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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.8.1949 legt Schlabberzunge Gene Simmons von Kiss los.

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.8.1949.

von Christof Leim

Dämon, Langzunge, Sprücheklopfer. Und nicht zuletzt Bassist von Kiss: Gene Simmons feiert am 25. August Geburtstag und kann auf ein ziemlich erfolgreiches Leben zurückblicken. Wir lassen es Revue passieren.

Hört hier die besten Kiss-Songs:

Man kann durchaus sagen, dass Gene Simmons den amerikanischen Traum lebt. Er hat eine ikonische Rockband aus dem Nichts aufgebaut, ein Millionenvermögen gleich mit, und dabei noch eine Menge Spaß gehabt. Danach sieht es zunächst allerdings so gar nicht aus, als er am 25. August 1949 mit dem Namen Chaim Witz im israelischen Haifa geboren wird. Dorthin war seine Mutter Florence Klein aus Ungarn emigriert, nachdem sie ein Nazi-KZ überlebt hatte. 

Der kleine Chaim wächst in ärmlichen Verhältnissen auf; als er acht Jahre alt ist, wandert er mit seiner Mutter nach New York City aus. Der Vater bleibt zurück. In den USA ändert der Junge seinen Namen in Eugene Klein, wird wegen seines schlechten Englisch aber trotzdem gehänselt. Die amerikanische Kultur saugt er auf, vor allem Comics und Musik, und veröffentlicht sogar mehrere Geschichten in Science-Fiction-Magazinen. Als die Beatles 1964 in der Ed Sullivan Show auftreten, dreht er wie der Rest seiner Generation durch. Ab jetzt gilt: Rock’n’Roll.


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Erstmal Lehrer und Tippse

Die ersten Bands heißen Lynx, Missing Links und Long Island Sounds, später folgt Bullfrog Bheer. Schon früh schreibt unser Mann eigene Songs, und irgendwann legt er sich inspiriert vom Rockabilly-Sänger Jumpin’ Gene Simmons seinen bekannten Künstlernamen zu. Bis zum Durchbruch als Rockstar dauert es noch ein paar Jahre, deshalb arbeitet Klein/Simmons unter anderem als Redaktionsassistent für die Modezeitschrift Vogue und als Lehrer einer sechsten Klasse.

Als er seinen zukünftigen Partner Paul Stanley trifft (der damals noch Stanley Eisen heißt), können die beiden sich anfangs nicht so richtig leiden, weil jeder der bessere Songwriter sein will. Die beiden nehmen zunächst mit der gemeinsamen Combo Wicked Lester für das Majorlabel Epic Records ein Album auf, aber das stellt sie nicht zufrieden (und bleibt bis heute unveröffentlicht). Also fangen sie ganz von vorne an – und gründen die Band, die sie selbst gerne erleben würden, eine hart rockende Superhelden-Version der Beatles und Glam Rock-Kapellen der frühen Siebziger: Kiss sind geboren. Am 3. Januar 1973 spielt die Urbesetzung zum ersten Mal zusammen, ein knappes Jahr später erscheint das Debütalbum – und der Rest ist Rock’n’Roll-Geschichte.

Groß, größer, Kiss

Die Band legt innerhalb weniger Jahre einen gewaltigen Siegeszug hin und wird megalomanischer Bestandteil der Popkultur der Dekade, inklusive der Kiss Army als Fanclub und Comics mit eigenem Blut. Das liegt nicht zuletzt am markanten Schwarzweiß-Makeup, das die vier Musiker in der Öffentlichkeit nicht ablegen. (Nur einmal werden sie anfangs überlistet und „oben ohne“ fotografiert.) Gene gibt auf der Bühne den Dämon mit langer Zunge, er spuckt Feuer und fliegt durch die Gegend; die Teenager vor allem in den USA gehen steil.

