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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.1.1965 wird Steven Adler von Guns N’ Roses geboren.

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Foto: Marc S Canter/Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.1.1965.

von Tom Küppers und Christof Leim

Er ist für den Groove auf dem Guns N’ Roses-Klassiker Appetite For Destruction verantwortlich und hat Sex, Drugs & Rock’n’Roll überlebt. Am 22. Januar feiert Steven Adler Geburtstag, wir gratulieren mit einem Rückblick.

Hier könnt ihr in Steve Adlers Meisterstück Appetite For Destruction reinhören:

Geboren wird der Schlagzeuger am 22. Januar 1965 in Cleveland als Michael Coletti. Schon früh verläuft sein Leben turbulent: Nach der Trennung vom Vater ziehen Mutter und Familie nach Los Angeles. Dort gibt sie (aus religiösen Gründen) ihrem Sohn den neuen Vornamen Steven, der Nachname Adler stammt vom Stiefvater. Als Teenager wird er dann wegen aufkeimender Rebellion und dazugehörigem rüpelhaftem Benehmen zu den Großeltern verfrachtet, die in Hollywood leben. Auf den Straßen der Glitzermetropole sind Drogen allgegenwärtig, weswegen die ersten Erfahrungen nicht lange auf sich warten lassen. In der Schule lernt er dann einen Burschen namens Saul Hudson kennen, den jeder nur Slash nennt. Und damit geht’s dann richtig los…

We Are The Road Crew

Mitte der Achtziger gründen Slash und Steven eine Band und nennen sie nach einem Motörhead-Klassiker Road Crew. Als Bassist stößt Duff McKagan hinzu, doch nach nur wenigen Monaten ist die Gruppe bereits wieder Geschichte. Was zum einen daran liegt, dass sich niemand Passendes für den Gesang finden lässt, und zum anderen daran, dass sich Adler im Vergleich zu den beiden anderen einfach fauler verhält, wie sich Slash in seiner Autobiografie erinnert. Doch der Drummer fackelt nicht lange und schließt sich Hollywood Rose an, wo er Gitarrist Izzy Stradlin und Sänger Axl Rose über den Weg läuft. 

Guns N'Roses

Legendär: Guns N’ Roses 1987

Genau diese beiden gründen dann im März 1985 eine neue Band namens Guns N’ Roses. Als deren Drummer gefeuert wird, bekommt Adler den Job, packt seinen Kumpel Slash ein, und mit dem bereits im April rekrutierten McKagan findet sich am 4. Juni 1985 erstmals die legendäre, klassische Besetzung von Guns N’ Roses zusammen. Deren Debüt Appetite For Destruction entpuppt sich als einen der erfolgreichsten – und vermutlich auch besten – Rockalben der Geschichte. 

Freiwilliger Blödsinn bis zum Bluthusten

Doch neben ausverkauften Hallen gehören harte Drogen und Alkoholexzesse zum Bandalltag. Und Steven Adler war noch nie ein Kind von Traurigkeit, wie er selbst unumwunden zugibt. „Mich hat niemand gezwungen, diesen Blödsinn zu machen“, gibt er Jahre später freimütig im Interview mit dem Classic Rock zu. „Ich habe die Geschichten über meine Lieblings-Rockstars verschlungen und wollte genau wie sie sein. Bloß haben die Magazine nie darüber geschrieben, wie es ist, Blut zu husten oder im Krankenhaus aufzuwachen.“

Irgendwann hängt Adler an der Heroinnadel, nicht als einziges Bandmitglied. Zu einer kleinen Eskalation kommt es, als Rose seine Bandkollegen auf der Bühne im Vorprogramm der Rolling Stones in aller Öffentlichkeit anzählt, pikant-passend vor dem sich mit genau diesem Thema befassenden Mr. Brownstone. Der Sänger erklärt vor Abertausenden Fans und der Presse: „Bevor gewisse Leute hier ihren Scheiß nicht auf die Reihe kriegen, wird das unsere letzte Show sein.“ 

Eklat im Studio

Adler versucht in der Folgezeit nicht zum ersten, und nicht zum letzten Mal, von seinen Dämonen loszukommen, doch die Aufnahmen zu Civil War für das heiß ersehnte Use Your Illusion-Doppelalbum enden tragisch: Selbst für eine nur halbwegs brauchbare Version braucht der Mann zwischen zwanzig und dreißig Anläufen, während der Session schläft er sogar ein. Für die Kollegen steht fest: Adler ist auf Drogen, doch erzählt eine andere Version. Er habe seinerzeit versucht, mit Medikamenten von seiner Sucht loszukommen, die allerdings allerdings heftige Nebenwirkungen hatten. „Nach jedem Durchgang haben mich die anderen angeschrien, wie kaputt ich doch wäre. Und dann sind sie selbst alle paar Sekunden zum Koksen im Bad verschwunden.“ Am 11. Juni 1990 feuern Guns N’ Roses ihren Schlagzeuger offiziell. 

Angeblich sollte Adler direkt danach bei AC/DC anheuern, doch die ziehen seiner Aussage nach ihr Angebot zurück, als Rose seinen Ex-Kollegen bei den MTV Music Awards als Drogensüchtigen bezeichnet. Als Nächstes versucht Adler, seine alte Band Road Crew mit neuen Mitgliedern wieder ins Leben zu rufen. Sogar eine große Plattenfirma zeigt anfangs Interesse, doch als klar wird, das sich Adlers Probleme nicht verbessert haben, erkaltet dieses wieder. Ziemlich genau ein Jahr nach seinem Rauswurf verklagt Steven dann seine ehemaligen Mitstreiter, da sie ihn um seine Anteile und Rechte an den gemeinsamen Platten beschissen hätten. 1993 einigen sich die Parteien dann außergerichtlich. Adler erhält über zwei Millionen Dollar an ausstehenden Zahlungen und fortan regelmäßige Anteile. 

Der Fernseher schaut zu

Doch abgesehen davon macht sich Steven ziemlich rar, was er im Nachhinein wie folgt erklärt: „Ich würde ja gerne behaupten, ich wäre viel gereist oder hätte mich um mich selbst gekümmert, aber eigentlich habe ich nur auf der Couch gesessen und mich weggeschossen. Und der Fernseher hat mir dabei zugesehen.“ 1996 überdosiert Adler dann und fällt ins Koma, bleibende Schäden am Sprachzentrum sind die Folge. Zwei Jahre späte steigt er überraschend bei den reformierten Bulletboys ein, muss dann aber wegen mehrerer Fälle häuslicher Gewalt für 150 Tage ins Gefängnis. Erst 2003 meldet er sich mit Adler’s Appetite wieder auf der Bildfläche zurück. 2008 landet Adler dann im Reality-TV, mehrfach versucht er, in den Sendungen Sober House und Celebrity Rehab With Dr. Drew endlich clean zu werden.

In den Folgejahren pendelt Steven Adler zwischen Clubs und Entzugskliniken hin und her, doch als sich Guns N’ Roses mit Rose, Slash und McKagan zur erfolgreichen Reunion unter dem Banner „Not In This Lifetime“ wieder zusammentun, ist Steven zumindest so fit, dass er bei ein paar Shows einige Songs mitspielen kann. Als neuer fester Schlagzeuger wird er nicht eingeplant. Immerhin entwickelt sich seine neue Soloband in den letzten Jahren zum gerne gesehenen Gast in Classic-Rock-Kreisen, beispielsweise auf der Kiss-Kreuzfahrt. Ein teilweises Happy End für einen Musiker, der zur Rettung des Rock’n’Roll beitrug, als dieser scheintot am Boden lag. 

 

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