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Popkultur

70 Gründe, warum Bruce Springsteen der Boss ist

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Foto: Sam Tabone/WireImage/GettyImage

Der große US-amerikanische Sänger und Songschreiber Bruce Springsteen feiert am 23. September seinen 70. Geburtstag. Wir huldigen dem Boss mit einer ganz besonderen Liste. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und thematisch wie auch chronologisch quer durchs Gemüsebeet: Hier sind 70 Gründe, warum Bruce Springsteen der Boss ist.

von Markus Brandstetter

1. Wir verdanken ihm Born To Run

Aufbruch, Hoffnungen, Träume, die letzte Chance, aus der Stadt rauszukommen und es doch noch irgendwie zu schaffen: Mit Born To Run gelang Springsteen eines der größten Alben der Rockgeschichte. Vom Aufbruchsepos Thunder Road bis zum hymnischen Closer Jungleland mit dem imposanten Saxophon-Solo des Big Man: Born To Run hat auch Jahrzehnte später nichts von seiner Strahl- und Anziehungskraft verloren.

2. … und Darkness On The Edge Of Town

Aufbruch, Hoffnungen, Träume, die letzte Chance, aus der Stadt rauszukommen und es doch noch irgendwie zu schaffen: Mit Born To Run gelang Springsteen eines der größten Alben der Rockgeschichte. Vom Aufbruchsepos Thunder Road bis zum hymnischen Closer Jungleland mit dem imposanten Saxophon-Solo des Big Man: Born To Run hat auch Jahrzehnte später nichts von seiner Strahl- und Anziehungskraft verloren.

Was soll man nach einem Wurf wie Born To Run noch nachlegen? Springsteen legte Darkness On The Edge Of Town nach. Während das Vorgängeralbum mit Thunder Road noch episch, langsam aufbauend die Geschichte erzählte, ist der Wagen bei Badlands” am Laufen, Springsteen ist getrieben, am Höhepunkt … und zehn Songs lang unschlagbar.

3. … und einen Dekaden umfassenden Backkatalog

Von seinem Debüt-Album Greetings from Asbury Park, N.J. aus dem Jahr 1973 über das atmosphärische Akustikalbum Nebraska bis hin zum aktuellen Album Western Stars: Springsteen hat bis heute 19 Studioalben veröffentlicht, zu denen die meisten längst Klassiker sind.

4. Seine Freundschaft mit Clarence Clemons aka: Die Geschichte von Scooter und dem Big Man

Wie außergewöhnlich die Freundschaft zwischen Bruce Springsteen und seinem Saxophonisten Clarence Clemons alias dem Big Man war, daran ließen weder Springsteen noch Clemons je Zweifel. Schon auf dem Stück Tenth Avenue Freeze Out setzte er seinem Freund ein Denkmal:

„When the change was made uptown and the Big Man joined the band / From the coastline to the city, all the little pretties raise their hands / I’m gonna sit back right easy and laugh / When Scooter and the Big Man bust this city in half /With the Tenth Avenue freeze-out”.

Wenn Springsteen heute diese Zeilen singt, denkt er und das ganze Stadion an Clemons zurück: Der Big Man verstarb 2011. Besonders emotional erinnert sich Bruce auch auf dem Live-Album/Netflix-Special Springsteen On Broadway an seinen Freund:

„The Big Man was big. Everything about him. His personality, his size, his laugh, the sound of his saxophone. When I first heard it I thought it was the biggest sound I ever heard. And it was. His heart, his problems – they were big. But he was elemental in my life. And losing him was like losing the rain. If I were a mystic, if I were a mystic, I guess Clarence and mine’s friendship would lead me to believe that we, we stood together in other older times, you know and in other lives, along other rivers, in other ancient cities, in other fields, workin’ side by side, with the sun settin’, doin’ our modest version of God’s work. I’ll see you in the next life Big Man“.

Auch Clemons sprach stets begeistert von der Beziehung der beiden, wie in diesem Interview:

5. Bruce Springsteen ist die Stimme des Working-Class-Amerikas

„And all our little victories and glories, have turned into parking lots”, singt Springsteen. Er singt aus der Sicht der enttäuschten, strauchelnden Arbeiter*innen, der Blue Collar Worker, der Vergessenen. Er singt über geschlossene Fabriken und prekäre Verhältnisse, über kaputte Träume und die Hoffnung auf besseren Zeiten. Über Städte, die bessere Zeiten gesehen haben, über Orte der kleinen, persönlichen Triumphe, die zu Parkplätzen betoniert wurden. Bring den Wrecking Ball!

