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Popkultur

„Wir haben die Messlatte für Konzerte höher gelegt“: Gene Simmons von Kiss im Interview

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Foto: Jay Gilbert

"Kiss verabschieden sich: Seit Januar 2019 läuft die End Of The Road World Tour,  mit gewaltiger Produktion und jeder Menge Hits, Make-up und Explosionen, wie uDiscover aus New York City berichtete. Nun wurde die allerletzte Show für den 17. Juli 2021 angekündigt, nächsten Sommer macht die auf mehrere Jahre angelegte Weltreise nochmal einen Schlenker durch Deutschland. Wir wollten von Gene Simmons wissen, wie sich das alles mittlerweile und mittendrin so anfühlt. Im Gespräch bekräftigt der 70-Jährige, dass der wilde Rock’n’Roll-Ritt in absehbarer Zukunft ein Ende haben muss, und spricht über den Tag nach dem finalen Song, das Vermächtnis von Kiss, die erste Deutschland-Show 1976 (mit den Scorpions!) und über ehemalige Kollegen wie Ace und Peter auf dem „Ende der Straße“.

von Christof Leim

Hier könnt ihr die größten Kiss-Songs hören:

Mr. Simmons, Zeit für eine Zwischenbilanz: Welcher Teil der Abschiedsreise gefällt Ihnen allabendlich am meisten?

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Eins beschleunigt regelmäßig meinen Herzschlag, und zwar der Moment unmittelbar bevor wir auf die Bühne gehen. Wir hören das Geschrei des Publikums, wir stehen auf den Podesten unter der Hallendecke, der Vorhang fällt… und alle drehen durch, denn sie wissen, dass jetzt etwas Besonderes kommt. Ihr habt das selber erlebt. Und genau das ist der aufregendste Teil der Shows.

Gibt es etwas, was Ihnen nicht gefällt?

Nein. Eins steht aber fest: Die Gigs fordern körperlich ganz schön. Wir arbeiten wirklich härter als andere, wenn wir auf dieser Bühne stehen. Wir gehen vielleicht sonst nicht so gerne ins Fitnessstudio, aber das die Anstrengung ja was Gutes für die Gesundheit. Die Leute haben Spaß, wir haben Spaß, aber man sollte sich nichts vormachen: Ein Kiss-Konzert ist physisch strapaziös.

Lief auf der Abschiedstour bisher irgendetwas anders als erwartet?

Ja. Ich war nicht drauf eingestellt, dass mir zwischendurch Nierensteine entfernt werden! (lacht) Einen Termin haben wir abgesagt, mir geht es wieder gut.

Fühlt sich die Tour und die Vorstellung des kommenden Ruhestandes nach einigen Monaten unterwegs anders an als zu Beginn?

Es ist der richtige Zeitpunkt, mit dem Touren aufzuhören. Ich bin 70 Jahre alt. Ich fühle mich großartig, die Shows sind großartig und sehr solide, jeden Abend. Übrigens, ich singe und spiele jede Note, die ihr hört. Wir sind so gut, dass die Leute denken, ich hätte meine Sachen vorher aufgenommen. Aber nein, das ist alles live. Eines darf man aber nicht vergessen: Wir haben alle Bands gesehen, die zu lange auf der Bühne stehen. Man sollte Schluss machen, solange man noch der Champion ist. Über manche Gruppen sagen die Leute: „Die hättest du mal früher sehen sollen!“  Über uns möchte ich das nicht hören. Also treten wir ab, solange wir noch an der Spitze stehen. Die Tour wird zweieinhalb oder drei Jahre dauern, es gibt eine Menge Städte auf dem Plan, aber das letzte Konzert passiert im Juli 2021 in New York City. Danach werden keine Touren mehr stattfinden. Aber Kiss leben weiter, es wird Filme geben, Zeichentrickserien, Spielzeug, Games und solche Sachen. Vielleicht kommt sogar eine Art reisende Kiss-Show. Aber die Band und ich werden nicht mehr auf Tour gehen.

Haben Sie darüber nachgedacht, wie Sie sich am Morgen des 18. Juli 2021 fühlen werden?

