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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.4.1994 stirbt Nirvana-Sänger Kurt Cobain

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute:

von Christof Leim und Andrea Leim

 

Am 5. April 1994 verliert die Rockwelt eine musikalische Ikone: Kurt Cobain von Nirvana nimmt sich in seinem Haus in Seattle das Leben. Dies ist die Geschichte seiner letzten Tage. Rest in peace.


Hör hier in die besten Nirvana-Songs rein:

Klick auf „Listen“ für das ganze Album.

Als Elektriker Gary Smith am Morgen des 8. April 1994 am Haus von Courtney Love und Kurt Cobain im Stadtteil Lake Washington in Seattle ankommt, öffnet ihm niemand die Tür. Allerdings erwartet er das auch nicht, er soll lediglich im Auftrag von Cobain Lichtschranken installieren, um die Sicherheit auf dem Grundstück zu erhöhen. Und so beginnt Smith mit seiner Arbeit an dem dreistöckigen Haus. Einige Kabel verlaufen vom Dach in den kleinen Raum direkt über der Garage, was sich der Handwerker genauer anschauen will. Er blickt durchs Fenster und versteht zuerst gar nicht, was er da entdeckt: Am Boden sieht er einen Menschen, in dessen blonden Haaren Blut klebt. Auf dem leblosen Körper befindet sich ein Gewehr.

Vor den Augen von Elektriker Gary Smith liegt der tote Kurt Cobain, einer der größten Rockstars seiner Zeit. Mit nur 27 Jahren hat sich der Gitarrist, Sänger und Songwriter von Nirvana das Leben genommen – ein tragisches und trauriges Ende eines geplagten Künstlers, dessen Musik Millionen auf der ganzen Welt berührt und die Neunziger maßgeblich geprägt hat.

In der Zeit unmittelbar vor dieser Verzweiflungstat geht es Cobain eindeutig nicht gut: Erst am 1. April war er aus einer Entzugsklinik in Los Angeles geflohen und zurück nach Seattle geflogen. Sechs Therapieanläufe bricht der Sänger zeitlebens ab und schafft es einfach nicht, von seiner starken Heroinsucht loszukommen. So muss er Anfang März kurz vor seinem letzten Entzugsversuch die Europatour zum dritten Album In Utero wegen gesundheitlicher Probleme abbrechen. Das Konzert in München am 1. März 1994  sollte sein letztes sein. Am 2. März reist der Musiker mit seiner Frau nach Rom, wird dort jedoch zwei Tage später in ein Krankenhaus eingewiesen. Cobain liegt tagelang im Koma. Berichten, wonach es sich um einen Suizidversuch gehandelt haben soll, widerspricht er später und erklärt, er habe lediglich aus Versehen eine Überdosis an Schlafmittel genommen und dazu Alkohol getrunken.

Nicht zuletzt wegen dieses Vorfalls versuchen zu Hause in Seattle Freunde, Familienmitglieder und seine Frau Courtney auf ihn einzureden, sich endlich dabei helfen zu lassen, von den Drogen wegzukommen. Besonders im Umgang mit seiner erst zweijährigen Tochter Francis Bean spielt die Sucht eine Rolle. In einem Interview kurz nach Kurt Cobains Tod berichtet seine Witwe unter Tränen davon, wie sie ihm einmal mitgeteilt habe, dass er sein Baby im Rausch habe fallen lassen. „Vermutlich hätte ich ihm das so nicht sagen dürfen. Dem Kind ist damals nichts passiert, doch er machte sich unglaubliche Vorwürfe.“

