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Popkultur

„Wir haben die Messlatte für Konzerte höher gelegt“: Gene Simmons von Kiss im Interview

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Foto: Jay Gilbert

"Kiss verabschieden sich: Seit Januar 2019 läuft die End Of The Road World Tour,  mit gewaltiger Produktion und jeder Menge Hits, Make-up und Explosionen, wie uDiscover aus New York City berichtete. Nun wurde die allerletzte Show für den 17. Juli 2021 angekündigt, nächsten Sommer macht die auf mehrere Jahre angelegte Weltreise nochmal einen Schlenker durch Deutschland. Wir wollten von Gene Simmons wissen, wie sich das alles mittlerweile und mittendrin so anfühlt. Im Gespräch bekräftigt der 70-Jährige, dass der wilde Rock’n’Roll-Ritt in absehbarer Zukunft ein Ende haben muss, und spricht über den Tag nach dem finalen Song, das Vermächtnis von Kiss, die erste Deutschland-Show 1976 (mit den Scorpions!) und über ehemalige Kollegen wie Ace und Peter auf dem „Ende der Straße“.

von Christof Leim

Hier könnt ihr die größten Kiss-Songs hören:

Mr. Simmons, Zeit für eine Zwischenbilanz: Welcher Teil der Abschiedsreise gefällt Ihnen allabendlich am meisten?

Eins beschleunigt regelmäßig meinen Herzschlag, und zwar der Moment unmittelbar bevor wir auf die Bühne gehen. Wir hören das Geschrei des Publikums, wir stehen auf den Podesten unter der Hallendecke, der Vorhang fällt… und alle drehen durch, denn sie wissen, dass jetzt etwas Besonderes kommt. Ihr habt das selber erlebt. Und genau das ist der aufregendste Teil der Shows.

Gibt es etwas, was Ihnen nicht gefällt?

Nein. Eins steht aber fest: Die Gigs fordern körperlich ganz schön. Wir arbeiten wirklich härter als andere, wenn wir auf dieser Bühne stehen. Wir gehen vielleicht sonst nicht so gerne ins Fitnessstudio, aber das die Anstrengung ja was Gutes für die Gesundheit. Die Leute haben Spaß, wir haben Spaß, aber man sollte sich nichts vormachen: Ein Kiss-Konzert ist physisch strapaziös.

Lief auf der Abschiedstour bisher irgendetwas anders als erwartet?

Ja. Ich war nicht drauf eingestellt, dass mir zwischendurch Nierensteine entfernt werden! (lacht) Einen Termin haben wir abgesagt, mir geht es wieder gut.

Fühlt sich die Tour und die Vorstellung des kommenden Ruhestandes nach einigen Monaten unterwegs anders an als zu Beginn?

Es ist der richtige Zeitpunkt, mit dem Touren aufzuhören. Ich bin 70 Jahre alt. Ich fühle mich großartig, die Shows sind großartig und sehr solide, jeden Abend. Übrigens, ich singe und spiele jede Note, die ihr hört. Wir sind so gut, dass die Leute denken, ich hätte meine Sachen vorher aufgenommen. Aber nein, das ist alles live. Eines darf man aber nicht vergessen: Wir haben alle Bands gesehen, die zu lange auf der Bühne stehen. Man sollte Schluss machen, solange man noch der Champion ist. Über manche Gruppen sagen die Leute: „Die hättest du mal früher sehen sollen!“  Über uns möchte ich das nicht hören. Also treten wir ab, solange wir noch an der Spitze stehen. Die Tour wird zweieinhalb oder drei Jahre dauern, es gibt eine Menge Städte auf dem Plan, aber das letzte Konzert passiert im Juli 2021 in New York City. Danach werden keine Touren mehr stattfinden. Aber Kiss leben weiter, es wird Filme geben, Zeichentrickserien, Spielzeug, Games und solche Sachen. Vielleicht kommt sogar eine Art reisende Kiss-Show. Aber die Band und ich werden nicht mehr auf Tour gehen.