Es wird eine Mischung aus großem Stolz und ein bisschen Trauer sein. Wenn die Party läuft, amüsiert man sich, und am Ende wird einem womöglich klar, dass das die beste Feier aller Zeiten war. Kommt die Sache zum Ende, kann man nur noch in Erinnerungen schwelgen. Und ich werde eine Menge toller Erinnerungen haben, so zartbitter sich die auch anfühlen mögen. Ich bin fast sicher, dass ich weinen werde wie ein zwölfjähriges Mädchen.

Freut sich denn Ihre Familie darüber, dass „der Alte“ danach öfter zu Hause sein wird?

Ja, schon, aber meine Kinder Nick und Sophie sind beide schon erwachsen und verfolgen ihre eigenen Karrieren, mit Schreiben, Musik, Mode, Büchern und so Sachen. Meine Frau Shannon hat gerade ein Haus in Kanada gebaut, und ich verfolge ja auch noch andere Geschäfte. Aber Kiss wird immer ein Teil unseres Lebens sein. Denn da gibt es jede Menge Projekte, etwa die Golfanlage in Las Vegas und so weiter. Aber was die Tourneen angeht: Kiss als Band wird nach dem 17. Juli 2021 nicht mehr touren.

Gene mit seiner Frau Shannon und den beiden Kindern Nick und Sophie – Pic: Frazer Harrison/Getty Images

Im Sommer 2020 schwenkt die End Of The Road Tour erneut Richtung Deutschland, 44 Jahre nach dem ersten Kiss-Konzert hierzulande. Das fand statt am 18. Mai 1976 in Mannheim im Rahmen der Destroyer Tour, als Vorgruppe spielten die Scorpions. Was fällt Ihnen ein, wenn Sie daran zurückdenken?

Oh, ich kann mich an Uli Jon Roth erinnern. Ein großartiger Gitarrist, fantastisch! Wir hatten von den Scorpions schon gehört, aber ich wusste nicht, ob sie tatsächlich was drauf haben. Aber sie entpuppten als wirklich amtlich rockende Band, insbesondere dank Uli. Sie haben nicht enttäuscht.

Damals standen Kiss in den USA ganz oben und spielten die größten Hallen. Wie fühlte es sich an, zum ersten Mal in Europa aufzutreten?

Toll! Ich wusste schon einiges über Deutschland, über Germania, Bayern, Preußen, Bismarck und über die Geschichte. Es gibt so viel Kultur. Ich kann auch sprechen ein bisschen deutsch. Ich habe gelernt auf der Schule. Wenn Leute mit mir im Aufzug stehen und sich auf Deutsch unterhalten, verstehe ich jedes Wort. Ja, ich bin ein Fan von Deutschland, von Natur, Essen und Sprache. Wir hatten immer viel Freude bei euch, das Publikum ist toll, besonders auf den großen Festivals.

Im Sommer 2020 macht die „End Of The Road Tour“ wieder Station in Deutschland

Wie hat sich das Touren in Deutschland über die Jahre verändert, wenn es sich überhaupt verändert hat. Wurde es besser, schlechter, sonderbarer?

Moderner! Deutschland wurde zum modernsten Land Europas. Wir haben oft in England gespielt, und natürlich lieben wir die ganzen britischen Bands wie die Beatles und Queen, aber da drüben konnte man nicht mal einen kühlen Drink bekommen. Es gab einfach kein Eis, auch keine Klimaanlagen in den Hotels, die sowieso meist ganz kleine Zimmer hatten. Deutschland wirkte da anders, und dank der Autobahn konnte man sich einfacher fortbewegen als beispielsweise in Frankreich oder eben Großbritannien. Außerdem funktionierte das Stromnetz, da flog nichts in die Luft. In England ist das manchmal passiert…

Lassen Sie uns über die kommenden Abschnitte der End Of The Road Tour reden: Sie haben eine sehr üppige Produktion dabei. Wird sich an der Show bis Sommer 2020 etwas ändern, wenn das überhaupt technisch möglich ist?

Ja! Wir haben gerade auf der Kiss Kruise gespielt. Dabei haben wir das Set komplett auf den Kopf gestellt und ziemlich obskure Songs herausgekramt. Wir ändern also schon ein paar Sachen. Aber ihr dürft nicht vergessen, dass der Rest der Welt diese Show noch nicht gesehen hat. Und wegen der Größe des Ganzen können wir auch nicht jeden Abend etwas Neues machen. Wir müssen das einproben, die Abläufe müssen stimmen, und die Pyros müssen an der richtigen Stelle hochgehen.

