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Popkultur

Video Killed The Radio Star: Vor 40 Jahren geht MTV erstmals auf Sendung

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MTV-Gründer Robert Pittman
MTV-Gründer Robert Pittman (Foto: Allan Tannenbaum/Getty Images)

Der Clip zu Video Killed The Radio Star läutet eine neue Ära der Popkultur ein: Am 1. August 1981 geht der Musiksender MTV an den Start. Und wird das Musikgeschehen für Jahrzehnte mitbestimmen.

von Björn Springorum

MTV, Music Television. Ein einfacher Name für ein grandioses, nie dagewesenes Konzept: Ein Sender, der nur Musik zeigt. Vor genau 40 Jahren wird diese Vision Wirklichkeit. Erfunden hat MTV das Musikvideo natürlich nicht. Diese Ehre wird, wie so ziemlich jede andere der Popmusik, den Beatles zuteil. Die nutzen schon seit Mitte der Sechziger Videos oder ganze Filme, um ihre Musik zu promoten. MTV selbst wird später den Regisseur Richard Lester ehren, mit seiner Arbeit an Can‘t Buy Me Love das Musikvideo praktisch erfunden zu haben.

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Ladies And Gentlemen, Rock And Roll

Einige Jahre und Feldversuche später ist es dann soweit: Am 1. August 1981 um 12:01 Uhr Eastern Time (6:01 Uhr morgens in Deutschland) geht MTV offiziell auf Sendung – wenn auch zunächst nur in New Jersey, wo sehr wahrscheinlich auch ein junger Jon Bon Jovi vor der Flimmerkiste sitzt. Zu sehen ist Filmmaterial vom Countdown des Columbia-Space-Shuttle vom April 1981, dazu spricht Warner-Vize John Lack die ikonischen Worte Ladies And Gentlemen, Rock And Roll. Längst sind sie in den Popkulturkanon eingegangen. Danach ertönt der MTV-Theme-Song, zu dem eine USA-Flagge gezeigt wird, auf der verschiedene MTV-Logos eingeblendet werden. Geplant ist eigentlich etwas anderes: Ursprünglich wollen die Produzenten Neil Armstrongs „Ein kleiner Schritt“-Zitat verwenden, müssen aber herausfinden, dass er sich diesen Satz patentieren ließ und die Anfrage von MTV ablehnt. Nicht cool, Neil.

Dann gibt es endlich Musik. Und zwar mit einem symbolischen Start: Das allererste Video, das jemals von MTV ausgestrahlt wurde, war Video Killed The Radio Star von den Buggles, eine alles andere als zufällige Wahl natürlich. Ciao Radio, hallo Musikfernsehen. Es folgen You Better Run von Pat Benatar und Rod Stewarts She Won‘t Dance With Me. Unvergessen: Immer wieder wird der Bildschirm für kurze Zeit schwarz. Dann schiebt ein Angestellter hastig ein neues Tape in den Videorekorder und die Show kann weitergehen.

Schwarze Musik findet praktisch nicht statt

116 verschiedene Videos flimmern am ersten Tag in die Bildschirme, viele davon mehrfach – In The Air Tonight von Phil Collins beispielsweise glatte fünf Mal. Der erste Metal-Song in der Geschichte von MTV kommt nach einer guten Stunde: Iron Maiden von Iron Maiden.

Der Triumphzug von MTV beginnt fast augenblicklich. Der Sender ist für die Second British Invasion in den USA verantwortlich, macht Wave-Bands wie Soft Cell, The Human League oder Eurythmics auf der anderen Seite des Atlantiks zu Stars. Und das ist erst ein kleiner Vorgeschmack auf den gewaltigen Einfluss, den MTV schon bald auf die Popkultur haben wird. Der Aufstieg des Senders zum Stimmungsbarometer der Popmusik und der VJs zu Stars geht Hand in Hand mit der Vertiefung der Kluft zwischen weißer und Schwarzer Musik.

Von Anfang an bindet MTV Schwarze Künstler*innen nur sehr zögerlich ins Programm ein – und wenn, dann sind es immer dieselben wie Michael Jackson, Whitney Houston oder Tina Turner. Zu den prominenten Kritiker*innen gehört David Bowie, der diesen Missstand schon 1983 anprangert. Hätte man damals schon verstärkt nach Schwarzen Rock-Bands gesucht, sähe die Musiklandschaft heute durch den immensen Einfluss des Senders sehr wahrscheinlich anders aus.

Ikonische Formate, tiefer Fall

Der Aufstieg von MTV zum Meinungsmacher ist nicht aufzuhalten. 1984 starten die MTV Video Music Awards, 1987 der Headbangers Ball, 1989 die MTV-Unplugged-Reihe, 1993 stürmen Beavis And Butthead den Sender. Alles, was MTV anfasst, wird zum Popkulturidiom – nicht zuletzt das Musikvideo selbst, das erst durch MTV zu dem bombastischen Spektakel wurde und Budgets wie aus Hollywood verschlang. All das kann den Fall des Musiksenders (und aller anderen Musikprogramme) nicht aufhalten: YouTube übernimmt die Vorherrschaft, 2008 laufen täglich nur noch drei Stunden Musik täglich auf MTV. Was bleibt, sind 20 Jahre Musikgeschichte. Ja, auch 20 Jahre Kontroversen, aber für die meisten von uns eben das Tor zur Musik.

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