Haben Sie darüber nachgedacht, wie Sie sich am Morgen des 18. Juli 2021 fühlen werden?

Es wird eine Mischung aus großem Stolz und ein bisschen Trauer sein. Wenn die Party läuft, amüsiert man sich, und am Ende wird einem womöglich klar, dass das die beste Feier aller Zeiten war. Kommt die Sache zum Ende, kann man nur noch in Erinnerungen schwelgen. Und ich werde eine Menge toller Erinnerungen haben, so zartbitter sich die auch anfühlen mögen. Ich bin fast sicher, dass ich weinen werde wie ein zwölfjähriges Mädchen.

Freut sich denn Ihre Familie darüber, dass „der Alte“ danach öfter zu Hause sein wird?

Ja, schon, aber meine Kinder Nick und Sophie sind beide schon erwachsen und verfolgen ihre eigenen Karrieren, mit Schreiben, Musik, Mode, Büchern und so Sachen. Meine Frau Shannon hat gerade ein Haus in Kanada gebaut, und ich verfolge ja auch noch andere Geschäfte. Aber Kiss wird immer ein Teil unseres Lebens sein. Denn da gibt es jede Menge Projekte, etwa die Golfanlage in Las Vegas und so weiter. Aber was die Tourneen angeht: Kiss als Band wird nach dem 17. Juli 2021 nicht mehr touren.

Gene mit seiner Frau Shannon und den beiden Kindern Nick und Sophie – Pic: Frazer Harrison/Getty Images

Im Sommer 2020 schwenkt die End Of The Road Tour erneut Richtung Deutschland, 44 Jahre nach dem ersten Kiss-Konzert hierzulande. Das fand statt am 18. Mai 1976 in Mannheim im Rahmen der Destroyer Tour, als Vorgruppe spielten die Scorpions. Was fällt Ihnen ein, wenn Sie daran zurückdenken?

Oh, ich kann mich an Uli Jon Roth erinnern. Ein großartiger Gitarrist, fantastisch! Wir hatten von den Scorpions schon gehört, aber ich wusste nicht, ob sie tatsächlich was drauf haben. Aber sie entpuppten als wirklich amtlich rockende Band, insbesondere dank Uli. Sie haben nicht enttäuscht.

Damals standen Kiss in den USA ganz oben und spielten die größten Hallen. Wie fühlte es sich an, zum ersten Mal in Europa aufzutreten?

Toll! Ich wusste schon einiges über Deutschland, über Germania, Bayern, Preußen, Bismarck und über die Geschichte. Es gibt so viel Kultur. Ich kann auch sprechen ein bisschen deutsch. Ich habe gelernt auf der Schule. Wenn Leute mit mir im Aufzug stehen und sich auf Deutsch unterhalten, verstehe ich jedes Wort. Ja, ich bin ein Fan von Deutschland, von Natur, Essen und Sprache. Wir hatten immer viel Freude bei euch, das Publikum ist toll, besonders auf den großen Festivals.

Im Sommer 2020 macht die „End Of The Road Tour“ wieder Station in Deutschland

Wie hat sich das Touren in Deutschland über die Jahre verändert, wenn es sich überhaupt verändert hat. Wurde es besser, schlechter, sonderbarer?

Moderner! Deutschland wurde zum modernsten Land Europas. Wir haben oft in England gespielt, und natürlich lieben wir die ganzen britischen Bands wie die Beatles und Queen, aber da drüben konnte man nicht mal einen kühlen Drink bekommen. Es gab einfach kein Eis, auch keine Klimaanlagen in den Hotels, die sowieso meist ganz kleine Zimmer hatten. Deutschland wirkte da anders, und dank der Autobahn konnte man sich einfacher fortbewegen als beispielsweise in Frankreich oder eben Großbritannien. Außerdem funktionierte das Stromnetz, da flog nichts in die Luft. In England ist das manchmal passiert…

Lassen Sie uns über die kommenden Abschnitte der End Of The Road Tour reden: Sie haben eine sehr üppige Produktion dabei. Wird sich an der Show bis Sommer 2020 etwas ändern, wenn das überhaupt technisch möglich ist?

