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Popkultur

20 Songs über den Mond: Der Soundtrack zu 50 Jahren Mondlandung

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NASA [Public domain]

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit!“: Als Neil Armstrong und Buzz Aldrin am 21. Juli 1969 als erste Menschen den Mond betreten, wissen sie, dass sie damit in die Geschichte eingehen — nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Popkultur. Zum Jubiläum der Mondlandung haben wir 20 passende Songs ausgesucht.

von Timon Menge

Frank Sinatra – Fly Me To The Moon

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Eine Zusammenstellung von Mond-Songs ohne Fly Me To The Moon kann niemand ernst nehmen. Bereits seit 1954 weckt der Klassiker des Komponisten Bart Howard Sehnsüchte. Die Sinatra-Version erscheint zehn Jahre später, aber immer noch fünf Jahre vor der Landung. Außerdem handelt es sich offiziell um das erste Stück, das auf dem Mond zu hören ist, denn noch bevor Astronaut Buzz Aldrin ihn betritt, schaltet er das Lied an.

Duke Ellington – Moon Maiden

Als das Ereignis im Juli 1969 stattfindet, sendet ABC eine Sondersendung von stolzen 30 Stunden Laufzeit. Dafür gibt der US-Fernsehsender unter anderem einen Song bei der Jazzlegende Duke Ellington in Auftrag. Der schreibt daraufhin ein Stück für Piano, Bass und Schlagzeug — und singt zum ersten Mal selbst.

Pink Floyd – Moonhead

Auch in Großbritannien wird die Mondlandung übertragen, und zwar von der BBC. Den Soundtrack liefern: Pink Floyd. In einem Studio jammen sie live zur Landung, wobei der Song Moonhead entsteht. „Es war fantastisch, sich vorzustellen, dass wir dieses Stück Musik erschaffen, während die Astronauten auf dem Mond stehen“, schreibt David Gilmour in einem Artikel für The Guardian. Moonhead erscheint nie offiziell, dafür auf zahlreichen Bootlegs. 

Zager & Evans – In The Year 2525

Zager & Evans kennt man in der Regel für genau einen Song — und zwar für diesen. In etwas mehr als drei Minuten erzählt das Musikerduo, was in den Jahren von 2525 bis 10000 so alles passieren könnte. Als Apollo 11 auf dem Mond landet, belegt In The Year 2525 gerade die Spitze der Billboard-Charts.

David Bowie – Space Oddity

Nur wenige Monate nach dem Ereignis veröffentlicht David Bowie sein gleichnamiges Album — das zweite in seiner Diskografie. Mit Space Oddity enthält die Scheibe einen der wohl bekanntesten Weltraumsongs überhaupt. Die Inspiration für das Stück liefert der Film 2001: A Space Odyssey (1968) von Stanley Kubrick; 2013 erklingt Space Oddity zum ersten Mal im Weltraum.

Creedence Clearwater Revival – Bad Moon Rising

John Fogerty soll Bad Moon Rising geschrieben haben, nachdem er den Film Der Teufel und Daniel Webster von 1941 sah. In jenem Streifen taucht ein Hurrikan auf, was Fogerty laut eigener Aussage dazu inspiriert habe, einen metaphorischen Song über die naheliegende Apokalypse zu komponieren.

Janis Joplin – Half Moon

Buchstäblich bis zu ihrem Tod arbeitet Janis Joplin an ihrem letzten Album Pearl. Mercedes Benz singt sie am 1. Oktober 1970 ein, drei Tage später stirbt sie im Alter von nur 27 Jahren. Mit Half Moon enthält die Platte einen ihrer gesanglich stärksten Songs.

The Rolling Stones – Moonlight Mile

Bei Moonlight Mile handelt es sich um das letzte Stück, das für Sticky Fingers (1971) aufgenommen wurde. Als eine der wenigen Stones-Kompositionen liefert die Nummer einen Blick hinter die Kulissen des Rockstar-Daseins und offenbart einige der potenziellen Schattenseiten des Lebensstils, wie zum Beispiel Kokainsucht und Einsamkeit.

Elton John – Rocket Man (I Think It’s Going to Be a Long, Long Time)

Obwohl einer der berühmtesten Songs von Elton John zu einer Zeit entsteht, als das Thema Mondlandung gerade die Popkultur dominiert, verbirgt sich der textliche Ursprung woanders. Für einen seiner größten Würfe lässt sich Songschreiber Bernie Taupin von Ray Bradburys Kurzgeschichte The Rocket Man inspirieren. Die Produktion übernimmt Gus Dudgeon, der auch mit David Bowie zusammenarbeitet, als dieser Space Oddity einspielt. 

