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Popkultur

So war’s: Gene Simmons live in Oberhausen 2018

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"Gene Simmons kennen wir natürlich alle als Schlabberzunge von Kiss. Nun spielt er zum ersten Mal als Solokünstler in Deutschland – ohne Maskerade, mit eigener Band und mit einer halbspontanen Setlist aus Klassikern und Schätzchen. Wir haben uns das Konzert am 20. Juli in der Oberhausener Turbinenhalle angesehen.

von Christof Leim

Hier könnt ihr in die Setlist des Abends reinhören:

Klickt auf “Listen” für das volle Programm.

Gene Simmons verfolgt seit jeher unzählige Projekte außerhalb von Kiss, der legendären Hard Rock-Combo mit Schminke, Feuer und großer Show. So wollte er lange Zeit als Schauspieler Fuß fassen, er engagierte sich als Produzent, Autor, Songwriter, Reality-TV-Objekt, Merch-Mogul und genereller Geldscheffler. Nur als Solokünstler ist der 68-Jährige bis vor kurzem noch nicht aufgetreten – im Gegensatz zu seinem Kiss-Kollegen Paul Stanley, der bereits 1989 und 2006 unter eigenem Namen getourt war. Im vergangenen Jahr jedoch stellte der Bassist und Sänger die Gene Simmons Band zusammen, mit der er nun zum ersten Mal in Deutschland spielt. Dazu hat ihn das Magazin Rocks eingeladen, das in Oberhausen sein zehntes Jubiläum feiert.

Das „Rocks“-Magazin hatte zum Jubiläum geladen

Es ist unfassbar heiß in der Turbinenhalle, als die Sause am frühen Abend startet. Viele Fans stehen deshalb lieber im Flur oder sogar draußen, als die russischen Melodic-Rocker Reds’ Cool loslegen. Es folgen die Briten The Brew, bei denen vor allem der Drummer mit durchschlagendem Einsatz glänzt, bevor Thunder schließlich zeigen, dass man als klassische Rockband mit Stil reifen kann. Danny Bowes mag mit den kurzen grauen Haaren ein bisschen aussehen wie ein Erdkundelehrer, aber der Mann singt so großartig, als wäre irgendwann vor zwei Dekaden die Zeit stehen geblieben. Und tolle Songs wie Low Life In High Places sind allgemein verstandene musikalische Tatsachen: Sie funktionieren eben.

Natürlich sind die meisten Gäste wegen Gene Simmons gekommen. Das belegen die überproportional vielen Kiss-Shirts, manche Fans haben sich sogar das ikonische Schwarz-Weiß-Makeup ins Gesicht gemalt, und immer wieder erschallt irgendwo der Schlachtruf „You wanted the best, you got the best“. Für seine Soloshows verzichtet Gene auf sämtliches Brimborium, sein Dämonen-Charakter bleibt ebenso zu Hause wie aufwändige Bühnenaufbauten: Hinten eine kleine Wand aus Gitarren- und Bassverstärkern, ein Schlagzeug in der Mitte und vier Mikros – fertig. Nur die beiden hüfthohen grauen Kästen vorne fallen aus dem Rahmen: Der feuerspuckende „God Of Thunder“ hat sich heute Klimaanlagen mitgebracht, die kalte Luft auf die Bühne blasen.

Ziemlich entspannt und ohne Inszenierung tritt Simmons dann vor das Publikum, in schwarzer Lederhose, schwarzem Sakko und mit der unnachahmlichen Lord Helmchen-Frisur. Rasch setzt er sich seine Sonnenbrille auf, lässt sich einen Bass reichen, und los geht’s mit Deuce, dem bewährten Opener unzähliger Kiss-Shows, den das Ur-Line-up der Band bereits vor 45 Jahren bei der ersten Probe gespielt hatte. Simmons’ Mitmusiker lassen sich dabei nicht lumpen, die drei langhaarigen Gitarristen im bestem Rock’n’Roll-Gypsy-Styling posen wie die Weltmeister. Natürlich knallt das, natürlich steht den Kiss-Fans dabei ein erstes Grinsen ins Gesicht geschrieben, ganz zu schweigen von der Freude darüber, dass hier eine Rocklegende ein verhältnismäßig kleines Hallenkonzert spielt. Nach dem Song begrüßt Gene das Publikum erstmal mit einer paar lockeren Sprüchen auf Deutsch. Er lässt sich bejubeln und filmt das sogar in aller Seelenruhe mit seinem Smartphone, das auch beim Gig in der hinteren Hosentasche steckt. Eilig hat er es nicht, was gleich klar macht, dass heute Abend kein Programm einfach runtergeballert wird.

Beste Unterhaltung: Gene Simmons mit seiner Soloband. Pic: Axel Jusseit

Das nächste Stück stammt vom Gene Simmons Vault, dem „größten Boxset aller Zeiten“, wie der Chef mit Nachdruck verkündet: Are You Ready erweist sich als generischer, aber amüsanter Rocker zwischen All Right Now und Heaven’s On Fire. Den können die Fans ohne Probleme mitsingen, obwohl die Nummer noch nicht in großem Stil veröffentlicht wurde. Anschließend greift Simmons in die große Kiss-Kiste mit den Hits und den Schätzchen: Zunächst glänzt Shout It Out Loud mit einem dreistimmigem Chor (die Einsätze von Paul Stanley teilen sich dabei die Gitarristen), dann macht Parasite überraschend viel Druck.

