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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.9.2002 erscheint „The Art Of Balance“ von Shadows Fall.

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Foto: Mick Hutson/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.9.2002.

von Christof Leim

Frage an die verehrte Headbangerschaft da draußen: Kann sich noch jemand an Shadows Fall erinnern? Anfang der Zweitausender gehörte die Band zum heißen neuen Scheiß im Heavy Metal, genauer in der NWoAHM. Ja, das klingt ein bisschen sonderbar, heißt aber nur: „New Wave of American Heavy Metal“.

Hier gibt’s The Art Of Balance zum Anhören:

Damit werden üblicherweise die Bands bezeichnet, die Ende der Neunziger bis Mitte der 2000er in den USA nach den in Sachen Metal eher schwierigen Neunzigern wieder ordentlich Brutalität ins Spiel einführten. Dazu bringen sie gerne mal fast schon traditionelle Riffs mit brutalen Vocals an den Start. Stilistisch liegt das Ganze irgendwo zwischen Pantera und Metalcore mit einer nicht zu überhörenden Grundausstattung aus Thrash und Death Metal. Ganz vorne mit dabei: Lamb Of God, Unearth – und eben Shadows Fall.

Die neue Garde

Deren drittes Album The Art Of Balance kommt am 17. September 2002, in die Läden. Darauf verschmelzt der Fünfer aus Springfield, Massachusetts seine Melodic-Death-Wurzeln mit viel klassischem Thrash und auch Hard Rock. Sogar eine Pink Floyd-Coverversion (Welcome To The Machine) ziehen sie aus dem Hut. 

So vollführen die „Shads“, wie sie abgekürzt genannt werden, eine ähnliche Entwicklung wie In Flames, die im gleichen Jahr ihren klassischen „Gothenburg Sound“ auf Reroute To Remain öffnen und erweitern – was alleine deshalb bemerkenswert ist, weil Shadows Fall eben von jenen Schweden massiv beeinflusst wurden. Wo In Flames 2002 Alternative und moderne Metal-Spielarten einfließen lassen, sind es bei Shadows Fall aber Rock’n’Roll, klassischer Heavy Metal und Thrash.

Melodie und Aggression

Dass The Art Of Balance die bisherige Stilformel der Mittzwanziger erweitert, könnte daran liegen, dass zum ersten Mal alle Mitglieder am Songwriting beteiligt sind und bis auf einen Track kein altes Material Verwendung findet. Gitarrist und Bandgründer Matthew Bachand fasst das so zusammen: „Statt acht Göteborg-Death-Metal-Songs haben wir jetzt Balladen, Rock-Nummern und Thrash-Tracks.“ Vor allem letztere dominieren: Shadows Fall klingen 2002 mehr nach frühen Metallica als nach At The Gates. Das heißt immer noch, dass hier nicht gekuschelt wird: Die Scheibe ballert ordentlich, weist daneben aber melodische Schnörkel, tolle Gitarrenarbeit und neben Todesgebrüll viele Hooklines auf. 

Diese Kombination aus Melodie und Aggression passt zu den Themen der Platte, der Suche nach Balance im Inneren und Äußeren sowie der Einheit der Dinge. Sänger und Texter Brian Fair (der mit den langen Dreadlocks) schreibt viel über Spiritualität und thematisiert in Thoughts Without Words beispielsweise seine Erfahrungen mit Meditation und Yoga. Destroyer Of Senses hingegen trägt eine weltliche Inspiration, die Alkoholsucht seines Vaters nämlich.

Aufstieg und Feierabend

Das Paket zündet: Die Scheibe verkauft sich in der ersten Woche in den USA fast 5.000 Mal, was man bei einer Band, die sich noch im Untergrund bewegt, schon „fett“ nennen darf. Auch in Deutschland machen Shadows Fall damit von sich reden. Drei Videos erscheinen, die im Musikfernsehen (oder was 2002 noch davon übrig ist) ordentlich oft gespielt werden. In der Folge touren die fünf Musiker wie die Wahnsinnigen, steigern ihr Profil zusehends und unterschreiben für das übernächste Album The Threads Of Life (2007) einen Vertrag bei einem Majorlabel. Sogar zwei Grammy-Nominierungen stauben die Kollegen ab. 

Irgendwann verliert die Sache aber an Dampf, und das wirkliche Leben grätscht rein. Bandmitglieder bekommen Kinder und wollen nicht mehr 80 Prozent des Jahres unterwegs sein, von den finanziellen Verpflichtungen ganz zu schweigen. Außerdem steigt Leadgitarrist Jon Donais im Sommer 2013 fest bei den wesentlich etablierteren Anthrax ein. Am 25. August 2014 verkünden Shadows Fall nach letzten Rundreisen den Abschied von ausgiebigen Touren und nennen als Gründe „Familien, Finanzen und Zeit“. Mittlerweile ist die Band nicht mehr aktiv. 

Zeitsprung: Am 3.9.2002 wagen In Flames etwas mit „Reroute To Remain“.

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