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Popkultur

10 Rocksongs aus den Siebzigern, die man nach den ersten Tönen erkennt

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Led Zeppelin
Foto: Jay Dickman/CORBIS/Corbis via Getty Images

Die berühmtesten Blitzohrwürmer aus den Achtzigern und Neunzigern kennt ihr bereits. Heute widmen wir uns einem Jahrzehnt, bei dem es besonders schwierig ist, eine Liste der besten Frühzünder zusammenzustellen: den Siebzigern. Eine Band hat bereits ihren dritten Auftritt, eine weitere kommt in der heutigen Top Ten gleich zweimal vor. Ahnt ihr schon, um wen es geht?

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch die 10 Rocksongs der Siebziger anhören, die man nach den ersten Tönen erkennt:

1. Black Sabbath – Paranoid (1970)

Bisweilen entstehen die größten Hits auf die einfachste Art und Weise. So verrät Black-Sabbath-Bassist Geezer Butler der Zeitschrift Guitar World: „Ein Großteil des Albums Paranoid wurde geschrieben, als wir an unserem ersten Album Black Sabbath gearbeitet haben. Wir haben die Platte in etwa zwei oder drei Tagen aufgenommen, live im Studio. Der Song Paranoid wurde eigentlich als nachträglicher Einschub geschrieben. Wir brauchten nämlich noch einen Drei-Minuten-Füller. Tony hat sich schnell das Riff ausgedacht. Ich habe den Text geschrieben und Ozzy hat ihn beim Singen abgelesen.“ Kaum zu glauben, dass einer der wichtigsten Rocksongs des 20. Jahrhunderts quasi im Vorbeigehen geschrieben worden sein soll. Hut ab!

2. Led Zeppelin – Stairway To Heaven (1971)

Stairway To Heaven von Led Zeppelin IV haben wir alle so oft gehört, dass wir herzlich über die Szene in Wayne’s World lachen konnten, in der Hauptcharakter Wayne jäh von einem Mitarbeiter unterbrochen wird, als er in einem Gitarrenladen die ersten Töne des Led-Zeppelin-Klassikers anstimmt. Grimmig zeigt der Angestellte auf ein Hinweisschild mit der Aufschrift: „No Stairway To Heaven!“ Klar, manche der Klassiker haben wir einfach zu oft gehört. Aber das wäre ja nicht so, wenn es keine legendären Klassiker wären. Eigentlich wollte Atlantic Records den Song in den Siebzigern als Single veröffentlichen, doch Led-Zeppelin-Manager Peter Grant legte sein Veto ein. Im Buch The Complete Guide To The Music Of Led Zeppelin von Dave Lewis können wir nachlesen, was die Folge war: Statt der nicht vorhandenen Single wurde umso häufiger Led Zeppelin IV verkauft, also das komplette (und teurere) Album. Nicht unklug.

3. Alice Cooper – Schools Out (1972)

Wer in den Siebzigern zur Schule gegangen ist, wird sich an diese Hymne von Alice Cooper erinnern. Und nicht nur das: Bis heute gibt es kaum schönere Wege, die Sommerferien einzuläuten, als mit einem lauten: „Schoooooooool’s out … for … Summer!“ Genau das sei auch das Ziel gewesen, wie Cooper in Alice Cooper, Golf Monster: Mein Leben zwischen Golf und RocknRoll verrät: „Ich habe mich in meine Schulzeit zurückversetzt und auf die Uhr geschaut. Noch drei Minuten bis zum Beginn der dreimonatigen Sommerferien. Die Sekunden vergingen. Ich habe mich gut daran erinnert, wie erwartungsvoll ich gewesen bin. War es möglich, einen Song zu schreiben, der diese letzten, entscheidenden drei Minuten des letzten Schultages einfangen konnte? War es.“

