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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.10.2000 steigt Zack de la Rocha bei Rage Against The Machine aus.

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Zack De La Rocha 1999 - Foto: Frank Micelotta/ImageDirect

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.10.2000.

von Christof Leim

Ein Anruf, dann eine Pressemeldung, und weg ist er: Am 18. Oktober 2000 verlässt Zack de la Rocha seine Band Rage Against The Machine. Das kommt plötzlich, überrascht aber niemanden.

Hier könnt ihr das letzte RATM-Album Renegades hören:

Bei Rage Against The Machine ging es immer um mehr als nur Musik. Ihre revolutionären politischen Ideale lassen die vier Herren stets deutlich hervortreten, in Texten wie in Aktivismus und Engagement. Das sollte niemanden überraschen, es steckt ja schon im Bandnamen. 1991 hatte sich die Band gegründet und drei ziemlich erfolgreiche Alben rausgebracht, vor allem das Debüt gilt als stilprägend für alles, was im Crossover in den nächsten zwei Dekaden passiert. Nach neun Jahren ist aber (erstmal) Schluss…

Zank Against The Bandfrieden

Denn am 18. Oktober 2000 steigt Zack de la Rocha aus. Wie bei anderen Bands liegt das an den obligatorischen musikalischen und persönlichen Differenzen, aber aus dem Munde des Frontmanns klingt das, nun ja, anders, nämlich bedeutungsschwer und sehr ernst: „Ich muss Rage verlassen, weil unsere Entscheidungsprozesse komplett zusammengebrochen sind. Das wird unseren Ambitionen als Band nicht gerecht, und meiner Meinung nach untergräbt es unsere künstlerischen und politischen Ideale.“ Er fährt fort: „Ich bin sehr stolz auf unsere Arbeit, sowohl als Aktivisten als auch als Musiker. Ich danke allen Leuten, die ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht haben und diese unglaubliche Erfahrung geteilt haben.“

Rage Against The Machine Bandfoto

Rage Against The Machine in besseren Zeiten – Foto: Sony BMG

Was da los ist, erklärt Gitarrist Tom Morello später genauer: „Wir haben uns um alles gezankt, wirklich um alles. Wir haben uns sogar darum gekloppt, ob unsere Shirts grün oder tarnfarben sein sollen. Das war ziemlich lange ziemlich hässlich.“ Heißt also, politische Ziele hin oder her: Die Kollegen haben sich ständig wegen irgendwelchen Unsinns in der Wolle. Das kommt in den besten Bands vor, und erweist sich zugegebenermaßen auch als hinderlich, wenn man noch die Welt retten will. (Und irgendjemand muss es ja endlich mal machen.)

Dauerspannung

Der Ausstieg de la Rochas kommt zwar abrupt, verwundert aber niemanden. Am Morgen dieses 18. Oktober meldet sich der Sänger bei Morello und verkündet seinen Ausstieg, noch am gleichen Tag geht die Pressemeldung raus. „Er hat versucht, uns alle an dem Morgen anzurufen“, berichtet der Gitarrist gegenüber dem Rolling Stone. „Hat aber nur mich erreicht.“ Ein großer Schock ist es nicht, denn die Gerüchte über schlechte Stimmung machen schon eine Weile die Runde: „Ich habe mir bei jedem Album, bei jedem Konzert gedacht, es könnte das letzte sein.“ Zudem hatte der Frontmann eine mehrjährige Pause angekündigt und wiederholt ein Soloalbum ins Auge gefasst.

Doof nur, dass der Vierer gerade Renegades fertiggestellt hat, ein Album mit Coversongs. Das erscheint zwei Monate später trotzdem. Morello und seine verbliebenen Mitstreiter Tim Commerford (Bass) und Brad Wilk (Schlagzeug) haben da schon längst beschlossen, weiter Musik zu machen, ob unter ihrem alten Namen oder einem neuen. Sie gründen Audioslave mit Chris Cornell am Mikro, später spielen sie bei Prophets Of Rage. Zack de la Rocha startet auf kleiner Flamme eine Solokarriere, Aufnahmen mit Trent Reznor und DJ Shadow bleiben unveröffentlicht. Statt dessen singt und rappt der Mann in verschiedensten Projekten, einen festen Fokus scheint er nicht zu haben. 2008 hört man ihn auf der EP One Day As A Lion der gleichnamigen Band.

Was danach geschah

2007 treten Rage Against The Machine dann zum ersten Mal wieder zusammen auf und spielen regelmäßig auf großen Festivals. Für 2020 wird eine Welttour geplant, aber die fällt wegen Ihr-wisst-schon-was aus. Neue Musik hat es von Rage Against The Machine bis dahin nicht gegegen, als muss man durchaus feststellen, dass der 18. Oktober 2000 das (kreative) Ende einer coolen Band bedeutet.

Zeitsprung: Am 26.1.2000 dringen Rage Against The Machine in die New Yorker Börse ein.

 

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