Ja! Wir haben gerade auf der Kiss Kruise gespielt. Dabei haben wir das Set komplett auf den Kopf gestellt und ziemlich obskure Songs herausgekramt. Wir ändern also schon ein paar Sachen. Aber ihr dürft nicht vergessen, dass der Rest der Welt diese Show noch nicht gesehen hat. Und wegen der Größe des Ganzen können wir auch nicht jeden Abend etwas Neues machen. Wir müssen das einproben, die Abläufe müssen stimmen, und die Pyros müssen an der richtigen Stelle hochgehen.

The Demon: Gene Simmons bei der Arbeit – Pic: Jay Gilbert

Manche der Stücke wie Cold Gin oder Deuce spielen Sie seit Dekaden. Keine Frage, sowas wollen die Fans hören. Aber würden Sie rein als Musiker gerne die Setlist wirklich mal auf den Kopf stellen wie etwa bei den Konzerten mit ihrer Soloband?

Wir haben da schon ein paar Ideen, und momentan spielen wir ja Lieder aus jeder Ära der Band, aus allen Jahrzehnten. Aber Rock And Roll All Night und Detroit Rock City müssen eben sein. Wenn ich mir die Stones angucke, will ich Satisfaction hören, selbst wenn den Jungs die Nummer zum Hals raus hängt. Und das haben wir immer im Hinterkopf. Klar, vielleicht sollten wir die Auswahl der Lieder variieren, ein bisschen bisschen zumindest, aber viele Fans auf der aktuellen Tour haben uns noch nie gesehen. Und wenn wir dann nicht I Was Made For Lovin’ You spielen… Den Song lassen in Amerika übrigens immer weg. Man kann bei der Setlist natürlich sehr in die Tiefe gehen, aber ich habe Konzerte gesehen von Dylan und anderen Ikonen, als sie wirklich obskures Zeug rausgesucht haben. Und dann bleibt das Publikum die ganze Zeit sitzen, die Leute hören einfach zu. Aber unsere Konzerte sollen eine Party sein. Ihr sollte die ganze Zeit auf den Beinen sein.

Eine Sache müssen wir noch klären: Werden ehemalige Mitglieder wie Peter Criss, Ace Frehley, Vinnie Vincent oder Bruce Kulick zum Abschied nochmal mit Kiss auf der Bühne stehen?

Einer der ersten Schritte ganz am Anfang war, Ace und Peter zu fragen: Wollt ihr ein paar Songs spielen? Peter Criss hat Nein gesagt. Was Ace angeht: Das könnte für die Zukunft schon eine Möglichkeit sein, aber das ist alles nicht so einfach. Wir haben jedenfalls beide eingeladen. Allerdings sind auf der letzten Kiss Kruise sowohl Ace als auch Bruce Kulick aufgetreten, und ich habe Ace die Musiker meiner Gene Simmons Band überlassen. Das passt schon alles, allen geht’s gut, aber es stimmt mich traurig, dass Ace und Peter nicht das erleben, was wir gerade erleben. 46 Jahre später haben wir die beste Zeit unseres Lebens. Es ist nunmal so, dass nicht jeder über die Anlagen verfügt, einen Marathon zu laufen. Manche Leute sind für kurze Rennen besser geeignet, so sieht es nun mal aus.

Kiss in ihrer letzten Inkarnation: Paul Stanley, Gene Simmons, Tommy Thayer, Eric Singer – Pic: Promo)

Was soll das Vermächtnis von Kiss sein?

