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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.9.1987 veröffentlichen Motörhead das passend betitelte „Rock’n’Roll“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.9.1987.

von Christof Leim

Man kann sich ja echt fragen, warum Motörhead nicht schon vorher auf den Titel gekommen sind. Passender geht es nicht: Rock’n’Roll heißt das achte Album der Lärmbrigade um Bad-Ass-Bassboss Lemmy Kilmister, auf dem sogar Monty Python mitmischen. Es erscheint am 5. September 1987.

Hier könnt ihr Rock’n’Roll anhören. Gerne laut.

Allerdings fällt Rock’n’Roll (also das Album) in eine schwierige Zeit für die Band: Bei den Aufnahmen in London entpuppt sich der Produzent Guy Bismead als schlechte Wahl. Die Platte klingt vergleichsweise dünn, und Lemmy selbst zeigt sich mit den Songs unzufrieden, was unter anderem an zu knapper Zeitplanung liegt.

Schwere Geburt

Damit nicht genug: Gitarrist Michael „Würzel“ Burston kämpft während der Entstehung mit privaten Problemen, Motörhead zerstreiten sich mit einer weiteren Plattenfirma, und Drummer Pete Gillis fliegt schon im Vorfeld raus. „Peter war sich selbst der ärgste Feind“, erklärt Lemmy in seiner Autobiografie White Line Fever. „Die Band hat ihn einfach nicht zufriedengestellt. Ein paar Mal hat er gegen mich agiert bei einigen Entscheidungen, und er hat auch Phil und Wurzel aufgewiegelt. Irgendwann hatte ich die Nase voll von seinem Genörgel. Als er uns mal hat warten lassen, weil er in einer Hotellobby noch 20 Minuten lang die Zeitung lesen musste, reichte es mir endgültig. Trivial, ich weiß, aber das gilt doch meistens für Streit in der Familie. Und eine Band ist eine Familie.“ Dafür kommt Philty Taylor zurück, der Originalschlagzeuger – ein Fehler, wie Lemmy später bekennt: „Es war nicht mehr wie früher, und ich hätte das wissen müssen.“

Immerhin wirft die Scheibe mit dem grandiosen Titeltrack Rock’n’Roll und dem Song Eat The Rich zwei Knaller ab, letzterer geschrieben für die schwarze Filmkomödie gleichen Namens im gleichen Jahr, in der Lemmy eine Nebenrolle spielt. Der Rest der Nummern dürfte mittlerweile in Vergessenheit geraten sein oder – freundlich formuliert – als „Deep Tracks“ gelten. Die Einschätzung von Mr. Kilmister höchstselbst: „Das Album ist ordentlich, aber nicht eines unserer besten.“ 

Englische Komiker

Dafür taucht sogar ein Mitglied von Monty Python auf, der legendären britischen Komikertruppe: Es stellt sich bei den Aufnahmen heraus, dass Michael Palin eines der beiden Londoner Studios besitzt, in denen Rock’n’Roll entsteht. Natürlich sind Lemmy, Philthy und die beiden Gitarristen Würzel und Phil Campbell allesamt große Fans und laden Palin umgehend ein. Der erscheint im Outfit eines Cricket-Spieler der Vierziger und nimmt eine kleine Ansprache auf, die als Blessing ans Ende der ersten Plattenseite gepackt wird, hinter Stone Deaf In The USA.

Einen passenderen Albumtitel dürfte es nicht oft geben: Die Rückseite von „Rock’n’Roll“, 1987

Verkaufstechnisch geht mit Rock’n’Roll leider weniger als erwartet: Das Werk erreicht zwar die Top 40 in Deutschland und Großbritannien, aber die Reaktionen fielen – insbesondere daheim in England – schon mal euphorischer aus. Außerdem hat Lemmy mittlerweile die Schnauze voll vom englischen Wetter und zieht nach Los Angeles. Dort entsteht erst vier Jahr später das nächste Studioalbum 1916, mit dem es in allen Belangen wieder aufwärts geht.

Zeitsprung: Ab 10.3.1979 rattert die Doublebass auf „Overkill“ von Motörhead.

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