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Popkultur

Die musikalische DNA von KISS

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An kaum einer Rockband scheiden sich dermaßen nachhaltig die Geister wie KISS. Was für manche wie eine unmotivierte Faschingsparty aussieht, ist für andere die bestmögliche Unterhaltung. Es braucht aber keine Mitgliedschaft bei der KISS Army, um eins zuzugeben: Dass das Starchild, der Demon, der Spaceman und der Catman ihr Handwerk verstehen. Anders wären sie wohl kaum zur größten US-amerikanischen Rockband der siebziger Jahre geworden und hätten wohl keinesfalls mehr Platten verkauft als so ziemlich jede andere Band.


Hört euch hier KISS’ musikalische DNA als Playlist an und lest weiter:


Das gilt aber nicht nur für ihre Imagepflege und die opulenten Bühnenshows des Quartetts, das seit Anfang der achtziger Jahre diverse Line-Up-Änderungen mit ansehen musste. Auch in musikalischer Hinsicht zeichneten sich KISS durch stilistische Offenheit aus, die vielen ihrer Zeitgenossen noch bis heute abgeht. „Unsere alleroberste Regel ist ‚keine Regeln‘“, soll Paul Stanley mal geknurrt haben, als ihn jemand auf das legendär krumme Logo seiner Band ansprach. Das gilt eben auch im Studio. Mit einem Blick auf die musikalische DNA von KISS erfahren wir, was die Band neben einer satten Show noch so alles zu bieten hat – und das ist einiges!


1. Alice Cooper – Hello Hooray

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Der Godfather of Shockrock, Alice Cooper, gehört zur musikalischen DNA von KISS wie die Zunge zu Gene Simmons. Neben den New York Dolls prägtet er mit seinen dramatischen Auftritten, aber natürlich auch seiner Musik die Band von Anfang an. Ohne Cooper wären KISS nie zu der Band geworden, die sie heute sind.

Ace Frehley erinnert sich: „Als KISS gerade am Anfang standen und nicht mal einen Plattenvertrag hatten, schauten Paul und ich uns die Billion Dollar Babies-Show an. Alice war unglaublich!“ Insbesondere der Opener Hello Hooray hatte es den beiden angetan. Gegen den Vorwurf, sie hätten Cooper nachgeäfft, wehrte er sich: „Wir wollten theatralischen Rock aufs nächste Level bringen!“ Cooper selbst zeigte sich ebenfalls nicht pikiert: „Als KISS groß rauskamen, haben sie es smart angestellt – sie haben ja nie behauptet, das erfunden zu haben.“ Also: alles in Ordnung!


2. Slade – Mama Weer All Crazee Now

Vor allem aber schauten KISS musikalisch immer nach England und fanden dort mit Led Zeppelin, Eric Clapton und seinen diversen Bands sowie natürlich den Beatles ihre Inspiration. Gene Simmons gab sogar sehr direkt zu, sich großzügig in Übersee bedient zu haben: „Ich habe so viele englische Riffs nachgebaut“, sagte er. „Wenn es den britischen Einfluss nicht gegeben hätte, dann wären wir heute nicht hier. Rock and Roll All Nite ist ein direkter Abkömmling von Slades Mama Weer All Crazee Now.“

Die Glam-Pioniere Slade machten Anfang der siebziger Jahre große Wellen, die auch in den USA ankamen. Als sie 1975 selbst in die Vereinigten Staaten übersiedelten, floppte die Band allerdings. Der Exotenstatus allein garantierte ihnen keine große Karriere. Aber KISS hatten sie auf ewig geprägt. „Wir mochten die Art, in der sie eine Verbindung mit ihrem Publikum aufbauten und echte Hymnen schrieben“, so Simmons in seinem Buch Kiss and Make-Up. „Wir wollten dieselbe Energie, die gleiche unwiderstehliche Einfachheit.“ Es ist ihnen gelungen – vielleicht sogar besser als dem Original?


