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Popkultur

So war’s: Gene Simmons live in Oberhausen 2018

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"Gene Simmons kennen wir natürlich alle als Schlabberzunge von Kiss. Nun spielt er zum ersten Mal als Solokünstler in Deutschland – ohne Maskerade, mit eigener Band und mit einer halbspontanen Setlist aus Klassikern und Schätzchen. Wir haben uns das Konzert am 20. Juli in der Oberhausener Turbinenhalle angesehen.

von Christof Leim

Hier könnt ihr in die Setlist des Abends reinhören:

Klickt auf “Listen” für das volle Programm.

Gene Simmons verfolgt seit jeher unzählige Projekte außerhalb von Kiss, der legendären Hard Rock-Combo mit Schminke, Feuer und großer Show. So wollte er lange Zeit als Schauspieler Fuß fassen, er engagierte sich als Produzent, Autor, Songwriter, Reality-TV-Objekt, Merch-Mogul und genereller Geldscheffler. Nur als Solokünstler ist der 68-Jährige bis vor kurzem noch nicht aufgetreten – im Gegensatz zu seinem Kiss-Kollegen Paul Stanley, der bereits 1989 und 2006 unter eigenem Namen getourt war. Im vergangenen Jahr jedoch stellte der Bassist und Sänger die Gene Simmons Band zusammen, mit der er nun zum ersten Mal in Deutschland spielt. Dazu hat ihn das Magazin Rocks eingeladen, das in Oberhausen sein zehntes Jubiläum feiert.

Das „Rocks“-Magazin hatte zum Jubiläum geladen

Es ist unfassbar heiß in der Turbinenhalle, als die Sause am frühen Abend startet. Viele Fans stehen deshalb lieber im Flur oder sogar draußen, als die russischen Melodic-Rocker Reds’ Cool loslegen. Es folgen die Briten The Brew, bei denen vor allem der Drummer mit durchschlagendem Einsatz glänzt, bevor Thunder schließlich zeigen, dass man als klassische Rockband mit Stil reifen kann. Danny Bowes mag mit den kurzen grauen Haaren ein bisschen aussehen wie ein Erdkundelehrer, aber der Mann singt so großartig, als wäre irgendwann vor zwei Dekaden die Zeit stehen geblieben. Und tolle Songs wie Low Life In High Places sind allgemein verstandene musikalische Tatsachen: Sie funktionieren eben.

Natürlich sind die meisten Gäste wegen Gene Simmons gekommen. Das belegen die überproportional vielen Kiss-Shirts, manche Fans haben sich sogar das ikonische Schwarz-Weiß-Makeup ins Gesicht gemalt, und immer wieder erschallt irgendwo der Schlachtruf „You wanted the best, you got the best“. Für seine Soloshows verzichtet Gene auf sämtliches Brimborium, sein Dämonen-Charakter bleibt ebenso zu Hause wie aufwändige Bühnenaufbauten: Hinten eine kleine Wand aus Gitarren- und Bassverstärkern, ein Schlagzeug in der Mitte und vier Mikros – fertig. Nur die beiden hüfthohen grauen Kästen vorne fallen aus dem Rahmen: Der feuerspuckende „God Of Thunder“ hat sich heute Klimaanlagen mitgebracht, die kalte Luft auf die Bühne blasen.

Ziemlich entspannt und ohne Inszenierung tritt Simmons dann vor das Publikum, in schwarzer Lederhose, schwarzem Sakko und mit der unnachahmlichen Lord Helmchen-Frisur. Rasch setzt er sich seine Sonnenbrille auf, lässt sich einen Bass reichen, und los geht’s mit Deuce, dem bewährten Opener unzähliger Kiss-Shows, den das Ur-Line-up der Band bereits vor 45 Jahren bei der ersten Probe gespielt hatte. Simmons’ Mitmusiker lassen sich dabei nicht lumpen, die drei langhaarigen Gitarristen im bestem Rock’n’Roll-Gypsy-Styling posen wie die Weltmeister. Natürlich knallt das, natürlich steht den Kiss-Fans dabei ein erstes Grinsen ins Gesicht geschrieben, ganz zu schweigen von der Freude darüber, dass hier eine Rocklegende ein verhältnismäßig kleines Hallenkonzert spielt. Nach dem Song begrüßt Gene das Publikum erstmal mit einer paar lockeren Sprüchen auf Deutsch. Er lässt sich bejubeln und filmt das sogar in aller Seelenruhe mit seinem Smartphone, das auch beim Gig in der hinteren Hosentasche steckt. Eilig hat er es nicht, was gleich klar macht, dass heute Abend kein Programm einfach runtergeballert wird.

