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Popkultur

70 Gründe, warum Bruce Springsteen der Boss ist

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Foto: Sam Tabone/WireImage/GettyImage

Der große US-amerikanische Sänger und Songschreiber Bruce Springsteen feiert am 23. September seinen 70. Geburtstag. Wir huldigen dem Boss mit einer ganz besonderen Liste. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und thematisch wie auch chronologisch quer durchs Gemüsebeet: Hier sind 70 Gründe, warum Bruce Springsteen der Boss ist.

von Markus Brandstetter

1. Wir verdanken ihm Born To Run

Aufbruch, Hoffnungen, Träume, die letzte Chance, aus der Stadt rauszukommen und es doch noch irgendwie zu schaffen: Mit Born To Run gelang Springsteen eines der größten Alben der Rockgeschichte. Vom Aufbruchsepos Thunder Road bis zum hymnischen Closer Jungleland mit dem imposanten Saxophon-Solo des Big Man: Born To Run hat auch Jahrzehnte später nichts von seiner Strahl- und Anziehungskraft verloren.

2. … und Darkness On The Edge Of Town

Aufbruch, Hoffnungen, Träume, die letzte Chance, aus der Stadt rauszukommen und es doch noch irgendwie zu schaffen: Mit Born To Run gelang Springsteen eines der größten Alben der Rockgeschichte. Vom Aufbruchsepos Thunder Road bis zum hymnischen Closer Jungleland mit dem imposanten Saxophon-Solo des Big Man: Born To Run hat auch Jahrzehnte später nichts von seiner Strahl- und Anziehungskraft verloren.

Was soll man nach einem Wurf wie Born To Run noch nachlegen? Springsteen legte Darkness On The Edge Of Town nach. Während das Vorgängeralbum mit Thunder Road noch episch, langsam aufbauend die Geschichte erzählte, ist der Wagen bei Badlands” am Laufen, Springsteen ist getrieben, am Höhepunkt … und zehn Songs lang unschlagbar.

3. … und einen Dekaden umfassenden Backkatalog

Von seinem Debüt-Album Greetings from Asbury Park, N.J. aus dem Jahr 1973 über das atmosphärische Akustikalbum Nebraska bis hin zum aktuellen Album Western Stars: Springsteen hat bis heute 19 Studioalben veröffentlicht, zu denen die meisten längst Klassiker sind.

4. Seine Freundschaft mit Clarence Clemons aka: Die Geschichte von Scooter und dem Big Man

Wie außergewöhnlich die Freundschaft zwischen Bruce Springsteen und seinem Saxophonisten Clarence Clemons alias dem Big Man war, daran ließen weder Springsteen noch Clemons je Zweifel. Schon auf dem Stück Tenth Avenue Freeze Out setzte er seinem Freund ein Denkmal:

„When the change was made uptown and the Big Man joined the band / From the coastline to the city, all the little pretties raise their hands / I’m gonna sit back right easy and laugh / When Scooter and the Big Man bust this city in half /With the Tenth Avenue freeze-out”.

Wenn Springsteen heute diese Zeilen singt, denkt er und das ganze Stadion an Clemons zurück: Der Big Man verstarb 2011. Besonders emotional erinnert sich Bruce auch auf dem Live-Album/Netflix-Special Springsteen On Broadway an seinen Freund:

„The Big Man was big. Everything about him. His personality, his size, his laugh, the sound of his saxophone. When I first heard it I thought it was the biggest sound I ever heard. And it was. His heart, his problems – they were big. But he was elemental in my life. And losing him was like losing the rain. If I were a mystic, if I were a mystic, I guess Clarence and mine’s friendship would lead me to believe that we, we stood together in other older times, you know and in other lives, along other rivers, in other ancient cities, in other fields, workin’ side by side, with the sun settin’, doin’ our modest version of God’s work. I’ll see you in the next life Big Man“.

Auch Clemons sprach stets begeistert von der Beziehung der beiden, wie in diesem Interview:

5. Bruce Springsteen ist die Stimme des Working-Class-Amerikas

„And all our little victories and glories, have turned into parking lots”, singt Springsteen. Er singt aus der Sicht der enttäuschten, strauchelnden Arbeiter*innen, der Blue Collar Worker, der Vergessenen. Er singt über geschlossene Fabriken und prekäre Verhältnisse, über kaputte Träume und die Hoffnung auf besseren Zeiten. Über Städte, die bessere Zeiten gesehen haben, über Orte der kleinen, persönlichen Triumphe, die zu Parkplätzen betoniert wurden. Bring den Wrecking Ball!

