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Popkultur

Grunge is (almost) dead: Vor 26 Jahren spielten Nirvana in München ihr letztes Konzert überhaupt

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Als Nirvana am 1. März 1994 im ehemaligen Terminal Eins des geschlossenen Flughafens München-Riem die Bühne betraten, muss so viel Spannung in der Luft gelegen haben, dass die Luft fast brannte.

Erfinder des Grunge

Denn die Jungs aus Seattle hatten den Grunge erfunden und damit den Sound einer ganzen Generation geprägt. Es sollte ihr drittes Konzert in München seit 1989 werden: Das erste bestritten sie noch frisch als Vorband von Sonic Youth, beim zweiten, 1991, begnügten sie sich trotz des Meilensteins Nevermind noch mit dem kleinen Club „Nachtwerk“. Dementsprechend groß war der Hunger der Münchner nach den Alternative-Idolen. Nun waren 3000 Fans zu dem Glück gekommen, ein Ticket für die erste von zwei geplanten München-Shows zu ergattern, und hatten keinen blassen Schimmer über das historische Ausmaß ihres Glücks: Nicht nur, dass es zum zweiten Konzert nie kommen würde, sie waren kurz davor, das letzte Konzert von Kurt Cobain überhaupt live mitzuerleben.

Die Band war in die bayrische Hauptstadt gekommen, um ihr neues Werk In Utero zu spielen und der Öffentlichkeit zu beweisen, dass sie künstlerisch und musikalisch so viel mehr zu bieten hatten, als die wütenden Teenagerhymnen und Kassenschlager von Nevermind. Doch die monatelange Europatour hatte in diesem März 1994 schon so einige Spuren bei Nirvana hinterlassen: Kurt plagte eine chronische Bronchitis, die das Singen zu einer Höllenqual machte – das hörte man seiner kollabierenden Stimme auch deutlich an.

Improvisiertes Set

Nirvana begannen ihr Set, das ursprünglich 24 Lieder beinhaltete, mit einem improvisierten Cover von My Best Friends‘ Girl von The Cars und fuhren anschließend mit ihrem eigentlichen Opener dieser Tour, Radio Friendly Uni Shifter, fort. Während ihrer Performance von Come as You Are brach plötzlich die Stromversorgung in dem ehemaligen Terminal zusammen – Band und Fans fühlten sich sicherlich an die Anfänge der Band in Underground-Schuppen erinnert – und Nirvana machten für ein paar Songs akustisch weiter.

Verkürzte Setlist

Bassist Krist Novoselic kommentierte den Vorfall noch sarkastisch: “We’re not playing the Munich Enormodome tonight. ‘Cos our careers are on the wane. We’re on the way out. Grunge is dead. Nirvana’s over… our next record’s going to be a hip-hop record!” In Anbetracht der Tatsache, dass Cobain tatsächlich ein paar Wochen später sterben und die Band sich auflösen würde, erhält der Kommentar eine besonders bittere Note.

Fans, die sich auf Smells Like Teen Spirit gefreut hatten, wurden in München leider enttäuscht, wie schon bei ihren Konzerten in den USA übersprangen Nirvana kurzerhand ihren Signature-Song und kürzten die Setlist damit auf 23 Songs. Cobain hatte allzu deutlich gemacht, dass er sich nicht auf diesen Überhit reduzieren lassen wolle und dass er mittlerweile mehr als die Nase voll von ihm habe. Mit nur 80 Minuten war das Konzert in München das kürzeste der Europatour 1994. Nach Heart Shaped Box verließen Nirvana die Bühne für immer.

Kurz darauf erster Suizidversuch?

Nach der Show wurde bei Kurt die chronische Bronchitis und eine Kehlkopfentzündung diagnostiziert, woraufhin er sich für eine Behandlung nach Rom begab. Sein Management sagte den kompletten Rest der Europatour ersatzlos ab. Drei Tage später kam er nach einer Überdosis Alkohol und Rohypnol, einem starken Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine, das Kurt gegen die Bauchschmerzen nahm, die ihn die meiste Zeit seines Lebens begleiteten, ins Krankenhaus. Nach seinem Freitod am 5. April 1994, erkannte man, dass es sich dabei vermutlich nicht um einen Unfall, sondern um einen ersten Suizidversuch gehandelt hatte.

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