Genug jedenfalls, um sich noch einmal einweisen zu lassen. Zuvor fährt er am Morgen des 30. März allerdings zu einem Waffengeschäft, kauft sich ein Gewehr und Munition. Am Nachmittag kutschiert ihn Chauffeur Harvey Ottinger dann zum Flughafen, wo Cobain wenig später in eine Maschine nach Los Angeles steigt, um sich in eine Entzugsklinik zu begeben. Doch bevor er aus der Limousine steigt, fällt ihm auf, dass er die Munition noch bei sich trägt. „Als er das merkte, sagte er ‚oh fuck‘, weil er wusste, dass er sie natürlich nicht mitnehmen konnte“, erinnert sich der Fahrer in der Dokumentation The Last 48 Hours Of Kurt Cobain. „Ich musste ihm versprechen, die Kugeln zurück zu seinem Haus zu bringen. Das war ihm äußerst wichtig.“

Das Haus von Cobain und Love in Lake Washington in Seattle (Pic: Etsy Ketsy/Wiki Commons)

Cobain checkt in die Klinik ein, hält es dort jedoch nur einen Tag aus und flieht am 1. April, indem er über eine Mauer der Einrichtung klettert. Obwohl sich seine Frau zu dem Zeitpunkt in Los Angeles befindet, reist der Sänger direkt zurück nach Seattle. Im Flugzeug sitzt er zufällig neben Duff McKagan von Guns N’ Roses, der später erklärt: „Ich wusste instinktiv, dass etwas nicht stimmt.“ In Seattle taucht Kurt unter. Wie später bekannt wird, verbringt er einige Zeit in einem Motel namens Marco Polo in einem heruntergekommenen und bei Drogenabhängigen bekannten Viertel Seattles. Die Nacht kostet hier 18 Dollar, Kurt bleibt – wie zuvor schon häufiger – in Zimmer 226.

Am 3. April gibt Love eine Vermisstenanzeige auf und engagiert einen Privatdetektiv, der nach ihrem Mann suchen soll. Noch am gleichen Abend wird der allerdings beim Essen mit Freunden bei seinem liebsten mexikanischen Restaurant in Seattle gesehen. Nach Aussagen des Inhabers wird die Kreditkarte von Cobain abgelehnt, denn Courtney hatte alle Karten sperren lassen. Also schreibt er einen Scheck, besser gesagt: Er versucht es. Offenbar steht der Musiker stark unter Drogen und schafft es nur mit Anstrengung, das Zahlungsmittel ordnungsgemäß auszufüllen. Zwar ärgert den Rockstar die Sache mit der Kreditkarte, er scheint ansonsten aber guter Laune zu sein.

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Einen Tag vor seinem Tod, am 4. April, wird Kurt Cobain zum letzten Mal lebend gesehen, als er abends in eine Kneipe namens Linda’s Bar geht. Ein Gast erinnert sich zwar daran, dass der Musiker den Laden betritt und direkt nach hinten durchgeht, doch niemand sieht, wie er ihn wieder verlässt. Was in den darauffolgenden Stunden passiert, wird nie geklärt. Sicher ist nur, dass Elektriker Gary Smith den Sänger erst am 8. April findet. Die Autopsie lässt später darauf schließen, dass Cobain gegen Mittag des 5. April mit einer sehr hohen Dosis Heroin im Blut den Freitod wählte.

Cobain hinterlässt einen Abschiedsbrief, der mit einem Zitat des Neil-Young-Songs My My, Hey Hey (Out Of The Blue) endet: „It’s better to burn out than to fade away.“ Hier schreibt der Sänger darüber, wie sehr er die Begeisterung für die Musik verloren hat und wie wenig er mit seiner Situation klarkommt, obwohl er eigentlich Freude empfinden sollte. Er spricht von einer „Göttin von Frau“ an seiner Seite und der kleinen Tochter „voller Liebe und Freude“. Traurig. Hätte der Mann sich nur helfen lassen…

Die Grunge-Ikone wird am 14. April eingeäschert, seine Witwe verteilt einen Teil der Asche an unterschiedlichen Orten, unter anderem im Wishkah River im Bundesstaat Washington. Seine Heimatstadt Aberdeen weiht im Jahr 2011 den Kurt-Cobain-Gedenkpark ein, denn ein offizielles Grab des Sängers gibt es nicht. Natürlich entstehen jede Menge Verschwörungstheorien darüber, wie der Musiker starb, mehrfach ist von Mord die Rede, auch seine Frau wird beschuldigt. Fest steht aber, dass es bis heute keine weiteren Ermittlungen gibt.

