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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.1.1935 kommt Elvis Presley zur Welt

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Foto: EPE

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.1.1935.

von Timon Menge und Christof Leim

Er trägt den Titel „King Of Rock’n’Roll“ oder schlicht: „The King“. Jahrelang ebnet er den Weg für die Beatles, die Rolling Stones und andere Größen des Genres. Gemeinsam mit seinem Manager Colonel Tom Parker definiert er den Begriff „Rockstar“. Heute hätte Elvis Presley Geburtstag gefeiert. Eine Verneigung.

Hier könnt ihr euch Elvis’ größte Hits anhören:

Elvis Aaron Presleys viel zu kurzes Leben beginnt am 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi. Seine Begeisterung für Musik entdeckt er in der Kirche, traut sich aber noch nicht so recht: „Ich habe meine Gitarre genommen, anderen Leuten zugeschaut und gelernt, ein bisschen zu spielen“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe aber nie öffentlich gesungen. Dafür war ich zu schüchtern.“

Starker Start

Im Alter von 13 Jahren siedelt er mit seiner Familie nach Memphis, Tennessee um, wo auch Sam Philipps lebt und arbeitet, der Inhaber von Sun Records. Der möchte afroamerikanischer Musik zu größerer Bekanntheit verhelfen. Mehrfach soll er gesagt haben: „Wenn ich einen Weißen finde, der die Musik der Schwarzen richtig rüberbringen kann, werde ich Milliardär.“ Auch Elvis begeistert sich für die Musik der schwarzen Bevölkerung der USA, also Blues und R&B. Die beiden lernen sich kennen.

Am 7. Juli 1954 feiert Elvis’ erste offizielle Sun-Single That’s All Right ihre Radiopremiere. Die Nummer, die im langsamer und jazziger gespielten Original von Blueskünstler Arthur Crudup stammt, zündet sofort. Noch in derselben Nacht fährt Elvis zum Sender und gibt sein erstes Interview. Moderator Dewey Phillips fragt den jungen Künstler unter anderem, auf welche High School er gehe — und stellt damit die Frage nach seiner Hautfarbe, ohne die Frage tatsächlich zu stellen.

Der erste Rockstar

Etwa ein halbes Jahr später weckt Elvis die Aufmerksamkeit eines Mannes, der die Karriere des zukünftigen „King Of Rock’n’Roll“ entscheidend prägt und bis zu dessen Tod an seiner Seite bleibt: Colonel Tom Parker. Der Musikmanager verschafft dem Nachwuchskünstler einen dicken Plattenvertrag, Engagements in zahlreichen Filmen und etabliert die Merchandise-Marke „Elvis“. Gäbe es eine Blaupause für den Aufbau eines Rockstars: Parker hätte sie erfunden.

Rock’n’Roll, Baby: Der frühe Elvis – Pic: Sony BMG Archive

Durch die Zusammenarbeit brechen alle Dämme: Presley verkauft Millionen von Platten, flimmert mit großem Erfolg über die Kinoleinwände des Landes und kann sich vor Fans kaum retten — vor allem vor weiblichen. Das liegt einerseits an seiner nie da gewesenen musikalischen Ausrichtung (schwarze Musik, neu interpretiert von einem Weißen), andererseits an seiner Rolle als Sexsymbol. Insbesondere sein legendärer Hüftschwung sorgt unter Konservativen für Aufregung.

Der „King“ wird eingezogen

Im März 1958 muss Presley einen Rückschlag verdauen: Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wird er von der U.S. Army eingezogen und muss seinen Dienst in Deutschland ableisten. „Die Army kann mit mir machen, was immer sie möchte“, verkündet er damals und meint damit, dass er nicht anders behandelt werden möchte als seine Kameraden. Damit er während seiner Abwesenheit nicht in Vergessenheit gerät, lässt sich Manager Parker etwas einfallen und veröffentlicht in Presleys Abwesenheit Stück für Stück neues Material.

Im August 1958 erhält Presley einen Anruf aus der Heimat und wird darüber informiert, dass seine Mutter schwer krank ist. Er bekommt Sonderurlaub und darf nach Hause fliegen. Kurze Zeit später stirbt Gladys Love Presley an Herzversagen. Für Elvis geht die Welt unter, denn bis ins Erwachsenenalter hinein pflegt er eine sehr enge Beziehung zu seiner Mutter.

So wohnte ein König: Elvis’ Villa Graceland – Pic: Sony Music

Seine zukünftige Ehefrau Priscilla lernt Presley während seiner weiteren Zeit bei der Armee kennen, bis zur Hochzeit dauert es siebeneinhalb Jahre. Dazwischen hält sich das Paar gemeinsam in Deutschland auf, überbrückt mehr als zwei Jahre hauptsächlich am Telefon und wohnt gemeinsam auf Graceland, Elvis’ prächtiger Residenz, die man noch heute als Museum bewundern kann.