4. Deep Purple – Smoke On The Water (1972)

Wenn es auf der Welt ein Gitarrenriff gibt, das wohl kein*e Gitarrenlehrer*in mehr hören kann, dann ist das Smoke On The Water von Deep Purple. Aus heutiger Sicht scheint dieser Song so naheliegend und einfach, doch irgendwer musste ihn schreiben. Deep Purple sind Anfang der Siebziger so frei und bescheren uns damit einen Rock-Ohrwurm für die Ewigkeit. Die traurige Inspiration liefert ein anderer bekannter Musiker: Frank Zappa. Der gibt am 4. Dezember 1971 nämlich ein Konzert in Montreux, bei dem ein Feuer ausbricht. Deep Purple, die sich gerade im gleichen Komplex befinden, um ihr neues Album Machine Head aufzunehmen, sehen die Rauchschwaden über dem Genfersee und kommen so auf den berühmtesten Titel ihrer Diskografie. Das kultige Gitarrenriff entleiht Ritchie Blackmore laut eigener Aussage der 5. Symphonie von Ludwig van Beethoven. Im Buch Smoke On The Water: The Deep Purple Story verrät Blackmore: „Ich schulde ihm [Beethoven] jede Menge Geld.“

5. Lynyrd Skynyrd – Sweet Home Alabama (1974)

Ob im Auto oder auf Partys: Wenn die ersten Töne von Sweet Home Alabama erklingen, sorgt das in der Regel für glückliche Gesichter. Inhaltlich geht es in dem Song aber nur am Rande um den blauen Himmel von Alabama, sondern vor allem um Politik. So schreiben Lynyrd Skynyrd das Lied als Reaktion auf die Stücke Southern Man und Alabama von Neil Young, der sich darin laut Felix Contreras von National Public Radio „den gesamten Süden für die blutige Geschichte der Sklaverei und ihre Auswirkungen zur Brust nimmt“. Das findet Lynyrd-Frontmann Ronnie Van Zant unfair. „Wir hatten das Gefühl, dass Neil auf alle Enten schießt, um eine oder zwei von ihnen zu töten“, gibt er in einem Interview mit dem Rolling Stone zu Protokoll. Mit dem Text zu Sweet Home Alabama lösen die Southern Rocker die ein oder andere Kontroverse aus, doch das sind Geschichten für sich.

6. Aerosmith – Walk This Way (1975) 

Mehr als zehn Jahre vor dem Revival als Hip-Hop-Kollaboration, räumt Walk This Way schon einmal als Rock-Hit ab. Inhaltlich beschäftigt sich die Nummer mit einem Jungen, der auf der High School seine Jungfräulichkeit verliert, sehr zur Freude von Gitarrist Joe Perry. „Seine Texte waren so großartig“, lässt er sich in einem Interview mit dem Wall Street Journal über die Songschreiberqualitäten seines Bandkollegen und Sängers Steven Tyler aus. „Als Schlagzeuger benutzt er Worte gerne als Percussion-Element. Die Worte müssen eine Geschichte erzählen, aber sie müssen auch zum Flow passen. Er sucht nach Worten, die eine doppelte Bedeutung haben, eine Tradition aus dem Blues.“ Das Ergebnis: ein unsterblicher Rocksong, den man bereits am Schlagzeugbeat erkennt und der in den folgenden dreieinhalb Minuten nicht an Unterhaltsamkeit und Rhythmus verliert.

7. Queen – Bohemian Rhapsody (1975)

Wann immer es um die großen Monumentalwerke der Rockmusik geht, darf Bohemian Rhapsody von Queen nicht fehlen. Bereits Ende der Sechziger beginnt Frontmann Freddie Mercury mit der Komposition des Stücks. Anschließend hat der Song viele Jahre, um zu reifen, bis er 1975 auf A Night At The Opera erscheint. Nach der Veröffentlichung des Albums möchten Queen Bohemian Rhapsody als Single auskoppeln, doch das berufliche Umfeld der Gruppe verhindert das, weil die meisten das fast sechsminütige Stück für zu lang halten, um als Single oder im Radio erfolgreich sein zu können. Die Briten wissen sich allerdings zu helfen und händigen Radio-DJ Kenny Everett eine Kopie des Songs aus — zusammen mit der Info, dass er ihn auf keinen Fall im Radio spielen darf, zwinkerzwinkerstups.