Kiss machen damals als eine der ersten Bands Millionen mit Merchandise und bringen 1978 sogar am gleichen Tag vier Soloalben raus. Genes Werk erweist sich dabei am vielseitigsten, geprägt von Hard Rock, den Beatles und Disney-Soundtracks gleichermaßen.

Gene Simmons will lieber nach Hollywood

Zusammen mit Paul Stanley führt Simmons die Band, er schreibt und singt viele wichtige Songs wie Deuce, Calling Dr. Love und I Love It Loud. Als Bassist orientiert er sich an Größen wie Paul McCartney und spielt viele eigenständige Läufe. Das typische geradlinige Achtel-Spiel der Achtziger kommt erst später.

Überhaupt erweist sich diese Dekade als schwierig: Während die Band von Besetzungswechseln geplagt wird, schwindende Verkäufe zu verkraften hat und 1983 schließlich die Schminke ablegt, überlässt Gene das Ruder immer mehr seinem Partner Paul Stanley. Denn er will Karriere in Hollywood machen. Der erste Ausflug der Band ins Kino (Kiss Meets The Phantom Of The Park, 1978) ging in die Hose; jetzt versucht der großgewachsene Musiker es mit Rollen in Action-, Comedy- und Horrorstreifen wie Runaway – Spinnen des Todes (1984), Ragman (1986) und Wanted Dead Or Alive (1987). Die Filmwelt hält nicht den Atem an, nicht mal ein bisschen.

Sex, Geld und Rock’n’Roll

Er produziert die Band Black ’N Blue (wo der zukünftige Kiss-Leadgitarrist Tommy Thayer spielt) und ein Album der deutschen Metal-Königin Doro, gründet Simmons Records und kümmert sich um allerlei Nebenprojekte. Schon 1976 hatte er eine junge Truppe namens Van Halen entdeckt und ihnen bei den ersten Schritten zu ihrem sagenhaften Debüt geholfen.

Würden sie diesen Mann nach Hollywood lassen? Gene Simmons 1989

In seinem Leben zählen Sex, Geld und Rock’n’Roll; Drogen fehlen in dieser heiligen Troika mit Absicht. Zeit seines Lebens enthält sich Gene Simmons aller Rauschmittel, nur einmal isst er aus Versehen einen „speziell gewürzten“ Muffin und findet das gar nicht gut. Stattdessen pflegt er Damenbekanntschaften und lernt nach eigenen Aussagen viele, viele Groupies näher kennen. Ernste Beziehungen führt Gene mit Diana Ross und Cher, 1983 verliebt er sich in das kanadische Model Shannon Tweed. Die beiden sind heute noch zusammen und haben zwei Kinder (Nick und Sophie), heiraten aber erst nach fast drei Dekaden, weil Gene sich konsequent und vehement gegen die Ehe ausspricht. Sie leben „glücklich unverheiratet“, bis der Mann 2011 diese Meinung ändert. Zu seinem Glück zeigt sich Shannon einverstanden.

Mit seiner Familie tritt er von 2006 bis 2012 in der „Reality“-Serie Gene Simmons Family Jewels auf, daneben veröffentlicht er Bücher über Kiss und seine Karriere, über geschäftlichen Erfolg, den „Club 27“ und die älteste Profession der Welt, i.e. Prostitution. Er schreibt und produziert Fernsehserien (etwa My Dad The Rock Star), startet ein kurzlebiges Männermagazin namens Tongue und veröffentlicht 2004 ein bunt gewürfteltes Soloalbum namens Asshole. (Ja, heißt wirklich so. Der Name ist aber weniger schlimm als das Prodigy-Cover Firestarter.)

Abschied auf hohem Niveau

Gene „The Demon“ Simmons 2012 – Foto: Glenn Francis, PacificProDigital.com/WikiCommons

Simmons spricht mehrere Sprachen mehr oder weniger gut, neben Englisch noch Ungarisch, Deutsch, Hebräisch und etwas Japanisch. Er gilt – und sieht sich natürlich selbst – als gewiefter Geschäftsmann, der eine undurchschaubare Menge an Projekten und Investitionen verfolgt und vor allem Kiss vermarktet.