3. The Who – Won’t Get Fooled Again

Die Schockeffekte von Alice Cooper und der dandyhafte Charme von Slade waren nicht das Einzige, was KISS gleichermaßen musikalisch wie ästhetisch geprägt hat. Auch The Who gehörten zu einer der britischen Bands, die für das Quartett stilprägend wurde. Sowohl in Sachen Lautstärke als auch in Hinsicht auf die Zerstörungswut, die das „Starchild“ Paul Stanley auf der Bühne an den Tag legte. 2009 überboten KISS auf einem Konzert im kanadischen Ottawa mit 136 Dezibel alle Lautstärkerekorde. 1976 waren The Who noch in die Geschichtsbücher eingegangen – mit zehn Dezibel weniger.

The Who hatten als eine der ersten Bands die wuchtige Simplizität von Rock-Musik in neue Sphären gehoben. Hymnisch und doch beinhart klang die Band um Pete Townshend, deren Rock-Opern für KISS und ganze Generationen zum Vorbild wurden. Den im Original ganze achteinhalb Minuten langen Song Won’t Get Fooled Again spielen KISS noch bis heute in einer unnachahmlichen Coverversion auf ihren Konzerten. Eine Hommage an die britische Band, die KISS mehr als nur den perfekten Gitarrenzerschmetterungswinkel beigebracht hatte!


4. Donna Summer – I Feel Love

Dass KISS Ende der siebziger Jahre zunehmend mit dem grassierenden „Disco Fever“ kokettierten, nahm ihnen so mancher Rock-Fan übel. Disco stand damals für zwanghaften Hedonismus, exaltierte Outfits und exzessives Gehabe. Moment mal – das klingt doch eigentlich wieder sehr nach Rock’n’Roll? Oder zumindest nach KISS! Es ist eigentlich kaum verwunderlich, dass sich KISS vom Dance Craze der späten Seventies anstecken ließen, denn Disco-Songs waren so simpel und doch mitreißend wie ihre eigenen Songs.

Als 1978 auf dem ersten Gene Simmons-Soloalbum Donna Summer für einen Gastauftritt vorbeischaute, wunderten sich trotzdem einige Fans. „Ein paar Jahre lang war Donna die Disco-Königin. Niemand konnte ihr das Wasser reichen. Und anders als andere Disco-Artists der Zeit war sie glaubwürdig“, erinnerte sich Simmons nach dem Tod der Legende, die zeitweise sogar im selben Haus lebte wie er. „Die Donna, an die ich mich erinnere, war eine warmherzige und charmante Person.“ Nur schade, dass aus Burning Up With Fever kein zweites I Feel Love wurde. Aber Giorgio Moroders Monsterproduktion für Summer ist eben unschlagbar.


5. Hello – New York Groove

Simmons war nicht das einzige KISS-Mitglied aus der Originalbesetzung der Band, welcher 1978 debütierte – tatsächlich legten alle vier zugleich ihre ersten Soloalben vor. Ein Marketingcoup? Vielleicht. Vor allem bewiesen die vier LPs, wie breit das musikalische Spektrum der Bandmitglieder sein konnte. Ace Frehley hatte in Hinsicht auf den kommerziellen Erfolg allerdings die Nase vorn. Der charismatische Spaceman ging darauf auf Suche nach seinen musikalischen Wurzeln und vergaß darüber keineswegs den charakteristischen Glam-Sound, der KISS bekannt gemacht hatte.

Das Kernstück des Ace Frehley-Albums war – natürlich – ein Produkt der britischen Glam-Szene. Der vom Songwriter Russ Ballard geschriebene New York City Groove wurde von der kurzlebigen Band Hello bekannt gemacht, bevor ihn Frehley nach einem prägenden Besuch am New Yorker Time Square neu interpretierte. Mit seinem stampfenden Beat und dem funkigen Gitarrenriff klang das Stück bei Frehley um einiges tighter als im Original. In Britannien erfunden, in den USA veredelt!


