------------

Popkultur

The Filth And The Fury – Der Aufstieg des Punk

Published on

“The Filth and the Fury” (der Dreck und die Wut) ereiferte sich die britische Tageszeitung Daily Mirror in seiner Schlagzeile am 2. Dezember 1976. Das hätte genau so gut der Titel eines Sex Pistols Songs sein können, aber es war die Reaktion der Zeitung, und der britischen Medien im Allgemeinen, auf den frühabendlichen Fernsehauftritt der Band, bei dem sie “die schmutzigsten Ausdrücke der britischen TV-Geschichte” benutzt hatten. Es war der Schock, der zu diesen Schlagzeilen führte, aber für einige Kids im Vereinigten Königreich waren die Sex Pistols schon Kulthelden, weil sie nachvollziehbare Alternativen anboten.

Ein Album, das den Punk formte:

PunkWenn sich Musik, Mode, Kunst und eine gewisse innere Haltung so vermischen wie damals 1975, als die Sex Pistols zum ersten Mal in London auf der Bildfläche erschienen, dann schlägt diese Mischung sofort auf ganzer Linie ein. Diese Mischung wurde zum Teil dirigiert vom Strippenzieher des Punk, Malcolm McLaren. Den Nährboden für den britischen Punk bereiteten die konservativen Medien, die eifrig ihre bedauernswerte, ahnungslose Leserschaft vor den Barbaren warnte, die dort vor den Toren der wohlerzogenen Gesellschaft standen. 1975, als Margaret Thatcher Vorsitzende der konservativen Partei wurde, hassten die meisten über 25-Jährigen den Punk instinktiv. Ein Großteil von ihnen hatte die Musik wahrscheinlich noch nie gehört, aber sie wussten, dass das jedenfalls nichts für sie war.
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Anfang der Sechziger, in einem Amerika vor der britischen Invasion, boten die Beach Boys und Jan and Dean eine Alternative zu dem, was die New Yorker Brill Building Songwriter nicht nur den Amerikanern, sondern der ganzen Welt aufzwangen. Zu viele Lieder über zu viele Jungs mit Namen Bobby, über den Mond und June und ein Leben, das kein Teenager sich wünschen würde. Für die Beach Boys drehte sich alles um frisierte Autos und Fun, Fun, Fun. Sie wurden als Rebellen bezeichnet, nicht als Punks.

Aus diesen amerikanischen Surf- und Gitarren Bands der frühen Sechziger und als Alternative zur British Invasion, ging eine der ersten als Punk bezeichneten Bands hervor – The 13th Floor Elevators. Ihr 1966 erschienenes Album The Psychedelic Sounds of the 13th Floor Elevators hat definitiv viele der Charakteristika, die wir mit Punk assoziieren. Einfache, energiegeladene, kurze Songs voller Attitude und Power.

PunkMalcolm McLaren, der Mann der einst auch als der Colonel Tom Parker der Blank Generation bekannt war, hatte von Leuten gelernt, die schon vor ihm den Managementstil des Strippenziehers praktiziert hatten; insbesondere Andrew Loog Oldham, der grundlegend an der Schaffung eines Images für die Rolling Stones beteiligt war. Oldham tat so viel für rebellierende und denkende Musiker, die sich nicht der Doctrine für Popmusiker unterwerfen wollten – ein Image, das die Beatles zumindest am Anfang ihrer Karriere gerne annahmen. Musikalisch hatten sich die Stones dem Blues und R&B verschrieben, aber sie gehörten nicht zu den Vorgängern des Punkrock. Als leidenschaftliche Bluesjünger wollten sie sich zweifellos von den geschniegelten Beatboom Bands der frühen 1960er abheben. Wie eine anständige Punkband wollten sie den Status Quo neu definieren.

Ein Album, das den Punk formte:

Zehn Jahre bevor die Londoner Punkszene richtig groß wurde, standen die Stones öffentlich am Pranger, weil sie in Autohöfe gepinkelt hatten, einer Autorität gegenüber respektloses Verhalten gezeigt hatten und weil sie die Dreistigkeit besessen hatten, sich wie ‘Höhlenmenschen’ anzuziehen und zu benehmen; zumindest wurden sie so in mehreren Zeitungen beschrieben. Tatsächlich war für viele Eltern im Großbritannien der frühen Sechziger das Gerücht, dass sich die Stones nicht wuschen, schon mehr als sie ertragen konnten. Dieses Image heizte Oldham noch weiter an, indem er an Familien aus der Vorstadt die Frage richtete: “Würden Sie Ihre Schwester mit einem Rolling Stone ausgehen lassen?” Verglichen mit dem was folgte, erscheinen die Eskapaden der Stones heute ziemlich harmlos, aber wie Oldham vertrat auch McLaren die Auffassung, dass es nicht ausreichte, einfach gute Musik zu machen. Bands mussten auffallen, sich abheben, eine Reaktion hervorrufen, auch – oder besonders -, wenn es sich um ablehnende oder sogar feindselige Reaktionen handelte.