6. Er spielt Drei-Stunden-Plus-Shows

Bruce zeigt gerade bei Stadionshows seinen Blue-Collar-Ethos: Seine Shows dauern meist länger als drei Stunden. Er geht spontan auf Zuschauerwünsche ein, schiebt schon mal eine ungeplante Nummer dazwischen, die die Band seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt hat – und wenn es die Situation hergibt, holt er auch Fans zum Tanz auf die Bühne.

7. DIESE Piano-Version von Thunder Road

2012 spielte Bruce am Hard-Rock-Calling-Festival in London eine reduzierte und unfassbar tolle Version von Thunder Road als Opener.

8. Weil Little Steven nicht touren konnte, holte er sich Tom Morello an Bord

Als Little Steven 2013 nicht mit auf Tour gehen konnte, weil er gerade mit den Dreharbeiten für die Serie Lilyhammer beschäftigt war, holte sich der Boss den ehemaligen Rage-Against-The-Machine-Gitarristen Tom Morello ins Boot. Wie gut die beiden harmonieren, zeigt sich bei dieser Version des Stücks The Ghost Of Tom Joad, bei dem Morello nicht nur mitsingt, sondern auch ein bemerkenswertes Gitarrensolo hinlegt – seine Signature-Tricks inklusive.

9. Er zollte Little Stevens Rolle als untergetauchter Mafioso in Lilyhammer bei einer Show Tribut

Das wussten besonders Lilyhammer-Fans zu schätzen: Während einer Show in Oslo erklärte Bruce 2013, Norwegen hätte Little Steven gekidnappt … und holte Frankie „The Fixer” Tagliano auf die Bühne. Der sang den aus “Lilyhammer” bekannten Song My Kind Of Town.

10. …und spielte auch mit

Bevor er seinen alten Mitstreiter aber wieder mit offenen Armen in der E Street Band empfing, spielte Bruce auch eine Gastrolle in Lilyhammer… als Leichenbestatter.

11. Er persifliert sich auch mal selbst

In der Late Night Show von Talkmaster Jimmy Fallon verkleidete er sich als Retro-Springsteen, sang mit dem als Neil Young verkleideten Komiker das Willow-Smith-Stück „Whip My Hair” und zeigte, dass er auch über sich selbst lachen kann.

12. The Seeger Sessions

2006 veröffentlichte Springsteen Songs aus dem Katalog von Folklegende Pete Seeger – ein Album, das heute noch großen Spaß macht. Auch die Band hatte Spaß, wie in den Videos zur Platte zu sehen ist.

13. Springsteen On Broadway

Er wollte ein paar Solo-Shows auf dem Broadway spielen – und es wurden 236. Nachhören kann man das auf dem Release Springsteen On Broadway, der Springsteen als grandiosen Geschichtenerzählter zeigt.

14. Seine Laudatio auf U2 in der Rock and Roll Hall Of Fame

15. Seine Dankesrede bei den 2010 Ellis Island Family Heritage Awards

Der Boss hat seine Wurzeln nicht vergessen. Das zeigte er einmal mehr, als er bei der Dankesrede seine Mutter und seine Tanten auf die Bühne holte.

16. Das ikonische Cover von Born In The USA

 

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17. …und der ikonische, oft falsch verstandene Song Born In The USA

18. Seine Protagonisten in Songs, die er namentlich nennt

Terry in Backstreets, Mary in Thunder Road, Bobby in Devils & Dust, Candy in Candy’s Room, Bobby Jean in… nun, Bobby Jean.

19. Apropos Mary in Thunder Road.

Die Textzeile „You ain’t a beauty, but hey you’re alright” ist nicht besonders charmant, aber Springsteen kommt irgendwie damit durch.

20. Konzerte wie jenes am 20.September 1978 im Capitol Theatre in Passaic, New Jersey

21. Sein Tribut an seinen verstorbenen Freund und persönlichen Assistenten Frank „Terry“ Magovern

Terry’s Song erschien als nachträglich zugefügter Track des 2007 veröffentlichten Albums Magic.

22. Das Video zu Glory Days

Amerikanischer geht’s nicht.

23. Springsteens Songs über (zerbrochene) Freundschaft/Liebe Teil 1: Bobby Jean

Man sagt, Springsteen habe Bobby Jean über Steven Van Zandt geschrieben, als dieser die E Street Band verließ. „Now, you hung with me when all the others /Turned away, turned up their nose / We liked the same music, we liked the same bands. We liked the same clothes“, singt Springsteen. Und wen es am Schluss bei der Zeile „And I’m just calling you one more time / Not to change your mind, but just to say I miss you, baby / Good luck, goodbye, Bobby Jean“, nicht ein wenig in der Seele sticht, der… dürfte zumindest kein Springsteen-Fan sein.

