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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.5.1969 unterschreiben drei von vier Beatles einen Vertrag.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.5.1969.

von Christof Leim und Timon Menge

Um die Trennung der Beatles ranken sich die unterschiedlichsten Mythen, je nach Quelle werden die Geschichten abenteuerlicher und abenteuerlicher. Einer der wichtigsten Gründe kommt indes völlig unromantisch daher: Am 8. Mai 1969 unterschreiben John Lennon, George Harrison und Ringo Starr einen schlechten Managementvertrag — und verärgern damit den vierten im Bunde.


Hört hier in Abbey Road rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Immer wieder wird John Lennons langjährige Partnerin Yoko Ono genannt, wenn es um den Grund für die Trennung der Beatles geht. Dass diese Unterstellung nicht der Wahrheit entspricht, hat selbst Paul McCartney inzwischen mehrfach klargestellt. Überhaupt wird es nicht die eine Ursache für die Auflösung der „Fab Four“ geben. Dennoch: Als Lennon, George Harrison und Ringo Starr im Mai 1969 einen schlechten Managementvertrag unterschreiben, geht es mit großen Schritten dem Ende entgegen. Doch rollen wir den Fall von vorne auf.

Die Aufnahmen zu „Let It Be“ erweisen sich als schwierig und legen keinen guten Grundstein für die finanziellen Auseinandersetzungen der „Fab Four“

Zu Beginn des Jahres 1969 könnte die Laune unter den Beatles kaum schlechter sein. Die Aufnahmen zu Let It Be (1970) waren ein Desaster, obwohl die Gruppe mit dem Album zu ihren Ursprüngen zurückkehren wollte. George Harrison verlässt sogar kurzzeitig die Band. Vor allem McCartney sehnt sich nach den Anfangstagen und möchte wieder live spielen. Stattdessen streiten sich die Musiker im Studio, einen Film soll es trotz mieser Stimmung auch noch geben. Immerhin: Am 30. Januar 1969 geben die Beatles ihr legendäres Rooftop-Konzert und kommen ein wenig raus, an die frische Luft sozusagen. Nur zwei Tage vorher trifft die Gruppe allerdings den Mann, der das Fass schließlich zum Überlaufen bringen soll: Musikmanager Allen Klein.



Schon in den Jahren zuvor kriselt es, zum Beispiel als Ringo Starr am 22. August 1968 aus der Gruppe aussteigt. Anfang 1969 überschlagen sich die Ereignisse vor allem in finanzieller Hinsicht. Dass McCartney und Co. nicht besonders gut mit Geld umgehen können, stellen sie bereits in den Jahren zuvor unter Beweis, zum Beispiel durch den ruhmlosen Untergang der Apple-Boutique in London. Nun bietet sich den Musikern die Möglichkeit, das Unternehmen ihres verstorbenen Managers Brian Epstein zu erwerben. Von der Plattenfirma EMI erhalten die Beatles dazu eine Leihgabe von einer Million Pfund, um das Vorhaben abzuwickeln. Klein arbeitet zu jener Zeit bereits für John Lennon und warnt am 28. Januar 1969 ausdrücklich: Aus steuerlichen Gründen würde die Gruppe den doppelten Betrag verdienen müssen, um die Schulden bei EMI begleichen zu können. Anschließend bitten auch George Harrison und Ringo Starr ihn darum, einen Blick auf ihre Finanzen zu werfen.

Bekommen sich nicht zuletzt wegen geschäftlicher Uneinigkeiten in die Haare: George Harrison, John Lennon, Paul McCartney und Ringo Starr

Paul McCartney hält von all dem herzlich wenig und möchte stattdessen Lee und John Eastman in die Dienste der Band stellen, den Vater und den Bruder seiner frisch angetrauten Ehefrau Linda. Bei jenem Treffen mit Klein am 28. Januar verlässt McCartney sogar den Raum. Anschließend können sich die Beatles nicht einigen und fahren zunächst zweigleisig: Klein übernimmt das Management, die Eastmans die Rechtsabteilung. Am 8. Mai 1969 setzen sich Lennon, Harrison und Starr endgültig durch, indem sie McCartney überstimmen. „John wollte zu Klein, also gingen George und Ringo mit ihm“, erinnert sich der Bassist in der Beatles Anthology. „Eigentlich haben wir es immer so gehandhabt, dass alle vier Bandmitglieder einem Plan zustimmen mussten, sonst wurde er verworfen. Diese Drei-gegen-Eins-Situation war also sehr seltsam und hat einige Dinge in Gang gebracht.“

Entsteht unter mehr als widrigen Umständen: Abbey Road, das eigentlich letzte Album der Beatles

Im Anschluss an die Streitigkeiten finden sich die Beatles ein letztes Mal im Studio ein und nehmen Abbey Road (1969) mit dem ikonischen Zebrastreifen-Cover auf. Dass die Platte im Schatten der geschäftlichen Auseinandersetzungen unter schwierigsten Umständen entsteht, verwundert nicht. So möchte Lennon sogar, dass seine Songs und die von McCartney auf unterschiedliche Seiten des Albums gepresst werden. Schließlich finden die Briten einen Kompromiss und mischen die Stücke auf der ersten Seite, während die zweite größtenteils aus einer Art Medley besteht. Am 4. Juli 1969 erscheint mit Give Peace A Chance (Plastic Ono Band) die erste Solo-Single eines Mitglieds der Gruppe, am 20. September gibt Lennon (zunächst intern) seinen Ausstieg bekannt. Am 10. April 1970 steigt auch McCartney aus und markiert damit das Ende der Briten. Die rechtlichen Streitigkeiten unter den Musikern dauern noch bis Ende 1974.


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