6. Ludwig van Beethoven – Klavierkonzert No. 5

Neben Gene Simmons und Ace Frehley ist das „Starchild“ Paul Stanley oft untergegangen, obwohl sein zackiges Rhythmusspiel der Band überhaupt erst ihren notwendigen Drive gab. Tatsächlich war Stanley Bert Eisen, wie der Gitarrist mit vollem Namen heißt, von Anfang an auf Rock’n’Roll geeicht. Als Backfisch stand zuerst Doo-Wop auf dem Programm, bevor er die Beatles und die Stones entdeckte. Seine erste Gitarre war – enttäuschender Weise – eine rein akustische. Obwohl ihm die elektrische lieber gewesen wäre, so behalf er sich mit Coverversionen von Bob Dylan, den Byrds oder The Lovin’ Spoonful.

Eine ganz andere und vielleicht überraschende Passion Stanleys allerdings findet sich woanders. Schon in früher Kindheit stieß er auf die Musik Ludwig van Beethovens. „Als sehr junger Bursche schon hatte ich eine Verbindung zur Musik, die ich selbst kaum verstand“, erinnerte er sich. „Beethovens Kaiserkonzert zu hören war für mich monumental. Es war so majestätisch und kraftvoll…“ Bei aller Einfachheit steckt in der Musik von KISS eben viel Wissen, Leidenschaft und eine Komplexität, die auf der Oberfläche nicht immer zu erkennen ist. Da passt der aufrührerische Klassik-Komponist tatsächlich bestens ins Bild!


7. Louis Prima – Sing, Sing, Sing (With A Swing)

Auch Peter Criss hat mehr zu bieten als nur den spitzbübischen Katzenlook, der seine Zeit bei KISS prägte. Der Kindheitsfreund des New York Dolls-Drummers Jerry Nolan war in seiner Jugend nicht nur ein begeisterter Student der schönen Künste, sondern auch ein Swing-Fan, wie er Seinesgleichen suchte. So begann die Karriere von George Peter John Criscuola tatsächlich auch in der Jazz- und Big-Band-Szene von New York und dem nahegelegenen New Jersey, wo er unter anderem bei Gene Krupa sein Hand- und Fußwerk lernte.

Gene Krupa erlangte bereits in den dreißiger Jahren mit seinem druckvollen Spiel Berühmtheit. Die rollenden Toms am Anfang von Louis Primas Sing, Sing, Sing (With A Swing) wurden stilprägend. „Er ist der Grund, warum ich Schlagzeug spielen“, berichtete Criss vor einer Weile auf seiner Homepage. „Wenn ich das Wort Schlagzeug auch nur höre, denke ich an Gene Krupa! Wenn es ihn nicht gegeben hätte, klänge zeitgenössische amerikanische Musik ganz anders.“ So wie auch KISS wohl nie KISS gewesen wären ohne den Einfluss der Drum-Legende!


8. Van Halen – Jump

Wenn wir von KISS sprechen, dann dürfen wir uns allerdings nicht allein auf die legendäre Originalbesetzung der Band beschränken. Eric Carr, Vinnie Vincent, Mark St. John und Bruce Kulick hinterließen genauso ihre Spuren im Sound der Band wie es heute Tommy Thayer und Eric Singer an der Seite von Gene Simmons und Paul Stanley tun. Dass Ace Frehley die Band gleich zwei Mal – 1982 und nach seinem Wiedereinstieg im Jahr 1996 sechs Jahre später zum allerletzten Mal – verließ, wird von vielen Fans immer noch als herber Verlust eingeschätzt.

