------------

Popkultur

Die 10 ikonischsten MTV Unplugged-Momente

Published on

Kur Cobain beim MTV Unplugged von Nirvana 1993. Foto: Frank Micelotta/Getty Images

Früher war alles besser – na ja, zumindest das Musikfernsehen. Ein Klassiker hat überdauert: das oft kopierte, aber nie erreichte MTV Unplugged. Zum Anlass der neuesten (und kontroversen) Iteration der südkoreanischen Megastars BTS schauen wir auf die 10 ikonischsten Momente aus mehr als 30 Jahren MTV Unplugged.

von Victoria Schaffrath

Hach, die guten alten Tage des Musikfernsehens. Stundenlang hockte man vor dem Bildschirm, um das eine, brandneue Video zu sehen; zwischendurch durfte man sich irgendwann durch halbgare Reality-Formate hangeln. Doch auch wenn die MTV-Sendezentrale im Laufe der Jahre so manchen Wandel erleben durfte, ein Stern ist geblieben: Den Wandel von „Alternative als Mainstream“ zur Pop- und schließlich Hip-Hop-Ära illustrierte kaum ein Format so eindrucksvoll wie das MTV Unplugged.

Vor wenigen Tagen erschien die neueste Fassung, besetzt durch das globale Phänomen BTS. Die Boyband aus Südkorea kennt man eigentlich für extravagante Modekonzepte und ausführliche Tanzeinlagen, dementsprechend groß war das Interesse an der zwangsweise reduzierten Darbietung. Nicht nur, dass ein Cover von Coldplays Fix You schon an guten Tagen eine Herausforderung darstellt – ohne Band im Hintergrund und mit (gefühltem) Original-Playback der Briten bleibt vom „unplugged“-Gedanken nicht mehr viel übrig. Schauen wir uns also lieber die ikonischsten Auftritte und Momente aus der reichhaltigen, 30-jährigen Geschichte der Sendung an.

1. Paul McCartney (1991)

Laut Produzent Alex Coletti macht das Mitwirken von Sir Paul das MTV Unplugged überhaupt erst zu dem, was es in den Neunzigern wird – nämlich ein überdauerndes popkulturelles Phänomen. Bei anderen Musikschaffenden könnte man diese Aussage als schmeichlerisch auslegen, aber bei McCartney darf man das hinnehmen. Schließlich liefert der Brite ein exzellentes Set mit Blues-Nummern, einem Cover von Ain’t No Sunshine (mit Paul an den Fellen) und enthusiastisch dargebotenen Beatles-Stücken.

 2. Eric Clapton (1992)

Als sich Clapton 1992 an ein akustisches Konzert wagt, klingt das prekär. Erst im vorigen Jahr hatte er Söhnchen Connor bei einem furchtbaren Unfall verloren, das daraus entstandene Tears In Heaven sorgt also auch ohne intimes Streicher-Arrangement für einen Kloß im Hals. Die Performance für den Musiksender bleibt unvergessen und erhält berechtigterweise einen Grammy für das Album des Jahres. Einen der besten Momente der Aufnahmen prägt jedoch die Freude: Clapton stimmt in einer Pause spontan den Blues-Klassiker Rollin’ and Tumblin an, den es von ihm zuletzt mit Cream zu hören gab. Die Kamera-Crew hält drauf.

Zeitsprung: Am 16.1.1992 spielt Eric Clapton ohne Strom & landet den größten Hit seiner Karriere.

3. Nirvana (1993)

Die strähnigen Haare, die löchrige Strickjacke, der glasige Blick: Denkt man an Kurt Cobain zurück, so stellt sich bei vielen das Bild aus dem MTV Unplugged von 1993 ein. Doch auch musikalisch bedeuten die Aufnahmen in gewisser Weise das Erbe Cobains. Die Bühne, dekoriert wie für eine Trauerfeier, bildet den Hintergrund für eine Darstellung, die auf Selbstbeweihräucherung in Form von Nirvana-Klassikern verzichtet und lieber Cover von Bowie, den Meat Puppets und den Vaselines präsentiert. Im Hinblick auf Cobains wenig später vollzogenen Freitod hinterlässt man mit All Apologies beinahe versöhnliche Töne und einen der prägenden Musikmomente der Neunziger.

