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Popkultur

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

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Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.3.1971.

von Frank Thießies und Christof Leim

Nach zwei bei Kritik und Publikum durchgefallenen Platten gelingt der Alice-Cooper-Band mit ihrem dritten Album schließlich der Coup: Angespornt durch den aufstrebenden jungen Produzenten Bob Ezrin entledigt man sich auf dem am 9. März 1971 erscheinenden Album Love It To Death nahezu aller verkünstelten Art-Rock-Einflüsse und psychedelischen Elemente – und vollzieht die Häutung zum Hard Rock.

Hier könnt ihr euch die Songs von Love It To Death anhören:

Dass Alice Cooper nicht von Anbeginn der harte Schock-Rocker war, den inzwischen jedes Schulkind kennen dürfte, ist aus heutiger Sicht nur schwer vorstellbar. Doch für die aus alten High-School-Freunden bestehende Band Alice Cooper ist Ende der Sechziger aller Anfang schwer. (Damals übrigens steht der Name noch nicht alleine für den Sänger als Einzelkünstler, sondern für die gesamte Gruppe.) Die Truppe siedelt zunächst aufgrund besserer Erfolgsaussichten im Showbusiness von Phoenix, Arizona nach Los Angeles um. Doch Hollywood empfängt die jungen Burschen keineswegs mit offenen Armen.

Brotlose Kunst

Zwar findet die Alice-Cooper-Band in Freak-Guru und Avantgarde-Künstler Frank Zappa recht früh einen prominenten Unterstützer und auf dessen Label Straight Records auch eine erste Plattenfirmenheimat. Doch so richtig zünden will der experimentelle und zuweilen psychedelisch durchgeknallte, ambitionierte Art Rock ihrer ersten beiden Alben Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) nicht. Das alles soll sich jedoch schlagartig ändern, als die inzwischen nach Michigan in die Nähe von Detroit weitergezogene Band auf das damals 21-jährige kanadische Produzenten-Wunderkind namens Bob Ezrin trifft. 

Sänger Alice Cooper, Foto: Max Schneider/Keystone/Getty Images

Ezrin, zumindest von den theatralischen Livequalitäten der Gruppe begeistert, schwebt musikalisch schnell ein hartes Trainingslager vor. Die alte Scheune, in der die Band im Städtchen Pontiac probt, wird kurzerhand zum „Bootcamp“ umfunktioniert. Sieben Monate lang verbringen Ezrin und die Musiker dort damit, Songs am laufenden Band zu schreiben und haarklein an ihrem Sound zu feilen. Ausgang gibt es nur am Wochenende, wenn es gilt, mit ein paar Gigs Geld zu verdienen. 

Harte Schule

Ezrin trimmt nicht nur Alice Coopers Gesang auf Ausdruck und charakteristischen Wiedererkennungswert, sondern nimmt jedes einzelne Mitglied an seinem Instrument unter die Lupe und in die Mangel. Analog wird bereits existierendes und konzerterprobtes Songmaterial von jeglichem Fett befreit. „Wir haben unseren Sound und unsere Arrangements ökonomisiert, indem wir 80 Prozent des musikalischen Exzesses eliminiert haben“, erinnert sich Cooper in seiner Autobiografie Alice Cooper, Golf Monster. So wird aus dem mäanderndem Epos I’m Eighteen schließlich der knapp dreiminütige knackige Hit, der mit seiner Teenage-Angst-Thematik der Band den Durchbruch und einen ersten Erfolg beschert.

Doch Love It To Death ist keinesfalls ein One-Hit-Wonder. Schon der Opener Caught In A Dream besticht mit klassischer Struktur und erhöhtem Eingängigkeitsfaktor im Refrain. Gleiches gilt für den Rocker Long Way To Go. Zwar tanzt das gut neunminütige Black Juju noch mal aus der Reihe und schwelgt in eigentlich ad acta gelegter Psychedelia, doch Is It My Body serviert bereits wieder Hard Rock-Essenzen. Und im tollen Ballad Of Dwight Fry findet sich das dramaturgische Balladen-Herzstück des Albums, welches jedoch keine handelsübliche Schnulze thematisiert, sondern, natürlich, einen Irrenhausaufenthalt. 

Für immer 18

Love It To Death wird nicht nur das erste echte Aushängeschild für Alice Cooper und seine Band und damit auch das erste Werk in einer langen Reihe von Kollaborationen mit Ezrin. Die Platte beeinflusst auch die spätere Entwicklung von Hard Rock bis Punk. So komponiert Sänger Joey den ersten Ramones-Song I Don’t Care auf Grundlage der Akkordfolge von  I’m Eighteen. Der Legende nach bestreitet auch Sex-Pistols-Frontmann John Lydon sein damaliges Vorsingen mit eben jenem Cooper-Song. 

Zurück im Jahre 1971 erfährt schließlich auch die Bühnenshow der Alice-Cooper-Band eine entsprechende Generalüberholung. Zwar hat die visuell schon immer extrovertierte Truppe bereits im Vorfeld mit Schminke, Frauenfummeln und anderen Gimmicks experimentiert, doch erst die Love It To Death-Tour gerät zum durchkonzeptionierten Schock- und Horror-Kabinett. Denn hier findet sich die Requisite unter anderem um Zwangsjacke und einen elektrischen Stuhl erweitert. Seit jener Tour wird Cooper so gut wie niemals wieder auch nur einen Song der ersten beiden Alben live spielen. I’m Eighteen, Ballad Of Dwight Fry oder aber auch Is It My Body dagegen sind bis zum heutigen Tage gern gesehene Song-Gäste im Bühnen-Programm von Altmeister Cooper

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

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