The Demon: Gene Simmons bei der Arbeit – Pic: Jay Gilbert

Manche der Stücke wie Cold Gin oder Deuce spielen Sie seit Dekaden. Keine Frage, sowas wollen die Fans hören. Aber würden Sie rein als Musiker gerne die Setlist wirklich mal auf den Kopf stellen wie etwa bei den Konzerten mit ihrer Soloband?

Wir haben da schon ein paar Ideen, und momentan spielen wir ja Lieder aus jeder Ära der Band, aus allen Jahrzehnten. Aber Rock And Roll All Night und Detroit Rock City müssen eben sein. Wenn ich mir die Stones angucke, will ich Satisfaction hören, selbst wenn den Jungs die Nummer zum Hals raus hängt. Und das haben wir immer im Hinterkopf. Klar, vielleicht sollten wir die Auswahl der Lieder variieren, ein bisschen bisschen zumindest, aber viele Fans auf der aktuellen Tour haben uns noch nie gesehen. Und wenn wir dann nicht I Was Made For Lovin’ You spielen… Den Song lassen in Amerika übrigens immer weg. Man kann bei der Setlist natürlich sehr in die Tiefe gehen, aber ich habe Konzerte gesehen von Dylan und anderen Ikonen, als sie wirklich obskures Zeug rausgesucht haben. Und dann bleibt das Publikum die ganze Zeit sitzen, die Leute hören einfach zu. Aber unsere Konzerte sollen eine Party sein. Ihr sollte die ganze Zeit auf den Beinen sein.

Eine Sache müssen wir noch klären: Werden ehemalige Mitglieder wie Peter Criss, Ace Frehley, Vinnie Vincent oder Bruce Kulick zum Abschied nochmal mit Kiss auf der Bühne stehen?

Einer der ersten Schritte ganz am Anfang war, Ace und Peter zu fragen: Wollt ihr ein paar Songs spielen? Peter Criss hat Nein gesagt. Was Ace angeht: Das könnte für die Zukunft schon eine Möglichkeit sein, aber das ist alles nicht so einfach. Wir haben jedenfalls beide eingeladen. Allerdings sind auf der letzten Kiss Kruise sowohl Ace als auch Bruce Kulick aufgetreten, und ich habe Ace die Musiker meiner Gene Simmons Band überlassen. Das passt schon alles, allen geht’s gut, aber es stimmt mich traurig, dass Ace und Peter nicht das erleben, was wir gerade erleben. 46 Jahre später haben wir die beste Zeit unseres Lebens. Es ist nunmal so, dass nicht jeder über die Anlagen verfügt, einen Marathon zu laufen. Manche Leute sind für kurze Rennen besser geeignet, so sieht es nun mal aus.

Kiss in ihrer letzten Inkarnation: Paul Stanley, Gene Simmons, Tommy Thayer, Eric Singer – Pic: Promo)

Was soll das Vermächtnis von Kiss sein?

Oh, das weiß ich genau! Wenn man sich Garth Brooks anguckt, Sir Paul McCartney oder Wrestling-Kämpfe, dann gibt es da Pyros und Explosionen. Und nun ja, das haben sie nicht von Peter Maffay. Sondern von Kiss! Wenn wir andere Bands gezwungen haben, eine gute Show auf die Beine zu stellen mit Feuerwerk und grandiosem Licht, dann ist das ein Vermächtnis. Wir haben natürlich auch ein paar gute Songs geschrieben und tolle Gigs gespielt, aber vor allem haben wir die Messlatte höher gelegt, was Konzerte angeht. Es reicht nicht länger, sich einfach auf die Bühne zu stellen.

Kiss kehren im Sommer 2020 für vier Shows nach Deutschland zurück: 14.6. Dortmund, 15.6. Hamburg, 10.7. Frankfurt, 11.7. Stuttgart.