24. Springsteens Songs über (zerbrochene) Freundschaft/Liebe Teil 2: Backstreets

Auch im vierten Song von Born To Run ist der Protagonist ordentlich enttäuscht über eine zerbrochene Freundschaft oder Liebe (was macht das schon für einen Unterschied?): „When the breakdown hit at midnight, there was nothing to say. But I hated him, and I hated you when you went away.”

25. Springsteens Perspektive in seinen Stücken

Springsteens Stücke beschönigen nichts. Sie handeln oft von der Realität zerfallener, krisengebeutelter Städte, prekärer Lebenslagen – sind aber nie hoffnungslos. Springsteen selbst formulierte es so: „Pessimism and optimism are slammed up against each other in my records, the tension between them is where it’s all at, it’s what lights the fire.“

26. Bob Dylan coverte ihn.

27. …und lud ihn auf die Bühne ein.

28. Er gab Patti Smith das Stück „Because The Night” und bescherte ihr damit ihren ersten und größten Hit.

29. Er schenkte Mickey Rourke einen Song für dessen Hollywood-Comeback

Rourke und Springsteen kannten sich von früher, hatten aber seit längerem keinen Kontakt mehr gehabt. Rourke, der sich in einigen Jahren nicht gerade überall beliebt gemacht hatte, schrieb Springsteen einen langen Brief, in dem er über den Film sprach, der ihn später aus einer langen Karriereflaute befreien sollte. Springsteen rief Rourke mitten in der Nacht an und sagte ihm, dass er gerade auf Tour in Europa sei – aber versuchen werde, etwas zu schreiben. Heraus kam das Stück The Wrestler, das er Rourke und dem Regisseur Darren Aronofsky schenkte.

 30.Sein Auftritt bei der Super Bowl Halftime Show

Was ist so amerikanisch wie der Boss? Genau, die Super Bowl. 2009 spielte Springsteen die Halftime Show des Großevents. Tenth Avenue Freeze-Out, Born to Run, sowie Working on a Dream (partial) und Glory Days. (Partial)

31. Er hat auch mit Anfang 70 einen großen Output

Vor kurzem erschien mit Western Stars sein neues Solo-Album, das Springsteen in ganz ungewohntem Gewand zeigt. Ein neues Album mit der E Street Band soll 2020 folgen.

32. Sein Auftritt bei VH1 Storytellers

Besonders in Erinnerung bleibt die Version von Thunder Road samt der Erläuterung zum Song.

33. Das Album Magic

Ja, der Mix des 2007 erschienenen Albums mag fragwürdig sein und dem tobenden Loudness War geschuldet sein. Von Radio Nowhere über Girls In Their Summer Clothes über Long Walk Home hat das Album aber unzählige sehr, sehr gute Stücke.

34. Sein Prince-Tribute vier Tage nach dessen Tod

Seine Show in Philadelphia am 25. April 2016 – vier Tage nach dem Tod der Musiklegende Prince – eröffnete Bruce Springsteen mit dem wohl größten Hit des Musikers, Purple Rain.

35. Seine Band. Seine Band ist verdammt noch mal die E Street Band

Nils Lofgren. Steve Van Zandt. Max Weinberg. Roy Bittan. Garry Talent. Patti Scialfa.

36. Sein London-Calling-Opener vom Hard Rock Calling 2009 in London

37. Und sein Gastauftritt bei The Gaslight Anthem auf demselben Festival

38. Sein Gastauftritt auf dem Mike-Ness-Album Cheating At Solitaire

39. Sein Gastauftritt bei The Rolling Stones 2012.

40. Seine Autobiographie Born To Run

41. Er war die Zukunft des Rock’n’Roll.

Das fand sein heutiger Manager Jon Landau, als er Springsteen das erste Mal sah. Landau, damals Musikjournalist, schrieb: „I saw rock and roll future and its name is Bruce Springsteen“. Ein legendärer Satz, der sich bewahrheiten sollte.

42. Springsteen in eigenen Worten

„I have spent my life judging the distance between American reality and the American dream…“

43. The River

Was für ein Song.

44. My City Of Ruins

Auch wenn jeder diesen Song mittlerweile mit New York City und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verbindet: Springsteen schrieb das Stück eigentlich über und für seine Heimatstadt New Jersey – und zwar anlässlich einer Charity-Veranstaltung im Asbury Park, die Geld für die Revitalisierung der Stadt sammeln sollte.