Die Band steht im Gegensatz zur Achtziger-Hollywood-Phase schon lange wieder im Fokus, besonders nach der hochlukrativen, aber nicht lange anhaltenden Reunion der Originalbesetzung 1996. Nur ab und an spielt Gene mit seiner eigenen Kapelle. Weil selbst der wildeste Ritt irgendwann zu einem Ende kommen muss, kündigen Kiss im September 2018 zum Abschied ihre End Of The Road-Tour an, und Gene versichert im Interview, dass irgendwann schlicht Schluss sein muss.

Wir sagen: Happy Birthday, Demon!

„Wir haben die Messlatte für Konzerte höher gelegt“: Gene Simmons von Kiss im Interview

Popkultur

Komplex, überraschend, mitreißend: „Octopus“ der Prog-Legenden Gentle Giant wird 50!

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Gentle Giant
Foto: Jorgen Angel/Getty Images

Am 1.12.1972 veröffentlichten Gentle Giant ihr Album „Octopus“ — ein grandioses Werk zwischen Komplexität, Überraschung und Eingängigkeit.

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr euch Octopus anhören:

Es gibt Alben, die schwere Geburten sind. Und es gibt Alben, bei denen von Anfang an alles rundzulaufen scheint — die Ideen, der Vibe, die Stimmung im Studio. Als Gentle Giant am 24. Juli 1972 ins Tonstudio gingen, um ihr viertes Album aufzunehmen, war zweiteres der Fall. „Ich erinnere mich, dass wir uns ziemlich sicher fühlten, als wir dieses Album aufnahmen”, erinnert sich  Gitarrist Gary Green in den Liner Notes der Neuauflage des Albums. „Wir hatten einen guten Haufen Melodien und unsere Studiotechnik (besonders die von Ray) wurde mit jeder Platte besser. Wir experimentierten weiter mit Instrumentenkombinationen, Sounds und Effekten und tauschten unsere Ideen mit dem Tontechniker Martin Rushent aus, der unsere verrückten Ideen voll und ganz unterstützte“.

Großes Selbstvertrauen, große Inspiration

Die Inspiration war so groß wie das Selbstvertrauen, die Band brauchte nicht lange, um dorthin zu kommen, wo sie hin wollte: Am 5. August 1972 waren die Aufnahmesessions schon wieder zu Ende. Herausgekommen ist in diesen wenigen, höchst kreativen Tagen dabei eines der komplexesten, vielschichtigsten und bemerkenswertesten Alben der Prog-Geschichte. Wohin die Reise auf Octopus gehen würde, macht bereits der Opener The Advent Of Purge klar. Extrem vielschichtig, vertrackt, überbordend vor Ideen und Richtungen. Octopus geht seinen eigensinnigen Weg zwischen Prog, Jazz und Klassik. Manchmal meint man auch, etwas Folk-Einflüsse durchzusehen. Es setzt auf Gesangsschichtungen, Kontrapunkte und überraschende  Wendungen, auf das Spiel mit Dissonanzen und Brüchen — nur um wenige Sekunden später wieder plötzlich völlig eingängig daherzukommen.

Literarische und philosophische Inspirationen

Natürlich musste das nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch Anspruch und einen roten Faden haben. So ließ man sich von literarischen und philosophischen Werken inspirieren — unter anderem von den französischen Schriftsteller François Rabelais und Albert Camus. Die Band selbst war zufrieden mit dem Ergebnis. „Octopus war wahrscheinlich unser bestes Album, mit Ausnahme von Acquiring the Taste vielleicht“, erklärte Gründungsmitglied und Multiinstrumentalist Ray Shulman einmal.