Can – Moonshake

Mit Moonshake zeigen sich Can 1973 von ihrer poppigen Seite. In gerade einmal drei Minuten beantworten die Kölner alle Fragen, üblicherweise brauchen sie dafür deutlich länger. Dennoch: Der Song eignet sich auch für längere Nächte im Mondschein. Wer hier jedes Detail erfassen möchte, kann nämlich ohne Weiteres für drei Stunden den Repeat-Knopf drücken.

Pink Floyd – Eclipse

Das legendäre Pink-Floyd-Album The Dark Side Of The Moon handelt zwar nicht tatsächlich vom Mond, sondern von Themen wie Habgier, Zeit, Tod und Geisteskrankheit; dennoch schaffen die britischen Psychedelic-Rocker auf ihrer achten Studioplatte akustische Sphären, die dem Titel der Scheibe ohne Weiteres gerecht werden. Das zweiminütige, von Roger Waters gesungene Stück Eclipse (übersetzt: Verfinsterung) schließt das Meisterwerk ab.

Thin Lizzy – Dancing In The Moonlight

Mit Dancing In The Moonlight (It’s Caught Me In Its Spotlight) zeigen sich Thin Lizzy 1977 von ihrer romantischen Seite und veröffentlichen einen Song für die Ewigkeit. Später sollen The Smashing Pumpkins und Alt-J das Stück covern. Verwechslungsgefahr: Bei Dancing In The Moonlight von King Harvest handelt es sich um eine andere Komposition!

The Police – Walking On The Moon

„Ich war betrunken in einem Hotelzimmer in München und sackte mit einem dicken Schädel auf das Bett, als mir dieses Riff in den Kopf kam“, erinnert sich Sting 1981 an die Entstehung des Liedes. „Ich bin aufgestanden und durch den Raum gegangen, dabei habe ich gesungen: ‘Walking round the room, ya, ya, walking round the room’. Das war alles. Im kühlen Morgenlicht fiel mir das wieder ein, und ich habe das Riff aufgeschrieben. Aber Walking Around The Room war ein dummer Titel, also dachte ich an etwas noch Dümmeres: ‘Walking On The Moon’.“ Dass der Einfall so dumm gar nicht war, beweist die anschließende Nummer-Eins-Platzierung der Single in Großbritannien.

Peter Schilling – Major Tom

Angelehnt an David Bowies Weltraumklassiker Space Oddity veröffentlicht Peter Schilling im November 1982 seine Single Major Tom (Völlig Losgelöst) und landet damit einen der größten Hits der Neuen Deutschen Welle. Gemeinsam mit Major Tom an Bord des Chartstürmers: jede Menge Weltraumbegeisterung. 

Ozzy Osbourne – Bark At The Moon

Okay, genau genommen geht es hier nur indirekt um den Mond und vielmehr um Werwölfe. Schwer zu entscheiden, was cooler ist. Auf die Liste der passenden Songs zum 50-jährigen Jubiläum gehört Bark At The Moon aber ohne Frage, denn seien wir mal ehrlich: Ozzy kommt auch irgendwie vom Mond.

Michael Jackson – Billie Jean

Billie Jean an sich hat mit dem Mond zwar so gar nichts zu tun, wohl aber der Tanz dazu: Am 16. Mai 1983 führt „King Of Pop“ Michael Jackson zum ersten Mal den legendären „Moonwalk“ auf, wenn auch zunächst in Form eines leicht abgewandelten „Backslide“. Der Unterschied: Der „Moonwalk“ verläuft im Kreis, der „Backslide“ auf einer gerade Linie. In den Jahren danach entwickeln sich beide Schritte zu Spezialitäten von Jackson.

Echo & The Bunnymen – The Killing Moon

Mit Killing Moon landen Echo & The Bunnymen im Jahr 1984 einen Charterfolg. Der Text fällt Frontmann Ian McCulloch buchstäblich im Schlaf ein, denn als er eines Morgens aufwacht, hat er die Zeilen im Kopf. Dass McCulloch sich auch astronomischer Metaphern bedient, erklärt er mit seiner kindlichen Begeisterung für den Weltraum. Die Akkorde des Stückes basieren auf David Bowies Space Oddity — allerdings rückwärts gespielt.

Neil Young – Harvest Moon

Den Song Harvest Moon widmet Neil Young seiner Frau Pegi Young, 1993 erscheint er. Für die Mondmetapher entscheidet sich der Komponist laut eigener Aussage, weil ihm das Thema sehr am Herzen liege, schon beinahe auf einer religiösen Ebene.

