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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.1.2000 dringen Rage Against The Machine in die New Yorker Börse ein.

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Foto: David Greedy/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.1.2000.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Rage Against The Machine treten nicht gerade dezent auf. Man weiß das. Doch als am 26. Januar 2000 der Videodreh zu Sleep Now In The Fire zu einer Vorstufe von „Occupy Wall Street“ eskaliert, schauen New Yorker Finanzfachleute und Börsenheinis etwas verdutzt aus der Wäsche. Das freut vor allem Rädelsführer Michael Moore…

Hört hier das zugehörige Album The Battle Of Los Angeles

Sleep Now In The Fire von Rage Against The Machine darf man an sich schon als bemerkenswertes Stück Musik bezeichnen. Tom Morellos Solo auf der Single von 1999 entsteht durch technische Manipulation der Verstärker-Rückkopplung; gegen Ende findet sich ein etwas unfreiwilliges Sample aus dem koreanischen Radio. Inhaltlich rechnet der Song mit allerhand Unterdrückung und Kriegen ab, die die amerikanische Regierung so im Laufe der Jahre sanktioniert hat.

Klassischer Protestsong

Da darf es dem Video natürlich nicht an Kontroverse fehlen. Die Weichen stellen RATM, indem sie für den Dreh im Januar 2000 den Regisseur Michael Moore engagieren, der sich nur wenig später mit der Dokumentation Bowling For Columbine ins amerikanische Gedächtnis einbrennen soll. Schauplatz des geplanten Filmchens: Die New Yorker Wall Street, Heimat der dortigen Börse und zahlloser Banken. Moore dürfte die Straße wohl als Sinnbild für die moderne Unterdrückung durch den Kapitalismus verstanden haben.

Zunächst muss man sich bewusst machen, dass die Stadt New York aus bürokratischen Gründen das wochentägliche Filmen auf der Wall Street nicht erlaubt. Als die Band samt Entourage und Filmcrew also an einem Mittwoch auftaucht, weiß der Regisseur und Autor durchaus, dass das suboptimal zu enden droht. Vor Drehbeginn instruiert er die Gruppe: „Egal was passiert, hört nicht auf zu spielen.“

Vorprogrammiertes Chaos

Natürlich lockt das Ereignis eine ziemliche Menschenmenge an; die angeblich so konservative Belegschaft der Börse strömt in Scharen auf den Bürgersteig vor dem Gebäude, das gegenüber dem Federal Hall National Memorial liegt. Moore kann zwar eine Dreherlaubnis vorweisen, aber eben nur für die Treppen vor dem Museum, nicht für den Bürgersteig. Die Anzug tragenden Komparsen und Komparsinnen mischen sich jedoch mit den tatsächlich „Suits“ und besetzen den gesamten Gehweg. Es kommt also, wie es kommen muss: Die Polizei nimmt den verantwortlichen Regisseur fest. 

Ob die Band nun die folgenden Ereignisse plante oder ob sich die Menschentraube tatsächlich von Moores Aufforderung „Stürmt die Börse!“ mitreißen lässt, können wir nur mutmaßen. Aber genau das passiert: Gemeinsam mit der Band nehmen etwa 200 Menschen das Börsengebäude ins Visier und rennen los. Freilich, vor der zweiten Türe findet die Revolution ein jähes Ende, da das Notfallprotokoll der Institution in Kraft tritt und Titanplatten nun den Eintritt verwehren. Ob nun gewollt oder nicht: Die Kameras laufen und halten den anarchistischen Moment für die Ewigkeit fest.

Unheimlicher Vorbote

Ganz zufällig kommt es da wohl nicht, dass Morello 2011 bei der tatsächlichen „Occupy Wall Street“-Besetzung auftritt. Doch das Video zeigt sich auch in anderen Aspekten merkwürdig prophetisch: Um die Minutenmarke betritt ein Mann die Bildfläche, der ein Schild mit der Aufschrift „Donald Trump for President 2000“ in der Hand hält. 

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