Zur Genese des Albums erzählt er: „Wir begannen mit der Idee, einen Song über jedes Mitglied der Band zu schreiben. Ein Konzept im Kopf zu haben, war ein guter Ausgangspunkt für das Schreiben. Ich weiß nicht, warum, aber trotz des Einflusses von The Who’s Tommy und Quadrophenia wurden Konzeptalben fast über Nacht plötzlich als langweilig und prätentiös empfunden.“ Dass die Platte Octopus heißt, soll der Ehefrau von Shulmans Bruder und Bandkollegen Phil Shulman geschuldet sein. Die brachte Octopus als Anspielung auf die Zahl acht (die Anzahl der Tracks) und das Wort Opus ins Spiel.

Ein geniales gut gealtertes Werk

Oft ist es bei Alben, die zu jener Zeit als avantgardistisch gelten ja so, dass man Jahrzehnte später bemerkt, dass sie irgendwie schlechter gealtert sind oder anachronistisch klingen. Bei Octopus ist dies nicht der Fall — das kreative Wagnis von Garry Green, Kerry Minnear, Derek, Ray und Phil Shulman sowie John Weathers klingt heute sogar noch überraschend frisch. Octopus quillt nur so über voller musikalischer Abenteuerlust — und klingt bei aller Raffinesse und allem Intellekt nie verkopft. Im Gegenteil: Manchmal, wie in „Dog’s Life“ geht es textlich geradezu leichtfüßig zur Sache.

2015 hat sich Prog-Superstar Steven Wilson der Platte angenommen und den Mix überarbeitet — so erstrahlte Octopus in Wilsons Remix/Remaster noch besserer Soundqualität. Aber in welcher Version auch immer: Octopus ist ein mitreißendes Abenteuer, das im Plattenregal jedes Prog-Fans stehen sollte. Octopus zeigt auch den besonderen Status, den Gentle Giant in der Proggeschichte haben. Sie wurden keine Superstars wie andere ihrer Kollegen und Kolleginnen — leider! — aber gelten als wichtiger Einfluss für viele Bands, die danach kamen.

Eine großartige Platte und eine unbedingte Empfehlung!

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Popkultur

„Happy Xmas (War Is Over)“: Wie der Protestsong zu einem Weihnachtsklassiker wurde

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John Lennon und Yoko Ono

„And so this is Christmas“: Man könnte mit dem Zitieren des Textes hier aufhören und hätte seinem Gegenüber bereits einen Ohrwurm verpasst. Längst ist der Song aus der Feder von John Lennon und Yoko Ono ein Klassiker in Sachen Weihnachts- und Protestsong – normalerweise nicht unbedingt miteinander verwandte Genres.

von Markus Brandstetter

Dabei sah es zumindest bei der Erstveröffentlichung in den USA zunächst nicht danach aus, als hätte man es hier mit einem zukünftigen Klassiker zu tun. Denn als Happy Xmas (War Is Over) am 1. Dezember 1971 in den Vereinigten Staaten erschien, schaffte der Song zunächst nur mäßige Chartplatzierungen. Gut, der Platz drei bei den Billboard Christmas Singles Chart mal ausgenommen. Das hatte einerseits damit zu tun, dass man Weihnachtssongs, zumindest damals, für gewöhnlich mit etwas mehr zeitlichem Vorlauf veröffentlichen sollte, andererseits schien auch die PR-Abteilung nur wenig motiviert.

Erfolg in Großbritannien

In Lennons Heimat Großbritannien sah das schon besser aus. Allerdings dauerte es bis zum Release dort eine ganze Weile. Aufgrund von einem Streit um Publishing-Rechte mit Northern Songs erschien der Song dort erst am 24. November 1972. Happy Xmas (War Is Over)  schaffte es bis auf Platz vier der Single-Charts, die Platte musste bald nachgepresst werden. Zunächst erschien der Song nur als Single, auf einem Album landete er erst 1975 – auf der Compilation Shaved Fish.