Mit Kurt Cobains Tod hat die Rockmusik eine wichtige Stimme verloren, die den Geist, die Befindlichkeit einer ganzen Generation einfangen konnte. Noch heute gehört er zu den größten Idolen unserer Zeit, dessen Werken einen erheblichen Einfluss auf die Rockmusik hatte und noch immer hat.

Depressiv? Hier bekommst du Hilfe: Wenn du selbst depressiv bist oder Selbstmordgedanken hast, kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhältst du Hilfe von Beratern, die dir Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Zeitsprung: Am 1.3.1994 spielen Nirvana in München ihr letztes Konzert.

Popkultur

Bowie, Banken und Urin: 5 Dinge, die ihr über Placebo-Dandy Brian Molko noch nicht wusstet

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Brian Molko
Foto: Ricardo Rubio/Europa Press via Getty Images

Die Geschichte der Rockmusik wäre ohne Placebo und vor allem ihren androgynen Frontmann Brian Molko anders verlaufen. Zum 50. Geburtstag des ewig jungen Peter Pan des Rock’n’Roll haben wir mal ein paar Dinge zusammengetragen, die ihr vielleicht noch nicht wusstet. Aber Achtung: Eins ist ziemlich eklig.

von Björn Springorum

Ach, Brian Molko. Was war da los, als er in den Neunzigern mit Placebo die Alternative-Rock-Welt im Sturm erobert und mit Eyeliner, aufwühlenden Texten über Mental Health, Obsession, Sucht und Femininität einen dringend benötigten Gegenpol zum ewigen Schwanzvergleich der Alphamännchen liefert. Brian Molko, dieser zierliche, verletzlich wirkende Künstler mit den traurigen Augen, wird zur Ikone, zur Galionsfigur einer ganzen Generation. Zu seinem 50. Geburtstag blicken wir auf die unbekannte Seite des Sängers und seine teilweise gewöhnungsbedürftigen Marotten.

1. Brian, der Banker

Wenn es nach Brian Molkos Vater gegangen wäre, einem jüdischen Amerikaner mit französischen und italienischen Wurzeln, wäre der junge Brian ein Banker geworden. Molkos Reaktion ist Rebellion und Aufbegehren, er legt sich sein androgynes Image zu, trägt Nagellack und Lippenstift. Seine Schule verlässt er bald darauf, weil er gemobbt wird, und findet erst in seinem Schauspielstudium in London Erfüllung. Indirekt ist es also Molkos Vater zu verdanken, dass es Placebo überhaupt gibt. Thanks, Dad!

2. Mittelfinger für Homophobie

Brian Molko ist bisexuell. Zu Beginn seines meteoritenhaften Aufstiegs zum Idol und Sexsymbol spielt er gern mit Geschlechterklischees, um gegen Homophobie in der Musik vorzugehen. „Ich wollte, dass homophobe Typen zu unseren Konzerten kommen und denken: ‚Wow, mir gefällt die Sängerin. Ist die heiß!‘ Später würden sie dann herausfinden, dass der Sänger Brian heißt, was dann vielleicht dazu führt, dass man sich ein paar Fragen stellt.“

3. Dreckige Stiefel

Der Song, der Brian Molkos Leben ganz offiziell ändert, ist Dirty Boots vom wegweisenden Sonic-Youth-Album Goo. „Mein Kumpel Nick und ich waren 16, er kam zu mir, wir rauchten einen Joint, löschten das Licht und legten Goo auf“, erinnert sich Molko mal. „Damals spielte ich seit drei Jahren Gitarre, aber alles, was ich glaubte, mit einer elektrischen Gitarre tun zu können, löste sich an diesem Tag in Luft auf. Ein ganzes Universum neuer Möglichkeiten lag vor mir. Bis heute sind Sonic Youth wahrscheinlich mein größter Einfluss. Sie sind die größte Rock’n’Roll-Band aller Zeiten.“