4. Jimmy Page & Robert Plant (1994)

Mit viel Überzeugungskraft (und vermutlich noch mehr Gage) gelingt es MTV Mitte der Neunziger, das Unmögliche möglich zu machen: Page und Plant, wieder vereint auf einer Bühne. Drei Tage, drei Städte und jede Menge talentierte Profimusiker erlauben den Led Zeppelin-Gründungsmitgliedern, noch einmal ihre volle Strahlkraft zu entfalten. John Paul Jones fragt man jedoch nicht einmal, ob er mitspielen möchte.

5. The Eagles (1994)

Eher gefriert die Hölle, als dass Glenn Frey und Don Felder noch einmal gemeinsame Sache machen. Auf dem Stand befindet jedenfalls der Rest der Welt, als die Eagles sich 1994 noch einmal für das Unplugged Hell Freezes Over zusammentun. Weil sie dabei aber jegliche Animositäten hinter der Bühne lassen und Stücke wie Hotel California akustisch beinahe noch besser klingen als im Original, mutiert das TV-Special in Albumform zum Welterfolg und beschert den Eagles eine dazugehörige Tour, die bis heute zu den erfolgreichsten der Musikgeschichte gehört.

Zeitsprung: Am 27.5.1994 starten die Eagles ihre legendäre Reunion-Tour.

6. Oasis (1996)

In wundervoll typischer Oasis-Manier lässt Liam Gallagher den Rest der Band sitzen, als Oasis auf dem Höhepunkt des What’s The Story, Morning Glory-Hypes ihr MTV Unplugged einspielen sollen. Es kratzt im Hals, heißt es. Bruder Noel springt (ganz selbstlos, versteht sich) als Retter der Stunde ein, und Songs wie Don’t Look Back In Anger bekommen eine Meta-Ebene, die sich kein MTV-Redakteur hätte träumen lassen. Die Streicher helfen ebenfalls.

7. George Michael (1996)

Mit einem Unplugged-Konzert bietet sich eine hervorragende Gelegenheit für Cover, der auch große Namen wie George Michael nicht widerstehen wollen. Dem Bonnie Raitt-Klassiker I Can’t Make You Love Me verpasst er ebenso wie Elton Johns Don’t Let The Sun Go Down Neuanstriche, die sich sehen lassen können. Bei Freedom brillieren Michael, Band und Gospelchor jedoch besonders. Wohl auch für die anwesende Mutter des Sängers ein Genuss, für die dieses Konzert ihres Sohnes das letzte vor ihrem Tod bleiben sollte.

8. Die Fantastischen Vier (2000)

Dass die Fanta 4 nicht ganz konsequent im Rahmen des Normalen denken, weiß man eigentlich. Als die Gruppe am Scheitelpunkt der Jahrtausendwende ein akustisches Konzert in einer Tropfsteinhöhle im Sauerland plant, ahnt man aber noch nicht, wie überirdisch das Ergebnis später klingen soll. Mit Samples, die beispielsweise das Meeresrauschen von Tag am Meer live nachbilden, und Cello, Percussion und Co. verleihen die Stuttgarter ihren Songs meditative Qualitäten und dem Sauerland (gemeinsam mit Nena) musikhistorische Bedeutung.

9. Die Ärzte (2002)

Nur die Ärzte können es schaffen, aus einem MTV Unplugged zu gleichen Teilen Konzert, Kabaretteinlage und Bildungsfernsehen zu machen. Für Rock ‘n’ Roll Realschule nimmt das Trio aus Berlin (aus Berlin!) 2002 einen Hamburger Schulchor und dessen Aula in Beschlag und amüsiert sich dabei so sehr, dass man Teile des Sets auf späteren Touren samt Kostümen nachstellt. Die Jazz-Punk-Sondersendung beschert uns außerdem die beste Umbaupause seit… immer, eigentlich.