Ewiger Klassiker

Aber was macht Happy Xmas (War Is Over) so bemerkenswert und erinnerungswürdig? Den Slogan ansich hatten Lennon und Ono nicht erfunden, der tauchte bereits in anderen Stücken auf – bei The Doors und John Ochs. Lennon und Ono waren zu dem Zeitpunkt bereits bekannte Aktivist*innen, hatten mit den Bed-Ins, bei denen sie im Bett vor Medienvertreter*innen für den Weltfrieden demonstrierten, bereits für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt. Lennon und Ono ließen in zwölf großen Städten Plakate mit den Worten „WAR IS OVER! If You Want It – Happy Christmas from John & Yoko“ errichten.

Bei dem Stück trifft eine eingängige, durchaus weihnachtstaugliche Melodie auf Sozialkritik. Diese kommt aber nicht von oben herab, sondern eher mit besorgt-freundlichem, sanft optimistischen Ton. Lennon wollte Kitsch vermeiden, aber die soziale Message in etwas Eingängiges packen. Es war Lennons und Onos Statement gegen den Vietnamkrieg, der noch bis 1975 wütete und viele Opfer fordern sollte. Man könnte sagen, der Song setzte dort an, wo Give Peace A Chance 1969 aufgehört hatte. „And so happy Christmas / For black and for white / For yellow and red ones / Let’s stop all the fights / A very merry Christmas / And a happy New Year / Let’s hope it’s a good one / Without any fears“ heißt es darin. Unterstützt werden Lennon und Ono gesanglich vom Harlem Community Choir, den Lennon für die Aufnahmen leitete.

Eigenleben

Happy Xmas (War Is Over), produziert von Phil Spector, nahm über die Jahre ein Eigenleben an. Es kam immer wieder in die Charts – die höchste Platzierung erfuhr es nach der Ermordung Lennons 1980 mit Platz zwei der britischen Single-Charts (Platz eins ging damals an Imagine). Er wurde tausende Male gecovert – von Celine Dion und Neil Diamond, von Carly Simon und REO Speedwagon, von Laura Pausini und Miley Cyrus, von Jimmy Buffett, John Legend und Jessica Simpson.

Längst gehört Happy Xmas (War Is Over) in den Kanon der Weihnachtsklassiker – und jener der Protestsongs. Man kann den Fokus beim Hören legen wie man möchte. Happy Xmas (War Is Over) funktioniert als nachdenklicher, altruistischer Weihnachtssong, als Statement gegen Krieg – und als ewig gültige und stets nötige Hoffnung, dass sich die Welt vielleicht doch ein Stück bessert.

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„Imagine“: Wie der kontroverse Song von John und Yoko zur Friedenshymne wurde

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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.12.1944 erblickt The-Doors-Drummer John Densmore das Licht der Welt.

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Foto: Chris Walter/WireImage/GettyImages

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 01.12.1944.


von Frank Thießies und Christof Leim

Am 1. Dezember 1944 wird John Densmore geboren, Drummer von The Doors. Der Kalifornier zeichnet sich nicht nur als Jazz-geschulter Rhythmiker und präziser Psychedelic-Percussionist aus, sondern später auch als idealistisches Gewissen der Band.

Hier könnt ihr euch die größten Hits der Doors anhören:

Der junge John trommelt schon zu High-School-Zeiten, in der Marschkapelle nämlich. Er besucht zunächst das Santa Monica City College, um später auf der California State University in Northridge dann doch bei einem Studium der ethnischen Musik unter der Ägide von Jazz-Cellist Fred Katz zu landen. Erste eigene musikalische Gehversuche unternimmt er Mitte der Sechziger zusammen mit Gitarrist Robby Krieger in einer Band namens The Psychedelic Rangers. 