6. Er spielt Drei-Stunden-Plus-Shows

Bruce zeigt gerade bei Stadionshows seinen Blue-Collar-Ethos: Seine Shows dauern meist länger als drei Stunden. Er geht spontan auf Zuschauerwünsche ein, schiebt schon mal eine ungeplante Nummer dazwischen, die die Band seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt hat – und wenn es die Situation hergibt, holt er auch Fans zum Tanz auf die Bühne.

7. DIESE Piano-Version von Thunder Road

2012 spielte Bruce am Hard-Rock-Calling-Festival in London eine reduzierte und unfassbar tolle Version von Thunder Road als Opener.

8. Weil Little Steven nicht touren konnte, holte er sich Tom Morello an Bord

Als Little Steven 2013 nicht mit auf Tour gehen konnte, weil er gerade mit den Dreharbeiten für die Serie Lilyhammer beschäftigt war, holte sich der Boss den ehemaligen Rage-Against-The-Machine-Gitarristen Tom Morello ins Boot. Wie gut die beiden harmonieren, zeigt sich bei dieser Version des Stücks The Ghost Of Tom Joad, bei dem Morello nicht nur mitsingt, sondern auch ein bemerkenswertes Gitarrensolo hinlegt – seine Signature-Tricks inklusive.

9. Er zollte Little Stevens Rolle als untergetauchter Mafioso in Lilyhammer bei einer Show Tribut

Das wussten besonders Lilyhammer-Fans zu schätzen: Während einer Show in Oslo erklärte Bruce 2013, Norwegen hätte Little Steven gekidnappt … und holte Frankie „The Fixer” Tagliano auf die Bühne. Der sang den aus “Lilyhammer” bekannten Song My Kind Of Town.

10. …und spielte auch mit

Bevor er seinen alten Mitstreiter aber wieder mit offenen Armen in der E Street Band empfing, spielte Bruce auch eine Gastrolle in Lilyhammer… als Leichenbestatter.

11. Er persifliert sich auch mal selbst

In der Late Night Show von Talkmaster Jimmy Fallon verkleidete er sich als Retro-Springsteen, sang mit dem als Neil Young verkleideten Komiker das Willow-Smith-Stück „Whip My Hair” und zeigte, dass er auch über sich selbst lachen kann.

12. The Seeger Sessions

2006 veröffentlichte Springsteen Songs aus dem Katalog von Folklegende Pete Seeger – ein Album, das heute noch großen Spaß macht. Auch die Band hatte Spaß, wie in den Videos zur Platte zu sehen ist.

13. Springsteen On Broadway

Er wollte ein paar Solo-Shows auf dem Broadway spielen – und es wurden 236. Nachhören kann man das auf dem Release Springsteen On Broadway, der Springsteen als grandiosen Geschichtenerzählter zeigt.

14. Seine Laudatio auf U2 in der Rock and Roll Hall Of Fame

15. Seine Dankesrede bei den 2010 Ellis Island Family Heritage Awards

Der Boss hat seine Wurzeln nicht vergessen. Das zeigte er einmal mehr, als er bei der Dankesrede seine Mutter und seine Tanten auf die Bühne holte.

16. Das ikonische Cover von Born In The USA

 

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17. …und der ikonische, oft falsch verstandene Song Born In The USA

18. Seine Protagonisten in Songs, die er namentlich nennt

Terry in Backstreets, Mary in Thunder Road, Bobby in Devils & Dust, Candy in Candy’s Room, Bobby Jean in… nun, Bobby Jean.

19. Apropos Mary in Thunder Road.

Die Textzeile „You ain’t a beauty, but hey you’re alright” ist nicht besonders charmant, aber Springsteen kommt irgendwie damit durch.

20. Konzerte wie jenes am 20.September 1978 im Capitol Theatre in Passaic, New Jersey

21. Sein Tribut an seinen verstorbenen Freund und persönlichen Assistenten Frank „Terry“ Magovern

Terry’s Song erschien als nachträglich zugefügter Track des 2007 veröffentlichten Albums Magic.