Wusstet ihr allerdings, wer den Spaceman beinahe an der Leadgitarre ersetzt hätte? Niemand Geringerer als Eddie van Halen! In seiner Autobiografie Kiss and Make-Up berichtet Gene Simmons davon, dass der Gitarrist wegen der Spannungen zwischen ihm und dem Van Halen-Sänger David Lee Roth die Band wechseln wollte, sich aber von seinem Bruder Alex und Simmons dazu überreden ließ, standhaft zu bleiben. Mit Erfolg: Roth verließ die Gruppe stattdessen und wurde durch Sammy Hagar ersetzt. Wie KISS wohl mit Eddie van Halen in der Rolle des Spacemans geklungen hätten?


9. Vinnie Vincent Invasion – Boyz Are Gonna Rock

Van Halen war nicht der Einzige, der sich für die Nachfolge Frehleys empfahl. Auch Punky Meadows, Doug Aldrich, Richie Sambora und sogar Yngwie Malmsteen hatten Interesse daran. Die Wahl fiel dennoch auf den damals eher unbekannten Vinnie Vincent, der als „Ankh Warrior“ der Band einen neuen Touch verpasste. Der Gitarrist debütierte 1982 auf Creatures Of The Night als Leadgitarrist der Band, hielt es aber nur zwei Jahre in der Position aus, bevor er von Mark St. John ersetzt wurde. Vincents Mitgliedschaft fiel allerdings mit einer entscheidenden Wende im KISS-Universum zusammen: 1983 zeigte sich die Band erstmals ohne Make-Up der Öffentlichkeit.

Sein virtuoses Gitarrenspiel hatte der italienischstämmige Gitarrist im Elternhaus verfeinert, denn sowohl der Vater wie auch die Mutter verdienten mit der Musik ihren Lebensunterhalt. Der Name Warrior leitete sich übrigens von Vincents alter Band ab, die er für KISS verließ. Einige der Songs aus dieser Zeit wie etwa Boyz Are Gonna Rock nahm er allerdings wieder auf, als er sich nach dem Ende seiner KISS-Mitgliedschaft mit der Vinnie Vincent Invasion einen Namen machte. Der Glam-geprägte Hard Rock-Sound macht nur allzu deutlich, warum Simmons ihn selbst Gitarrengöttern wie Malmsteen vorzog.


10. Momoiro Clover Z – Moon Pride

Aller Eskapaden zum Trotz: KISS sind immer noch dabei und nach wie vor spricht ihr internationaler Erfolg Bände. Ihre spektakulären Bühnenshows wurden stilprägend für den Rock-Zirkus, manchmal aber liehen sich auch waschechte Pop-Acts Ideen von der Band. Wie weit der musikalische Einfluss der Band reichte, zeigte sich allein an der Compilation Kiss My Ass: Classic Kiss Regrooved aus dem Jahr 1994. Lenny Kravitz und Stevie Wonder, die Mighty Mighty Bosstones, Dinosaur Jr., Garth Brookes sowie sogar Die Ärzte interpretierten darauf alte Hits der Band in einem neuen Gewand.

In kaum einem anderen Land aber konnten KISS einen dermaßen großen Erfolg verbuchen wie in Japan. Nachdem die Band selbst einige Inspiration aus der reichhaltigen Kabuki-Tradition des Inselstaats bezogen hatte, kam es zu einem regelmäßigen Austausch zwischen den Kulturen. Das Yoshiki-Cover von Black Diamond auf Kiss My Ass war dabei nur der Anfang: 2015 tat sich die Band sogar mit der Idol-Gruppe Momoiro Clover Z für einen Song zusammen. „Musik, wie ich sie noch nie zuvor gehört hatte“, urteilte Paul Stanley über die quietschige Gruppe. Da würden viele Fans sicherlich zustimmen… Eine der sicherlich ungewöhnlichsten Kollaborationen der Rockgeschichte!