8. Ramones – Blitzkrieg Bop (1976)

Jede, wirklich jede Schülerband auf der Welt hat schon einmal Blitzkrieg Bop von den Ramones gespielt. Das überrascht nicht, denn die womöglich einfachste Akkordfolge der Welt bietet sich für Anfänger*innen einfach an. Mit ihrem größten Hit stellen die US-Punkrocker außerdem einmal mehr unter Beweis, was wir sowieso alle wissen: Manchmal kann man mit drei Akkorden die hartnäckigsten Ohrwürmer komponieren.

9. Queen – We Will Rock You (1977)

Ganz genau, Queen kommen in dieser Liste gleich doppelt vor. Eigentlich könnten sie sogar dreimal vorkommen, doch We Are The Champions haben wir zugunsten der Ramones außen vor gelassen. We Will Rock You setzt auf ein einfaches Bumm-bumm-tschack, einen rhythmisch vorgetragenen Text und eins der größten Gitarrensoli aller Zeiten. Das funktioniert bis heute, vor allem in Sportstadien.

10. AC/DC – Highway To Hell (1979)

Mit Highway To Hell gelingt AC/DC der Hattrick, denn die Australier waren auch schon in unserer Neunziger- und unserer Achtziger-Liste zu finden. Diese Nummer dürfte allerdings der bekannteste Song der Gruppe sein, denn man kann sich nur schwer vorstellen, dass es auf der Welt viele Musikfans gibt, die dieses Stück noch nie gehört haben. Nicht zuletzt deshalb, weil AC/DC während der Siebziger zu den unermüdlichsten Tourtruppen der Welt gehören, wovon auch Highway To Hell handelt.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.12.1993 stirbt der einzigartige Frank Zappa.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.12.1993.

von Timon Menge und Christof Leim

Was Frank Zappa in den 52 Jahren seines zu kurzen Lebens auf die Beine gestellt hat, lässt sich kaum begreifen. Mehr als 60 Platten veröffentlicht das Musikgenie vor seinem Tod, über 40 weitere Alben erscheinen posthum. Heute blicken wir auf sein höchst kreatives Leben zurück.

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Hört hier in die besten Zappa-Songs rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.


Am 21. Dezember 1940 kommt Zappa in Baltimore, Maryland zur Welt und wächst in einem multikulturellen Mehrgenerationenhaushalt auf. So stammen die Vorfahren seiner Mutter Rosemarie aus Italien und Frankreich, sein Vater Francis Vincent siedelt aus Italien in die USA über und bringt zudem griechische sowie arabische Wurzeln mit. Die italienische Sprache lernt Frank Zappa vor allem Dank seiner Großeltern, die mit der Familie zusammenleben; außerdem hat er drei jüngere Geschwister.

Sein Vater arbeitet in der Rüstungsindustrie, weshalb die Familie oft umziehen muss. Nach einigen Jahren in Florida heuert er in einer Firma für Chemiewaffen in der alten Heimat Baltimore an. Weil der Betrieb in der Nähe des Wohnhauses unter anderem Senfgas lagert, bunkern die Zappas sicherheitshalber Gasmasken — ein Umstand, der den zukünftigen Musiker Frank tief beeindruckt. Immer wieder nimmt er in seinen Songs Bezug auf Keime, biologische Kampfmittel und die Rüstungsindustrie im Allgemeinen.



Seine Begeisterung für Musik entdeckt Zappa schon während der High School. Zunächst faszinieren ihn moderne klassische Komponisten wie Edgard Varèse, Igor Stravinsky und Anton Webern. Zeitgleich findet er Gefallen an R&B- und Doo-Wop-Musik. In seiner Schulzeit komponiert er klassische Stücke und spielt in einer R&B-Band, zunächst als Schlagzeuger, dann als Gitarrist. Später erlernt er ein Instrument nach dem anderen und stellt jeden noch so ambitionierten Durchschnittsmusiker in den Schatten. So beherrscht Zappa auch Bass, Klavier und Percussion. Mit acht Armen hätte er also als ganze Band auftreten können.