4. Rat vom Starman

Die Freundschaft zwischen Brian Molko und David Bowie gehörte zu den besonders heilsamen Momenten in diesem ganzen irrsinnigen Rock’n’Roll-Karneval. Erst gehen Placebo auf Einladung von Bowie mit ihm auf Tour, später nehmen sie gemeinsam Without You I’m Nothing auf. Das wichtigste Detail dieser Beziehung liegt jedoch im Einfluss, den Bowie auf den damals sehr unsicheren, eskalativen, berauschten Molko hat: „David machte mich zu einem besseren Menschen. Mir wurde das aber erst nach seinem Tod klar. Damals war ich bei Weitem zu

5. Angepisst

Vor vielen Jahren gaben Placebo regelmäßig Meet And Greets für Wettbewerbsgewinner*innen. Bei einem kommt es zu einer unschönen Szene, Molko wird sehr unangenehm belästigt. Seither pinkelte er vor einem dieser Treffen stets auf seinen Zeigefinger. „Sie liefen alle mit ein klein wenig Molko-DNA davon“, sagte er mal. Ist aber lange her, wie er versichert.

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10 Songs, die jeder Placebo-Fan kennen muss

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Tarja im Interview über 15 Jahre „My Winter Storm“: „Ich spürte, dass ein neues Kapitel in meinem Leben begann“

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Tarja
Foto: Frank Hoensch /Getty Images

15 Jahre ist es her, dass Tarja Soile Susanna Turunen Cabuli — besser bekannt nur unter ihrem Vornamen Tarja — ihr Soloalbum My Winter Storm veröffentlichte. Der Longplayer war zwar genaugenommen nicht ihr Solo-Debüt (das war nämlich das finnischsprachige Weihnachtsalbum Henkäys ikuisuudesta, das noch während ihrer Zeit bei Nightwish erschien) – aber ohne Zweifel ein riesengroßer Befreiungsschlag und Meilenstein in ihrem Leben. Zwei Jahre trennten sich Nightwish von Tarja — jene Band, die sie mitgegründet und mit ihrer Stimme so maßgeblich geprägt hatte. Ein schwerer Schlag und ein großer Wendepunkt für die finnische Musikerin.. Umso erfreulicher war es natürlich, dass My Winter Storm bei Fans voll ins Schwarze traf. Das Album wurde zum Riesenerfolg — und zum Fundament für eine immer noch erfolgreiche Solokarriere. Im uDiscover-Interview spricht Tarja darüber, wie alles begann — und wie es sich anfühlt, in Buchform auf ihre Karriere zurückzublicken.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch My Winter Storm anhören:

Dein Soloalbum My Winter Storm wird dieses Jahr 15 Jahre alt. Kannst du ein wenig über deine Einstellung zu dieser Zeit erzählen – und woran du dich am meisten an diese Zeit erinnerst?

Der Beginn meiner Solokarriere war für mich persönlich eine super spannende Zeit. Ich wollte schon an meiner eigenen Musik arbeiten, als ich noch in der Band war, aber als es dann wirklich losging, fühlte sich alles wie ein Traum an. Jede Person, die mit mir arbeitete, war neu für mich, und ich musste erst einmal Vertrauen zu ihr fassen. Das war schwer, zumal ich nach dem, was mit mir und der Band passiert war, leider jegliches Vertrauen in die Menschheit verloren hatte. Ich war nicht stark genug, um einigen Leuten gegenüberzutreten und ihnen zu sagen, dass mir die Dinge nicht gefielen, wie sie liefen, aber ich habe es irgendwie geschafft, meine Stimme zu finden. Auch das Songschreiben war neu für mich, und ich war mir nicht sicher, ob ich es in mir hatte oder nicht. Erst nach einigen Jahren und mehr Erfahrung begann ich mich beim Songschreiben wohl zu fühlen und hatte keine Angst mehr davor. Für mich klingt mein Debüt-Rockalbum ziemlich unschuldig und erinnert mich daran, wie nervös ich damals war, aber es hat mich beflügelt, meine Karriere zu starten und auf eine bessere Zukunft zu hoffen.