Oh, das weiß ich genau! Wenn man sich Garth Brooks anguckt, Sir Paul McCartney oder Wrestling-Kämpfe, dann gibt es da Pyros und Explosionen. Und nun ja, das haben sie nicht von Peter Maffay. Sondern von Kiss! Wenn wir andere Bands gezwungen haben, eine gute Show auf die Beine zu stellen mit Feuerwerk und grandiosem Licht, dann ist das ein Vermächtnis. Wir haben natürlich auch ein paar gute Songs geschrieben und tolle Gigs gespielt, aber vor allem haben wir die Messlatte höher gelegt, was Konzerte angeht. Es reicht nicht länger, sich einfach auf die Bühne zu stellen.

Kiss kehren im Sommer 2020 für vier Shows nach Deutschland zurück: 14.6. Dortmund, 15.6. Hamburg, 10.7. Frankfurt, 11.7. Stuttgart.

Ein normaler Abend bei Kiss: Pyros & Explosion, gerne und viel – Pic: Jay Gilbert

KISS spielen Trio-Show für Haie – und kein einziger Hai taucht auf

Popkultur

Zum Geburtstag der Metal-Diva: Tarja Turunen wird 45!

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Tarja Turunen
Foto: Giuseppe Maffia/NurPhoto via Getty Images

Mit Nightwish hat sie den Metal-Olymp erklommen, seit 2005 verfolgt sie eine überaus erfolgreiche Solokarriere: Tarja Turunen zählt ohne Weiteres zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rockmusik. Doch wie hat eigentlich alles angefangen und was macht die finnische Grande Dame des Metal heute?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch In The Raw von Tarja anhören:

Ob wohlklingend oder nicht: Der erste Schrei von Tarja Turunen ertönt am 17. August 1977 in einem kleinen finnischen Dorf namens Puhos nahe der russischen Grenze. Sie wächst mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf; ihre Eltern arbeiten in der Stadtverwaltung und als Zimmermann. Schon im Alter von drei Jahren fällt Tarja als herausragende Sängerin auf, als sie bei einer Kirchenveranstaltung eine finnische Version des Stücks Vom Himmel hoch da komm’ ich her von Martin Luther zum Besten gibt. Anschließend tritt sie in den Kirchenchor ein, mit sechs nimmt sie die ersten Klavierstunden. Noch weiß das Wunderkind nicht, dass ihm eine große Karriere bevorsteht.

Auch in der Schule bemerkt man Tarjas musikalisches Können. „Man musste ihr nur eine Note geben und sie hat sofort alles verstanden“, erzählt ihr früherer Musiklehrer Plamen Dimov in einem Interview für die offizielle Nightwish-Biografie. „Mit anderen musste ich drei-, vier-, fünfmal proben.“ Tarjas Talent bringt allerdings auch Probleme mit sich. Weil einige Mitschülerinnen neidisch auf ihre Singstimme sind, mobben sie die junge Musikerin. Lehrer Dimov reagiert darauf und verlagert die musikalischen Aktivitäten von der Schule in die Freizeit. Ihren ersten großen Auftritt hat Tarja mit 15, als sie im Rahmen eines Kirchenkonzerts als Solistin vor rund Tausend Menschen auftritt. Doch noch immer steht die Sängerin bloß am Anfang dessen, was noch kommen soll.

Tarja Turunen: Mit Nightwish an die Spitze des Metal-Olymp

Mitten im finnischen Winter 1996 meldet sich Tarjas alter Schulkamerad Tuomas Holopainen bei der damals 19-jährigen Musikerin. Er habe ein neues akustisches Musikprojekt gegründet. Ob Tarja nicht als Sängerin einsteigen wolle. Sie schlägt ein, doch dann kommt alles anders. Gleich bei den ersten Proben merken alle Beteiligten, dass Tarjas Stimme seit der Schulzeit reichlich an Kraft gewonnen hat und gar nicht mehr zu ruhigen Akustik-Songs passt. Gitarrist Emppu Vuorinen steigt auf eine E-Gitarre um, Holopainen beschließt, dass die Band viel massiver klingen muss, um Tarjas Stimme gerecht zu werden. Das Grundgerüst steht. Nur ein Name für das Projekt fehlt noch. Kurze Zeit später ist klar: Die neue Band heißt Nightwish.