1966 veröffentlichen Zappa und die Mothers Of Invention ihr Debüt Freak Out!. Das bahnbrechende Album setzt zwar auf klassische Rock’n’Roll-Songstrukturen, vermischt sie jedoch mit allerhand Verrücktheiten wie Improvisationen und Klangcollagen. Sogar Paul McCartney verrät in einem Interview, dass Freak Out! das legendäre Beatles-Opus Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band durchaus beeinflusst habe.



Die Mothers (wie die Band meist verkürzt genannt wird) lösen sich 1969 vorübergehend auf, im gleichen Jahr erscheint das erste Soloalbum Hot Rats. Und damit geht es erst los: Wollten wir sämtliche Werk aufzählen und kommentieren, müssten wir uns alle den Nachmittag frei nehmen. Zappa komponiert anscheinend durchgehend und findet immer neue Ausdrucksformen im musikalischen Bermudadreieck aus Rock, Jazz, freier Improvisation, Klassik und allerlei experimentellen Stilen – Fusion im reinsten Sinne. Die bissigen Sozialkommentare und satirischen, fast komödiantischen Texte wirken mitunter wie ein Gegensatz zum unfassbar hohen musikalischen Anspruch seiner Kompositionen. Zappa hat sogar indirekt mit der Entstehung des ikonischsten Riffs im harten Rock zu tun: Als als bei einem Schweizer Konzert der Mothers Of Invention ein Feuer ausbricht und Rauch über den Genfer See zieht, inspiriert das Deep Purple zu Smoke On The Water. (Die ganze Geschichte steht hier.)


Zwei der über 100 Alben, die Frank Zappa zu Lebzeiten und posthum veröffentlicht hat


Mit Apostrophe schafft er es 1974 sogar in die US-Top Ten, auch Over-Nite Sensation (1973) und Zoot Allures (1976) gehören zu den Standardwerken. Seinen größten Hit landet Zappa 1979 vor allem in Europa mit Bobby Brown (Goes Down). Der Song erscheint auf seinem 26. Album Sheik Yerbouti und handelt von einem wohlhabenden, frauenfeindlichen Studenten namens Bobby Brown, dem „süßesten Jungen der Stadt“. Der Text beschreibt Bobby, den Archetypen des amerikanischen Traums, dessen Weltbild gehörig ins Wanken gerät, als er sich auf ein sexuelles Verhältnis mit der lesbischen Frau „Freddie“ einlässt. Er zweifelt daraufhin an seiner Heterosexualität und verwandelt sich in einen schwulen Mann, der sein Geld mit Radiowerbung verdient. Kein Wunder, dass die US-amerikanischen Radiosender den Song nicht spielen wollten. Lustigerweise läuft das Stück in Ländern, in denen Englisch nur als Fremdsprache gesprochen wird, viel öfter.



Während seiner Karriere fühlt sich Zappa weder im Untergrund noch im Mainstream wohl. Statt sich fremden Regeln zu unterwerfen, schreibt er lieber seine eigenen, ob musikalisch, persönlich, geschäftlich oder politisch. Nicht selten liegt er im Streit mit Labels und anderen Geschäftspartnern. Seine Werke zeichnen sich nicht nur durch Klangexperimente, Improvisation und hohen Anspruch aus, sondern auch durch satirische Darstellungen der US-amerikanischen Kultur. Das Online-Portal AllMusic verleiht ihm sogar den Titel „Vater des Comedy Rock“. Seine Arbeit polarisiert durchaus: Während die Einen ihn für seine umfangreichen Kompositionen bewundern, werfen die Anderen ihm vor, seine Musik besitze keinen emotionalen Tiefgang und zu klinisch klängen die durchkonstruierten Arrangements.



In die Verzweiflung treibt Zappa vor allem Musikjournalisten. So lassen sich seine Veröffentlichungen schwer einsortieren, denn sie unterscheiden sich nicht nur untereinander stark; selbst auf ein und derselben Platte verarbeitet der Meisterkomponist die unterschiedlichsten Einflüsse und Stile. Des Weiteren gilt der Musiker als schwieriger Interviewpartner, wie zum Beispiel hier  nachgelesen werden kann.



