------------

Popkultur

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Published on

Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.3.1971.

von Frank Thießies und Christof Leim

Nach zwei bei Kritik und Publikum durchgefallenen Platten gelingt der Alice-Cooper-Band mit ihrem dritten Album schließlich der Coup: Angespornt durch den aufstrebenden jungen Produzenten Bob Ezrin entledigt man sich auf dem am 9. März 1971 erscheinenden Album Love It To Death nahezu aller verkünstelten Art-Rock-Einflüsse und psychedelischen Elemente – und vollzieht die Häutung zum Hard Rock.

Hier könnt ihr euch die Songs von Love It To Death anhören:

Dass Alice Cooper nicht von Anbeginn der harte Schock-Rocker war, den inzwischen jedes Schulkind kennen dürfte, ist aus heutiger Sicht nur schwer vorstellbar. Doch für die aus alten High-School-Freunden bestehende Band Alice Cooper ist Ende der Sechziger aller Anfang schwer. (Damals übrigens steht der Name noch nicht alleine für den Sänger als Einzelkünstler, sondern für die gesamte Gruppe.) Die Truppe siedelt zunächst aufgrund besserer Erfolgsaussichten im Showbusiness von Phoenix, Arizona nach Los Angeles um. Doch Hollywood empfängt die jungen Burschen keineswegs mit offenen Armen.

Brotlose Kunst

Zwar findet die Alice-Cooper-Band in Freak-Guru und Avantgarde-Künstler Frank Zappa recht früh einen prominenten Unterstützer und auf dessen Label Straight Records auch eine erste Plattenfirmenheimat. Doch so richtig zünden will der experimentelle und zuweilen psychedelisch durchgeknallte, ambitionierte Art Rock ihrer ersten beiden Alben Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) nicht. Das alles soll sich jedoch schlagartig ändern, als die inzwischen nach Michigan in die Nähe von Detroit weitergezogene Band auf das damals 21-jährige kanadische Produzenten-Wunderkind namens Bob Ezrin trifft. 

Sänger Alice Cooper, Foto: Max Schneider/Keystone/Getty Images

Ezrin, zumindest von den theatralischen Livequalitäten der Gruppe begeistert, schwebt musikalisch schnell ein hartes Trainingslager vor. Die alte Scheune, in der die Band im Städtchen Pontiac probt, wird kurzerhand zum „Bootcamp“ umfunktioniert. Sieben Monate lang verbringen Ezrin und die Musiker dort damit, Songs am laufenden Band zu schreiben und haarklein an ihrem Sound zu feilen. Ausgang gibt es nur am Wochenende, wenn es gilt, mit ein paar Gigs Geld zu verdienen. 

Harte Schule

Ezrin trimmt nicht nur Alice Coopers Gesang auf Ausdruck und charakteristischen Wiedererkennungswert, sondern nimmt jedes einzelne Mitglied an seinem Instrument unter die Lupe und in die Mangel. Analog wird bereits existierendes und konzerterprobtes Songmaterial von jeglichem Fett befreit. „Wir haben unseren Sound und unsere Arrangements ökonomisiert, indem wir 80 Prozent des musikalischen Exzesses eliminiert haben“, erinnert sich Cooper in seiner Autobiografie Alice Cooper, Golf Monster. So wird aus dem mäanderndem Epos I’m Eighteen schließlich der knapp dreiminütige knackige Hit, der mit seiner Teenage-Angst-Thematik der Band den Durchbruch und einen ersten Erfolg beschert.

Doch Love It To Death ist keinesfalls ein One-Hit-Wonder. Schon der Opener Caught In A Dream besticht mit klassischer Struktur und erhöhtem Eingängigkeitsfaktor im Refrain. Gleiches gilt für den Rocker Long Way To Go. Zwar tanzt das gut neunminütige Black Juju noch mal aus der Reihe und schwelgt in eigentlich ad acta gelegter Psychedelia, doch Is It My Body serviert bereits wieder Hard Rock-Essenzen. Und im tollen Ballad Of Dwight Fry findet sich das dramaturgische Balladen-Herzstück des Albums, welches jedoch keine handelsübliche Schnulze thematisiert, sondern, natürlich, einen Irrenhausaufenthalt. 