Elvis auf Abwegen

Auch einen seiner schlimmsten Dämonen lernt Presley beim Militär kennen: Er entwickelt eine starke Aufputsch- und Schlafmittelabhängigkeit. Wieder zu Hause, verändert er sich menschlich und lässt eine Menge Druck an seinem Umfeld ab, ob an seiner Partnerin Priscilla, seinem Vater Vernon oder seinen langjährigen Freunden und Mitmusikern Scotty Moore und Bill Black.

Während der Sechziger verlagert sich seine Karriere vor allem ins Kino. Musikalisch erobern andere Künstlerinnen und Künstler den Planeten, wie zum Beispiel die Beatles, die Rolling Stones, Led Zeppelin oder The Who. Ernsthafte Musikliebhaber meiden Elvis, seine alten Fans wenden sich nach und nach ab. Der schwindende Ruhm setzt ihm zu, auch über Einsamkeit klagt er.

Das Comeback

Am 1. Februar 1968 kommt Lisa Marie Presley zur Welt, Elvis’ einzige Tochter. Wenig später tütet er einen Deal mit dem US-Fernsehsender NBC ein. Im Juni beginnen die Dreharbeiten für ein Fernseh-Special namens Elvis, das später als The ’68 Comeback Special in die Geschichte eingeht. Der „King“ ist wieder da, bleibt weitestgehend nüchtern, findet zu alter Stärke zurück und hat wieder Spaß an der Musik. Jon Landau vom Magazin Eye schreibt damals: „Es hat etwas Magisches, wenn man einem Mann zuschaut, der sich selbst verloren hat und dann wieder nach Hause findet. Er sang mit einer Kraft, die das Publikum von einem Rock’n’Roll-Sänger nicht mehr erwartet hat. Er bewegte seinen Körper so entspannt und ohne Anstrengung, dass Jim Morrison wahrscheinlich grün vor Neid wurde.“

Anschließend geht es noch einmal bergauf. Presley spielt zahlreiche Shows, allein 636 ausverkaufte Abende in Las Vegas. Am 21. Dezember 1970 trifft er sogar den damaligen US-Präsidenten Richard Nixon. Die ganz großen Erfolge halten allerdings nicht lange an. Am 1. August 1972 erscheint Presleys letzte US-Top-Ten-Single Burning Love. Auch seine Ehe mit Priscilla geht zu jener Zeit in die Brüche, ab dem 9. Oktober 1973 sind die beiden geschieden.

Das traurige Ende

Im selben Jahr erleidet Elvis gleich zweimal eine Medikamentenüberdosis. Die Drogen haben ihn wieder eingeholt, außerdem nimmt er stark zu. Dennoch spielt er 168 Konzerte — mehr als jemals zuvor. Auch 1974 reist Presley intensiv durch die Vereinigten Staaten. Währenddessen entwickelt er sich zum Schatten seiner selbst. Bei einer Show im September wird sein Elend deutlich sichtbar. „Er ist aus der Limousine auf seine Knie gefallen“, erinnert sich Keyboarder Tony Brown. „Einige Leute eilten ihm zur Hilfe, aber er schubste sie weg und sagte: ‘Helft mir nicht.’ Er ging auf die Bühne und hat sich die ersten 30 Minuten am Mikrofon festgehalten. Wir haben uns angeschaut und uns gefragt, ob die Tour überhaupt stattfinden würde.“ Auch weitere Konzerte zeigen Elvis als Karikatur des Jugendidols, das er einmal war.

Am 16. August findet seine damalige Freundin Ginger Alden ihn regungslos in einem Badezimmer. Alle Wiederbelebungsversuche bleiben erfolglos. Um 15:30 Uhr wird er für tot erklärt. Die Todesursache: Herzstillstand. Zwei Tage später findet seine Beerdigung auf dem Forest Hill Cemetery in Memphis statt. (Im Oktober wird Elvis’ Leichnam nach Graceland verlegt, weil die Gefahr besteht, er könne geklaut werden.)

Trotz seiner letztlich tragischen Geschichte geht Elvis Presley als „King Of Rock’n’Roll“ und als erster großer Rockstar in die Geschichte ein. Noch heute weiß man um seine Bedeutung. Ohne ihn hätte es möglicherweise keine Beatles gegeben und auch keine Rolling Stones. Er war es, der die afroamerikanische Musik in den Mainstream gebracht hat. Seinen Beitrag zur Entwicklung der Rockmusik kann man also nicht unterschätzen. Elvis has left the building. Rest in peace, King!

Elvis Aron Presley, 8.1.1935-16.8.1977

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