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Popkultur

Zeitsprung: Am 21.9.1993 erscheint Nirvanas drittes und letztes Album „In Utero“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 21.9.1993.

von Christof Leim und Timon Menge

Im Jahr 1993 haben Nirvana die Schnauze voll vom Superstar-Dasein. Sie möchten nicht länger auf ihren Megahit Smells Like Teen Spirit reduziert werden und stattdessen ein authentisches, rohes Album aufnehmen. Das Ergebnis: In Utero.


Hört hier in In Utero rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Mit ihrem dritten Album verfolgen Nirvana ein klares Ziel: In Utero soll sich deutlich von seinem eingängigen Vorgänger Nevermind abheben und die Extreme der Band in den Vordergrund rücken. „Einige Songs klingen härter, andere noch radiotauglicher“, gibt Songwriter, Sänger und Gitarrist Kurt Cobain im Vorfeld der Aufnahmen zu Protokoll. „Das Album wird nicht so eindimensional wie Nevermind.“

Produziert wird die Platte von Steve Albini, der bereits Erfahrung mit der US-amerikanischen Punk- und Indieszene hat. Das Album trägt zunächst den Arbeitstitel I Hate Myself And I Want To Die, benannt nach einem Stück, das während des Aufnahmeprozesses entsteht. Eigentlich hat Albini keine Lust auf Nirvana und bezeichnet sie als „R.E.M. mit Fuzzbox“. Den Job habe er nur aus Mitleid mit der Band angenommen. Seine Meinung ändert sich im Zuge der zweiwöchigen Aufnahmephase im Pachyderm Studio in Cannon Falls, Minnesota, wo die Musiker sich unter dem Namen The Simon Ritchie Bluegrass Ensemble eingemietet haben. „Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr meine Bewunderung für diese Band zugenommen hat“, korrigiert er sich. Kurt Cobain und er teilen sogar eine gemeinsame Leidenschaft: Telefonstreiche. So rufen sie während der Sessions zum Beispiel Pearl Jam-Frontmann Eddie Vedder an und geben sich als Produzent Tony Visconti aus.

Sprachrohr einer Generation, aber keine Lust mehr auf „Show & Shine“: Nirvana.

Eigentlich soll In Utero bereits im Sommer 1992 eingespielt werden, doch die Bandmitglieder leben zu jener Zeit in verschiedenen Städten, was eine Zusammenkunft erschwert. Außerdem erwarten Cobain und seine Partnerin Courtney Love ihre gemeinsame Tochter Frances Bean. Die Plattenfirma DGC wird ungeduldig und veröffentlicht kurzerhand Incesticide, eine Compilation mit B-Seiten, Studio-Outtakes und raren Songs.

Vom Umfeld der Band hält Produzent Albini nicht viel, wie der NME in diesem Artikel berichtet. „Alle Personen, die an Nirvana beteiligt waren und nicht zur Band gehörten, waren Arschlöcher“, schimpft er. Tatsächlich stehen die Parteien während der Albumproduktion auf Kriegsfuß: auf der einen Seite Albini und die Band, auf der anderen Seite das Management und die Plattenfirma. Mehrfach stellen Albini und Nirvana klar, dass sie während der Arbeiten nicht gestört werden möchten, doch immer wieder erscheinen DGC-Abgesandte und möchten Zwischenstände hören — ein Verhalten, dass Albini bestraft, indem er alle Nichtmusiker eiskalt ignoriert. Für seine Arbeit erhält der Produzent stolze 100.000 US-Dollar, weigert sich aber, zusätzliche Royalties anzunehmen und bezeichnet derartige Beteiligungen als „Beleidigung für den Künstler“. Stark.

Als das Material fertig ist, halten Management und Plattenfirma es für unzureichend und werfen der Band und Albini vor, ein Album aufgenommen zu haben, das nicht veröffentlicht werden kann. Der Gesang sei nicht zu hören, das Schlagzeug viel zu laut und zu überladen mit Effekten. Zwar sind auch Nirvana selbst der Überzeugung, dass die Scheibe kein kommerzieller Erfolg werden kann, haben mit dieser Vorstellung aber keine großen Schwierigkeiten.