45. Sein Bezug zu seiner Heimatstadt New Jersey

…und sein Engagement für die Stadt mit zahlreichen Charity-Organisationen.

46. Seine Akustik-Alben: Nebraska, aber auch The Ghost Of Tom Joad und Devils And Dust.

47. Springsteens interessante Auswahl von Coversongs, Teil 1: Royals von Lorde

„You can call me King Bee and baby I rule I rule I rule in my Phantasy“

48. Springsteens interessante Auswahl von Coversongs, Teil 2: Stayin’ Alive von Bee Gees

49. Sein Auftritt auf dem New Orleans Jazz & Heritage Festival im Jahr 2006

50. Springsteen in seinen eigenen Worten, Teil 2

„If they had told me I was the janitor and would have to mop up and clean the toilets after the show in order to play, I probably would have done it“.

51. Seine Version von We Shall Overcome

52. Textzeilen wie „We learned more from a three-minute record, baby

/ Than we ever learned in school“ (aus: No Surrender).

53. Seine Duette mit Ehefrau und Bandkollegin Patti Scialfa.

54. Seine Auftritte in Talkshows – wie hier bei Stephen Colbert:

55. Sein Beitrag auf Warren Zevons letztem Album The Wind.

56. Und sein Tribut an Zevon nach dessen Tod.

57. Dancing In The Dark – der Song, das Video, der Tanz mit einer damals noch unbekannten Courteney Cox.

58. Streets Of Philadelphia

Springsteens Beitrag für den Kinofilm Philadelphia, das sich als erster Mainstream-Hollywoodfilm mit der HIV/Aids-Thematik beschäftigte

59. Er holte 2012 im Londoner Hyde Park Paul McCartney für zwei Songs auf die Bühne

„Ich möchte keinen großen Deal draus machen, aber darauf habe ich fünfzig Jahre gewartet“, so Springsteen, dem die Freude am prominenten Gast deutlich anzusehen war. Die strenge Curfew machte dem Gastauftritt einen Strich durch die Rechnung.

60. Sein Auftritt mit The Wallflowers 1997 bei den VMAs

Passte ja auch: One Headlight, der große Hit der Band von Bob Dylans Sohn Jakob, klingt auch viel mehr nach dem Boss als nach Jakobs berühmten Vater.

61. Western Stars

Auf seinem 2019 erschienenen Longplayer Western Stars kanalisierte Springsteen den kalifornischen Pop der späten 1960er und 1970er Jahre. Einflüsse wie Burt Bacharach, Harry Nilsson und Glen Campbell sind deutlich hörbar. Springsteen bettet seine Songs in üppige, orchestrale Klanglandschaften und steckt dabei seine eigene Landkarte einmal mehr neu ab.

„Western Stars“ von Bruce Springsteen: Die Rückkehr des Boss

 62. Die Lyrics seines Debütalbums Greetings from Asbury Park, N.J.

Man hört es auf Springsteens Debüt genau. Hier platzt jemand vor Ideen und Ambitionen, will alles und das am besten zugleich. Gerade in der Bilderflut des Openers Blinded By The Light meint man, den Einfluss Bob Dylans deutlich rauszuhören: „Madman drummers bummers and Indians in the summer with a teenage diplomat/

In the dumps with the mumps as the adolescent pumps his way into his hat/

With a boulder on my shoulder, feelin’ kinda older, I tripped the merry-go-round/

With this very unpleasing sneezing and wheezing, the calliope crashed to the ground“

63. Drive All Night im Göteborger Lichtermeer.

64. He’s on fire

 65. Das Stück Death To My Hometown vom Longplayer Wrecking Ball

Ein wütender, desillusionierter, aber kämpferischer hoffnungsvoller Folk-Rock-Song: „Well, no cannon ball did fly, no rifles cut us down / No bombs fell from the sky, no blood soaked the ground / No powder flash blinded the eye / No deathly thunder sounded / But just as sure as the hand of God / They brought death to my hometown.“

66. … und das kraftvolle Fazit desselben Stücks:

„So, listen up my sonny boy, be ready when they come/For they’ll be returning sure as the rising sun / Now get yourself a song to sing / And sing it ’til you’re done

Sing it hard and sing it well / Send the robber barons straight to hell

The greedy thieves who came around / And ate the flesh of everything they found / Whose crimes have gone unpunished now /Who walk the streets as free men now“

67. Seine Laudatio auf Bob Dylan anlässlich dessen Aufnahme in die Rock and Roll Hall Of Fame 1988

„Ein Typ, der den Mut hatte, die ganze Welt zu erobern und mir das Gefühl gab, dass ich das auch tun konnte. Und vielleicht verstanden es einige Leute falsch und dachten, dass diese Stimme uns sagte, dass sie das für uns erledigen könnte […] Heute bin ich hier, um dir zu danken und dir zu sagen, dass ich ohne dich nicht hier wäre“, sagte Springsteen damals – und sagte den legendären Satz: „Genau so wie Elvis die Körper befreit hatte, befreite Dylan den Geist”.