10. Alicia Keys (2005)

Mitte der Nullerjahre droht die Unplugged-Quelle beinahe zu versiegen. Mit einem beherzten Griff in die Tasten wagt Frau Keys, was vor ihr drei Jahre lang niemandem gelingt, und belebt das Format von Neuem. Die New Yorkerin lässt sich von Kollegen wie Adam Levine von Maroon 5, Mos Def und Damian Marley zwar unterstützen, aber nie überstrahlen. Ganz klar, ob bei Covern wie Welcome To Jamrock oder der hinreißenden Version ihrer Schöpfung If I Ain’t Got You: Alicia steckt sie alle in die Tasche. Freilich gibt es seither gelungene Unplugged-Momente, von denen aber keinem die New Yorker Coolness gelingt, die Keys während Stücken wie Unbreakable verströmt.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Nostalgie pur: Hier gibt es MTV aus den frühen 1980ern zu sehen – mit Werbeclips!

Popkultur

Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

Published on

Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

Continue Reading

Popkultur

„Give peace a chance“: Die stärksten Lieder gegen den Vietnamkrieg

Published on

Vietnamkrieg
Foto: PhotoQuest/Getty Images

Vor genau 50 Jahren wurde in Paris ein Friedensvertrag unterzeichnet, der das langsame Ende des Vietnamkriegs einläuten sollte. Diese zehn Songs werden auf ewig an das sinnlose Gemetzel im Indopazifik erinnern.

von Björn Springorum

Bis März 1973 waren fast alle US-amerikanischen Truppen aus Vietnam abgezogen. Dennoch dauerte es noch bis 1975, bis auch die letzten Amerikaner das versehrte Land verlassen und ein grausamer, sinnloser, bestialischer Krieg langsam zu Ende geht. Die zehn Jahre davor waren in den USA beherrscht von immer lauteren und massiveren Protesten und Kundgebungen gegen den Krieg – der Aufstieg der Gegenkultur und ihrer unsterblichen Songs. Diese Lieder werden uns für immer an den Vietnamkrieg denken lassen. Und uns in Zukunft hoffentlich bessere Entscheidungen treffen lassen.

1. Barry McGuire – Eve Of Destruction (1965)

„The Eastern world, it is explodin’ – Violence flarin’, bullets loadin’ – You’re old enough to kill but not for votin’“ singt Barry McGuire 1965 im aufgewühlten Eve Of Destruction. Er findet klare Worte, was ihm prompt einen Bann vieler Radiosender einbringt. Der Erfolg des Songs kann davon nicht aufgehalten werden: Im September 1965 ist Eve Of Destruction an der Spitze der US-Charts angekommen.

2. Phil Ochs – I Ain’t Marching Anymore (1965)

Auch der texanische Protestsänger Phil Ochs versteckt sich nicht hinter Metaphern: In I Ain’t Marching Anymore (1965) rechnet er mit der blutigen Geschichte der Vereinigten Staaten ab und singt mit ernster Stimme: „It’s always the old to lead us to the wars – Always the young to fall – Now look at all we’ve won with the saber and the gun – Tell me, is it worth it all?“ Das kriegt Bob Dylan auch nicht besser hin.

3. Tom Paxton – Lyndon Johnson Told The Nation (1965)

Eine politische Folk-Moritat reiht sich ebenfalls 1965 von Tom Paxton ins Antikriegsgeschehen ein: Zu melancholischen Klängen erinnert er daran, dass Präsident Lyndon B. Johnson stets beteuerte, nicht in den Krieg eingreifen zu wollen – im besten „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“-Style. „Lyndon Johnson told the nation – Have no fear of escalation – I am trying everyone to please – Though it isn’t really war – We’re sending fifty thousand more – To help save Vietnam from the Vietnamese“ singt er voller verzweifeltem Zynismus. Da muss man schon mal schlucken.

4. Joan Baez – Saigon Bride (1967)

1967 vertont Joan Baez ein Gedicht von Nina Duschek und macht mit fragiler Trauer auf die Sinnlosigkeit des Krieges aufmerksam: „How many dead men will it take – To build a dike that will not break? How many children must we kill – Before we make the waves stand still?“

5. Country Joe & The Fish – Feel Like I’m Fixin’ To Die (1967)

Einen ganz anderen Ansatz wählen Country Joe & the Fish in ihrem ikonischen Woodstock-Evergreen Feel Like I’m Fixin’ To Die. Beschwingte Hillbilly-Stimmung statt elegischer Wandergitarre, dazu ein aberwitziger, bizarrer, trotziger Text zum Mitträllern, der die Rekrutierungsmethoden der US-Armee aufs Korn nimmt: „And its 1, 2,3 what are we fighting for? Don’t ask me I don’t give a damn – The next stop is Vietnam – And it’s 5, 6, 7 open up the pearly gates – Well there ain’t no time to wonder why – WHOOPEE we’re all gonna die.“ Vielleicht der größte aller Anti-Vietnam-Songs.