Eine ganz eigene Einstellung vertritt Zappa zum Thema Drogen. Während die meisten Musiker diesbezüglich nicht als Kostverächter in Erscheinung treten, lehnt er den Konsum ab. Marihuana probiert er aus, kann sich aber nicht mit der Wirkung anfreunden. Seine Musiker lässt er allerdings an der langen Leine. Zwar wünscht er, dass die Bühne drogenfrei bleibt, doch was danach passiert, gehe ihn nichts an. Trotz (oder gerade wegen) seiner Abneigung engagiert sich Zappa für die Legalisierung und die Kontrolle von Drogen. Völlig lasterfrei bleibt er allerdings nicht: Der Musiker raucht wie ein Schlot und trinkt vermutlich mehr Kaffee als Wasser. Statt Drogen wird Sex zum großen Thema auf den Touren während der Siebziger, was sich immer wieder in den Texten niederschlägt und für Ärger mit Moralwächtern wie dem berüchtigten PMRC sorgt.


In seinen späten Jahren wendet sich Frank Zappa verstärkt der modernen Klassik zu und arbeitet viel mit dem Synclavier, einem frühen elektronischen Synthesizer, der jedwede musikalische Figur atomuhrgenau spielen kann, selbst wenn des Meisters Hirn sich mal wieder die wirrsten Takte aus Primzahlen ausgedacht hat.

Leider wird 1990 Prostatakrebs festgestellt, an dem der Ausnahmemusiker am 4. Dezember 1993 im Beisein seiner Ehefrau Gail und der vier Kinder verstirbt. Er wurde 52 Jahre alt. Am folgenden Tag wird er in Los Angeles in einem anonymen Grab beigesetzt, am 6. Dezember verkündet seine Familie: „Komponist Frank Zappa ist zu seiner letzten Tour aufgebrochen.“

Bis heute nimmt der Musiker Einfluss auf die Rock- und Popmusik, auch wenn sich sein kommerzieller Erfolg weitestgehend auf Europa und Asien beschränkt. In Nordamerika bleibt der große Durchbruch bis zum Schluss aus. Erst 1995, also zwei Jahre nach seinem Tod, wird er in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. 1997 bedenkt man ihn posthum mit dem „Grammy Lifetime Achievement Award“. Auch die Musikpresse überschlägt sich mit Lob: Im Rolling Stone belegt er etwa Platz 71 der „100 besten Musiker aller Zeiten“. Verdient. Gäbe es eine Rangliste der eigenwilligsten und eigenständigsten Künstler, stände er wohl ganz oben…


Zeitsprung: Am 14.3.1986 wird Frank Zappa zum Drogendealer – bei „Miami Vice“.

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Popkultur

55 Jahre „Buffalo Springfield“: Stephen Stills und Neil Young zaubern zum ersten Mal gemeinsam

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Buffalo Springfield
Foto: GAB Archive/Redferns/Getty Images

Stephen Stills scheint heute so ziemlich der einzige zu sein, der sich nicht völlig mit dem Grantler Neil Young überworfen hat. Vor 55 Jahren beschnuppern sich die beiden künftigen Ikonen erstmals musikalisch – und veröffentlichen mit dem ersten Album von Buffalo Springfield gleich einen zukünftigen Klassiker.

von Björn Springorum

Mitte der Sechziger sprießen überall in den Vereinigten Staaten vielversprechende neue Bands aus dem Boden. Aus traditionellen Folk/Country-Mechanismen und dem jüngst übers Land geschwappten Gospel der British Invasion entsteht das neue Genre Folk Rock, aus der Taufe gehoben von den großen Geburtshelfern der amerikanischen Rockgeschichte, den Byrds und Buffalo Springfield.

