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Popkultur

The Killers: Das taugt das nachdenkliche neue Album „Pressure Machine“

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The Killers
Foto: Danny Clinch

Brandon Flowers hat einen schmerzhaften Abschiedsbrief an seine Kleinstadtvergangenheit in der Weite Utahs geschrieben: Auf Pressure Machine sind seine tosenden Killers mal ganz leise, zurückhaltend und voller nostalgischer Sehnsucht. Steht ihnen auch mal gut.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Pressure Machine hören:

The Killers waren ja immer schon das Neon-Gegenstück zu Bruce Springsteen. Hier die Lichter und der dekadente Verfall von Las Vegas, da die hemdsärmelige Bodenständigkeit New Jerseys. Uramerikanisch sind sie letztlich beide, die Killers und der Boss, was auf dem siebten Album Pressure Machine so deutlich wie zuletzt auf Sam‘s Town (2006) zum Ausdruck kommt: Ein Panorama des amerikanischen Mythos und seiner Irrwege, festgemacht an den Menschen in einem unbedeutenden amerikanischen Kaff irgendwo in der verlorenen Weite Utahs.

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Springsteens Söhne

Unbedeutend für alle außer Brandon Flowers, um genau zu sein. Zwischen seinem zehnten und 16. Lebensjahr lebt er in Nephi, Utah, einem staubigen, bedeutungslosen Kaff inmitten der endlosen Wüstenlandschaft. Ampeln gibt es in Nephi keine, dafür eine Reifenfabrik und gewaltige Weizenfelder, in denen man sich verirren kann. Nach Nephi verschlägt es Flowers sehr bald nach Las Vegas, wo er 2001 The Killers gründet. Die sind heute die letzte große Rock-Band des 21. Jahrhunderts, haben bald 30 Millionen Platten verkauft und auf sechs Kontinenten gespielt.


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The Killers
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Springsteens Söhne leuchten den Heartland-Rock mit grellen Lichtern aus, schmieden Stadionhymnen daraus, mit wuchtigen Drums, flirrenden Gitarren und epischen Synthies. Auf sechs Alben haben sie bislang den amerikanischen Traum und seine Überreste vermessen, haben mit Mr. Brightside oder Human große Hits zum großen amerikanischen Songbook beigesteuert. Jetzt ist es Zeit für einen rigorosen Cut. Mit der Pandemie als Katalysator im Rücken, war Brandon Flowers erstmals seit rund 15 Jahren auf sich selbst zurückgeworfen. Mit Stille konfrontiert.

Aus der Stille gewachsen

Aus der Stille ließ er Songs wachsen, die nur ein Jahr nach Imploding The Mirage als siebtes Album Pressure Machine erscheinen. Keine lauten, bombastischen, überproduzierten Songs, für die die Killers sonst stehen. Sondern reflexive, kleine Perlen, zurückhaltend, bisweilen fast spärlich instrumentiert und bevölkert von all den Menschen und Geschichten, die Flowers mit seiner Zeit in Nephi verbindet. Ein Panoptikum aus Träumen und Wünschen, die am drögen Alltag zerschellen, an Ängsten und Momenten des puren Glücks. Klar drückt Flowers dafür die Bremse durch, erschafft eine sehnsüchtige, nostalgische Stimmung, die als Pendant zu Jack Kerouacs großem Beat-Epos On The Road geltend durchgeht.

Mitten ins amerikanische Herz

Akustische Gitarre, Geigen, Bläser, umhergeisternde Synthies und dezente Drums untermalen seine Kleinstadtgeschichten eindringlich – ja, in Songs wie dem wunderschönen, bittersüßen Opener West Hills fast eindringlicher denn je. Nicht bei allen Stücken funktioniert das, manchem Arrangement merkt man an, dass es nach dem großen Besteck giert. Meistens jedoch sind die Songs Volltreffer, kleine und feine Charakterstudien von vergessenen Menschen aus einem vergessenen Ort mitten im Niemandsland, sanft instrumentiert und mit jeder Menge Sehnen auf die Reise geschickt. Kurze Sprachschnipsel von Bewohner*innen des kleinen Ortes ohne Ampeln sind natürlich Mittel zum Zweck, um eine Patina an Authentizität über die Songs zu legen. Das kann schiefgehen und pseudodokumentarisch vor sich hindümpeln, funktioniert hier jedoch erstaunlich gut und wirkt keineswegs melodramatisch. Eher schon wie ein intimer Blick in die innersten Mechanismen einer amerikanischen Kleinstadt, letzten Endes egal welcher.

Das in der Weite verhallende Horn eines Güterzugs beendet ein stilles, besonderes, wehmütiges Album – ein Klang so uramerikanisch, dass er unmittelbar Fernweh durch den Körper jagt. Fernweh, das sich dank Brandon Flowers fast so anfühlt wie Heimweh.

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