22. Das Video zu Glory Days

Amerikanischer geht’s nicht.

23. Springsteens Songs über (zerbrochene) Freundschaft/Liebe Teil 1: Bobby Jean

Man sagt, Springsteen habe Bobby Jean über Steven Van Zandt geschrieben, als dieser die E Street Band verließ. „Now, you hung with me when all the others /Turned away, turned up their nose / We liked the same music, we liked the same bands. We liked the same clothes“, singt Springsteen. Und wen es am Schluss bei der Zeile „And I’m just calling you one more time / Not to change your mind, but just to say I miss you, baby / Good luck, goodbye, Bobby Jean“, nicht ein wenig in der Seele sticht, der… dürfte zumindest kein Springsteen-Fan sein.

24. Springsteens Songs über (zerbrochene) Freundschaft/Liebe Teil 2: Backstreets

Auch im vierten Song von Born To Run ist der Protagonist ordentlich enttäuscht über eine zerbrochene Freundschaft oder Liebe (was macht das schon für einen Unterschied?): „When the breakdown hit at midnight, there was nothing to say. But I hated him, and I hated you when you went away.”

25. Springsteens Perspektive in seinen Stücken

Springsteens Stücke beschönigen nichts. Sie handeln oft von der Realität zerfallener, krisengebeutelter Städte, prekärer Lebenslagen – sind aber nie hoffnungslos. Springsteen selbst formulierte es so: „Pessimism and optimism are slammed up against each other in my records, the tension between them is where it’s all at, it’s what lights the fire.“

26. Bob Dylan coverte ihn.

27. …und lud ihn auf die Bühne ein.

28. Er gab Patti Smith das Stück „Because The Night” und bescherte ihr damit ihren ersten und größten Hit.

29. Er schenkte Mickey Rourke einen Song für dessen Hollywood-Comeback

Rourke und Springsteen kannten sich von früher, hatten aber seit längerem keinen Kontakt mehr gehabt. Rourke, der sich in einigen Jahren nicht gerade überall beliebt gemacht hatte, schrieb Springsteen einen langen Brief, in dem er über den Film sprach, der ihn später aus einer langen Karriereflaute befreien sollte. Springsteen rief Rourke mitten in der Nacht an und sagte ihm, dass er gerade auf Tour in Europa sei – aber versuchen werde, etwas zu schreiben. Heraus kam das Stück The Wrestler, das er Rourke und dem Regisseur Darren Aronofsky schenkte.

 30.Sein Auftritt bei der Super Bowl Halftime Show

Was ist so amerikanisch wie der Boss? Genau, die Super Bowl. 2009 spielte Springsteen die Halftime Show des Großevents. Tenth Avenue Freeze-Out, Born to Run, sowie Working on a Dream (partial) und Glory Days. (Partial)

31. Er hat auch mit Anfang 70 einen großen Output

Vor kurzem erschien mit Western Stars sein neues Solo-Album, das Springsteen in ganz ungewohntem Gewand zeigt. Ein neues Album mit der E Street Band soll 2020 folgen.

32. Sein Auftritt bei VH1 Storytellers

Besonders in Erinnerung bleibt die Version von Thunder Road samt der Erläuterung zum Song.

33. Das Album Magic

Ja, der Mix des 2007 erschienenen Albums mag fragwürdig sein und dem tobenden Loudness War geschuldet sein. Von Radio Nowhere über Girls In Their Summer Clothes über Long Walk Home hat das Album aber unzählige sehr, sehr gute Stücke.

34. Sein Prince-Tribute vier Tage nach dessen Tod

Seine Show in Philadelphia am 25. April 2016 – vier Tage nach dem Tod der Musiklegende Prince – eröffnete Bruce Springsteen mit dem wohl größten Hit des Musikers, Purple Rain.

35. Seine Band. Seine Band ist verdammt noch mal die E Street Band

Nils Lofgren. Steve Van Zandt. Max Weinberg. Roy Bittan. Garry Talent. Patti Scialfa.