Für immer 18

Love It To Death wird nicht nur das erste echte Aushängeschild für Alice Cooper und seine Band und damit auch das erste Werk in einer langen Reihe von Kollaborationen mit Ezrin. Die Platte beeinflusst auch die spätere Entwicklung von Hard Rock bis Punk. So komponiert Sänger Joey den ersten Ramones-Song I Don’t Care auf Grundlage der Akkordfolge von  I’m Eighteen. Der Legende nach bestreitet auch Sex-Pistols-Frontmann John Lydon sein damaliges Vorsingen mit eben jenem Cooper-Song. 

Zurück im Jahre 1971 erfährt schließlich auch die Bühnenshow der Alice-Cooper-Band eine entsprechende Generalüberholung. Zwar hat die visuell schon immer extrovertierte Truppe bereits im Vorfeld mit Schminke, Frauenfummeln und anderen Gimmicks experimentiert, doch erst die Love It To Death-Tour gerät zum durchkonzeptionierten Schock- und Horror-Kabinett. Denn hier findet sich die Requisite unter anderem um Zwangsjacke und einen elektrischen Stuhl erweitert. Seit jener Tour wird Cooper so gut wie niemals wieder auch nur einen Song der ersten beiden Alben live spielen. I’m Eighteen, Ballad Of Dwight Fry oder aber auch Is It My Body dagegen sind bis zum heutigen Tage gern gesehene Song-Gäste im Bühnen-Programm von Altmeister Cooper

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Popkultur

30 Jahre Eurodance: Was haben wir uns dabei nur gedacht?

Published on

DJ
Foto: Paula Bronstein/GettyImages

Aua, unsere Ohren: Vor 30 Jahren erobert mit Eurodance ein Genre die deutschen Charts, für das man sich schon 1992 hätte schämen müssen. Stattdessen werden jahrelang Hits am Fließband produziert und Millionen gescheffelt. Wie konnte das eigentlich passieren?

von Björn Springorum

Erklärungen, Leute, wir brauchen Erklärungen. Was da zwischen 1992 und 1996 die deutsche Popkultur und Chartlandschaft aufmischt, ist im Grunde nicht weniger als ein kollektives Trauma. Ein Unfall, bei dem man irgendwie doch nicht wegsehen kann. Eurodance kam, sah und siegte mit der ewig gleichen Formel aus billigsten Dance-Beats zwischen 120 und 140 BPM, weiblichen Soul-Vocals und unterirdischen Rap-Parts, natürlich rein männlicher Natur.

Die Erfinder des Eurodance sind Deutsche. Natürlich

Schuld ist, so muss man das in aller Härte formulieren, Rhythm Is A Dancer von Snap! Er steht im März 1992 am Anfang der Eurodance-Welle, er vereint erstmals all jene Insignien, die schon bald den Neunziger-Alltag bestimmen werden. Hinter Snap! verbergen sich die deutschen Produzenten  Michael Münzing und Luca Anzilotti. Die nennen sich aber lieber Benito Benites und John Virgo Garrett III (!) und begründen mit häufig wechselnden Sänger*innen den Eurodance-Trend, der uns so viel Fremdscham und Spott einbringen soll.

Den beiden bringt er aber natürlich vor allem eines ein: Kohle. Jede Menge Kohle. Allein Rhythm Is A Dancer geht in Deutschland, Großbritannien, Österreich und der Schweiz auf die Eins, selbst in den USA rückt der Song bis auf Rang fünf vor. Dafür gibt es reichlich Gold und Platin und bis heute eine dicke GEMA-Abrechnung. Gratis gibt es den zweifelhaften Ruf als Eurodance-Gründer. Aber bei einem dicken Bankkonto kann man damit sicherlich leben.

Weder Techno noch Rap

Der Weg ist danach zumindest frei für ein Heer an Epigonen, die alle in dieselbe Kerbe schlagen: It’s My Life von Dr. Alban, More And More vom Captain Hollywood Project oder Mr. Vain von Culture Beat folgen in rapider Sukzession und etablieren das Genre. Das nennt damals übrigens noch niemand Eurodance. Der Name rückt erst ins kollektive Bewusstsein, als der Schrecken schon vorbei ist.