„Mehr Bombast, mehr Drama“ lautet das Motto der neu gegründeten Gruppe. Holopainen kann einen Plattenvertrag für Nightwish an Land ziehen und ab da geht es für die Newcomer nur noch in eine Richtung: nach oben. Schon das Debüt Angels Fall First (1997) schlägt ein, sehr zur Überraschung der Plattenfirma. Ab da wird es richtig ernst. Nightwish gehen auf Tour, Tarja bricht ihr Studium ab. Mit den folgenden Alben Oceanborn (1998), Wishmaster (2000) und Century Child (2002) klettern Nightwish immer weiter an die Spitze, 2004 gelingt den Finnen mit Once zum ersten Mal der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleich danach kommt es zum Bruch — und die Finnen setzen ihre Sängerin vor die Tür.

„Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob die Geschichte von Nightwish hier endet, oder ob sie weitergehen wird“, schreibt die Band in einem offenen Brief an Tarja. Man wolle die Band fortführen. „Genauso sicher ist aber, dass wir mit dir und Marcelo [Tarjas Ehemann — Anm. d. Aut.] nicht mehr weitermachen können.“ Ihren Rauswurf trägt Tarja mit der maximal möglichen Fassung, doch an einer Sache stört sie sich: „Ich kann die Art und Weise, wie meine Band mir das Ganze mitgeteilt hat, immer noch nicht nachvollziehen“, erklärt sie nach dem offenen Brief von Nightwish. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mir das auf anderem Wege zu sagen.“ Nach einer schweren Phase der Trauer rappelt sich die Sängerin wieder auf — und macht solo weiter.

„Heute ist alles anders.“

Nach wie vor zählt Tarja Turunen zu den berühmtesten und versiertesten Sänger*innen des Metal. Mit ihrer dreieinhalb Oktaven starken Stimme zieht sie weiterhin Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann und hat seit 2006 stolze acht Soloalben veröffentlicht. „Heute ist alles anders“, verrät sie 2016 in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Ich habe eine Karriere, ich habe mein Publikum und mein Leben als Künstlerin. Ich bin frei. Es ist unglaublich, wenn man sich die Dinge selbst aussuchen kann, entscheiden kann, wie man was macht, und mit wem man zusammenarbeitet. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen bezeichnet Tarja im selben Interview als „längjährige Freundin“ und ergänzt: „Wir haben vor ein paar Tagen noch gemailt.“

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Zeitsprung: Am 1.11.1997 debütieren Nightwish mit „Angels Fall First“.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.8.1959 erscheint „Kind Of Blue“ von Miles Davis.

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.8.1959.


von Timon Menge und Christof Leim

Kind Of Blue gehört zu den schlichtesten Aufnahmen der Musikgeschichte, aber auch zu den wichtigsten und schönsten. Am 2. März und am 22. April 1959 spielen Miles Davis und seine sechs Mitmusiker die Platte ein, am 17. August 1959 erscheint sie. Werfen wir zum Geburtstag einen Blick auf das Jahrhundertwerk des Jazz.

Hier könnt ihr euch Kind Of Blue anhören:

Ende des Jahres 1958 gehören Miles Davis und seine Bandmitglieder zu den gefragtesten Jazzmusikern New Yorks. Die Gruppe spielt einerseits Klassiker des Bebop, andererseits ein Repertoire von Popsongs. Wie im Jazz üblich, reichern die Künstler ihre Nummern mit Improvisationen an, die zu den Akkordfolgen der Stücke passen. Wie viele andere Musiker stört sich allerdings auch Davis zunehmend an den engen Grenzen der Richtung — und schlägt einen anderen Weg ein.