 


Die konservativen US-amerikanischen Einzelhandelsgiganten Wal-Mart und Kmart finden In Utero inhaltlich zu heiß, weshalb sie eine alternative Version fordern. Der Song Rape Me wird zu Waif Me umbenannt, die Cover-Collage von Kurt Cobain wird retuschiert und zeigt nun Frösche statt Babys und Föten. An den Song All Apologies legt R.E.M.-Produzent Scott Litt Hand an und befreit ihn von strittigen Textzeilen. Die Band stimmt den Änderungen zu, weil Cobain und Bassist Krist Novoselić in ihrer Kindheit nur zwei Möglichkeiten hatten, an neue Musik zu kommen: bei Wal-Mart und Kmart. Dass In Utero gleich auf Platz eins der Billboard-Charts landet und innerhalb der ersten Woche 180.000 Mal über die Ladentheke geht, erwartet niemand. Bis heute verkaufen sich mehr als 15 Millionen Exemplare des Albums.



In Utero zeigt Nirvana von ihrer aggressivsten Seite. Ob Scentless Apprentice, eine Vertonung des Romans Das Parfüm von Patrick Süskind, oder Pennyroyal Tea, eine Anspielung auf das als Abortivum benutzte (also einen Schwangerschaftsabbruch induzierende) Küchenkraut Polei-Minze – Nirvana wühlen in menschlichen Abgründen, dass es wehtut. Die Songs stammen alle von Kurt Cobain; lediglich Scentless Apprentice wird als Gemeinschaftswerk angegeben und maßgeblich von Dave Grohl beeinflusst, der das Riff und einige Drum-Parts für das Stück liefert. Marigold, der erste und einzige Song, den Grohl im Alleingang schreibt, schafft es zwar nicht auf das Album, wird aber als B-Seite für Heart-Shaped Box verwendet. Auch auf dem Foo Fighters-Livealbum Skin And Bones ist er zu hören. Das Cover gestaltet Cobain gemeinsam mit Robert Fisher, der schon das legendäre Nevermind-Artwork realisiert hat (alles dazu hier).



Mit Heart-Shaped Box (1993) und All Apologies/Rape Me (1993) flankieren zwei erfolgreiche Singles das Album. Letzteres zieht den Ärger zahlreicher Feministinnen auf sich, bis Cobain klarstellt, dass es sich um einen Anti-Vergewaltigungssong handelt. Hätte man auch so drauf kommen können. Überhaupt: Rape Me liefert Diskussionsstoff. Schon bei den MTV Music Awards 1992 lehnt der Musiksender die Aufführung des Songs vor einem größeren Publikum ab. Stattdessen soll die Band Smells Like Teen Spirit spielen, ein Stück, das Kurt Cobain selbst nicht mehr hören kann. MTV droht sogar damit, Amy Finnerty zu entlassen, eine enge Freundin des Frontmanns und Mitarbeiterin des Senders. Man einigt sich auf die damals aktuelle Single Lithium, doch Cobain lässt es sich nicht nehmen, den Auftritt mit den ersten Takten von Rape Me zu beginnen. Kurz bevor MTV zur Werbung schaltet, geht er wie besprochen in Lithium über, und die MTV-Verantwortlichen kommen mit einem ordentlichen Schreck davon. Die legendäre Performance endet mit Novoselić, der sich sein Instrument ins Gesicht schlägt (zu sehen hier – aua!), und ironischen Grüßen von Cobain und Grohl an Axl Rose.

Die Message von Nirvana, eingefangen in einem Pressefoto.

Legendär sind auch die Entstehungsgeschichten zu Cobains Songs. So gibt seine Witwe Courtney Love zu Protokoll, dass er Heart-Shaped Box innerhalb von fünf Minuten in einem Kleiderschrank geschrieben habe. Die Inspiration für die Nummer, die ursprünglich Heart-Shaped Coffin heißen soll, liefert eine herzförmige Schachtel, der Sänger von seiner Partnerin erhält. Love behauptet, der Text handele von ihrer Vagina. Für die Geduldigen hält In Utero einen Hidden Track namens Gallons Of Rubbing Alcohol Flow Through The Strip bereit, der etwa 20 Minuten nach All Apologies einsetzt. Sowas gibt’s heute gar nicht mehr. Der verborgene Song ist ein spontaner Jam, der im Januar 1993 in Rio de Janeiro entsteht.



Im Anschluss an die Albumveröffentlichung gehen Nirvana mit dem heutigen Foo Fighters-Mann Pat Smear an der zweiten Gitarre auf die Welttournee, in deren Rahmen auch das Livealbum MTV Unplugged in New York (1994) entsteht. Am 1. März 1994 spielen Nirvana in München ihr letztes Konzert. Die dritte In Utero-Single Pennyroyal Tea (1994) wird kurz nach Auslieferung an den Handel zurückgezogen, weil Kurt Cobain sich am 5. April 1994 das Leben nimmt. Nur wenige hundert Exemplare gelangen in den Verkauf und sind bis heute gefragte Sammlerstücke. In Utero setzt damit ein krachiges, schräges, selbstbewusstes Ausrufezeichen an das tragische Ende von Nirvana.