36. Sein London-Calling-Opener vom Hard Rock Calling 2009 in London

37. Und sein Gastauftritt bei The Gaslight Anthem auf demselben Festival

38. Sein Gastauftritt auf dem Mike-Ness-Album Cheating At Solitaire

39. Sein Gastauftritt bei The Rolling Stones 2012.

40. Seine Autobiographie Born To Run

41. Er war die Zukunft des Rock’n’Roll.

Das fand sein heutiger Manager Jon Landau, als er Springsteen das erste Mal sah. Landau, damals Musikjournalist, schrieb: „I saw rock and roll future and its name is Bruce Springsteen“. Ein legendärer Satz, der sich bewahrheiten sollte.

42. Springsteen in eigenen Worten

„I have spent my life judging the distance between American reality and the American dream…“

43. The River

Was für ein Song.

44. My City Of Ruins

Auch wenn jeder diesen Song mittlerweile mit New York City und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verbindet: Springsteen schrieb das Stück eigentlich über und für seine Heimatstadt New Jersey – und zwar anlässlich einer Charity-Veranstaltung im Asbury Park, die Geld für die Revitalisierung der Stadt sammeln sollte.

45. Sein Bezug zu seiner Heimatstadt New Jersey

…und sein Engagement für die Stadt mit zahlreichen Charity-Organisationen.

46. Seine Akustik-Alben: Nebraska, aber auch The Ghost Of Tom Joad und Devils And Dust.

47. Springsteens interessante Auswahl von Coversongs, Teil 1: Royals von Lorde

„You can call me King Bee and baby I rule I rule I rule in my Phantasy“

48. Springsteens interessante Auswahl von Coversongs, Teil 2: Stayin’ Alive von Bee Gees

49. Sein Auftritt auf dem New Orleans Jazz & Heritage Festival im Jahr 2006

50. Springsteen in seinen eigenen Worten, Teil 2

„If they had told me I was the janitor and would have to mop up and clean the toilets after the show in order to play, I probably would have done it“.

51. Seine Version von We Shall Overcome

52. Textzeilen wie „We learned more from a three-minute record, baby

/ Than we ever learned in school“ (aus: No Surrender).

53. Seine Duette mit Ehefrau und Bandkollegin Patti Scialfa.

54. Seine Auftritte in Talkshows – wie hier bei Stephen Colbert:

55. Sein Beitrag auf Warren Zevons letztem Album The Wind.

56. Und sein Tribut an Zevon nach dessen Tod.

57. Dancing In The Dark – der Song, das Video, der Tanz mit einer damals noch unbekannten Courteney Cox.

58. Streets Of Philadelphia

Springsteens Beitrag für den Kinofilm Philadelphia, das sich als erster Mainstream-Hollywoodfilm mit der HIV/Aids-Thematik beschäftigte

59. Er holte 2012 im Londoner Hyde Park Paul McCartney für zwei Songs auf die Bühne

„Ich möchte keinen großen Deal draus machen, aber darauf habe ich fünfzig Jahre gewartet“, so Springsteen, dem die Freude am prominenten Gast deutlich anzusehen war. Die strenge Curfew machte dem Gastauftritt einen Strich durch die Rechnung.

60. Sein Auftritt mit The Wallflowers 1997 bei den VMAs

Passte ja auch: One Headlight, der große Hit der Band von Bob Dylans Sohn Jakob, klingt auch viel mehr nach dem Boss als nach Jakobs berühmten Vater.

61. Western Stars

Auf seinem 2019 erschienenen Longplayer Western Stars kanalisierte Springsteen den kalifornischen Pop der späten 1960er und 1970er Jahre. Einflüsse wie Burt Bacharach, Harry Nilsson und Glen Campbell sind deutlich hörbar. Springsteen bettet seine Songs in üppige, orchestrale Klanglandschaften und steckt dabei seine eigene Landkarte einmal mehr neu ab.

„Western Stars“ von Bruce Springsteen: Die Rückkehr des Boss

 62. Die Lyrics seines Debütalbums Greetings from Asbury Park, N.J.

Man hört es auf Springsteens Debüt genau. Hier platzt jemand vor Ideen und Ambitionen, will alles und das am besten zugleich. Gerade in der Bilderflut des Openers Blinded By The Light meint man, den Einfluss Bob Dylans deutlich rauszuhören: „Madman drummers bummers and Indians in the summer with a teenage diplomat/

In the dumps with the mumps as the adolescent pumps his way into his hat/

With a boulder on my shoulder, feelin’ kinda older, I tripped the merry-go-round/

With this very unpleasing sneezing and wheezing, the calliope crashed to the ground“

