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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.11.1968 erscheint George Harrisons Solodebüt „Wonderwall Music“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.11.1968.

von Christof Leim und Tom Küppers

Gemessen an ihrer gewaltigen popkulturellen Bedeutung fällt die aktive Schaffensperiode der Beatles überraschend kurz aus: Mit ihrem Debütalbum Please Please Me treten John Lennon, Paul McCartney, Ringo Starr und George Harrison 1963 die „Beatlemania“ los und erreichen innerhalb weniger Jahre bis dato unbekannte Erfolgsdimensionen. Die kompositorische Verantwortung liegt anfangs fast ausschließlich in der Hand des Erfolgsduos Lennon/McCartney, doch Gitarrist George Harrison entwickelt sich zunehmend zum wichtigen musikalischen Visionär.


Der erste Beatle auf Solopfaden: Hört hier in George Harrisons Wonderwall Music rein.

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Er ist es, der Instrumente aus der indischen Kultur in das Klanguniversum der Briten einführt, beispielsweise die Sitar in Norwegian Wood – ein früher Vorbote der World Music. Er ist es auch, der als erster der vier Beatles ein Soloalbum veröffentlicht, das hilft, genau diese Musikrichtung zu definieren.



Am 1. November 1968 erscheint Wonderwall Music, der Soundtrack zum Film Wonderwall mit Jane Birkin und Jack MacGowran in den Hauptrollen. Der amerikanische Regisseur Joe Massot beweist dem Musiker sein Vertrauen, indem er ihm, ohne auch nur einen Ton zu hören, vollkommene künstlerische Freiheit zusichert. In den Liner Notes einer Neuauflage der Platte erinnert sich George daran, wie er mit der Stoppuhr die Länge der Szenen genau abgemessen hat, um seine Kompositionen in optimale Harmonie mit den Bildern zu bringen.



Schon früh beschließt der Beatle, dass Wonderwall Music zu gleichen Teilen aus fernöstlicher und westeuropäischer Musik bestehen soll: „Ich war damals so sehr in indische Musik vernarrt, dass ich mich entschlossen habe, meine Aufgabe als Entschuldigung zu nutzen, um der Welt von dieser Musik zu erzählen“, verrät Harrison 1987 dem Magazin Musician.



Das Ergebnis sind fast durchweg instrumentale Songs, die eine psychedelische Atmosphäre jenseits von Pop und Rock’n’Roll aufbauen und mal eingängig, mal ordentlich schräg und sperrig klingen. Der bloße Einsatz von Instrumenten wie Santoor oder Sarod reicht Harrison dafür allerdings nicht. Er entschließt sich, in Bombay mit den besten Musikern des Landes (darunter echte Größen wie Shankar Ghosh und Rijram Desad) weitere Aufnahmen abzuhalten. Ein Titel wie In The Park fängt die lebhafte Atmosphäre der indischen Metropole perfekt ein, zumal durch die im Vergleich zu westeuropäischen Standards nicht ausreichende Schallisolierung des Studios sogar Straßengeräusche auf dem Band landen.



Bei dem in London eingespielten Ski-ing sind prominente Gäste zu hören, nämlich Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr und Gitarrengott Eric Clapton, dessen Leben sich auch in privaten Dingen mit dem von Harrison kreuzt. Das aus unterschiedlichsten Klängen zusammengeschnittene Dream Scene nimmt das wenige Monate später erscheinende Revolution 9 von John Lennon vorweg, das in Bombay entstandene The Inner Light endet sogar als Rückseite der Beatles-Single Lady Madonna.



Aus heutiger Sicht geht Wonderwall Music (übrigens die erste Veröffentlichung der Beatles-eigenen Plattenfirma Apple) ohne Probleme als früher Vorbote des Weltmusik-Trends durch. Es beeindruckt vor allem die Leichtigkeit, mit der der damals 25-jährige Harrison hier unterschiedliche musikalische Kulturen zusammenbringt,. Ein bis zwei Jahrzehnte später werden Paul Simon und Peter Gabriel mit ähnlicher Stilistik erfolgreich, allerdings gebührt Harrison die Ehre, diesen Weg als erster beschritten zu haben. Der legendäre Produzent Quincy Jones erklärt sogar, Wonderwall Music sei „der größte Soundtrack, den er je gehört habe.“ Zu viel des Lobes? Vielleicht. Andererseits könnte man argumentieren, dass Bands wie Kula Shaker oder Supergrass ohne dieses Album ihren Sound nicht gefunden hätten.



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