Zeitsprung: Am 23.5.1991 entsteht das Unterwasser-Artwork für „Nevermind“ von Nirvana.

Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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Popkultur

„Pictures At Eleven“ wird 40: Robert Plants Neuanfang mit Phil Collins

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Robert Plant
Titelfoto: Fin Costello/Getty Images

Um ein Haar wäre Robert Plant nach dem Ende von Led Zeppelin Lehrer an einer Waldorfschule geworden. Dann entscheidet er sich doch für die Musik, hört auf Phil Collins und veröffentlicht vor 40 Jahren sein Solodebüt Pictures At Eleven.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Pictures At Eleven anhören:

Der tragische Tod von Jon Bonham am 25. September 1980 besiegelt auch das Ende von Led Zeppelin. Die geplante USA-Tournee wird abgesagt, statt ihren Schlagzeuger zu ersetzen, geben Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones ihre Auflösung bekannt. Am 4. Dezember 1980 tragen sie die größte und wichtigste Rockband der Siebziger mit einem Statement zu Grabe, das nur mit Led Zeppelin unterzeichnet wird: „Wir möchten verkünden, dass der Verlust unseres engen Freundes und die tiefe Harmonie zwischen und uns unserem Manager dazu geführt haben, dass wir nicht so weitermachen können wir bisher“, heißt es in dem offiziellen Schreiben.

Rudolf Steiner statt Rock‘n‘Roll

Led Zeppelin lösen sich auf, und für einige Zeit sieht es so aus, als würde Robert Plant die Musik an den Nagel hängen. Die zwölf Jahre als Frontmann von Led Zeppelin haben ihn reich und berühmt gemacht, aber natürlich auch ordentlich an seine Grenzen gebracht. Niemand feierte auf Tourneen zuvor derartige Exzesse wie Led Zeppelin. Plant will Lehrer werden und folgt der Rudolf-Steiner-Philosophie – hierzulande besonders durch die Waldorfschulen bekannt. Und irgendwie passt dieser holistische Ansatz doch auch zu diesem Sänger und Texter, der sich immer schon an den Mysterien der Welt abgearbeitet hat, aber auch ein gutes Fantasy-Buch wie Tolkiens Der Herr der Ringe oder walisische Mythologie zu schätzen wusste.

Er wird sogar zur Ausbildung zugelassen, überlegt es sich dann aber doch noch mal anders. Und legt 1982 den Grundstein für eine Solokarriere, die zwar bei Weitem nicht mit den exorbitanten Erfolgen von Led Zeppelin mithalten kann; dafür beflügelt ihn die neugefundene Freiheit, endlich einmal nicht nur auf seinen Brustkorb, seine Haare und seinen Banshee-Gesang reduziert zu werden. Und dafür müssen wir einem gewissen Phil Collins danken. Der ist im Jahr zuvor ebenfalls erstmals als Solokünstler in Erscheinung getreten und hat mit Face Value ordentlich vorgelegt. Jetzt ermutigt er die Hard-Rock-Sirene, es mal als Solitär zu versuchen und stellt ihm gleich noch seine Dienste als Drummer in Aussicht.

„Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst.“

Robert Plant erinnert sich viele Jahre später daran: „Eines Tages kontaktierte mich ein Schlagzeuger und sagte: ‚Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst. Es war Phil Collins. Seien Karriere nahm gerade richtig Fahrt auf und er war total beseelt und positiv und wusste mich zu ermutigen. Niemand konnte sich ausmalen, wie schwierig es damals für mich war, nach allem, was passierte, einen anderen Weg einzuschlagen.“

Das Problem ist ja aber nicht nur ein fehlender Schlagzeuger, sondern auch ein fehlender Komponist. Das war bislang natürlich immer eher Jimmy Pages reich gewesen. Es bringt aber natürlich Vorteile mit sich, der Rockgott der Siebziger schlechthin gewesen zu sein: Robert Plants Adressbuch ist voller spannender Menschen mit einem gerüttelt Maß an Talent und großem Interesse, am ersten Alleingang des Sängers mitzuwirken. Mit dem Gitarristen Robbie Blunt findet er nicht nur ein Bandmitglied, sondern auch einen begabten Komponisten, der sich darauf versteht, gemeinsam mit Plant ein Album zu schreiben, das gleichzeitig nah am Led-Zep-Sound ist und zugleich neue Aromen einbaut.