Hattest du von Anfang an eine feste Vorstellung, wohin du mit deiner Solokarriere gehen wolltest?

Auf jeden Fall. Ich hatte ein kristallklares Bild davon, was ich erreichen wollte, aber ich war mir nicht so sicher, wie ich es erreichen sollte. Um meine Ziele zu erreichen, brauchte ich Menschen, die mir helfen, und ich musste mein Selbstvertrauen finden, um sie zu führen. Das war nicht leicht, aber ich bin immer meinem Herzen gefolgt, und nie hat mir jemand gesagt, was ich mit meiner Kunst tun sollte.

My Winter Storm war ein riesiger Erfolg. Es wurde in verschiedenen Ländern mit Gold oder Platin ausgezeichnet — auch in Deutschland. Ich kann mir vorstellen, dass ein solcher kommerzieller Erfolg eine große Erleichterung nach der ganzen Band-Situation gewesen sein muss?

Natürlich war es das, aber was mich noch glücklicher machte, war die Tatsache, dass ich endlich frei war, mich selbst auszudrücken. Ich spürte, dass ein neues Kapitel in meinem Leben begann, und ich war froh, diese Seite aufzuschlagen und weiterzumachen. Es war die Zeit, in der ich produktiv, kreativ und frei sein konnte.

In Deutschland bist du vor allem in der Metal- und Rockszene bekannt, in Finnland reicht deine Popularität weit darüber hinaus. Ist das für dich ein spürbarer Unterschied, was den Kontakt zu den Fans in beiden Ländern angeht und wie du wahrgenommen wirst?

Ja, das ist ein großer Unterschied. In Finnland bin ich eine Berühmtheit, eine öffentliche Person, wenn man so will. Mein Privatleben ist Gegenstand des Medieninteresses, und manchmal war es für mich ziemlich schwierig, damit umzugehen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich nicht mehr in meinem Heimatland lebe. Als Künstlerin stehe ich gerne im Mittelpunkt, aber als Einzelperson bin ich nicht bereit, diese Last zu tragen. Seit Beginn meiner Karriere war mir klar, dass ich diese beiden Dinge in meinem Leben getrennt halten möchte. Mein Privatleben gehört mir. Das brauche ich, um mit einem gesunden Herzen Musik machen zu können.

Finnland scheint ein sehr gutes Umfeld für Musiker zu sein, da viele großartige Bands und Künstler von dort kommen, nicht nur im Rock und Metal, sondern auch im Jazz – in gewisser Weise vergleichbar mit Island. Siehst du das auch so – und wenn ja: warum denkst du, dass das so ist?

Du hast die Landschaft erwähnt. Sie ist ein inspirierender und wichtiger Einfluss für die Künstler in meinem Land, und das war schon immer so. Finnland ist ein ziemlich großes Land mit viel Natur und natürlichen Ressourcen, aber nicht zu vielen Menschen und überfüllten Orten. Unsere Natur ist sehr wichtig für uns. Wir wissen sie zu schätzen und sind stolz auf das, was wir haben. Es ist ziemlich schwierig, die dunklen und kalten Winter zu überstehen, und wenn im Frühling die Sonne am Himmel erscheint, ist jeder ein bisschen überwältigt von der Energie, die von ihr ausgeht. Jede Jahreszeit ist sehr unterschiedlich und dennoch inspirierend.