Diese fünf Musiker wurden erst etwas später berühmt

Die Aufnahmen zu Kind Of Blue finden an zwei Tagen in den 30th Street Studios in New York City statt. Am 2. März 1959 spielen Davis und seine Band, zu der auch Jazzlegende John Coltrane gehört, die Songs So What, Freddie Freeloader und Blue In Green ein. All Blues und Flamenco Sketches folgen am 22. April. Entgegen der landläufigen Meinung, das Album sei während nur eines einzigen Versuchs entstanden, befindet sich wahrheitsgemäß kein einziger sogenannter „First Take“ auf der Platte.

Vor den Sessions haben Davis’ Mitmusiker beinahe keine Gelegenheit zum Üben. Sie wissen noch nicht einmal so genau, was sie überhaupt einspielen sollen. In den Liner Notes kann man nachlesen, dass der Bandleader im Vorfeld gerade einmal grobe Skizzen mit einigen Tonleitern und Melodieabläufen verteilt. Als sich die Instrumentalisten im Studio einfinden, gibt Davis ihnen eine kurze Einweisung zu den einzelnen Songs, und die Aufnahme eines der wohl wichtigsten Jazzalben aller Zeiten beginnt. 

An dieser Stelle in das weite Feld der Kirchentonarten, Halbtonschritte und Modi einzusteigen, würde den Rahmen sprengen. Halten wir daher Folgendes fest: Mit Kind Of Blue entfernen sich Davis und seine Mitmusiker von den seinerzeit üblichen Dur-/Moll-Tonleitern und greifen auf eine wesentlich umfangreichere Trickkiste zurück. Dadurch schaffen sie nicht nur deutlich mehr Abwechslung, was die grundlegenden Songstrukturen betrifft, sondern vor allem jede Menge Raum für vielfältige Improvisation.

Bis heute behält Kind Of Blue seinen Legendenstatus. Ob im Jazz, in der Klassik oder im Pop: Die meisten Experten teilen die Meinung, dass Miles Davis mit seinem größten Erfolg die Musikwelt umgekrempelt hat. Mehr als sechs Millionen Mal geht das Werk über die Ladentheke, in den USA genießt das Album vierfachen Platinstatus, ein sagenhafter, fast pop-esquer Maßstab.

Miles Davis 1984 – Foto: David Gahr /Getty Images

Zeitsprung: Am 8.11.1985 spielt Miles Davis den Bösen bei „Miami Vice“.

 

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Popkultur

Eine ahnungslose Gospelband, ein Blitzlogo und ein Besuch von Bruce Springsteen: 3 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Elvis stammen können

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Elvis Presley
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Seit inzwischen 45 Jahren müssen wir ohne Elvis Presley auskommen. Am 16. August 1977 verstarb der „King“ im Alter von nur 42 Jahren. Doch bis heute ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten um den ersten aller Rockstars. Drei davon haben wir für euch aufgeschrieben — darunter auch ein ungebetener Besuch vom „Boss“.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack zum Biopic Elvis von Regisseur Baz Luhrmann anhören:

1. Mit 19 wurde Elvis von einer Gospelgruppe abgelehnt.

Genau wie die Beatles einmal legendär abgelehnt wurden, musste auch der „King Of Rock’n’Roll“ zu Beginn seiner Laufbahn mit allerhand Zurückweisung zurechtkommen. So attestierte ihm sein Musiklehrer in der Schule zum Beispiel, dass Elvis nicht besonders gesangsbegabt sei. So kann man sich täuschen. Im Alter von 19 Jahren bewarb sich Elvis Presley außerdem bei den Songfellows, einem Ableger der deutlich berühmteren Gospelgruppe The Blackwood Brothers. Doch die Band lehnte ihn ab. Als wenig später ein Platz bei den Songfellows frei wurde, weil eines der Mitglieder zu den Blackwood Brothers wechselte, sollte der „King“ noch eine Chance bekommen. Zu jener Zeit hatte Elvis allerdings schon einen Plattenvertrag mit Sun Records unterschrieben. Der Rest ist Geschichte.

