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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.5.2011 taucht Vinnie Vincent (Kiss) wieder auf – und vier tote Hunde.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2011."

von Christof Leim

Der mysteriöse Fall des Vinnie Vincent: Nach Höhenflug und Streit mit Kiss und einer kurzen Solokarriere verschwindet der Gitarrist für Jahre von der Bildfläche. Komplett. Nur ab und an tauchen Fotos und Nachrichten auf, und die sind – zumindest auf den ersten Blick – nicht immer schön. Dazu gehören angekündigte und nie veröffentlichte Alben, sonderbare Online-Präsenzen, abgezockte Fans und eine verschollene Ex-Frau. Am 22. Mai 2011 steht Vincent wieder in der Öffentlichkeit: Seine Frau hat ihn wegen häuslicher Gewalt angezeigt, im Anwesen findet die Polizei vier tote Hunde in verschlossenen Behältnissen. Was war denn da los? (Spoiler-Alarm: Am Ende wird wohl doch noch alles gut.)

Keiner weiß, wie, wo und ob Vinnie Vincent am 6. August 2017 seinen 65. Geburtstag gefeiert hat. Öffentliche Auftritte des Gitarristen gab es auch an einem runden Ehrentag nicht. Damals wusste niemand, ob Vincent John Cusano, wie er bürgerlich heißt, überhaupt noch lebt und was er so macht. Einem musikalisch begnadeten Phantom gleich war der Mann verschwunden…

Kiss 1983 zum ersten Mal ohne Masken. Ganz links: Vinnie Vincent

Anfangs toll, später Ärger

Blicken wir zurück: Anfang der Achtziger durchleben Kiss schwierige Zeiten. Bei Creatures Of The Night (1982) gehört Leadgitarrist Ace Frehley eigentlich nur noch für die Fotos zur Band. An seiner Stelle darf der noch weitgehend unbekannte Vinnie Vincent sechs Soli auf der Platte spielen und sogar drei Songs mitschreiben. Zur nächsten Scheibe gehört er dann offiziell zur Mannschaft und beteiligt sich an fast allen Stücken. Lick It Up von 1983 verkauft sich bestens, auch weil die Band dazu öffentlichkeitswirksam ihr Make-up ablegt.

Doch hinter den Kulissen gibt es Streit: Vincent weigert sich, seinen Vertrag zu unterschreiben, weil seiner Meinung nach die Bezahlung nicht ausreicht, außerdem verlangt er einen Anteil an allen Kiss-Einnahmen. Das lehnen die beiden Chefs Paul Stanley und Gene Simmons natürlich rundheraus ab. Als Vincent dann auch noch bei einer Show in Quebec City einfach mal ein minutenlanges Solo vom Stapel und seine Kollegen dumm auf der Bühne rumstehen lässt, reicht es. Vinnie Vincent fliegt raus.

Ein bisschen Solokarriere

Daraufhin gründet er seine eigene Band Vinnie Vincent Invasion, das gleichnamige Debüt erscheint 1986 und verkauft sich ordentlich. Auch der Nachfolger All Systems Go wirft 1988 zwei mittelerfolgreiche, sehr zeitgemäße Singles ab. Nebenbei verklagt Vincent immer wieder seine ehemaligen Arbeitgeber und bekommt jedes Mal eins auf die Nase. Trotzdem darf er 1991 drei Songs zum großartigen Kiss-Album Revenge beisteuern.

Kurz danach geht das Theater wieder von vorne los: Vinnie Vincent will mehr Geld, zieht vor Gericht und verliert, insgesamt über ein Dutzend Mal. Er taucht im Laufe der Neunziger auf diversen Kiss-Fan-Conventions auf, sorgt hier aber auch für verbrannte Erde und enttäuschte Geschäftspartner. 1996 kommt noch die EP Euphoria unter eigenem Namen raus, die aber keiner so richtig hören will. Einer seiner letzten öffentlichen Auftritte passiert im Juli 1997 anlässlich einer Pressekonferenz, bei der er eine erneute Klage ankündigt.

Keine guten Nachrichten

Spätestens ab da wird es bizarr, wie ein sehr lesenswerter und hiermit empfohlener Artikel im amerikanischen Rolling Stone aufführt: Der Musiker verschwindet, nur gelegentlich taucht sein Name zum Beispiel im Zusammenhang mit einem Vinnie-Vincent-Gitarrenmodell für 12.000 Dollar auf, das aber nie produziert wird. Auch verkauft er an Fans diverse Devotionalien, liefert sie aber nicht. Einmal bietet er Plektren an, die er angeblich auf der Creatures Of The Night-Tour gespielt hat – für 1.000 Dollar das Stück. Mit seinen Fans bleibt Vinnie über diverse Facebook-Konten und Online-Foren in Kontakt. Dabei benutzt er angeblich auch Fake-Usernamen, um das Gespräch in die richtige Richtung zu lenken. Zum Teil kostet die Mitgliedschaft in diesen Foren mehrere Hundert Dollar.