Ein normaler Abend bei Kiss: Pyros & Explosion, gerne und viel – Pic: Jay Gilbert

KISS spielen Trio-Show für Haie – und kein einziger Hai taucht auf

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Popkultur

Ohrfeigen, Improvisation & die Hells Angels: 6 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Janis Joplin stammen können

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Janis Joplin

Janis Joplin stach schon von Anfang an heraus: Ihre verklemmte texanische Heimatstadt ließ sie mit 17 hinter sich, um in Los Angeles in Kneipen und Bars aufzutreten. Ihre monströse Reibeisenstimme machte aus jedem simpel gestrickten Blues-Stück einen ikonischen Soundtrack der Flower-Power-Zeit und ihr ungebremst hemmungsloses Leben erzählt legendäre Geschichten – bis zum tragischen, viel zu frühen Ende.

von Timo Diers

Nicht alle dieser Geschichten sind groß oder besonders lang. Aber so verrückt, dass sie nur von ihr stammen können. Sechs solcher typischen Janis-Joplin-Momente haben wir hier für euch aufgeschrieben.

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Hört hier in die Greatest Hits von Janis Joplin rein:

1. Sie schlug Jim Morrison eine Whiskeyflasche über den Kopf.

Joplins Vorliebe für Southern Comfort sollte hinlänglich bekannt sein – davon könnte wahrscheinlich auch Jim Morrison berichten, der die junge Sängerin bei einer Party in Hidden Hills, Kalifornien kennenlernte. Wie für Morrison üblich, betrank er sich und verwandelte sich von einem charmanten jungen Mann in einen ungehobelten Raufbold. Die beiden verstanden sich zunächst gut. Doch irgendwann war Joplin von Morrisons Art so dermaßen genervt, dass sie die Party frühzeitig verlassen wollte. Aber der Doors-Sänger war hartnäckig und wollte sie am Wegfahren hindern – da zog sie ihm kurzerhand eine Whiskeyflasche über den Kopf.

2. Sie sprang bei Tina Turner auf die Bühne und gab ein Impromptu-Duett.

Als Janis Joplin in der Dick Cavett Show nach ihren Lieblingskünstlern gefragt wurde, war die Antwort eindeutig: „Tina Turner – die beste Braut aller Zeiten!“ Und das war noch bevor Tina Turner auch nur in die Nähe des Popstar-Daseins kam. Als Ike & Tina Turner 1969 für die Rolling Stones im Madison Square Garden eröffneten, stand Joplin zunächst am Bühnenrand und beobachtete die Show. Sie war flammender Fan von Tina. Als dann Land Of 1000 Dances angestimmt wurde, sprang sie für ein spontanes Duett auf die Bühne. Leider gibt es von dem Auftritt nur einige wenige Fotos.

3. Sie gab Jerry Lee Lewis eine saftige Ohrfeige.

Das letzte Mal, dass Laura Joplin ihre große Schwester sah, war 1970. Damals kam Janis zurück nach Texas, um bei ihrem 10-jährigen High-School-Jubiläum dabei zu sein. In derselben Nacht nahm sie ihre Schwester mit zu einem Jerry-Lee-Lewis-Konzert. Als sie ihn später Backstage trafen, sagte er zu Laura: „Du würdest gar nicht mal so schlecht aussehen, wenn du nicht versuchen würdest, wie deine Schwester zu sein.“ Janis konterte nicht, sondern scheuerte ihm direkt eine.

4. Sie improvisierte einen ihrer größten Hits.

„Oh Lord won’t you buy me a Mercedes Benz?“ Ihre Stimme ist rau, ganz nah am Mikrofon, kein anderes Instrument begleitet sie. Mercedes Benz geht keine zwei Minuten – ist eigentlich das genaue Gegenteil eines Rock-Hits. Und doch ist es einer ihrer bekanntesten Songs. Co-Writer Bob Neuwirth erinnert sich:

„Früher haben wir auf diesen fetten 16-Zoll-Bandmaschinen aufgenommen. Aber Paul Rothchild, der Produzent, ließ immer eine kleine Zwei-Spur-Bandmaschine mitlaufen, falls jemand eine gute Idee hatte und etwas improvisiert. An einem Tag sind die großen Bandmaschinen kaputtgegangen und wir mussten warten, bis wir mit den Aufnahmen weitermachen konnten. Um die Stimmung etwas zu entspannen, sagte Janis ‚Habt ihr schon meinen neuen Hit gehört?’ und improvisierte einfach Mercedes Benz.“

So wurde einer ihrer größten Songs auf einer kleinen Zwei-Spur-Bandmaschine aufgenommen. An dem Tag bekam Neuwirth einen Einblick in Janis’ einzigartige Persönlichkeit: „Diese pure Kraft und das Charisma machen den Song so besonders – dieses Kichern am Ende. Das ist so Janis!“