Befreiungsschlag

Was ab September 1981 in den Rockfield Studios in Wales entsteht, ist ein hervorragendes Hard-Rock-Album mit elektronischen Anleihen, angetrieben von den Schlagzeugern Phil Collins und Cozy Powell und ausgerichtet an Plants mächtigen Schreien. Vielleicht enthält es kein Stairway To Heaven oder kein Kashmir; dafür bietet es einige Songs, die man sich in einem anderen Band-Setup auch auf einem Album von Led Zeppelin vorstellen könnte. Gewollt war das nicht, so Page: „Ich habe viel Schmerzen und Mühen auf mich genommen, meinen eigenen Sound zu kreieren“, sagte er mal. „Irgendwann mitten in den Aufnahmen fragte ich einend er Tontechniker, der auch mit Zeppelin auf Tour war: ‚Ist es zu nah dran? Denn wenn es zu nah ist, hören wir auf!‘ Und er sagte: ‚Aber nein, die Stimmung ist eine völlig andere.‘“ Die Stimmung vielleicht schon. Dennoch sind Slow Dancer und Burning Down On One Side 1982 willkommene Refugien für die immer noch geschockten Zeppelin-Fans.

Sicher spielen Collins und Powell anders als Bonham, sicher hat Robbie Blunts expressiver Stil nichts von Jimmy Page. Doch die Melodien, die epische Breite, die orientalische Verspieltheit und der massive, harte Sound, all das findet sich auch auf Pictures At Eleven. Letzten Endes kann man sich eben immer nur so weit von seinen Schatten lösen wie man es selbst fertig bringt. Für Plant wird das Album zum Befreiungsschlag. Er singt, er komponiert, er produziert – und legt den Grundstein für eine Solokarriere, die auch noch 40 Jahre später blüht.

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Zeitsprung: Am 28.6.2010 verklagt der Folk-Musiker Jake Holmes Led Zeppelin.

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Popkultur

Reich und sexy: Das sind die erfolgreichsten Alben aller Zeiten!

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Elton John
Foto: Michael Webb/Getty Images

70 Millionen verkaufte Einheiten von einem einzigen Album, eine sagenhaft erfolgreiche Best-Of und 38-mal Platin: Hier kommen die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Platten aller Zeiten.

von Björn Springorum

Natürlich werden immer weniger physische Tonträger verkauft. Natürlich verliert das Album als Format weiter an Bedeutung. Natürlich ist Erfolg Ansichtssache. Die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Mega-Sellern der Musikgeschichte werden dadurch aber nicht weniger beeindruckend. Im Gegenteil. Vorhang auf für das Big Business.

10. Grease: The Original Soundtrack From The Motion Picture (1978)

Verkäufe: 38 Millionen

Ein Soundtrack-Album unter den zehn meistverkauften Platten aller Zeiten? Ja! Spoiler: Und es wird nicht das einzige bleiben! 1978 veröffentlicht, ging die Musik zu Travolta-Dauerbrenner bis heute rund 38 Millionen Mal über die Ladentische. Die Single You‘re The One That I Want ging vielerorts auf die Eins, Barry Gibb von den Bee Gees greift dem Soundtrack kompositorisch unter die Arme, die Filmband Sha Na Na stand schon in Woodstock auf der Bühne.

9. Bee Gees – Saturday Night Fever (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

Soundtrack, die zweite. Und John Travolta, die zweite. Der Disco-Kracher der Bee Gees wird 40 Millionen Mal verkauft und hat bis heute allein in den USA. 16 Mal Platin eingeheimst. Damit bekommt man eine ganze Wand dekoriert. Ganze 24 Wochen stand der Soundtrack ohne Unterbrechung an der Spitze der US-amerikanischen Charts und löste 1977 einem schweren Disco-Boom aus, der sich in Schockwellen über die ganze Welt ausbreitete. Stayin‘ Alive und Night Fever stellen den Grammy sicher – und machen Saturday Night Fever zum einzigen Disco-Album, das diesen Preis gewinnen konnte.

8. Fleetwood Mac – Rumours (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

1977 ist ein gutes Jahr für Albenverkäufe. Neben den 40 Millionen Platten von Saturday Night Fever gehen gleich noch mal so viel von Fleetwood Macs Beziehungsdrama Rumours weg. Hitzige Streitereien, kiloweise Koks, Hits am Fließband und alle 20 Minuten neue Saiten für die Gitarre: Ein megalomagisches Werk, eine gigantische Soap Opera – und eine der besten Rock-Platten aller Zeiten.

