ihrem Meisterwerk unters Volk bringen – und jedes einzelne davon verdient.

4. Eagles – Their Greatest Hits (1971-1975) (1976)

Verkäufe: 45 Millionen

Die USA lieben die Eagles. In den Vereinigten Staaten ist keine Platte erfolgreicher als Their Greatest Hits (1971-1975). Auch weltweit sieht es ganz okay aus: Rund 44 Millionen Exemplare ihrer Best-Of wurden bis heute verkauft, bis heute gehen hunderttausende Einheiten davon über den Scanner. Das Geheimnis: Zehn Songs, zehn absolute Hits. Und das sogar ohne Hotel California, das erst einige Monate später erscheint und die Kassen gleich noch mal ordentlich füllt.

3. Whitney Houston – The Bodyguard (1992)

Verkäufe: 45 Millionen

Da haben wir es, das erfolgreichste Soundtrack-Album aller Zeiten: Ebenso wie der Film 1992 ein Millionenpublikum rührt, sorgt auch die offizielle Musik für einen absoluten Hype: Zeitweise verkauft sich der Soundtrack eine Million Mal pro Woche, mittlerweile sind es 45 Millionen verkaufte Alben. Das liegt natürlich an Hauptdarstellerin Whitney Houston und ihrem unglaublichen Cover von Dolly Partons I Will Always Love You. Diesen Song kennt wirklich jeder.

2. AC/DC – Back In Black (1980)

Verkäufe: 50 Millionen

Die Welt ist nicht ganz verloren, wenn sich ein Album wie Back In Black satte 50 Millionen Mal verkauft. Das Comeback mit Brian Johnson nach dem Tod von Bon Scott klingt zunächst nach Zerreißprobe und Feuertaufe, wird dann aber zum glorreichen Triumphzug direkt hinein in die Rock-Ruhmeshalle. Kein Rock-Album hat sich öfter verkauft, kein Rock-Album wird sich jemals wieder so oft verkaufen. Hells Bells!

1. Michael Jackson – Thriller (1982)

Verkäufe: 70 Millionen

Das bestverkaufte Album aller Zeiten ist unbestritten Michael Jacksons Thriller. Irgendwie weiß nur niemand so ganz genau, wie oft das Album jetzt genau verkloppt wurde. Die Zahlen reichen von 50 bis 150 Millionen, die geschätzte Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwie dazwischen. So oder so: Es wurden eine Menge Einheiten von Thriller gepresst. Die Produktionskosten liegen bei 750.000 US-Dollar (heute ungefähr das Dreifache), nach seinem Moonwalk-Debüt im Fernsehen verkauft sich Thriller eine Million Mal pro Woche: Schon Ende 1983 waren 32 Millionen Platten verkauft.

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