5. Sie brachte die Hells Angels dazu, für sie einkaufen zu gehen.

Es klingt nach einer ungewöhnlichen Kombination, aber Janis Joplin war gut mit den Hells Angels befreundet. Sie stand zeitweise sogar unter persönlichem Schutz der Rockergang. Eines Nachts wurden Joplin und ihr Freund David Niehaus von Geräuschen im Wohnzimmer ihres Hauses in Marine County wach. Einbrecher? So ungefähr. Fünf Hells Angels waren grade dabei, Joplins Kühlschrank nach etwas Essbaren zu durchwühlen. Und als der schmächtige Niehaus nicht so recht wusste, wie er den bewaffneten Rockern beibringen sollte, doch bitte wieder zu gehen, nahm Joplin die Sache selbst in die Hand. Sie machte die Fünf so dermaßen zur Schnecke, dass sie ein paar Nächte später wiederkamen – dieses Mal beladen mit Einkäufen, um den Kühlschrank wieder aufzufüllen.

6. Sie schmiss selbst postum noch eine Party für ihre Freunde.

Als Janis Joplin am 4. Oktober 1970 von ihrem Road Manager John Cooke tot aufgefunden wurde, stand die Musikwelt unter Schock. Sie war erst 27 Jahre alt, doch einen letzten Willen hatte sie schon verfasst. Darin war auch vermerkt, dass 2500 Dollar aus ihrem Vermögen für eine Party mit ihren Freunden eingesetzt werden sollen – als „ein letztes Zeichen der Wertschätzung und des Abschieds“. Also organisierte John Cooke eben diese Party als Totenwache im The Lion’s Share, einem Musikclub in San Anselmo, Kalifornien. Auf der Einladung hieß es, die Getränke gingen auf Pearl. So wurde Joplin von ihren Freunden genannt.

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Zeitsprung: Am 4.10.1970 stirbt Hippie-Ikone Janis Joplin.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.1.1949 kommt Robert Palmer zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Robert Palmer gehört zu den unterschätzten Personen der Rockgeschichte. Von 1974 bis 2003 veröffentlicht er (mehr oder weniger) starke Alben, beweist ein besonderes Gespür für Coversongs und gewinnt zahlreiche Preise, unter anderem einen Grammy. Hits wie Bad Case Of Loving You und Addicted To Love kennt jeder. Am 19. Januar hätte der 2003 verstorbene Musiker seinen Geburtstag gefeiert.

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Hört hier in die besten Songs von Robert Palmer rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Stücke.

Kindheit und Jugend

Robert Palmer kommt 19. Januar 1949 in Batley zur Welt. Noch im selben Jahr zieht die Familie nach Scarborough, sein Vater arbeitet als britischer Offizier in Malta. Die Musik entdeckt Palmer bereits in jungen Jahren, er hört unter anderem Blues, Jazz und Soul im American Forces Radio — Einflüsse, die ihn sein Leben lang begleiten. Schnell greift er selbst zur Gitarre, außerdem trommelt er die ersten Takte auf dem Schlagzeug. Mit 15 tritt der junge Musiker The Mandrakes bei, im Alter von 20 Jahren kündigt er seinen Job als Grafikdesigner und zieht mit Sack und Pack nach London, um die dortige Künstlerszene zu erobern.




Die Siebziger

Nach kurzen Mitgliedschaften in den Jazzgruppen The Alan Bown Set und Dada gründet Palmer im Jahr 1971 die Band Vinegar Joe, mit der er drei Alben einspielt. 1974 gehen die Musiker getrennte Wege, Palmer orientiert sich in Richtung Solokarriere. Sein Debüt Sneakin’ Sally Thru The Alley erscheint noch im selben Jahr, doch der Brite trifft nicht den richtigen Nerv: Das Blues-/Funk-Album erregt keine große Aufmerksamkeit und bleibt in den meisten Plattenregalen liegen.