Die offizielle Setlist – aber dann kommt es doch anders…

Verpflichtend scheint die Setlist heute nicht zu sein, denn Simmons und seine Truppe spielen, was ihnen einfällt. Entweder schlagen die Musiker ihrem Boss ein Stück vor oder der ruft ungewöhnliche Nummern aus. Manchmal reagiert er sogar auf Zurufe aus dem Auditorium. Dann folgt eine kurze Frage an seine Mitstreiter („Do you know this one?“), und los geht’s. Das verleiht dem Abend eine angenehme Lockerheit; es macht Spaß, Seltenes wie She’s So European und härtere Spätwerke wie Unholy zu hören, selbst wenn das Quintett die Songs nicht immer bis zum Ende bringt.

Credit: Oliver Niklas

Für Do You Love Me? lädt Gene schließlich zwei Dutzend Damen auf die Bühne ein, die ihn mit hohen Stimmen unterstützen sollen. Auch hier übernehmen die Gitarristen wechselweise die Passagen von Paul Stanley, Gene singt nur im Chorus und amüsiert sich ansonsten über diese Einlage. Eine Fan-Dame fällt dem Bassisten besonders auf, weil sie sein markantes Make-up trägt. Simmons bittet sie ans Mikro, nachdem alle anderen Mädels die Bühne schon wieder verlassen haben. Er fragt sie nach ihrem Namen und muss lachen. Das Mädel heißt tatsächlich: Gina. Sie darf (eher: muss) I Was Made For Lovin’ You singen und schlägt sich ziemlich gut. Gene amüsiert sich weiter königlich.



Bisher standen mit Ausnahme von Are You Ready nur Kiss-Songs auf der Agenda, jetzt erhalten wir eine Geschichtsstunde: „Vor Peter Maffay“, beginnt Simmons einen kleinen Vortrag, „vor Die Toten Hosen, vor Die Ärzte, sogar vor Nena und Dschingis Khan, auch vor den Beatles, Led Zeppelin und Kiss, vor allen diesen Bands gab es schon die Urväter: Little Richard, Chuck Berry und Fats Domino. Sie haben den Rock’n’Roll erschaffen.“ Diesem Vermächtnis zollt die Truppe nun mit einer flotten Version von Little Richards’ Long Tall Sally Tribut. Welchen Einfluss diese „Ursuppe“ auf die Welt von Kiss hatte, zeigt sich im folgenden Let Me Go, Rock’n’Roll sehr deutlich.



Im Set finden sich weitere alte Schlachtrösser: Watchin’ You von 1974 zum Beispiel oder War Machine von 1982, bei dem damals ein junger Songwriter namens Bryan Adams mitgeschrieben hatte. Gene hält immer wieder kleine Schwätzchen mit dem Publikum und verspricht sogar, die „Arschloch-Sonnenbrille“ auszuziehen (seine Worte, nicht unsere). Seine Band fordert er auf, sich selber vorzustellen, den deutschen Fans dürfte vor allem Drummer Brent Fitz aus der Band von Slash bekannt sein.

Wirklich interessant wird es, wenn der Griff  in die Kuriositätenkiste geht: Das Instrumental Love Theme From Kiss vom Debüt hört man nicht oft, ebensowenig I vom umstrittenen 1981er-Konzeptalbum Music From (The Elder)Charisma von der Discoplatte Dynasty (1979) klingt live wesentlich rockiger, ebenso Radioactive, der einzige Track von Genes Soloalbum von 1978. Für I Love It Loud darf dann eine Horde Jungs auf die Bühne, um die „Yeah Yeah!“-Chöre mitzugrölen, bevor es wieder spontan wird: Die Band spielt Domino und Almost Human an und muss Ladies Room abbrechen. Simmons stört das nicht: „Ich weiß nicht mehr, wie das geht, und ich habe die Nummer geschrieben!“ Dafür gelingt Goin’ Blind sehr ergreifend. Bei dessen hoher Gesangslinie muss sich Gene ein wenig mehr anstrengen, eine Blöße gibt er sich nicht.