Beste Unterhaltung: Gene Simmons mit seiner Soloband. Pic: Axel Jusseit

Das nächste Stück stammt vom Gene Simmons Vault, dem „größten Boxset aller Zeiten“, wie der Chef mit Nachdruck verkündet: Are You Ready erweist sich als generischer, aber amüsanter Rocker zwischen All Right Now und Heaven’s On Fire. Den können die Fans ohne Probleme mitsingen, obwohl die Nummer noch nicht in großem Stil veröffentlicht wurde. Anschließend greift Simmons in die große Kiss-Kiste mit den Hits und den Schätzchen: Zunächst glänzt Shout It Out Loud mit einem dreistimmigem Chor (die Einsätze von Paul Stanley teilen sich dabei die Gitarristen), dann macht Parasite überraschend viel Druck.

Die offizielle Setlist – aber dann kommt es doch anders…

Verpflichtend scheint die Setlist heute nicht zu sein, denn Simmons und seine Truppe spielen, was ihnen einfällt. Entweder schlagen die Musiker ihrem Boss ein Stück vor oder der ruft ungewöhnliche Nummern aus. Manchmal reagiert er sogar auf Zurufe aus dem Auditorium. Dann folgt eine kurze Frage an seine Mitstreiter („Do you know this one?“), und los geht’s. Das verleiht dem Abend eine angenehme Lockerheit; es macht Spaß, Seltenes wie She’s So European und härtere Spätwerke wie Unholy zu hören, selbst wenn das Quintett die Songs nicht immer bis zum Ende bringt.

Credit: Oliver Niklas

Für Do You Love Me? lädt Gene schließlich zwei Dutzend Damen auf die Bühne ein, die ihn mit hohen Stimmen unterstützen sollen. Auch hier übernehmen die Gitarristen wechselweise die Passagen von Paul Stanley, Gene singt nur im Chorus und amüsiert sich ansonsten über diese Einlage. Eine Fan-Dame fällt dem Bassisten besonders auf, weil sie sein markantes Make-up trägt. Simmons bittet sie ans Mikro, nachdem alle anderen Mädels die Bühne schon wieder verlassen haben. Er fragt sie nach ihrem Namen und muss lachen. Das Mädel heißt tatsächlich: Gina. Sie darf (eher: muss) I Was Made For Lovin’ You singen und schlägt sich ziemlich gut. Gene amüsiert sich weiter königlich.



Bisher standen mit Ausnahme von Are You Ready nur Kiss-Songs auf der Agenda, jetzt erhalten wir eine Geschichtsstunde: „Vor Peter Maffay“, beginnt Simmons einen kleinen Vortrag, „vor Die Toten Hosen, vor Die Ärzte, sogar vor Nena und Dschingis Khan, auch vor den Beatles, Led Zeppelin und Kiss, vor allen diesen Bands gab es schon die Urväter: Little Richard, Chuck Berry und Fats Domino. Sie haben den Rock’n’Roll erschaffen.“ Diesem Vermächtnis zollt die Truppe nun mit einer flotten Version von Little Richards’ Long Tall Sally Tribut. Welchen Einfluss diese „Ursuppe“ auf die Welt von Kiss hatte, zeigt sich im folgenden Let Me Go, Rock’n’Roll sehr deutlich.



Im Set finden sich weitere alte Schlachtrösser: Watchin’ You von 1974 zum Beispiel oder War Machine von 1982, bei dem damals ein junger Songwriter namens Bryan Adams mitgeschrieben hatte. Gene hält immer wieder kleine Schwätzchen mit dem Publikum und verspricht sogar, die „Arschloch-Sonnenbrille“ auszuziehen (seine Worte, nicht unsere). Seine Band fordert er auf, sich selber vorzustellen, den deutschen Fans dürfte vor allem Drummer Brent Fitz aus der Band von Slash bekannt sein.

Wirklich interessant wird es, wenn der Griff  in die Kuriositätenkiste geht: Das Instrumental Love Theme From Kiss vom Debüt hört man nicht oft, ebensowenig I vom umstrittenen 1981er-Konzeptalbum Music From (The Elder)Charisma von der Discoplatte Dynasty (1979) klingt live wesentlich rockiger, ebenso Radioactive, der einzige Track von Genes Soloalbum von 1978. Für I Love It Loud darf dann eine Horde Jungs auf die Bühne, um die „Yeah Yeah!“-Chöre mitzugrölen, bevor es wieder spontan wird: Die Band spielt Domino und Almost Human an und muss Ladies Room abbrechen. Simmons stört das nicht: „Ich weiß nicht mehr, wie das geht, und ich habe die Nummer geschrieben!“ Dafür gelingt Goin’ Blind sehr ergreifend. Bei dessen hoher Gesangslinie muss sich Gene ein wenig mehr anstrengen, eine Blöße gibt er sich nicht.



