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Popkultur

Surreale Perfektion in Handarbeit: Die Geschichte des ikonischen „Revolver“-Covers

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Beatles Revolver Cover

1966 bekam Klaus Voormann einen Anruf von John Lennon. Sechs Jahre nachdem er die Beatles im Hamburger Kaiserkeller kennengelernt hatte, erklärte ihm Lennon via Telefon, dass die Band gerade an ihrem neuen Longplayer arbeite. Dann die Frage:  „Hast du irgendwelche Ideen für unser Albumcover?“

von Markus Brandstetter

Der Revolver-Schock

„Ich dachte mir: ‘Shit! Ich soll ein Cover für die berühmteste Band der Welt machen!’ In Momenten wie diesen konnte man leicht vergessen, dass sie irgendwann mal einfach Jungs aus Liverpool waren. Ich dachte mir: ‘Ich kann das nicht machen!’“, erinnert sich Voormann im Gespräch mit dem britischen Guardian.

Hört hier nebenbei Revolver:

Natürlich konnte er. Die Band lud ihn in die Abbey Road Studios in London ein, wo sie gerade an dem Album arbeiteten – gut zwei Drittel waren zu jenem Zeitpunkt bereits fertig. Voormann staunte über das, was ihn die Band hören ließ:  „Als ich die Musik hörte, war ich geschockt, sie war so großartig. Aber es war beängstigend, weil der letzte Song, den sie mir vorspielten, Tomorrow Never Knows war.“

Strichzeichnungen und Collagen

Es war dieser collagenhafte, mysteriöse und psychedelische Song, der für Voormann die Richtung für das Artwork prägte. Das Cover sollte eine Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart der Beatles schlagen, von den frühen Tagen der fröhlichen, unbeschwerten Jungs hin zu den psychedelischen Studio-Experimentatoren und popkulturellen Schwergewichten.

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„Ich wusste, die Fans wollen schön viele Fotos von den Jungs sehen. Dann wollen sie ihre Gesichter schön sehen. Dann hab ich gedacht, ich versuche mal diese als Strichzeichnung zu stilisieren. Und dann: Was ist das wichtigste oder das größte Merkmal? Das kann sich heute keiner mehr vorstellen, aber das waren damals die Haare. Der berühmte Pilzkopf“, erzählte er gegenüber Deutschlandfunk über seine Herangehensweise.

Drei Wochen arbeitete insgesamt am Cover. Mit schwarzer Tinte fertigte er Strichzeichnungen der vier Musiker an, mit Schere und Klebstoff collagierte er ältere Fotos und machte das Artwork so zu einem surrealen und unvergesslichen Mix. Die Schwarz/Weiß-Optik von Voormanns Arbeit stach damals definitiv aus dem Hypercolor-Zeitgeist jener Tage heraus.

Viel Ehr’, wenig Geld

Die Band sowie Manager Brian Epstein zeigten sich begeistert von Voormanns Werk. Allerdings machte sich diese Wertschätzung finanziell nicht bemerkbar – denn die EMI gab Voormann für seine Arbeit gerade einmal vierzig Pfund, wie er sich erinnerte. Dafür gab es eine Wertschätzung ganz anderer Art: 1967 bekam der Künstler für seine Arbeit den Grammy für das beste Albumcover.

Beatles Revolver Cover

Das Cover von Revolver gilt als eines der besten Album-Artworks aller Zeiten — und als perfekte visuelle Ergänzung zu einem der bemerkenswertesten Alben der Popgeschichte. Zum 50. Geburtstag veröffentlichte Voormann (dessen bemerkenswertes Werk weit umfassender ist als nur dieses eine, wenngleich weltberühmte, Albumcover) eine Graphic Novel mit dem Titel Birth Of An Icon REVOLVER 50, die sich mit der Entstehungsgeschichte beschäftigt.

PS: Voormann als Musiker

Später sollte Voormann immer wieder mit Mitgliedern der Beatles zusammenarbeiten – als Bassist. Er war Teil der Plastic Ono Band und spielte auf Singles und Solo-Alben von John Lennon (unter anderem auf Imagine), George Harrison (unter anderem auf All Things Must Pass) und Ringo Starr (unter anderem auf Ringo und Goodnight, Vienna).

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Neben den Beatles arbeitete er unter anderem mit Manfred Mann, Lou Reed (Voormann spielt u.a. Bass auf Perfect Day), Harry Nilsson, BB King und etlichen anderen.

Regelmäßig nehmen wir ikonische Artworks genauer unter die Lupe. Lest hier noch mehr Cover Storys.

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