68. Sein Überraschungsauftritt mit Little Steven & The Disciples Of Soul im Asbury Park 2019

69. Er hatte eine letzte Chance… und nutzte sie

 Als Springsteen 1974 mit den Arbeiten an Born To Run begann, war der Druck groß. Die ersten beiden Alben hatten sich nicht verkauft. Einmal noch stellte ihm Columbia Records – Springsteen, damals Mitte Zwanzig – ein großes Budget zur Verfügung. Es musste der große Wurf werden. Größer als der Druck waren nur die Ambitionen der Band. Born To Run war wahrlich keine leichte Geburt – viel mehr ein „last chance power drive”. Ein Album, das den Aufbruch heraufbeschwor… und zu einem Meilenstein der Musikgeschichte wurde.

70. Das ewige Credo: Tramps like us, baby, we were born to run.

Popkultur

Meilenstein im Blitztempo: Wie Big Mama Thornton mit „Hound Dog“ einen Grundstein des Rock’n’Roll legte

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Big Mama Thornton
Foto: Jim Barron/Redferns/Getty Images

Geschrieben in 15 Minuten, aufgenommen am nächsten Tag und für immer ein Teil der Rockgeschichte: Mit Hound Dog landete Big Mama Thornton nicht nur ihren größten Hit, sondern leistete auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Rock’n’Roll. Ein Künstler feierte mit dem Song allerdings noch größere Erfolge.

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Big Mama Thornton anhören:

„You ain’t nothin’ but a hound dog“: Noch heute steht diese Zeile für die energiegeladenen Anfangstage des Rock’n’Roll. Geschrieben wurde die Nummer allerdings nicht für Elvis Presley, der mit dem Song einen der größten Hits seiner erstaunlichen Karriere landete. Nein, eigentlich komponierten die beiden Songschreiber Jerry Leiber und Mike Stoller das Stück für Willie Mae „Big Mama“ Thornton — und zwar in Rekordzeit. „Für Hound Dog haben wir etwa zwölf bis 15 Minuten gebraucht“, berichtet Leiber 1990 in einem Interview mit dem Rolling Stone. „Der Song ist nicht sonderlich kompliziert.“ Doch wie kam es eigentlich zu der Zusammenarbeit zwischen Leiber, Stoller und Thornton?

Wir schreiben den 12. August 1952. Bandleader und Musikproduzent Johnny Otis hat die 19-jährigen Songschreiber Leiber und Stoller zu sich nach Hause eingeladen, damit sie Big Mama Thornton kennenlernen können. Das Duo hört der Sängerin bei einer Probe zu und Otis fragt, ob die Zwei einen Song für Thornton schreiben können. Noch am selben Nachmittag entsteht Hound Dog. „Sie war eine wunderbare Blues-Sängerin mit einem großartigen anklagenden Stil“, schwärmt Stoller im Rolling-Stone-Interview von Thornton. „Es war aber nicht nur ihr Stil, sondern auch ihr Aussehen, das Hound Dog beeinflusst hat, und uns auf die Idee gebracht hat, dass sie den Song eher brummen soll.“

„Erzähl mir nicht, wie ich den Blues zu singen habe.“

Schon am nächsten Tag steht Thornton im Studio und singt das Stück ein. Die Produktion übernehmen Leiber und Stoller zum ersten Mal selbst. „Wir haben uns Sorgen gemacht, weil der vorherige Schlagzeuger nicht das gleiche Gefühl rüberbrachte wie Otis bei den Proben“, erklärt Stoller in der Autobiografie des Komponistenpaares. „Jerry fragte Johnny, ob er nicht das Schlagzeug einspielen kann. ‚Niemand bringt diesen Groove so auf den Punkt wie du‘, sagte er. Johnny fragte: ‚Und wer betreut die Aufnahme-Session?‘ Stille. ‚Ihr Zwei?‘, fragte er. ‚Die Kids betreuen die Aufnahme?’ Ich sagte: ‚Klar. Die Kids haben es geschrieben. Also lass es die Kids tun.’ Johnny grinste und sagte: ‚Warum nicht?‘“