All The Way vom zweiten Album steht zwar regulär auf der Setlist, doch das lässt der Boss heute mit den Worten „Let’s skip that!“ weg. Stattdessen beenden Calling Dr. Love und natürlich Rock And Roll All Nite eine äußerst unterhaltsame Show. Man merkt, dass Gene Simmons es genießt, ohne großes Theater einfach Musik zu machen. Und die Kiss-Songs funktionieren auch so. Vielleicht sollte er Konzerte wie heute einfach öfter geben…

Credit: Oliver Niklas

 


Setlist:

Deuce
Are You Ready
Shout It Out Loud
Parasite
She’s So European
Unholy**
Do You Love Me?
I Was Made For Lovin’ You**
Long Tall Sally (Little Richard)
Let Me Go, Rock ‘N’ Roll
Watchin’ You
Love Theme From Kiss
War Machine
I
Charisma
Radioactive
I Love It Loud
Domino**
Ladies Room**
Almost Human**
Goin’ Blind**
Calling Dr. Love
Rock And Roll All Nite
(**nicht auf der Setlist, zum Teil nur angespielt)

Headerbild Credit: Axel Jusseit

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Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948.

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

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Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.2003 wird Produzent Phil Spector wegen Mordes verhaftet.

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Header-Bild: Video-Still aus https://www.youtube.com/watch?v=zC9N6kd7EUU

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.2003.

von Christof Leim

Eigentlich hätte Phil Spector bis zu seinem Lebensende in seiner Villa residieren und sich über ein erfolgreiches Leben freuen können. In den Sechzigern und Siebzigern wurde der US-Amerikaner zu einer einflussreichsten Figuren der Popmusik, erschuf mehr als 30 Chart-Hits und produzierte Alben von den Beatles, Ike & Tina Turner, Leonard Cohen, John Lennon, George Harrison und sogar den Ramones. Spector wurde vor allem bekannt für die „Wall Of Sound“-Technik, die seine Platten besonders bombastisch, klanglich dicht und groß klingen ließ. Doch aus einer geruhsamen Rentenzeit wurde nichts, denn Spector saß wegen des gewaltsamen Todes der Schauspielerin Lana Clarkson im Gefängnis. Die wurde am 3. Februar 2003 erschossen in seiner Wohnung gefunden.

Hört euch hier die Frühwerke von Phil Spector an:

An diesem Abend zieht Phil Spector um die Häuser. Als immens erfolgreicher Produzent, Songwriter und Musiker heißt das: Man lässt sich von seinem Chauffeur nach Hollywood fahren, kippt sich einen hinter die Binde und hängt in möglichst exklusiven Clubs herum. Der damals 69-Jährige landet schließlich im House Of Blues und trifft dort auf die Schauspielerin Lana Clarkson. Die hatte in Scarface, Barbarian Queen und Fast Times At Ridgemont High (dt.: Ich glaub’, ich steh’ im Wald) gespielt, arbeitet an diesem Abend aber als Hostess der VIP-Lounge. Zunächst weiß sie nicht, wer Spector ist, wird aber von ihrem Boss instruiert, den Gast seinem Status gemäß zu behandeln.

Lana Clarkson († 1962-2003). Foto: Albert L. Ortega/WireImage/Getty Images

Am frühen Morgen verlassen die beiden gemeinsam den Laden und fahren mit Spectors Limousine zu seiner 33-Zimmer-Villa im nahegelegenen Alhambra. Nach einer Stunde vernimmt der Fahrer Adriano de Souza, der vor der Tür wartet, einen Schuss. Er sieht, wie sein Boss mit einer Waffe in der Hand durch die Hintertür nach draußen tritt, und hört ihn sagen: „Ich glaube, ich habe sie erschossen.“ Souza ruft die Polizei, die findet eine grausige Szene im Wohnzimmer: Eine blonde Frau liegt in einem Sessel, gestorben durch einen Schuss in den Mund, unter ihr liegt eine Pistole. Lana Clarkson wurde nur 40 Jahre alt.

Credit: Public domain

Spector wird umgehend verhaftet, später aber auf Kaution (eine Million Dollar!) freigelassen. Im Prozess 2007 trumpft er zunächst dick auf, mit mehreren Anwälten und selbstbewusstem Auftreten. Von Anfang an behauptet er, Clarkson habe sich selbst getötet, er spricht sogar von einem Versehen, als sie die Waffe geküsst habe. Unter anderem filmt er sich selbst in einem Statement. Das glaubt ihm allerdings niemand, zumal die Gutachter feststellen, dass die Schauspielerin nicht suizidal veranlagt war.

Keine Ausreden

Weil die Jury sich nicht einigen kann, wird der Prozess neu aufgerollt. Details zu den Prozessen kann man auf Wikipedia und im britischen The Guardian nachlesen. Bei der zweiten Runde 2009 schlägt Spector leiserere Töne an. Es kommt raus, dass er oft und gerne mit Waffen herumfuchtelt. So hat er mehrmals seine Künstler (darunter Lennon, Cohen und die Ramones) bedroht, vor allem aber Frauen, die ihn abblitzen ließen. Auch sonst deuten alle Beweise auf ihn. Phil Spector wird deshalb wegen Totschlages („second-degree murder“) zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Dort stirbt er am 16. Januar 2021 mit 81 Jahren. Seinen Lebensabend hat sich der Mann sicher anders vorgestellt. Lana Clarkson sich den ihren allerdings auch…

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Zeitsprung: Am 4.2.1980 veröffentlichen die Ramones „End Of The Century“

 

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Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

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Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

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Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

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