Er beschließt, nach New York zu ziehen, doch sein zweites Soloalbum Pressure Drop (1975) floppt ebenfalls. Mit Album Nummer drei, Some People Can Do What They Like (1976), stellen sich erste kleine Erfolge ein. Erneut siedelt Palmer um, diesmal auf die Bahamas. Keine schlechte Wahl, offensichtlich auch in musikalischer Hinsicht: Nach einem Umweg über die Veröffentlichung der Soul- und Disco-beeinflussten Rockplatte Double Fun (1978) landet er 1979 seinen ersten Hit mit dem Moon Martin-Cover Bad Case Of Loving You. Zu finden ist der Song auf dem Album Secrets (1979), für das Palmer erstmals eine eigene Band zusammenstellt. Die Scheibe markiert seinen Durchbruch in den USA.



Die Achtziger

Das Jahr 1980 verschafft ihm auch den europäischen Durchbruch, zeitgleich entdeckt Palmer die New Wave. Das verstärkt mit Synthesizern arbeitende Clues stürmt die Top Ten in Frankreich und Deutschland; in Schweden reicht es sogar zu Platz eins. Der Song Looking For Clues erklimmt Platz drei der deutschen Charts, die spätere EP-Veröffentlichung seiner Coverversion von Some Guys Have All The Luck funktioniert ebenfalls. Seine nächste Platte Pride (1983) orientiert sich an ähnlichen Einflüssen, lässt qualitativ aber ein wenig nach.



1984 gründet er die Supergroup The Power Station gemeinsam mit John und Andy Taylor von Duran Duran sowie Tony Thompson von Chic. Seine Solokarriere hängt Palmer vorerst an den Nagel, aber schon eine erfolgreiche Veröffentlichung und eine gemeinsame TV-Performance später verlässt er die Band wieder und bringt mit Riptide (1985) sein erfolgreichstes Album auf den Markt, das zudem einen seiner größten Hits enthält. So belegt Addicted To Love drei Wochen lang Platz eins der US-Charts und verschafft ihm sogar eine Grammy-Nominierung. 1988 landet auch Rockröhre Tina Turner einen Treffer mit dem Song.



1987 verschlägt es den Briten nach Lugano (Schweiz), wo er sich ein eigenes Tonstudio aufbaut. Er schreibt die Filmmusik für Sweet Lies (1988), zusätzlich nimmt er die Arbeit an seinem etwas härteren Erfolgsalbum Heavy Nova (1988) auf. Der Hit Simply Irresistible verschafft ihm erneut eine Grammy-Nominierung, diesmal erhält er auch die Auszeichnung.


Die Neunziger

Zu Beginn des neuen Jahrzehnts singt Palmer seinen nächsten Langspieler Don’t Explain (1990) ein, das auch den Song I’ll Be Your Baby Tonight enthält, eine Kollaboration mit der Reggae-Gruppe UB 40. 1992 veröffentlicht er Ridin’ High und lässt eine Menge Jazz in seine Musik einfließen — leider nicht zur Freude seiner Anhänger. Generell gestaltet sich das Verhältnis zwischen Palmer und seinen Fans in den kommenden Jahren schwierig. Er weigert sich, im Rahmen seiner Konzerte ältere Songs zu spielen und stößt seine Anhänger damit vor den Kopf. Seine nächste Veröffentlichung Honey (1994) verkauft sich nicht unterirdisch, kann aber bei weitem nicht an vergangene Erfolge anknüpfen.



1996 reanimiert er die Gruppe The Power Station, mit Living In Fear veröffentlicht die Band ohne großen Erfolg ein Reunionalbum. Gegen Ende des Jahrzehnts wird es ruhig um den britischen Musiker. Sein vorletztes Werk Rhythm & Blues (1998) kommt schlechter an als beinahe alle seine Veröffentlichungen der vergangenen Jahrzehnte.



Sein letztes Album

Am 12. Mai 2003 erscheint mit Drive der letzte Eintrag in der Diskografie von Robert Palmer. Statt eigenes Material zu schreiben, covert er Songs von J. B. Lenoir, Keb’ Mo’, ZZ Top und Elvis Presley. Die Platte verschafft ihm gute Rezensionen und ein wenig Aufwind, verkauft sich allerdings erneut eher schlecht als recht. Am 26. September desselben Jahres stirbt Palmer in Paris überraschend an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 54 Jahre alt. Von 1970 bis 1993 war er mit seiner Frau Sue verheiratet, das Paar hat zwei Kinder.


Zeitsprung: Am 24.10.2013 gibt Tina Turner ihren US-Pass ab.

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Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

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Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

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