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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.5.1970 veröffentlichen die Beatles ihre letzte Single „The Long And Winding Road“.

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Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.5.1970.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

„Don’t ever do that again.“ – Mach’ das nie wieder. So bringt Paul McCartney seinen Unmut über die finale Version des Songs The Long And Winding Road in einem Brief an Manager Allen Klein auf den Punkt. Trotzdem landet die Single einen Riesenerfolg: Allein in den ersten zwei Tagen verkauft sie sich in den USA 1,2 Millionen Mal und schießt damit auf Platz eins der Charts. Woher stammt also Pauls Unmut?

Hier könnt ihr das zugehörige Album Let It Be anhören:

1968, Schottland. Weit und breit nichts als grüne Wiesen, blökende Schafe und eine lange, gewundene Straße, die sich bis in die Highlands erstreckt. Diese Straße seines Anwesens High Park Farm ist es, die Paul McCartney zu The Long And Winding Road inspiriert. Die einfache, aber melancholische Piano-Ballade in Es-Dur beschreibt er als „leicht jazzig“ und verpasst ihr einen ebenso wehmütigen Text. 

Später sagt Paul über das Stück: „Es ist ein eher trauriges Lied. Ich schreibe gern traurige Songs. Sie bewahren mich davor, zum Psychiater zu gehen.“ Was McCartney damit meint, wird im Laufe der nächsten zwei Jahre deutlich.

Die Beatles bei den Aufnahmen zu „Let It Be“ – Foto: Apple Corps

Als The Long And Winding Road am 11. Mai 1970 als Single aus dem Album Let It Be ausgekoppelt wird, sind die Beatles schon getrennt. Der Weg zur Auflösung? Ebenfalls eine lange und gewundene Straße. Bereits zwei Jahre zuvor verlässt erst Ringo Starr die Band kurzzeitig während der Aufnahmen zum White Album, sein Bandkollege George Harrison tut es ihm im Jahr darauf gleich – und kehrt nach fünf Tagen zurück. Ihr letztes Konzert spielen die Beatles am 30. Januar 1969 auf dem Dach des Apple Corps-Gebäudes in London.

Mehr Bombast

Die Musiker entfremden sich immer mehr. Nur für die Aufnahmen des Dokumentationsfilms Let It Be machen sie gute Miene zum bösen Spiel. Am 26. Januar 1969 nehmen die Beatles The Long And Winding Road auf, doch John Lennon verspielt sich am Bass immer wieder. Obwohl der Song am 31. Januar in sieben Takes erneut eingespielt wird, verwendet Produzent Glyn Johns die andere Version. Das Ergebnis stellt jedoch nicht zufrieden.

Rund zwei Monate später wird Starproduzent Phil Spector hinzugezogen, um den Song zu überarbeiten. Kurzerhand schmückt er das einst simple Stück mit schwallenden Orchestersounds: Neben einem Frauenchor unterstützen nun auch Bläser, Streicher und Harfe den Song und vertuschen so die Fehler der Originalaufnahme. Paul McCartney weiß davon nichts.

Das zähe Ende

Allen Klein, den die drei anderen Bandmitglieder ohne McCartneys Zustimmung zum neuen Manager  ernannt haben, übersendet McCartney das aktualisierte Arrangement mit dem Hinweis, die Änderungen seien notwendig gewesen. Paul macht seiner Wut mit einem Antwortschreiben am 14. April 1970 Luft: Er verlangt, dass das Orchester leiser geregelt wird, der ursprüngliche Gesang lauter und dass die eingesetzte Harfe am Ende komplett entfernt wird. Mit den Worten „Don’t ever do it again“ beendet er sein Schreiben.

McCartneys Forderungen werden jedoch ignoriert; einen Monat später erscheint das Album Let It Be. Für den gleichnamigen Film erhalten die Beatles später einen Oscar in der Kategorie Beste Filmmusik. Dennoch: Bei der Anhörung um die Auflösung der Geschäftsbeziehungen Ende 1970 nennt Paul die Änderungen an The Long And Winding Road mit als Argument, bei den Beatles aussteigen zu wollen. Kein Wunder, dass in den folgenden Jahrzehnten mehrere alternative Versionen des Liedes erscheinen: So enthalten etwa Anthology 3 und Let It Be…Naked von 2003 ursprüngliche Versionen des Stückes ohne den Bombast – und damit näher an McCartneys ursprünglicher Vision.

Zeitsprung: Am 8.5.1970 erscheint das letzte Album der Beatles: „Let It Be“.

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