Bis heute erschütternd ist der eklatante Sexismus im Eurodance: Die Rollenbilder stammen straight aus den Fünfzigern, die knapp bekleideten Damen säuseln im Refrain, während starke, muskelbepackte Testosteron-Hünen so tun, als hätten sie Sprachgefühl. Das hat bezeichnenderweise weder mit Techno noch mit Rap etwas zu tun – beides Subkulturphänomene der Achtziger. Aber vielleicht wird Eurodance ja deshalb zum Massenphänomen: Wo echter Techno, echter Rap für ein Mainstream-Publikum unerreichbar bleiben, gibt es die kommerzialisierte Billig-Fassung in jedem Werbespot und in jedem Fahrgeschäft auf dem Rummel. Musik wie diese musste einfach in Deutschland erfunden werden. Es dauert dann jedenfalls nicht mehr lang, bis man mit dem Begriff Kirmestechno im die Ecke kommt. Herrlich passend eigentlich.

Das Spiel ist aus

1996 ist der Spuk dann mehr oder weniger schlagartig wieder vorbei. Der Musiksender VIVA erkennt zunehmend spöttelnde Reaktionen auf neue Eurodance-Songs, die omnipräsente Verwendung auf Volksfesten erledigt den Rest: VIVA verzichtet weitgehend auf Eurodance im Programm, die Zahlen schießen ebenso schnell nach unten wie sie wenige Jahre zuvor nach oben gingen. Ruhe in 120 billigen BPM, Eurodance. Ausnahme ist natürlich DJ Bobo, der es mit Scharfsinn und Verstand geschafft hat, die kurze Welle zu überleben und immer noch erfolgreiche Tourneen spielt.

Das eigentlich Schlimme ist ja aber: Man kennt diese Songs alle noch. Fast 30 Jahre später haben sich die Melodien, Refrains und Claims dieser Retortenware immer noch erfolgreich in unsere Hirne eingebrannt, weigern sich hartnäckig, neue, gute Musik an ihre Synapsen zu lassen. Ob man es also will oder nicht: Eine Erfolgsgeschichte ist Eurodance schon. Nur eben eine mit besonders schlechtem Geschmack. Aber wahrscheinlich bekommt jede Generation die Musik, die sie verdient.

Während also in Seattle Musikgeschichte geschrieben wurde, tanzte das immer noch frisch wiedervereinte Deutschland trunken vor Ekstase mit Neon-Klamotten lieber zu „Eins zwei Polizei“ von Mo-Do (RIP). Man darf sich dann manchmal eben doch nicht über die Wahrnehmung unseres Landes im Ausland wundern…

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

10 Songs, die jeder Hip-Hop-Fan der ersten Stunde kennt

Continue Reading

Popkultur

Halbzeitbilanz: Die acht besten Alben von Januar bis Juni 2022

Published on

Harry Styles
Foto: Dia Dipasupil/Getty Images

Halbzeitpfiff, die ersten sechs Monate des Jahres 2022 sind rum! Lasst uns also schauen, welche großartigen Platten seit Silvester erschienen sind. Ob übliche Verdächtige wie die Scorpions und Rammstein, neue Stars wie Harry Styles und Rosalía oder Geheimtipps wie Sarah Shook & The Disarmers: Das sind unsere acht Favoriten von Januar bis Juni 2022.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch unsere Favoriten von Januar bis Juni 2022 anhören:

1. Harry Styles – Harry’s House

Ihren wilden Anfang nahm die Karriere von Harry Styles ab 2010 in der britischen Boyband One Direction. Seit 2016 erobert der junge Sänger auch als Solokünstler den Planeten und wir lehnen uns nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten: Er ist einer der größten Popstars unserer Zeit. Schon mit seinen ersten beiden Alben Harry Styles (2017) und Fine Line (2019) landete er weltweit auf den Champions-League-Plätzen der Hitparaden. Mit seiner neuen Veröffentlichung Harry’s House untermauerte Styles endgültig seinen Status als lebende Legende und stürmte in mehr als 25 Ländern auf Platz eins der Albumcharts. Kein Wunder: Seine kreative Mischung aus Pop und Rock verbindet die Musikgeschichte mühelos mit der Moderne und bietet Anknüpfungspunkte für so ziemlich jede Generation.