Musikalisch zu polarisieren war immer ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung von Pop und Rock und zunächst lehnten sich die Bands, die als Wurzeln des Punk gelten, definitiv gegen die faulen und verrückten Tage des Summer of Love und das kalifornische Hippie-Idyll auf. Die amerikanische Jugend, zumindest ein Teil davon, hatte genug von Blumenkränzen, Kaftanen und verträumten Texten. Was sie wollten, war Hardcore und Detroit war die perfekte Stadt für den Gegenschlag.

In der ‘Motor City’ gehörten The Stooges und The MC5 bald zu den Großen; auch wenn die MC5 aus Lincoln Park stammten (das wäre doch mal ein Bandname) und die Stooges aus Ann Arbor, beides in Michigan. Beide Bands waren wild und ihre Musik war teilweise primitiv – Eigenschaften späterer Punkbands an denen sich die Geister von Publikum und Kritikern schieden. Die Stooges wurden 1972 von dem Kritiker Lester Bangs als “punkiest band in history” bezeichnet und ließen ihr Debütalbum von dem früheren Velvet Underground Bassisten John Cale produzieren.

Das Debütalbum von Velvet Underground and Nico wurde zu einem der wichtigsten Alben der 1960er gekürt. Als es 1967 auf den Markt kam, verkaufte es sich mit nur circa 10.000 Exemplaren sehr schlecht, aber angeblich “gründete jeder, der das Album gekauft hatte, eine Band”. Ab 1965 nannten sie sich Velvet Underground, nach einem Roman über sexuelle Subkultur Anfang der Sechziger, und wurden musikalisch von Lou Reeds Songwriting und dem Bassspiel des klassisch ausgebildeten Walisers John Cale bestimmt. Andy Warhol übernahm das Management und als das Album The Velvet Underground and Nico veröffentlicht wurde, lieferte es eine Art Vorlage für die Verquickung von Kunst und Musik, an der sich Punk später teilweise orientieren würde.

 

Ein Album, das den Punk formte:

Anfang der 1970er führten die New York Dolls den Punkethos in eine neue Richtung, gespickt mit einer ordentlichen Prise Glam. Ihr selbstbenanntes Album von 1972 wurde von dem früheren The Nazz-Mitglied Todd Rundgren produziert. Auch The Nazz beeinflussten viele ihrer Nachfolger und hatten auf ihrem Debütalbum mehrere Proto-Punktracks. Manche sind der Ansicht, dass die New York Dolls mehr Glamrock als Punkrock waren und das kann man sicherlich so sehen. Aber es ist ihr Einfluss, der ihnen diese wichtige Stellung einbringt. Nachdem sie die New York Punk Szene eine zeit lang dominiert hatten, trennten sich die Dolls im Jahr 1975. Die Tatsache, dass sie auf dem Cover ihres ersten Albums Make-Up trugen, hatte den Verkäufen geschadet; etwas, womit David Bowie nie Probleme hatte.

Malcolm McLaren und seine Freundin, die Designerin Vivienne Westwood, besaßen einen Fashion Store in der Kings Road. Dieser hatte schon mehrere Inkarnationen durchlebt und hörte unter Anderem auf die Namen ‘Let it Rock’ und ‘Too Fast To Live Too Young To Die’, bis er 1975 den Namen SEX erhielt. McLaren und Westwood waren nach New York City gereist und statteten bald die New York Dolls mit ihren Bühnenoutfits aus. 1975 war McLaren der Manager der Sex Pistols geworden. Die Tatsache, dass der Bandname den Namen ihres Shops enthielt, war kein bloßer Zufall. Marketing stand immer im Zentrum von McLarens Mission.

Beim ersten Sex Pistols Konzert 1975 trug John Lydon in zerrissenes Pink Floyd T-Shirt, allerdings nicht als Huldigung, sondern weil sie für so ziemlich alles standen, was die Sex Pistols nicht waren und nicht sein wollten. John hatte ‘I Hate’ darauf gekritzelt und das brachte die Meinung der Band zu der Musik des bombastischen Pomprock Mainstream zum Ausdruck, aber eben auch zu allem anderen, was damit assoziiert wurde. Wie der Leadsänger Johnny Rotten, wie John Lydon sich seit 1976 nannte, sagte: “Ich hasse Hippies… Ich hasse lange Haare, ich hasse Kneipenbands. Ich will bewirken, dass es mehr Bands wie uns gibt.” Dieser verzweifelte Aufschrei hätte auch von vielen anderen Bands davor und danach kommen können.

Der grundlegende Unterschied zwischen britischem und amerikanischem Punk war das Alter. Johnny Rotten und die Pistols waren alle um die 20 Jahre alt, als sie berühmt wurden. Die amerikanischen Punkrocker waren Mitte 20 und in den Augen der britischen Punks viel konservativer. Ende September 1976 fand im Londoner 100 Club, dem spirituellen Zuhause des Punk, ein zweitägiges Festival statt. Es war für den Punk, was Woodstock für den Rock war, da es den Schrecken von etwas Neuem ankündigte. Die Sex Pistols waren die Headliner des ersten Tages und teilten die Bühne mit Subway Sect, Siouxsie and the Banshees und The Clash. Am nächsten Tag waren es die Slinky Toys, Chris Spedding and the Vibrators und The Damned mit dem Headliner The Buzzcocks. Siouxsie and The Banshees hatten keinen einzigen Song eingeprobt und improvisierten einfach; dabei kam auch das Vaterunser zum Vortrag … echte Performance Kunst. Man sollte nur niemals Punkrock mit Artrock in Verbindung bringen.

Als Siouxsie, die sich optisch an Malcolm McDowells Figur in A Clockwork Orange orientierte, um zu schockieren, und die Banshees ihre finale Besetzung und Gestalt gefunden hatten, unterschrieben sie im Juni 1978 einen Plattenvertrag und veröffentlichten im November 1978 ihr erstes Album The Scream. Zu dem Zeitpunkt hatten sie mit Hong Kong Garden schon eine Top 10 Single in Großbritannien gehabt. Einige ganz harte Punkfans beklagten lautstark den Ausverkauf der Band – wahrscheinlich dieselben, die bei der ‘Sign The Banshees’ Graffitikampagne in ganz London die Zügel in der Hand hatten – aber die Band fand die richtige Balance zwischen Credibility und Erfolg, mit dreißig Charthits in Großbritannien.

 

Ein Album, das den Punk formte:

PunkNach dem unglückseligen TV-Auftritt, der für so viele Kontroversen gesorgt hatte, begaben sich die Sex Pistols zusammen mit The Clash, The Heartbreakers (mit Ex-New York Doll Johnny Thunders) und bei ein paar Terminen The Damned, auf ihre erste UK-Tour. ‘The Anarchy Tour’ sollte ihre Debütsingle Anarchy in the U.K promoten, aber viele Termine wurden von besorgten Veranstaltern gecancelt; wobei nicht ganz klar ist, ob sie mehr Angst vor den Bands oder vor den Fans hatten. Im Februar 1977 kam Sid Vicious zu den Sex Pistols, aber es war nur ein schnelles und tragisches Ende für die Band. Andererseits, wäre ein anderes Ende überhaupt denkbar gewesen?

London war das geistige Zuhause des Punkrock und Kids aus den Grafschaften reisten an, um die Szene live zu erleben, berichtet Paul Weller: “Es schien so weit weg zu sein vom verschlafenen Woking … wir wollten das Gefühl einfangen; wir pilgerten gewissermaßen nach London.” Paul Wellers Band The Jam, die er 1972 mit ein paar Schulfreunden als Post-Mod Band gegründet hatte, waren der Punkszene 1976 sehr zugetan und unterschrieben Anfang 1977 bei Polydor, um ihr erstes Album In The City aufzunehmen. Viele Punkbands waren musikalisch nicht so versiert wie The Jam mit ihrem 60s-Gefühl und Wellers gekonntem, politischem Songwriting. So kamen sie ein bisschen hochklassiger rüber. Die Energie von The Jam beschränkte sich nicht auf ihre Platten und Konzerte. Nur sieben Monate nach ihrem Debüt veröffentlichten sie den Nachfolger This Is The Modern World. Energie war ein zentrales Element von allem, was mit Punk zu tun hatte. Wie Nick Lowe damals öfter sagte: “Die Ansage war Nimm es auf und hau es raus!”

Ein Jahr nach The Jam kamen Sham ’69 – um Bandleader Jimmy Pursey -, aus dem nahe gelegenen Hersham in Surrey mit Borstal Breakout, ihrer ersten Veröffentlichung bei Polydor. Die Platte sollte ursprünglich von John Cale von Velvet Underground produziert werden, aber im Endeffekt produzierte Pursey es selbst. Borstal Breakout war auch eine Ankündigung der aggressiveren Punkklänge der Oi-Musik und wie die meisten richtig guten Punksongs blieb er unter drei Minuten Länge.

Ein weitere erfolgreiche Postpunk Band sind Killing Joke mit ihrem selbst benannten Debüt 1980. Die Charterfolge waren zwar bescheiden, aber sie haben viele spätere Bands beeinflusst, nicht zuletzt Nirvana und Soundgarden in Amerika.

 

Vom Punk – zum Grunge: Die Story geht weiter, hier klicken!


Entdecke die Video Serie uDiscover: Rewind! mit Fritz Egner

Rewind Badge

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

Published on

Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

Marching Pink Floyd GIF - Find & Share on GIPHY

Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

Published on

Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

Published on

Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT

Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Podcast - Stories, Rock & Popkultur
ADVERTISEMENT
Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss