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Popkultur

Zeitsprung: Am 20.10.1950 kommt der große Tom Petty zur Welt.

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Tom Petty 2012 beim Isle Of Wight Festival - Foto: Samir Hussein/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 20.10.1950.

von Frank Thießies und Christof Leim

Mit seiner Band den Heartbreakers hat Tom Petty (amerikanische) Musikgeschichte geschrieben. Sein zwischen Südstaaten-Roots-Rock und sonnigem kalifornischen Jangle-Pop angesiedelter, uramerikanischer Sound spricht nicht nur Millionen Fans aus dem Herzen, sondern bringt ihm zu Lebzeiten auch die Anerkennung der alten Garde von Johnny Cash bis Bob Dylan ein. Wir gedenken dem 2017 zu früh verstorbenen Sänger und Songschreiber an seinem heutigen Ehrentag.

Hier könnt ihr Pettys letztes Album Hypnotic Eye anhören:

Am 20. Oktober 1950 in Gainesville, Florida als Thomas Earl Petty geboren, beginnt Pettys musikalische Initialzündung mit Elvis Presley. Der mehr als legendäre Auftritt der Beatles in der TV-Sendung von Ed Sullivan ein paar Jahre später befeuert schließlich endgültig den Beschluss, selber Musiker zu werden. Zunächst spielt Petty Bass, sattelt schließlich auf die sechs Saiten um und findet in dem späteren Eagles-Gitarristen Don Felder einen potenten Gitarrenlehrer. Im Alter von 17 Jahren schmeißt er die High School und konzentriert sich fortan auf das professionelle Musikerleben. 

Im zweiten Anlauf

Seine erste ernstzunehmende Formation ist die Band Mudcrutch, zu der auch bereits die beiden späteren Heartbreakers-Wegbegleiter Mike Campbell (Gitarre) und Benmont Tench (Keyboards) zählen. Leider schaffen es Mudcrutch trotz Potenzial nie so recht über den Status der Lokalmatadore in Florida hinaus. Ein Umzug ins Musikmekka Los Angeles 1974 bringt der Band zwar den ersehnten Plattenvertrag, doch ihre Debütsingle verkauft sich so schlecht, dass sich Mudcrutch 1975 auflösen. 

Mit einer neu rekrutierten Rhythmussektion aus Ron Blair (Bass) und Stan Lynch (Schlagzeug) kehren Petty, Campbell und Tench im Jahr darauf als Tom Petty And The Heartbreakers schon wieder zurück – und empfehlen sich mit einem gleichnamigen Debütalbum als neue Herzbuben des Heartland Rock.  

Durchbruch und Dylan 

Songs wie American Girl treffen einen Publikumsnerv, die Symbiose aus Bodenständigkeit mit sowohl schleppendem Südstaaten-Tonfall als auch kalifornisch sonnigem Jangle Pop, wie ihn die Byrds einst perfektioniert hatten, kommt an. Den richtig großen Durchbruch erzielen Tom Petty und die Heartbreakers jedoch mit ihrem dritten Album Damn The Torpedos. Mit der perfekten Schwellenscheibe der scheidenden Siebziger und anbrechenden Achtziger im Rücken ist Petty für eine Roots-Rock-Karriere selbst in den neonkühlen Anfängen des neuen New-Wave-Jahrzehnts bestens gerüstet. 

So folgt 1987 der wohlmöglich ultimative Ritterschlag, als Bob Dylan Petty und seine Band als Vorgruppe für die Tour zu True Confessions einlädt – eine Konzertreise, die sie unter anderem auch nach Ost-Berlin führen wird. Bob Dylan bleibt nicht die einzige prominente Unterstützung von Petty. Neben einer innigen künstlerischen Beziehung mit Fleetwood-Mac-Sängerin Stevie Nicks gesellt sich Petty 1988 zu der von George Harrison und Electric-Light-Orchestra-Chef Jeff Lynne ins Leben gerufenen Supergruppe The Traveling Wilburys, zu der neben Bob Dylan auch noch der große Roy Orbison zählt. 

Im Rücken von Johnny Cash

Mit Lynne als Co-Produzenten (und ein bisschen Hilfe aus seinem Musikfreundeskreis) wagt Petty anschließend mit Full Moon Fever (1989) seinen ersten, ebenfalls erfolgsgekrönten Album-Alleingang. Der 1991er-Nachfolger Into The Great Wide Open – nun wieder im offiziell Heartbreakers-Verbund – steht dem in nichts nach. Dass sich im ikonischen Video zum Titeltrack Hollywood-Größen wie Faye Dunaway und Johnny Depp tummeln, unterstreicht nur, dass Pettys gut ausgebautes Netzwerk sich nicht allein auf die Musikindustrie beschränkt. 

Mitte der Neunziger fungiert das von Rick Rubin produzierte Soloalbum Wildflowers als Türöffner für eine weitere Legenden-Kollaboration: Für Country-Ikone Johnny Cash geben Petty und die Heartbreakers auf dessen zweitem American-Recordings-Album Unchained (1996) die Begleitband. Ebenso intoniert der „Man in Black“ darauf den Petty-Song Southern Accents. Der Nachfolger American III: Solitary Man (2000) sieht Cash und Petty dessen Hit I Won’t Back Down zum Besten geben.

Verfrühter Abgang

2007 ist das bewegte Leben von Petty und seiner Band sogar Gegenstand des knapp vierstündigen Dokumentarfilms Tom Petty And The Heartbreakers: Runnin’ Down A Dream von Starregisseur Peter Bogdanovich. Ist das Ende dieses sehenswerten wie Grammy-prämierten Streifens auch versöhnlich und lässt auf einen weiterhin kreativen Lebensabend Pettys und seiner Band hoffen, holt die Realität die Filmwelt am 2 .Oktober 2017 ein, als Petty völlig unvorhersehbar im Alter von nur 66 Jahren einem Herzstillstand erliegt. Schuld ist eine versehentliche Überdosis verschreibungspflichtiger Schmerzmittel, die der Sänger aufgrund von Problemen mit dem Knie und einer angebrochenen Hüfte einnimmt. Mit Tom Petty hat die klassische Rockmusik einen ihrer wichtigsten Sänger, Songschreiber und Charakterköpfe viel zu früh verloren – was nicht allein Amerika das Herz bricht. 

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