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Hier könnt ihr das Debüt von Buffalo Springfield hören:

Es beginnt in Kanada

Letztere sind die kurzlebige Band, die neben For What It’s Worth vor allem für das geschichtsträchtige erste Zusammentreffen von Stephen Stills und Neil Young bekannt ist. Die beiden lernen sich 1965 im kanadischen Thunder Bay kennen, wo sie in einem Schuppen namens Fourth Dimension auftreten. Young mit The Squires, Stills mit The Company. Beide verstehen sich, beide verlieren sich danach wieder aus den Augen und verfolgen wenig erfolgreich andere Pläne.

Im Leichenwagen nach LA

Irgendwann erinnert sich Young an seine Begegnung mit Stills, kauft sich gemeinsam mit dem kanadischen Musiker Bruce Palmer einen Leichenwagen und fährt damit kurzerhand nach Los Angeles, um ihn zu suchen. Das muss man sich mal vorstellen: Neil Young hat keine Ahnung, wo Stephen Stills genau lebt. Er fährt einfach in die Millionenstadt und sucht ihn in den Clubs und Cafés! Wenig überraschend bleibt diese wirre Suche ergebnislos, dürfte aber sicherlich einige gute Anekdoten produziert haben.

Doch jetzt kommt’s: Am 6. April 1966 beschließen die beiden hochgradig frustriert, die Stadt der Engel zu verlassen und Richtung Norden nach San Francisco zu fahren. Als sie auf dem Sunset Boulevard im Verkehr stecken, fährt auf der Gegenfahrbahn allen Ernstes Stephen Stills an ihnen vorbei, entdeckt sie, schafft es irgendwie zu wenden und ermöglicht ihr unfassbar unrealistisches Wiedersehen. Geschichten wie die schreiben nur die Sechziger.

Auf Tour mit den Byrds

Danach geht alles ganz schnell: Gerade mal fünf Tage nach ihrer zufälligen Reunion geben sie ihr Live-Debüt als Buffalo Springfield im Troubadour in West Hollywood – und ein paar Tage darauf gehen sie auch schon als Support für die Byrds auf Tour. Manche Dinge, so scheint es, müssen einfach geschehen. Und wenn auch nur, um die ehernen Götter des Rock’n’Roll nicht zu erzürnen.

Auch der Rest der kurzen, aber berauschenden Buffalo-Springfield-Geschichte liest sich wie eine Hippie-Fabel: Die Byrds besorgen der jungen Band eine Audition im Whisky a Go Go, kurz darauf sind Buffalo Springfield auch schon die Hausband des legendären Ladens. Die Labels reißen sich schon bald um die Band, Gelder werden locker gemacht und zwischen Juli und September 1966 in die Aufnahmen zum Debüt Buffalo Springfield in den Gold Star Studios gesteckt.

Unruhen auf dem Sunset Strip

So wirklich zünden will das Album zunächst nicht, als es am 5. Dezember 1966 erscheint. Das darf man nach all dem Buzz und den Vorschusslorbeeren der vergangenen Monate durchaus als Enttäuschung werten. Dann spielt Buffalo Springfield ein kulturelles Sperrfeuer in die Karten, das Los Angeles im November und Dezember 1966 in Brand setzt: Die sogenannten Sunset Strip Curfew Riots bringen junge Menschen der Gegenkultur auf die Straße, um gegen Sperrstunden, Aufenthaltsverbote und den drohenden Abriss des Clubs Pandora’s Box zu demonstrieren. Die Stimmung ist aufgeheizt, erstmals wird die Kluft zwischen der Gegenkultur und dem alten Amerika deutlich.

Stephen Stills nimmt die Unruhen als Inspiration für For What It’s Worth, den bekanntesten Buffalo-Springfield-Song. Die Band spielt ihn an Thanksgiving erstmals live im Whisky und nimmt ihn am Erscheinungstag ihres Debüts auf. Im März des Folgejahres war das Protestlied ein Top-Ten-Hit und wird als Opener auf eine Neuauflage von Buffalo Springfield gepackt. Die Nummer Baby Don’t Scold Me wird einfach runtergeschmissen. Auch irgendwie eine Schande, oder?