Beastie Boys – Intergalactic

Am 12. Mai 1998 liegt die Mondlandung zwar bereits um einige Jahrzehnte in der Vergangenheit; dennoch können die Beastie Boys mit ihrer Single Intergalactic noch einmal für mächtig Weltraumfurore sorgen. In den USA steigt der Song in die Top 40 ein, in Großbritannien sogar in die Top Ten. Ein Jahr später erhalten Mike D, Ad-Rock und MCA den Grammy für die „Best Rap Performance By A Duo Or A Group“.

Radiohead – Sail To The Moon

„Maybe you’ll be president, but know right from wrong. Or in the flood you’ll build an ark and sail us to the moon“ singt Thom Yorke hier — eine Botschaft an seinen damals recht frisch geborenen Sohn Noah, dass er alles erreichen kann, was er nur möchte. 

Ob Bowie, Pink Floyd oder die Beastie Boys: Der Weltraum und die Mondlandung haben auch 50 Jahre später nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Wir sprechen uns in einigen Jahrzehnten noch einmal — dann mit 20 Songs zur Marslandung.

Zeitsprung: Ab 8.7.1947 inspiriert der UFO-Absturz von Roswell unzählige Songwriter.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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Popkultur

„Hot Space“ verwandelt Queen vor 40 Jahren in eine Dance Pop-Band

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Queen
Foto: Kent Gavin/Mirrorpix/Getty Images

Vor 40 Jahren erschien Hot Space — jenes Queen-Album, das im Werk der legendären Band so richtig aus der Reihe tanzt. Betonung auf: Tanzt, denn hier regiert nicht heroischer Rock, sondern Disco. Bei vielen gilt die Platte als ungeliebter Ausreißer — wird ihr da Unrecht getan?

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Hot Space hören:

Es gab Zeiten, da betonten Queen noch extra, keinerlei Synthesizer in ihrer Musik zu verwenden. Im Juni 1981 gab’s dann aber eine ordentliche Kehrtwende in dieser Sache, denn als die Band ins Studio ging, um an ihrem neuen Longplayer zu arbeiten, wurden Synthesizer ein tragendes Element. Mehr noch: Queen vollzogen in den Augen vieler eine unverständliche Wandlung, denn plötzlich regierten Disco, Dance, R&B und Funk den Sound des britischen Quartetts. Damit nicht genug: Queen setzten sogar Drumcomputer ein — und die stets omnipräsente Leadgitarre von Brian May ordnete sich einer anderen Funktion unter.

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Roger Taylor sagt: John Deacon ist schuld

Geht es nach Schlagzeuger Roger Taylor, war es Bassist John Deacon, der die ersten musikalischen Impulse in diese Richtung setzte. „John war schon immer R&B-orientiert, unser Bassist, der Another One Bites The Dust schrieb, … was sich als die meistverkaufte Platte des Jahres herausstellte. Und ich glaube, das war der Song, der uns in diese Richtung katapultiert hat“, sagte Taylor damals — legte dann aber gleich nach, dass die Band mittlerweile der Meinung war, es etwas übertrieben zu haben. „Ich denke, wir sind zu weit gegangen und haben zu viel getan. … Jeder in der Band empfindet das jetzt so“, so Taylor.

Allerdings ist es nicht Deacon, dem im Nachhinein von der Band (minus Mercury) der schwarze Peter zugeschoben wurde — sondern Freddie Mercurys damaliger Manager Paul Prenter. Der war zwischen 1977 und 1984 für Freddies persönliche Angelegenheiten zuständig und übte in den Augen Taylors etwas zu viel Einfluss auf seinen Klienten aus. Und zwar so sehr, dass Taylor meinte, Prenter wollte Queen nach Gaybar klingen lassen. Eine Erklärung der etwas anderen Art hatte einer der Produzenten, Reinhold Mack, parat: Prenter habe Rockmusik gehasst — und habe Mercury regelrecht im Ohr gelegen.

Auch an die Aufnahmesessions an sich erinnert sich die Band nicht unbedingt gerne: Besonders die Aufnahmen in München (als zweiter Ort fungierte Montreux) zogen sich in die Länge. Die Band pflegte laut Brian May einen ungesunden Party-Lebensstil der in Orientierungslosigkeit resultierte.

Disaster und „Disco sucks“

Dass viele Fans und Kritiker*innen enttäuscht waren, ist wenig überraschend — denn Hot Space war definitiv eine Abkehr von dem, was die Band davor gemacht hatte. Der ehemalige Manager der Band, Jim Beach, sprach in der 2011 erschienenen Doku Queen: Days Of Our Lives sogar von einem regelrechten Desaster und erinnerte sich Fans, die mit „Disco sucks“-Banner zu Konzerten der Band kamen.