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Die musikalische DNA von The Who

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Im Auftrag des Herrn: Als Bob Dylan vor Papst Johannes Paul II. auftrat

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Bob Dylan
Foto: POOL/AFP/Getty Images

Gläubig war Bob Dylan irgendwie schon immer — mal in der einen, mal in der anderen Religion. Doch darum geht es nicht, als er am 27. September 1997 vor Papst Johannes Paul II. auftritt

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Echoes, Silence, Patience & Grace von den Foo Fighters anhören:

Mit seinem Gig vor Papst Johannes Paul II. löst Bob Dylan im September 1997 einen ganz schönen Trubel aus. „Darf der das?“, lautet die allgegenwärtige Frage. „Nein“, finden zahlreiche Mitglieder der katholischen Kirche. Kardinal Joseph Ratzinger (später: Papst Benedikt XVI.) möchte den Auftritt sogar verhindern. Doch Dylan bahnt sich seinen Weg zum Häuptling und gibt in Anwesenheit von mehr als 300.000 jungen Katholiken Songs wie Knockin’ On Heaven’s Door, A Hard Rain’s A-Gonna Fall und Forever Young zum Besten. Der Papst hält anschließend ein flammendes Plädoyer für die katholische Kirche — und zitiert darin auch Dylans Songtexte.

„Du sagst, dass ‚blowin‘ in the wind’ die Antwort ist, mein Freund“, proklamiert das Kirchenoberhaupt in Dylans Richtung. „So ist es. Es ist aber nicht der Wind, der Dinge davonträgt, sondern der Atem und das Leben des Heiligen Geistes. Die Stimme die ruft und sagt: ‚Komm!‘. Du fragst, wie viele Wege ein Mann gehen muss, bevor er zum Mann wird. Ich antworte: Es gibt für einen Mann nur einen Weg und das ist der Weg von Jesus Christus, der gesagt hat: ‚Ich bin der Weg und das Leben.‘“ Ob der Papst Dylans Fragen damit beantworten konnte, wissen wir auch nicht. Was wir allerdings wissen, ist, dass Dylans Auftritt beinahe nicht stattgefunden hätte.

Johannes’ Nachfolger Benedikt XVI. hat Einwände

„Es gab Gründe, skeptisch zu sein und das war ich“, schreibt Papst Benedikt XVI. in seinem Buch Johannes Paul II: Mein geliebter Vorgänger. 1997 heißt Benedikt noch Joseph Ratzinger und ist Kardinal. „In gewisser Weise bin ich auch heute [2007] noch skeptisch.“ So äußert der Rockmusikhasser in dem Buch seine Zweifel darüber, ob es richtig gewesen sei, den „sogenannten Propheten“ Dylan auf die Bühne zu lassen. 1997 möchte Kardinal Ratzinger das Konzert sogar aktiv verhindern und spricht sich gegen Dylans Auftritt aus. Zum Glück hat er damals noch nicht allzu viel zu sagen — und zum Glück sieht der amtierende Papst das Ganze ein wenig anders.

Dylan selbst erklärt in einem Newsweek-Interview, wie es um seine Religiosität bestellt ist: „Die Sache mit mir und der Religion ist die … Das ist die reine Wahrheit: Ich finde die Religiosität und Philosophie in der Musik. Ich finde sie nirgendwo anders.“ Immer wieder war es zu Verwirrung um Dylans Glauben gekommen, der zwar jüdisch aufwuchs, Ende der Siebziger aber unter großem Tamtam zum Christentum konvertierte. Später wendete er sich wieder davon ab. „Ich halte mich nicht an Rabbiner, Prediger, Evangelisten und all sowas“, versichert er. „Ich habe mehr durch die Lieder gelernt, als durch irgendeine Einrichtung. Die Lieder sind mein Lexikon und ich glaube ihnen.“