Für eine besonders unappetitliche Episode kann der Musiker jedoch nichts: 1998 verschwindet seine Ex-Frau AnnMarie spurlos, erst über zwei Jahre später wird sie tot aufgefunden. Die Mutter von Vincents Zwillingstöchtern, von der er damals bereits geschieden ist, wurde Opfer eines Gewaltverbrechens.  Ansonsten: Keine Spur von dem Musiker.

Anzeige und Verhaftung

Am 22. Mai 2011 dann wird Vinnie Vincent von seiner zweiten Ehefrau Diane wegen häuslicher Gewalt angezeigt. (Details finden sich hier.) Beim Hausbesuch in der Kleinstadt Smyrna in Tennessee entdeckt die Polizei fest geschlossene Plastikcontainer, in denen sich vier tote Hunde befinden. Klingt krass, aber eine Untersuchung ergibt, dass die Tiere von einem anderen, sehr aggressiven Hund im Haushalt getötet wurden. Vincent erklärt, regelmäßig herrenlose Tiere aufgenommen und versorgt zu haben. Bestatten konnte er die Vierbeiner wegen gefrorenen Bodens nicht, die Kisten stellen quasi Grabstätten dar. Eine Anzeige wegen Verstosses gegen Tierschutzgesetze erfolgt nicht.

Was die Anschuldigung der häuslichen Gewalt angeht, wird Vincent nach einer Nacht im Gefängnis und einer Zahlung von 10.000 Dollar Kaution erstmal auf freien Fuß gesetzt. In einer Erklärung verkündet er anschließend: „Bitte glaubt nicht alles, was ihr lest. Ich würde niemals jemandem wehtun. Die Berichte über das, was an diesem Abend passiert ist, sind absolut nicht korrekt. Die Wahrheit wird zur rechten Zeit ans Licht kommen.“ Der damals 58-Jährige begibt sich in Aggressionstherapie, zu einer Gerichtsverhandlung kommt es nicht.

Rückkehr

Danach hört man – nichts mehr. Es macht sich sogar eine schwedische Filmcrew auf, um das Mysterium des verschwundenen Gitarristen zu lüften. In der resultierenden einstündigen Dokumentation, die in schwedischer Sprache hier zu sehen ist, wird sogar das Gerücht untersucht, nach dem Vincent angeblich mittlerweile unter anderem Namen als Frau lebt. Ob etwas dran ist, weiß niemand.

Doch am 21. Januar 2018, nach über 20 Jahren unter dem Radar, taucht Vinnie Vincent auf der Atlanta Kiss Expo wieder auf. Er gibt ein langes Interview und spielt sogar Gitarre. Er wirkt zufrieden und positiv und wünscht Simmons/Stanley nur das Beste. Außerdem spricht er ausführlich mit dem bekannten Rockradio-Moderator Eddie Trunk, was ihr hier nachhören könnt. Eine gute Zusammenfassung des Auftrittes findet sich hier.

Und augenscheinlich können Gene Simmons und Vinnie Vincent daraufhin ihre Animositäten hinter sich lassen, denn im April 2018 treten die beiden sogar bei einem privaten Konzert im Rahmen von Simmons’ Tour zu seinem Riesenboxset Vault auf.

Damit die vielen Fragen zu den letzten Dekaden im Leben von Vinnie Vincent zwar nicht beantwortet, aber der Musiker scheint seinen Frieden mit der Welt und mit Kiss gemacht zu haben. Seine Website kündigt weitere öffentliche Auftritte an, sogar von einer Rückkehr in die Welt der Musik spricht er auf seiner Facebook-Seite. Leider fallen die meisten Band- und Konzertprojekte schnell wieder in sich zusammen, aber immerhin: Das Phantom ist wieder aufgetaucht. Hoffentlich geht es ihm gut.

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Zeitsprung: Am 29.12.1982 spielen Kiss die erste Show mit Vinnie Vincent.

Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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Popkultur

40 Jahre „I Can’t Stand Still“: Don Henleys Erste nach den Eagles

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Don Henley
Foto: Pete Cronin/Getty Images

Vor 40 Jahren veröffentlicht Don Henley sein erstes Album ohne die Eagles. I Can’t Stand Still zeigt ihm auf dem Cover neben einem Toaster am Küchentisch. Inhaltlich ist es eine knackige Abrechnung.

von Björn Springorum

Man darf sich zurecht fragen, was es mit einem macht, wenn man in der erfolgreichen US-amerikanischen Rockband aller Zeiten spielt. Wenn man die meisten ihrer Hits im Tandem mit Glenn Frey schreibt und Songs wie Hotel California auch noch selbst singt. Für Don Henley ist nach neun Jahren Eagles klar: Man macht Musik. Was denn sonst? Die Band bricht nach den schwierigen Aufnahmen zu The Long Run und einer kräftezehrenden Tour auseinander, neun Jahre Vollgas, Drogen und Weltruhm gehen eben nicht spurlos an einem vorüber.

Zwischen 1971 und 1980 ist Henley nur im Bandverbund aktiv, ins neue Jahrzehnt startet er als Solitär. Nun, nicht ganz, Henley, mittlerweile 33, ist gerade mit Stevie Nicks liiert, gemeinsam veröffentlichen die beiden 1981 Leather And Lace, ein ordentlicher Erfolg, der Don Henley auch eines zeigt: Es kann eben auch ohne die Eagles funktionieren.

Ganz allein geht es dann doch nicht

Eines wird ihm aber auch bewusst: So ganz allein wird das auch nichts. Also tut er sich mit dem Produzenten und Komponisten Danny Kortchmar zusammen, ein renommierter Starmacher, kaum älter als Henley und fast im Alleingang für den archetypischen Singer/Songwriter-Sound der Siebziger verantwortlich. Carly Simon, James Taylor, Carole King, Graham Nash oder Neil Young, alle arbeiteten schon mit ihm.

Für Don Henley wird Kortchmar nicht nur ein Produzent, sondern gleich ein Bandkollege. Gemeinsam arbeiten sie zwischen Januar und Mai 1982 an I Can’t Stand Still, einem Werk, das als Verlängerung der Eagles angesehen werden kann. Und auch wenn es kein Wunder ist, dass das Album so kurz nach dem Absturz der Adler noch das Echo seiner Vergangenheit in sich herumträgt: Schon vor 40 Jahren legt er die Saat für eine ebenso produktive wie beeindruckende Solokarriere.

Feldzug gegen die Medien

Musikalisch gibt es das, was Fans damals von ihm erwarten, stark unterstrichen von Keyboards, Synthesizern oder weiteren nicht ganz unbekannten Gästen wie Steve Lukather (Toto), Joe Walsh (sein alter Eagles-Kumpan) oder Bass-Titan Bob Glaub; lyrisch hingegen dreht Henley ordentlich auf. Deutlich mehr als bei den Eagles macht er seiner Desillusionierung Luft, singt in Dirty Laundry gegen die Oberflächlichkeit und Sensationsgeilheit der Medien an und landet damit gleich seinen ersten dicken Solohit. Pikant: Henley nutzt auch autobiografische Details für den Song und spielt auf die Berichterstattung rund um seine eigene Festnahme 1980 an, als man eine unter Drogen stehende 16-Jährige bei ihm zuhause in Los Angeles aufgriff. Also, welche damalige Zeitung da nicht groß berichten würde…

Springsteen spielt auf seiner Hochzeit

Ist aber nicht alles: Johnny Can’t Read geht mit dem desolaten Zustand des US-amerikanischen Bildungssystems hart ins Gericht, im Titeltrack thematisiert er recht trocken und ohne Melodrama Beziehungsprobleme. I Can’t Stand Still mag deswegen weniger eine musikalische Überraschung sein. Wohl aber eine inhaltliche, die den großen Rockstar plötzlich als kritischen Beobachter der Gesellschaft ausweist.

Geplant oder nicht: 1982 legt Don Henley eine Solokarriere, die auf Building The Beast (1984) merklich in Gang kommt und bis Cass County (2015) bislang fünf Soloalben und Evergreens wie The Boys Of Summer hervorgebracht hat. Hinter Ringo Starr, Phil Collins und Dave Grohl gilt er außerdem als viertreichster Drummer der Welt. Man kann es auch so ausdrücken: Wenn auf deiner Hochzeit unter anderem Bruce Springsteen, Sting, Shreyl Crow und Tony Bennett auftreten, dann hast du das eine oder andere richtig gemacht.

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Das Ende der Unschuld: Die Geschichte von „Hotel California“

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