Das empfanden allerdings längst nicht alle so: Denn Michael Jackson verehrte das Album, bezeichnete es sogar als Inspiration für seinen Megaseller Thriller. Natürlich, bei Hot Space hat man es mit einem Ausreißer zu tun, einem Experiment einer etablierten Band, das längst nicht jeder gut fand und für viele sogar eine regelrechte Enttäuschung war. Und tatsächlich, in den nachhaltigen Queen-Kanon hat es daraus nur ein einziges Stück geschafft: das mit David Bowie in einer spontanen Session in Montreux entstandene Under Pressure, das für die Band in Großbritannien zum Nummer-eins-Hit wurde. Auch hier waren wieder Deacon und seine unglaublich eingängige Basslinie (wie schon bei Another One Bites The Dust) ausschlaggebend.

Zwei Jahre später kehrten Queen mit The Works wieder zu alter Form zurück. Hot Space geht auf alle Fälle als Experiment der Band in die Geschichte ein — als eines, das Teile der Band wohl gerne wieder rückgängig gemacht hätten, das aber auf alle Fälle ein kurzweiliges und interessantes Album ist, das dem damaligen Zeitgeist Rechnung trägt. Was Queen auch genügend Fans vorgehalten haben.

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25 Jahre „OK Computer“: Wie Radiohead den Prog neu erfinden

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Radiohead
Foto: Jim Steinfeldt/Michael Ochs Archives/GettyImages

Das Label geht von einem Flop aus, die Band setzt alles auf eine Karte: 1997 veröffentlichen Radiohead ihr drittes Album OK Computer. Die Bedenken sind unbegründet: Das Album wird zum kommerziellen Erfolg und gilt heute als eine der besten Platten aller Zeiten. Die ganze Geschichte der modernen Prog-Rhapsodie.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Ok Computer hören:

Es ist 1997, und in Großbritannien hat man so langsam aber sicher genug von Britpop. Die anfängliche Euphorie ist verfolgen, die Aufregung rund um den Battle Of Britpop von 1995 längst vergessen, die Sperenzchen und Eskapaden der Gebrüder Gallagher öde. Sicher, Be Here Now ist ein weiterer Oasis-Megaseller, doch die britische Rockmusik sehnt sich insgeheim nach einer neuen Marschrichtung. Die kommt von Radiohead – von wem auch sonst, wie man aus heutiger Sicht treffsicher urteilen würde. Mit ihrem dritten Album OK Computer sorgen sie nicht nur für einen der ganz großen Klassiker der intelligenten Rockmusik; sie erfinden mal so eben den Prog neu und führen die Musik des Königreichs mit sicherer Hand gen neues Jahrtausend.

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Desillusioniert in den Staaten

Das war damals selbst ihnen nicht zuzutrauen. Oder doch? Schauen wir uns mal ihre bemerkenswerte Karriere bis zum Release von OK Computer an: Ihr Debüt Pablo Honey erscheint 1993, ein schroffes und kratziges Rock-Album, das mit Creep ihren ersten Megahit enthält, ansonsten aber noch in die Kategorie „ausbaufähig“ fällt. Das nehmen Radiohead sehr ernst. Die Band, die sich 1985 an einer Jungenschule im ländlichen Oxfordshire gründet, wird durch Presse, Radio und Fernsehen gereicht, eine desillusionierende USA-Tour besiegelt fast das Schicksal der Band.

The Bends, ihr zweites Album von 1995, zeigt eine merklich gereifte, angekratzte, bittere Band. Die nackte Emotion, die Verletzlichkeit und die Verzweiflung machen die Platte zu einer der definitiven Scheiben der Neunziger. Lange Touren mit R.E.M. oder Soul Asylum durch Nordamerika, Europa und Japan folgen, wieder merkt die Band, dass sie echt nicht für die Straße gemacht ist, dass Touren zermürben, aufreiben, aushöhlen. Dennoch kommt es auf der Tour zu einer folgenschweren Begegnung mit Brian Eno. Für seinen Charity-Sampler nehmen Radiohead am 4. September 1995 die Nummer Lucky auf – in fünf Stunden.