2. Rosalía – Motomami

Den Flamenco auf unkitschige Art und Weise in die Popmusik des 21. Jahrhunderts zu retten, ist keine einfache Aufgabe. Dennoch meistert Rosalía aus Spanien genau diesen Spagat, staubt die Tradition ihres Landes kräftig ab und landet damit seit 2017 einen Hit nach dem anderen. Die Grundlage dafür ist zum einen ihre Ausbildung als professionelle Flamenco-Sängerin, zum anderen ihr Verständnis für modernere Einflüsse aus Pop und Rock. Zusätzlich bringt Rosalía mit ihrem großen Erfolg mächtig Schwung in die spanische Musikindustrie, setzt sich für Frauenrechte ein und verschafft der Kultur ihres Landes eine internationale Bühne. Mit Motomami gelang ihr nämlich zum ersten Mal auch in den USA der Sprung in die Charts, wo ihr drittes Album gleich auf Platz 33 kletterte. Kurz danach trat sie als erste spanische Solokünstlerin in der US-Sendung Saturday Night Live auf.

3. Eddie Vedder – Earthling

Dass Eddie Vedder auch solo zu überzeugen weiß, hat der Pearl-Jam-Frontmann bereits mit seinem Debüt Into The Wild bewiesen, dem Soundtrack für den gleichnamigen Film. Mit Earthling legte der Sänger im Februar 2022 seinen dritten Alleingang vor und zeigt sich darauf noch einmal von einer ganz anderen Seite. So lässt Vedder die Ukulele für Earthling mal im Schrank, probiert ansonsten aber so ziemlich alles aus, was die Rockmusik so hergibt. Ob Mundharmonika-Punk (Try), eine Kollaboration mit Elton John (Picture), straighte Rocker (Power Of Right) oder Heartland Rock, der auch Bruce Springsteen und Tom Petty gut zu Gesicht gestanden hätte (The Dark; Long Way): Vedder zeigt auf seinem dritten Solowerk zum ersten Mal, dass er die gesamte Palette des Rock und Pop beherrscht. Ein starkes Album!

4. Ghost – Impera

Wenn auf großen Metal-Festivals vom sogenannten „Headliner-Sterben“ die Rede ist, drängt sich automatisch die Frage nach den großen Rock- und Metal-Bands der Zukunft auf. Eine der Antworten: Ghost. Seit mehr als 15 Jahren wächst der Hype um die Schweden immer weiter und dafür gibt es reichlich gute Gründe. Da wäre zum Beispiel die faszinierende Bühnenshow der Gruppe um Mastermind Tobias Forge. Oder die fantasievollen, abwechslungsreichen und stets kreativen Alben der Band. „Mir ging es sehr gut, der Welt aber nicht“, beschreibt Forge die Impera-Schaffensphase im Interview mit uDiscover Music. „Und in meinem Augen spiegelt sich das auf der Platte wieder. Das Resultat sind 40 Minuten voll düsterem Rock, der sich um den Aufstieg und dem Fall von Imperien dreht.“

5. Rammstein – Zeit

In musikalischer Hinsicht schalten Rammstein auf ihrem achten Album zwar einen Gang zurück, doch inhaltlich geht es auf Zeit durchaus ans Eingemachte. So beschäftigt sich Frontmann Till Lindemann in seinen Texten nicht nur mit dem allgegenwärtigen Schönheitswahn und „dicken Titten“, sondern auch mit der eigenen Vergänglichkeit, unterschiedlichen Ängsten und mit anderen schweren Themen wie häuslicher Gewalt. Die besonders melancholischen Momente sind die, die am besten funktionieren. Dann, wenn sich Rammstein geradezu in Trance spielen und singen, und von den Uffta-Pflichtübungen absehen. Dass die Band auf Zeit ihr eigenes Ende besingt, glauben und hoffen wir nicht. Sollte dem aber aus irgendeinem Grund doch so sein, handelt es sich bei Rammsteins Achter um eine Platte, mit der man ruhigen Gewissens den Ruhestand einläuten kann.