Bei den Proben geraten die Songschreiber und Thornton aneinander. Leiber und Stoller möchten, dass die Sängerin das Stück ein wenig anders umsetzt, nehmen ihren Mut zusammen und weisen sie darauf hin. Mit ihrer Größe von etwa 1,80 Metern, einem Gewicht von 115 Kilo und zahlreichen Narben im Gesicht macht Thornton ihrem Spitznamen „Big Mama“ alle Ehre, schaut die beiden Komponisten kühl an und sagt: „Weißer Junge, erzähl mir nicht, wie ich den Blues zu singen habe.“ Touché. Trotz der Unstimmigkeiten finden Thornton, Leiber und Stoller einen Kompromiss und erschaffen die Aufnahme, die Generationen an Rock’n’Roll-Musiker*innen beeinflussen wird.

Hound Dog: Ein Rock’n’Roll-Standard für die Geschichtsbücher

Zu diesen Rock’n’Rollern zählt auch ein junger Mann namens Elvis Presley, der zwei Jahre später seinen ersten Hit That’s All Right aufnimmt. Mit seiner Version von Hound Dog landet der „King“ weitere zwei Jahre später einen der größten Erfolge seiner Karriere. Er verändert dazu einiges an dem Stück, ob in musikalischer oder lyrischer Hinsicht. „Alles wirkte unfassbar nervös, zu schnell, zu weiß“, findet Stoller. „Aber wissen Sie, nachdem sich die Single sieben oder acht Millionen Mal verkauft hatte, klang sie besser.“ Die erste Aufnahme des Songs wird immer die von Big Mama Thornton bleiben — und die steht noch heute für die aufregenden Anfangstage des Rock ‘n‘ Roll.

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Die frühen Frauen des Rock’n’Roll: Wichtig, aber übersehen

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Popkultur

Zeitsprung: Am 13.8.1999 veröffentlichen Kiss den Film „Detroit Rock City“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 13.8.1999.

von Christof Leim

Einmal sind Kiss mit einem Filmprojekt schon auf die geschminkten Nasen gefallen: 1978 verfehlten die damaligen Superstars mit Kiss Meets The Phantom Of The Park ihr Ziel der crossmedialen Weltherrschaft ziemlich deutlich (wie man hier im Detail nachlesen kann). Zwei Dekaden später versuchen sie es erneut: Am 13. August 1999 startet Detroit Rock City in den Kinos – und erweist sich als Comedy-Trash mit viel Siebziger-Vibe…

Detroit Rock City (der Film) schlägt gewissermaßen eine Brücke zwischen zwei Hochphasen von Kiss: Er entsteht 1999, als die Band dank der Reunion der Originalbesetzung wieder zu den größten Geldverdienern im internationalen Rock’n’Roll-Zirkus zählt. Die Handlung des Streifens wiederum spielt 1978, als Kiss vor allem in den USA zu einem kulturellen Phänomen geworden sind und auf einer beeindruckenden Welle des Erfolges reiten. Die Burschen veröffentlichen im September 1978 sogar am gleichen Tag vier Soloalben.

Die Handlung ist schnell umrissen: Vier Kumpels namens Hawk, Lex, Trip und Jam lieben Kiss (wie so ziemliche alle US-Teenager der Siebziger) und spielen sogar in ihrer eigenen Coverband, um ihren Helden zu huldigen. Die wiederum sind für ein großes Konzert in Detroit (wo sonst?) angekündigt, Tickets dafür haben die Jungs bereits am Start – bis die ultrareligiöse Mutter von Jam dahinterkommt und die Eintrittskarten kurzerhand verbrennt. Klar, denn Kiss steht ja bekanntermaßen für „Knights In Satanic Service“.

Also suchen sich die Vier anderweitig Zutritt zur Show und eine Möglichkeit, überhaupt nach Detroit zu kommen. Bis sie Kiss mit Feuer und Explosionen live erleben, müssen sie sich mit Discoschnöseln und Pfarrern rumschlagen, werden vermöbelt, bestohlen, übers Ohr gehauen und zerlegen eine Damentoilette (Ladies Room, get it?). Einer tritt zwischendurch in einem Stripclub auf, der nächste knutscht in einem Beichtstuhl (mit einem Mädel namens Beth, klar), ein anderer wird von einer älteren Lady entjungfert, die von Gene Simmons’ Ehefrau Shannon Tweed gespielt wird. Und Jam geigt seiner konservativen Mutter die Meinung. Dass dazwischen einiges an Mobiliar zu Bruch geht, versteht sich von selbst.