Dylan beim Papst: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe.“

Warum Dylan 1997 dennoch seine Chance ergreift und vor dem Papst auftritt, können wir nur erahnen. Die mediale Aufmerksamkeit wird sicher dazu beigetragen haben, denn nur wenige Tage später erscheint sein 30. Album Time Out Of My Mind. Doch auch der Spaß kommt nicht zu kurz: „Das war eine der besten Shows, die ich je gespielt habe“, verrät er später in einem Interview mit dem Irish Sunday Mirror. Außerdem erklärt er: „Es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich nur auf der Bühne glücklich sein.“ Touren falle ihm nicht schwer. „Viele Leute halten das Touren nicht aus, aber für mich ist das wie Atmen.“ Hoffentlich kommt er dabei nicht dem Atem des Heiligen Geistes in die Quere.

Aufnahmefehler und schlechte Verkaufszahlen: Die holprige Geschichte von Bob Dylans Debütalbum

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Popkultur

Pinke Stromgitarren für den Weltfrieden: Barbie And The Rockers

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Barbie And The Rockers

„"Blonde Haare, ein pinkes Traumhaus und ein noch pinkeres Cabrio: Seit mehr als sechs Jahrzehnten gehört Barbie zu den beliebtesten Spielzeugfiguren der Welt. Der erste Film mit der populären Puppe erschien am 27. September 1987 auf Videokassette. Der Name des Streifens: Barbie And The Rockers: Out Of This World. Ja, wirklich.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einen Ausschnitt aus Barbie And The Rockers anschauen:

Ihr habt richtig gelesen: Mitte der Achtziger gründet Barbie ihre eigene Band. Der Hintergrund: Spielzeughersteller Mattel möchte dem Konkurrenzprodukt Jem And The Holograms aus dem Hause Hasbro etwas entgegensetzen und schickt Barbie in die Welt der Krachmusik. „Barbie And The Rockers“ heißt die neue Reihe; in Europa erscheint sie unter dem Namen „Barbie And The Rock Stars“. E-Gitarren, ein Drumkit, sogar eine Bühne: Kinder, die mit der blonden Puppe Rock’n’Roll spielen möchten, haben ab 1985 die freie Wahl. Und nicht nur das: Die lautstarke Spielzeugreihe läutet auch Barbies Filmdebüt ein. Am 27. September 1987 erscheint die allererste Fernsehsendung der Puppe auf Videokassette.

Zugegeben, die Handlung von Barbie And The Rockers: Out Of This World klingt ein wenig albern. In dem Film wird Barbie aufgrund ihrer weltweiten Berühmtheit zur Botschafterin für den Weltfrieden ernannt. Als die Gruppe ihre Welttournee beendet hat, sagt Barbie, sie habe etwas ganz Besonderes geplant, das „nicht von dieser Welt“ sei. Selbst ihre Band weiß noch nicht, worum es geht. Eines Tages bekommt Barbie eine Einladung von der Weltfriedensorganisation. Zu ihren Ehren soll ein Ball veranstaltet werden. Sie bittet Ken darum, sie zu begleiten, und geht mit ihren Freundinnen shoppen. Auf dem Ball verkündet Barbie dann die große Neuigkeit: Sie möchte mit ihrer Band ein Konzert im Weltall geben.

Barbie And The Rockers: Soundtrack von den Beatles und Lovin’ Spoonful

Anfangs sind ihre Bandmitglieder wenig begeistert von der Idee, stimmen aber schließlich zu. Später fliegt die Rockgruppe mit einem pinken Space Shuttle zum „Interstar Amphitheater“, wo sie von einem Herrn namens Dr. Leonard begrüßt wird. Ein kleines Publikum wartet auch schon auf die Rockerinnen. Der anschließende Auftritt von Barbie und Co. wird weltweit im Fernsehen übertragen und die Band stellt sogar einen neuen Song vor, den sie extra für die Show geschrieben hat. Zum Schluss der Show erklärt Barbie, dass dies der erste Tag des Weltfriedens sei, und dass es nicht der letzte sein wird, wenn alle das genug wollen. Leichte Kost, also. Für den Soundtrack des Streifens covert Barbie unter anderem die Beatles und Lovin’ Spoonful.