6.Scorpions – Rock Believer

Wenn Deutschlands größte Rockband nach sieben Jahren ohne Studioveröffentlichung ein neues Album rausbringt, horchen die hiesigen Krachmusik-Jünger natürlich auf. Und die Wartezeit hat sich gelohnt: Auf ihrer 19. Platte feiern die Scorpions ihren Achtziger-Sound, packen das Ganze in ein modernes Gewand und liefern stolze 15 Songs für eure nächste Rock-Gartenparty ab. Eine richtige Zehn von Zehn verbirgt sich auf Rock Believer zwar nicht, doch der Titeltrack kommt der vollen Punktzahl schon verdächtig nahe. So oder so: Es besteht kein Zweifel daran, dass die Scorpions im Studio nichts von ihrer Qualität eingebüßt haben. Dass dabei nicht mehr das ganz große Feuerwerk abgefackelt wird, wie es in den Achtzigern der Fall war, ist nur logisch. Dafür sind die Scorpions heute so etwas wie der wohlig wärmende Kamin, um den sich Rockfans weltweit versammeln können.

7. Sarah Shook & The Disarmers – Nightroamer

In den Staaten erspielt sich Sarah Shook bereits seit einigen Jahren einen Namen in der Country-Szene; hierzulande dringt die junge Sängerin bisher etwas langsamer in die Musikwelt vor. Das könnte sich mit ihrem dritten Album ändern, denn auf Nightroamer lässt Shook mehr poppige Elemente in ihren Cowpunk einfließen, der mal energiegeladen und mal balladesk daherkommt. So schreckt sie weder davor zurück, mit der Ehrlichkeit des Outlaw Country aus ihrem nicht immer einfachen Leben zu erzählen, noch weigert sie sich, den Stallgeruch das traditionellen Country bisweilen auch mal abzuwaschen. Das äußert sich auch auf politischer Ebene, denn Shook macht keinen Hehl daraus, dass sie genderqueer und bisexuell ist und sich mit großem Engagement für die Belange der LGBTQIA+-Welt einsetzt.

8. Red Hot Chili Peppers – Unlimited Love

Nach fast 40 Jahren Bandgeschichte haben die Red Hot Chili Peppers ihren Sound längst gefunden. Das stellen die Kalifornier auch auf ihrem zwölften Album Unlimited Love unter Beweis, das zwar keine bahnbrechenden Neuigkeiten enthält und der Rockgeschichte sicher kein neues Kapitel hinzufügen wird, dafür aber den guten alten RHCP-Vibe zelebriert. Die Band klingt auf der Platte, wie zu ihren erfolgreichsten Zeiten, was unter anderem daran liegt, dass Gitarrengott John Frusciante wieder nach Hause gefunden hat. Selten war so deutlich, wie anders die Chili Peppers klingen, wenn er die Musik der Gruppe um seine Virtuosität an der Gitarre und sein einzigartiges Songwriting bereichert.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 7.7.2000 spielen Metallica ohne James Hetfield. Also müssen andere singen.

Published on

John Shearer/WireImage

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.7.2000.

von Christof Leim

Selbst den mächtigen „Papa Het“ erwischt es mal: Im Sommer 2000 muss Metallica-Frontmann James Hetfield verletzungsbedingt bei drei Shows aussetzen. Doch die Konzerte finden trotzdem statt: Jason Newsted, Korn, Kid Rock und System Of A Down helfen mit Brüllerei und Rhythmusgitarre.

