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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.11.1968 ziehen John und Yoko für „Two Virgins“ blank.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.11.1968.

von Timon Menge und Christof Leim

John Lennon und Yoko Ono sind als ebenso wunderliches wie kreatives Duo bekannt. Am 11. November 1968 veröffentlichten die beiden beiden das – je nach Geschmack experimentelle oder unhörbare  – Album Unfinished Music No.1: Two Virgins. Auf dem Cover zeigen sie sich völlig nackt.


Hört hier in Unfinished Music No. 1: Two Virgins rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Unfinished Music No. 1: Two Virgins gehört zu den kuriosesten Alben der Sechziger, allerdings nicht unbedingt wegen der darauf enthaltenen Soundeffekte, Geräusche und frei improvisierten Gesänge, die ohnehin nur besonders zähen Hardcore-Avantgardisten Spaß bereiten dürften. (Im Ernst: Das ist ganz schräges Zeug.) Nein, für die eigentliche Kontroverse sorgt das Cover, das John Lennon und Yoko Ono von vorne und hinten komplett nackig zeigt.



Eigentlich sollte Unfinished Music No. 1: Two Virgins die allererste Platte auf dem Beatles-eigenen Label Apple Records werden, doch die Diskussionen um das Nacktfoto verzögern die Veröffentlichung. Als das Album schließlich in die Läden kommt, wird der Verkauf wird stellenweise verboten, Händler werden bedroht und Plattenläden geschlossen. So beschlagnahmen etwa die US-Behörden im Januar 1969 in New Jersey 30.000 Kopien der Scheibe. Lennon kommentiert das mit der Vermutung, der Aufruhr habe weniger mit der Nacktheit zu tun als mit der Tatsache, beide seien nicht sonderlich attraktiv. Später spricht er von einem Bild „zweier leicht übergewichtiger Ex-Junkies“. Wenig überraschend umschließt bald eine braune Verpackung das Artwork. Die Ehre der ersten Apple-Scheibe sowie des ersten von einem Beatle veröffentlichten Soloalbums genießt stattdessen George Harrisons Wonderwall Music.

Ausflüge in die experimentelle Klangkunst unternimmt Lennon schon vorher, allerdings dringen seine Versuche kaum an die Öffentlichkeit. Yoko Ono, ihres Zeichens selbst Avantgarde-Künstlerin, bestärkt ihn darin, seine Experimente auf die nächste Stufe zu heben. Für ihre gemeinsamen Aufnahmen verbringen John und Yoko eine Nacht miteinander, zuerst im Studio, dann im Bett. Zumindest zweites dürfte Probleme verursacht haben, denn Lennon ist zu diesem Zeitpunkt noch mit Cynthia verheiratet, die gerade zum Urlauben in Griechenland weilt.

Er selbst berichtet 1980 in einem Interview mit dem Playboy: „Nachdem Yoko und ich uns kennengelernt hatten, war mir gar nicht klar, dass ich mich in sie verliebt hatte. Ich habe über uns noch in Kategorien von Künstler und Produzent gedacht. Meine Ex-Frau war nicht da, Yoko kam zu Besuch, aber anstatt Sex zu haben, gingen wir in mein Songwriting-Zimmer. Das stand voll mit verschiedenen Bändern mit abgefahrenen Loops und so einem Zeug. Wir haben die ganze Nacht lang Aufnahmen gemacht. Von ihr kamen die komischen Stimmen, und ich habe Knöpfe gedrückt und Soundeffekte produziert. Als dann die Sonne aufging, haben wir uns geliebt. Und das war Two Virgins.“



Das umstrittene Foto schießt Lennon mithilfe eines Selbstauslösers auf eigene Faust, und trotz aller Kontroversen steht er zu der Veröffentlichung. “Wichtig ist, dass wir uns treu bleiben”, erklärt er in einem Interview. “Wenn alle sie selbst wären, statt vorzugaukeln, jemand anders zu sein, hätten wir Frieden auf der Welt.” Im Mai 1969 erscheint mit Unfinished Music No. 2: Life With The Lions das zweite Album von John und Yoko, das ähnlich unhörbar wirkt und auf dem sie sogar das traurige Ereignis einer Fehlgeburt künstlerisch festhalten und verarbeiten. Aber das ist eine andere Geschichte

Viele der gemeinsamen Kunstaktionen von John und Yoko genießen mittlerweile Legendenstatus. Dazu gehören auch die sogenannten “Bed-Ins”, die das spätere Ehepaar während der Flitterwochen 1969 veranstaltet. Lennon äußerte dazu: “Als wir geheiratet haben, wussten wir, dass unsere Flitterwochen sowieso öffentlich sein würden, also haben wir beschlossen, das zu nutzen. Unser Leben ist unsere Kunst. Das war das Bed-In. Wir saßen im Bett und redeten mit den Reportern. Es war urkomisch. Im Endeffekt wurde daraus ein Werbespot für den Frieden.” Im Zuge dessen entsteht auch der Song Give Peace A Chance (alles dazu hier).



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