Danach geht alles mehr oder weniger schnell den Los Angeles River runter. Die Band verstrickt sich in Drogeneskapaden, wird mehrfach hochgenommen, Mitglieder werden festgenommen, Neil Young bleibt immer öfter von Auftritten oder Proben fern. Selbst als Buffalo Springfield 1967 beim Monterey Pop Festival auftreten, ist er nicht dabei. Seine Parts übernimmt ein gewisser David Crosby, was den Grundstein für die nächste legendäre Band legt, die bald nach dem unrühmlichen Ende von Buffalo Springfield im Sommer 1968 entsteht. Doch auch diese Geschichte ist eine, die vom Märchen allzu bald zum Albtraum wird…

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Zeitsprung: Am 26.10.1999 erscheint „Looking Forward” von Crosby, Stills, Nash & Young.

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Popkultur

Vor 50 Jahren sorgt ein Brand für die Mutter aller Hard-Rock-Riffs

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Deep Purple
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Am 4. Dezember 1971 steigt Rauch auf am Ostufer des Genfers Sees. Der Brand bei einem Frank-Zappa-Konzert inspiriert Deep Purple zum wichtigsten Riff der Hard-Rock-Geschichte.

von Björn Springorum

Es ist die Urmutter, die Ursuppe, der Urknall: Das Riff von Smoke On The Water ist der Nukleus, aus dem in der Folge alles Hard-Rock-Leben entspringt. Mit Deep Purple verlässt die harte Musikwelt das Wasser, um sich neue Lebensräume an Land und in der Luft zu erobern – prähistorisch gesprochen. Alles beginnt vor 50 Jahren, als sich Deep Purple für Albumaufnahmen ins mondäne Kurstädtchen Montreux direkt am Ufer des Genfer Sees zurückziehen.

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Unterwegs mit dem Studio der Stones

Erst Ende Oktober 1971 waren Deep Purple von der kräftezehrenden, exzessiven In Rock World Tour zurückgekehrt, die sie über 15 Monate und mit 157 Shows durch die USA, Europa und Australien geführt hatte. Zwischendrin hatten sie Fireball aufgenommen, ihre fünfte Platte, die im September 1971 erscheint. Um sich für den Nachfolger nicht direkt wieder wochenlang in ein Studio verkriechen zu müssen, klingelt die Band bei den Stones an, borgt sich deren in einem alten Truck untergebrachtes Mobile Studio und setzt nach Montreux am Ostufer des Genfer Sees über.

Dort, im 1881 eröffneten Montreux Casino, wollen sie ihr nächstes Album aufnehmen und gleichzeitig eine Menge Steuern sparen, weil sie im Ausland arbeiten. Sie kommen am 3. Dezember 1971 an, einen Tag vor dem letzten Konzert, bevor sich das Casino in den Winterschlaf begibt und Deep Purple in aller Ruhe die Amps auf 11 stellen können ohne die Jetons von einem der Blackjack-Tische zu fegen. Zum feierlichen Saisonfinale steht Frank Zappa mit seinen Mothers Of Invention auf dem Programm.

„Fire!“

Nach einer guten Stunde spielen die Mothers Of Invention gerade King Kong, als irgendein Vollidiot mit einer Signalpistole gegen die Rattandecke schießt. Zunächst passiert gar nichts, doch irgendwann bricht Feuer aus, Frank Zappa ruft „Fire!“, der Saal wird evakuiert. Dass damals keine Massenpanik ausbricht, ist aus heutiger Sicht ein Wunder. Augenzeugen berichten, dass das Feuer anfangs keineswegs bedrohlich aussah und das Publikum das Casino ohne Hast verlassen kann. Erst wenig später, als der Brand auf weitere Gebäudeteile übergreift und alles wie ein Feuerwerk in die Luft geht, wird die Tragweite des Unglücks deutlich.

Wie durch ein Wunder wird kaum jemand ernstlich verletzt. Dafür brennt das Casino bis auf die Grundmauern ab, verschluckt Zappas gesamtes Equipment und setzt fast noch das rollende Studio der Stones in Brand, das neben dem Casino parkt und auf seinen ersten Einsatz am darauffolgenden Tag wartet.