6. Richie Havens – Handsome Johnny (1967)

Noch ein unvergessener Woodstock-Moment: Handsome Johnny von Richie Havens wird zu einem Meilenstein der Gegenkultur, zum Soundtrack eines Landes, das den Krieg immer weniger unterstützen kann.

7. Creedence Clearwater Revival – Fortunate Son (1969)

Fortunate Son ist nicht nur einer der besten Rock-Songs aller Zeiten. Sondern auch einer der wichtigsten: Geschrieben nach der Hochzeit von David Eisenhower und Julie Nixon handelt der Song von denen, die nicht in den Krieg müssen, weil sie mit einem Silberlöffel in der Hand geboren werden und dem Einzug durch Macht, Geld und Einfluss entgehen dürfen. Ein großer Moment.

8. John Lennon – Give Peace A Chance (1969)

Die überwältigende Anzahl der Protestsongs aus der Zeit des Vietnamkriegs kommt natürlich aus den USA. Mit Give Peace A Chance steuert aber auch John Lennon ein wichtiges Kapitel zum Antikriegskanon dieser Zeit bei. Aufgenommen in einem Take in Montreal, fünf Monate später von einer halben Million Kehlen bei einem Protestmarsch gesungen. Lennon hat auch als Engländer den richtigen Ton getroffen.

9. Edwin Starr – War (1970)

Edwin Starr bringt es 1970 mit Funk, Disco und Bläsern auf den Punk: „War, huh yeah – What is it good for? Absolutely nothing, oh hoh, oh.” Mehr muss man wirklich nicht dazu sagen. Außer vielleicht: ursprünglich wird der Song für The Temptations geschrieben, die ihn dann aber lieber doch nicht anfassen, um keine Fans zu verärgern. Glück für Edwin Starr: Die Nummer wird zu einer der erfolgreichsten des Jahres.

10. Jimmy Cliff – Vietnam (1969)

Auch die Reggae-Welt rechnet mit dem Krieg ab. 1969 veröffentlicht Jimmy Cliff das schlicht Vietnam betitelte Stück, nach Ansicht Bob Dylans „der beste Protestsong, der jemals geschrieben wurde“. Cliff erzählt in der ersten Strophe von einem Soldaten, der einen Brief nach Hause schickt – und in der zweiten von einem Telegramm, das den Tod des Soldaten übermittelt.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Protest in zwei Minuten: Die erste The-Clash-Single „White Riot“

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 26.1.1973 veröffentlichen Deep Purple „Who Do We Think We Are“ – mit Folgen.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.1.1973.

von Christof Leim

Who Do We Think We Are von Deep Purple wird am 26. Januar 1973 veröffentlicht. Zwar verkauft sich die Scheibe gut und liefert mit Woman From Tokyo sogar einen Hit, aber einfach kam das Album nicht zustande. Das verwundert kaum angesichts des Arbeitspensums der Band. Dass damals zudem zwei der fünf Musiker nicht miteinander reden, hilft natürlich auch nicht. Schlussendlich zerbricht das legendäre Mark-II-Line-up kurz nach der Veröffentlichung.

Hört euch das Album hier und lest die ganze Geschichte:

Vielleicht war einfach die Luft raus. Als Deep Purple im Sommer 1972 ihr siebtes Album angehen, haben sie gerade 18 Monate Tour hinter sich. „Irgendwann bekam jeder von uns ernsthafte gesundheitliche Probleme“, erinnert sich Ian Gillan. Eine Pause gibt es trotzdem nicht, und die Schuld dafür sucht der Sänger – wie so oft in der Rockgeschichte – beim Management: „Wenn das vernünftige Leute gewesen wären, hätten sie uns für drei Monate in den Urlaub geschickt. Stattdessen haben sie uns gedrängt, die Platte im Zeitplan abzuliefern.“

Immer weiter

Also verschanzen sich Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Roger Glover, Jon Lord und Ian Paice im Studio, zunächst in Rom, später in Walldorf bei Frankfurt. Aufgenommen wird mit dem Rolling Stones Mobile, das die Band schon im unsterblichen Smoke On The Water besungen hatte. Als Toningenieur agiert Martin Birch, der später mit Rainbow, Black Sabbath und Iron Maiden zu weiterem Weltruhm gelangen sollte.