Letztes Jahr hast du dein Buch Singing In My Blood veröffentlicht, das du im ersten Jahr des Lockdowns geschrieben und zusammengestellt hast. Wie hat sich dieser Rückblick auf deine bisherige Karriere angefühlt, vor allem in einer sehr seltsamen Zeit wie dieser, in der alles still stand?

Die Arbeit an dem Buchprojekt war für mich teilweise wie eine Therapie. Es hat mir bewusst gemacht, wie reich mein Leben war und wie viel ich als Mensch schon erlebt habe. Es hat mich Dankbarkeit spüren lassen. Gerade wenn die Welt stillzustehen schien, musste ich mich auf das Buch konzentrieren, um das Gefühl zu haben, dass ich noch lebe. Es war wundervoll, Hunderte von Fotos durchzugehen, Menschen zu interviewen, die im Laufe der Jahre mit mir gearbeitet haben, und die Erinnerungen wieder aufleben zu lassen, die ich vergessen hatte. Ich habe die Arbeit an dem Buch wirklich genossen.

Was hättest du zu Beginn deiner Karriere gerne gewusst, was du heute weißt?

Ich hätte einige Änderungen an meinen Lebensumständen auf Tournee vorgenommen, um Stresssituationen zu vermeiden und mich zu schonen.

Du veröffentlichst gerade deine erste Best-of-Platte veröffentlicht. Im Grunde habe ich dazu die gleiche Frage wie bei dem Buch: Was war das für ein Gefühl, an einem solchen Rückblick zu arbeiten?

Der emotionalste Teil war für mich die Erkenntnis, dass es mir gelungen ist, eine lange Karriere aufzubauen, in der ich mich frei fühle, meine Kunst zu schaffen, ohne dass jemand die Fäden zieht und mir sagt, was ich tun soll. Die Jahre sind ziemlich schnell vergangen und ich habe es geschafft, an mehreren erfüllenden Veröffentlichungen und Projekten zu arbeiten. Es hat lange gedauert, an dieser Veröffentlichung zu arbeiten. Es ist ein Album, das mir genauso wichtig ist wie jedes andere von mir und ich war froh, es zusammenzustellen; ein Paket aus drei Alben und einer Live-Show. Ich bin meinen Fans einfach super dankbar für ihre Unterstützung und Liebe. Ohne sie würde ich meinen Traum nicht leben.

Es gibt einen neuen Song auf dem Album namens Eye Of The Storm. Kannst du ein wenig über diesen Song erzählen?

Der Song ist schon vor langer Zeit entstanden. Ich erinnere mich, dass ich damals auf der Suche nach meinem Platz in der Welt war. Ich hatte sowohl in Finnland als auch in Argentinien ein Haus und sogar ein Sommerhaus in Antigua in der Karibik, wohin ich zwischen meinen Tourneen fuhr, um mich zu erholen. Wir waren damals als Familie ständig auf Reisen. Ich war gerade erst Mutter geworden und war mir nicht sicher, wo ich hingehöre und was mein Herz will, also schrieb ich ein Lied darüber. Künstlerisch war ich zu der Zeit bereit, die Welt zu erobern und wollte alle neuen Informationen aufsaugen und alles über Musik lernen, aber persönlich fühlte ich einen Aufruhr in mir. Der Song ist von zwei sehr wichtigen Ländern in meinem Leben inspiriert, Argentinien und Finnland. Man kann auch einen Einfluss von Astor Piazzola und Jean Sibelius darin hören.   Nach vielen Jahren und vielen Entscheidungen hatte ich das Gefühl, dass ich bereit war, diesen Song zu veröffentlichen, weil ich endlich Frieden in mir selbst gefunden habe und mich großartig fühle. Diese Best-Of-Veröffentlichung fühlte sich wie der perfekte Ort dafür an.

Du hast kürzlich in einem Interview erwähnt, dass du während der Pandemie sehr produktiv warst. Auf welche neuen Projekte können wir uns freuen – und wird es ein neues Album geben?