Pläne gehen in Rauch auf

All das sehen Deep Purple von der Bar ihres Hotels aus. Und sind Augenzeugen, wie ihre geplanten Aufnahmen in Rauch aufgehen. Gleich am nächsten Tag macht sich die Band auf die Suche nach einer neuen Location, wo sie mit ihrem mobilen Studio in aller Ruhe lärmen können. Eine erste Interimswahl, ein Theater namens The Pavillon, wird kurzzeitig ihr neues Zuhause, doch als sich mehr und mehr Nachbarn über den Lärm beschweren und sich die Polizei gewaltsam Zutritt zum Theater verschafft, müssen sie die Zelte auch schon wieder abbrechen. Bezeichnenderweise entsteht hier genau ein Song, der es später auch auf Machine Head schafft: die Urversion von Smoke On The Water.

Mit der Hilfe von Claude Nobs, dem Leiter des Montreux Jazz Festival, findet die Band Zuflucht im Hôtel des Alpes-Grand Hôtel, das bereits die Schotten für den Winter dicht gemacht hat. Dort, in den leeren Fluren und Bankettsälen, finden Deep Purple ein Szenario vor, das sich Stephen King einige Jahre später für The Shining ausdenken wird: Ein riesiges und leeres Hotel, geschlossen für den Winter. Zwei Unterschiede zu Kings Meisterwerk gibt es dann aber doch: Hier entsteht ein Hard-Rock-Klasiker und kein psychotischer Roman. Und die Band verliert während ihres Aufenthalts nicht den Verstand.

The Shining lässt grüßen

Obwohl: Leicht sind die Aufnahmen in dem riesigen Hotel am Rande von Montreux nicht. Um nach einem Take das mobile Studio der Stones zu erreichen, das eingeschneit vor dem Eingang parkt, müssen sie durch diverse Zimmer und über Balkone klettern, weil der Korridor zum Ausgang mit Equipment und klangabschirmenden Matrazen vollgestopft ist. „Sobald wir uns einmal dorthin durchgekämpft und uns den Take angehört hatten, nickten wir es ab, selbst wenn wir wussten, dass es kein perfekter Take war. Niemand von uns wollte sich das alles noch mal antun“, so beschreibt Ritchie Blackmore später die Aufnahmen.

Das führt zu einem rohen, unpolierten Sound, der eher an ihre Live-Shows erinnert als an die Aufnahmen zu In Rock oder Fireball. Ironischerweise bekommt die Band also genau das Resultat, das sie sich von den Aufnahmen im Casino erhofft hat. Aus dem namenlosen Stück, das noch im Theater geschrieben wurde, wird im Hotel nach und nach Smoke On The Water, benannt nach einem Traum von Bassist Roger Glover und daraufhin von Sänger Ian Gillan in eine historische Bestandsaufnahme der Ereignisse des 4. Dezember 1971 verwandelt.

Geklaut bei Beethoven

Das wirklich geniale an dem Song ist aber natürlich die glorreiche Simplizität des Riffs. Wie Ritchie Blackmore unumwunden zugibt, ist es ein Rip-Off von Beethovens Fünfter: „Ich schulde ihm eine Menge Geld“, bemerkte er mal trocken dazu. Eben weil der Song so einfach gestrickt ist (und im erweiterten Freundeskreis der Band nicht mal besonders gut ankam), gesteht ihm die Band keine sonderlich großen kommerziellen Aussichten zu. Erst als dritte Single von Machine Head wird er im Mai 1973 veröffentlicht – über ein Jahr nach dem Album. Und entwickelt sich im Sommer plötzlich zum Übersong, zum Radiohit, zur Hymne, die man ab sofort ganz automatisch mit dieser Band in Verbindung bringt.

Wie so oft bei den ganz großen Erfolgen einer Band gilt auch hier: Smoke On The Water ist nicht der beste Song der Band. Er ist aber wie eine Zeitkapsel, ein historisches Dokument. Und genau deswegen von unschätzbarem Wert.

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