63. Drive All Night im Göteborger Lichtermeer.

64. He’s on fire

 65. Das Stück Death To My Hometown vom Longplayer Wrecking Ball

Ein wütender, desillusionierter, aber kämpferischer hoffnungsvoller Folk-Rock-Song: „Well, no cannon ball did fly, no rifles cut us down / No bombs fell from the sky, no blood soaked the ground / No powder flash blinded the eye / No deathly thunder sounded / But just as sure as the hand of God / They brought death to my hometown.“

66. … und das kraftvolle Fazit desselben Stücks:

„So, listen up my sonny boy, be ready when they come/For they’ll be returning sure as the rising sun / Now get yourself a song to sing / And sing it ’til you’re done

Sing it hard and sing it well / Send the robber barons straight to hell

The greedy thieves who came around / And ate the flesh of everything they found / Whose crimes have gone unpunished now /Who walk the streets as free men now“

67. Seine Laudatio auf Bob Dylan anlässlich dessen Aufnahme in die Rock and Roll Hall Of Fame 1988

„Ein Typ, der den Mut hatte, die ganze Welt zu erobern und mir das Gefühl gab, dass ich das auch tun konnte. Und vielleicht verstanden es einige Leute falsch und dachten, dass diese Stimme uns sagte, dass sie das für uns erledigen könnte […] Heute bin ich hier, um dir zu danken und dir zu sagen, dass ich ohne dich nicht hier wäre“, sagte Springsteen damals – und sagte den legendären Satz: „Genau so wie Elvis die Körper befreit hatte, befreite Dylan den Geist”.

68. Sein Überraschungsauftritt mit Little Steven & The Disciples Of Soul im Asbury Park 2019

69. Er hatte eine letzte Chance… und nutzte sie

 Als Springsteen 1974 mit den Arbeiten an Born To Run begann, war der Druck groß. Die ersten beiden Alben hatten sich nicht verkauft. Einmal noch stellte ihm Columbia Records – Springsteen, damals Mitte Zwanzig – ein großes Budget zur Verfügung. Es musste der große Wurf werden. Größer als der Druck waren nur die Ambitionen der Band. Born To Run war wahrlich keine leichte Geburt – viel mehr ein „last chance power drive”. Ein Album, das den Aufbruch heraufbeschwor… und zu einem Meilenstein der Musikgeschichte wurde.

70. Das ewige Credo: Tramps like us, baby, we were born to run.

Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

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Popkultur

Zeitsprung: Am 7.12.1949 kommt Sänger und Songwriter Tom Waits zur Welt.

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Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.12.1949.


von Frank Thießies und Christof Leim

Am 7. Dezember 1949 erblickt der Sänger und Songwriter Tom Waits das Licht der Welt. Mit seiner knurrenden Charakterstimme und ebenso knarzigen Songs begeistert der kauzige Kalifornier seit den frühen Siebzigern. Wir gratulieren dem amerikanischen Unikat und Genre-Grenzgänger zum Geburtstag!

Hier könnt ihr euch Tom Waits’ Debütalbum Closing Time (1973) anhören:

1949 in Pomona, Kalifornien als Thomas Alan Waits und Sohn eines Lehrerehepaars geboren, verschlägt es den jungen Mann nach kurzem Liebäugeln mit einem Studio der Fotografie im Alter von zwanzig Jahren nach San Diego. Fasziniert von der dortigen Folk-Szene nimmt er in einem Kaffeehaus-Club namens Heritage einen Aushilfsjob als Türsteher an, beginnt dort aber auch an seinem eigenen Bühnenrepertoire zu feilen, welches anfänglich noch hauptsächlich aus Covermaterial und kruder Comedy besteht. Sein beachtliches Talent als Songschreiber führt ihn in Folge jedoch schnell über die limitierend kleine San-Diego-Szene hinaus und dorthin, wo es alle verlorenen Künstlerseelen hinzieht: nach Los Angeles.