Hört euch hier das damals aktuelle Reload an:

Ein neues Album gibt es Mitte 2000 nicht, als Metallica sich auf Summer Sanitarium-Tour begeben. Im Vorjahr erschien die Orchesterkollaboration S&M (1999), die letzte „richtige“ Studioplatte heißt Reload (1997). Wenige Monate vorher hatte es den Streit um Napster gegeben (heute wissen wir: Lars hatte völlig Recht), der große interne Knall – Stichworte: Jason raus , Streit, Entzug, St. Anger und Some Kind Of Monster – steht noch bevor. Also rollt die Metal-Maschine fröhlich durch die Welt, denn live sind Metallica immer eine Macht und vor allem ein Zuschauermagnet. Die auf 20 Shows angelegte Konzertreise führt durch riesige Stadien in den USA, als Begleitung sind angesagte Künstler der Jahrtausendwende dabei: System Of A Down, Korn, Powerman 5000 und Lars Ulrichs Kumpel Kid Rock.

Los geht es am 23. Juni 2000 in Seattle, doch während der kurzen Pause nach der fünften Show in Baltimore am 4. Juli verletzt sich Hetfield bei einem Unfall mit einem Jetski. Das Ergebnis: Bandscheibenvorfall. Damit ist der 36-Jährige für ein paar Tage raus. Nur: Die Show muss weitergehen. Sommer, Sonne, Thrash Metal, das war der Plan! Deshalb laden Lars Ulrich, Kirk Hammett und Jason Newsted die anderen Musiker der Tour auf die Bühne ein und erlauben sich großzügig ein paar Freiheiten mit der Setlist. Dafür halten die drei erstmal eine kleine Ansprache, bei der Newsted erklärt: “Hetfield ist der härteste Motherfucker, den ich kenne. Er sagt eine Show nur ab, wenn es wirklich nicht anders geht.”

Vor allem Jason zeigt, dass seine Brüllmonster-Backingvocals in der Not auch für die erste Stimme taugen, und singt gleich zu Anfang Creeping Death, For Whom The Bell Tolls und Seek And Destroy. Dabei helfen ihm Gitarrist Kenny Olson und Rapper Joe C. aus der Truppe von Kid Rock. Die Instrumente gehen dann an Korn, die das Cheech & Chong-Cover Earache My Eyes sowie ihr eigenes Counting zum Besten geben.

Mit Herrn Rock spielen Metallica dann Sad But True, das in sein American Bad Ass übergeht – ist ja der gleiche Song. Der Mann singt gleich noch Nothing Else Matters, das Creedence-Clearwater-Revial-Cover Fortunate Son und eine Nummer aus dem eigenen Katalog (Somebody‘s Gotta Feel This/Fist Of Rage). Damit sind schon mal zehn Songs durch. 

Jason übernimmt für Fuel, bei Turn The Page hilft ihm schon wieder Kid Rock. Bei Mastertarium (yep, ein Medley aus den beiden Hits von Master Of Puppets) mischen Gitarrist Daron Malakian und Sänger Serj Tankian von System Of A Down mit, für den Abschluss mit – natürlich – Enter Sandmanstehen dann mehr oder minder alle auf der Bühne. Fotos von der Sause gibt es hier, natürlich geistern jede Menge Bootlegs durch die Welt.

Damit haben die 44.000 Fans (95% ausverkauft) in Atlanta, Georgia eine ziemlich einmalige Show gesehen, Metallica konnten den Termin retten – und spielen am 5. und 6. August sogar noch zwei Wiedergutmachungskonzerte in der Stadt für alle, die ihr Ticket behalten haben. Auf ihrer Website schreibt die Band: „Make-up show featuring Special Guest James Hetfield“. Die nächsten beiden Juli-Termine in Sparta, Kentucky (8.7.) und Dallas, Texas (9.7.) muss der Frontmann übrigens ebenfalls aussetzen. Aber so langsam gewöhnen sich die Ersatzleute an den Job, die Setlist wird länger: Jonathan Davis singt noch bei One, Jason brüllt sich durch Whiplash. Auch in Texas und Kentucky gibt es später je zwei Nachholgigs.

Damit hat Lars die besten Fehlquote bei Metallica, denn er muss (Stand Juli 2022) nur ein einziges Mal aussetzen, nämlich am 6. Juni 2004. Die Geschichte dazu findet ihr hier.

Zeitsprung: Am 6.6.2004 spielen Metallica das einzige Mal ohne Lars.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss