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Popkultur

Zeitsprung: Am 20.12.2009 landen Rage Against The Machine einen Weihnachtshit.

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Foto: Andy Sheppard/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 20.12.2009.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

All überall an UK-Chartspitzen sah man funkigen Metal blitzen: Am 20. Dezember 2009 schaffen Rage Against The Machine dank einer Online-Kampagne das Unglaubliche und brechen den Weihnachtsfluch der Castingshow X-Factor. Im heutigen Zeitsprung erinnern wir uns wohlwollend zurück, wie Simon Cowell und Co. in die winterliche Röhre guckten.

Hört hier das legendäre Debüt von Rage Against The Machine: 

Großbritannien im Jahr 2009: Die Schreckensherrschaft von Produzent und Medienmogul Simon Cowell nähert sich ihrem fünften Jubiläum; die Gewinner und Gewinnerinnen seiner dystopischen Castingshow X-Factor dominierten in den letzten vier Jahren das weihnachtliche Musikgeschäft und besetzten zuverlässig Platz eins der britischen Singlecharts. Doch eine von unbeugsamen Musikfans bevölkerte Facebook-Gruppe hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten: Angeführt von DJ Jon Morten streben sie die Befreiung von der Kitschdiktatur des TV-Casting-Blödsinns an und hecken eine Kampagne aus. 

„Ragefactor“

Der Auftrag lautet simpel: Morter und seine Frau Tracy rufen ihre Mitleidenden dazu auf, in der Woche vor Heiligabend eine bestimmte Single im Übermaß zu kaufen, um so den Sieg der feindlichen, von Cowell angeführten Schmalzklone zu verhindern. Im letzten Jahr hatte der Musiker dies bereits mit Rick Astleys Never Gonna Give You Up versucht. Doch die Unternehmung scheiterte an Vorjahresgewinnerin Alexandra Burkes Version von Hallelujah. Morter greift folglich zu härteren Bandagen. Er entscheidet sich 2009 für den Lied-gewordenen Wutschrei Killing In The Name von Rage Against The Machine.

Die Gruppe wächst rasant. Mitte Dezember zählt sie laut BBC 750.000 Mitglieder – eine Größe, bei der sich Cowell zum Kommentar verpflichtet fühlt: Er empfindet die Kampagne als zynischen Rachefeldzug, der sich gegen seine Person richte. Der Erfinder der Castingshow macht dabei seine Rechnung aber ohne die kritischen Fans. Denn seine Aussage verleiht dem Unterfangen eher noch mehr Popularität, sodass bald auch prominente Namen ihre Unterstützung zusagen. Den Anfang macht RATM-Gitarrist Tom Morello, der den möglichen Erfolg der Kampagne eine „wundervolle Dosis Anarchie“ nennt. Wenig später reihen sich unter anderem Dave Grohl, Muse, The Prodigy und Paul McCartney ein; letzterer stand kurz zuvor noch gemeinsam mit den Finalisten der Show auf der Bühne.

Weihnachtswunder mal anders

Der Stein rollt nun ziemlich unaufhörlich, und am 20. Dezember macht BBC Radio 1 allen Beteiligten ein ziemlich unterhaltsames Weihnachtsgeschenk: Das damals 17 Jahre alte Killing In The Name regiert in der Weihnachtswoche über die Singlecharts! Zwar ziehen schon eine Woche später wieder die X-Factor-Truppen um Gewinner Joe McElderry mit The Climb auf Platz 1, doch die Schlacht um den lukrativen Weihnachtshit können die Unbeugsamen als gewonnen verzeichnen. Da muss sogar Cowell einlenken und ruft persönlich bei den Morters an: Er wünscht dem Paar alles Gute und bedankt sich für das spannende Wettrennen. Stellen sich bei dem Meinungsumschwung nur bei uns die Nackenhaare auf?

Die Geschichte bringt durchaus weihnachtlich-wohlige Konsequenzen mit sich: X-Factor spendet jährlich einen Anteil der Einnahmen an gemeinnützige Einrichtungen, weswegen die Morters auch mit ihrer Aktion etwas Geld sammeln wollen. Für die Organisation Shelter, die Obdachlosen hilft, richten sie zu Beginn der Kampagne eine Spendenseite ein. Rage Against The Machine ziehen mit und versprechen, ihre Tantiemen ebenfalls zur Verfügung zu stellen. Als die Band im folgenden Sommer ein Dankes-Konzert für ihre britischen Fans gibt, überreicht man den Rädelsführern der Revolution einen Scheck: Mit ihrer Aktion sorgen Jon und Tracy Morter dafür, dass für Shelter rund 167.000 Pfund zusammenkommen. Sauber.

Erste Reunion-Konzerte angekündigt: Rage Against The Machine sind zurück!

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