Bukowski am Bar-Piano

Bei einer Open-Stage-Nacht in Doug Westons renommierten Schuppen Troubadour in West Hollywood wird Waits 1972 entdeckt und ergattert zunächst einen Job als Songwriter bei Frank Zappas Plattenfirma Bizarre Records. Nur kurze Zeit später hat er einen eigenen Plattenvertrag bei David Geffens Asylum Records in der Tasche. Waits Debüt Closing Time erregt 1973 jedoch nur wenig Aufsehen in der breiten Öffentlichkeit. Dafür erkennen (nicht nur) die Eagles die Qualität von Komposition wie Ol’ 55. Ihr Cover der Waits-Nummer auf dem Album On The Border ein Jahr darauf sichert dem jungen Künstler zumindest die finanzielle Annehmlichkeit in Form von Tantiemen-Zahlungen. In seiner späteren Karriere werden Waits’ Lieder noch oft von anderen Leuten neu aufgelegt werden; Rod Stewarts Fassung von Downtown Train etwa ist legendär.

Ist Waits‘ Debüt noch von einem Folk-Vibe beseelt, bewegen sich die Folgewerke in den Siebzigern noch stärker zwischen verrauchtem Bar-Jazz, Charles Bukowski und Beat-Poeten wie Jack Kerouac, die Waits schon länger bewundert. Sich selbst mit Schiebermütze oder Trilby, ewigem Glimmstängel und Spitzbärtchen zu einem glamourösen, versoffenem Gossen-Troubadour stilisierend, klingen Waits‘ Alben, als könnten sie die Jukebox in Edward Hoppers berühmten Gemälde Nighthawks bestücken. 

Gekappte Wurzeln

Die künstlerische und private Kehrtwende erfolgt schließlich mit dem Dekadenwechsel: Im August 1980 heiratet der Sänger Kathleen Brennan, die künftig auch in kreativer Hinsicht seine Stütze und Partnerin wird. Das 1983 veröffentliche Album Swordfishtrombones, welches er mit Brennan schreibt und produziert, stößt die Tür zu einer zuweilen herrlich unkonventionellen, so experimentellen wie kaputten Klangwelt auf, die fortan zu Waits‘ musikalischem Markenzeichen werden soll. Mit der Trennung von seinem Management und der alten Plattenfirma stehen alle Zeichen auf Neuerfindung.

Zum erweiterten Repertoire des Sängers und Geschichtenerzählers zählt bald auch die Schauspielerei. So spielt er zu Beginn der Achtziger gleich in drei Filmen von Francis Ford Coppola (Rumble Fish, Die Outsider, Cotton Club) kleine, aber höchst überzeugende (Neben-)Rollen und brilliert in Jim Jarmuschs Down By Law 1986 an der Seite Roberto Benignis. Die Nebentätigkeit als Schauspieler hält er sich bis heute warm. Unlängst war Waits in dem Anthologie-Western der Coen Brüder The Ballad Of Buster Scruggs noch in einer Paraderolle als verschrobener ergrauter Goldgräber zu bewundern. Darüber hinaus wirkt Waits seit Ende der Achtziger auch auf der Theaterbühne: Mit Regisseur Robert Wilson realisiert er Stücke wie The Black Rider oder das auf Alice im Wunderland basierende Alice.

Waits, der Eremit 

Mit Beginn der Neunziger werden die klassischen Albumveröffentlichungen von Waits  sporadischer. Mule Variations (1999), das Doppelwerk Blood Money und Alice (2002) oder Real Gone (2004) lassen jedoch nichts vom musikalischen Pioniergeist vermissen, der Waits zwischen Americana- und Roots-Musik, gehusteter Folklore und Vaudeville sowie avantgardistischer Klangkunst heimisch geworden zeigt. Seine letzte Plattenveröffentlichung (Stand 2019) namens Bad As Me datiert auf das Jahr 2011 zurück. Womit so langsam eigentlich mal wieder Nachschub fällig wäre aus dem Hause Waits/Brennan. Doch das soll von Waits‘ Ehrentag nicht abhalten. Und so darf man heute gern ein bisschen tiefer in die Sakko-Tasche greifen und eine extra große Portion Konfetti herausfischen, während man auf dem rostigen Eisenbahnschienen für Tom Waits ein staubiges „Happy Birthday“ steppt. Herzlichen Glückwunsch.

Zeitsprung: Am 14.7.2015 erlebt Nick Cave eine Tragödie & verarbeitet sie mit Musik.

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Protected: „White Christmas“, „All I Want For Christmas Is You“ und mehr: Verrückte Fakten zu den größten Weihnachtssongs

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Mariah Carey
Foto: Gilbert Carrasquillo /Getty Images

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