7 . Shania Twain – Come On Over (1997)

Verkäufe: 40 Millionen

Das jüngste Album in der Top Ten der Bestseller ist auch schon wieder 25 Jahre alt. Und wird wahrscheinlich auf ewig das jüngste bleiben: Irgendwie schafft es Shania Twain 1997 mit ihrem dritten Album Come On Over, rund 40 Millionen Exemplare loszuwerden. Es ist das meistverkaufte Country-Album aller Zeiten, das meistverkaufte Album aus Kanada und das in den USA meistverkaufte Album einer Frau. Wow.

6. Eagles – Hotel California (1976)

Verkäufe: 42 Millionen

Die Eagles toppt niemand. Sie ist die einzige Band, die gleich mit zwei Platten in der Top Ten der meistverkauften Alben vertreten ist. Ihr Meisterwerk Hotel California von 1976 gilt unbestritten als eine der besten Rock-Platten aller Zeiten und wurde bislang rund 42 Millionen Mal verkauft. Das Ende der Unschuld, thematisiert im weltverändernden Titeltrack, dazu mit New Kid In Town oder Life In The Fast Lane gleich zwei weitere Klassiker – 1976 läuft es für die Eagles mehr als rund, zwei Grammys sind der Lohn. Gut, neben den vielen Millionen an Tantiemen, versteht sich.

5. Pink Floyd – The Dark Side Of The Moon (1973)

Verkäufe: 44 Millionen

Ach, die Siebziger. Da konnte man selbst mit einem progerssiven, visionären, fordernden Meisterwerk zum Rockstar werden. Genau so ging es mit Pink Floyd, die 1973 mit The Dark Side Of The Moon von vielbeachteten Rock-Tüftlern zu Superstars werden und in die Stratosphäre geschossen werden. Oder noch weiter. 44 Millionen Alben können sie von ihrem Meisterwerk unters Volk bringen – und jedes einzelne davon verdient.

4. Eagles – Their Greatest Hits (1971-1975) (1976)

Verkäufe: 45 Millionen

Die USA lieben die Eagles. In den Vereinigten Staaten ist keine Platte erfolgreicher als Their Greatest Hits (1971-1975). Auch weltweit sieht es ganz okay aus: Rund 44 Millionen Exemplare ihrer Best-Of wurden bis heute verkauft, bis heute gehen hunderttausende Einheiten davon über den Scanner. Das Geheimnis: Zehn Songs, zehn absolute Hits. Und das sogar ohne Hotel California, das erst einige Monate später erscheint und die Kassen gleich noch mal ordentlich füllt.

3. Whitney Houston – The Bodyguard (1992)

Verkäufe: 45 Millionen

Da haben wir es, das erfolgreichste Soundtrack-Album aller Zeiten: Ebenso wie der Film 1992 ein Millionenpublikum rührt, sorgt auch die offizielle Musik für einen absoluten Hype: Zeitweise verkauft sich der Soundtrack eine Million Mal pro Woche, mittlerweile sind es 45 Millionen verkaufte Alben. Das liegt natürlich an Hauptdarstellerin Whitney Houston und ihrem unglaublichen Cover von Dolly Partons I Will Always Love You. Diesen Song kennt wirklich jeder.

2. AC/DC – Back In Black (1980)

Verkäufe: 50 Millionen

Die Welt ist nicht ganz verloren, wenn sich ein Album wie Back In Black satte 50 Millionen Mal verkauft. Das Comeback mit Brian Johnson nach dem Tod von Bon Scott klingt zunächst nach Zerreißprobe und Feuertaufe, wird dann aber zum glorreichen Triumphzug direkt hinein in die Rock-Ruhmeshalle. Kein Rock-Album hat sich öfter verkauft, kein Rock-Album wird sich jemals wieder so oft verkaufen. Hells Bells!

1. Michael Jackson – Thriller (1982)

Verkäufe: 70 Millionen

Das bestverkaufte Album aller Zeiten ist unbestritten Michael Jacksons Thriller. Irgendwie weiß nur niemand so ganz genau, wie oft das Album jetzt genau verkloppt wurde. Die Zahlen reichen von 50 bis 150 Millionen, die geschätzte Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwie dazwischen. So oder so: Es wurden eine Menge Einheiten von Thriller gepresst. Die Produktionskosten liegen bei 750.000 US-Dollar (heute ungefähr das Dreifache), nach seinem Moonwalk-Debüt im Fernsehen verkauft sich Thriller eine Million Mal pro Woche: Schon Ende 1983 waren 32 Millionen Platten verkauft.

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