Ich arbeite derzeit an drei Albumveröffentlichungen gleichzeitig! Ihr könnt in den nächsten Monaten Single- und Albumveröffentlichungen von meinem elektronischen Projekt Outlanders erwarten. Außerdem schreibe ich Songs für die kommende Rock-Veröffentlichung, die ihr 2024 erwarten könnt. Was das dritte Album angeht… das ist noch ein Geheimnis. Im nächsten Jahr gibt es eine Menge Tourneen: die letzten In the Raw-Touren im Februar und März in Europa und Best of-Konzerte im Rest des Jahres. Am Ende des Jahres gibt es natürlich noch eine Weihnachtskonzerttournee …und vieles mehr. Ich hoffe, wir sehen uns irgendwo unterwegs!

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Popkultur

10 Songs, die jeder Fan von Otis Redding kennen sollte

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Foto: Sulfiati Magnuson/Michael Ochs Archives/Getty Images

Man nennt ihn den „King Of Soul“. Obwohl Otis Redding nur 26 Jahre alt wurde, hat der Sänger und Songschreiber aus Georgia der Welt zahlreiche Hits hinterlassen. Wir haben die zehn besten ausgesucht. Manche davon hat er selbst geschrieben, andere nicht — und ein Song wurde vor allem durch Aretha Franklin weltberühmt.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch unsere Empfehlungen von Otis Redding anhören:

Zur Welt kommt Otis Redding am 9. September 1941 in Macon, Georgia. Den Ort kennt ihr bereits? Klar, denn auch Little Richard und die Allman Brothers Band kommen aus dem „Herzen Georgias“, wie die Stadt aufgrund ihrer zentralen Lage genannt wird. Mit 15 bricht Redding die Schule ab und arbeitet mit Little Richards Band The Upsetters. Seine erste Single als Profi veröffentlicht er 1962, danach nimmt seine Karriere mächtig Fahrt auf. Fünf Jahre später endet sie auf tragische Weise schon wieder, denn am 10. Dezember 1967 kommt Redding im Alter von nur 26 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Schauen wir uns mal an, was er zu Lebzeiten für Hits aufgenommen hat und welche Songs uns posthum noch begeistert haben.

1. Stand By Me (1964)

Diese legendäre Nummer stammt aus dem Jahr 1961 und wurde von Ben E. King und einem Herrn namens Elmo Glick komponiert. Was nicht alle wissen: Hinter dem Pseudonym Elmo Glick verbirgt sich das Songschreiberduo Jerry Leiber und Mike Stoller, das Stücke wie Houng Dog, Jailhouse Rock und King Creole für niemand geringeren als Elvis Presley geschrieben hat. Redding verleiht dem jazzigen Stand By Me in seiner Interpretation etwas mehr Funk, was nicht zwingend besser klingt, aber auf jeden Fall nach seiner Handschrift.

2. Respect (1965)

Bei Respect verhält es sich ein wenig anders: Diesen Song hat Redding zwar selbst geschrieben, doch zum Hit wurde das Stück erst durch Aretha Franklin. R-E-S-P-E-C-T: Selten wurde eine Aneinanderreihung von Buchstaben so eindrucksvoll vorgetragen. Das sieht Komponist Redding genauso, denn gleich nachdem er Franklins Version zum ersten Mal gehört hat, soll er gesagt haben: „Nun, ich glaube, der Song gehört jetzt ihr.“ Damit sollte er Recht behalten, doch die Grundlage für den Mega-Erfolg der „First Lady Of Soul“ liefert sein Song.

3. I Can’t Turn You Loose (1965)

Bei I Can’t Turn You Loose handelt es sich um einen klassischen Fall einer B-Seite, die erfolgreicher ist als ihre A-Seite, denn eigentlich erscheint die Nummer 1965 als Rückseite der Single Just One More Day. Einen zweiten Frühling beschert dem Song der Filmklassiker Blues Brothers mit Dan Aykroyd und John Belushi, die ihre Shows standesgemäß mit I Can’t Turn You Loose eröffnen. Besonders empfehlenswert: die Version von der Live-Platte Otis Redding In Person At The Whiskey A Go Go.