All The Way vom zweiten Album steht zwar regulär auf der Setlist, doch das lässt der Boss heute mit den Worten „Let’s skip that!“ weg. Stattdessen beenden Calling Dr. Love und natürlich Rock And Roll All Nite eine äußerst unterhaltsame Show. Man merkt, dass Gene Simmons es genießt, ohne großes Theater einfach Musik zu machen. Und die Kiss-Songs funktionieren auch so. Vielleicht sollte er Konzerte wie heute einfach öfter geben…

Credit: Oliver Niklas

 


Setlist:

Deuce
Are You Ready
Shout It Out Loud
Parasite
She’s So European
Unholy**
Do You Love Me?
I Was Made For Lovin’ You**
Long Tall Sally (Little Richard)
Let Me Go, Rock ‘N’ Roll
Watchin’ You
Love Theme From Kiss
War Machine
I
Charisma
Radioactive
I Love It Loud
Domino**
Ladies Room**
Almost Human**
Goin’ Blind**
Calling Dr. Love
Rock And Roll All Nite
(**nicht auf der Setlist, zum Teil nur angespielt)

Headerbild Credit: Axel Jusseit

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Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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Popkultur

40 Jahre „I Can’t Stand Still“: Don Henleys Erste nach den Eagles

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Don Henley
Foto: Pete Cronin/Getty Images

Vor 40 Jahren veröffentlicht Don Henley sein erstes Album ohne die Eagles. I Can’t Stand Still zeigt ihm auf dem Cover neben einem Toaster am Küchentisch. Inhaltlich ist es eine knackige Abrechnung.

von Björn Springorum

Man darf sich zurecht fragen, was es mit einem macht, wenn man in der erfolgreichen US-amerikanischen Rockband aller Zeiten spielt. Wenn man die meisten ihrer Hits im Tandem mit Glenn Frey schreibt und Songs wie Hotel California auch noch selbst singt. Für Don Henley ist nach neun Jahren Eagles klar: Man macht Musik. Was denn sonst? Die Band bricht nach den schwierigen Aufnahmen zu The Long Run und einer kräftezehrenden Tour auseinander, neun Jahre Vollgas, Drogen und Weltruhm gehen eben nicht spurlos an einem vorüber.

Zwischen 1971 und 1980 ist Henley nur im Bandverbund aktiv, ins neue Jahrzehnt startet er als Solitär. Nun, nicht ganz, Henley, mittlerweile 33, ist gerade mit Stevie Nicks liiert, gemeinsam veröffentlichen die beiden 1981 Leather And Lace, ein ordentlicher Erfolg, der Don Henley auch eines zeigt: Es kann eben auch ohne die Eagles funktionieren.

Ganz allein geht es dann doch nicht

Eines wird ihm aber auch bewusst: So ganz allein wird das auch nichts. Also tut er sich mit dem Produzenten und Komponisten Danny Kortchmar zusammen, ein renommierter Starmacher, kaum älter als Henley und fast im Alleingang für den archetypischen Singer/Songwriter-Sound der Siebziger verantwortlich. Carly Simon, James Taylor, Carole King, Graham Nash oder Neil Young, alle arbeiteten schon mit ihm.

Für Don Henley wird Kortchmar nicht nur ein Produzent, sondern gleich ein Bandkollege. Gemeinsam arbeiten sie zwischen Januar und Mai 1982 an I Can’t Stand Still, einem Werk, das als Verlängerung der Eagles angesehen werden kann. Und auch wenn es kein Wunder ist, dass das Album so kurz nach dem Absturz der Adler noch das Echo seiner Vergangenheit in sich herumträgt: Schon vor 40 Jahren legt er die Saat für eine ebenso produktive wie beeindruckende Solokarriere.

Feldzug gegen die Medien

Musikalisch gibt es das, was Fans damals von ihm erwarten, stark unterstrichen von Keyboards, Synthesizern oder weiteren nicht ganz unbekannten Gästen wie Steve Lukather (Toto), Joe Walsh (sein alter Eagles-Kumpan) oder Bass-Titan Bob Glaub; lyrisch hingegen dreht Henley ordentlich auf. Deutlich mehr als bei den Eagles macht er seiner Desillusionierung Luft, singt in Dirty Laundry gegen die Oberflächlichkeit und Sensationsgeilheit der Medien an und landet damit gleich seinen ersten dicken Solohit. Pikant: Henley nutzt auch autobiografische Details für den Song und spielt auf die Berichterstattung rund um seine eigene Festnahme 1980 an, als man eine unter Drogen stehende 16-Jährige bei ihm zuhause in Los Angeles aufgriff. Also, welche damalige Zeitung da nicht groß berichten würde…

Springsteen spielt auf seiner Hochzeit

Ist aber nicht alles: Johnny Can’t Read geht mit dem desolaten Zustand des US-amerikanischen Bildungssystems hart ins Gericht, im Titeltrack thematisiert er recht trocken und ohne Melodrama Beziehungsprobleme. I Can’t Stand Still mag deswegen weniger eine musikalische Überraschung sein. Wohl aber eine inhaltliche, die den großen Rockstar plötzlich als kritischen Beobachter der Gesellschaft ausweist.

Geplant oder nicht: 1982 legt Don Henley eine Solokarriere, die auf Building The Beast (1984) merklich in Gang kommt und bis Cass County (2015) bislang fünf Soloalben und Evergreens wie The Boys Of Summer hervorgebracht hat. Hinter Ringo Starr, Phil Collins und Dave Grohl gilt er außerdem als viertreichster Drummer der Welt. Man kann es auch so ausdrücken: Wenn auf deiner Hochzeit unter anderem Bruce Springsteen, Sting, Shreyl Crow und Tony Bennett auftreten, dann hast du das eine oder andere richtig gemacht.

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Das Ende der Unschuld: Die Geschichte von „Hotel California“

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