Hereinspaziert ins Hippieleben

Wenig später musiziert er bereits mit Keyboarder Ray Manzarek, dessen zwei Brüdern und einem gewissen Jim Morrison in einer Combo namens Rick & The Ravens. Nach dem Ausstieg der unbekannteren Manzareks-Brüder rekrutiert Densmore schließlich seinen alten Gitarrenkumpel Krieger. Und so sind The Doors geboren, eine der einflussreichsten Psychedelic-Blues-Rock-Bands über die Hippie-Ära hinaus.

Ladies & gentlemen, The Doors! Ganz links: John Densmore.

Mit seinem reduziert-ökonomischen und stets taktvollem Spiel ist Densmore der perfekte Mann im Hintergrund, der dem vielgliedrigen Tasten- und Saitenspiel von Manzarek und Krieger sowie dem mit der Zeit immer eruptiver werdenden Frontmann Morrison die nötige Rückendeckung gibt. Dabei lässt sich nicht überhören, dass Densmores Drum-Verständnis eher an Jazzgrößen wie Elvin Jones aus der Band von John Coltrane geschult ist als an den Rhythmus-Rampensäuen des Rock.

Rhythmisches Rückgrat

Dass der Drummer darüber hinaus auch so etwas wie das moralische Rückgrat der Band darstellt, beweist er zunehmend nach dem Tod von Sänger Jim Morrison im Jahre 1971. Dessen bekannte ablehnende Haltung gegenüber kommerzieller Ausschlachtung und Weiterverwertung des Doors-schen Schaffens übernimmt Densmore stellvertretend: Als 2003 der Autohersteller Cadillac den verbliebenen Bandmitgliedern das stolze Sümmchen von 15 Millionen US-Dollar für die Werbenutzungsrechte ihres Hits Break On Through (To The Other Side) anbietet, macht Densmore von seinem Vetorecht Gebrauch. Das geschieht ganz in Anlehnung an Morrisons einstiges Aufbrausen, als die restlichen Doors es im Oktober 1968 tatsächlich in Erwägung gezogen hatten, vom Automobilkonzern Buick für die potentielle Verfremdung ihres Riesenhits Light My Fire für einen Werbejingle mit den unschönen Zeilen „Come on, Buick, light my fire“ 75.000 Dollar kassieren zu können.

Seiner antikommerziellen Attitüde entsprechend ist Densmore auch derjenige, der juristisch vorgeht, als Krieger und Manzarek zusammen mit The-Cult-Sänger Ian Astbury im Jahre 2002 beschließen, unter dem Bandnamen Doors Of The 21st Century zu touren. Das Gericht kommt mit Zeugenaussagen zugunsten Densmores von solch prominenten Musikerkollegen wie Bonnie Raitt, Randy Newman, Neil Young, Tom Petty, Eddie Vedder und Tom Waits der Klage des Drummers im Sommer 2005 schließlich nach und urteilt zu dessen Gunsten. In seinem 2013 veröffentlichtem Buch The Doors: Unhinged blickt der Schlagzeuger auf ebendiese juristischen Streitigkeiten zurück. 

Frühe Großtaten

Dagegen wird es in Sachen Solokarriere oder neuen Bands nach dem Ende der Doors eher still um Densmore. Nach seinem Bühnendebüt als Schauspieler in einem selbstverfassten Einakter 1984 schreibt er in den Achtzigern vermehrt Musik fürs Theater und tritt gelegentlich noch in Filmen wie Get Crazy oder der Teenie-TV-Serie Beverly Hills 90210 auf. Die Musikfilm-Doku Re:Generation von 2012 zeigt den Trommler indes, wie er noch einmal im Studio mit dem angesagten Dubstep-DJ und Musikproduzent Skrillex kollaboriert. 

Dass Densmore in der kurzen, aber höchst einflussreichen, nur vier Jahre währenden(!) Hauptwirkungszeit der Doors mit Morrison (die immerhin sechs originäre Studioalben abwirft) Musikgeschichte geschrieben hat, steht außer Frage. Anlass genug also für einen Trommelwirbel zu seinem Ehrentag – aber bitte mit Jazzbesen!

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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