4. My Girl (1965)

Diesen Song verbinden Soul-Fans vor allem The Temptations, denn 1964 landet die Motown-Band mit My Girl ihren ersten Nummer-eins-Hit in den USA. Geschrieben haben das Stück Smokey Robinson und Ronald White; als Inspiration nennt Robinson seine Frau Claudette Rogers Robinson von der Band The Miracles. Als Otis Redding das Stück 1965 in seiner Version veröffentlicht, stürmt er damit zwar nur in Großbritannien die Charts, bereichert die Welt des Soul aber um eine starke Interpretation des Temptations-Klassikers.

5. Cigarettes And Coffee (1966)

Cigarettes And Coffee, der unter anderem aus der Feder von Impressions-Sänger Jerry Butler stammt, veröffentlicht Redding 1966 auf seinem vierten Album The Soul Album. In dem Stück geht es um eine ganz einfache, aber deshalb nicht weniger schöne Sache: mit der Freundin lange aufzubleiben. Bei diesem Song handelt es sich ohne Zweifel um eine der schönsten Soul-Balladen aller Zeiten.

6. Fa-Fa-Fa-Fa-Fa (Sad Song) (1966)

Zugegeben, beim Aussprechen dieses Songtitels mag man sich ein wenig dumm vorkommen, doch für Otis Redding markiert die Nummer einen seiner größten Hits. Besonders großen Spaß macht das Frage-Antwort-Spiel, das sich Redding mit den Bläser*innen liefert.

7. Try A Little Tenderness (1967)

Try A Little Tenderness taucht gleich auf mehreren „Die besten Songs aller Zeiten“-Listen auf und zwar aus gutem Grund: Von der Bläsersektion am Anfang über Reddings bärenstarke Stimme bis hin zur einfühlsamen Produktion von Jim Stewart, Isaac Hayes und Booker T. & The M.G.’s: In dieser Nummer bringt Redding viele seiner Stärken unter einen Hut und zaubert eine Soul-Ballade der Extraklasse.

8. (Sittin’ On) The Dock Of The Bay (1968)

Bei (Sittin’ On) The Dock Of The Bay handelt es sich um die erste posthume Single, die je die Spitze der US-Charts erreicht hat. Der Song erscheint am 8. Januar 1968, also knapp einen Monat nach Reddings Tod durch einen Flugzeugabsturz, und trifft aufgrund seiner emotionalen Aufladung direkt ins Herz Amerikas. Den Text zum Lied beginnt Redding, als er Zeit auf seinem Hausboot in Kalifornien verbringt. Den Mix übernimmt Co-Autor, Produzent und Stax-Legende Steve Cropper, der den Song um das charakteristische Möwengeschrei und die Meeresgeräusche erweitert, wie Redding es sich vor seinem Tod noch gewünscht hatte.

9. Hard To Handle (1968)

Hard To Handle zählt, genau wie Respect, zu den Songs, die Redding an jemand anderen verloren hat. Zwar gelingen mit dem Song auch kleine Erfolge als er 1968 nach Reddings Tod erscheint, doch zum Mega-Hit wird das Stück erst 1990 durch die Black Crowes, denen mit Hard To Handle der Durchbruch gelingt.

10. Love Man (1969)

Auch Love Man erscheint posthum und dient als Titeltrack für das gleichnamige Album von 1969. Dieser tanzbare Soul-Klassiker markiert das Ende unserer Auflistung, aber nicht das Ende des Vermächtnisses von Otis Redding. Seine Songs haben bereits 50 Jahre überdauert und werden uns sicher auch weitere 50 Jahre erhalten bleiben. Gut so, denn man nennt Redding nicht umsonst „King Of Soul“. Rest in peace, King!

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