Heute gibt es unzählige Barbie-Filme; ein weiterer soll nächstes Jahr anlaufen. Falls wir euch mit unserem Artikel angefixt haben, müssen wir euch allerdings enttäuschen: Barbie And The Rockers: Out Of This World ist ausschließlich auf gebrauchten Videokassetten und einigen wenigen DVDs erhältlich. Einer Neuauflage scheinen vor allem die Coversongs im Weg zu stehen, die für eine erneute Veröffentlichung noch einmal lizensiert werden müssten. Vielleicht klappt das ja eines Tages. Es wäre sogar ein Box-Set möglich. Mit Barbie And The Sensations: Rockin’ Back To Earth gibt es nämlich noch eine Fortsetzung von Barbies Rockstar-Abenteuern. Im Sequel kehrt die Puppe mit ihrer Band auf die Erde zurück — und steckt auf einmal im Jahr 1959 fest. Doch das ist eine andere Geschichte.

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Popkultur

Die 10 größten Meat-Loaf-Hymnen

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Meat Loaf
Foto: Sony Music Archive via Getty Images/Terry Lott

Er war ein gewaltiger Rockstar im Wortsinn: Die Musikwelt trauert um den großen Meat Loaf. Wir erinnern uns an den legendären Koloss des Hard Rock und blicken auf seine unvergesslichsten Songs zurück.

 von Björn Springorum

Auch wenn er natürlich viel mehr gemacht hat: Am ehesten bringt man Meat Loaf mit seiner Bat-Out-Of-Hell-Trilogie in Verbindung. Mehr als 65 Millionen Mal haben sich diese drei Alben verkauft, das erste und erfolgreichste geht bis heute rund 200.000 Mal jährlich über den Ladentisch. Kein Wunder: Das Meisterwerk von 1977 ist ein stellarer Moment des theatralischen Hard Rock, eine Art Broadway-Musical mit harten Gitarren.

Seine Stimme und das kompositorische Genie seines langjährigen Partners Jim Steinman nehmen eine Ausnahmestellung im Kanon des Rock‘n‘Roll ein. Hier kommen zehn seiner mächtigsten, emotionalsten, größten Songs.

1. I’d Lie For You (And That’s the Truth) (1995)

Meat Loaf hat sich nicht immer auf die Kompositionen von Jim Steinman verlassen. Schon zwei Jahre nach dem Erfolg von Bat Out of Hell II: Back Into Hell kommt Meat Loaf mit Welcome To The Neighborhood um die Ecke, einem Album, das auch ohne Steinman so klingt, als hätte er es geschrieben. Der erfolgreichste Song daraus wurde von Diane Warren komponiert, die zur damaligen Zeit eine unaufhaltsame Hitmaschine war. Die Power-Ballade wird dann auch zu seinem letzten großen Hit.

2. Rock And Roll Dreams Come Through (1993)

So ziemlich jeder Song auf der Fortsetzung von Bat Out Of Hell zeigt, dass weder Meat Loaf noch Jim Steinman die Pause von 16 Jahren geschadet hat. Ursprünglich für Steinmans 1981er Soloalbum aufgenommen, wird es durch Meat Loaf zu einem weiteren großen Epos aus Herzschmerz und einem Refrain, der so heute einfach nicht mehr gemacht wird. Ganz großes Kitschkino.

3. You Took The Words Right Out Of My Mouth (On A Hot Summer Night) (1977)

Als erster Beitrag seines legendären Gamechangers Bat Out Of Hell steht hier You Took The Words Right Out Of My Mouth, ein wahrgewordener Hard-Rock-Traum mit gotischem Video, grandioser Hook und allem, was den Rock‘n‘Roll der Siebziger so größenwahnsinnig machte. Besser wird‘s auch auf der größten Bühne nicht.