Die Regie übernimmt Adam Rifkin, als Produzent fungiert Gene Simmons, und alle vier Kiss-Musiker treten bei der großen Show am Ende auf. Einige der Schauspieler kennt man ebenfalls: Edward Furlong („Hawk“) spielte in Terminator 2, Natasha Lyonne („Christine“) gehört zur Besetzung von Orange Is The New Black. In den weiteren Hauptrollen: Sam Huntington, Giuseppe Andrews und James DeBello.

Neue cineastische Höhen erklimmt Detroit Rock City damit nicht, sondern erweist sich als überdrehter Klamauk in „bester“ Tradition des Ramones-Streifens Rock’n’Roll High School. Allerdings bietet das bei entsprechender Affinität zu Trash, Seventies und Kiss durchaus einen Unterhaltungswert. Das reicht für einen gewissen Kultstatus, doch geschäftlich ist das Projekt ein formidabler Flop: 17 Millionen US-Dollar soll es gekostet haben, knappe sechs spielt es ein. Nach dem Kinostart am 13. August 1999 kommt schon im Dezember des gleichen Jahres die Homevideo-Variante. 

Der Soundtrack indes macht Spaß, vor allem wegen cooler Coverversionen. So spielen Pantera Cat Scratch Fever (was sogar als Single veröffentlicht wird), Everclear covern The Boys Are Back In Town, Drain STH machen 20th Century Boy zur Doom-Nummer, und die Donnas rocken Strutter. Lediglich der Versuch von Marilyn Manson, sich des AC/DC-Manifests Highway To Hell anzunehmen, darf wegen völliger Seelenlosigkeit als erschreckendes, aber glücklicherweise fast vergessenes Verbrechen der Musikgeschichte betrachtet werden. Dazu gibt es Klassiker von Van Halen, Black Sabbath, Cheap Trick, Bowie und The Sweet, noch zwei Kiss-Gassenhauer (Shout It Out Loud, Detroit Rock City) und sogar einen neuen Song unserer liebsten Schminkemonster. Nothing Can Keep Me From You läuft während der Credits und drückt ordentlich auf die Tränendrüse. Geschrieben hat ihn Hitkomponistin Diane Warren, Paul Stanley singt (ziemlich gut), ansonsten spielt keiner der Band mit. (Es soll lediglich Ex-Gitarrist Bruce Kulick den Bass übernommen haben.) Braucht man nicht.

Überhaupt lässt die Stimmung im Line-up damals schon zu wünschen übrig, nicht zuletzt wegen dieses Films, wie Ace Frehley und Peter Criss in ihren Autobiografien berichten. Vor allem Ace kann es Gene nicht verzeihen, dass eine Szene mit seiner Tochter Monique angeblich absichtlich rausgeschnitten wird. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Interview: Kiss zum Abschied: „Es wird schmerzhaft und schön!“

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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.8.1949 kommt Mark Knopfler (Dire Straits) zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.8.1949.

von Christof Leim

Songs schreiben kann der Mann. Und ziemlich gut Gitarre spielen. Deshalb erobert Mark Knopfler zuerst als Kopf der Dire Straits die Welt und brilliert danach als Solokünstler. Am 12. August feiert er Geburtstag.

Zur Lektüre gibt’s hier Knopflers Album Down The Road Wherever:

Zunächst will der in Glasgow geborene Mark Knopfler erstmal etwas Vernünftiges machen: Er studiert Journalismus. „Der Plan war, so Geld zu verdienen und Musik als schönes Hobby auszuleben“, erzählt er 2009 in einem Interview. Er arbeitet sogar in diesem Beruf, macht einen Abschluss in Englisch und geht als Dozent an die Universität. Dabei spielt Knopfler aber immer in Bands, die zum Beispiel Brewers Droop oder Café Racers heißen. Vor allem aber schreibt er von Anfang an Songs und entwickelt einen Stil, der sich von anderen unterscheidet: Er benutzt kein Plektrum, sondern spielt seine Gitarre mit den Fingern, was vor allem im Country verbreitet ist und ihm andere Licks als die der gängigen Rockgitarristen ermöglicht. Seine Einflüsse liegen daneben im Rock und Swing, mit bisschen Blues, wie es sich gehört.