2. Ein Gewitter während eines Flugs nach Memphis lieferte die Inspiration für das legendäre TCB-Logo — oder doch nicht?

Wie genau das ikonische TCB-Logo [kurz für: „Taking Care of Business“] entstand, das sich Elvis als Halskette für seine Band wünschte, daran scheiden sich bis heute die Geister. Eine weit verbreitete Theorie lautet, dass Elvis ein so großer Fan von Captain Marvel Jr. war, dass er nicht nur dessen Optik imitierte, sondern auch den Blitz vom Cape des Comic-Superhelden übernahm. Eine andere Meinung vertritt Elvis’ Cousin Billy Smith, der sich sicher ist, dass Elvis den Blitz aufgrund seiner Zeit bei der US Army verwendete. „Es war das Abzeichen seines Bataillons“, gibt Smith in einem Interview zu Protokoll. Das stimmt, wie ihr hier sehen könnt. Wiederum anderer Meinung ist Elvis’ Ex-Frau Priscilla, die kürzlich in einem Interview mit der Vogue erzählte: „Die TCB-Halskette habe ich entworfen. Wir saßen in einem Flugzeug nach Memphis und er [Elvis] sagte zu mir, dass er sich ein Schmuckstück wünscht, das nur für seine Jungs entworfen wurde, also für TCB. Während des Flugs fing es an zu regnen und am Himmel war ein Blitz zu sehen. Ich habe mir den Blitz angeschaut, ihn aufgemalt und die Buchstaben TCB darüber gesetzt. Dann habe ich ihn gefragt, ob es das ist, was er meint. Und er sagte: ‚Oh Gott, das ist es.‘ Wer hätte ahnen können, dass dieses Symbol einmal so bekannt werden würde? Ich werde mich ewig darüber ärgern, dass ich kein Patent darauf habe.“ Wie genau das Logo entstanden ist, wird also wohl immer ein Geheimnis bleiben. Wir Fans dürfen uns immerhin über gleich drei unterschiedliche Geschichten dazu freuen.

3. Am 29. April 1976 bekam der „King“ Besuch vom „Boss“. Zumindest fast.

Fans tun manchmal die verrücktesten Dinge, um ihren Stars ein wenig näher zu kommen. Besonders unterhaltsam wird es, wenn die Fans selbst Superstars sind. Im April 1976 war Bruce Springsteen schon längst in der Rock’n’Roll-Champions-League angekommen, allerspätestens mit seinem dritten Album Born To Run (1975) und der dazugehörigen Tour. Dennoch ist der „Boss“ auch selbst noch Fan und geht in der Nacht vom 29. April 1976 einen kliiitzekleinen Schritt zu weit, um seinen großen Helden Elvis Presley kennenzulernen. Statt einen Termin mit dem „King“ auszumachen, entscheidet sich Springsteen nämlich für einen anderen Weg: Gegen drei Uhr morgens erklimmt er die Mauer von Elvis’ Anwesen Graceland, nimmt die Beine in die Hand und rennt mit Vollgas auf das Haus seines Idols zu. Dort brennt sogar noch Licht, doch bis zur Tür kommt der „Boss“ gar nicht. Einer von Elvis’ Wachmännern ringt den jungen Musiker nieder und geleitet ihn vom Gelände. „Ich bin auch berühmt!“, lässt Springsteen den Wachhabenden wissen. Der wiederum erklärt dem begeisterten Fan, dass Elvis gar nicht zu Hause sei, sondern am Lake Tahoe verweile. Dumm gelaufen. Gut ein Jahr später stirbt Elvis; Springsteen lernt er vorher nicht mehr kennen. Doch wer ganz genau hinschaut, kann erkennen, dass der „Boss“ dem „King“ schon vor seiner Einbruchsaktion auf dem Cover von Born To Run die Ehre erwies:

the king cover

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„Moody Blue“: Elvis Presleys allerletztes Studioalbum wird 45

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