4. Two Out Of Three Ain’t Bad (1977)

Eigentlich könnte hier ja einfach das gesamte Bat Out Of Hell stehen, fertig. Es gibt einfach keinen Filler auf diesem Album. Auch Two Out Of Three Ain’t Bad ist ein echter Killer: Eine große, große Ballade, die Meat Loaf auf einem absoluten Höhepunkt zeigt und zugleich eins der besten Beispiele für Steinmans kompositorisches Genie ist. So was nennt man dann wohl perfekte Chemie.

5. Bat Out Of Hell (1977)

Allen Ernstes, wer sein Debüt mit einem Paukenschlag wie diesem eröffnen kann, der hat schon alles geschafft, ehe er überhaupt so richtig angefangen hat. Fast zehn Minuten nimmt sich der ausladende Opener Zeit und zieht auf dieser Langstrecke gleich mal alle Register: die Ouvertüre zu diesem unfassbaren Musiktheater, ein Start mit Feuerwerk, Kanonen und massiver Produktion. Übrigens: Als musikalische Gäste mischen hier Todd Rundgren sowie Roy Bittan und Max Weinberg von der E Street Band mit. Es heißt schon was, wenn man sagt, dass es die echt nicht gebraucht hätte.

6. Hot Patootie – Bless My Soul (1975)

Natürlich darf die Rocky Horror Picture Show hier nicht fehlen. Meat Loaf gibt in diesem schrägen Stück Rock‘n‘Roll den dusseligen Biker Eddie, der den Laden gehörig aufmischt. Sicherlich nicht seine Sternstunde. Aber allein aus popkultureller Sicht erwähnenswert.

7. Read ’Em And Weep (1981)

Kurioserweise wird nicht alles, was Meat Loaf und Jim Steinman gemeinsam angingen, zu Gold. Dead Ringer, der schwierige Nachfolger zu Bat Out Of Hell, leidet unter dem enormen Erfolg des Vorgängers, hat aber einige Perlen zu bieten. Read ’Em And Weep zum Beispiel, eine stimmungsvolle Ballade, die aber erst zwei Jahre später durch Barry Manilow zu einem gewaltigen Erfolg wird. Muss man manchmal nicht verstehen.

8. Objects In The Rear View Mirror May Appear Closer Than They Are (1993)

Am besten waren Meat Loaf und Jim Steinman immer zusammen. Das zeigt auch Bat Out Of Hell II: Back Into Hell, das Album, das 1993 eine zwölfjährige Funkstille beendet. Da ist sie wieder, diese theatralische, dramatische Magie und diese unfassbare Energie. Wir wiederholen uns, aber: Niemand schreibt solche Refrains!

9. I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) (1993)

Sein wahrscheinlich größter Hit stammt ebenfalls vom zweiten Teil seiner definierenden Trilogie: I’d Do Anything For Love (But I Won’t Do That) ist eine der größten Rock-Balladen aller Zeiten – obwohl bis heute eigentlich niemand so recht weiß, worum es in der Nummer eigentlich geht. Egal, die Musik ist so unfassbar spektakulär, dass Meat Loaf auch nur summen könnte und die Nummer wäre immer noch unsterblich.

10. Paradise By The Dashboard Light (1977)

Wenn wir uns festlegen müssten, würden wir diesen Song als absolutes Karrierehoch von Meat Loaf wählen. Unterteilt in drei Kapitel und über acht Minuten lang, dennoch als Single veröffentlicht: Für Meat Loaf und Jim Steinman gelten damals andere Regeln. Der Song ist ein Überbleibsel aus Steinmans Neverland-Musical und bringt Meat Loaf mit der Hauptrolle Ellen Foley zusammen. Ziemlich irre ist er auch: Inhaltlich dem Thema Sex im Auto verschrieben, gibt es im Video eine wilde Rummachszene, geschnitten in ein Baseballspiel.

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