Mark Knopfler 1979 – Pic: Klaus Hiltscher/Wiki Commons

So schlägt sich Mark Knopfler Mitte der Siebziger durch die Pubs von London. Er singt und spielt Gitarre, mit dabei sind sein Bruder David an der zweiten Gitarre sowie Bassist John Illsley. Zusammen gründen sie die Band, mit der Knopfler berühmt werden wird: die Dire Straits. Der ersten Demos entstehen 1977, da ist unser Mann schon Ende 20. Auf den ersten Aufnahmen findet sich bereits ein musikalischen Kleinod namens Sultans Of Swing. Kennt man, muss man kennen.

1978 folgt das erste Album Dire Straits, doch ärgerlicherweise gerät die Musikwelt davon nich in Ekstase. Dann allerdings erscheint Sultans Of Swing als Single. Das wunderbare Lied mit dem Text über eine Feierabendband rollt langsam, aber stetig die Charts auf, zunächst in Europa, dann in Nordamerika. Die Dire Straits sind bereit, und sie starten durch: In rascher Abfolge erscheinen Communiqué (1979), Making Movies (1980) und Love Over Gold (1982) und verkaufen sich gut. 

Die Songs darauf stammen samt und sonders von Mark Knopfler, der gerne kleine Geschichten erzählt und eine höchst geschmackvolle Gitarrenarbeit zelebriert. Zwischendurch schreibt er noch Filmmusik, taucht auf einem Bob-Dylan-Album auf, produziert und schreibt Lieder für andere Leute, unter anderem für Private Dancer, das immens erfolgreiche Comeback von Tina Turner 1984.

Richtig ab geht es dann mit Brothers In Arms 1985, das zum internationalen Megahit wird.  Die Songs darauf kennt wirklich jeder: Money For Nothing, Walk Of Life, So Far Away und natürlich das einfühlsame Titelstück. Dire Straits sind jetzt Superstars, allen voran Mark Knopfler. Die nächsten beiden Jahre verbringt die Truppe auf der Straße und fährt einen Erfolg nach dem anderen ein. Dem Chef wird das aber alles zu groß und zu viel. Zunächst gibt es eine Pause, 1988 verkündet Knopfler die Auflösung der Dire Straits.  

Musik machen will er weiterhin, aber eben in kleinerem Rahmen ohne die massiven Erwartungen und Verpflichtungen. Seine nächste Band The Notting Hillbillies jedenfalls widmet sich US-amerikanischer Roots-Musik wie Folk, Blues und Country, alles viel unspektakulärer, vermutlich (oder hoffentlich) genauso befriedigend. Ein Album erscheint 1990, es trägt den schönen Titel Missing…Presumed Having a Good Time. Eine kleine Runde dreht unser Mann mit den Dire Straits aber noch: Im September 1991 kommt mit On Every Street doch noch ein Album, doch unweigerlich folgende Mega-Welttour sorgt dann dafür, dass die Band 1995 endgültig aufgelöst wird.

Mark Knopfler startet darauf eine Solokarriere, seit 1996 erscheinen in lockerer Folge fast ein Dutzend Soloalben: Golden Heart, Sailing To Philadelphia, The Ragpicker’s Dream, Shangri-La, Kill To Get Crimson, Get Lucky, Privateering, Tracker und Down The Road Wherever. Damit feiert er in aller Welt Erfolge, jedoch weit entfernt von der Megalomanie der Achtziger. Zudem kollaboriert er mit unzähligen anderen Künstlern, etwa Emmylou Harris, tourt mit Bob Dylan und beschäftigt sich oft und gerne mit Country. Bei seinen eigenen Konzerten geht es mittlerweile nur um die Musik, große Produktion braucht der Mann nicht mehr. Auf der Bühne trinkt er Tee. Nach einer Dire-Straits-Reunion steht dem musikalischen Kopf der Sinn so gar nicht, nicht mal bei der Einführung der Band in die Rock And Roll Hall Of Fame 2018 taucht er auf.

Songwriter, Meistergitarrist und Geschichtenerzähler: Mark Knopfler 2018 – Pic: Derek Hudson

Sein Privatleben behält Knopfler für sich, Interviews gibt es nicht viele. Er ist zum dritten Mal verheiratet, Vater von vier Kindern, Fan des Newcastle FC und Sammler von Sportwagen. Auf seinen letzten Touren denkt er laut darüber nach, sich zur Ruhe zu setzen und kündigt explizit sogar seinen Abschied von der Bühne, spielt aber nach eigenen Aussagen zu gerne. Hoffen wir, dass das so bleibt. Alles Gute zum Geburtstag, Mr. Knopfler!

Zeitsprung: Am 29.3.1979 landet Mark Knopfler auf einem Bob-Dylan-Album.

 

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