Diese spontane, impulsive, unmittelbare Arbeitsweise löst etwas aus in der Band. Das ist bitter nötig, immerhin steht sie gerade vor dem riesigen Problem, einem sehr erfolgreichen Album einen Nachfolger zu bescheren. Sie beginnen im Juli 1996 die Aufnahmen in ihrem eigenen Canned Applause Studio, treten aber trotz der anfänglichen Inspiration auf der Stelle, kommen nicht vorwärts. Da erscheint die Einladung von Alanis Morissette, mit ihr durch die Staaten zu touren, natürlich verlockend. Was die Band nicht wissen kann: Diese Tour wird OK Computer überhaupt erst möglich machen. Bei einem Konzert erhalten sie Besuch von Regisseur Baz Luhrmann, der gern einen Radiohead-Song in seinem kommenden Film Romeo und Julia haben würde.

Wo sind die Hits?

Exit Music (For A Film), Radioheads wunderschöner Beitrag zum Shakespearschen Drama, wird zur Initialzündung für die Metamorphose. Sänger Thom Yorke sagte später mal: „Das war unsere erste Aufnahme, bei der mich jede Note berauschte. Darauf konnte ich stolz sein, das konnte ich laut aufdrehen und dennoch jede Sekunde genießen.“ Der Rest geht schnell: Sie quartieren sich in St Catherine’s Court ein, einem historischen Anwesen bei Bath, breiten sich in dem elisabethanischen Haus aus und nutzen Treppenhäuser oder Korridore für die Aufnahmen. Zwischen September 1996 und März 1997 entsteht dort ein Album, das erst mal zum Schreckgespenst für ihr damaliges Label Parlophone wird. Dort erwartet man natürlich ein zweites The Bends, ein Alternative-Rock-Manifest für eine verlorene Generation oder mit anderen Worten: Singles, Hits und klingende Kassen.

Da machen Radiohead aber nicht mit. Sie entschieden sich, alles auf eine Karte zu setzen, geben die 100.000 Pfund Vorschuss ihres Labels für Equipment aus und produzieren das Album mit Unterstützung von Haus-und-Hof-Produzent Nigel Godrich selbst. Mit anderen Worten: Radiohead steigen schon jetzt aus den Mechanismen des Marktes aus und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. Nach der Seelensuche von The Bends richten sie ihren Blick nach außen und schreiben eine fast schon dystopische Rhapsodie, ein Album, das viel von dem vorweg nimmt, was im neuen Jahrtausend auf die Welt zurollt: soziale Entfremdung, Isolation, Konsumismus und das aussaugende Leben in der Großstadt.

Die Wiedergeburt des Prog

Musikalisch steht der nächste Quantensprung an. Wo die meisten anderen guten Bands zwischen Pablo Honey und The Bends mindestens noch eine weitere Platte gebraucht hätten, um eine ähnliche Entwicklung hinzulegen, liegen zwischen The Bends und OK Computer mindestens zwei Alben. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen sich Radiohead durch ihren mitternächtlichen Garten aus Rock, Prog, Pop und Electronica, ein fließendes, inhärent nachdenkliches, kunstfertig geschmiedetes Album. Kurz: ein Werk, dem ein Creep oder ein Fake Plastic Trees fehlt. Die Plattenfirma ist schockiert, weiß nicht, was sie mit dieser Musik anfangen soll. Sie setzt die Verkaufsprognose von mehreren Millionen auf eine halbe Million herab.

Und wird eines besseren belehrt: OK Computer, das ist schon der damaligen Presse klar, ist eine Wasserscheide. Lange Songs, komplexe Arrangements, eine Vielzahl an Instrumenten: Radiohead beleben den Prog neu. Ihnen gelingt das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Neunziger, ein musikalisches und lyrisches Meisterwerk, so voller Assoziationen, doppelter Böden, Schichten und Ebenen, dass man wochenlang darin abtauchen kann. Inspiriert von Bitches Brew, dem gewagten Album von Miles Davis, Ennio Morricone, Can, Pet Sounds oder dem besten Pop-Song aller Zeiten, A Day In The Live, gelingt Radiohead eine Preziose, ein seltenes Kunstwerk.

Entstanden nach einer Periode der Instabilität und Unsicherheit, erwachsen Radiohead aus ihrem Kokon und machen einfach das, was sich in diesem Moment richtig anfühlt: Musik, und das überwiegend zusammen. 80 Prozent von OK Computer sind live entstanden. Hätte ihre Plattenfirma Recht behalten, hätten Radiohead das 21. Jahrhundert nicht mehr als Band erlebt. So bescheren sie den späten Neunzigern das wichtigste Album, revitalisieren mal so ganz nebenbei den Prog und bereiten der Rockmusik den Weg ins neue Jahrtausend.

Und dennoch ist das 1997 nur der Anfang: 2000 werden Radiohead mit Kid A vollkommen den Verstand verlieren. Im streng positiven Sinne, versteht sich.

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10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

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