Das legendäre Mark-II-Line-up von Deep Purple: Blackmore, Gillan, Glover, Lord, Paice.

Die Stimmung innerhalb der Truppe befindet sich schon vor den Aufnahmen an einem Tiefpunkt, wie Bassist Glover in einer Dokumentation der BBC beschreibt: „Ich glaube nicht, dass Ritchie und Ian in dem letzten Jahr dieser Besetzung ein Wort miteinander gesprochen haben. Sie wurden zu zwei entgegengesetzten Polen, die sich immer weiter angestachelt und voneinander entfernt haben.“ Deshalb spielen die Musiker ihre Parts sogar getrennt ein; die legendäre musikalische Interaktion von Deep-Purple-Konzerten kommt so natürlich nicht zustande. Blackmore wünscht sich außerdem, dass die Band ihre Blues-Wurzeln wiederentdeckt, angeblich deshalb, weil ihm die letzten Platten zu „poppig“ erscheinen. Das allerdings klingt angesichts der Rockmacht von Machine Head (1972) und Made In Japan (1973) doch sonderbar. Man könnte sogar anführen, dass Who Do We Think We Are „poppiger“ und gefälliger klingt.

Ladehemmung

Der einzige Track aus den Rom-Sessions im Sommer, der es auf das Album schafft, heißt Woman From Tokyo. Hier singt Gillian über die Erfahrungen der ersten Japan-Tour. Den Rest kann die Band erst nach einer erneuten Konzertreise durch Fernost aufnehmen. Dabei kommt die Kreativität nur langsam ins Rollen, schlussendlich enthält die Platte nicht mehr als sieben Songs. Einer davon, Mary Long, handelt von zwei bekannten britischen Persönlichkeiten: der erzkonservativen Aktivistin Mary Whitehouse und dem Sozialreformer Lord Longford. „Die beiden waren ständig mit erhobenem Zeigefinger unterwegs“, erläutert der Sänger später. „Es ging um die Standards der älteren Generation und die gängige Moral. Ich habe die beiden zu einer Person verschmolzen, um die Heuchelei der Zeit darzustellen“. Mit Place In Line findet sich sogar ein echtes Blues-Stück auf der Platte, ansonsten regiert der bekannte Stil des Mark-II-Lineups mit kompetenten Songs und souveränen Wechselspielen zwischen Orgel und Gitarre. Langlebige Hits produziert die Scheibe mit Ausnahme von Woman In Tokyo jedoch nicht.

Who Do We Think We Are erscheint am 26. Januar 1973. Als Titelinspiration dient negative Fanpost, die laut Drummer Ian Paice gerne mit der Frage beginnt: „Wer glauben Deep Purple eigentlich wer sie sind?“ Trotz aller Probleme erweist sich das Werk als Kassenschlager mit einer halben Millionen verkaufter Exemplare in den ersten drei Monaten, was sicher auch an den äußerst erfolgreichen Vorgängern liegt. Das reicht für Platz 15 in den US-Charts, Platz vier in Großbritannien und Platz drei in Deutschland. In den USA bringt im ganzen Jahr 1973 niemand mehr Alben unter die Leute als Deep Purple.

Doch es hilft alles nichts: Die anhaltenden Zwistigkeiten führen dazu, dass dieses Line-up schon am 29. Juni 1973 in Osaka sein letztes Konzert spielt. In einem Brief an die Kollegen verkündet Ian Gillan seinen Ausstieg, Roger Glover geht gleich mit. Erst 1984 kommt die Mark-II-Besetzung wieder für Perfect Strangers zusammen. Die Band engagiert nach Who Do We Think You Are den Trapeze-Bassisten Glenn Hughes und einen gänzlich unbekannten Sänger namens David Coverdale. Schon im Folgejahr erscheinen die Alben Burn und Stormbringer. Aber das ist eine andere Geschichte…

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 25.1.1975 gibt es Ärger zwischen Deep Purple und AC/DC.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss