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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.9.1970 spielt Jimi Hendrix auf der Insel Fehmarn seinen letzten Gig.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.9.1970.

von Jana Böhm und Christof Leim

Am 6. September 1970 spielt Jimi Hendrix beim Love-And-Peace-Festival auf der Ostseeinsel Fehmarn seinen letzten Auftritt. Die Veranstalter sind entschlossen, den Geist von Woodstock nach Deutschland zu holen. Erfahrung mit Großveranstaltungen unter freiem Himmel hat 1970 kaum jemand. Am Ende brennt die Bühne, und alles versinkt im Schlamm.

Hier könnt ihr die besten Jimi-Songs hören:

Drei Norddeutsche planen im Herbst 1970, Musikgeschichte zu schreiben. Sie wollen Jimi Hendrix nach Fehmarn bringen und die deutsche Antwort auf Woodstock (LINK) auf die Beine stellen. Hendrix sagt zu. Beate Uhse beteiligt sich mit 200.000 DM Sponsorengeld und einem Berg kostenloser Kondome, die sie später eigenhändig an die Menge verteilt. Neben Hendrix nehmen Größen wie Ten Years After, Canned Heat, Ginger Bakers Air Force, Sly & The Family Stone und The Faces teil. 

Kommt er oder kommt er nicht

Es ist Samstag Abend, knapp 40.000 von 100.000 erwarteten Gästen halten schon den ganzen Tag den Sturmböen und Regenschauern stand, um endlich ihr großes Idol Jimi Hendrix zu sehen. Der heftige Wind weht Musikfetzen von der Bühne hin und her und lässt die schönsten Töne kakofonisch untergehen. Die Verantwortlichen verschieben Hendrix’ Auftritt mehrmals und entscheiden sich für ein frühzeitiges Ende des Tages. Jimi bleibt bei diesem Wetter vermutlich eh lieber in seinem warmen Hotelzimmer. Tausende enttäuschte junge Menschen kriechen derweil tief in ihre durchnässten Schlafsäcke, die irgendwo im Matsch liegen. Dass sie Jimi Hendrix live sehen werden, glaubt kaum noch jemand. 

Ein Flyer zum Festival – Quelle: www.fehmarnfestival1970.com

Nach zwei Tagen Sturm und Dauerregen weckt der neue Tag die Festivalfans etwas trockner. Bald dringt durch, Hendrix werde doch spielen. Alles scheint perfekt, doch dass dies Jimis letzter vollständiger Auftritt sein würde, ahnt in diesem Moment niemand. 

Das Chaos bricht los

Gegen Mittag hat das Warten endlich ein Ende. Kunterbunt gekleidet betritt Jimi Hendrix die Bühne. Es hat fast schon etwas Magisches, denn auf einmal bricht der Himmel auf, und die Sonne kommt durch. Die Menge jubelt, aber es mischen sich auch Buh-Rufe darunter. Die Leute sind genervt von der Warterei und der schlechten Organisation. „Ich scheiße drauf, ob ihr buht oder nicht, solange ihr es in der richtigen Tonart tut“, kontert Jimi – und dann wird es doch ein großartiger Auftritt. Die Menge feiert Stücke wie Purple Haze oder Hey Joe.

Trotz Jimi Hendrix’ großartigem Auftritt steht das Festival unter keinem guten Stern. Nach ihm kommen noch einige deutsche Bands, aber auf weitere angekündigte Größen wartet man vergeblich. Später stellt sich heraus, dass Bands wie Ten Years After, Procol Harum oder Joan Baez gar nicht erst nach Fehmarn gekommen sind. Auf dem Festivalgelände sickert das Gerücht durch, die Veranstalter hätten sich in der Zwischenzeit mit dem Geld aus dem Staub gemacht, weil sie versuchen, einem totalen finanziellen Desaster zu entgehen. Hendrix’ deutscher Veranstalter Fritz Rau hat sich die Gage seines Künstlers vorab überweisen lassen, somit ist Jimi fein raus.

Nur noch einmal, kurz

Eine anwesende Rocker-Gang aus Hamburg hat sich selbst zum zuständigen Ordnungsdienst ernannt. Nun zum Ende der Veranstaltung erwartet der Trupp eine anständige Bezahlung für seine Dienste. Als kein Geld kommt, machen die Rocker ihrem Ruf alle Ehre: Nachdem das Organisationsbüro ausgebrannt ist, geht auch die Bühne in Flammen auf. Die ganze Sause wird zu einem riesigen Desaster. In einer Sache aber hat das Love-And-Peace-Festival sein Ziel gewissermaßen erreicht: Wie beim amerikanischen Original versinkt alles in kürzester Zeit im Schlamm. Auch die Versorgung ist ähnlich wie in Woodstock katastrophal, nur mit der Friedfertigkeit hapert es auf Fehmarn.

Der Gitarrenheld fliegt nach seiner Show schnurstracks zurück nach Großbritannien. Er fühl sich ausgebrannt und erschöpft vom ewigen Touren und sagt alle geplanten Shows für den Herbst ab. Eric Burdon überredet ihn jedoch, mit ihm und WAR zu jammen – und so steht Hendrix am 16. September 1970 im Londoner Ronnie Scott’s Jazz Club ein allerletztes Mal auf der Bühne, wenngleich nur kurz und als Gast. Sie spielen zusammen die Songs Tobacco Road und Mother Earth. Zwei Tage später erstickt der Großmeister der Gitarre im Schlaf an seinem Erbrochenen. Heute steht auf Fehmarn ein großer Gedenkstein.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

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